Nr.2><> Zweiter Blatt Gletzeiier Anzeiger <Ge»eraI-AnzeIger fflr Gberheilen)Donnerstag,>b. September l*)??
Vesuch in der Arbeiler-tlnierkunfi
„Waldeslust".
Durch nationalsozialistische Initiative sind unserem Volke schon viele neue Gehalte und neue Formen gegeben worden. Mancher neue Weg wurde beschritten, Solche neue Form und neuen Weg bedeuten auch die Arbeiter-Unterkünfte, die an verschiedenen großen Baustellen entstanden. An den Reichsautobahnen machte man die ersten guten Erfahrungen damit.
Dicht vor den Toren unserer Stadt, bei der ehemaligen Ausflugs-Gaststätte „Waldeslust", wuchs vor Monaten auch eine solche Arbeiterunterkunft heran. Sie wurde etwa 320 Volksgenossen ein zweites „zu Hause". Die Arbeiter in der Unterkunft „Waldeslust" stammen aus Frankfurt, Offenbach, Bensheim, Gelnhausen und aus dem Hinterland. Die Arbeiterunterkunft „Waldesluft" ist bevorzugt durch eine einzigartige schöne Lage. Die vier großen Häuser sind von hohen Fichten umrauscht. Die Häuser stehen im Viereck zueinander und umschließen einen großen Wiesenplan, von Wegen durchzogen und von Blumenbeeten geschmückt. Ruhebänke laden während der Freizeit zum Verweilen ein.
Selbstverständlich ist alles getan, um den Arbeitern, die auf der nahen Arbeitsstelle keine leichte Beschäftigung haben, die Lebenshaltung so angenehm wie möglich zu gestalten Jeder Arbeitskamerad hat eine Bettstelle, die in regelmäßigen Fristen mit frischer Wäsche versehen wird. Wasch- und Badegelegenheiten mit warmem und kaltem Wasser sind vorhanden und werden viel und gern in Anspruch genommen. Für einwandfreie hygienische Einrichtungen ist gesorgt. Die Lagerkameradschaft hat dabei alle erdenkliche persönliche Freiheit, wenngleich selbstverständlich Ordnung gehalten werden muß. Doch fügt sich jeder! Einer nimmt Rücksicht auf den anderen! Das Lager ist eine Schule der Gemeinschaft!
Für die Sicherung des Lagers gegen Feuersgefahr ist alle Sorge getragen. In jedem Hause find mehrere Handfeuerlöschgeräte. In einem besonderen Schuppen ist eine Fülle von Material untergebracht, mit dem ein Brand im Lager oder ein Brand im angrenzenden Wald energisch bekämpft werden kann.
Für die im Lager notwendige Wäsche ist eine „Kammer" mit reichen Beständen da. Für die Vorräte an Nahrungsmitteln wurde eigens ein Keller mit Kühlvorrichtungen geschaffen.
Unter den Arbeitern ist mancher, der als Schwerarbeiter gelten muß. Da bedarf es kräftiger Essensportionen! Und daran fehlt es nicht! Niemand steht hungrig vom Tisch auf! Abwechslungsreich ist der Mittagstisch gehalten. Auch der Abendbrottisch
ist nicht langweilig gedeckt. Jedermann rückt zu gegebener Stunde mit seinem Eßgeschirr im Speiseaal an, der seine Gäste immer freundlich empfängt. Durch große Fenster dringt viel Licht in den Raum. Auf allen weißgedeckten Tischen stehen Blumen. Rasch vollzieht sich die Essenausgabe an der großen, mit modernsten Geräten ausgestatteten Küche, die durch einen breiten Schalter unmittelbar mit dem Speisesaal verbunden ist. Eine Kantine ist außerdem da. Da gibt es Bier, Rauchwaren, Süßigkeiten und manche Artikel des täglichen Bedarfs
Die Stunden der Freizeit sehen die Arbeitskameraden oft in großer Gemeinschaft beisammen. Die Zagerleitung veranstaltet immer wieder unterhalt- ame Abende. Aus berufenem Munde hört man Vorträge. Der weltanschaulichen Schulung ist auch manche Stunde gewidmet. Gesellschaftsspiele für kleineren Kreis sind vorhanden. Radioapparate sind für den Garten und den Speisesaal aufgestellt. In den vergangenen schönen Sommertagen wurde viel Sport getrieben. Geräte hierfür sind in Fülle da. Begeistert wurde auf dem nahen Sportplatz Fußball gespielt. Um die Freizeitgestaltung macht sich außerdem eine Lagerkapelle verdient, die, acht Mann stark, ausgezeichnet musiziert und in der Woche oft drei dankbar aufgenommene Konzerte gibt.
Bei einem Besuch in der Arbeiterunterkunft „Waldeslust" gewinnt man den Eindruck, daß sich alle Arbeitskameraden wohlfühlen. Man sieht überall zufriedene Gesichter! Die meisten sehen dank des kräftigen Essens und der Beschäftigung im Freien ausgezeichnet aus. Und immer wieder begegnet man dem grundehrlichen Gesicht des deutschen Arbeiters.
Es verdient hier noch erwähnt zu werden, daß Bauleiter Eichholz sich aus seinem starken sozialen Empfinden heraus alle Mühe um die beste Ausstattung des Lagers gab und der Unterkunft alle denkbare Förderung zuteil werden läßt. Die Leitung des Lagers liegt in Händen von Sturmbannführer Faulstich. Er ist den Arbeitern Kamerad, wie einer dem andern. Er, sein Stellvertreter Pg. Wald und der Rechnungsführer Oberscharführer Wolf lassen es sich angelegen sein, für Ordnung und Gerechtigkeit in jedem Hause zu sorgen. Immer haben sie ein wachsames Auge daraus, daß jedem das Seine zuteil wird.
So stellt die Arbeiter-Unterkunft „Waldeslust" eine enge und herzliche Gemeinschaft dar, die in ihrer Form nicht nur zweckmäßig ist, sondern all denen, die nicht Abend für Abend bei ihrer Familie sein können, ein „zu Hause" bedeutet, wie
es nach Lage der Umstände nicht glücklicher gedacht werden kann.
Feierabendgestaltung im Sommer.
NSG. Auch während des Sommerhalbjahres hatte die Abteilung „Feierabend" der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" eine außerordentlich große Zahl von Veranstaltungen zu verzeichnen Die beiden Tournees „Lache mit uns" und „Lache und staune", die im letzten Winterhalbjahr im ganzen Gaugebiet ihre Darbietungen zeigten, brachten noch eine Anzahl von Vorführungen. Durch die Betreuung der Reichsautobahnlager und Aufbaulager und die Gestaltung von Kameradschaftsabenden in den Betrieben waren große Aufgaben gestellt. Abkommen mit der Hitler-Jugend, dem BDM., dem Reichsbund für Leibesübungen und dem Reichsarbeitsdienst boten in unserem Gau eine breite Arbeitsgrundlage und auch eine Vergrößerung der Anforderungen an die Männer, die für die Feierabendgestaltung durch die Deutsche Arbeitsfront verantwortlich sind. Die Volkstumsarbeit zielte auf die Erhaltung aller noch vorhandenen bodenständigen Bräuche. Sie weckte daneben an vielen Stellen die schlummernden Kräfte in Menschen, die nun für die Kulturarbeit eingesetzt werden können. Einen weiteren Raum im Arbeitsgebiet der Abteilung „Feierabend" nahm die Durchführung von Freilichtspielen ein. Insgesamt verzeichnete die Abteilung ^Feierabend" der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" im ersten Halbjahr 1937 mehr als 900 000 Volksgenossen, die ihre Veranstaltungen besuchten.
„Schönheit der Arbeit" im Sau Hessen-Nassau.
NSG. Im Sommerhalbjahr wurden insgesamt 643 Betriebe besichtigt. Während dieser Zeit (April bis August) wurden in unserem Gau bei vorsichtiger Berechnung 1000 000 Mark für „Schönheit der Arbeit" durch die Betriebe ausgegeben. 60 000 Arbeitskameraden wurden im Sinne des Amtes „Schönheit der Arbeit" betreut. Als schöner Erfolg ist auch zu verzeichnen, daß auf Veranlassung und unter Mitwirkung des Amtes „Schönheit der Arbeit" drei Sportplätze und zwei Schwimmbäder innerhalb von Betrieben errichtet und fertiggestellt wurden. Die nächste Aufgabe ist die Aktion „Gutes Licht, gute Arbeit", die am 23. September beginnt.
So zeigt selbst dieser kurze Ausschnitt aus der Arbeit dieses Amtes, das heute in Deutschland zu einem Begriff geworden ist, daß stetig auch an dieser Aufgabe des nationalsozialistischen Deutschlands weiter gearbeitet wird.
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In der Freizeit findet man sich im Garten zu einer Plauderstunde ein. Blick in den Speisesaal der Arbeiter-Unterkunft „Waldeslust".
(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Aus der Stadt Gießen.
Gespräch im Vorherbst.
„Stellen Sie sich vor, wie das fein wird, wenn der erste, herbe Geruch des Vorfrühlings wieder in der Luft liegt und wenn die ersten „Kätzchen^ blühen und die Abende wieder länger werden...
Ich schaute meinen Kameraden am Schreibtisch an, wie man einen Menschen betrachtet, der plötzlich wahnsinnig geworden ist. Ich griff vorsichtig neben mich und packte einen Stuhl fest. Für den Notfall. . „ . .
.Nein, ich bin nicht verrückt geworden , sagte mein Kamerad. „Ich halte es nur mit Till, dem Eulenspiegel. Der pfiff, lachte und sang wenn er einen Berg hinankletterte, und wenn man ihn ragte, warum er so seltsam handele, sagte er, daß er sich schon auf das Abwärtswandern freue. Dieses pielend leichte Schreiten in die blaue Luft ... aber wenn es dann so weit war, jammerte er und schnitt instere Gesichter. Er dachte an die nächste Anhöhe.
Ich sah zum Fenster hinaus. Regen jagte dünn und häßlich an die Scheiben. Auf der anderen Seite warf ein Tippfräulein einen traurigen Blick auf die Straße und setzte sich wieder an die Maschine. An ihrem Fenster standen ein paar Rosen in einem Wasserglas. Letzte Rosen.
Don der Straße herauf kam das schlapsende Geräusch von Pneus, die durch Pfützen fahren. Es war Herbst geworden. Mein Kamerad starrte mich ge- dankenvoll an. „Meinen Sie nicht, daß ich doch im Recht bin?" Ich konnte nicht mehr nein sagen.
Der Regen klirrte heftiger an die Scheiben Mich fror. „Man sollte jetzt wirklich bald heizen!", sagte ich. „Was glaubt denn der Hausmeister eigentlich?
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Revolutionshoch- zeit." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Heiratsinstitut Ida & Co."
NSV., Ortsgruppe Gießen-Ost.
Vetr.: Lebensmittel-Opferring.
Die Sammlung wird Donnerstag, 16., und Freitag, 17 September, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur (Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.
NG.-Lehrerbund, Gießen.
Mdchenerziehung, Hauswirtschaft und Handarbeit.
Nächste Arbeitstagung: Samstag, 18. September, 15 Uhr, in der Mädchenberulsfchule in Gießen.
TlS.Gemeinfchaft „Kraft durch Zreude". Theaterring Gießen 1937/38.
Die Richtlinien für „KdF.-Mieten" können nunmehr bei allen Betriebswarten angefordert werden. Außerdem sind sie erhältlich in unseren üblichen Kartenvorverkaufsstellen und auf der Kreisdienststelle.
Die bisherigen Mitglieder der R5.-Kulturgemeinde werden gebeten, ihre Bestellung auf „KdF.-Mieten" umgehend einzureichen und nicht bis zum letzten
Pütjen Sie ein Klavier mit Sand?
$as würde seinem Glanz wohl nicht bekommen. Genau so isf s mit Ihren Zähnen. Für sie ist das Feinste gerade gut genug. Probieren Sie mal Nivea-Zahnpasta. Die erhält Ihre e* Zähne u. schont den Zahnschmelz.
„Revolutionshochzeit."
Gloria-Palast.
Schloß Trionville an der belgisch-französischen Grenze, 1793. Wenn das Fräulein Aline d'Estoile und der Marquis de Tressailes, soeben in Eile getraut und im Begriff, ihre Hochzeit miteinander zu feiern, von einer Truppe der Revolutionsarmee, die das Schloß nächtlicherweile umstellt und aushebt, zum Verhör geschleppt werden, dann stehen sich in den stolz und verächtlich schweigenden, könias- treuen Aristokraten und dem Bürger Kommissar Montaloup als dem Wortführer des Konvents und Vollstrecker des Volkswillens zwei Welten gegenüber, zwischen denen es, auch mit Worten, keine Verständigung gibt... oder zu geben scheint. Es erweist sich aber, daß der eigentliche Konflikt, die dramatische Seelenspannung tiefer wurzeln als in einer balladesken Szenerie und in der Konfrontierung von Royalisten und Jakobinern; es erweist sich, daß es dennoch eine Verständigung geben kann zwischen Menschen, die nicht nur durch Kokarden und Schleifen, sondern durch Herkunft und Anschauung unüberbrückbar geschieden zu sein scheinen. Und es erweist sich sogar, daß eine menschliche Allianz stärker sein kann als ein durch dieselbe Parole und die nämliche Uniform gestützter Gleichklang; selbst hier scheiden sich die Meinungen darüber, was recht und gerecht und was zu tun notwendig sei. So ist der Kern der Historie, der Fabel im verschollenen Kostüm sehr menschlich zu verstehen: der Oberst Marc Arron bewegt den Bürger Kommissar, die sofortige Exekution des Aristokraten bis zum andern Morgen zu verschieben, damit dem Paar seine erste und letzte und einzige Nacht geschenkt sei. Der Marquis vermag sie nicht zu nutzen. Aline bittet den Obersten, dem Gatten zur Flucht zu verhelfen; der tut es, zögernd, indem er mit jenem die Uniform tauscht. Aline verweigert dem Obersten den selbst, gebotenen Preis ihrer Liebe, bis sie — aus einem belauschten Gespräch zwischen Marc Arron und dem Kommissar — das Opfer begreift, das der Revolutionsoffizier um ihretwillen auf sich nahm. Nun vermag sie sich Marc Arron nicht mehr zu versagen; der scheint sogar im Morgengrauen gerettet, da der Marquis inzwischen „vor sich selbst kehrtgemacht hat", zurückkommt und sich stellt; selbst der Kommissar verzichtet auf Exekution, aber Marc Arron kennt den Preis seiner Tat und weiß auch, daß die Disziplin nicht untergraben werden darf: der (Emigrant wird als gemeiner Soldat „von neuem beginnen" — für sich selbst kommandiert er
mit ruhiger Stimme die Salve, die den Rollentausch dieser Nacht endgültig besiegelt. —
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Hans H. Z e r I e 11 schrieb das Buch (nach dem Schauspiel von Sophus Michaelis) und führte auch selbst Regie. Das gab einen Gesamteindruck von wohltuender Einheitlichkeit. Zerlett hat zweifellos die starken'theatralischen und balladesken Möglichkeiten erkannt, die in dem Schauspiel stecken — man merkt es an dem farbig-malerischen, vorwiegend auf Bildwirkung gerichteten Stil seiner Inszenierung; es wird ihm auch nicht entgangen sein, was im besonderen dramatisch, das heißt hier unfilmisch, war an diesem Stoff: die Auseinandersetzungen, die unter der Oberfläche der Bilder liegen und in allen Konsequenzen nur im Dialog herausgeholt werden konnten. Doch ist es ein Verdienst der Spielführung, daß Stimmung und malerische Szenerie die inneren Beweggründe und Hintergründe des Spieles nirgends überdecken ober verschleiern.
Das Fräulein d'Estoile ist Brigitte Horney; man sieht sie, leider, nicht häufig; zuletzt war es wohl in dem Film „Ein Mann will nach Deutschland". Hier ist ihr keine geringere Aufgabe zugefallen; sie muß eine seelische Wandlung glaubhaft machen, die leicht fragwürdig scheinen und mißdeutet werden könnte: es gelingt ihr aber. Dies ist eine Darstellerin, die äußerstes Maß und strenge Gehaltenheit mit leidenschaftlicher Gefühlskraft zu verbinden weiß. Sie bewegt sich mit damenhafter Anmut, und von ihrer leisen, ein wenig verschleierten Stimme geht eine merkwürdige Verführung aus. — Paul Hartmann als Oberst Marc Arron: manche mögen erwartet haben, ihn in diesem Spiel auf der andern Frontseite zu finden, aber je weiter das Spiel fortschreitet, um so mehr begreift man, daß er da steht, wo er muß; er steigert die Gestalt von Szene zu Szene mit einer bezwingenden Folgerichtigkeit, und es ist wohl mehr als ein Zufall, wenn man zuletzt ein wenig sogar an den Prinzen von Homburg erinnert wird, den Hartmann auf der Bühne gespielt hat. — Bernhard Minetti, der früher in Darmstadt wirkte, gibt den Bürger Kommissar Montaloup mit dem verbissenen Fanatismus des Jakobiners, mit einer ätzenden Schärfe und Kälte des Stimmklanges, in einer Maske, die im Gedächtnis haftet. — Friedrich Genfer spielt gesammelt und in guter Haltung die ein wenig schwierige Rolle des Marquis; vom übrigen Ensemble seien der junge Peter E l s h o l tz als Prosper und Carla Rust als Leonttne hervorgehoben. — An der Kamera stand Georg Krause,
dem die gute, klare Photographie zu danken ist. Walter Gronostay schrieb die Musik, in welcher die Klänge der Marseillaise als Leitmotto wiederkehren. — (Terra.)
Im Beiprogramm sieht man außer der Ufa- Wochenschau und einem Lehrfilm der Reichsbahn die „Heidenovelle" als interessantes Beispiel eines Versuches, dem kurzen Spielfilm neue Wege und Stilformen zu erschließen. Hans Thyriot.
Die Ernährung des Japaners.
Wie alle Kenner Ostasiens spricht auch H. K o - ft e r in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" von der Bescheidenheit der japanischen Lebensführung. Das Essen ist einfach und bietet wenig Abwechslung. Man ißt morgens, mittags und abends Suppen und Reis und ändert nur die Beikost ein wenig. Auch in die Schule bekommen die Kinder kalten Reis mit, den sie mit einer kleinen Beilage von Ei, Fisch, Rettich oder Gemüse verzehren. Die armen Bauern und die niederen Volksschichten ernähren sich in der Hauptsache von Reis, Gerste, Buchweizen, Suppen mit getrocknetem Tunfisch, Zwiebeln oder Gemüse. Die wohlhabenden Schichten leisten sich zu ihrer Suppe und ihrem Reis eine reichere Beikost. Dazu werden viel Konserven, insbesondere Fisch, verwandt, die eine große Industrie für den Verbrauch im Jnlande und für den Export herstellt. (Eier werden etwa so viel wie in Deutschland verbraucht. Gemüse gibt es in allen bekannten Arten. Besonders beliebt ist der weiße Riesenrettig, der in jeder Familie während des ganzen Jahres gegessen wird. Kartoffeln werden nur wenig verzehrt. Obst ist gut, aber teuer. Der Zuckeroerbrauch ist verhältnismäßig gering. Fleisch wurde früher gar nicht gegessen. Man schlachtet jetzt Rinder und Schweine, aber wenig; das Fleisch ist teuer, wie auch das Geflügel teuer ist. Für ausgedehnte Rinderzucht fehlt es ja auch an Weideland. Kuhmilch dient ausschließlich der Säuglingsernährung. Butter und andere Fette genießt der Japaner kaum. Dor Käse hat er einen Abscheu. Besonders interessant ist an den Darlegungen in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift", daß trotz der Einfachheit die Kost, auch die der ärmeren Schichten, nicht unterwertig ist, denn der Japaner hat (wie der Chinese), seit Jahrtausenden einen billigen Eiweiß- und Fettspender, den der (Europäer merkwürdigerweise zu benutzen immer noch nicht gelernt hat, das ist die Sojabohne. Sie wird in verschiedenen Zubereitungen zu allen Mahlzeiten genossen.
Emmy Güngerich, Chargenspielerin.
Emmy G ü n g e r i ch , die für die Winterspielzeit 1937/38 als Chargenspielerin an das Gießener Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über ihren Werdegang:
Ich bin Rheinländerin, geboren zu Krefeld als drittes Kind des Seidenfabrikanten Paul Wernh.
Dilthey und feiner Frau Emmy geb. Koenigs. Ich besuchte das Krefelder Lyzeum und dann später die Studienanstalt der Schillerschule Frankfurt a. M. Nach vollendeter Primareise bildete ich mich an der Frankfurter Schauspielschule für meinen Beruf aus und arbeitete dann in verschiedenen Städten, unter anderen Düsseldorf, Nordhausen, Krefeld. Später heiratete ich den Gießener Bildhauer Ludwig Güngerich und nahm fernerhin kein festes (Engagement mehr an. Nun hat ein Ungefähr es gefügt, daß ich in Gießen vergangene Spielzeit zweimal gastierte, als Rhodope in „Gyges und sein Ring" und als Lady Glenhurst in „Die Kleider meiner Frau". Ich bin daraufhin für die kommende Spielzeit in Gießen fest verpflichtet worden. — (Aufnahme: Stadt« theater-Archiv.)


