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fcn sind das Reservoir, aus der das Judentum die Armee der Weltreoolution rekrutiert, mit dessen Hilfe es die Weltherrschaft zu erobern gedenkt.

Der Führer wies wiederholt darauf hin, daß Deutschland, wenn es auch selbst den Bolschewis­mus in seinen Grenzen ausgerottet habe, doch an dieser Entwicklung höchst interessiert sei, weil es als ein Glied der großen europäischen Kultur- und Staatengemeinschaft nicht ohne ernste Sorge für das eigene Leben ruhig zusehen könne, wie ein Volk nach dem anderen, auf deren Zusammenarbeit auch Deutschlands Existenz beruhe, von dem bolsche­wistischen Gift angesteckt werde und ihm zu er­liegen drohe. Hierauf gründet sich auch Deutschlands Interesse an den Vorgängen in Spanien. Deutschland kann auch anderen Mächten nur rein wirtschaftliche Interessen zugestehen, wie es für sich selbst auch nur solche in Anspruch nimmt. Niemals aber kann es dulden, daß Spanien eine Filiale Moskaus wird. Mit schärfstem Nachdruck unterstrich der Führer die Grundauffassung deutscher Außen­politik:Wir sehen in jedem Versuch einer weite­ren Ausbreitung des Bolschewismus in Europa grundsätzlich eine Verschiebung des euro­päischen Gleichgewichts." Die britischen Staatsmänner, die offenbar geneigt sind, diese Grundthese deutscher Außenpolitik als Ausfluß einer weltanschaulichen Marotte auf die leichte Schulter zu nehmen, wurden eindringlich darauf hingewiesen, daß wir an der Verhinderung einer solchen Gleichgewichtsverschiebung zu Gunsten Mos- kaus genau so ernstlich interessiert seien, wie Eng­land an der Aufrechterhaltung des bestehenden Kräfteverhältnisses im Mittelmeer oder in der Nordsee.

Dabei sehen wir für uns selbst die Gefahr einer Ausbreitung des Bolschewismus in Europa, wie schon anfangs betont, vorwiegend auf wirt­schaftlichem Gebiet. Wir brauchen den Güter­austausch mit unseren Nachbarn und würden uns einer wirtschaftlichen Katastrophe gegenübersehen, wenn eine Bolschewisierung Europas diesem Güter- austausch ein Ende machen würde. Diese Tatsache ist auch das beweiskräftigste Argument gegen die vom Ausland immer wieder gemachten törichten Vorwürfe, als ob wir mit unserem viel verkannten Dierjahresplan die Errichtung einer sich selbst genü­genden Nationalwirtschaft anstreben wollten. Wir wünschen im Gegenteil unfern Außenhandel so rege zu gestalten wie nur möglich, aber er muß auf Gegenseitigkeit beruhen und uns in die Lage ver­setzen, die Rohstoffe, die unsere Industrie benötigt, und die Lebensmittel, die wir zur Ernährung unse­res Volkes brauchen, soweit mir sie nicht im eigenen Lande haben, auf dem Weltmarkt zu kaufen. Der Bolschewismus müßte zwangsläufig diesen Güter­austausch unterbinden, wie er überhaupt e i n Fremdkörper ist in der Gemeinschaft europäi­scher Kulturnationen, zu deren Fortschritt er keine einzige Leistung kultureller oder wirtschaftlicher Art beigesteuert hat, während die Glieder der großen europäischen Völkerfamilie sich im Verlaufe einer jahrhundertealten gemeinsamen Geschichte sich ge­genseitig ungeheuer befruchtet haben und, wie der Führer hervorhob, allen Grund hätten, sich gegen­seitig weniger zu hassen als zu bewundern.

Europa kennt nun Deutschlands Einstellung zum Bolschewismus. Es hat noch einmal aus dem Munde des Führers vernommen, daß das national­sozialistische deutsche Volk jedem Versuch eines Ein­griffs in seine Souveränität mit allen Mitteln ent­gegentreten wird. Wer sich unterstehen sollte, diese Gefahr an Deutschland von außen heranzutragen, mag wissen, daß der nationalsozialistische Staat sich auch die Waffen geschaffen hat, um einen solchen Versuch blitzschnell niederzubrechen und mit einem andern Fanatismus für feine Existenz kämpfen wird als das bürgerliche Reich von einst. Diese Worte des Führers sollten alle diejenigen ausländischen Katastrophenpolitiker zum Nachdenken anregen, de- ren Gedankenspielereien noch mit Verhältnissen rech­nen, die dank der Tatkraft und Umsicht des natio­nalsozialistischen Regimes endgültig vorbei sind. Deutschland will nichts als den Frieden, das hat wieder der Parteitag in Nürnberg gezeigt, des­sen großartige Veranstaltungen nicht ohne Grund unter das zukunftweisende Symbol der Arbeit ge­stellt worden waren. Deutschland braucht den Frieden und wünscht nichts sehnlicher, als in Ge­meinschaft mit den andern europäischen Kultur­nationen ohne die planmäßige Störung des welt­revolutionären Bolschewismus feine ganze Kraft dem nationalen Aufbau und dem Austausch wirt- schaftlicher und kultureller Höchstleistungen widmen 3U können. Möge Europa die Warnung begreifen, die wiederum von Nürnberg hinausging und das seinige tun zur Sicherung eines wahren Völker- friedens. Dr. Fr. W. Lange.

Zur Kolonialfrage.

Eine verständige Erklärung wird berichtigt.

London, 14. Sevt. (DRV.) Die Londoner Abendpresse veröffentlicht eine Erklärung des Ober­kommissars für die südafrikanische Union in Lon­don, T e Water, der sich auf einer Reise durch Kanada befindet, er glaube, daß die südafrikanische Union bereit fein würde, sich an einem allgemeinen Abkommen über die Rückgabe der frühe­ren deutschen Kolonien an Deutsch­land zu beteiligen, wenn das nicht auf Kosten ihrer Sicherheit ginge. Südafrika würde bereit fein, sich mit Deutschland an einen Konferenztisch zu sehen, er glaube, daß eine annehmbare Lösung so­wohl für Deutschland wie für die Mandatsmächte gefunden werden könnte.

Allerdings hat Te Water dem Evening Standard auf telephonische Anfrage betont, daß er feine Mit­teilung al 5 Ferienreisender gemacht habe. Die Erklärung stelle lediglich seinen persönlichen Standpunkt dar. Die Reuter-Agentur gab eine ent­sprechende Berichtigung heraus. Danach habe Te Water erklärt:Soweit die Kolonialfrage betroffen ist, ist es meine persönliche Ansicht, die ich schon lange vertrat, daß die Nationen nicht mehr länger zögern sollten, im Geiste der Vernunft und Mäßi­gung den Standpunkt Deutschlands in Frage wie in allen anderen Fragen, die den Welt­frieden stören, zu prüfen".

Der Teilungsplan für Palästina.

Polens Interesse

an der jüdischen Einwanderung.

Genf, 14. Sept. (DNB.) Der Völkerbundsrat genehmigte den Bericht des Mandatsausschusses über d i e Verwaltung Palästinas und Transjordaniens. Das Gutachten über den englischen Teilungsplan wurde einer befände- ren Prüfung vorbehalten. Eden ersuchte den Rat um die Ermächtigung, die Einzelheiten des Tei­lungsplanes, wenn möglich in Zusammenarbeit mit Juden und Arabern, auszuarbeiten. Der französische

Außenminister Delbos äußerte feine Sympathie für die englischen Vorschläge. In Palästina bestehe eine besondere Lage, die die MandatSmacht allein richtig beurteilen könne. Der polnische Außenmini­ster Beck betonte das besondere Interesse Polens an Palästina. Die jüdische Auswanderung sei für Polen ein Komplex ernster wirtschaftlicher und so­zialer Fragen, ähnlich wie für andere Länder Mit­tel- und Osteuropas. Das Judentum habe sich aus historischen und gefühlsmäßigen Gründen" auf die Einwanderung nach Palästina eingestellt. Die Hauptsorge der polnischen Regierung sei es, daß Palästina, welches auch immer sein künftiges Re­gime fein möge, eine möglichst große Auf­nahmefähigkeit für die jüdische Ein­wanderung erhalte. Der Vorsitzende des Man­datsausschusses stellte fest, daß der Ausschuß mit der englischen Regierung in drei Punkten einig sei, nämlich der Undurchführbarkeit des gegenwärtigen

Mandats, den Grundsatz der Teilung und der Schaffung eines besonderen Regimes für die heiligen Stätten. Dagegen feien hinsichtlich der B e - fchränkung der Einwanderung für die Dauer der Verhandlungen über ein neues Palä- ftinaftatut Einwendungen zu machen. Das arabische Zentralkomitee in Jerusalem sandte ein Telegramm an den Völker­bund, das die schärfste Ablehnung jedes Teilungsplanes, der in Palästina einen Judenstaat schaffe, mitteilt. Die Araber fordern völlige Unab­hängigkeit im eigenen Lande, Einstellung jedes Ver­suches, in Palästina einjüdisches Nationalheim" zu schaffen, die Einstellung der jüdischen Einwanderung, das Verbot, an Juden Land zu verkaufen, und schließlich die Aufhebung des bri­tischen Mandats über Palästina, sowie den Abschluß eines Freundschaftsoertrages zwischen dem arabi­schen Palästinastaat und England.

Italien fordert Gleichberechtigung.

Das Ergebnis der Mittelmeer-Konferenz für Italien unannehmbar.

Rom, 14. Sept. (DRV.) Die Antwort Italiens auf die englisch-französische Einladung zur Ueber- nafjme der von der Ryonkonferenz festgesetzten Ueberwachungsmahnahmen im Tyrrhenischen Meer ist dem englischen und französischen Geschäftsträger überreicht worden. Die Rote besagt, daß die faschi­stische Regierung das Arrangement der Konferenz von Ryon und das pro memoria der beiden Ge­schäftsträger vom 13. September geprüft hak.Aus diesen Schriftstücken ergibt sich", so heißt es,daß Italien infolge feines Beitrittes zur Ausübung der von der Konferenz festgesetzten lleberwachungs- maßnahmen nur das Tyrrhenische Meer überlassen wird, während praktisch die gleiche Maßnahme im ganzen Mittelmeer den Flotten Englands und Frankreichs an­vertraut wird. Die Lage, die sich daraus für Ita­lien ergeben würde, erscheint unannehmbar. Seine lebenswichtigen Interessen im Mittelmeer und die Tatsache, daß auf feinen Verkehrslinien der größere Verkehr sich abspielt, führen zu der Forderung, daß Italien eine Stellung völ­liger Gleichberechtigung mit jeder anderen Macht in jeder Mittelmeer- z o n e erhält." Die italienische Antwort ist, wie in dem Kommunique milgeteilt wird, im Einver­nehmen mit der Reichsregierung er­folgt.

Die Mttelmeerpolizei" Eine Rundfunkrede Edens über das Ergebnis von Nyon.

London, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Außen­minister Eden hielt von Genf aus eine Rundfunk- Rede über die englischen Sender. Die Lage und die Llusdehnung des Mittelmeeres habe klar gemacht, daß unorganisierte Bemühungen zur Abwehr der U-Boot-Angriffe nur zu Verwirrungen führen und ihren Zweck verfehlen würden. Deshalb seien kol­lektive Beratungen mit dem Ziel einer schnellen kollektiven Maßnahme not­wendig gewesen. Jedes Patrouillenschiff sei nach dem Ergebnis der Konferenz von Nyon jetzt be­rechtigt, zum Gegenangriff überzugehen und

wenn möglich, jedes Diraten-U-Boot zu vernichten. Wir glauben", so schloß Eden,in Nyon dem U-Boot-Piratentum im Mittelmeer ein Ende ge­macht zu haben. Wir haben eine Polizei auf­gestellt." Wen irgend ein U-Boot wieder versuchen sollte, eine Schwarzfahrt zu unternehmen, bann werde es die verdiente Strafe erhalten.

Die Blätter betonen, daß die Verhandlungen jetzt in Genf fortgesetzt werden. Dabei werde die italienische Haltung einewesentliche Rolle spielen". DieTimes" meint, aus der Formulierung der in Rom abgegebenen Erklärung gehe hervor, daß es sich nicht um eine end­gültige Absage Italiens handele. Italien habe sich lediglich geweigert, unter den ungebete­nen Umständen mitzumachen.Daily Tele­graph" ist der Ansicht, daß England und Frankreich irgendwelche Abänderungen im vorgesehenen Pa­trouillensystem für unmöglich hielten.

Auch in Paris fehlt es nicht an Stimmen, die immer noch die Möglichkeit einer Beteiligung Italiens an der französisch-englischen Flottenzu­sammenarbeit im Mittelmeer erhoffen. Die Forde­rung Italiens auf eine absolute Gleichberechtigung mit den anderen Mächten biete keine unüber­windlichen S ch w ierigkeiten für eine Einigung zwischen Frankreich, England und Ita­lien. Der Berichterstatter desFigaro" in Nyon betont, daß die Festigkeit Enalands keineswegs den Wunsch ausschließe, mit Italien zu verhandeln. Der Korrespondent derEpoque^ meldet, daß in dem Wortlaut des Abkommens bezüglich der für die Patrouillen feftaelegten Gebiete eine Aende - rung der Maßnahmen vorgesehen sei. Dies lasse die Möglichkeit zu, Italien einen bedeutende­ren Anteil, als ursprünglich vorgesehen, an der Überwachung zu geben. Der ,Lour" meint, eine italienische Beteiligung sei um so wünschens­werter, als die Sowjets in glatter Erpressung mach­ten, indem sie erklärten, daß die soeben übernom­menen Verpflichtungen sie nicht daran hin­dern würden, ihre Kriegsschiffe im ö st - lichen Mittelmeer kreuzen zu lassen. Sow- jetrußland operiere um so dreister mit Einschüchte­rungen, wenn es wisse, daß die Mittelmeermächte uneinig seien. Falls eine Übereinstimmung erzielt werden könnte, würden die sowjetrussischen Kriegs­schiffe jedenfalls weniger geneigt fein, oie Dardanellen zu durchfahren.

An her Schanghai-Front.

Don unserem H-Berichterstaiier.

(Nachdruck verboten.)

Schanghai, Ende August 1937.

Soeben erreicht uns der erste Briefbericht eines zuverlässigen Augenzeugen der japa- nisch-chinesisch en Kämpfe um Schanghai.

Die Schriftleitung.

Es hat fast zwei Wochen gedauert, bis es Ihrem Vertreter möglich war, die erste Fahrt an die Schanghai-Front zu machen. Tage, in denen schwerer Artilleriewechsel, Maschinengewehr­feuer und Detonationen der Minenwerfer hörbar waren, Nächte, in denen der Himmel über den Stadtteilen Hongkew, Tschapei und Pangtsepu auf Kilometer rot glühte, lagen hinter uns. Auch heute ist die Situation nicht so, daß man ungefährdet durch die Kampfzone gehen kann. Panatfepu ist nach wie vor nicht zu betreten, da hier oer Stra- ßenkampf im Kleinen fortwütet. Doch Hongkew und Tschapei soll man nach einer Version, stahl­helmbewaffnet, erreichen können. So treten mir die Fahrt an.

Einige geographische Bemerkungen zuvor: Schang­hai hat zwei Niederlassungen, die fran­zösische und die sogenannte internatio­nale. Erstere ist von den Kampfhandlungen völ­lig unberührt. Wo sie an chinesisches Stadtgebiet grenzt, ist sie hermetisch a b g e f p e r r t, nach der internationalen Niederlassung zu stehen heute für den Fall eines chinesischen Durchmarsches durch diese Niederlassung schwere Sandbarrikaden und spanische Reiter. Zu der internationalen Nieder­lassung gehören die vorgenannten drei Stadtteile Hongkew, Tschapei und Pangtsepu, die sämtlich durch einen breiten Fluß, den Sutschau Creek, von dem übrigen Teil der Niederlassung abgetrennt sind. In diesen drei Bezirken ist die japanische Bevölkerung, etwa 30 000 Mann, an gesiedelt, diese Teile unterstehen im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung dem japa­nischen Schuh, außerdem sind Engländer, Amerikaner und Italiener, schließlich das Dvlunteer Corvs beteiligt. Gegen diese fo- genannten japanischen Distrikte richten sich die Angriffe der Chinesen.

An der Garden Bridge, die den Sutschau Creek überquert, find starke Posten der Engländer und gegenüber solche der Japaner aufgezogen. Wir werden nach woher und wohin gefragt, doch da wir einen Ausweis des Landungskorps vorweisen können, ist ungehinderter Durchgang. Die breite Straße, die hinter den Schuppenanlagen längs führt, ist zunächst völlig unbeschädigt. Kaum Spu­ren von Einschlägen. Nach zehn Minuten stoßen wir auf die ersten starken japanischen Posten. Sie halten eine Brücke über einen kleinen Fluß besetzt und haben sich dort verschanzt. Hier ift~ d e r Eingang nach Yangtsepu, wir müssen links abbiegen und sind jetzt m dem eigent­lichen javanischen Wohnviertel. Die Straße, die wir jetzt passieren, hat stark unter Artilleriefeuer gelit­ten. Dächer sind durchschlagen, die kleinen zwei- stückigen Häuser sind nach der Straße zu ausge-

brachen, die Läden sämtlich zertrümmert. Vor zwei Wochen noch sah man hier vor den Restaurants japanische Mädchen in ihren bunteh Gewändern stehen, sie kicherten fröhlich hinter uns her. Heute liegt eine drückende Stimmung über dem Ganzen. Männer durchstöbern die Trümmer. Durch eine offene Flügeltür sieht man in ein japanisches Restaurant. Doch wenige Häuser weiter ift alles wie'zuvor. Wo kettle Zerstörungen mehr sino, sitzen die Leute wieder vor ihren Häusern und plaudern, gehen die Frauen über die Straße und haben ein­gekauft, fieht man nur dann und wann einen ja­panischen Posten. Die strahlende Sonne tut ein übriges, fast vergessen zu lassen, daß hier Krieg ist, daß noch am Abend zuvor, am Vormittag des gleichen Tages, schwere Einschläge aus dieser Rich­tung hörbar waren.

Wir stoßen weiter vor wirklich wir kommen uns vor wie auf Patrouille, und sind erstaunt, daß sie so glatt, so ungestört verläuft. Straßenzug auf Strahenzug, das gleiche friedliche Bild, nur ge­ringe Beschädigungen. Wir müssen gestehen, daß wir nie geglaubt hätten, soweit ungestört vorge- lanaen zu können. Denn nach den vorliegenden Meldungen müßten wir uns jetzt bereits seit länge­rem in d e r eigentlichen Kampfzone be­finden. Dann biegen wir in die breite North Szechuan Road ein. An der Ecke die erste japanische Barrikade. Aus Tischen und Stühlen, aus den Holzverkleidungen der chinesischen Läden hat man Unter st än de gebaut. Hier ist das sogenannte Vergnügungsoiertel Schanghais, hier sind die vie­len Tanzlokale mit Chinesinnen, Koreanerinnen und auch Japanerinnen. Mancher Junggeselle entbehrt heute einen äbendlichen Rundgang, wenn er, durch die Polizeistunde gezwungen, um zehn Uhr hinter eigenem Schloß und Riegel fein muß.

Don hier ab weiter nördlich bis zu der japa­nischen Kaserne hin sollen die schwersten Kämpfe im Distrikt Hongkew-Tschapei stattge­funden yaben. Das ist unschwer festzustellen. Haus an Haus weist schwere Beschädigungen auf. Die Fenster sind ausaeschossen. In den Asphalt sind Granattrichter geschlagen, wenn auch feftzustellen ist, daß die chinesische Artillerie nicht sehr stark ge­wesen sein kann. Zu größeren Bränden ist es nir­gends gekommen. Maschinengewehrfeuer und Ge­wehrfeuer haben den Schaden verursacht. Wir un­tersuchen 5)0113 für Haus, um später denjenigen, die es wissen möchten, mitteilen zu können, oaß die und die Unterhaltungsstätten noch unversehrt sind. In den Vorräumen des sowjetrussisch inspi- rierten Kinos, das gleich außerhalb der Settlement« Grenze liegt, haben sich Japaner eingerichtet. Die Toten sind von den Straßen fortgeräumt. Nur Splitter, verkohlte Dalken, hin und wieder ein demoliertes Möbelstück, das ift alles, was zwischen den einzelnen japanischen Barrikadenstellungen liegt. Diese sind nach oben geschützt gegen Fliegerangriff, obwohl festzustellen war, daß die chinesischen Flug­angriffe in den letzten Tagen durch die Japaner mehr und mehr unterbunden wurden.

Aus der Nähe hören wir das Feuer einer

japanischen Batterie. Wir fahren darauf zu, direkt auf die javanische Kaserne, um die manche heftigen Kämpfe stattgefunden haben, und die fast in den Besitz der Chinesen gelangt sein soll. Wir wissen nichts Genaues über den Ablauf der Kämpfe, doch wir müssen jetzt feststellen, daß auch das Vorgelände der Kaserne in den Händen der Japaner ist. Man gewährt uns ohne Um­stände Einlaß in das festungsähnliche Gebäude, man erlaubt uns hinzugehen, wohin wir wollen, man erlaubt uns zu photographieren, was wir wollen. Der Adjutant des Kommandeurs der japa­nischen Landungstruppen hat die Freundlichkeit, uns zu empfangen. Unsere Unterhaltung wird nur un­terbrochen von dem Gezwitscher zweier Sittiche und dem Donnern einer Batterie, die direkt vor der Kaserne steht. Der Adjutant meint, daß man zwei neu einrückenden chinesischen Divisionen, die einen Stellungswechsel vornehmen, einen kleinen Emp­fang bereiten wolle. Er berichtet bann, daß sich dieFische" damit ist das Landungskorps ge­meint recht wohl auf dem Lande fühlten. Er erzählt von der Schwere der Kämpfe. Beispiels­weise an dem großen Norbbahnhos sei jeder artilleristische Angriff sehr schwierig gewesen, da die Grenze der Internationalen Niederlassung unmittel­bar daneben verlaufe, und man diese nicht habe in die Kämpfe einbeziehen wollen.

Aus der Unterhaltung klingt deutlich heraus, daß man einen entscheidenden Erfolg errungen hat, insofern, als die Chinesen nirgends endgültig in die japanischen Stellungen eint)ringen konnten. Daß man vor allem auch sehr sicher ist, obwohl, nach japanischer Angabe, bas Stärkeoerhältnis zehn ZU eins gegen die Japaner war. Man zeigt uns bann noch einen gerabe erbeuteten chinesischen Tank, amerikanischer Herkunft. Alles in allem verstärkt sich ber Eindruck, daß die chinesischen Truppen zwei­felsohne sehr tapfer gekämpft haben, daß sie immer wieder oorgeganaen find zwei ihrer besten Di­visionen sollen sich hier verblutet haben doch daß ihre Unterlegenheit im Material zu stark war. An­ders ist ihre Erfolglosigkeit bei derart zahlenmäßi­ger Überlegenheit nicht zu erklären.

Man sagt uns, daß wir erst jetzt die eigent­liche Kampfzone erreichen, und dies auf eigene Gefahr tun. Wir unsererseits müssen dabei fcftfteüen, daß ber Aufenthalt in biefem Kriegs­gebiet unzweifelhaft angenehmer ist als in unserem frieblichen" Settlement, wo wir keine Minute und keine Stunde wissen, was sich ereignen kann, um dann plötzlich Bombeneinschläge zu erleben, die bas Leben unb bas Blut von Hunberten forbern. Hier wissen wir, baß die Kugeln pfeifen, hier sehen wir in unmittelbarer Nähe einen Granateinschlag, ber bas schon zertrümmerte Gelänbe nochmals in Branb schießt. In kleinen Häusern haben sich die japanischen Befehlsstände eingenistet. Die Soldaten, denen wir begegnen, sehen frisch, wenig abgespannt aus unb wenn mir uns auch nicht verstehen, so lachen wir uns sreunblich an vielleicht weil zi­viler Besuch boch wohl eine etwas ungewöhnliche Sache in diesem Kampfgebiet ist.

In einem japanischen Gartenrestaurant erleben wir die letzte oder erste, wie man will, Etappe. In dem großen Holzbau hat ein Granattreffer ein- geschlagen. Unter den vornübergefallenen Trüm­mern, die so etwas wie ein Schutzdach bilden, ruhen sich die Mannschaften aus. Ein Flieger zieht seine Kreise am Himmel, er ist sehr hoch. Kein Schuß sucht ihn zu erreichen. Man sagt uns, daß die chine­sische Aktivität erst nachts einsetze, weil eben ihr Materialmangel groß sei, weil die Chinesen feine* Flieger hätten, und weil ihre Operationen des­wegen nach ihrer Meinung nachts erfolgreicher fein würden als am Tage.

Von hier aus sind es nur noch wenige hundert Meter bis zu den chinesischen Stellungen. Die Japaner haben sich in einzelnen Gebäuden eingerfiftet, haben sich hinter Mauern verschanzt, ohne selbst Stellungen auszuwerfen. Wir versuchen an einem kleinen Fluß langsam vorzubringen. Rechts ist eine Mauer, links das Wasser und drü­ben ist Niemandsland, sind Trümmer, hinter denen irgendwo die Chinesen ihre Stellungen gebaut haben. Fünfzig Meter vor uns liegt jetzt die viel­umstritteneBrücke der acht Charaktere". Wir bie­gen rechts in ein Gehöft ein, um so im Schutz ber Einzäunungsmauer die vorberste Stellung der Ja­paner, eben an jener Brücke zu erreichen. Zwei Panzerwagen stehen hier. Acht Schützen liegen hinter Barrikaben, unter Dächern aus Holztüren. Die Stahlhelme finb mit Laub getarnt, die Panzer­wagen ebenso. Hundert Meter vor der Stellung liegen auf der Straße zwei tote chinesische Soldaten, keiner kann sie zur Stunde holen. Mit den Fingern weisen die japanischen Posten auf einige Ruinen: dort liegt der Feind. Als wir zurückkehren, wissen wir, daß wir trotz Bombardements der In­ternationalen Niederlassung und trotz der dort ver­breiteten Schrecken zum erstenmal Begegnung mit dem wahren Schanghai-Krieg gehabt haben.

Japan warnt den Völkerbund vor einer Einmischung.

Tokio, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Spre­cher des Auswärtigen Amtes hat zum Appell China san den Völkerbund eine Erklä­rung veröffentlicht. Sie besagt, es fei deutlich er­kennbar, daß China mit entstellten Tat» a ch e n operiere und durch fein Vorgehen die Lage verschlimmere. Der Sprecher warnt den Völker­bund, auf einer solchen Grundlage sich in den Streit einzumischen. Japan wolle Chinas Eini­gung nicht verhindern, es wünsche lediglich, daß diese Einigung im Interesse des Weltfriedens auf einer gefunden Grundlage erfolgt. Japans Politik fei darauf gerichtet, China zu einer Neuorientierung zu veranlassen und eine grund­legende Bereinigung feiner Beziehungen zu Japan in die Wege zu leiten. Da China bisher gerade das Gegenteil davon gemacht habe, fo ent- prächen die japanischen Maßnahmen ber inter­nationalen Gerechtigkeit, ber Menschlichkeit unb der Selbstverteidigung. Der Sprecher ift ber lieber- zeugung, daß beibe Länber in absehbarer Zukunft allein im Stanbe finb, eine Lösung für die Pro­bleme auszuarbeiten, und zwar mit Mitteln, die den tatsächlichen Umständen entsprächen.

Das Hauptquartier der japanischen Nordchina. Front gibt den Beginn einer neuen japanischen Of- enfioe an der Eisenbahnlinie PeipingHankau lefannt. Die Kampffront tjat eine Ausdehnung von 50 Kilometer. Der erste Erfolg war die Erstürmung der chinesischen Stellungen bei der Stadt Kuan, etwa 50 Kilometer südöstlich von Peiping. Als Ziel der neuen Offensive wird eine Anpassung der zu­rückgebliebenen Frontlinie an der PeipingHankau- Bahn an dem bereits weiter vorgeschobenen Front­abschnitt ber Tientfi nP ukau - Dahn be- zeichnet.