Nr.62 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, (5. Marz M7
Soldaten helfen dem Winterhilfswerk.
Ein neuer glanzender Erfolg der iradilionellen Gemeinschaft von Goldat und Bürger in Gießen. — Feldkücheneintopf, Militärmusik und militärische Vorführungen bringen dem WHW. ausgezeichnete Hilfe.
Schubert, Schumann, Beethoven.
Zum IH.Drchesterkonzert des Gietzener Konzertvereins.
Franz Schuberts Ouvertüre zu „Rosamunde" hatte ein eigenartiges Schicksal. Im Jahre 1820 hatte Schubert den Auftrag erhalten, für das Dekorations- und Maschinenstück „Die Zauberharfe", das als Benefizvorstellung aufgeführt werden sollte, die Musik zu schreiben. Besonders die Ouvertüre fand ihre Würdigung. Als dann 1823 die Verfasserin des Textbuches von Webers „Euryanthe", Helmine C h e z y, in kurzer Zeit (man spricht von fünf Tagen) das Schauspiel „Rosamunde" geschrieben hatte, übernahm auch Schubert hier den musikalischen Anteil. Bei der Aufführung ließ Schubert seine Ouvertüre zu „Alfonso und Estrella" spielen. Später veröffentlichte er die Ouvertüre zur „Zauberharfe" als „Rosamunde"-Ouvertüre.
Ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend, hat diese Ouvertüre thematische Beziehungen zu der „Zauberharfen"-Musik. Mit wuchtigen Akkorden, von Fermaten innegehalten, eröffnet sich das Andante. Das Thema, das nun von den Holzbläsern eingeführt wird, erfährt durch die Streicher eine Wendung nach Ges-dur. Rach klanglichem Entschwinden erheben sich massive Akzente des vollen Orchesters. Ein abermaliges Diminuendo führt jetzt zum eigentlichen Allegro. War die Einleitung mit ihren Ballungen ernst gerichtet, so erschließt sich jetzt eine heitere, ja, stellenweise anmutige Sphäre. Das graziöse Hauptthema wird zunächst von den Streichern gebracht und seine melodische Fortführung dem vollen Orchester gegeben. Rach einer feinsinnigen Ueberleitung führen Klarinette und Fagott das zweite Thema ein; die Begleitfiguren, die die Celli hier zu dem anfänglichen Orgelpunkt geben, gewinnen in der weiteren Entwicklung besondere Geltung. Der Schluß der Ouvertüre erhalt durch die Wendung vom 4/4= zum Vg-Takt besonderen inneren Schwung. — In der Folgezeit ist die „Rosamunde"- Ouvertüre unter den Jnstrumentalwerken Schuberts eines der volkstümlichsten und mit am meisten gespielten geworden.
Der erste Satz von Robert Schumanns Klavierkonzert in a - m o 11 gehört als „Fantasie" für Klavier und Orchester einer früheren Schaffensperiode an. Darauf weist Schumann seinem Kompositionsverzeichnis von 1845 folgend hin: „Intermezzo und Rondo, (Finale) als Schluß meiner Fantasie für Pianoforte — als Konzert op. 54
erschienen." — Durch die Ergänzung des urfprün- lichen „Fantasie"-Satzes hat Schumann den Klavierspielern eine äußerst dankbare Aufgabe gestellt. Die Erfahrungen, die er in seinen vorausgegange- nen Symphonien gesammelt hatte, gaben ihm nun die Möglichkeit für die symphonische Durchdringung
Lubka Kolessa (Klavier) wirkt als Solistin im 3. Orchesterkonzert mit. (Aufnahme: Foto Roma, Frankfurt a. M.)
zwischen Solopart und Orchester, wenn auch Beethovens Ls-ckur-Konzert hier für ihn Richtung weisend gewesen ist. Das a-moII-Konzert ist kein Vir- tuosenkonzert in engerem Sinne; der Anteil des Klaviers hat weitgehende Selbständigkeit, er mischt sich dennoch organisch mit dem Orchester und namentlich in den figurierten Teilen sind die Themen des Orchesters innig mit dem Klavier verwoben.
Der erste Satz (Allegro affettuoso) folgte in freier Abwandlung („Fantasie") der symphonischen Sonatenform. Im engen Anschluß aber an den
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Generalleutnant Oßwald (im Bilde links) faßt seinen Schlag.
mittags auf dem Sportplatz.
Einen eindrucksvollen Auftakt der großen Hilfsaktion unserer Soldaten für das WHW. brachte der
teil. Den Abschluß des sinfonischen Teils des Konzertes bildete die Norwegische Rapsodie Nr. 3 von I. Svendsen. Die Zuhörer ließen es auch hier am verdienten Beifall nicht fehlen, der sowohl dem Dirigenten, wie auch dem gesamten Orchester galt. Die Musiker bedankten sich in einfacher Weise durch
Die Tageslosung der Wehrmacht: A l l e Kräfte der Soldaten und der Bevölkerung für das WHW.ein'- z u s e tz e n , hat am letzten Eintopfsonntag und an seinem Vorabend — wie von vornherein als selbstverständlich in Gießen zu erwarten war — bei allen Volksgenossen stärksten Widerhall gefunden. Das beweist die große Beteiligung unserer Einwohnerschaft an sämtlichen Veranstaltungen der Garnison, aber nicht nur in rein zahlenmäßiger Hinsicht, sondern auch eindrucksvoll durch den inneren Schwung, mit dem alle Männer und Frauen, Jungens und Mädels mit ganzem Herzen hier bei der Sache waren. Selbst der gestrige unfreundliche Regensonn
tag konnte die Volksgenos
sen nicht abhalten von ihrer starken Beteiligung an den mannigfaltigen Veranstaltungen der Soldaten, sowohl am Vormittag, wie auch während des Nach-
Erheben von den Plätzen. Die Leitung des Sinfonie- Orchesters lag in Händen von Musikmeister Dei- s e n r o t h vom Infanterie-Regiment 57.
Der zweite Teil des Konzertes wurde in der charakteristischen Besetzung des Militärorchesters bestritten. Die Leituna hatte jetzt Musikmeister Linnemann vom Artillerie-Regiment 45. Die Programmfolge brachte den eindrucksvollen Königsmarsch von R. Strauß, bann die Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals" von Verdi und dann den bekannten unterhaltsamen Csardas aus der Oper „Der Geist des Wojewoden" von Großmann. Auch hier folgten die Zuhörer gerne und mit Begeisterung den Klängen und dankten immer wieder mit anhaltendem Beifall.
Den Höhepunkt des Abends bildeten dann die Darbietungen des großen Militärorchesters in der Gemeinschaft mit Spielleuten und Fanfarenbläsern. Die Fanfarenbläser standen nun dekorativ und wie aus Erz gegossen zu beiden Seiten der Bühne, mit ihren wappentuch-geschmückten Fanfaren. Kesselpauken waren aufgestellt und die Spielleute hatten außerdem im Vordergrund mit ihren Trommeln und Pfeifen Aufstellung genommen. Der starke militärische Eindruck wurde noch dadurch erhöht, daß die Soldaten nun alle den Stahlhelm trugen. Die' Darbietungen des dritten Teiles des Konzertes wurden durch die „Rheinlandfanfare" eingeleitet, eine Komposition von Musikmeister Deisenroth. Zwei weitere Fanfarenmärsche, die in ihrer Klangkraft die ganze Volkshalle füllten, begeisterten die Zuhörer und lösten stürmischen Beifall aus. Dann folgte — nun ohne die Fanfaren und Kesselpauken — unter der Leitung von Musik
meister Wohlfahrt (J.-R. 116) noch eine Zusammenstellung verschiedener alter Märsche, die im Badenweiler Marsch ihren Höhepunkt und Ausklang fanden. Den großartigen Abschluß des Konzertes bildete dann der Große Zapfenstreich, dessen Schluß die Besucher des Konzertes stehend und mit zum deutschen Gruß erhobener Hand anhörten. Angeregt und sehr befriedigt von den starken Erlebnissen, die dieser Abend vermittelte, verließ wohl jedermann am Samstagabend die Volkshalle.
Beim Ausgang wurde noch mancher Groschen den Sammlern des Winterhilfswerkes in die Büchse geworfen und damit auch in dieser Form der Dank für diesen Abend zum Ausdruck gebracht.
Für die Stunden des Konzertes hatte sich die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt, die mit vielen Helferinnen und Helfern einsatzbereit war.
Die militärischen Vorführungen am Sonntagvormittag in den Kasernen unserer Infanteristen und Artilleristen fanden erfreulicherweise große Beachtung. Zwar war das regnerische Wetter den fesselnden Darbietungen gerade nicht besonders förderlich, aber es vermochte nicht im geringsten die Einsatzfreudigkeit und den militärischen Schneid unserer jungen Feldgrauen zu mindern, ebensowenig die Standhaftigkeit und das aufmerksame Interesse der vielen Besucher zu schmälern. Ueberall merkte man, daß es unseren Soldaten viel Freude bereitete, bei dieser Gelegenheit einmal vor den Volkgenossen im Zivilkleid durch einige Ausschnitte aus dem großen soldatischen Arbeitsgebiet zeigen zu können, was es heißt, moderner
Samstagabend mit dem
Großkonzert in her Volkshalle.
Die Volkshalle war mit Flaggen des Dritten Reiches geschmückt, das Konzertpodium war eingefaßt vom Flaggentuch der Wehrmacht und frischem Grün. Die Lichterkette um Galerie und Bühne verbreitete festlichen Glanz. Schon lange Zeit vor dem Beginn des Konzertes war die Halle von vielen Volksgenossen besetzt, bald harrten über 3000 gespannt der Darbietungen des Abends. Zahlreiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen und der Behörden hatten sich eingefunden. Selbstverständlich waren auch viele Angehörige des Offizierskorps unserer Wehrmacht anwesend. Auch Generalleutnant O ß w a l d ließ es sich nicht nehmen, dem Konzert beizuwohnen.
Den zahlreichen Konzertbesuchern bot sich mit dem Anblick der Bühne ein eindrucksvolles Bild. Das Orchester für dieses Groß-Konzert nahm fast den ganzen großen Bühnenraum ein, denn für das Konzert waren drei Mufikkorps zusammengefaßt worden und zwar das Musikkorps unseres Gießener Infanterie-Regimentes 116, das Mufikkorps des Infanterie-Regimentes 57 und das Trompeterkorps des Artillerie-Regimentes 45. Außerdem wirkten in einem Teil des Konzertes auch Angehörige der Spielmannszüge des Infanterie-Regimentes 116 mit.
Die Folge der Darbietungen selbst gliederte sich in drei Teile. Eine seine und würdige Eröffnung fand die Reihe der musikalischen Darbietungen durch das Orchester in sinfonischer Besetzung. Da hörte man zunächst die Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz", die mit starkem Beifall ausgenommen wurde. Dann folgte das Konzert für Klarinette in A-dur von Wolfgang Amadeus Mozart, das dem Unteroffizier M e r z in Gemeinschaft mit dem Orchester Gelegenheit gab, die Beherrschung seines Instrumentes zu beweisen. Starker Beifall wurde ihm zu
Links oben: Ein Blick auf die Bühne der Volkshalle während des Großen Militärkonzertes, das über 3000 aufmerksamen Zuhörern zu einem schönen Erlebnis wurde.
Oben rechts: Mit großer Liebe setzten sich die Soldaten auch mit Platzkonzerten für die Sache des Winterhilfswerkes ein. Auf dem Kreuzplatz folgten viele Zuhörer, allem Regen und Wind zum Trotz, gerne den Weifen der Musik.
Unten links: Den Zivilisten war gestern vormittag eine schöne Gelegenheit geboten, sich als Tankabwehrschützen zu betätigen. Geschossen wurde allerdings nur mit Kleinkaliber - Munition. Aber Spaß machte es doch!
Unten rechts: Auf dem Waldsportplatz standen sich Fußball- und Handballmannschaften der Stadtvereine und der Wehrmacht gegenüber.
Beide Spiele konnten die Soldaten gewinnen. Im Bilde: die Handballspieler. Im Vordergrund rechts die Elf der Wehrmacht.
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geistigen Verlauf schaltet Schumann ein „Andante espressivo“ ein mit äußerst starker Gefühlsgebundenheit, das dem schwärmerischen Ergehen des Kla- vieres durch solistisch geführte Begleitinstrümente vertiefte Innerlichkeit gibt. Nach einer A-dur-Epi- sode erteilt der Kopfsatz in einer weit ausgeführten Kadenz vor Eintritt der Coda noch einmal dem Solisten ausschließlich das Wort.
Abweichend von der üblichen Konzertform läßt Schumann nach dem ersten Allegro keinen ausgesprochenen langsamen Satz folgen. Als „Intermezzo" gibt er ein anmutig bewegtes Anclantino grazioso mit ausdrucksvoller Gesanglichkeit in feinem Mittelteil. Zu seinem Schluß läßt Schumann das Kopfmotiv des Eingangssatzes in den Holzbläsern anklingen und führt mit einer aufschließenden Streicherpastage in das von vollstem Lebensgefühl getragene Finale, das sich an die Rondoform anlehnt und beispielsweise in seinen rhythmischen Verschiebungen besondere Reize entwickelt.
Hatte sich Beethoven mit seiner ersten Symphonie noch ganz auf den Boden der traditionellen Form gestellt, wenn auch hier schon einzelne Züge den Kommenden erkennen lassen, so ist die zweite Symphonie das Bindeglied zur „Eroika" hin. Noch fehlt zwar der programmatische Gedanke, der das Werden der „Eroika" entscheidend beeinflußt hat; aber der Musiker rüttelt an der Form, und mit romantischen Vorstößen prägt er dem lieber» kommenen sein eigenes Gesicht auf.
Das Werk wurde im Sommer 1802 gelegentlich eines Erholungsaufenthaltes in Heiligenstadt bei Wien vollendet. Die vorhandenen Skizzen lassen ersehen, daß sich Beethoven schon in den vorausge- gangenen Jahren mit der Zweiten innerlich beschäftigt hat. Wenn wir bedenken, daß in diesem Zeitraum dem Meister die verhängnisvollen Folgen seines Gehörleidens zum Bewußtsein kamen, und angesichts der Tatsache, daß im Oktober nach der Symphonie in abgrundloser Verzweiflung Beethoven das Heiligenstädter Testament niederschrieb, so trägt doch die Zweite in ihrem Gesamteindruck noch nichts von der tiefen Gemütsdepression an sich, sondern sie erscheint uns im Gegenteil als froh und lebensbejahend. Allerdings lassen doch einzelne Momente einen Zusammenhang erahnen.
Das bestätigte die Adagio-Einleitung der Symphonie. Die angeschlagene ruhevolle Eingangsstimmung wandelt sich zu einem rastlosen Grübeln nut wühlenden Passagen der Streicher, das sich m einem jähen Unisono-Aufschrei aller Instrumente (d-moll) Luft macht. Eine Vorausnahme, die in allerengster Verwandtschaft mit der Neunten steht.
Es ist, als habe Beethoven damit seinem Inneren Befreiung und Beruhigung gegeben; denn nun kündet sich Friede an. Derselbe Ton, der den Aufschrei endete, wird zum Orgelpunkt einer Entwicklung des Sich-Findens. Der Meister ist wieder ganz Herr seiner selbst, das zeigt der Beginn des Allegro con brio; auch das zweite Thema ist m fanfarenmäßigem Aufsteigen von Tatkraft bewegt. Jedoch, wo wir uns am Abschluß der Themenaufstellung glauben, da bricht er mit scharfen verminderten Akkorden ab. Nach beklemmender Pause beginnen die Streicher, im Unisono mit dem Sechzehntel- Motiv des ersten Themas aus dem Pianissimo sich zum sforzato zu erheben, dann führt der Satz hin zur Durchführung. (Wiederum ein Zeugnis persönlichen Ringens mit Form und Ausdruck.) Die Durchführung ist anfangs von Dissonanzen getrübt; in ihrer weiteren Entwicklung ist sie bestimmt von innerem Ringen. Der Coda des Satzes gibt eine Episode mit chromatisch aufsteigenden Bassen gespannte Ballung.
Das Larghetto ist einer der schönsten und eingängigsten Sätze Beethovens, ganz aus dem Erleben der Schönheiten der Welt in innerer Bereicherung geboren. Wenn auch zeitweilig kleine Schatten das Bild trüben wollen, so läßt sich doch das heitere Empfinden nicht zerstören.
Das Scherzo erwächst aus überschäumendem Lebensgefühl mit jähen Wechsel von Forte und Piano im Anfang. Zwischen anmutigen Bläserthemen des Trios läßt eine kurze Entwicklung der Streicher einen Blick in das Innere des Meisters werfen.
Das Finale wird einem straff akzentuierten, energiegeladenen Rhythmus eingeführt; fein Fortgang bekundet Lebenswillen. In der Coda lassen zwei Fermateinhalte den Niederschlag des Persönlichen in diesem an satztechnischen Schönheiten reichen Teil ersehen. — Als diese Symphonie in Wien gemeinsam mit der Wiederholung der Ersten zur Aufführung gebracht wurde, entschied man sich für das ältere Werk; ja, in Berlin sprach sogar eine kritische Stimme „von dreiviertel Stunden lang ausaefübr» ten Schwierigkeiten". Aber dennoch bat die Zweite den späteren Generationen ihren unvergänglichen Wert immer wieder aufs neue erwiesen.
Dr. Hermann Hering.
Sochschulnacknchten.
Dem ao. Professor Dr. Hans Netter ist unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für phy- siko-chemische Medizin und physiologische Chenüe an der Universität Kiel übertragen worden.


