Ausgabe 
15.3.1937
 
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Soldat zu sein und alle Kräfte anzuspannen im Dienste der Waffe für Volk und Vaterland. Da war vom Befehlshaber bis zum letzten Mann alles ganz gehörig aus Draht, sämtliche Hebungen wur­den mit bewundernswerter Exaktheit und bester Kenntnis der Waffe und aller Einzelheiten der Handgriffe ausgeführt und dadurch den gespannt folgenden Zuschauern ein sehr eindrucksvolles Bild von dem hohen Stand der Ausbildung unserer Soldaten gegeben.

In der Bergkaserne sah man u. a. fesselnde Vorführungen eines Tak-Zuges mit allen dazu­gehörigen Fahrzeugen, ebenso eine kleine Feuer­gefechtsepisode zwischen einer Tak-Abwehr und einem Kampfwagen; ferner eine Hebung eines Zu­ges Infanteriegeschütze, und Zwar vom Anrücken her über das Einfahren in die Feuerstellung und den Feuerkampf bis zum Abrücken. Um das Uebungsbild vollkommen zu gestalten, wurde auch nicht an dem Einsatz von Uebüngsmunition gespart, so daß es gehörig krachte, ferner die Mannschaften in schärfstem Tempo durch die Gegend flitzten. Schließlich hatten die Besucher noch die Möglich­keit, nicht nur die Kasernen zu besichtigen, sondern sich auch allerlei militärische Hilfsmittel, wie Meß­geräte, Fahrzeuge, Stallungen usw. anzusehen. Wer Lust hatte, konnte für 10 Pf. auch einmal an einem Tak-Geschütz schießen.

In der W a l d k a s e r n e konnte man sich die Hebung eines Maschinengewehrzuges bei verschie­denen Gefechtsmaßnahmen ansehen, ferner dem mi­litärischen Funkdienst zuschauen. Auch hierbei bah laterte es tüchtig, um denKrieg im Frieden" noch interessanter zu machen. Außerdem konnte man sich im Kleinkaliberschießen (3 Schuß für 10 Pf.) üben und ergötzen, wer wollte, namentlich die Kinder, konnte im Fuhrwerk über die Kasernenhöfe fahren, man konnte aber auch Reitübungen ansehen usw. Daß hier ebenfalls die Kasernenbesichtigung viele Interessenten fand, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Unsere Artilleristen zeigten auf dem Ge­lände des Trieb, das unmittelbar an das Kafernen- grundstück anschließt, den bei dem Artilleristentreffen schon einmal vorgeführten Gefechtseinsatz einer Bat­terie mit allen Einzelheiten, die dabei vom Aus­suchen der Beobachtungsstelle über das Einfahren in Feuerstellung, das Feuern und bis zum Wieder­abrücken erforderlich sind. Auch hier wurde durch die Verwendung von Hebungsmunition der Ge­schützdonner nicht nur in der Annahme gelassen, sondern zur Wirklichkeit gemacht. Zum Schluß folgte der Vorbeimarsch der Batterie vor dem Ab­teilungskommandeur. In der Reithalle war wie­derum viel Interessantes bei den Reitvorführungen zu sehen. Die Kasernenbesichtigung fehlte auch hier nicht.

Gerne spendeten alle Besucher am Eingang zu den Kasernen das für das WHW. bestimmte Heine Eintrittsgeld, außerdem ließen sie die von Samm­lern herumgereichten Sammelbüchsen nicht unbenutzt vorbeitragen.

Das Mitarkonzert auf dem Kreuzplatz

durch das Musikkorps unseres I.-R. 116 unter Lei­tung von Musikmeister Wohlfahrt brachte den zahlreichen Besuchern gute Musik, die mit Dank­barkeit ausgenommen wurde. Wenn auch hier der Regen nicht fehlte, so musizierte doch die Kapelle mit allem Schneid in feiner Weise weiter, hörten die Besucher gerne zu und blieben standhaft auf ihren Plätzen, bis die letzte Darbietung verklungen war.

Der gemeinsame Gintopf

vereinigte um die Mittagsstunde alle Volksgenossen in Uniform und im Zivilkleid. Die Gemüsesuppe mit Rindfleisch und Kartoffeln, die es in den Ka­sernen und durch elf Feldküchen auch in den Fa­milienhaushaltungen in der Stadt gab, war ganz

vortrefflich zubereitet und schmeckte vorzüglich. Un­sere Hausfrauen werden dabei sicherlich den Sol­datenköchen alle gebührende Anerkennung für ihre Kochkunst gezollt haben. Viele Volksgenossen ver­speisten ihren Eintopf in den Speisesälen der Ka­sernen, um auch einmal oder wieder einmal in der Kaserne zu essen. Andere sanden sich im Studenten­haus, im Klub ober im Cas6 Leib ein, um dort ihren an der Feldküche empfangenen Schlag zu verdrücken. An der Feldküche vor dem Studenten­haus nahm auch der Standortälteste, Generalleut­nant Oßwald, selbst für feine Angehörigen und für sich den Eintopf-Schlag in Empfang, um ihn dann im Speisesaal des Hauses inmitten der völlig zwanglos beieinander sitzenden Volksgenossen zu verzehren. In anderen Speiseräumen der Gaststät­ten oder Kasernen saßen viele Offiziere ebenfalls inmitten der Volksgenossen vor ihrem Suppenteller.

Die beweglichen Feldküchen fanden sich mit mili­tärischer Pünktlichkeit von 11.30 Uhr ab in den Straßen der Stadt ein. Hornisten verkündeten mit weithin klingenden Trompetensignalen die Essen­ausgabe. Kaum waren die ersten Signaltöne ver­klungen, so konnte man Frauen, Töchter und Söhne, manchmal aber auch die Hausherren selbst mit Töpfen, Kannen, Schüsseln, Kochgeschirren usw. eilig den Feldküchen zustreben sehen. Der Betrieb war im Handumdrehen außerordentlich lebhaft. Manchmal hieß es sogar etwas Schlange stehen. Eifrig hatte der Soldat mit dem Schöpflöffel aus dem vollgefüllten Kessel zu pumpen. An einer Feld­küche an der Ecke Frankfurter Straße ° Wetzlarer Weg tauchte zu unserer stillen Freude auch die Frau Sibylle Vielgeplagt auf. Sie forderte vor dem Herreichen ihres großen Suppentopfes den Mann mit dem Schöpflöffel auf, tief nach unten in den Kesses zu schöpfen, denn es fei ja im Gieße­ner Anzeiger schon zu lesen gewesen, warum der Schöpflöffel so tief in den Kessel gesenkt werden sollte. Frau Sibylle konnte zufrieden sein, denn sie bekam in ihren Topf ganz gewichtige Brocken und dazu noch einen halben Schöpflöffel voll Suppe als Zugabe.

Der unerwartet große Ansturm an die Feldküchen

bekundete zwar das erfreulicherweise starke Inter­esse unserer Volksgenossen an der Soldatenküche, er hatte aber doch auch eine Auswirkung, die von der Wehrmacht selbst am meisten bedauert wird. Denn der gewaltige Andrang schon an der ersten Ausgabestelle jeder Feldküche riß rasch derart große Lücken in den Suppenvorrat, daß manche Feldküche schon ausverkauft war, bevor sie überhaupt eine zweite ober brüte Ausgabestelle hätte erreichen können. Zahlreiche Felbküchen fuhren darauf in schleunigem Tempo zu den Kasernen zurück und holten eine neue Ladung Essen. Aber auch dieser Vorrat war im Handumdrehen schon wieder aus- gegeben. Kurzum: Die Nachfrage der Volksgenos­sen nach dem Essen hatte ein Ausmaß angenom­men, das von der Wehrmacht selbst, unter Einrech­nung aller Möglichkeiten in so umfassender Weise nicht vorhergesehen werden konnte. Das an sich be­dauerliche Ergebnis war, daß manche Familien lei­der die Wehrmacht selbst bedauert dies recht sehr kein Essen an der Feldküche fassen konnten, weil eben der gesamte Vorrat, ebenso auch die Essen- Reserve in den Küchenräumen in den Kasernen, schon in kurzer Zeit vollkommen ausverkauft war.

Wir können unseren Lesern als den Standpunkt der maßgebenden Stelle mitteilen, daß man dort neben dem starken Bedauern über diese unvorher­sehbare Erscheinung noch die Erkenntnis gewonnen hat, daß bei einer anderen Gelegenheit dieser Art ein noch weit größerer Einsatz der Küchen und aller Materialien getroffen werden muß und wird, um allen Ansprüchen in der erforderlichen Weise genü­gen zu können.

Wir haben uns heute vormittag bei dem Stand- ortoffizier der Division nach dem Gesamtum - fang des Essensvorrats und der dazu benötigten

Materialien erkundigt. Bei den Ermittlungen der Division ist aber sehr schnell ein so großes Ausmaß der Quantitäten in Erscheinung getreten, daß eine zahlenmäßige Aufstellung heute früh noch nicht möglich war. Wir werden diese Angaben noch be­richten.

(Aufnahmen [5|: H. L. Neuner, Gießener Anzeiger.)

Gin Sport-Aachmittag

bildete den Abschluß der Soldaten-Aktion für bas, WHW. Aus dem Walbsportplatz bes VsB.-ReichS- bahn stauben sich je eine Mannschaft der Wehr« macht und ber Stabt im Hanbball- bzw. Fußball- wettspiel gegenüber. Heber biefen Teil bes TageS berichten wir in, unserem heutigen Sportteil.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Trachtenschau in der Westentasche.

Eigentlich müßten wir Männer uns etwas schämen! Wie nüchtern und farblos sieht boch unsere Kleibung aus! Höchstens im heißen Sommer er­lauben wir uns etwas mehr Buntheit. Von unfern Gesellschaftsanzügen wollen wir vollenbs schweigen; besteht boch in bem roürbigen Schwarz, bas uns umhüllt, kein Unte^rschied, ob wir zum Ball ober zum Begräbnis gehen.

Wie anbers war es einst! Da strotzten auch wir Männer in ber Farbentracht des Regenbogens und konnten es nicht bunt genug treiben. Aber wer kennt noch alle die bunten Trachten, die unsere

Die nächste Reichsstraßensammlung bes Winterhilfs­werks wird von der Deutschen Arbeitsfront durch­geführt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Vorfahren getragen haben, einerlei, ob es Könige ober Edelleute ober Bauern waren? Nicht jeber hat immer die Zeit, ins Museum zu gehen, um dort die deutschen Volkstrachten zu studieren. Zwar gibt es auch Bücher mit vielen mehrfarbigen Bil­dern, die uns in das Reich der Volkstrachten führen. Aber diese Bücher kosten wiederum Geld und sind auch oft zu umfangreich. Was also tun, um auf billige Weise ein wenig Trachtenkunde zu treiben?

Die Aussicht, es tun zu können, ist gar nicht allzufern, lieber kurz ober lang, genauer gesagt: am 2 0. und 21. März werden wir alle Ge­legenheit haben, unsere Kenntnisse in dieser Hinsicht bedeutend zu erweitern. Denn an diesen beiden Tagen werden viele, wunderhübsche Trachten­männchen und Trachtenfrauchen auf uns zuspazieren und zwar in Gestalt von allerliebsten Porzellan- tigürchen, die uns das deutsche Winterhilfswerk durch die Arbeitsfront zum Kauf anbieten läßt.

Im ganzen werden es zehn Porzellanfigürchen fein: eine Bückeburger Bäuerin, ein Schwarzwälder Mädchen, eine rheinische Winzerin, eine Berchtes- gabnerin, ein Mann in Vierländertracht, ein Friesen- fsicher, eine Spreewälderin, eine Schlesierin, ein

Bauer aus der Schwalm und ein westfälischer Bauer- Das hübsche und erfreuliche an diesen Porzellan­figürchen ist, daß sie in Form und Farbe natur­getreue kleine Nachahmungen der genannten lands- männischen Trachten sind. Man kann also tatsächlich an ihnen seine Studien machen, kann reizvolle Ver­gleiche anstellen ynd, wenn man will, in der Familie einen kleinen Schönheitswettbewerb ver­anstalten.

In diesem Falle darf man sich allerdings nicht damit begnügen, nur eine ober zwei dieser Trachten­figürchen zuerwerben". Sie sind ja aber auch so billig, baß man getrost alle zehnHerrschaften" zu sich bitten kann. Zu tragen unb zu schleppen hat man an ihnen auch nicht viel. Man kann sie in ber hohlen Hanb ober in der Westentasche nach Hause tragen.

Was mich betrifft, so werde ich es auf alle Fälle so machen. Ich schaffe mir eine Trachtenschau in ber Westentasche an und werde bann, in ihren Anblick versunken, darüber nachdenken, warum wir Männer der Gegenwart es unfern farbenfrohes Vorbildern eigentlich nicht nachmachen...

Dornotizen.

Tageskalender für Alonkag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Togger". Licht« spielhaus, Bahnhofstraße:Bettelstudent".

Stadltheaker Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieberA Am 21. März, 11.30 Uhr, findet im Stadttheate^ die 12. MorgenfeierFrülingsanfang" statt. Inters dant Schultze-Griesheim bringt Rezitationen aus GionoDie Auferstehung des Brotes". DeP Chor des Stadttheaters singt alte unb neue Früh? lingslieber. Ferner gehtÄepfel unterm Hut" ini Szene. Ein Scherzfpiel von Rittervolk, Bauernjun? gens und einen braven Gaul nach Hans Sachs, neubearbeitet von Friedrich Forster. Die Rollü besRitter Neidhart Rabautz" spielt Heinrich Hub. Spielleitung Günter Winkel. Musikalische Leitung Ernst Bräuer.

Don der Universität.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der Reichs- und preußische Minister für Wissen­schaft, Erziehung unb Volksbilbuna hat am 22. Fe­bruar 1937 dem Dr. habil. Heinz Dombrowsky in Gießen die Dozentur für das Fach der Hygiene und Bakteriologie verliehen und ihn der Medizini­schen Fakultät ber Universität Gießen zugewiesen.

Kameradschastsabend alter unv junger Fünfziger.

Es ist in Gießen seit mehr als einem halben Jahrhundert zur lokalen Tradition geworden, daß alljährlich die Fünfziger, d. h. die Männer, die in dem jeweils laufenden Jahre ihr 50. Lebensjahr vollenden, sich zu einer kameradschaftlichen Vereini­gung zusammenschließen, deren einziger Zweck darin besteht, im Kreise der Altersgefährten gute Kame­radschaft zu pflegen, alle Unterschiede der Berufe, der sozialen Stellung, der christlichen Konfession usw. strikte beiseite zu lassen, den schönen Gemein- schaftsgeist und die Verbundenheit von Mensch zu

Das Mädchen mit dem Gilberhaar.

Roman von Anny von panhuys.

28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Günther Grevenstein aber war den ganzen Vor­mittag wie betäubt; es kostete ihn Anstrengung, vor Mabel zu verbergen, wie konfus er war, wie völlig durcheinander. Er atmete auf, als sie ihn mittags in Gnaden entließ und ihn erst zum Abend wieder verpflichtete, mit ihr ein Theater zu besu­chen. Güncher brachte Mabel bis vor das Hotel, dann fuhr er nach dem Palais Rethel.

Der Diener meldete ihm, daß ber Graf heute mittag nicht nach Hause kommen könnte. So begab sich Grevenstein allein zu Tisch. Aber ihm, bem fröhlichen Genießer, wollte heute bie Mahlzeit nicht munben.

Er ftanb vor etwas ganz Unfaßbarem. Wie kam Tilli Bergschlag gerabe in bas Hotel Continental? Hanbelt es sich wirklich um einen Irrtum, ber sie in ben Salon Mabels geführt? Ober war bas nur eine Ausrebe unb ihr unvermitteltes Eintreten ein Trick gewesen? War sie auf feiner Fährte, unb wollte sie ihm mit ihrer Anwesenheit brohen?

Sie hatte sich allerbtngs sofort auf eine Weise zurückgezogen, bie ihre Worte, sie hätte sich im Zimmer geirrt, völlig glaubhaft erscheinen ließen.

Dennoch blieb bas Ganze geheimnisvoll unb fonberbar. Er ftanb vor Rätseln.

Gestern tauchte bie Frau mit bem filberblonben Haar auf, bie er geküßt, nachbem er Tilli verlassen, heute war plötzlich Tilli Bergschlag selbst ba. Ein grotesker Zufall!

^ebenfalls mußte er es oermeiben, ins Hotel Continental zu gehen. Am besten wäre es, wenn es ihm gelänge, Mabel zu bewegen, bort auszuziehen. Unter irgendeinem Vorwanb, ben er noch erfinden mußte.

Heute früh hatte man Nachricht vom Anwalt er­halten, baß bie französische Staatsbürgerschaft unb die Aboption binnen kurzem erreicht feien.

Grevenstein holte tief Atem.

Das Verbergen hinter einem anderen Namen schien gar nicht so einfach zu sein, wie er es sich vorgestellt. Damit ließ sich Vergangenes boch nicht so rasch bannen, wie er angenommen.

Er trank hastig ein Glas von bem schweren Burgunder, ben ber Graf bevorzugte, unb nach bem nächsten Glase sah alles nicht mehr so schlimm aus. Die Hauptsache blieb, baß er nicht mehr in bas Continentalhotel gehen bürste, solange es Gäste beherbergte, bie nicht nach feinem Geschmack waren

Das Durcheinanber, in bas er plötzlich geraten, fanb er jetzt fast komisch, zum mindesten aber inter­essant. Nur durfte man keine Angst haben. Sobald man Gefahren fürchtete, war man verloren.

Alles beruhte ja nur auf blindem Zufall!

Zufall war es, daß bie gemalten Gräfinnen Rethel bas Diabem trugen, bas er sich auf bem kleinen Maskenball in Deutschlanb angeeignet, das er als Andenken unterschlagen, nur als Andenken, weil er feine Ahnung von seinem Wert gehabt.

Zufall war es auch, daß die Verliererin des Dia­dems plötzlich hier austauchte. Aber sie war eine reiche Frau und konnte das Schmuckstück leicht ent­behren.

Unb Zufall war es schließlich, baß Tilli Berg­schlag zur selben Zeit in Paris erschien, wie Fraw Rabix.

Aber alles war sofort wieber beim alten, wenn die beiden Frauen abgereift sein würden. Dann sah er keine Schatten mehr für feine Zukunft.

Er trank noch ein drittes Glas von dem schwe­ren Wein, und danach begab er fick nach oben, machte es sich auf der Chaiselongue feines Schlaf­zimmers bequem und schloß die Augen.

Er schlief bald ein, unb im Traum hielt er plötz­lich wieber bie Silberblonbe in den Armen, die ihm ihre Lippen bot

21.

Der Graf saß m seinem Büro unb grübelte unb sann unaufhörlich. Er hätte Zeit genug gehabt, um zum Mittagessen nach Hause zu fahren, aber er befanb sich m einer Stimmung, die keine oberfläch­liche Unterhaltung mit Günther Grevenstein ver­trug. Er sah heute überall, wo er ging unb ftanb, bie schöne Deutsche vor sich, bie ihm klargemacht, wie rücfftänbig man hier in ber Pariser Vertretung noch sei, bie allerlei Neuerungen forderte, und bie zubem einer anberen so ähnlich sah, bie tief in bas Dunkel ber Vergangenheit untergetaucht war.

Er bewunderte die Schönheit und die geschäftliche Beschlagenheit der jungen Frau, aber sie quälte ihn mit Erinnerungen. Umsonst hatte er geglaubt, über der Situation zu stehen!

Schließlich erhob er sich, weil er Hunger ver­spürte.

Ganz in der Nähe befand sich ein kleines Re­staurant, das er zuweilen aufsuchte. Dort ging er hin.

Er nahm an einem Tisch Platz, der nach der Hofseite zu gelegen war, und erwiderte flüchtig den Gruß eines Herrn am Nebentisch, der scheinbar gleich ihm bas Bebürfnis empfanb, ein wenig ab­seits zu sitzen. Währenb er seine Vorspeise atz, bie ber Kellner eilfertig braute, überlegte er, wer wohl ber Herr am Nebentisch sein könnte, ber mehrmals etwas zudringlich zu ihm herüberschaute, wie er mit leichtem Mißfallen bemerkte.

Aha, jetzt wußte er Bescheid! Es war Jacques Mortier, der Juwelier aus der Rue Royal, dessen

eleganten Verkaufsraum er früher oft betreten. Der Graf lächelte ein wenig. Er war auch alt gewor­den, der Juwelier, ber früher ber Lieferant unb Berater vieler auslänbischer Fürstenhäuser gewesen unb wohl noch jetzt bie ersten Aristokraten Frank­reichs zu seiner Kunbschaft zählen konnte.

Als ber anbere wieder zu ihm hersah, nickte er ihm zu

Verzeihung, ich erkenne Sce erst jetzt, Herr Mortier. Wie geht es Ihnen?"

Der Juwelier dankte:Gut, Herr Graf, ich bin zufrieden, und Sie sehen so vorzüglich aus, daß man nicht erst zu fragen braucht"

Damit wär die Unterhaltung zunächst beendet. Der Juwelier sein Menü, der Graf tat dasselbe, doch nachdem der Nachtisch verspeist war, den beide fast gleichzeitig erhalten hatten, erhob sich Mortier und trat an den Tisch des Grafen heran.

Ich bitte um Entschuldigung, Herr Graf, falls ich störe, aber weil ich Sie gerade treffe und mich seit kurzem etwas beschäftigt, was Sie vielleicht auch interessiert, wage ich die Störung."

Der Graf wies auf den Stuhl neben sich.

Ich habe genügend Zeit, Herr Mortier."

Mortier nahm Platz.Also, Herr Graf, wie ich weiß, waren in Ihrem Besitz früher zwei wunder­schöne und sehr kostbare Schmuckstücke aus Brillan­ten, Saphiren und Perlen. Ich habe öfter kleine Reparaturen daran gemacht, und schon mein Vater arbeitete für Ihre selige Frau Mutter mehrmals an dem Schmuck etwas um. Sie verkauften durch mich ein Halsband an die Fürstin Breda, von der es mir gerade jetzt wieder einmal zur Reinigung übergeben wurde, das Diadem des Schmuckes aber gehörte Ihrem verstorbenen Herrn Sohn, und Sie wußten nicht, wohin es gekommen, wie Sie mir einmal vor langen Jahren erzählten. Nun sind Teile davon aufgetaucht. Lose Steine! Ich kenne den eigentümlichen alten Schliff dieser Brillanten und Saphire sehr genau, und ein Irrtum ist aus­geschlossen."

Der Graf fragte lebhaft:Sie wollen damit sagen, daß diese wieberaufgetauchten Steine wirk­lich aus bem Diabem stammen?"

»Ich weiß es, wie ich nochmals betone, ganz genau; jeber Zweifel ist ausgeschlossen", sagte ber andere.

Der Graf fragte noch lebhafter:Unb wozu brachte man Ihnen bie Steine? Man bot sie Ihnen zum Kauf an, nicht wahr?"

Der Juwelier schüttelte oerneinenb ben Kopf.

Bewahre! Einen Brillanten soll ich in Ring­form fassen, einen Saphir als Krawattennabel. Das Sonderbare aber ist weiter, baß ein Kollege ber Zugleich mein bester Freunb ist, unb besten Geschäft sich auf bem Boulevarb bes Italiens befinbei mir oon einem Herrn erzählte, ber ihm einen pracht­vollen Brillanten unb einen Saphir, beibe von

älterem Schliff, gebracht. Er zeigte mir, des Schlif­fes wegen, die Steine. Sie stammen ebenfalls aus dem Diadem. Ich entnahm schon vorhin Ihren Fragen, daß Sie mit der Sache nichts zu tun haben, Herr Graf, mit der Sache, die mir beson­ders zu denken gibt, seit ich neulich in London war und dort bei einem Geschäftsfreund einen modern gefaßten Ring fah, der auch einen der mir bekann­ten Brillanten enthielt, Als Verkäufer wurde mir ein Herr beschrieben, der meinem Auftraggeber auf ein Haar gleicht, aber dort einen ganz anderen Namen trug, als bei mir." Er zuckte bie Achseln. »Ihr Herr Sohn ist tot, vielleicht wurde ihm das Diadem entwendet, und man wagt erst jetzt, nach langen Jahren, an den Verkauf zu gehen?

Der Graf war äußerst interessiert.Sie meinen, so etwas wäre möglich?"

Ihn durchzuckte der Gedanke, daß es dann viel- leicht nicht ausgeschlossen wäre, daß wenigstens ein paar der kostbaren Steine wieder in seinen Besitz kamen. Er konnte sie gut brauchen.

®?L31i!DeIjr antwortete:Natürlich wäre das möglich. Die Steine sind sehr wertvoll, und wenn jemand auf unrechte Weise in den Besitz des Diadems gekommen ist, konnte er zunächst kaum etmas öamit anfangen. Irgendein Hehler mag es erstanden haben unb hat dann nicht gewagt, es Vielleicht machen erst seine Erben bas Schmuckstuck zu Gelb. Es kann sich ja auch ganz anders verhalten, mir fiel nur bie überraschende Gleichheit der Steine auf."

2öie nennt sich denn der Herr, der Ihnen die ^annt 3Um Mfen brachte?" fragte ber Graf ge-

»®rnannte wohl absichtlich undeutlich einen Namen , der wie ,be Pierre* klang, aber, da er ®teine nicht verkaufen wollte, konnte m hl*-fJr,?9en- Der Name bei meinem Lon­doner Geschäftsfreund lautete Moore. Ich gab bem 9^n eine Bescheinigung über ben Erhalt ber ^uroeien, unb übermorgen vormittag gegen elf Uhr türlirl'f ^imme mürbe unwill-

;r '3$ bitte um Entschulbigung für bas, ?aslck) letzt sage aber denken Sie, Herr Graf, der rßenbe Herr hat große Aehnlichkeit mit Ihnen, sogar einen Spitzbart trägt er wie Sie."

4.?0UH ^thel durchzuckte ber Gedanke an Gunther, doch verwarf er den Gedanken sofort als geradezu lächerlich. ' '

m{Se? Juwelier meinte:Wenn man nur bestimmt wußte, ob da irgend etwas Unrechter spielt! Sonst kann man sich natürlich bösen Aerger holen." unheL®I?f JIarbte i^-schan fest an ein Unrecht, und da er es für möglich hielt, Steine des Dia- berns zu erhalten, fragte er:Wäre es nicht ein>u-

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(Fortsetzung folgt!)

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