Pommern und Mecklenburg.
Deutscher Mensch in deutscher Landschaft.
Von Friedrich Griese.
Man könnte der Meinung sein, daß keine der deutschen Landschaften durch alle jene Kriege, denen sie im Laufe der Zeit ausgesetzt waren, härter getroffen worden sei als gerade Pommern. Kennzeichnend dafür ist vor allem die Geschichte der Stadt Stralsund. Es gibt kaum ein Gemeinwesen, das sich mehr der Gewalt des Dreißigjährigen Krieges ausgeliefert sah; es gibt auch feine, das sich tapferer und aufopferungsvoller gewehrt hätte. Es half nichts, daß. Wallenstein zuletzt selber erschien und wochenlang versuchte, diese Stadt, die ihm in Verfolgung bestimmter Pläne wertvoller als jede andere erschien, unter seinen Willen zu zwingen. Sie ergab sich nicht. Später war sie den Schrecken des Nordischen Krieges ausgesetzt; Preußen, Dänen und Sachsen stürmten, an der Spitze der Preußen Leopold von Dessau. Wieder später fiel in ihren Mauern Ferdinand v. Schill.
Auch andere, kleinere Städte haben jede Kriegsunbill immer wieder erfahren müssen. So berichtet ein zeitgenössischer Geschichtsschreiber von der Stadt Pasewalk, daß sie während des großen Religionskrieges nach Niedermetzelung der kleinen schwedischen Besatzung und der meisten wehrfähigen Bürger von den Kaiserlichen geplündert worden sei, die Uebriagebliebenen „geprügelt, gemartert und alles, was sie noch auf der Welt hatten, herfür zu geben genötigt. Endlich ward Feuer an vielen Orten an- aelegt, und ging also die feine Stadt mit der schönen Marienkirche, Schule und Rathaus und den Mühlen im Rauche in die Lust auf und blieben nur gar wenige Häuser bestehen." Aehnliche Berichte gibt es von vielen Städten Pommerns; das Ergebnis ist aber fast immer, daß sie die schreckliche Bedrängnis abgewehrt oder sie wenigstens überstanden haben. Als leuchtendes Beispiel brauchen wir uns nur der Stadt Kolberg zu erinnern und jener Männer, die diesen Namen unsterblich gemacht haben.
Wenn wir uns den pommerschen Menschen so, wie er geworden ist, vorzustellen versuchen, dann dürfen wir dabei nicht übersehen, daß der Bewohner dieser Landschaft auch ohnehin in einem harten Leben stand, von den trüben Erfahrungen jener Kriegsläufte ganz abgesehen. Soweit er Der Küste oerheimatet war und seinen Unterhalt von dorther suchen mußte, war das Gewerbe der Fischerei immer sehr schwer und gefährlich für ihn. Obendrein war es ein sehr mühsames; und aus alledem ergab sich, daß seine Heimat ihn wohl zur Härte und Entschlossenheit erzog, aber auch zur Genügsamkeit. Daß ihm dabei milder und guttätiger Sinn nicht abging, betont ein heimatlicher Schriftsteller. „Sie erquicken gern den Dürftigen, der sich einmal zu ihren Hütten verirrt; denn unter ihnen selbst ist selten jemand so untüchtig oder so verlassen, daß er die Hilfe Fremder in Anspruch zu nehmen genötigt wäre."
Für den Bewohner der Städte und Dörfer weiter ins Land hinein darf ferner nicht überfehen werden, daß die Art der Landschaft ihn nicht gerade zu einem geselligen und heiteren Leben erzog. Pommern ist vorwiegend eben; wohl kann diese
Ebenmäßigkeit des Bodens räumig und mächtig wirken, und an vielen Stellen wird man daran gemahnt, daß von Mecklenburg herüber hier die Brücke nach dem noch räumigeren Osten weitergeht, aber sie ist ihrer ganzen Art nach doch mehr gehalten und herb als gelockert und aufgeschlossen.
Dies alles formte den pommerschen Menschen in seiner Schwere, Zurückhaltung und Geradheit, die oftmals dem nicht Einheimischen äußerst unbequem erscheint. Sie brachte in den aufeinanderfolgenden Geschlechtern auch jene Treue und Entschlossenheit hervor, die schon Friedrich den Großen veranlaßte, in seinem Testament seinen Nachfolgern den Rat zu geben, sich vorzüglich auf die pom- mersche Nation zu verlassen und diese als eine der ersten Stützen des preußischen Staates anzusehen.
Wenn wir dies alles überlegen: die Erprobung des Menschenschlags durch eine gleichsam immerwährende Kriegszeit, die nebenhergehende weitere Erprobung durch den oft mühseligen und harten Alltag, die Weite und Mächtigkeit der Landschaft, wenn wir weiter überlegen, daß Pommern auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft mehrere mindestens zu ihrer Zeit bedeutende Männer her- oorgebracht hat — den Dichter Friedrich Scherenberg, den Kunsthistoriker Franz Kugler, den Dichter und Schriftsteller Robert P r u tz, den Maler Theodor Hildebrandt —, daß es außerdem die Wirkungsstätte anderer berühmter Männer war, unter anderen lebten hier Ludwig Giesehr e ch t und Karl Löwe, dann möchte man wünschen, daß Die pommersche Landschaft unserer Zeit mehr geistige Stimme bekommt, daß die Menschen, die dort heute gewiß als Künder dieser Landschaft vorhanden sind, sich mehr und deutlicher und stärker vernehmen lassen.
Vielleicht ist dazu für die Zukunft ein innigeres und äußerlich mehr hervortretendes Zusammengehen mit der mecklenburgischen Nachbarlandschaft nötig. Nicht, als ob für Pommern ein solches Zusammengehen lebensnotwendig wäre, als ob dieses Zusammengehen dem Künder pommerscher Landschaft erst die Möglichkeit gäbe, sich vernehmen zu lassen, aber es ist doch denkbar, daß ein Betonen ähnlicher oder gleicher landschaftlicher Gegebenheiten befruchtend wirken könnte.
Denn auch der mecklenburgische Mensch hat feine Formung mit erhalten durch die immer wiederholten bitteren Kriegsnöte, die über fein Land dahinzogen. Auch in seiner Landschaft wütete das Geschmeiß fremder Kriegsvölker, zerstörte Städte und ließ zahllose Dörfer vom Erdboden verschwinden, als ob sie niemals vorhanden gewesen wären. Auch der Mensch seines Landes mußte, so weit er diesen Kriegen nicht zum Opfer fiel, diese Erprobung seiner Art auf sich nehmen, an ihr zu Grunde gehen oder sie bestehen.
Es gibt auch außerdem der gleichen Vorbedingungen genug. Wie der pommersche Küstenfischer, stand auch der Anwohner der mecklenburgischen Ostseeküste täglich in einem harten und mühsamen und gefährlichen Beruf, der in einer völlig unmißver
ständlichen Art Gesicht und innere Haltung dieser Menschen bildete.
Es ist weiterhin nicht zu übersehen, daß land- hinein für das Mecklenburgische ähnliche und oft gleiche Vorbedingungen vorhanden find wie für das Pommersche. Auch für Mecklenburg gilt, daß Ebenmäßigkeit und räumige Dehnung das Bild des Bodens weithin bestimmen. Hier wie dort ist dieser Boden nicht immer ertragreich. Heide- und Moorgebiete sind vorhanden, und der Mensch, der sich in ihnen angesiedelt hat, bekommt von hier aus Formung und Artung seines Wesens, in Pommern wie in Mecklenburg. Für beide gilt, daß die Menschen der Landschaft dem Unheimischen nicht immer leicht verständlich, daß sie zurückhaltend, herb und zuweilen abstoßend erscheinen. Gewiß hat jede Landschaft ihr eigenes Gesicht, und man soll dort nicht gleichmachen wollen, wo Verschiedenheiten vorhanden sind, aber auf das Grundsätzliche und Letzte und Artbildende gesehen, ergibt sich für beide doch, daß sie Glieder eines in ganz bestimmter Art gebundenen Raumes find. Wie die Dinge lagen — und gegenwärtig noch liegen —, ist es aber so, daß sie sich äußerlich und innerlich noch nicht genug zueinander hingefunden haben. Der Grund hierfür liegt natürlich auch darin, daß Menschen einer so gebundenen Landschaft auch immer in sich gebunden fein werden und also auch immer nur wenig geneigt find, die verbindende Brücke zu betreten.
Außerdem hätten bei einem solchen innigeren Zusammengehen beide noch eine besondere Aus- aabe. Pommern könnte seiner ganzen Art und Lage nach mehr die Verbindung nach dem Osten hin werden, während Mecklenburg nach der anderen Seite mehr verbindend sein könnte, als es bisher immer wieder einmal der Fall war. Denn wir wollen — bei aller Betonung eigener landschaftlicher Art — nicht vergessen, daß unser Blick doch immer auf die allen gemeinsame große deutsche Landschaft gerichtet fein muß.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 14. Sept. An den vergangenen Sonntagen wurde hier das Preisschießen durchgeführt. Die besten Schützen waren Heinrich Sauer, L. Fuchs und Wilhelm ©paar.
# Ir e i 5 (Lumda), 14. Sept. Dieser Tage wurde hier das Preisschießen beendet. Die drei besten Schützen waren Georg Schneider, Heinrich H e 11 ch e und Römer.
0 Beuern, 14. Sept. Die Schulkinder unseres Dorfes sammeln jeden Morgen Fallobst. Die NS.-Frauenschaft kocht Gelee daraus. Bis jetzt konnten bereits 160Pfund Gelee an die NSV. abgeliefert werden. Die Schulkinder haben sich auch für ein weiteres gemeinnütziges Werk zur Verfügung gestellt. Sie rupfen den Flachs, der von der Gemeinde angebaut wurde und besorgen auch das Riffeln. — Im Bemühen um die Dorfver - fchönerung werden gegenwärtig die Rinnen der Hauptstraße umgepflastert. Diese Aktion soll in den kommenden Jahren systematisch überall durchgeführt werden, so daß mit der Zeit alle alten Rinnen verschwinden werden.
ch Lauter, 14. Sept. Die Drescharbeit in unserem Orte ist diesmal früher als in anderen Jahren abgeschlossen worden. Der Kömerertrag
war gut. Die Dreschmaschine hat das Dorf verlassen. — In unserem Orte wurde eine Obst» sammelstelle errichtet, die an Heinr. Traum zur Verwaltung übertragen wurde. — Eine der ältesten Einwohnerinnen unseres Ortes, Charlotte WLehner, vollendete dieser Tage ihr 7 9. Lebensjahr. Demnächst kann Karl Mebus I. in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 3. Geburtstag feiern.
Langsdorf, 14. Sept. Durch den Kreis- feuerwehrinfpektor Bouffier (Gießen) fand hier die alljährliche Besichtigung der F r e i ro i I [ i a e n und der Pflichtfeuerwehr statt. Drei Aufgaben wurden der Wehr gestellt: je eine Hebung im iZußexerzieren und im Geräteexerzieren und ein Brandangriff war vorzuführen. Der aufsichtführende Beamte war besonders mit dem Geräteexerzieren und dem Zustand aller Feuerwehrgeräte zufrieden.
Kreis Alsfeld.
aö. Ruppertenrod, 13. Sept. Zum Flur- schütz der hiesigen Gemeinde wurde Karl Burg IV. ernannt, nachdem der seitherige Flurschütz Her- mann Schlosser von seinem Amte gurütfgetreten war. — Dieser Tage versteigerte Die Gemeinde die Zwetschen. Die Ernte fiel so knapp aus, wie man es hier seit langen Jahren nicht gesehen hat. Die Früchte sind in diesem Jahre auch von nicht besonderer Qualität.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Deutschland bleibt vorerst an der Südseite der lebhaft vom Atlantik ausgehenden und über Nordeuropa hinwegführenden Wirbeltätigkeit. Bei dem Vorüberzug der einzelnen Wirbel werden land- regenartige mit schauerartigen Niederschlägen wechseln. Gelegenlich einsetzende Besserung wird nur vorübergehend bleiben. Die Temperaturen werden im allgemeinen etwas höher liegen als in der letzten Zeit.
Aussichten für Donnerstag: Bel lebhaften südlichen bis westlichen Winden wechselhaft und zu Niederschlägen neigendes Wetter, Mittagstemperaturen zwischen etwa 15 und 20 Grad.
Lufttemperaturen am 14. September: mittags 14,9 Grad Celsius, abends 10,6 Grad; am 15. September: morgens 10,3 Grad. Maximum 15,2 Grad, Minimum heute nacht 9,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. September: abends 13,7 Grad; am 15. September: morgens 12,4 Grad. — Niederschläge 5,4 mm. — Sonnenscheindauer 1,9 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt Der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 37: 9090. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange. K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezuas- preis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr
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