Oer Neuaufbau der Iagdbehörden im Land Hessen.
Lpd. Der Landesjägermeister teilt mit: Nach der Auflösung der bisherigen Jagdgaue.Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen werden die Jagdbehor- ben im Jagdgau Land Hessen wie folgt aufgebaut:
Landesjägermeister und Leiter des Jagdgaues: Reichsstatthalter und Gauleiter Jak. Sprenger.
Stellvertreter: Stabsjägermeister beim Landes- jögermeister, Oberforstrat Karl Schlich, Darm- f Stabsleiter: Gaujägermeister Oberforstmeister Hans Rausch, Darmstadt.
Stab: Gaujägermeister Oberforstmeister Karl N i - colaus, Gießen, Ehrengerichtsfragen.
Jägermeister: Forstassessor Ludw. Roth mann, Darmstadt. „
Stabsamt: Jägermeister Lutz Bormann. Darmstadt, Stabsamt; Jägermeister Kaufmann Fr. Roder, Darmstadt, Kassenwesen.
Ständige Mitarbeiter auf Sachgebieten: Jung' jäaerausbildung und Prüfungen: Oberstleutnant o.D P ru p p,Darmstadt; Rechtswesen: Oberlandes- aerichtsrat Hildebrandt, Darmstadt; Naturschutz: Professor Dr. Schmidtgen, Mainz; Presse und Propaganda: Studienrat E. Holzel, Gießen: Ausstellungen und Veranstaltungen: Forstmeister Schlotterer, Darmstadt; Hundewesen: Ingenieur August Pascoe, Dutenhofen (Oberh.); Schießwesen: Robert Hübner, Darmstadt; Lan^ wirtschaft: Gutsbesitzer Oppermann, Lohrbach (Oberh.) und Ortsbauernführer Walther, König- städten. ,,
Die seitherigen beiden Ehrengerichte bleiben un- verändert bestehen. In der Einteilung der Jagdkreise und in dem Aufbau der Jagdkreise tritt keine Veränderung ein. Dem Landesjaqdrat treten als neue Mitglieder hinzu: Landforstmeister Dr. h. c. H e s s e, Darmstadt und Landeshauptmann Traupel, Wiesbaden.
Sonderfahrt der Reichsbahn nach Bad-Kms.
Man berichtet uns: Am 11. Juli veranstaltete die Reichsbahn unter Leitung von Reichsbahn-Oberinspektor K l i f f m ü l l e r eine verbilligte Sonderfahrt durchs Lahntal nach Bad Ems, die einen sehr guten Zuspruch aufzuweisen hatte, lieber 600 Fahrtteilnehmer konnte die Reichsbahn begrüßen. Das Wetter war zwar nicht einladend, aber trotzdem war der Aufenthalt in Bad Ems nicht verregnet, und die Kurverwaltung und der Verkehrsverein mit feinem Leiter Herrn Hutschen hatten sich in dankenswerter Weise große Milbe gegeben, den Fahrtteilnehmern die Stunden des Aufenthalts angenehm zu gestalten und ihnen die Sehenswürdigkeiten von Bad Ems zu zeigen. Auch hatte der Leiter des Bahnhofs Bad Ems, Reichsbahn- infpektor Müffing, ein Gießener, in dieser Richtung schon vorbereitende Arbeiten erledigt. Sofort nach Ankunft des Sonderzuges wurden die Fahrtteilnehmer in einzelne Gruppen mit Führer ein- ge teilt, für die ein in allen Einzelheiten festgelegtes Besichtigungsprogramm vorgesehen war. Auf diese Weise erhielten die Teilnehmer die besten Eindrücke von Bad Ems, seinen Kur- und Badeanlagen und seinen historischen Stätten.
Die Reichsbahn hatte für diese Fahrt ein zwangloses Programm vorgesehen, jeder Fahrtteilnehmer kynnte nach Belieben die Stunden des Aufenthalts ausnutzen. Deshalb machten viels auch einen Abstecher nach dem nur 17 Kilometer entfernten Rhein, oder sie wanderten auf die Berge und freuten sich an herrlichen Ausblicken über das malerische Bild,
„Das Vieh konnte nicht mehr gerettet werden."
Schützt die deutsche Ernte und Erzeugung!
ZdR. Wie oft liest man in Zeitungsberichten über Brande aus dem Lande den kurzen Satz: „Das Vieh konnte nicht mehr gerettet werden und kam in den Flammen um." Mit den Tieren werden nicht nur die Ergebnisse jahrelanger Aufzuchtarbett vernichtet, sondern meistens auch wertvolle Nahrungsmittel zerstört und der menschlichen Ernährung entzogen. Man hat ausgerechnet, daß
die Lebensmittel, die in Deutschland alljährlich durch Schadenfeuer vernichtet werden, zur lausenden Ernährung von 200 000 Volks- genossen ausreichen
würden. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß sich unter den verbrennenden Lebensmitteln — die Ursache der Brände ist in der überwiegenden Mehrzahl Leichtsinn und Fahrlässigkeit — auch in beträchtlichem Umfange Vieh und besonders Schlachtvieh befindet.
Einen Begriff, was im einzelnen an Futter- und Nahrungsmitteln durch Brände auf dem Lande verloren geht, vermittelt z. B. der letzte Geschäftsbericht der Feuersozietät der Provinz Brandenburg. Danach verbrannten allein in der Mark Brandenburg im Jahre 1936 - 22 209 Zentner Heu, 21 047 Zentner Getreide, 132 Stück Rindvieh, 27 Pferde, 168 Schweine und Schafe und 1749 Stück Geflügel. Mit diesen von den Flammen verzehrten Lebensmitteln einer deutschen Provinz hätte sich ein Güterzug von 220 Wagen füllen lassen.
Man hat sich so an den Ausdruck: „Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt" gewöhnt, daß man dabei allzu leicht vergißt, daß die ausgezahlten Versicherungsentschädigungen Volksvermögen darstellen, dessen Aufkommen die Gesamtheit tragen muh. Darüber hinaus aber müssen wir im Zeichen der Erzeugungsschlacht und des Vierjahresplanes erkennen, in wie hohem Maße diese beiden Maßnahmen zur Sicherung der deutschen Nahrungs« und Rohstoff-Freiheit durch Brandschäden gehemmt und gehindert werden.
vrandschuh ist demnach in der jetzigen Zett Schuh der deutschen Ernte und deutschen Er-
Zeugung.
Gerade unsere Schlachtviehoersorgung hat alle Anstrengungen zu machen, damit der Fleisch- und Fettbedarf aus eigener Erzeugung gedeckt werden kann. Wir können es uns, ernährungspolitisch betrachtet, gar nicht leisten, unseren Viehbestand durch Brandschäden vermindern zu lassen. Aber schließlich sträubt sich ja auch, ganz abgesehen von der Volkswirtschaft, unser Mitgefühl mit den Tieren dagegen, sie qualvoll in den Flammen umkommen zu lassen. Wer einmal die furchtbaren Angst- und Schmer- zensschreie den Flammen nicht mehr zu entreißender Tiere gehört hat, vergißt sie sein ganzes Leben lang nicht, und sie werden ihm stets eine Mahnung sein, für den Brandschutz des Nutzviehs in umfassender Weise Sorge zu tragen. .
Dazu gehört vor allem, daß sich die elektrischen Anlagen in und an den Ställen in Ordnung befinden, daß sie nicht mit offenem Licht, oder mit brennenden Zigaretten usw. betreten werden. Instandsehungsarbeiten an Schaltern und elektrischen Geräten lasse man stets nur vom Fachhandwerker vornehmen. Ferner ist darauf zu achten, daß sich das Heu nicht selbst entzünden kann.
Der Blitzschutz für das Vieh ist von besonderer Wichtigkeit, entfallen doch 86 von allen Blitzein- schlügen und über neun Zehntel des gesamten, in die Millionen gehenden Blitzschadens auf das Land und landwirtschaftliche Betriebe. Im Stall müssen alle Eisenteile von größerer Ausdehnung, wie eiserne Pumpen, Brunnen, Tränkeeinrichtungen usw. an den Blitzableiter angeschlossen werden und sorgfältig geerdet sein. Die eisernen Ketten, an denen die Tiere befestigt sind, dürfen niemals mit der Ableitung verbunden sein. Die Blitzschutzmaß- nahmen müssen auch auf die Weide ausgedehnt werden. So ist es ratsam, die Eisendrähte der Einfriedigungen im Abstand von 40 bis 50 Metern durch einen Querdraht aus verzinktem Eisen miteinander zu verbinden und diese Querdrähte einen Meter tief als Erdung in den Boden zu versenken. Außerdem sollte sich auf jeder Weide für den Fall eines Gewitters ein Zufluchtschuppen mit Blitzableiteranlage befinden. G. E. D.
das der gepflegte Kurort bietet. Wieder andere unternahmen eine Motorbootfahrt auf der Lahn oder, wie die Sängervereimgung Wieseck, eine Motorbootfahrt nach Stolzenfels und der Marksburg. Diele hörten auch den Klängen des vorzüglichen Orchesters zu.
Die Heimfahrt brachte nochmals beste Eindrücke von dem schönen Lahntal, das vom Abteilfenster aus immer wieder abwechslungsreiche und reizvolle landschaftliche Ausblicke bot. Wie der Reiseleiter feststellen konnte, waren die Fahrgäste von der Reise ausnahmslos befriedigt.
Kampf dem Krebs!
Mit einem Aufklärungsvortrag und einer belehrenden Theateraufführung, die im Lass Leib stattfanden, begann auch in Gießen die Aufklärungsaktion der Reichsarbeitsgemeinschaft für Schadenverhütung, Kreis Wetterau. Der Kreissachbearbeiter, Stadtamtmann R o t h e r m e l, wies einleitend darauf hin, daß es neben der' Schadenverhütung an sich vornehmste Aufgabe der Reichsarbeitsge
meinschaft ist, den Menschen, das Volk vor Schäden an der Gesundheit zu bewahren. Oberarzt Dr. W i ß m a n n von der Universitäts-Frauenklinik gab dann in längeren Ausführungen einen Heber* blick über die Gefahr und die Art des Krebses. Seine Worte gipfelten in der Frohbotschaft, daß Krebs heute heilbar sei. Die vorherrschenden Volksmeinungen über den Krebs widerlegte er am bellen mit dem Hinweis darauf, daß das Reichsmimste- rium für Volksaufklärung und Propaganda bestimmt seine Arbeit hoffnungsvolleren Aufgaben zuwenden wurde, wenn es nicht durch diese Aufklärungsarbeit wertvolles Volksgut vor Schaden bewahren könnte. Wie umfangreich diese Schäden an der Volksgesundheit sind, machte der Arzt an Zahlenbeispielen klar. Es sei notwendig, daß jeder Volksgenosse sich in Abständen vom Arzt untersuchen lasse, um sich laufend über seinen Gesundheitszustand zu vergewissern. Als wichtigste Vorbeugung gegen jede Krankheit empfahl der Arzt namentlich für die Frau sorgfältigste Körperpflege und stete Körperbeobachtung. Die Voraussetzung für eine wirksame Krebsbekämpfung sei das rechtzeitige Erkennen, das nur der Arzt mit seinen Hilfs
mitteln bewirken könne. Der Hinweis darauf, daß Krebs nicht ansteckend und auch nicht absolut per- erbbar ist, soll vor allem jede Aengstlichkeit im Volke bannen. Die moderne Wissenschaft sei so weit, daß sie durch Operation oder Bestrahlung Krebs, erkrankungen vollkommen heilen könne, wenn Er. krankte sich rechtzeitig vertrauensvoll an den Arzt wenden. Aus eigenes Praxis berichtete Dr. Wiß. mann über eine ganze Reihe erfolgreicher Krebs- behandlungen durch die Kliniken, die vertrauensvoll in die Zukunft schauen lassen und zu der Aufklä- rungsaktion ermutigen. Nur wenn jeder einzelne auf feine Gesundheit achte, werde es gelingen, ein gesundes und frohes Volk zu schaffen.
Die ausgezeichneten Ausführungen Dr.Wißmanns fanden bann eine sehr eindrucksvolle Unterstreichung durch ein von der Deutschen Bühne für Volkshygiens Kassel aufgeführtes pädagogisch-hygienisches Zweck- drama.
Iahrt der Vogtschen privat-Handelsschule ins Ruhrgebiet.
Am Sonntag trafen sich in der Bahnhofshalle 70 Schüler und Schülerinnen der Vogtschen Prioat- Handelsschule mit ihren Lehrern, um unter Leitung des Schulleiters, Diplom-Handelslehrer H e y d e r, eine Fahrt ins Ruhrgebiet anzutreten. Der Zug brachte die frohe Reisegesellschaft in rascher Fahrt über Wetzlar, Siegen nach Köln Der dortige Aufenthalt wurde zu einer Besichtigung des Kölner Domes und der Kölner Altstadt ausgenutzt. Dann führte die Fahrt nach Düsseldorf. In der Joseph- Goebbels-Jugendherberge, die täglich 800 Heber* nachtungen zu verzeichnen hat, fand man gastliche Aufnahme. Noch am selben Tage wurde die Stadt besichtigt. Der zweite Tage brachte den Besuch der Ausstellung „Schaffendes Volk". In drei Gruppen unter Leitung je eines Lehrers bzw. einer Lehrerin besichtigten die Schüler diese einzigartige Schau deutschen Schaffens. Jrn Mittelpunkt der Betrach- tungen stand die Werkstoffschau mit ihren Neue, rungen auf dem Gebiet der Eisen-, Stahl-' und Leichtmetallbearbeitung, insbesondere aber mit den neuen deutschen Werkstoffen. Für den Abend blieb noch Zeit zum Betrachten der Gartenschau. Ein flotter Marsch in die — eine Stunde entfernte — Jugendherberge beschloß den eindrucksvollen Tag. Mit dem Postauto ging es am nächsten Morgen am Schlageter-Ehrenmal vorüber nach Duisburg- Ruhrort. Hier besichtigten die Fahrtteilnehmer auf einer Hafenrundfahrt den größten Binnenhafen Deutschlands. Heber Oberhausen und Mühlheim ging es dann nach Essen, vorbei an den Kruppschen Werken nach Essen-Werden am Baldeneysee. Hier wurde wiederum die Jugendherberge bezogen und bann wanderte man am Baldeneysee entlang. Der vierte Tag diente der Besichtigung der Stadt Essen. Die Grube Langenbrahm, die Kruppschen Werke und ein großes Warenhaus, dessen Dachgarten einen herrlichen Rundblick über die Stadt der rauchenden Schlote und Fördertürme gestattete, erregten beson» bere Aufmerksamkeit. Wohlbehalten kehrten alle die Fahrtteilnehmer zurück, erfüllt vom Erleben gigantischen deutschen Schaffens.
Gießener Wochenmorktpreife
* Gießen, 15. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche seine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stuck 4 bis 10, Geier, deutsche. Klasse C 9^, Wirsing, kg 18 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 15 bis
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Roman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H.. Berlin.
46. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
22.
Der Schellori, der alte Geizkragen, und noch einige, die ein bißchen was im Strumpf ober auf der Sparkasse hatten, stapften schwitzend die Kuhleiten hinaus. Die Sonne brannte wie ein weißglühendes Geschützrohr, und die trockene Erde zeigt Sprünge. Ein Wetter für einen gewaltigen Durst, ein Festwetter ganz einfach. Wenn nur das Gelb nicht so rar wäre.
„Rein kennen tust sie nimmer, die Kuhleiten", röchelt der Schellori und zog pfeifend den knappen Atem ein. „Wenns d' bedenkst: Nichts als Steiner zuvor und Gras-, über das du dich haft ärgern müssen, und jetzt schaufeln s' blanke Geld aus'der Erde! Manner, was waren wir dazumal für Rindviecher!"
Der Schellori hatte |o unrecht nicht. Von Gras war auf der Kuhleiten wirklich nimmer viel zu sehen. Im Hinteren Teil des Grubenfeldes lagen die überdeckten Eingänge zum Bergwerk, die beiden Schächte mit Massersührung, Pumpe und Förder- körben. Vorne, gegen die Büchlkamer Landstraße zu, waren große offene Schuppen aus dem Boden geschossen, die zum Aufstapeln und Sortieren des Roherzes dienten, ferner eine weitläufige Maschinenhalle, in der die Aufbereitung des Graphits erfolgte. Auch ein Lastauto war da, das das Fertig- erzeugnis an die Bahn brachte, und eine Baracke, die halb als Büro, halb als Verfanbraum diente. Die Anlagen waren durch blinkende Gleise verbunden, auf denen an gewöhnlichen Tagen die Kippwägelchen rollten.
Es war schon berechtigt, wenn Fogg sich zuweilen die Hände verstohlen rieb. Das „Graphitwerk Schellenberg" war zwar nicht das größte im Bayerischen Wald, aber ein neuzeitlich angelegtes und vor allem ergiebiges. Das Landschaftsbild hatte natürlich nicht gewonnen durch all den Lärm, den Dunst, die zertrampelte, aufgeriffene Erde; aber was wollte das besagen gegenüber dem handgreiflichen Segen, der von der Kuhleiten ins Dorf floh?
Seit zwei Tagen liefen die neuen Maschinen. Fogg hatte dreißig neue Erwerbslose einftellen
können. Grubenarbeiter wurden benötigt, Werkzeug- und Maschinenschlosser, Zimmerleute, ein zweiter Chauffeur. Wer die ihm zugeteilte Arbeit nicht verstand, wurde von auswärtigen Fachleuten angelernt. Fogg hatte für heute eine Art Einweihungsfeier veranstaltet, und so herrschte denn ein stimmungsvoller Heberstuß an Tannenbäum- chen, an Birkengrün und leuchtenden Fahnen. Das Schönste waren Die frohen und dankbaren Gesichter, die Fogg rings um sich sah.
„Jetzt muß er alle Augenblicke kommen, Josef", sagte neben ihm der Bürgermeister und meinte damit den Ingenieur, den Fogg emgelaben hatte, her kleinen Festlichkeit beizuwohnen, Der Gsodmair war heute ein bißchen aufgeregt. Er blickte unruhia die Straße entlang, und endlich nahte sich das Auto, eine fürchterliche Staubwolke wie einen Drachenschwanz hinter sich nachschleifend. Dolschis cremefarbener Wagen war grau überpudert. Der Ingenieur kam in Begleitung zweier Herren, von denen der eine der Bezirksamtmann, der andere ein Ober» regierungsrat aus München war. Fogg konnte sich sofort wieder entsinnen: Ach ja, bas ist her, bei dem ich damals abgeblitzt bin. Nach kurzer Vorstellung und Begrüßung führte Fogg seine Gäste auf der Kuhleiten herum, zeigte und erläuterte alles. Zum Schluß dankte er den Herren für ihr Interesse und vergaß nicht zu erwähnen, daß er an Dr.-Jng. Dolschi einen unermüdlichen, selbstlosen Berater gehabt habe und daß sein Plan nur durch das Eingreifen des Professors, her auf einer Reise befindlich und an der Teilnahme leider verhindert sei, in die Tat hätte umgesetzt werden können.
„Hnd von sich sprechen Sie gar nicht?" meinte der Herr vom Ministerium lächelnd.
Fogg zuckte die Schultern.
Nach der Besichtigung hielt der Bezirksamtmann eine kleine Rede, und es kamen die Worte Privatinitiative, Tatkraft und Anerkennung darin vor. Dann verabschiedeten sich die drei, weil sie leider wieder in die Stadt zurück müßten. Vor dem Einsteigen schüttelte der Oberregierungsrat Fogg dieHand.
„Sie haben uns ein tüchtiges Stück Arbeit abgenommen, Herr Doktor Fogg. Das muß belohnt werden. Die Straße zur Bahn ist sehr schlecht, lauter Schlaglöcher. Sie bekommen eine neue Straße. Damit bringen Sie auch den Rest der Arbeitslosen noch unter, Herr Bürgermeister", wendet er sich an Gsodmair. „Ich halte das für noch dringlicher als die Regulierung des Weißelbachs, um die die Gemeinde nachgesucht hat."
„Das schon", meinte Gsodmair.
Als das Auto abgefahren war, pirschte sich der Schellori an Fogg heran. Er röchelte, schnupfte und zwinkerte. „Also, Doktor, was meinst nachher? Könnt' man epper noch mittun? Wir haben’s uns jetzt überlegt. Ist doch eine gute Sache, die Kuh- leiten."
„Nur her mit dem Geld! Aber es ist höchste Eisenbahn. Wenn ihr diesmal nicht einsteigt, fahrt der Zug euch vor her Nase weg!"
Später zog die ganze Belegschaft geschlossen zu einer bescheidenen Nachfeier in die „Sonne". Als Fogg, der noch rasch einen Kranken besucht hatte, endlich nachkam und in den geschmückten Saal trat, rief ihm der Fenzl entgegen: „Da geh her, Josef; das ist unser Tisch." Der Bürgermeister, der Kern, der Martl und die Anna saßen bereits da. Der Fenzl knallte die Absätze zusammen und meldete militärisch: „Gruppe Fogg vollzählig bis auf einen Mann im Lazarett. Bier Mann und ein halber Kosak zur Menage angetreten."
„Danke, weitermachen!" lachte Fogg.
Die Wirtin und ihre beiden Töchter hatten alle Hände voll zu tun. Wenn es nichts kostete, liehen sich die Schellenberger mit Hunger und Durst nicht lumpen. Die Wirtin lächelte her Anna säuerlich zu und dachte: Was diese Hereingeschmeckts für ein Glück hat! Hat nichts, ist nichts und schnappt sich den Bürgermeistershof! Hätte das nicht den meinigen zwei passieren können?
Der Martl war stillvergnügt und betrachtete andächtig seine Braut, die mit zierlichen Fingern aß. Der Gsodmair schob der Anna einen Trumm Kälbernes auf den Teller und brummte: „Nur ’rein, was das Zeug hält! Du darfst noch ein bissel wachsen, du halbe Portion; sonst paßt du nicht unter uns lange Lackel hinein." Er behandelte die Anna mit bärbeißigem Wohlwollen, durch das noch manchmal seine Enttäuschung über die 9000 Markt hindurchschimmerte.
Nach dem Essssn stahl sich Fogg die Stiege hinunter und ging in den Obstgarten Ijinterm Wirtshaus. Es war ihm zuviel Rauch und zuviel Krach da droben. Er hielt eine ausgegangene Zigarre zwischen den Zähnen, die aus dem Kaufladen der Oberhimmer stammte und zerfleddert wie ein Besen war. Er schritt langsam und sinnend durch das Gras. Zuweilen bog er einen Zweig herab, ob er auch tüchtig angesetzt habe. Dann ließ er sich auf einem Balken Meder und blinzelte in den Himmel, der wie ein blaßblaues Seidentuch über die Gegend
gespannt war. Um die blaugrünen Berghäupter war flirrender Dunst. Eine emsige Grille zirpte, und ein Heuschreck sprang schwerfällig durch die Halme. Es roch nach warmem Holz und nach trockener Erde. Fogg warf die Zigarre weg. Er war ein bißchen mühe, er hatte das jetzt öfters in der letzten Zeit, und überlegte: Das Gröbste ist geschafft, nun werde ich mir ein paar schöne Wochen machen. Das mit der neuen Straße würde eine große Wohltat werden.
„Ach, da steckst du ja, Jost", sagte plötzlich die Anna hinter ihm und setzte sich neben ihn auf den Balken. „Ich habe dich überall gesucht. Also komisch ist das, du. Nun sollen wir zwei Hübschen einfach auseinander! Nicht, daß ich ungern hinübergehe zum Martl, aber leicht ist es eben doch nicht. Und was wird aus dir? Kann man den Josi allein lassen? Wird er mit der Fenzl-Regine zurecht« kommen?" forschte sie voll Besorgnis.
„Es wird. Die Regine biege ich mir schon, wie ich sie brauche. Eine Anna wird sie freilich nicht werden", lächelte er.
„Ja? Sieh mal, das ist nett von dir. Mit Lob« sprächen hast hu mich ja nicht gerade verwohnt, Jost. Ich weiß schon — Arbeitsüberhäufung und so. Ich mache ja nur Spaß." Durch ein Loch im nahen Apfelbaum tropfte Sonne auf ihr rötlich« braunes Haar. Die kleine Nase schnupperte angc« regt in die Lust und sog alles in sich hinein: Wärme und Heugeruch und den bitteren Duft des funkelnagelneuen Kleiderstoffes. Dann sah sie einem Käser zu, her an einer Skabiose herumturnte und immer wieder ins Gras fiel. Auf einmal sagte sie ^anz^ schnell: „Du solltest vir eine Frau zulegen,
„Ja? Weißt hu mir vielleicht eine?" scherzte er.
„Das nicht; ich meine nur so. Ohne Frau ist es doch fad", erwiderte sie errötend. Denn, der Stier Ajax fiel ihr ein und das, was hinterher war. Sie fand, daß sie Josi einmal sehr geliebt hatte; viel mehr als etwa den Marti. Um diese Gedanken zu verscheuchen, glitt sie zu einem anderen Gesprächsstoff über. „Denke, was mir hie Köchin von Engas» fers heute früh erzählt hat! Die zwei lassen sich scheiden. Uno der Professor zieht von Schellenberg fort. Der Möbelwagen ist schon bestellt, und hie Emerenz ist bereits überm Einpacken."
„Die lassen sich scheiden? Du bist ja weg!"
„Die Emerenz wird es doch wohl wissen, Josi/
________ (Schluß folgt)
denn mit Opekia wird die Marmelade billiger. Ohne Opekia nämlich kocht die Marmelade durch die lange Kochzeit häufig bis zur Hälfte ein. Mit Opekta jedoch bekommen Sie ungefähr das ganze Gewicht an Marmelade in die Gläser, das Sie an Obst und Zucker in den Kochtopf geben.


