, Deutschlands Beiträge zum"
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Eine Unterredung mit dem Reichsaußenmmiste
Presto mit Ausnahme der kommunistischen „Huma- nite" begrüßt. Der Alpdruck, der gerade in dieser Frage auf ganz Europa lastete, sei endlich gewichen. Es bleibe jetzt nur noch zu wünschen übrig, schreibt „Echo de Paris", daß sich das Abkommen auch zur festgesetzten Zeit voll auswirken könne. Der „Petit Parisien" betont, daß der kritischste Punkt nunmehr überwunden sei. Sollte die Kontrolle in der ersten Zeit noch auf Schwierigkeiten stoßen, so könnten immer noch gewisse Abänderungen oorgenommen werden.
Kolomardebatte
im englischen Unterhaus.
Konservative „Besorgnisse".
London, 15. Febr (DNB.) Im Unterhaus fragte der konservative Abgeordnete Adams, ob der Außenminister unmißverständlich zum Ausdruck bringen wolle, daß die britische Regierung die Abtretung von Gebieten, die sich unter britischer politischer Kontrolle befinden, an das nationalsozialistische Deutschland nicht ins Auge fassen könne. Unterstaatssekretär Lord Cranborne antwortete, die Regierung habe schon früher erklärt, daß sie eine solche Abtretung nicht erwäge. Besprechungen in diesen Angelegenheiten seien nicht im Gange. Die Be-, sprechung zwischen dem Lordsiegelbewahrer und dem deutschen Botschafter sei lediglich ein Austausch von Ansichten über eine Reihe von Gegenständen gewesen, die für die beiden Länder von Interesse seien. Ein derartiger Gedankenaustausch finde üblicherweise von Zeit zu Zeit statt. Der konservative Abg. Sandys fragte alsdann, ob der Außenminister sich bewußt sei, mit welcher Befriedigung die englische Oeffentlichkeit davon Kenntnis nehmen werde, daß die britische Regierung trotz der vielen „Deutschlanderklärungen" in der Kolonialfrage es bisher nicht einmal für nötig befunden habe, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Der Abgeordnete stellte folgenden Antrag: „Das Unterhaus nimmt mit Befriedigung die Versicherung zur Kenntnis, daß die britische Negierung die Abtretung irgendeines Kolonial- oder Mandatsgebietes nicht erwägt". Mehrer Abgeordnete haben ihre Unterschrift dem Antrag beigefügt.
Deutsch-englische Aottenbesprechungen
London, 15. Febr. (DRV.) 3m englischen Außenaml fanden am Samstag zwischen den deutschen und britischen Vertretern Flottenbesprechungen über die Herbeiführung eines zweisei- igen Abkommens zwecks Begrenzung der Flottenrü st ungen nach dem Muster des Vertrages von 1936 statt. 3m Verlaufe der Besprechungen stellte sich heraus, daß in dieser Frage keine ernsten Meinungsverschiedenheiten bestehen. Ls wurde beschlossen, Schritte zu unternehmen, um einen entsprechenden Vertragsentwurf vorzubereiten. Wie englischerseits mitgeteilt wird, finden ähnliche Besprechungen zur Herbeiführung eines zweiseitigen Abkommens auch mit Sowjetruhland statt.
Der neue Völkerbundskommiffar für Danzig.
Der Schweizer Historiker Carl Burckhardt ausersehen.
Rach einer Meldung aus Danzig ist der Genfer Universitätsprofessor Carl Burckhardt zum Völkerbundskommissar für die Freie Stadt Danzig ausersehen worden. Der Dreiev Ausschuß des Völkerbundsrats wird zur Ernennung des Kommissars in dieser Woche zusammentreken.
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Carl Burckhardt ist ein entfernter Verwandter des berühmten Kultur- und Kunsthiftorikers Jakob Burckhardt. Er entstammt also der alten vor Jahrhunderten aus Deutschland eingewanderten Baseler Patrizierfamilie, die mit Deutschland, Frankreich und England enge geistig-kulturelle Verbindung hat. Er ist 1891 in Bafel geboren und hat dort, in München, Göttingen und Zürich studiert. Während des Krieges war er zeitweise Geschäftsträger der Schweiz in Wien, später gehörte er einer Sondermission des Roten Kreuzes für Anatolien an. Nach weiteren historischen Studien in Paris und Wien wurde er 1928 Professor an der Universität Zürich. 1932 wurde ihm das Ordinariat für neuere Geschichte am Institut für internationale Studien in Genf übertragen. Im Auftrage des
Hamburg, 15. Febr. (DNB.) Einem Vertreter des „Hamburger Fremdenblatt" erklärte der Reichsaußenminister Freiher van Neurath u. a.:
„Die Erklärungen, die wiederholt von den berufensten Stellen in Deutschland selbst und in anderen Ländern unserer europäischen Zivilisation ergangen sind, stimmen alle in der Ueberzeugung überein, daß nicht der gering st e Anlaß oorliegt, um irgendwelche Gefahren für den Frieden Europas innerhalb dieses Kul- turkreises anzunehmen. Gefährlich ist nicht die außenpolitische Konstellation, die man als weitgehend entspannt bezeichnen darf, sondern lediglich die Kriegspsychose, die systematisch von Leuten geschürt wird, bei denen ein Interesse an einer derartigen Tätigkeit oorliegt. Dieses Treiben, das sich für die breite Oeffentlichkeit nicht immer sichtbar in einem schattenhaften Halbdunkel vollzieht, stört freilich immer wieder das Aufbauwerk, dessen Förderung die vornehmste Pflicht aller verantwortlichen Staatsmänner ist.
Selbst die hochherzigen Angebote, die der Führer mit dem ganzen Gewicht seiner Autorität zur Frage der Rüstungsbeschränkung machte, waren zum Scheitern verurteilt, weil die Politik des damaligen französischen Außenministers sich nicht entschließen konnte, darauf einzugehen. Aber auch abgesehen von dem unantastbaren Recht, das Deutschland aus den historischen Tatsachen herleiten darf, steht das Ausmaß der deutschen Ausrüstung in keinem Verhältnis zur po- tentiellenStärkeseinerNachbarn. Diese vergrößert sich bei ihnen um das Gewicht der m i l i - tärischen Bündnisse, auf die sie sich stützen können. Deutschland muß sich ausschließlich aus seine eigene Kraft verlassen. Wenn die britische Regierung jetzt beabsichtigt, sich vom Parlament eine Blankovollmacht für Rüstungs- Zwecke im Betrage von fünf Milliarden Mark ausstellen zu lassen, so denken wir nicht daran, ihr das Recht streitig zu machen, über den Umfang
Roten Kreuzes ist er noch mehrfach im Ausland gewesen. So hat er auch 1934 am Kongreß des Roten Kreuzes in Tokio teilgenommen.
In Deutschland ist er besonders bekannt geworden durch seine Monographie über Maria Theresia und sein großes Werk über Richelieu, von dem der erste Band im Verlag Callwey-München erschienen ist. Die Lebendigkeit der Sprache wie der Gedankenführung, die seine Werke auszeichnet, mag ihren Ursprung darin haben, daß der Verfasser vergangene Zeiten aus dem Spiegel einer bewegten Gegenwart sah und mit packender Anschaulichkeit beschrieb. Burckhardt gilt als ein Mann voll lebendigen Verständnisses und warmer Teilnahme für deutsches Wesen und deutsches Schicksal.
Kallio zum finnischen Gtaats- präsidenten gewählt.
Helsinki, 15. Febr. (DNB.) Die Präsidentenwahl wurde am Montag von den 300 Wahlmännern im Reichstag vorgenommen. Ministerpräsident Kallio leitete verfassungsmäßig selbst die Wähl. Die Spannung über den Ausgang war groß. Bis zuletzt hatten Die Parteien noch untereinander verhandelt, ohne daß im voraus Klarheit über den Wahlausgang zu gewinnen war. Im ersten W ah l g a n g erhielt Svinhufvud 94 Stimmen (18 Stimmen von der vaterländischen Volksbewegung, 68 von der Svinhufvud-Liste und 8 schwedische Stimmen), 12 Schweden waren also schon im ersten Wahlgang Svinhufvud untreu geworden. Kallio erhielt nur die 56 Stimmen feiner Partei, und der frühere Präsident S t a h l b e r g genau 150 Stimmen, also gerade eine Stimme weniger als zu seiner sofortigen Wahl mit absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang nötig gewesen wären. Für Stahlberg stimmten 95 Sozialdemokraten, die also, um eine Wahl Svinhufvuds zu hintertreiben, im ersten Wahlgang schon ihren eigenen Kandidaten fallen ließen. Ferner stimmten für Stahlberg 36 Fortschrittler und 19 Schweden. Im zweiten W a h l g a n g erhielt Ministerpräsident Kallio mit 177 Stimmen die absolute Mehrheit, da ihm nunmehr geschlossen die sozialdemokratischen Stimmen zufielen. Er wurde damit zum Präsidenten gewählt. S t a h l b e r g waren nur noch 19 Stimmen zugefallen und Svinhufvud 104 (68 Stimmen der Sammlungspartei, 18 der
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ihrer Sicherheit nach Maßgabe ihrer eigenen militärischen Bedürfnisse zu entscheiden. Denselben Grad von Loyalität beanspruchen wir freilich auch für uns bei der Feststellung unserer Verteidigungsbedürfnisse."
Der Korrespondent stellt dann fest, daß das beste praktische Beispiel für die Friedenspolitik des Dritten Reiches der Kurs ist, der i n d e r spanischen Krise eingeschlagen wurde. Der Reichsaußenminister erklärte: „Ich kann Ihnen bestätigen, daß die Vertreter der Reichsregierung im Londoner Nichteinmischungsausschuß Vollmacht besitzen, um jedem Plane zuzustimmen, der, von allen beteiligten Staaten angenommen, wahrhaft wirksame Maßnahmen enthält. Schon unmittelbar vor der Jahreswende bat ich den französischen Botschafter in Berlin, feiner Regierung die Erklärung zu übermitteln, daß Deutschland die Unverletzlichkeit des spanischen Gebietes respektiert. Dennoch wurde von unverantwortlichen Elementen jene Hetze begonnen, die von der Landung deutscher Truppen in Spanisch- Marokko sprach. Es war das klassische Beispiel eines auf Unwahrheiten aufgebauten, den Frieden gefährdenden Pressefeldzuges."
Der Reichsaußenminister wird sich demnächst nach Wien begeben. Der Reichsaußenminister bemerkte dazu u. a.: „Wenn Deutschlands Haltung Oesterreich gegenüber in früheren Jahren in eine Störung des Friedens umgedeutet wurde, so vermisse ich seit dem 11. Juli auch nur eine einzige Stimme gerade von dieser Seite, die sich ehrlich dazu entschlösse, die Regelung des deutsch-österreichischen Verhältnisses als einen wesentlichen Beitrag zur Befriedung und Entspannung anzuerkennen. Das Merkmal meines Wiener Besuches besteht darin, daß gegen niemanden irgendwelche Abreden getroffen werden sollen, und daß er seinen einzigen Sinn in der Förderung der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten findet."
vaterländischen Volksbewegung und 18 Schweden). Der neue Präsident tritt sein Amt am 1. März an. Es ist zu erwarten, daß die Regierung dann sofort zurücktreten und sich nach links in heute noch unbekanntem Maße ergänzen wird. Folgende merkwürdige Lage tritt Dann ein: Kallio muß bann als vorläufiger Staatsminister sich s e I b ft als Den künftigen neuen Staatspräsidenten Die Demission seiner Regierung mitteilen.
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Der neue Präsident FinnlanDs, KyöstiKallio, murDe 1873 in Dftbottnien als Sohn eines Bauern geboren. Seit 1895 ist er selbst Ackerbauer in Nivala in Dftbottnien. Er war Repräsentant Des BauernstanDes in Der StanDesvertretung in Den Jahren 1904 bis 1906. Im Landtag hat er feit 1907 ununterbrochen Die Agrarpartei vertreten, deren eigentliche Heimat Dftbottnien ist. Sie treibt eine zielbewußte Bauernpolitik Den stäDtifchen unD Beamteninteressen gegenüber und ist zugleich stark nationalistisch. Trotz Des heftigen WiDerstanDes Der schweDischen Partei wurde K. in Den Jahren 1920 und 1924 zum Reichstagspräsidenten erwählt, obgleich er die zweite offizielle Sprache des Landes, das Schwedische, nicht völlig beherrscht. Im Jahre 1917 wurde K. Senator und Chef des Landwirt- fchaftsministeriums. Er ist besonders bekannt geworden durch das -Agrarreformgesetz von 1922, das den Namen Lex Kallio trägt, und der landlosen Bevölkerung, soweit nicht ein freiwilliger Verkauf zustandegekommen ist, durch Expropriation gegen üblichen Preis Land verschaffen will. Die Expropriation betrifft nur die größten Landgüter von 200 Hektar aufwärts, und da der progressive Prozentsatz sehr gering ist, hat die Durchführung des Gesetzes keinen größeren Widerstand der Grundbesitzer erfahren. Im Jahre 1922 bildete er ein eigenes Kabinett. Eine der wichtigsten Maßnahmen seiner Regierung war die Auflösung der kommunistischen Partei im Herbst 1923, die kommunistische Parlamentsgruppe wurde verhaftet, die kommunistischen Vereine und Zeitungen wurden unterdrückt.
Die antikommunistische Bewegung der L a p p o - Bauern unter Führung von Kosola führte 1930 zum Sturz der dritten Regierung Kallios, da deren ultimativ gestellte Forde^mg einer gänzlichen Unterdrückung des Kommunismus in Finnland im Reichstag nicht durchzusetzen war. Ihr folgte eine Regierung Svinhufvud, die Kallio im DFtober 1936 wiederum ablöfte.
Irische Probleme.
43on Dr. Zohs. Stoyr.
Die irische Insel ist durch eine verhängnisvoll! politische Entwicklung seit 1921 in zwei Teile gt, spalten: d i e sieben Grafschaften dezs Nordens mit B e l f a st, einem bedeutenden In- j dustrieort, als Hauptstadt, gehören mit Sd)ottlan) und England z u Großbritannien. Der größere Süden der Insel, der unter der politische Leitung des Ministerpräsidenten De Valero steht, bildet den Irischen F r e i st a a t, der genau wie Kanada oder Südafrika ein britisches Dominion darstellt. Eine für die Wirtschaft der ir = schen Insel sehr nachteilige Zollgrenze hindert eine > gedeihliche Entwicklung, denn Der Irische Freistaat und der Großbritannische Zollverband behandele sich gegenseitig als wirtschaftliches Ausland. Seit f 1932 tobt ein Wirtschaftskrieg, Der für De Valen immer günstiger wird und als „versteckter Segen* * bezeichnet worden ist, weil die bis dahin bestehende ungeheure Abhängigkeit Irlands vom englische» Markte gemildert wird.
Die Unterwerfung durch England im 17. Jahrhundert führte zur beispiellosen Verarmung Irlands; Die Engländer vertrieben die reichen Grundbesitzer und ersetzten sie durch schottische ober englische Gutsherren. 1800 kam die völlige Vereinigung mit England, also auch der Verlust des irische» Parlaments. Ihres Bodens beraubt und unfähig, sich eine bodenständige Industrie aufzubauen, lebten die Iren in größter Armut Dahin. Der Uebergang EnglanDs zum FreihanDel vernichtete Die irisch? Landwirtschaft vollends, denn nun kam russischer und amerikanischer Weizen herein. 1845 wurde Die Hälfte der Kartoffelernte vernichtet, im Jahre ■ darauf versagte Die ganze Ernte und 500 000 Iren starben Hungers. Eine Million flüchtete nach Amerika. Von 1846 bis 1851 ging Die Bevölkerung Der Gesamtinsel von 8,5 auf 6,5 Millionen zurück, bis 1871 sank sie gar auf 4 Millionen und hat sich seitdem nicht vermehrt.
Intensive Bewirtschaftung fehlt im Irischen Freistaat. Wer seine Erträgnisse erhöhen will, muh Land hinzukaufen. Der Boden hat in Irland mehr Gefühls- als Geldwert, denn sein Besitz ver- leiht Würde und Rang Große Güter wechseln schnell ihre Besitzer, weil sie des GeldverDienem wegen bewirtschaftet werden — aber einen kleinen Besitz zu veräußern, das ist Sache der Familie und geschieht nur im äußersten Notfälle. Wer auf Dem Lande geboren ist, bleibt dort und arbeitet gegen geringsten Lohn. Der Hof kommt immer an den ältesten Sohn, nachgeborene Söhne können nur durch Einheirat Bauern werden. Der älteste Sohn, der seinem jüngeren Bruder den Hof ab tritt und in die Stadt zieht, wird deswegen verachtet.
Der Ackerbau tritt fast vollständig hinter bei Viehzucht zurück, man züchtet neben Rindern unD Schafen ganz vorzügliche Pferbe. Durch die politische Einigkeit mit England entwickelte sich eine Agrar-Monokultur, also eine verhängnisvolle Abhängigkeit vorn englischen Markte. Aber auch die Landwirtschaft war in sich schwach, denn Viehzucht braucht weniger Arbeitskräfte als Ackerbau und dadurch blieb Irland in vieler Hinsicht rückständig. Von 6,88 Millionen Hektar waren nur 725 000 Hektar Getreideland, noch nicht ein Neuntel. Die Weiden nahmen mehr als 5 Millionen Hektar ein. Es will viel heißen, daß Irland bei knapp 3 Millionen Einwohnern 4 Millionen Rinder t)at, wovon 1,25 Millionen Milchkühe sind; etwa 1 Million werden geschlachtet, und von diesen gehen 850000 ins Ausland. Die Zahl Der Schaft beträgt 3 Millionen, die der Schweine bis zu 1,25 Millionen.
Wie ungesund früher die Verhältnisse waren, zeigt sich Daran, daß der Hafer unter Den Körnerfrüchten bei weitem überwiegt; man verwendet ihn fast ausschließlich als Pferdefutter, nur wenig wird davon ausgeführt. Dann folgt die Kartof- f e l als Nahrungsmittel und als Jndustrierohstoff (Sprit). G r ü n f u 11 e r wird in genügender Menge selbst angebaut. Weizen wird — ein Widersinn in diesem Agrarlande — nur zum kleinsten Teil selbst erzeugt, also teuer vom Auslande bezogen. Die Gerste Dient in Der Hauptsache der Bierbereitung. Der Flachsanbau geht immer mehr zurück; die Zuckerrübe findet weniger Verwendung als Futter, sie wird von Der Industrie verbraucht.
De Valeras Streben geht nun dahin. Die Weigerung Englands, irisches Vieh und irische Molkereierzeugnisse abzunehmen (weil Die Iren die „Landannuitäten", die Entschädigungen für frühere Guts- verkäufe an englische Besitzer nicht mehr leisten wollen), zur Kräftigung der irischen Wirtschaft aus» zunützen. Der Ackerbau soll neben Der Vieh-
Die Tür.
Sine altbayerische Geschichte von Michael Kohchaaö.
Das Begebnis, von Dem ich erzählen will, hat vor mehr als achtzig Jahren einmal in meiner Vaterstadt für eine ganze Woche einen luftigen Unterhaltungsstoff abgegeben, ja, sogar noch weit über den Burgfrieden hinaus einer Redensart, man kann fast sagen einem Sprichwort zum Dasein ver- holfen. Mehrmals habe ich selbst noch meinen Großvater die Geschichte erzählen hören, und somit wird sie wohl wahr gewesen sein.
Die Sache nahm sogar einen Durchaus ordnungsgemäßen Anfang, wie er überall hätte Vorkommen können, indem sie mit Dem jeden Mittwoch im Sperlbräu stattfindenden Bürgerabend einfetzte, allwo Kaufleute und Handwerker, Gewerbetreibende und Oekonomen, Beamte und Salzachschiffer bunt durcheinander saßen, wie es dazumal noch schöner Brauch war, das ferne Weltgeschehen erläuterten oder den nahen Stadtklatsch entrollten und dazu dicke Kanasterwolken zu den zwei Oelfunzeln hin- aufbliefen. Um so ungewöhnlicher aber war das Ende. Und wenn auch in jener Frühzeit noch die löbliche Sitte herrschte, daß über zehn Uhr hinaus nur Ludriane, Radaubrüder und sonstige Nacht- schelme im Wirtshaus hockten, zu einem richtigen Haarbeutel ist trotzdem jeder Ordnungsliebende, den es danach verlangte, schon um deswillen gekommen, weil damals die winterliche Geselligkeit bereits um Sonnenuntergang herum an Den Wirtstischen sich mederzulassen pflegte und Die sommerliche, im Hin- blief auf Das unabweisbare Schattenbedürfnis, all- Dort nicht feiten sogar schon in den Nachmittaqs- stunden sich einfand.
Des zum Beweise sei nur erwähnt, daß Der Landrichter Höpfl, als er an besagtem Abend gegen Zehn Die Sperlbräu-Gaststube verließ, Dies im Mantel des. Chorregenten und unter dem Hut des Kaufmanns Serdenbufch tat. Auch bereitete es ihm nicht geringe Schwierigkeiten, den Schlüsse! zum Haustvr Des LanDgerichts zunächst überhaupt in
feiner Kleidung anzutreffen und Dann damit erst noch hineinzuzielen. Doch es gelang immerhin, und Herr Höpfl drehte auch den Schlüssel richttg zweimal um; aber das Gerichtstar tat sich trotzdem nicht auf. Auch nicht, als sich Gnaden Herr Landrichter mit dem ganzen Gewicht feiner Persönlichkeit — und das war nicht gering — Dagegen-- ftemmte: „Hm, sonderbar! Hat jemand an Dem Tor etwas geändert? Die Mali vielleicht? Sähe ihr ganz gleich!" Die Mali war nämlich feine Köchin. „Auf! Versuchen wir's in Gottes Namen noch einmal!" Und der Landrichter drückte mit Brust und Händen. Doch auch dieser Versuch mißlang. Da setzte sich Der Landrichter Höpfl keuchend auf die Steinstufen vor dem Gericht.
Es war ein rechtes Glück, daß jetzt der Gerichts- physikus Doktor Nägeli von einem Krankenbesuch noch daherkam, der ausgezeichnete Arzt, ohne den im weitesten Umkreis um meine Vaterstadt schier niemand sterben konnte. „Ja, Herr Landrichter!" rief der Physikus, indem er in feiner Menschenfreundlichkeit sogleich an ein schweres Gemütsleiden dachte. „Was machen Denn Sie hier? In dieser Stunde und zu dieser Jahreszeit! Bedenken Sie doch die unbekömmliche Witterung!" und fuhr auf Die fachliche Erklärung des Richters hilfsbereit fort: „Das werden wir gleich haben!" und lehnte mit dem Rücken sich an Das Tor und schob mit der ganzen Schwere seiner allerdings nicht sonderlich ausgiebigen Gestalt ebenfalls nach innen, und der Landrichter, schnell wieder durch den unerwarteten Beistand zu neuer Hoffnung aufgerichtet, schob mit. Alles vergebens. Nicht einen Finger breit wich das Dor. „Das Gerichtsgebäude" erläuterte Der Landrichter, „war nicht umsonst im Mittelalter eine Burg, Die sogar drei Belagerungen siegreich widerstanden hat."
Da erschien auch noch, und zwar gleich dem Landrichter, aus der Sperlbräusitzung Der Oberförster Frühaus vor dem Gericht und verband sich sofort mit den zwei bereits beschäftigten Herren zu gemeinsamem Druck. Doktor Nägeli und Landrichter Höpfl waren bereits in Schweiß; Der Oberförster geriet, dank seiner hünenhaften Körperlichkeit, ebenfalls alsbald hinein. Und noch immer widerstand
Das Tor. „Jetzt mal aussetzen und Kräfte sammeln!" kommandierte Der Oberförster, der offensichtlich von seinen Wald- und Wegarbeiten her Die Sache weit systematischer anzupacken wußte. „lief aus- und einatmen!" befahl er weiter. „Und jetzt auf mein Kommando: Drei! rumpeln wir alle Drei mit voller Kraft auf Das Malefiztor los! Eins, zwei, Drei!" Sie rumpelten los, alle Drei; aber das Tor blieb zu.
Und wer weiß, wie lange Die Drei Herren in ihrem Schweiße sich noch abgemüht hätten, hätte ihnen Der Himmel in diesem Augenblick nicht Den alten Polizeidiener Hufnagel auf feiner Nachtpatrouille als rettenden Engel gesendet. Wieviel Krummes hat doch im Gang der Jahrzehnte Der gute Hufnagel in meiner Vaterstadt geraDegebogen, wieviel Verworrenes geordnet, wieviel Unsinniges zum besten gewendet! Auch jetzt überschaute und prüfte er Die Lage, sah Den guten Willen Der Drei Honoratioren sowie Die Unnachgiebigkeit Des Tores und sprach sodann bescheiden: „Meine hohen Herren, vielleicht is Dös gar a Tür, De w o nach außen a u f g e h 11" Sprach's, machte einen Versuch, unD ließ Die Drei hohen Herren vor Der offenen Tür zurück.
In meiner Vaterstadt aber ging daraufhin für lange Zeit Das Wort um: „Vereinte Kraft es auch nicht immer schafft".
Neues vom Rattenfänger von Hameln.
Die berühmte Sage vom Rattenfänger von Hameln ist bereits vielfach literarisch behandelt worden, und man hat die ersten Aufzeichnungen dieser Erzählung bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt. Diese gehen aber auf weit ältere Aufzeichnungen zurück, wie schon aus einer Mitteilung hervorgeht, daß Leibniz auf der reichen Rats- bücherei zu Lüneburg einen alten Bericht über Die Hamelner Sage gesehen habe, Der in einem Pergamentkodex enthalten war. Man hat den Lüneburger Kodex bisher nicht auffinben können, dagegen ist es jetzt dem Hamelner Literarhistoriker Heinrich S p a n u t h gelungen, auf dem Schlußblatt Der mittelalterlichen HanDschrift eines theo
logischen Werkes, Der „Catena aurea“ Des Heinrich von HerforD, mitten unter anderen geschichtlichen Notizen eine alte Erzählung vorn Auszug der Kinder von Hameln zu finden; er erstattet Darüber in Den „Forschungen und Fortschritten" einen Bericht.
Der Inhalt dieser alten Darstellung bedeutet eine Ueberraschung, da er in manchen Zügen ganz abweichend ist von der späteren Ueberlieferung. Der Schreiber nennt die Geschichte ein Wunder. Im Jahre 1284, so wird da erzählt, tritt am Tage Johannis und Pauli durch das Wesertor von Hameln über die Brücke ein schöner Jüngling von ettva 30 Jahren, wegen feiner Gestalt und Kleidung von allen bewundert, in die Stadt ein. Mit einer silbernen Flöte von wunderbarer Form lockt er ungefähr 130 Kinder mit sich und führt sie zum östlichen Tore hinaus an die Kalvarienstätie, Den Dri Des Gerichts. Die betrübten Eltern, Deren Trauer Der theologische Verfasser in einem Prophetenwort Des Jeremias vorgebildet sieht, suchen von einer Stabt zur anberen, aber vergeblich. Seitdem, so wird hinzugefügt, zählen die „von Hamelen" ihre Jahre nach dem Ausgang und Verschwinden ihrer Kinber. Der Verfasser fügt hinzu, daß er bie Erzählung in einem alten Buche gefunden habe.
Die Bedeutung dieses Fundes liegt in Der Tatsache, Daß er unzweifelhaft ins Mittelalter gehört. Die Schrift stammt aus Der Zeit von 1430 bis 1450, aber Die Quelle ist ja, wie betont roirD, ein altes Buch, Dessen Enfftehung schon in eine Zeit fallen muß, die von Dem Sagenereignis höchstens ein Jahrhundert entfernt ist. Auf Grund dieses Fundes steht fest, daß schon im 14. Jahrhundert eine als Wunder eingekleidete Erzählung von Der traurigen Entführung Der Kinder von Hameln umlief, die fast alle Einzelheiten der späteren Sage enthält, nur daß die Kinder noch nicht im Innern des Berges verschwinden und der Pfeifer kein Rattenfänger ist, überhaupt nicht die Dämonischen Züge aufweist, Die ihm später zugeschrieben weroen. Nach Diesem neu aufgefunbenen Bericht ist es klarer als zuvor, Daß in Der Stadt Hameln damals irgendein schweres Unglück wirklich geschehen ist, Dos sich freilich nicht so abgespielt haben kann, wie Der Be> richt es erzählt.


