Aus den Gießer er Gerichtssälen.
Tag zu warten. Im Kreisgebiet erteilen Auskunft und nehmen Anmeldungen entgegen:
Allendorf (Lahn): Lehrer -.Kimmel, Schulstr.21.
Ullendorf (Lumda): Lehrer A. Strack, Nordecker
Straße 13.
Daubringen: Heinrich Bierau, Hauptstraße 17.
Geilshausen, Odenhausen, Kesselbach und Londorf:
Lehrer Roth, Geilshausen.
Großen-Vuseck: Rektor H. Inderthal, Wilhelm- strahe 11.
Grohen-Linden: Rektor W. Siegfried, Leihgestern, Bahnhofstraße 62.
Grünberg: Dr. W. Füßler, Bahnhofstraße 23. Heuchelheim: Paul Pfingst, Gießener Straße 92. Hungen: Lehrer Jockel, Bismarckstraße 12.
Lang-Göns: Schulverwalter Rudolf, Lang-Göns. Leihgestern: Rektor W. Siegfried, Leihgestern. Lich: Lehrer W. Hinkel, Butzbacher Straße 1. Lollar.- Lehrer Jakobi, Adolf-Hitler-Straße 129. Mainzlar: Karl Jung, Eichweg 7.
Treis (Lumda): Werkmeister H. Pfeil, Burgstr. 4.
Außerdem nehmen die betr. KdF.-Ortswarte Anmeldungen entgegen. 59970
wir bitten alle Theaterfreunde, ihre Anmeldungen möglichst sofort einzureichen, da wir bereits am 2. Oktober mit der ersten Vorstellung beginnen wollen.
politische Leiter aus Nürnberg zurück.
Nachdem am gestrigen Mittwoch in sehr früher Morgenstunde die SA. von Nürnberg nach Gießen zurückgekehrt war, kamen heute morgen die Politischen Leiter des Kreises Gießen im Sonderzug im hiesigen Bahnhof an. Der Musikzug des Kreises Wetterau der NSDAP, hatte zum Empfang auf dem Einfahrtbahnsteig Aufstellung genommen und begrüßte die Nürnbergfahrer mit schneidigen Marsch- klängen. Auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem sich schon zahlreiche Volksgenossen eingefunden hatten, formierten sich die Heimkehrer zum Marsch in die Stadt. Die Fahnen wurden entrollt, und dann wurde unter Dorantritt des Musikzuges der Marsch in die Stadt zum Hause der Kreisleitung angetreten. Viele der heimkehrenden Kameraden hatten Päckchen und Pakete, in denen sicherlich manches schöne Andenken an die Tage von Nürnberg enthalten war. Zahlreiche Volksgenossen standen an der Straße und grüßten die vielen Fahnen mit der gebührenden Ehrerbietung. Mit dreifachem Sieg- Heil auf den Führer fanden die erlebnisreichen Tage von Nürnberg für die Polittschen Leiter des Kreises vor der Kreisleitung ihren Abschluß. Viele Kameraden wurden von ihren Angehörigen abgeholt und begaben sich, während sie schon von ihren reichen Erlebnissen zu erzählen begannen, nach Hause, um sich einige Stunden der wohlverdienten Ruhe zu widmen.
Zeder Volksgenosse kann nach dem Bückeberg fahren.
NSG. Uraltem Brauch entsprechend wird das gesamte deutsche Volk am Abschluß eines Ernte- sahreL, dessen schöner Erfolg nun unter Dach und Fach ist, und am Beginn einer neuen Arbeitsschlacht zusammentreten, um dem Bauerntum für fein unermüdliches Schaffen Dank zu sagen. Was in den Kräften des Bauern stand, hat er getan, um dem Boden die Erträge abzuringen, die für die Ernährung unseres Volkes notwendig sind. Umgekehrt war der Bewohner in der Stadt dankbar für die Erzeugnisse aus eigener Scholle und verbrauchte das, was ihm jeweilig die Natur gerade darbot.
Auch zum diesjährigen Erntefest wird der Führer mit der Reichsregierung auf dem Bückeberg weilen, um gemeinsam mit dem deutschen Volke eine Feierpause in der großen Arbeitsschlacht zu begehen. Don Frankfurt aus gehen Hwei sehr günstige Züge zu diesem großen Treffen, deren einer am 2. Oktober über Gießen um 22.08 Uhr verkehrt. Jedem Bewohner in Stadt und Land wird
Ärohe Strafkammer Gießen.
Die Große Strafkammer verhandelte gestern gegen den H. Sch. aus Butzbach. Der Angeklagte, der zur Zeit in Königsberg wohnt und aus diesem Grunde vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, hatte vom Schöffengericht Gießen wegen Unterschlagung und Untreue fünf Monate Gefängnis und 30 Mark Geldstrafe erhalten. Seine Berufung richtete sich lediglich gegen das Strafmaß.
Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Angeklagte war in den Jahren 1935 und 1936 als Bezirksoertreter eines Frankfurter Zeitschriftenverlags und weiterhin als Vertreter einer Zeitung beschäftigt. Bis zum Mai 1936 war fein Konto bei beiden Firmen immer glatt. Don diesem Zeitpunkt ab begann der Angeklagte systematisch sich an den ihm anoertrauten Geldern zu vergreisen. So führte er an den Frankfurter Verlag einkassierte Bezirks- gelber in Höhe von 250 Mark nicht ab, sondern ließ sie in seine Tasche wandern. Die Zeitung schädigte er auf dieselbe Weise um 206 Mark. Dor dem Gericht erster Instanz hatte sich der Angeklagte hartnäckig aufs Leugnen verlegt und behauptet, er habe in der fraglichen Zeit 290 Mark verloren, weiterhin seien auch eine große Anzahl von Abonnenten mit den Bezugsgeldern im Rückstand, so daß sich auf diese Weise der Fehlbetrag von 450 Mark erkläre. Mittlerweile bequemte sich der Angeklagte aber zu einem Geständnis, offenbar in der Absicht, dadurch in der Berufungsinstanz mit einer geringeren Strafe wegzukommen. Die Kammer hatte jedoch keine Veranlassung, bei dem Angeklagten, der schon erheblich, darunter einschlägig vorbestraft ist, Milde walten zu lassen und kam daher zur Verwerfung der Berufung.
Amtsgericht Gießen.
Der L. M. aus Heuchelheim hatte wegen lieber- fretung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 2 0.— R M. erhalten. Ge- gen diesen legte er Einspruch ein, der gestern vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Angeklagte fuhr am 28.6.37 in Heuchelheim mit seinem Fahrrad auf einem Feldweg zu seinem Acker. Er lenkte dabei mit der einen Hand, während er mit der anderen zwei Sensen und einen Rechen mit» führte. Die Sensen waren allerdings vorschriftsmäßig geschützt. Ein aus einem Seitenfeld weg mit einem Fahrrad herauskommender Junge fttefe mit dem Angeklagten zusammen. Beide kamen zu Fall, wobei sich der Junge verletzte. In der gestrigen Hauptverhandlung bestritt der Angeklagte, an dem Vorfall schuldig zu sein. Er behauptete, der Junge sei so unvorsichtig gefahren, daß der Unfall auch bann nicht hätte vermieben werben können, wenn
mit diesen Sonderzügen Gelegenheit geboten, der eindrucksvollen Feier auf dem Bückeberg beizuwoh- ncn und damit sein Zusammengehörigkeitsbewußtsein zur großen Volksgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. Am Sonntag früh trifft der Zug in Grohnde, am Fuße des Bückebergs, ein und fährt von da am 3. Oktober 22.00 Uhr wieder zurück.
Gietzener lvochenmarktprette.
* G i e fe e n, 16. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche seine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte, 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, V» kg 9 bis 12, Weißkraut 6, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 18 bis 25, gelb 18 bis 25, Unterkohlrabi 8, Erbsen 20 bis 35, Feldsalat Vio 10, Tomaten 15 bis 17, Zwiebeln 6 bis 7, Meerettich 30 bis 35,
er beide Hande zum Lenken frei gehabt hätte. Diese Einlastungen waren dem Angeklagten nicht zu widerlegen. Trotzdem mußte der Angeklagte verurteilt werden, da er sich schon allein durch das Mitführen der Gerätschaften auf dem Fahrrad straffällig gemacht hatte. Das Gericht ermäßigte jedoch die Strafe aus 3.— R M.
Der L. H. aus Gießen hatte ebenfalls einen Strafbefehl über 20,— RM. erhalten, weil er trotz Hupverbotes in der Liebigstraße in Gießen gehupt hatte. Der Angeklagte begründete feinen Einspruch damit, daß er infolge eines Verkehrs- Hindernisses habe hupen müssen. Da dem Angeklagten das Gegenteil nicht nachzuweisen war, mußte in diesem Falle Freispruch mangels Beweises erfolgen.
Teilweisen Erfolg hatte auch der Einspruch des K. M. aus Gießen. Dieser hatte wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, unrichtiger Namens- angabe und ruhestörenden Lärms einen Strafbefehl über 20 Tage Gefängnis und sechs Tage Haft erhalten. Der Angeklagte war in der Nacht vom 11./12. April mit seiner Frau den Seltersweg, Richtung Frankfurter Straße, herauf- gcfommen, um in feine Wohnung An der Klär- anlage zu gehen. Ein Polizeibeamter merkte, daß die beiden auf der Straße lärmten und stellte sie deswegen zur Rede. Es kam dabei zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Angeklagte dem Beamten einen" falschen Namen angab. Dies wurde durch die Beweisaufnahme erwiesen. Bezüglich des Widerstands gegen die Staatsgewalt ging die Schilderung der Beteiligten derartig auseinander, daß dem Angeklagten ein schlüssiger Nachweis hierfür nicht geführt werden konnte. Es mußte daher in diesem Punkte Freisprechung erfolgen; im übrigen erkannte das Gericht wegen ruhestörenden Lärms auf einen T a g und wegen Nichtangabe der Personalien auf drei weitere Tage Hast.
Die Händlerin A. K. aus Allendorf a. d. Lda. hatte wegen Verstoßes gegen das Gesetz betr. den Gier- handel einen Strafbefehl über 60 Mark erhalten. Hiergegen legte sie Einspruch ein, der gestern vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Die Angeklagte hatte 172 Stück Eier aufgekauft, ohne im Besitz eines hierzu erforderlichen Uebernahmescheines zu sein. Die Angeklagte gab den Sachverhalt zu, behauptete jedoch, in gutem Glauben gehandelt zu haben, denn sie sei in einer kurz vorher stattgefundenen Versammlung der Eierverwertungsgenos- senschaft dahingehend belehrt worden, daß sie auch ohne einen derartigen Schein weiterhin Eier handeln dürfe. Diese Einlassung konnte der Angeklagten nicht widerlegt werden. Es mußte daher Freispruch erfolgen.
I Kartoffeln, K kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,50 Mk., Aepfel 10 bis 25 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Birnen 5 bis 25, Pfirsiche 40, Brombeeren 30 bis 33, Zwet- schen 10 bis 12 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppen- Hühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 40, Salat 9 bis 11, Salatgurken 5 bis 30, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 9 bis 12, Oberkvhlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. ,
*♦ Zum Hauptmannder Schutzpolizei ernannt. Oberleutnant der Schutzpolizei, Manfred Förster, der feit dem 1. Mai 1937 bei dem Kommando der Schutzpolizei der Polizeidirektion Gießen als Adjutant des Kommandeurs tätig ist, wurde durch Urkunde des Führers vom 10. 9. 1937 anläßlich des Reichsparteitages mit Wirkung vom 10. September 1937 zum Hauptmann der Schutzpolizei ernannt.
** Die Kanalarbeiten zur Entwässerung des Liebigbaues in der Liebig- strafee sollen demnächst begonnen werden. Die Aus- führung der Arbeiten wird jetzt zur Vergebung ausgeschrieben.
*♦ Rheinlandfahrt des D D A E. Der Deutsche Automobilclub, der sich, nachdem die sport- liehen Aufgaben an das NSKK. übergegangen sind, mehr dem Tourensport und dem Reisedienst an den Grenzen zugewandt hat, veranstaltet in den nächsten Tagen eine Rheinlandfahrt. Das Ziel der Fahrt ist die Reichs-Ausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf Die Veranstaltung wird vom DDAC. ohne sportliche Wertung durchgeführt. Don der Gießener Ortsgruppe des DDAC. wird sich voraussichtlich eine stattliche Anzahl Mitglieder beteiligen.
** Der Westerwald-Derein Gießen unternahm, wie man uns berichtet, am vorigen Sonntag eine Wanderung in das Lahntal. Nach der Bahnfahrt bis Niederwalgern führte der Marsch zunächst durch Wenkbach über die Nehbrücke die Lahn entlang bis nach Ronhausen, wo Einkehr ge-
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halten wurde. Dann ging es weiter nach Borts- Hausen und schließlich hinauf zum Frauenberg, von wo aus man einen herrlichen Rundblick hatte. Dann ging es hinunter nach Marburg, wo man allerlei besichtigte. In frohgemuter Stimmung wurde am Abend von Marburg aus die Rückfahrt nach Gießen angetreten.
** Allerlei Unfälle. In der Nähe vom Osroalösgarten wurde ein 78 Jahre alter Mann bewußtlos auf der Straße liegend aufgefundem Er wurde von der Sanitätskolonne nach der Klinik gebracht. — Ein 16 Jahre altes Mädchen erlitt bei einem Sturz von dem Fahrrad einen Unterschenkel- bruch, ein 30 Jahre alter Lagerarbeiter bei einem Sturz in der Alicenstraße die gleiche Verletzung. Eine 60 Jahre alte Frau aus der Wetzsteingasse fiel so unglücklich, daß sie einen Oberschenkelbruch davontrug; ein 26 Jahre alter Installateur erlitt bei einem Sturz eine Gehirnerschütterung; ein 30 Jahre alter Arbeiter kam bei der Arbeit durch eine Verletzung des Unterleibs schwer zu Schaden. Alle Verunglückten muhten der Chirurgischen Klinik zugeführt werden.
♦* Ausflug des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten. Am Sonntag unternahm die Ortsgruppe Gießen des Reichs- treubundes ehemaliger Berufssoldaten eine Fahrt an den Rhein. Auch die Familienmitglieder nahmen an der Fahrt teil. Frühzeittg verliehen dis Reiseteilnehmer in drei Autobussen unsere Stadt, um lahnabwärts zu fahren. In Limburg wurde die erste Rast gemacht. Dann ging es über die Hohen des Westerwaldes nach Kloster Arenberg, das besichtigt wurde. Auch der ehemaligen Festung Ehrenbreitstein wurde ein Besuch abgestattet. Eine prachtvolle Fernsicht rheinauf- und rheinabwärts lohnte den mühevollen Aufstieg auf die alte Festes In Koblenz, wo das Mittagessen eingenommen wurde, besichtigte man neben dem deutschen Eck die weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt. Am Nachmittag brachte der Dampfer „Schiller" die Reiseteilnehmer ftromaufmärts nach Braubach, wo die Marksburg einer Besichtigung unterzogen wurde. Nachdem noch Bad Ems ein Besuch abgestattet worden war, trat die Reisegesellschaft am Abend die Heimreise an. Zu später Abendstunde gelangten alle Teilnehmer wohlbehalten und hochbefriedigt von den schönen Eindrücken der gut organisierten Fahrt in unserer Stadt wieder an.
WMWWMll!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
17 Fortietzung (Nachdruck verboten.-
Nach kurzer Ueberlegung erhob sich Stefan.
„Entschuldigt einen Augenblick. Er will telegraphischen Bescheid haben. Friedrich mag das Telegramm gleich fortschaffen."
Damit verließ er das Zimmer.
Als er zurückkam, fand er Suse auf dem Korridor vor dem Spiegel der breiten Kleiderablage stehen. Sie kämmte sich sehr sorgfältig das glänzende Haar.
„Vollkommen überflüssig! Ist alles tadellos in Ordnung!" lächelte Stefan. Er ahnte, daß sie etwas auf dem Herzen hatte. Man kannte sich ja!
Suse überhörte die Worte.
„Sag' mal, mein Junge", wandte sie sich ihm zu. „findest du nicht, daß es eigentlich an der Zeit wäre, mir endlich deinen vorschriftsmäßigen und — nebenbei gesagt — wohlverdienten Dank abzustatten?"
„Und wofür, bitte ...?"
„Für geleistete Dienste, bitte!"
„Ach! Und worin bestehen die?"
„Darin, daß ich dir so ein Prachtexemplar von Assistentin besorgt habe."
Stefans Augen schweiften zur Seite.
„Weißt du so genau, daß sie eine solche Perle ist?"
„Weiht du es anders? Bist du nicht mit ihr zufrieden?"
Ihr Blick war hell wie Kristall. Aber ein verdächtiger Funke glomm darin auf.
Stefan machte wieder jene ruckartige Bewegung mit den Schultern, die in manchen Augenblicken charakteristisch für ihn war.
„Zufrieden ... Natürlich bin ich mit ihr zufrieden. Sie ist als Assistentin wirklich ein Prachtexemplar, um bei deinen Worten zu bleiben. Mehr willst du hoffentlich nicht wissen ..."
„O doch! Ich mochte zum Beispiel wissen, warum du sie dann so unter aller Würde behandelst..
Stefans Lippen wurden schmal.
„So...! Hat sie sich bei dir beklagt?"
„Da kennst du sie schlecht! Nein, aber ich habe selber genug gesehen. Man hat doch Augen im Kopf. Und ich finde es — wir sind ja gewohnt, uns die Wahrheit zu sagen, nicht wahr? — also ich finde es ungezogen, abscheulich, empörend, daß du Annelore gegenüber auch die leiseste Spur von Kavalier vermissen läßt. Und zwar in einer Weise, die nur auf bewußte Absichtlichkeit schließen läßt."
Er überging ihre letzten Worte. Seine Sippen verzogen sich verächtlich.
„Kavalier — das Wort hat einen peinlichen Beigeschmack ...!"
„Für den, der es will. Du weißt aber ganz genau, was ich meine: die einfachste, selbstverständliche Anstandspflicht, die man auch von einem Frauenhasser wie dir verlangen kann und muß. Es ist wirklich empörend, wie du dich benimmst, und ich fasse das als persönliche Kränkung auf, denn Annelore ist meine Freundin. Du beleidigst mich damit genau so, wie du Annelore beleidigst und erniedrigst. Erniedrigst, jawohl! Und ich wiederhole: das kann nur bewußte Absicht sein! Denn du hast sonst keine Ursache dazu. Nicht die geringste."
Sie war erregt, wie Stefan sie sonst nicht kannte. Und das schlimmste war, daß sie im Recht war. Er suchte sich durch leise Ironie zu helfen, obwohl er wußte, daß das ein sehr kläglicher Versuch war.
„Ich bin erschüttert von dem Bilde, das du von mir entwirfst!"
Aber unter ihrem stummen Blick wurde er plötzlich wieder ernst. Er atmete ein paarmal tief. Sein Gesicht nahm einen harten, beinahe gequälten Ausdruck an.
„Dir will ich es sagen, Suse: Es ist nicht Absicht von mir. Ich habe nicht die Absicht, dich und deine Freundin zu kränken. Ich — ich kann nur einfach nicht anders ...!"
Einen Augenblick trafen sich ihre Blicke. Suses Erregung flutete wieder zurück und machte einem weichen Gefühl Platz.
Armer Kerl! dachte sie. Aber sie sprach es nicht aus. Sie wußte, wie man ihn zu behandeln hatte. Und sie wußte, daß — Hoffnung war...
Stefan war schon zurückgetreten. Stumm öffnete er die Tür, um Suse vorangehen zu lassen.
Zwei Tage darauf kam ein Telegramm von dem Konsul. Er teilte mit, daß man am nächsten Tage gegen Abend mit dem v-Zug eintreffen würde, und bat, einen Wagen an die Bahn zu schicken.
In aller Eile waren im hinteren Teil des südlichen Flügels ein paar Zimmer hergerichtet morgen, deren Fenster auf den verschneiten Park hinaus- gingen. Annelore tat eben noch ein paar ordnende Handgriffe, als Stefan eintrat, um die Zimmer zu besichtigen.
„So geht es ja ganz gut. Ein bißchen umständlich zwar, aber es ist ja nur ein Notbehelf, bis anderweitig Platz wird. Wenn Ihnen übrigens die Arbeit zuviel werden sollte, so nehmen Sie nur die Pflegerin ein bißchen mehr heran. Es kann ihr bestimmt nicht schaden."
Er nickte Annelore kurz zu und ging wieder, ehe sie noch antworten konnte.
Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust, während sie seiner hohen, kraftvollen Gestalt nachsah. Er war seit einigen Tagen anders, war aufgeschlossener, zugänglicher, man konnte beinahe sagen: menschlicher. War das nicht Entschädigung für manche bittere Stunde?
Es dämmerte sacht auf das winterliche Schloß herab, als sie nach den Wirtschaftsräumen hinüberging, um mit der Mamsell über das Abendessen für die Patienten zu sprechen. Im Halbdunkel des mit Steinfliesen belegten Dorraums traf sie unerwartet mit Wolfersdorfs zusammen, der in der Sattelkammer gewesen war und nun den langgestreckten Flur entlangkam.
Er blieb sofort stehen, als er sie gewahrte.
„Ah, die schone Dame in Weiß...!" näselte er mit Anspielung auf ihren weißen Leinenmantel. „Kann man irgendwie behilflich fein?"
Ein brennender Blick seiner unangenehmen Augen heftete sich auf ihr Gesicht. Annelores Augenbrauen schoben sich unwillkürlich zusammen. Seit sie dem Menschen zum erstenmal in ihrer zurückhaltenden, aber doch freundlichen Art auf seinen Gruß gedankt hatte, benutzte er jede Gelegenheit, sich ihr zu nähern.
Sie hob kühl den Kops.
„Danke", lehnte sie kurz ab" und tat rasch die wenigen Schritte bis zur Küchentür. Ein erneuter
brennender Blick folgte ihr. Sie sah es nicht, aber sie glaubte es zu fühlen. Sie hielt sich so lange in der Küche auf, bis sie annehmen konnte, daß Wolfersdorfs wieder verschwunden war.
Stefan hatte das Gutachten des Arztes, der die Gattin des Konsuls behandelt hatte, noch einmal gelesen. Er war nun doch froh, daß er den Fall noch übernommen hatte, das Interesse des Arztes und Wissenschaftlers war in ihm wach geworden. Fälle dieser Art waren selten. Es würde vermutlich eine schwierige Operation geben. Wenn eine Operation überhaupt möglich war! Ader wenn sie gelang, dann erwarb man sich damit gleichzeitig ein wissenschaftliches Verdienst.
Eine gewisse Spannung und Erwartung hatte sich Stefans bemächtigt. Um die Zeit, da der Konsul mit seiner Gattin eintreffen mußte, war er gerade sehr in Anspruch genommen. Als er mit Annelore aus dem Zimmer einer Patientin trat, hörte er draußen den Wagen vorfahren. Er war unschlüssig, was er tun sollte. Man hatte noch einen Patienten aufzusuchen, einen sehr nervösen und ungeduldigen Herrn, der über die ganz natürlichen, durch Serumeinspritzungen verursachten Schmerzen klagte und von dem man erfahrungsgemäß immer über Gebühr aufgehalten wurde. Aber es half nichts, das mußte erst noch erledigt werden. Man konnte den Besuch heute ja einmal abkürzen.
Der Konsul und seine Gattin waren indessen in das hohe, geschmackvoll eingerichtete Empfangszimmer geführt worden, das gleich vorn in der Nähe des Eingangs lag. Wolfgang von Achenbach kam die Treppe herab, als das Mädchen, das die beiden geführt hatte, das Empfangszimmer gerade wieder verlassen wollte. Er hörte durch die offene Tür eine angenehme, ruhige, liebevoll besorgte Männer- stimme. Ach, richtig, das war gewiß der Konsul.
Er warf einen diskreten, aber interessierten Blick in das Zimmer und sah für einen Augenblick die imposante Gestalt eines Herrn mit lichtem, ergrautem Haar, der vor einer Dame stand und auf sie einsprach. Don der Dame konnte er nur den offen- stehenden, zu beiden Seiten lose herabfallenden Pelzmantel und eine ringgeschmückte Hand sehen.
In dem Augenblick, als das Mädchen die Tür wieder hinter sich schloß, hörte er drinnen einen Namen fallen, der ihn aufhorchen liefe.
Fortietzung folgt.
DAS
3&ckeM ihm ‘SewuiAe
MAGGI5 Fleischbrühe!


