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Donnerstag, 15. Zuli 1937

ltr.162 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

der

daß die Polizeibehörden bei Bekanntgabe

t»en Hanbwerksburschen, Fuhrmannsflüche und alten Weibertratfch. Aus dem Laub der Linde aber tönt fräs Gezwitscher der Vögel, der Finken und

Betrunkene Verkehrsteilnehmer werden namentlich angeprangert

in der jauch- H.

Wir gehen durch das stille Dorf. Die Menschen chlafen. Nur in den Ställen klirrt hier und dort rine Kette. Der Nachtwächter macht die Runde. Kein Ion ist hörbar. Nur unter der alten Linde rauscht )er Dorsbrunnen und sendet sein kühles, klares Wasser aus dem bemoosten Rohre. Sonntagskinder vernehmen nun, was er erzählt.

Gar manches Geheimnis kündet er, Geschichten von Liebespaaren, muntere Gespräche von^rasten-

Vefriedigung.

Den weiteren Nachmittag verbrachten die Gefolg­schaftsmitglieder in bester Stimmung bei Tanz und Gesang, der durch wohlgelunqene Aufführungen der Allendorfer, Alten-Vusecker und Rödger Vetriebs- angek^riger verschönt wurde. Gegen 20 Uhr wurde nach einem Sieg-Heil auf den Führer und den Reichsforstmeister Hermann Göring das Fest offi-

zeit zu holen. Aber die Fahrten bedeuten nicht nur eine Erholung für uns, sondern sie bringen uns mit den Bewohnern verschiedener Gebiete in Deutschland in Berührung, und wir lernen ihre Sitten und Gebräuche kennen. Wenn wir in die deutschen Grenzgebiete fahren, bekommen wir einen Einblick in das schwere Leben der Grenzbevölke­rung und können uns von der großen Aufgabe der Grenzlanddeutschen überzeugen. Auf den Fahrten

Amseln ...

So plaudert der Brunnen in der stillen Sommer- Nacht, und die Linde darüber säuselt und nickt mit hren Blättern.

Die Sommernacht umfängt uns wie ein Traum,

Gloria-Palast, Seltersweg:Sonnenscheinchen". Gustav Jacoby im Stadttheater Gießen.

Die Intendanz des Stadttheaters Gießen hat Gu­stav Jacoby zu einem einmaligen Gastspiel am Freitag, 16. Juli, verpflichtet. Alle, die Gustav Jacoby im Rundfunk gehört haben, werden zweifel- os den Wunsch haben, Gustav Jacoby einmal auf her Bühne zu erleben. Die Intendanz macht dar­auf aufmerksam, daß die Vorstellung um 20.15 Uhr veginnt, Ende 22.15 Uhr. ___________________

Kulturfefi^ der Forstämter

Frohe Freizeit der Diener unseres Waldes.

BOM-Untergau 116.

Wir gehen auf Fahrt!

Oh wandern, wandern meine Lust", so heißt es in einem alten, uns allen bekannten Volkslied. Auch heute ist es wieder so. Im Sommer sehnen wir uns danach, Stück für Stück unserer'Heimat und dar­über hinaus Deutschland zu durchstreifen, um aus dem Erlebten neue Kraft für kommende Arbeits-

amtlichen Ermittlungen über Straßenverkehrs­unfälle an die Tagespreise den vollen Vor- und Zunamen sowie die Wohnung des Schuldi­gen, gleichgültig, ob es sich um einen Fahr­zeugführer oder einen Fußgänger handelt, in allen Fällen anzugeben haben, bei denen nach­weislich übermäßiger Alkoholgenuß zum Ver­kehrsunfall geführt hat. Ausgenommen bleiben Fälle, bei denen ganz besonders gelagerte Um­

stände eine Ausnahme notwendig machen.

Genau so wie der gemeine Verbrecher, der ein Menschenleben oder die Vernichtung wichtiger volks­wirtschaftlicher Werte auf dem Gewissen hat, an den Pranger gestellt wird, soll auch mit dem Ver­brecher im Verkehr verfahren werden. Wer sich über die Gesetze der Verkehrsgemeinschaft hinweg­setzt, wird in Zukunft namentlich angeprangert werden, und er wird außer der gerichtlichen Be­strafung auch alle anderen Folgen seines verant­wortungslosen Verhaltens zu tragen haben.

Einige Nachtfalter taumeln vorüber. Ganz Ferne schlägt eine Nachtigall, hell und jend ...

Dornoiizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Bie Augen fallen uns zu, u-nd wir fühlen uns warm und geborgen wie einst in der Jugendzeit, als uns Die Mutter am Abend ins Bettchen brachte

DNB. Durch den eindringlichen Warnungserlaß des Reichsführers SS. und Chefs der deutschen Polizei vom 18. Mai 1937 ist die Polizei ange­wiesen worden, entsprechend den unheilvollen Aus­wirkungen mißbräuchlichen Alkoholgenusses im Straßenverkehr, Trunkenheit am Steuer und über­haupt im Verkehr als Verbrechen zu behandeln und die Schuldigen sofort in Haft zu nehmen.

Wie sehr diese Maßnahme des Chefs der deut­schen Polizei von allen verantwortungsbewußten Verkehrsteilnehmern verstanden und begrüßt wird, beweist die erfreuliche Tatsache, daß die Polizei bereits wiederholt von der Bevölkerung auf be­trunkene Kraftfahrer aufmerksam gemacht worden ist und so Unheil verhüten konnte, bevor es zu folgenschweren Unfällen kam.

Der Reichsführer SS. und Chef der deutschen Polizei ist jetzt in seinem verschärften Kampf gegen die Verantwortungslosigkeit im Verkehr einen Schritt weitergegangen und hat aus jener ersten Maßnahme die notwendige Folgerung gezogen.

Soeben ordnet der Reichsführer SS. in einem Runderlah einheitlich für das ganze Reich an.

wird die Jugend schon früh zur Selbständigkeit und Ordnung erzogen, denn ohne gewisse Disziplin, trotz aller Fröhlichkeit, ist die Durchführung einer Fahrt unmöglich.

Die diesjährige Auslandsfahrt des BDM.-Unter­gaues 116 führt nach Südtirol. Die Teilnehmer können kaum den Tag erwarten, an dem sie dieses ihnen noch unbekannte Gebiet durchwandern dür­fen. Außerdem werden von den einzelnen BDM.» Gruppen im Untergau noch kleinere Fahrten ge­macht, die die Mädel für ein paar Tage aus ihrer täglichen Umgebung herausführen und ihnen die Schönheit ihrer Heimat zeigen.

HI. und Pimpfe au« dem Speffart zurück.

Es fei noch einmal daran erinnert, daß am heutigen Donnerstagnachmittag die Gießener Hitler- Jugend, die rund 1000 Mann stark Ende der vori­gen Woche auf Ferienfahrt ging, um 16.10 Uhr mit einem Sonderzug von Gelnhausen bzw. Wächters­bach zurückkehren wird. Auf dem Bahnhofsvorplatz werden sich die Fahrtengruppen formieren und durch die Straßen der Stadt zum Brandplatz mar­schieren. Bannführer Rohrbach wird dort in einer kurzen Schlußkundgebung di? Jungen verab­schieden. Die Eltern, die um zahlreiche Beteiligung an dieser Kundgebung gebeten werden, können dann ihre Jungenin Empfang nehmen".

Geh. Medrzmalrat Prof. Or. Pfeiffer 70 Jahre att.

Am 16. Juli begeht Geheimer Medizinalrat Dr. phil. und med. vet. h. c., Professor Dr. Wilhelm Pfeiffer, seinen 70. Geburtstag. Bis zu seiner Entpflichtung am 1. Oktober 1935 war er Ordina­rius für Chirurgie und Augenheilkunde und Leiter der Lehrschmiede der Veterinär-Medizinischen Fakul­tät der Universität Gießen.

Bereits im Alter von 32 Jahren erhielt er im November 1899 den Ruf als Professor an die Uni­versität. Am Auf- und Ausbau der Veterinär-Medi­zinischen Fakultät ist der Jubilar maßgebend be­teiligt gewesen. Als Wissenschaftler wurde er weit , über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus be­kannt. Als Lehrer hat er eine Schule geschaffen, aus der ernste Forscher und gute T-ierärzte hervor- gegangen sind. Als Leiter der Chirurgischen Vete- ; rinärklinik und als Operateyr besaß er während seines Wirkens in dreieinhalb Jahrzehnten das volle . Vertrauen, die Achtung und Wertschätzung weiter [ Kreise. Mögen dem Altmeister der Veterinärchirurgie i noch weitere Jahrzehnte der Ruhe und Erholung : bei bester Gesundheit nach arbeitsreicher und von i Erfolg gekrönter Tätigkeit vergönnt sein.

Das Deutsche Frauenwerk im Gau Hessen-Naffau.

Vom Hessischen Forstamt Gießen wird uns be­richtet: Die beiden Forstämter Gießen und Schif- senberg hielten zum Abschluß der diesjährigen Früh­jahrspflanzperiode ihr sogenanntesKulturfest" ab. Im vorigen Jahre feierten die beiden Forstämter das Fest zum ersten Male gemeinsam, wobei das Forstamt Schiffenberg der veranstaltende Teil war. In diesem Jahre traf das Forstamt Gießen die Vorbereitungen zum Fest und hatte als Ort der Veranstaltung, die für alle Betriebsangehörige gut erreichbare Wirtschaft von ScheppersZum kühlen Grund" in Wieseck ausgemacht. Dort trafen sich fast 300 Gefolgschaftsmitglieder. Außer den Kulturarbei­terinnen und Kulturarbeitern waren auch die Bür­germeister der waldbesitzenden Gemeinden und die Forstbeamten mit ihren Frauen erschienen. Ja so­gar der gerade dienstlich in Gießen weilende Chef der hessischen Staatsforstverwaltung, Landesforst­meister Dr. k. c. Hesse, hatte es sich nicht nehmen

Aus der Stadt Gießen.

Sommernächte.

Die Schatten werden länger, das Licht der Sonne iberstrahlt die vielen Lämmerwölkchen, die eng an- linandergedrückt am Himmel stehen. Sie werden ro- ijtg angehaucht und versinken dann ganz im Golde ses Himmelslichtes. Die Wiesen glänzen wie von Feuerflammen überweht. Die Bäume stehen schwarz imb still. Der Duft der schlafenden Blumen aber zieht burch die Luft ...

Nun geht die Sonne schlafen. Zögernd kommt die stacht. Durch das Tal klingen die Abendglocken, hinter den Fechtern der kleinen Häuser erscheinen zrelle Lichtaugen und verschwinden wieder. Es ist ivie ein Husch. Die Hausfrauen hatten noch eine Kleinigkeit zu besorgen. Dann wird es überall dun­kel. Ein Hoftor knarrt irgendwo, vom Hang her frören wir das Kreischen der scharf angezogenen Zremsen der letzten Ackerwagen.

Schweigend stehen die Wälder an den Hängen, int) über sie hin zuckt des Mondes erster Strahl. Rüde ducken sich die Vögel in den Zweigen, das Wild kehrt heim von den taufeuchten Waldwiesen, und nur die Eulen spähen nach den huschenden Mäusen. Das Tal aber ist voller Klang, und erst Pie große Stille der Sommernacht macht das Ohr impfänglich für das Lied, das aus ungezählten Jahrtausenden aus den Bergen zu uns bringt. Es ft dasselbe Lied, das ein(t die alten Deutschen be­gleitete, als sie die Heimat verließen, und es ist das- Ijtlbe Lied, das sich mischte mit dem Kriegsgeschrei Ifrer Söldner und dem Jubelruf b?r heimkehrenden

Jermanen ...

Wer kann den Zauber einer solchen sommerlichen Mondnacht schildern? Das milde, freundliche Licht gleitet über die Höhen der Berge und strahlt auf Die menschlichen Wohnungen, die im Tale liegen. Hier und da bilden sich kleine Nebelballen, die sich langsam ausbreiten und die Wälder und die frucht­tragenden Aecker auf den Hängen umschlingen ...

Än dem Raine schimmert es hell. Ein Johannis­würmchen läßt sein bläuliches Licht erstrahlen. Dort noch eins. Auch auf der Straße sitzt eins, und dort liegt eins durch das nächtliche Dunkel. Warum suchten sie so hell? Ist dieses Licht auch ein Zeichen der Sehnsucht, der Liebe? ...

Forstämter teilzunehmen. Während man in frühe­ren Jahren den Wald nur unter der Brille der Rentabilität betrachtet habe, sei dies heute ganz anders. In erster Linie sei der Wald dazu da, die volkswirtschaftlich benötigten Holzsortimente in einem genügenden Umfange zu erzeugen und dem deutschen Volke eine Erholungsstätte von des Ta­ges Mühe und Arbeit zu geben. Das käme am schönsten in dem Vorwort zum Naturschutzgesetz von 1935 zum Ausdruck:Heute wie einst ist die Natur in Wald und Feld des deutschen Volkes Sehnsucht, Freude und Erholung." Daneben h/ibe der Wald noch weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen, wie die zum Schutze der deutschen Landschaft durch Ab­schwächung der Winde und der Regelung des Was­serhaushaltes in der Natur^ Großes werde heute vom Walde und allem, die in ihm und durch ihn ihr Brot finden, verlangt. Wie schön sei es, zum Wohle des deutschen Vaterlandes an diesen großen Aufgaben mitzuarbeiten. Landesforstmeister Hesse dankte zum Schluß nochmals allen Forstbeamten für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit und insbeson­dere auch allen Kulturarbeiterinnen und Kultur­arbeitern, daß sie trotz der besseren Derdienstmog- lichkeiten in der Industrie dem Walde die Treue ge­halten haben. Die gesunde Beschäftigung in Gottes freier Natur und der Gedanke, am Aufbau des zu­künftigen deutschen Waldes mitzuarbeiten, seien des Einsatzes wohl wert und geben eine große innere

NSG. Die Zahl der Mitglieder des Deutschen Frauenwerkes im Gau Hessen-Nassau betrug am 30. Juli 17 185. Es steht zu erwarten, daß sich diese Zahl in den kommenden Monaten noch bedeuten!) erhöht. Bis zum Einsetzen der Winterarbeit darf keine Frau mehr außerhalb dieser Gemeinschaft stehen.

Entlassene Soldaten werden bevorzugt eingestellt.

NSG. Die im Herbst 1937 aus der Wehrmacht ausscheidenden Soldaten sollen nach Möglichkeit so­fort in das Erwerbsleben und vor allem in die freie Wirtschaft eingegliedert werden können. Be­sonders die Soldaten, die freiwillig über die aktive Dienstzeit hinaus gedient haben, sollen bevorzugt berücksichtigt und vor allem in Rüstungsbetrieben und anderen Lieferfirmen für die Wehrmacht un­tergebracht werden. Die Vorarbeiten dazu, die am 1. September abgeschlossen sein sollen, werden von den Fürsorgedienststellen im engsten Einvernehmen mit den Truppenteilen, sowie den Arbeitsämtern durchgeführt.

lassen, zum Feste zu erscheinen.

Zur Eröffnung derKaffeeschlacht" begrüßte Oberforstmeister Lipp im Namen des Forstamts Gießen die Erschienenen, insbesondere Landesforst­meister Dr. Hesse und Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der größten waldbesitzenden Gemeinde. Oberbürgermeister Ritter dankte im Namen der waldbesitzenden Gemeinden und sagte, daß er sehr gerne der Aufforderung zur Teilnahme Folge ge­leistet habe, wenngleich er auch wie er Scherzes halber sagte zuerst dachte, daß mit einemKul­tur-Fest Dr. Goebbels ins Handwerk gepfuscht würde. Er habe sich dann aber bald davon über­zeugt, daß es sich hier um eine andereKultur" handle, um eine Kultur, die der steten Verjüngung des ewigen deutschen Waldes diene.

Alsdann gab Landesforstmeister Dr. Hesse sei­ner Freude darüber Ausdruck, daß es ihm möglich Neicysjorjlmeich geworden sei, an dem Betriebsfest der beiden I ziell geschlossen.

Pastorale mit Harfe.

Von Hans Brandenburg.

Der Knecht vom Nachbarhof ist herübergekommen und hat seine Harfe mitgebracht. Er hat sie vom Vater geerbt, aber sie nicht von ihm, der früh starb, i andern von einem anderen dörflichen Meister spie­len gelernt, ohne Noten, nur nach dem Gehör. Es cst etwas Seltenes, auf dem Lande heute noch eine Harfe zu finden, etwas Merkwürdiges ist es nicht. Denn dies Instrument, das die Sphärenklänge her­abholen soll, war vorlängst eines der profansten ge­worden. Begleiter von Wirtshausmusik in den Dör­fern, von bettelndem Gassengesang in den Groh- tädten. Merkwürdig ist denn auch nicht, was der Bursche vorträgt und was sein Meister alles selbst A komponiert haben will, Märsche, Ländler, Walzer, Llusgefangenes, in gewohnten Fahrwassern herge- «chwernrntes Alltagsgut harmloser musikalischer Un­terhaltung. Und ebertfo wenig merkwürdig ist Die Bauernfamilie, die zuhört, eine Bauernfarmlie wie «nöere auch, in einer überheizten Küche, bei Vier iänb bei elektrischem Licht. Allein, rote jener Diele Dinge zu spielen anhebt, bie genau so gut jeoe Zither roiebergibt, geschieht bie Verwandlung und Verklärung, die nicht Schwärmerei und sogenannte Poesie ist, sondern bie Heraufkunst bes tieferen, des »cchren unb eigentlichen Wesens.

Die groben Arbeitsfinger zupfen bie Suiten, Das »och knabenhafte Gesicht, braun wie der Rahmen mb Schallboden, ist an ben Klang hingelehnt unb werteren, bie dunkle Locke hängt in bie niedrige, i5(att geschnittene Stirn, bie Brauen, breit gezogen, vielen über ben samten ausgeschatteten Augen- fröfjlen zu feiten bes festen Nasenbuges, über ben geschlossenen Libern, bereu lange schw^ze Wimpern gegen bie weiche sonnengestraffte Pstrsichrote der Wangen fiebern, ber Munb Hang mit gekräuselten Lippen töricht unb hingegeben halboffen unb bllbe ftumm bie Töne mit.Davib spielte die Harfe lacht ber Bauer unb sagt in ernsthafter Schulsprache bie weiteren zugehörigen Sätze auf, bie ihm aus Der biblischen Geschichte im Gedächtnis blieben. Ja ber Lönig aus Hirtenstamme, den Psalter zuerst vernommen bei roeibenben Rmbern! Dieses leben- len Viehknechtes harrt kein Thron, aber er braucht tur erst einen Flaum um Kinn unb Lippe unb man vht, baß er schon längst wenige Schritte^ von h^r nit seinem uralten Saitenspiel im Chor ber Kirche jdeht unb bie Krone trägt. . .

Unb was bort um ihn herum /ublUert oder an­dächtig schweigt, ist ebenso m biefer Küche um ihn i ersammelt. Kein Wort wie beutsch unb welsch, rote

Gotik unb Barock sagt etwas anberes aus als über Oberfläche unb Zeitfirnis ober höchstens über wech- felnbe Wesensschau bes Volkes, in bem, wie in biesem bayerisch-schwäbischen Misch- unb Grenz­stamme, alles gleichzeitig beieinanber lebt, was bie Kunst auseinanberlegte. Der Bauer unb bie Bäue­rin treten im nahen Oberammergau geschnitzt, mit bem Brot, bas sie essen, vor bas Krippenkind, die Tochter ist eine schwäbische Mabonna, unb das kraushaarige Kinb, bas sie auf bem Schoß halt, unb bas bie Musik bes Bauernburschen mit einem Topfbeckel begleiten möchte, brauchte nur statt dessen die Becken zu schwingen, um, geflügelt über bem Simse schwebenb, engelrunb in ben Psalter Des fürstlichen Stammvaters einzufallen.

(Sommerblumett.

Von Kann Maria Wilde.

In ber gläsernen Schale steht vor mir ein Strauß aus ftemmenb gelben, Dunkel- unb hellroten, weißen unb blauen, kleinen und großen Blüten und Blu­men sanft leuchten sie im Licht vor dem regne­rischen, nächtigen' Dunkel im ^easterausschnitt und lange saß ich davor, ben Kopf in bie Hand aelehnt unb leibenschaftlich ber süßen Anmut unb bem süßen Zimtduft hingegebem der mit ihrem Dasein bas ganze Zimmer zärtlich füllt. Alle lange gegangenen unb längst vergessenen Sommerwege tauchen in Gedanken wieder vor mir auf, an öeren Rand sie wuchsen und wucherten und blühten, hinter Zäunen oder zierlich in Beete gepflanzt auf freiem Feld - vom Winde gestreichelt und von Schmetterlingen umgaukelt, jenen darten geflügelten Wesen, die so leuchtend unb voll Schmelz unb Duft finb wie sie selbst Der Regen plätschert herab - rinnt glitzernd an ber Fensterscheibe entlang bie gläsern in ihrer schwarzen Tiefe bie Nacht unb ben bunten, glühenben Blumenstrauß fpiegelt 2)a sind winzige, schneeweiße, bichtgefullte Rosettchen bar= unter mit rosigen Spitzen, bie betaubenb suß nach Vanille Duften? unb schwankende, großblättrige m einem satten, tiefen, samtigen Rot prangenbe Btenteller baneben auf harten, haarigen Stengeln, die bie schweren Köpfe sanft über ben gläsernen Ranb ber Schale neigen, zitternbe, hauchzarte Graser bazwischen mit zierlichen Rispen unb Knöspchen unb manche Blumen, bie m ihrer glücklichen, sorg­losen, farbensatten Glut ben hohen Hellen Sommer verkünden unb anbere, bie in ber hellrot unb weiß unb purpur gestreiften Anmut ihres Blütenkleides an die leise Schwermut bes Herbstes erinnern.

Ich lausche bem weichen, bumpfen Stunbenschlag unb bem Regen, ber rinnt unb strömt unb in ber Dach­rinne gurgelt, unb sehe aufmerksam ben bunten, herrlichen Strauß an, ber bie bunkle Regennacht mit Glanz unb Glut unb Duft füllt unb ber bas Herz zum Nachbenken zwingt. Es war so viel klare, stille Schönheit ba gefangen in ber bauschigen Glas- schale, über bie sonst nur ber Nachtwinb gestrichen war, bas kühle Mondlicht rieselte ober bie Mittags­glut ber Sommersonne herabbrannte, bie fleischigen Stengel unb bas wuchernbe Kraut mit frischem, grünem Blut angefüllt, aus Millionen Poren Leben unb Lust trintenb unb atmenb unb bie Glut ihrer Farben unb Anmut ihrer vielfältigen Formen unschuldig barbietenb Luft unb Licht unb Himmel unb Erbe! Unb nun verschwendete er sich für mich in der gläsernen Schale, vor dem Regendunkel prangend und leuchtend, der bunte, duftende Strauß Blumen des trunkenen Sommers und des schwer­mütigen Herbstes nahe nebeneinander gereiht wie Freude und Traurigkeit im Kreislauf allen Lebens.

Kleinigkeiten von unterwegs.

Der Tunnel ist aber sehr lang!"

Das scheint nur so, lieber Freund. Wir sitzen doch im letzten Wagen!" (Zürcher Illustrierte.)

*

Der Kontrolleur im Zug:Das geht aber nicht, daß der Junge auf eine halbe Karte fährt, er hat ja schon lange Hosen an!"

Die Mutter:Oh, wenn es auf die Lange der Hosen ankommt, so bin ich es, die auf die halbe Karte fährt." (Söndagsnisse Strix, Schweden.)

*

Ein kleines Hotel in der Provinz.Herr Direk­tor", ruft der Gast am Morgen empört,ich habe eine Wanze in meinem Bett gefunden!"

Endlich! Die suchen wir schon ein halbes Jahr!

(Wroble na dachu, Polen.)

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Grüblis fahren nach Paris. Auf dem Nordbahn­hof geht Grüblis Handtasche auf. Alles purzelt her­aus.Schrecklicher Anfang!" schimpft er

Frau Grübli, stolz auf ihre Sprachkenntnisse, korrigiert ihn laut:Anfang terrible!"

(Schweizer Illustrierte.)

*

Der Hahn, den ich gestern bei Ihnen verzehrte, hat mir aber schwer im Magen gelegen in der Nacht um vier wachte ich durch ihn auf und konnte nicht wieder einschlafen."

Ja, ja, das war seine Zeit! Um vier Uhr mor­gens weckte er immer!"

(Hemmets Journal, Schweden.)

Ober:Unsere Spezialität sind Schnecken, mein Herr."

Gast:Weiß schon, das letztemal hat mich eine bedient." (Hjemmet, Dänemark.)

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Sörensen eben von einer Jndienreise zurück- gekehrt erzählt in einer Gesellschaft: ,,... Ich er­innere mich noch ganz genau, wie ich einmal ganz früh morgens einen Tiger in meinem Pyjama er­legt habe."

Mein Gott", sagte ein junges Mädchen aus der Zuhörerschaft,wie mag der bloß da hineingekom­men sein?" (Schweden.)

*

Na, du warst in Paris, Bengt, wie waren die Verhältnisse da?"

Das weiß ich nicht so genau, Tante, ich hatte nur eines." (Söndagsnisse Strix, Schweden.)

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War es denn bei euch in den Sommerferien auch so sehr heiß?"

Heiß?? Die Bauern mußten ben Hühnern Eis zu fressen geben, bamit sie keine gekochten Eier legten!" (Der Igel", Oesterreich.)

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Ein Deutscher reift in Dänemark. Beim Mittags­tisch sitzt er mit einem dänischen Reisenden zu­sammen. Sie können sich beide nicht verständigen, also ist eine Unterhaltung ausgeschlossen. Nach dem Essen erhebt sich der Deutsche und sagt:Maaahl- zeit!" Hierauf steht der Däne auf, verbeugt sich und antwortet:Paulsen!" (Hjemmet, Dänemark.)

Hochschulnacknchten.

Professor Dr. Leonhard Schultze-Jena, Or­dinarius für Geographie an der Universität Mar­burg, ist wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Schultze-Jena habilitierte sich 1899 in Jena, wurde dort zum Extraordinarius ernannt und übernahm 1908 den Lehrstuhl für Geographie. 1911 siedelte er nach Kiel über, seit 1913 wirkte er in Marburg.

An der Universität Halle traten in den Ruhe­stand die ordentlichen Professoren Dr. Weg n e r (Deutsches Recht und Völkerrecht), Dr. I a h n (Wirt­schaftliche Staatswissenschaften) und Dr. Tubandt (Physikalische Chemie).