Aber während die Verbraucherkreise schwarz sehen, sind neuerdings die Erzeuger zu einer optimistischeren Beurteilung der Lage gekommen. Der Verfall der Buntmetallpreise hat mit anderen Faktoren zusammen, unter denen umfangreiche Voreindeckungen eine große Rolle spielen, zu einer Zurückhaltung der Eisenverbraucher geführt. Die Schwäche des internationalen Eisenmarktes ist hauptsächlich von Belgien ausgegangen, das einen großen Teil seiner Produktion im Ausland absetzt. Der internationale Feinblechmarkt ist stark beeindruckt worden durch die Pläne, neue Werke in bisherigen Abnehmerstaaten zu errichten, aber die Preise haben sich gehalten. Die Lage des Eisenmarktes in Deutschland und in England ist andauernd fest. In Nordamerika erwartet man eine allgemeine Wiederbelebung erst um die Jahreswende. In England haben die Stahlwerke Aufträge erhalten, die zum Teil ein ganzes Jahr laufen, daher wird die britische Eisenindustrie mit einem gewaltigen Lieferrückstand in das neue Produktionsjahr eintreten. Auch der schwedische Eisenmarkt zeigt eine verstärkte Kauflust.
Die Entwicklung in der Uhrenfabrikation ist seit 1933 außerordentlich günstig. Obwohl die Produktionskapazität voll ausgenützt wird, sind lange Lieferfristen nicht zu vermeiden, und der Mangel an Facharbeitern ist fühlbar. Die 75 deutschen Uhrenfabriken beschäftigen 25 000 Arbeiter, zu denen noch etwa 10 000 Heimarbeiter kommen. Die Tagesleistung beträgt 50 000 Uhren. Im Schwarzwald (Schramberg, Schwenningen, Villin- gen usw.), Pforzheim, Ruhla in Thüringen und Glashütte in Sachsen befinden sich die bedeutendsten deutschen Produktionsstätten, von denen die Gebr. Junghans AG. mit 11,4 Millionen Mark Kapital die größte ist. Ein Teil der Uhrenfabriken stellt sämtliche Arten Zeitmesser her, andere sind auf Armband- und Taschenuhren spezialisiert, wie z. B. die Pforzheimer Betriebe. Besonders günstig hat sich auch der Export in deutschen Uhren entwickelt, obwohl in USA., England, Frankreich, Italien und nicht zuletzt in der Schweiz starke Konkurrenten aufzuzählen sind. Großbritannien ist mit 8 Millionen Mark der vöste Exportkunde des deutschen Uhrengeschäfts, dem im weiten Abstande die Niederlande folgen. Die Ausfuhr deutscher Uhren, die 1936 mit rund 35 Millionen Mark schon hoch war, dürfte 1937 noch um annähernd 20 v. H. steigen. Die Uhrenfabrik Gebr. Thiel in Ruhla exportiert z. B. 60 v. H. ihrer Erzeugung. Da die Einfuhr fremder Uhren nach Deutschland einschließlich gewisser Einzelteile für die Armband- und Taschenuhren nur rund 8 Millionen Mark beträgt, ist die Uhrenindustrie auch ein Devisenschöpfer bedeutenden Umfanges. In größerem Maßstabe erzeugt die deutsche Feinmechanik auch bereits Bestandteile, sogenannte „Furnituren", für Armband- und Taschenuhren selbst, die bisher in der Schweiz und teilweise in Frankreich gekauft wurden. Im deutschen Geschäft herrscht besonders starke Nachfrage nach Armbanduhren, Weckern, Stiluhren, Küchenuhren und Tischuhren, während der Bedarf an Stand- und Wanduhren gesunken ist. Auch Spezialuhren, wie Autouhren, werden in steigendem Matze gekauft. Der Konsument hat sich in den letzten Jahren immer mehr dem Fachgeschäft zugewandt.
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Für August wies der britische Kleinhan- d e l eine Umsatzsteigerung von 6,7 v. H. gegen August 1936 auf. Innerhalb der letzten vier Jahre haben sich die Kleinhandelsindexe in England um rund 25 v. H. gehoben. In der letzten Zeit sind aber Preiserhöhungen für die wichtigsten Lebensmittel notwendig geworden, so daß für September und Oktober diese Preiserhöhungen in Ansatz gebracht werden müssen. Die englische Regierung hat, um eine neue Basis für die Revision des Lebenskostenindex zu gewinnen, umfangreiche Erhebungen über die Lebenshaltungskosten der Arbeiterfamilien vorgenommen. Die neue Untersuchung umfaßt 20 000 Familien aller typischen Familienklassen mit einem Jahreseinkommen bis zu 250 Pfund. Die Familien sollen am 23. Oktober zum erstenmal und dann in Abständen von je 13 Wochen berichten, und man hofft so, ein klareres Bild über die Lebenshaltungskosten zu gewinnen.
Zwei und der Wettergott.
Don Peter Mattheus.
Der Mensch hat nur zwei Hände. Wenn er in der einen eine Aktentasche trägt und mit der anderen seinen Hut festhalten muß, den der Wind durchaus entführen will, und wenn ihm noch dazu ein jäher Hagelschauer ins Gesicht trommelt, so daß er kaum die Augen offen halten kann, ist er ziemlich hilflos.
Der junge Mann, dem alles dies geschah, sah die Hoffnungslosigkeit seiner Loge ein und steuerte mit überstürzter Hast das nächste Haustor an. Dort fand er bereits einige Schicksalsgenossen: zwei würdige ältere Damen, einen rundlichen Herrn, der eine große schwarze Zigarre rauchte, und ein blondes Fräulein. Er drückte sich bescheiden neben dem dicken Herrn an die Wand — hart an der Grenze, wo die Hagelkörner prasselten — und wartete.
Eine Weile geschah nichts. Außer, daß sich zu den Hagelkörnern auch noch Regentropfen gesellten, groß wie Spatzeneier. Dann zog eine Rauchwolke an seinem Gesicht vorbei, es roch nach starkem Tabak, ein Räuspern ertönte, und eine Baßstimme sagte: „Ein tolles Wetter!"
Der junge Mann sah, daß der dicke Herr ihn anblickte und neigte zustimmend den Kopf.
„Ein tolles Wetter", wiederholte die Baßstimme. „Eben noch Sonnenschein, und jetzt Hagel. Der Teufel kenne sich da aus. Gestatten übrigens: Bor- beck — Vertreter."
Eine neue Rauchwolke zog am Gesicht des jungen Mannes vorüber. Ein Hut wurde geschwenkt und wedelte sie fort. Auch der junge Mann lüftete den Hut und murmelte etwas verlegen: „Schmiedecke".
„Angenehm", sagte der dicke Herr. Er machte dabei ein Gesicht, das weit eher auf Mißmut als auf angenehme Gefühle schließen ließ. Seine Hand beschrieb eine Kreisbewegung zur Straße hin, wo vereinzelte starrköpfige Fußgänger gegen das Un- weiter ankämpften, und die Autos hilflos über den nassen Asphalt glitschten. „Sehen Sie sich das an", knurrte er. „So geht das nun ein dutzendmal am Tag! Man steht und wartet — fünf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde. Und unterdessen könnte man längst beim nächsten Kunden sitzen und einen Auftrag hereinholen. Zeitversäumnis, nichts als Zeitversäumnis und Trödelei. So etwas müßte glatt verboten werden."
Er schnaufte zornig und dampfte wie eine Lo- komotive.
Der junge Mann dachte verwirrt darüber nach, wie man den Regen wohl verbieten könne — oder den Hagel. Aber er kam zu keinem Ende mit diefer
Moskau bezahlt die kommumMeWahlagMon in Frankreich.
Paris, 15.Oft. (DRV.) „Moskau gibt Millionen für Verfälschung der französischen Wahlen aus“, so überschreibt die Liberte einen Artikel, in dem enthüllt wird, daß die Kommunistische Partei Frankreichs seit über einem Monat 18 0 0 0 0 Maueranschläge herausgegeben, versandt und angeschlagen hat, und zwar als Buntdrucke in zwölf verschiedenen Ausführungen. Weiter wurden von den Bolschewisten 110 Millionen illustrierte Flugzettel an 22 verschiedene Wählergruppen verteilt, vier Agita- t i o n s f i l m e gedreht und durch ganz Frankreich verbreitet. Außerdem wurden drei Grammo- phonplatten mit Brandreden bolschewistischer Häuptlinge ebenfalls in ganz Frankreich verbreitet und fünf verschiedene luxuriös ausgeführte Broschüren mit einer Auflage von 600 00Y ausgegeben. Vom Mafia werden die kosten für diese Agitation
der Kommunisten auf mehrere zehn Millionen Franks beziffert. Roch niemals habe sich ein ausländischer Staat mit einer derartigen Unverschämtheit in die innere Politik Frankreichs eingemischt. Werde Frankreich diesen Skandal noch länger dulden?
Das Journal des Debats bringt das Thema mit der Forderung herriots auf teilweise Zurückzahlung der russischen Vorkriegs- und Kriegsschulden durch die Sowjets in Zusammenhang. Da Sowjetruhland in neuerer Zeit so viel Gold habe, dah es zu den Wahlkosten für 3000 kommunistische Kandidaten beitragen könne, so fragten sich die Kleinbesitzer von Russenpapieren, warum nichts für, ihre Interessen unternommen werde. Sie seien der Ansicht, daß die französische Regierung bisher nicht genug auf dieser allerersten Rotwendigkeit bestanden habe.
Der Mchteinmischungsausschuß tritt morgen zusammen.
London, 14. Okt. (DNB.) Wie von zuständiger Seite verlautet, ist der Hauptunterausschuß des Nichteinmischungsausschusses für Samstag, 10.30 Uhr, unter dem Vorsitz von Lord Plymouth einberufen worden. Lord Plymouth wird die Sitzung mit einer Erklärung der britischen Regierung eröffnen. Anschließend wird der französische Botschafter Corbin den französischen Standpunkt darlegen. „Times" will wissen, daß Eden in seiner Unterredung mit Graf Grandi besonders auf die Notwendigkeit schneller Entscheidungen hingewiesen habe. Grandi habe darauf geantwortet, daß Italien nichts mehr wünsche', als die Atmosphäre klären zu helfen, man dürfe aber nicht vergessen, daß Italien nicht allein die Verantwortung trage. Die „Times" gibt zu, daß die Komintern für den Ausbruch und die Verlängerung der Kämpfe in Spanien verantwortlich fei. Die sowjetrussische Einmischung in Spaniens Angelegenheiten, die dadurch nicht harmloser sei, daß sie inoffiziell und unterirdisch vor sich gehe, habe zu dem Wettlauf in der Einmischung geführt, mit der sich auseinanderzusetzen der Nichteinmischungsausschuß kaum fähig gewesen sei.
„Daily Telegraph" glaubt nicht, daß die Lage auf den Balearen, die von Frankreich für besonders wichtig gehalten werde, schon in diesem Stadium vor den Ausschuß gebracht würde. Französische Vorschläge zu diesem Punkt seien vom britischen Kabinett zu dem Zweck weiterer Beratung zwischen den beiden Mächten a b g e l e h n t worden. Auch „Daily Expreß" schreibt, der Plan einer „friedlichen Besetzung" von Minorca unter britischer Mitwirkung werde wahrscheinlich fallen gelassen werden. „Daily Mail" hält es für wahrscheinlich, daß im Falle eines grundsätzlichen Uebereinkommens England und Frankreich die Entsendung einer internationalen Kommission nach Spanien vorschlagen würden. Gin neues Element b?; Klärung.
Die oberitalienische Presse vondenLondonerBerhandlungenbefriedigt
Mailand,'15. Okt. (DNB. Funkspruch.) Mit großer Befriedigung stellt die oberitalienische Presse fest, daß sich die Westmächte zur Annahmedes italienischen Standpunktes bereit gefunden haben, den Nichteinmischungsausschuß zur Wiederaufnahme des spanischen Problems einzuberufen. Die Blätter erklären einmütig, daß damit
auch die Achse Rom — Berlin einen neuen Beweis ihrer Nützlichkeit und Festigkeit gegeben habe. Die Frage der Zurückziehung der Freiwilligen sei nach dem „Sortiere della Sera" ein wichtiges und wahrscheinlich unlösbares Problem, unlösbar wegen der Böswilligkeit der Roten, da 'bie Moral der bolschewistischen Gebräuche keine Illusionen zulasse.
Der „Popolo d'Jtalia" bezeichnet die Wiederaufnahme der Nichteinmischungsprobleme als ein neues Element der Klärung. Es sei im übrigen grotesk, von den Kräften der Unordnung, die seit langem auf den Umsturz im Westen hinarbeiten, eine Mitarbeit zu erwarten. Die Politik der Herausforderungen vergifte die westliche Atmosphäre mit Falschheit und schiebe Italien territoriale Absichten und dunkle politische Pläne in Spanien zu. Es sei angebracht, auf die Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung der politischen Unabhängigkeit und gebietsmäßigen Unversehrtheit Spaniens hinzuweisen, an die sich Italien halte und die von allen geachtet werden müßte.
Paris betont die.Emigkeii mit England.
Wie man sich die Zurückziehung der Freiwilligen denkt.
Paris, 15. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Morgenzeitungen betonen die Einigkeit zwischen Frankreich und Großbritannien in der Behandlung der Spanien- und Mittelmeerpolitik. Gleichzeitig hebt die französische Presse aber hervor, daß man zwischen Paris und London bisher nur den nächsten Verlauf der mit Italien zu führenden Verhandlungen verabredet habe, aber noch nicht über bie gemeinsamen Maßnahmen, die notwendig werden könnten, wenn die Verhandlungen ergebnislos verlaufen würden. Es verlautet, daß Frankreich und England von den interessierten Staaten verlangen werden, eine sofortige Rückberufung einer „gewissen Zahl" ihrer in Spanien kämpfenden Staatsangehörigen vorzunehmen, um auf diese Weise ihre Zustimmung zu dem Grundsatz der Freiwilligenzurückziehung erneut zu beweisen. Die aus beiden spanischen Lagern zunächst herauszuziehenden Abteilungen könnten gleich stark sein, da ihre Heimbeförderung nur gewisser-
Ueberlegung. Denn sein Blick fiel auf das blonde Fräulein, und das lenkte ihn ad. Es war ein hübsches blondes Fräulein, mit einem Mützchen keck auf dem Ohr und einer reizenden Stupsnase. Und sie lächelte. Wenigstens schien sie zu lächeln. Auf alle Fälle gefiel sie ihm. Seine Gedanken entfernten sich immer mehr von der Wetterfrage. Hübsch —!? Sie war sehr hübsch! Hatte sie ihn jetzt eben nicht aus dem Augenwinkel angeschaut?
„Die Tante meiner Freundin hat sich bei solchem Wetter mal die Grippe geholt", ließ sich eine der würdigen Damen im Hintergrund vernehmen. „Ganze neun Tage hat sie zu Bett liegen müssen. Um ein Haar wäre sie ins Krankenhaus gekommen."
„Wie schön", sagte der junge Mann verträumt.
Ein zischendes Atemholen der Dame, ein lautes unwilliges Schnaufen des Herrn Vordeck und ein Kichern etwas weiter entfernt ließ ihn zusammenfahren.
„O — Verzeihung!" stammelte er mit hochrotem Kopf. ,Lch meine natürlich: schrecklich, schrecklich!"
Das Atemholen verstummte. Herrn Borbecks Schnaufen ebenfalls. Aber das Kichern blieb.
Der junge Mann schielte vorsichtig zu dem blonden Fräulein hinüber.
Eine Weile war es still. Dann nahm Herr Vordeck die Zigarre aus dem Mund, starrte die Asche an und sagte grimmig: „Wenn man jetzt einen Schirm hätte, brauchte man nicht hier herumzustehen. Aber welcher Mann hat denn einen Schirm? Schirme gehören einer vergangenen Zeit an. Jetzt trägt man Gummimäntel."
Er blickte voller Zorn an sich herab. Sein Mantel war zweifellos nicht aus Gummi.
„Wenn ich einen Schirm hätte, wüßte ich ganz genau, was ich täte", sagte der junge Mann plötzlich laut.
Dies hatte zur Folge, daß das blonde Fräulein in leises Lachen ausbrach und hastig den Kopf zur Seite drehte.
Der junge Mann lächelte triumphierend.
Herr Vordeck guckte verständnislos und murrte: „Blödsinniges Wetter!"
Für zehn Sekunden kam die Sonne durch, und der Hagelschauer ließ ein wenig nach. Das Fräulein schlug den Mantelkragen hoch und trippelte eilig davon — ungeachtet der wieder heftiger prasselnden Körner.
Der junge Mann wurde merklich unruhig. Er trat von einem Fuß auf den anderen und fingerte nervös an sich herum. Herr Vordeck sog an seiner Zigarre.
An der Ecke blickte sich das Fräulein für eine Sekunde um, ehe es verschwand. Im nächsten Augenblick schlug auch der junge Mann den Man
telkragen hoch, klemmte die Mappe fester unter den Arm und stürmte in den Hagel hinaus.
„He! Sie? Sie werden sich erkälten!" rief Herr Vordeck verblüfft.
Keine Antwort. Nur ein Winken der Hand — beruhigend und abschiednehmend zugleich.
Aber Herr Vordeck wollte sich nicht so schnell beruhigen lassen. Sein Gesicht färbte sich rötlich. Er schnaufte erbost. ,',Seien Sie nicht leichtsinnig, Herr!^ schrie er. „Geben Sie doch acht bei diesem Sauwetter!"
Diesmal erfolgte überhaupt keine Antwort. Nicht einmal ein Winken. Der junge Mann schien taub zu sein.
Herr Vordeck hob die Hände an den Mund und formte einen Schalltrichter.
„Sauwetter!" brüllte er noch einmal.
Jetzt hatte der junge Mann die Ecke erreicht, blieb für einen Augenblick stehen und schwenkte den Hut.
„Mir gefällt's!" brüllte er zurück und war verschwunden.
Fassungslos stieß Herr Vordeck mehrere dicke Rauchwolken von sich. Er starrte die beiden würdigen Damen an, die allein bei ihm zurückgeblieben waren, und hob die Schultern.
„Verdreht!" sagte er. „Vollkommen übergeschnappt!"
Gloria-palast: „Liebe kann lügen-.
Dem Film liegt eine Novelle von Fred A n - b r e a 5 jugrunbe; Erich Ebermayer und Franz Wallner-BastL schrieben das Buch. Wir haben eine ähnliche Liebesgeschichte und Gefühlsverwirrung in der Schule vor Jahren in dem Film „Mädchen in Uniform" behandelt gesehen, an den dieser stellenweise erinnert, obwohl der Konflikt hier grundsätzlich anderer Natur ist: eine Unterprima- nerin — die Geschichte spielt in einer skandinavischen Provinzstadt — verliebt sich in ihren Literaturlehrer; auch er kann ein echtes Gefühl für diese Schülerin nicht leugnen, läßt es aber nicht merken: im Gegenteil, er behandelt sie ausgesucht schlecht und ungerecht und reagiert seine Neigung in einem Liebesroman in Briefen ab. Die von einem andern Verehrer des jungen Mädchens aus dem Manuskript des Doktors entwendeten und schnöde mißbrauchten Liebesbriefe richten natürlich noch mehr Verwirrung an, als ohnedies schon vorhanden ist, da das Mädchen sich schrecklich betrogen glauben muß. Im letzten Augenblick, als der Lehrer schon den Zug bestiegen hat, um endgültig die „Fahnenflucht" anzutreten, gegen bie er sich zuvor aus Pflichtgefühl gesträubt hat, tommen bie wahren Zu«
maßen „symbolischen Charakter" fjaben würbe. Erst danach würde im Nichteinmischunas. ausschuß ein Kontroll- und Ausführungsmechams- mus zur tatsächlichen Durchführung der Frei. Willigenzurückziehung festgesetzt werden in auf. einanderfolgenden und den gesamten Jst-Beständei, auf beiden Seiten entsprechenden Abteilungen. Die Zurückziehung würde durch eine internationale aus Neutralen bestehende Kommission überwacht werden, wobei man an die Beamten der Inter- nationalen Kontrollkommission denke, bie zur Zeit ohne Beschäftigung seien.
Das „Petit Journal" schreibt, leider gebe es innerhalb der französischen Regierung Männer, die entschieden für ein Eingreifen in Spa. nien seien. Das Eingreifen vorbereiten sei aber gleichbedeutend mit: f ü r den Krieg arbeiten. Man behaupte,.Luftfahrtminister Pierre Cot denke daran, „spezialisierte Arbeiter" nach Spanien zn entsenden, bie in bie bolschewistischen Horben ein« gegliebert würben. Frankreichs Sympathien für Sowjetrußland riefen schon bei den Verbündeten Bedenken hervor. Werde man durch den Fehler einiger fanatischer französischer Minister die Vereinsamung Frankreichs in Europa organi« fieren? Auch „Figaro" brandmarkt die immer schärfere Bindung Frankreichs an den Kommunismus. Frankreichs kommunistische Bindung schrecke Rumänien, Lateinamerika, die Schweiz, HollaÄ und sogar England ab.
Englands Außenpolitik zielt auf den Frieden.
Eine Rede Chamberlains.
London, 15. Ott. (DNB.) Dor der Vereinigung britischer Handelskammern in Manchester tau Ministerpräsident Chamberlain auf die britische Außenpolitik zu sprechen. Wenn wir uns an strengen, um aufzurüsten, so sagte er, so geschieht dies nicht, weil wir finstere Absichten gegen irgend jemand haben. Wenn wir angegriffen wer- den, so werden wir wissen, wie wir uns zu ver« leidigen haben, wie wir es immer in der Vergangenheit getan haben. Es ist nicht das Wesen unseres Volkes, Haß zu hegen, und ich glaube, von allen Nationen der Welt haben wir das kürzeste Gedächtnis für Streitigkeiten. Man sage, so fuhr Chamberlain fort, England lege Hinterlist an de» Tag: aber bie einfache Tatsache jei, daß es das Hauptziel der englischen Außenpolitik sei, mit den Nachbarn in Frieden zu leben. Die englische Politik versuche immer, ihren Einfluß geltend zu ma- chen zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten unter den benachbarten Nationen. Es sei der ehrliche Wunsch der Regierung, die Konflikte in Spanien und im Fernen Osten, bie ’o viel Elenb unb Not gebracht hätten unb noch drahten, zu einem frühest möglichen Zeitpunkt zu Ende zu bringen. Darüber hinaus roetbe die Regierung fortfahren, jede Gelegenheit wahrzunehmen, dic eine Möglichkeit biete, die Ursachen des „schlechten Willens und der Verdächtigungen zwischen den Nationen" zu beseitigen.
London scheut rotspanisches Risiko.
Versicherungsprämien auf dasBierzig fache erhöht.
Aus London kommt eine Nachricht, die die ro i r b li cf)e Einschätzung der Aussichten Rot« spaniens durch die englischen Kaufleute und Reeder eindeutig beleuchtet: Die Versicherungsprämien für Transporte nach rotspanischen Häfen sind von einem auf den anderen Tag von 2'/- Schillingen auf 5 Pfund für Versicherungsgut im Werte von je 100 Pfund hinauf gefetzt worden. Da 1 Pfund 20 Schillinge zählt, so machen 5 Pfund 100 Schillinge ober bas Vierzigfache der bisherigen Versicherungsprämie aus! Im Bergleich dazu werden Frachten nach den national- spanischen Häfen nach wie vor, je nach den Um« ständen, zur Versicherung mit einer Prämie von
sammenhänge ans Licht, und die Liebesgeschichte endet mit der beglückenden Aussicht auf eine Bereinigung der beiden, die sich so lange und so gründlich mißverstanden und gequält haben. — Der Spielleiter Heinz Helbig hat sich mit viel Der« ständnis, wenn auch nicht ohne einige störende Ab« schweifungen in den Konflikt vertieft unb ihn psychologisch zu burchleuchten sich bemüht. Darstellerisch ist bie interessanteste Erscheinung bie junge Schauspielerin Jutta Freyde, bie als Unterptimanerin Kerstin Dahlberg eine nicht leichte Aufgabe mit Takt und Temperament, in den entscheidenden SzeM auch mit echten Gefühlstönen bewältigt. Karl Ä- roig Diehl gibt den Lehrer Dr. Andersson gesM' mell und beherrscht, mit der Ueberlegenheit unb Ruhe der älteren Generation, ein wenig pebantijd) und ein wenig ironisch — im ganzen wohl auf der Linie, die das Buch ihm zuweist. Dorothea Wieck, die wir schon in ähnlichem Zusammenhang spielen sahen, steht hier, sympathisch, zurückhaltend und verständnisvoll, mehr am Rande des eigentlichen Konfliktes. Vom großen Ensemble sind noch Josesine Dora, Kurt M e is e l, Jngeborg v. Kusserom und, in einer kleinen, hübsch und lebendig gespielten Chargenrolle, Franz Arzdorf zu nennen. - (Tobis.)
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Im Beiprogramm sieht man gute Bilder von Land und Leuten in Ostpreußen und bie neue Wochenschau mit Aufnahmen vom Erntedankfest
Hans Thyriot
Zeitschriften.
— „D e r Schulungsbrief" bringt in feinem Oktober-Heft eine Arbeit von Ciller, „Volkstum gegen Habsburg". In der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, deren Verwaltung auf rein dy' nastischen, geschichtlich abgestorbenen Besitzgrenze" aufgebaut war, stoßen vier völlig verschiedene unö widerstrebende Kulturen aufeinander und erwache" allmählich die einzelnen Völkergruppen (Tscheche"- Polen, Slowaken). Das Deutschtum dagegen ®flf überall in der Verteidigung. Damals standen Mal deutsche Männer auf, die sich für einen völkische" Sozialismus einsetzten. Mit einer kurzen DarM lung der Auswirkungen der Kriegs- unb Rat' kriegszeit schließt bieser wertvolle Beitrag zur de^ scheu Dolksgeschichte. In der geopolitischen AuM reihe „Deutschland) kämpft für Europa" behaM Karl Springenschmib den „Völkerbund", der fw von der romantischen Schwärmerei eines Wilst"^ durch eine lange Kette von Mißerfolgen im")« mehr aus einem Machtinstrument der ©icgerfta"' ten von Versailles zu einem Aktionszentrum bolschewistischen Weltreoolution entwickelt hat. >


