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Hr. 62 Erster Blatt

187. Jahrgang

Montag, März 15.1937

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Lunge Völker?

Von Manfred Hellmann.

Seit Moeller von den Bruck das Schlag­wort von denjungen Völkern" des Ostens prägte, ist man auch deutscherseits geneigt gewesen, zu glauben, daß es sich bei den Völkern des Ostens gemeint waren dabei im wesentlichen die Esten, Letten, Litauer, Polen und Tschechen wirk- lich um junge Völker handele. Manche Publizisten haben die Gedanken Moellers ausgesponnen, aber leider haben Moeller selbst und seine Nachfolger die Tatsachen, wie sie uns die Bevölkerungs- statistik sehr eindeutig und klar vor Augen führt, übersehen. Jung ist ein Volk nur bann, wenn e s w ä ch st. Stillstand der Geburtenzahl bedeutet Rückgang, und Rückgang bedeutet hier so unerbitt­lich wie nirgends sonst den langsamen Tod, dem ein Ueberaltern naturgemäß vorangeht.

Die Lage in den osteuropäischen Ländern ist ver­schieden. Aus der Tatsache, daß Völker wie die Esten und Letten erst seit 1918 in die Ge­schichte eingetreten sind, ihre Jugend zu folgern, ist deswegen verkehrt, weil gerade sie am meisten Ge­fahren ausgesetzt sind, die die eigene Staatlichkeit mit sich brachte: Verstädterung, Landflucht, lang­same Industrialisierung, Übermäßiaes Nachahmen westlicher Zivilisation, damit verbunden Lösung aus natürlich gewachsenen Bindungen, moralischer und damit biologischer Verfall, Beschränkung der Kinder­zahl usw. Erscheinungen, wie wir sie von 1918 bis 1933 deutlich genug am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben, wenn die Ursachen auch vielfach andere waren.

Estland kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, nächst Frankreich die niedrigste Ge­burtenziffer aufzuweisen. Die Esten mit 992 520 Menschen hatten schon 1929 einen Geburten­unterschuß von 1,3 je Tausend. Eine Zahl, die in den letzten Jahren noch angestiegen ist. Der einzige Teil der estländischen Bevölkerung, der einen ge­ringen Zuwachs zu verzeichnen hat, sind die Russen (92 656) mit 4,6 je Tausend. Die Deut­schen Estlands (16 346) hatten schon 1929 einen Unterschuß von 10,8 je Tausend. Sie sterben schnell aus. Im gleichen Verhältnis stehen die Zahlen über Altersaufbau, Sterblichkeit usw. Man sagt nicht zu viel, wenn man die Esten als ein oussterbendes Volk bezeichnet.

In Lettland liegen die Dinge ähnlich. Wäh­rend die Bevölkerung Lettlands mit Ausnahme der Deutschen, die schon seit 1881 aussterben bis 1927 zunahm, weisen die Zahlen von 1928 bis 1935 ein langsames, aber stetiges Absinken auf. Die Letten hatten noch 1927 einen Geburtenüberschuß von 5,3 je Tausend. Im Jahre 1933 waren es nur noch 4,27 (eingeschlossen die fruchtbarsten Gebiete Ostlettlands), für die Stadt Riga wurden schon 0,6 je Tausend berechnet. (Für die Deutschen in Lettland läßt sich schon 1933 ein Geburtenausfall von 3 je Tausend nachweisen.) Daß man diese Dinge in Lettland erkannt hat, beweist ein Aufsatz in der lettischen ArmeezeitungLatvijas Kareivis", in dem auf die Gefahren dieses Rückganges hinge­wiesen wird. 1930 wurden noch zwei Kinder je Ehe festgestellt, 1933 nur noch ein Kind. Die Ur­sachen sind auch in Lettland: steigende Landflucht, Auflockerung natürlicher Bindungen und nicht so sehr wirtschaftliche als seelische Momente, nämlich das Erlahmen des Willens zum Kinde. Auch die Letten sind ein sterbendes Volk, das im Jahre 1990 27,8 o. H. der heuttgen Kinderzahl verloren, dafür 62,9 v. H. der Alten und Arbeitsfähigen gewonnen haben wird.

In Litauen liegen die Verhältnisse günstiger. Die Zahlen für die Geburtenüberschüsse schwanken zwar, doch standen sie 1928 mit 17,4 je Tausend für die Litauer unvergleichlich höher als in Lett­land und Estland. Auch die Deutschen Litauens (etM 40 000) hatten mit 14,3 je Tausend einen erheblichen Geburtenüberschuß, der dieser deutschen Volksgruppe vorläufig ihren Bestand sichert. Die­sen grundlegenden Zahlen entsprechen die anderen über Altersaufbau (Kinder bis 14 Jahren sind drei­mal mehr vorhanden als Alte über 60 Jahren), Siedlungsweise (in Städten 10,2 v. $)., auf dem Lande 83 v. H., bei den Deutschen 58,1 v. ch.; von den 16 000 Deutschen Estlands leben 13 000 in den Städten!) u. a. m. In den letzten Jahren hat die steigende Wirtschaftsnot Litauens, die besonders die Landbevölkerung betrifft, einen Rückgang des Geburtenziffern herbeigeführt. Auch hier also Rück- schrttt, nicht, Wachstum.

Auch die Tschechen sind kein wachsendes Volk. 1925 wiesen sie einen Geburtenüberschuß von 8,16 je Tausend auf, 1929 nur 4,97 je Tausend, also fast die Hälfte weniger! Daneben ist allerdings die Zahl für bie Sudetendeutschen von 6,31 (1925) auf 2,92 (1029) gefallen und hat heute schon den absoluten Nullpunkt erreicht. (Tuberkuloseerkran­kungen von sudetendeutschen Kindern im 1. Viertel­jahr 1935 um 42 v. H. gestiegen!) Auch die Slo­waken gehen zurück. (Von 16,29 je Tausend 1925 auf 14,31 je Tausend 1929). Dagegen sind die P o - len in stetem Anwachsen. (1928: 16,9 je Tausend, 1929: 17,2 je Tausend.) Auch die Ukrainer (1928: 21,3 je Tausend, 1929: 21,4 je Tausend) und Weißrussen sind im Wachsen, während bas Deutschtum Polens zurückgeht. Vergleicht man mit biesen Zahlen die des Deutschen Reiches für 1932 (4,3 je Tausend) und 1934 (7,1 je Tausend), so ergibt sich ein beträchtlicher Unterschied. Diese Zahlen sprechen eine sehr eindringliche Sprache und lassen erkennen, welche Völker des Ostens jung und welche alt sind. Denn nicht irgendwelche geistigen Theorien über jung und alt, sondern die leben­dige Kraft entscheidet im Völkerleben.

Die Kriedensaufgabe der Frontkämpfer.

EinRückblickaufVieBerlinerKriegsteilnehmer-Tagung -pichotmahntdiestanzösischepreffe.

Paris, 15. März. (DNB.) Henry P i ch o t, der Vorsitzende des größten französischen Kriegsteilneh- rner-Verbandes Union Föderale erklärte einem Vertreter derRepublique" u. a., daß die französi­sche Presse sich so verhalten habe, wie sie es von dem internationalen Kriegsteilnehmer-Treffen in Berlin verstanden. Wann werde man, sv fragt Pichvt, in Paris aufhören, bie Innenpolitik mit der Außenpolitik z u vermengen, und eine Frage, die mehr als alle anderen Ruhe und Maß fordert, polemisch zu behandeln. Die Berliner Tagung war international. Warum darüber schreiben, als sei sie eine franzö­sisch-deutsche Aussprache gewesen? Es handelt sich nicht darum, zu wissen, ob die Berliner Tagung einen Einfluß auf die französisch-deutschen Bezie­hungen haben könnte, sondern ob sie unter Umstän­den die Beziehungen Deutschlands mit der Gesamt­heit der anderen Länder beeinflußen und wenn möglich eine große Internationale der Frontkämpfer begründen könnte. Jeder habe seine Aufgabe: Die Regierungen, die Politiker, die Diplomaten und die Kriegsteilnehmer, die ihre Auf­gabe durch das gemeinsame Bekenntnis, daß sie den Krieg nicht wiedersehen wollten, Umrissen hätten. Das sei eine Erklärung, deren Gutgläubigkeit weder angezweifelt werden könne noch dürfe.

Es fei plump, zu behaupten, daß niemand nach Deutschland gehen könne, ohne eingewickelt zu werden. 3m vorliegenden Falle bedeute das so­viel, daß man die Kriegsteilnehmer von 13 Ländern als dumm bezeichnet. Die Führer des Dritten Reiches hätten sich als Kriegs­teilnehmer benommen. Weil sie nicht versucht haben, ihre Gaste in den Dienst Deutschlands zu stellen, habe man versucht, ihren Erklärungen jeden Wert abzusprechen. Das sei kümmerlich. Das wenigste, was man tun könne sei. sie für aufrichtig zu halten.

Die Kriegsteilnehmer der 14 Länder, die sich den Satzungen des Internationalen Komitees angeschlos­sen haben, können sich nicht immer nur auf Kund­gebungen beschränken, sondern müßten sich einmal an einen Tisch setzen und etwas sagen. Die Partie sei nicht für alle gleich, aber sie sei nicht verloren, solange es herzhafte Männer gäbe, um sie zu spielen. Und wenn sie verloren gehen sollte, hätte man wenigstens die Ehre gerettet, leidenschaft- l i ch den Frieden gewollt zu haben.

Echneider-Eseuzot nationalisiert.

Paris, 13. März. (DNB.) Jrn Gesetzblatt ist eine Verordnung erschienen, die die Kriegs­material herstellenden Fabriken der Schneioer­werke in Creuzot natioalisiert. Die Fabri­ken und Spezialmaschinen zur Kriegsmaterialher­stellung von Schneider & Cie. werden zugunsten des französischen Staates enteignet. Die Ueber- nahme der Betriebe durch das Kriegsministerium

wird an einem noch festzusetzenden Zeitpunkt er­folgen. Der marxistischePopulaire", das Blatt oes Ministerpräsidenten, begrüßt diese Maßnahme als Verwirklichung eines weiteren Punktes des Volksfrontprogramms.

Südafrikas Rüstungsp'äne.

London, 14. März. (DNB.) WieSunday Dispatch" meldet, äußerte sich der südafrikanische Verteidigungsminister P i r o w zu den Rüstungs­plänen der Union. Die Pläne umfassen eine B e - feftigung der Robben-Insel in der Tafel­bucht, die industrielle Mobilmachung und die Errichtung von W a f f e n f a b r i f e n. Die Südafrikanische Union benötige 1000 Flieger und 750 Flugzeuge. Ferner solle eine mechanisierte Landstreitmacht von 50 000 Mann mit einer Tankabwehrtruppe sowie Artillerie- und Gas­abwehreinheiten gebildet werden. Die Reserve solle aus weiteren 50 Ono Mann bestehen.

Englische Bergarbeiter über das Sowjet-Paradies.

London, 14. März (DNB.) Eine Abordnung englischer Bergknappen, die soeben von einer Reise durch Sowjetrußland zurückgekehrt ist, faßt ihre Eindrücke in einer öffentlichen Erklärung zusam­men, die in der Feststellung gipfelt, daß sie in Sow­jetrußland entgegen den Lobpreisungen jüdisch-bol­schewistischer Agitatoren nichtdaskommende Himmelreich" gefunden habe. In dem Be­richt wird u. a. auf die kümmerlichen Wohnungsver- hältniffe, die haarsträubenden hygienischen Zustände und die beinahe unbefahrbaren Straßen imSow­jetparadies" hingewiefen. Die Abordnung geißelt schließlich die Heranziehung von Frauen zu schwerer Arbeit in den sowjetrusfischen Bergwerken.

Zuffolims Besuch in Libyen.

Als Freund des Islams gefeiert.

R o m , 15. März. Der Duce begab sich am Sonn­tag von Cyrene über Barce nach B e n g h a s i. In allen Orten wechselten Reiterspiele der Araber mit volkstümlichen Darbietungen der Frauen und Kinder italienischer Kolonisten ab. Große Kund­gebungen wurden Mussolini besonders in Barce und Tokra zuteil, wo er immer wieder als der Freund und Beschützer der Mohammedaner ge­feiert wurde. Gegen Abend kam der Duce mit der langen Automobilkarawane feines Gefolges und den 150 Journalisten, die feine Fahrt begleiteten, in Benghafi, der Hauptstadt der Provinz Cyre- naica, an.

Unfreundliches Echo in London.

London, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenblätter berichten ausführlich über die Triumphfahrt Mussolinis durch Libyen. Aus den Erklärungen Mussolinis werden die Stellen stark her­ausgehoben, wonach Italien Freund und Be­schützer des Islam sei und die Gegenüberstel­lung des religiösen Friedens in Libyen und der Unterdrückung der Araber in Palästina und anderen -Teilen Afrikas und Vorderasiens werden von der Presse stark herausgestellt. DerDaily Telegraph" ergeht sich in gehässigen Ausfällen gegen Italien und schreckt auch vor Verunglimpfungen der kolonialen Tätigkeit Italiens in Libyen und Abessinien nicht zurück.

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Voce d'Jtalia" betont, die Reise sei ein Beweis der Stärke und der Macht wie zugleich der Kultur und des Friedenswillens des faschistischen Italiens. Nach der militärischen und politischen Durchdrin­gung seien die Vorbedingungen zur zielbewußten

friedlichen kolonisatorischen Tätigkeit gegeben. Eine neue Gemeinschaft zwischen Italienern und Eingeborenen werde sich wie in Libyen so auch in Aethiopien verwirklichen lassen, und das um so schneller, je mehr sich ausländische Provo­kateure in unsauberen Machenschaften ergingen. Der Duce habe mit feiner Libnen-Reise den Frie­den zwischen den Völkern und Geistern feierlich be­stätigt. Dieser Tatsache sollten aber auch alle die Rechnung tragen, die die imperiale Reise des ita­lienischen Regierungschefs nur durch die Brille ihres eigenen Grolls und ihrer merkantilen Kurz­sichtigkeit zu sehen vermögen.

Fünf katholische Vikariate für Aethiopien.

Rom, 14. März. (DNB.) Zur endgültigen Rege­lung der religiösen Organisation der katholischen Kirche in Aethiopien soll das Kardinalskollegium beschlossen haben, das Gebiet von Aethiopien i n fünf Vikariate einzuteilen, die mit den staat­lichen Verwaltungsbezirken übereinstimmen. Zum Oberhaupt dieser fünf Vikariate soll vom Vatikan ein päpstlicher Legat ernannt werden. Bisher unterstanden die Organisationen der katholischen Kirche in Aethiopien dem päpstlichen Legaten für Aegypten, Palästina, Arabien und Transjordanien. Den fünf Vikariaten fällt die Aufgabe zu, die römisch-katholische Bevölkerung von Abessinien, in der Hauptsache also die italienischen Siedler, Mili­tärpersonen und Beamten, seelsorgerisch zu betreuen, während die Eingeborenen, die der koptischen Kirche angehören, nach wie vor der Kongregation der Kirche des Ostens unterstehen.

Die deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakei.

Prag, 13. März. (DNB.) Nach der Ablehnung eines Entwurfes des Prager Unterrichtsministe­riums über eine Neuregelung der Hochschulange­legenheiten hat das Ministerium neuerlich einen Entwurf den deutschen Hochschulen zugehen lassen. Der Senat der deutschen Universität in Prag und die Professoren-Kollegien der beiden deutschen tech­nischen Hochschulen in Prag und Brünn stellen fest, daß der neue Entwurf die verfassungsmäßig gewährleistete Lehr- und Lernfreiheit an den deutschen Hochschulen völlig untergräbt, weil er das freie Vorschlagsrecht des Professo­renkollegiums bei Besetzung von Lehrstühlen un­terbindet. Es kann nach dem Entwurf jeder Vorschlag des Professorenkollegiums abgelehnt und bei einer Neubesetzung der Vorschlag "einer Fach­kommission eingeholt werden, die in ihrer Mehr­heit aus tschechischen Professoren be­steht, während bei der Besetzung einer Lehrkanzel an tschechischen Hochschulen kein Mitglied der Fach­kommission den deutschen Hochschulen entnommen wird. Der Entwurf müßte also allmählich den deut­schen Charakter der Hochschulen austilgen. Ebenso unmöglich sind Disziplinarverfahren gegen deutsche Hochschulprofessoren vor Disziplinarsenaten m i t nichtdeutschen Mitgliedern, der einzige Staat, der einen Vergleich mit der Tschechoslowakei zuläßt, Belgien, kennt bei Hochschullehrerernen­nungen nur einen Vorschlag der Fakultät und hat Überdies peinliche Vorschriften zur Verhütung des Einflusses der anderen Nationalitäten auf die Be­setzung von Lehrstühlen getroffen.

Volksiumskampf

im osteuropäischen Raum.

Die volksPolitischeBedeutung derSiedlung.

S t u 11 g a r t, 15. März. (DNB.) Auf der Tagung des Bundes deutscher Osten stellte Professor Dr. Oberländer (Königsberg) den volkspoliti­schen Gedanken in den Mittelpunkt. Er schilderte, mit welcher starken Zielstrebigkeit z. B. der W e l t b u n d der Polen, der Polnische Westmarkenbund sowie

die polnische See- und Kolonialliga für die Behaup­tung, Stärkung und Ausdehnung des polnischen Volkstums arbeiteten. Diplomingenieur R. Jung wies besonders darauf hin, wie zäh und zielbewußt der Tscheche seine nationalen Ziele verfolgt. Kreisleiter Reiter, M. d. R., sprach überS a ch - fen als Grenzlan d". Landesgruppenleiter H a r 11 i e b (Breslau), ließ in seinem Vortrag Dolkstumskampf in Schlesien" die Lage der Volksgruppen in diesem für das deutsche Volk außerordentlich wichtigen Grenzland erkennen.

Eine zweite Rede von Professor Dr. Oberlän­der umriß noch einmal zusammenfassend die für das deutsche Volk wichtigen Aufgaben des BDO. Das Grenzland dürfe nicht als etwas aufgefaßt wer­den, das am Rande der Dinge liege; gerade an den Grenzen des Reiches gehe es stets um den Be­stand und die Zukunft unseres Volkes. Im Zusammenhang mit den Fragen des deutschen Ostens unterstrich der Redner die Notwendigkeit einer

richtigen und planmäßigen Förderung der Sied­lung. Aus den Erfordernissen des Lebens heraus müsse dies geschehen ohne jede bürokratischen Hem­mungen, denn die Siedlungsfrage fei unlöslich ver­bunden mit der Erhaltung der Kraft unseres Volkes, die gerade für den Grenzlandkampf von entscheiden­der Bedeutung fei. Eingehend sprach Professor Ober­länder dann über die Judenfrage im gesamten osteuropäischen Raum. Das osteuropäische Judentum erweist sich als der b e ft e Propagandist des Bolschewismus. Bemerkenswert sei dagegen, daß das echte Bauerntum in ganz Osteuropa antisemitisch denke. Darum sei erforderlich, in ganz Osteuropa über das Wesen des Bolschewismus eine klare Vorstellung zu schaffen. Entscheidend aber für die deutsche Grenzlandpolitik werde sein, in unse­rem Volke wirkliches Verständnis für den volks- politischen Gedanken zu schaffen. Ein leben­diges Band zwischen dem Osten und dem Westen müsse geschaffen werden.

Das Deutschtum in Lettland.

Wachsende Zusammenarbeit der deutschen Volksgruppe.

Riga, 15. März. (DNB.) Die Tagung der Zen- tralorgonifation der deutschen Volksgruppe in Lett­land, derDeutsch - baltischen Volksge­mein s ch a f t", stand im Zeichen des ungebrochenen Lebenswillens des Deutschtums in L""' mb. Aus allen Berichten ging hervor, daß trotz. _r Schwie­rigkeiten in mühevoller Kleinarbeit eitle geschlossene lebflfbige Volksgemeinschaft, di» >fUe Deutschen Lettlands umfaßt, geschaffen tu "-"Der Präsident derDeutsch-baltischen Volksgen^inschaft, Muen - del, stellte fest, daß der Wille zur Einigung bei allen deutschen Volksgenossen in Lettland gewach­sen sei. Es habe sich ein gangbarer Weg der p r a k- tischen Zusammenarbeit aller deut­schen Jugendgruppen gefunden. Die Mit- aliederzahl der Deutsch-baltischen Volksgemeinschaft fei gegenüber 1935 auf das Doppelte (auf über 20 000) gestiegen. Im Zusammenhang mit der von der Staatsführung Lettlands angeiünöigten Be­gründung einer l e 11 l ä n d i f ch e n Kultur- Cammer habe er in einer Eingabe an den Staats­präsidenten bargelegt, baß bas "kulturelle Leben der

deutschen Volksgruppe in Lettland nur dann gc dcihen könne, wenn wenigstens die noch heute be­stehenden deutschen kulturellen Organisationen un­geschmälert weiter arbeiten könnten. Kulturautonomie erschöpfe sich nicht in Schulautonomie. Kulturautonomie bestehe vielmehr in der Möglichkeit der Pflege völkisch-kulturel­len Lebens in vollem Umfang dieses Wortes Die Wirtschaftslage der deutschen Volks­gruppe in Lettland zeige leider eine ständige Verschlechterung. Viel Sorge bereite die Tat- sache, daß eine große Anzahl deutscher Volksge­nossen in Lettland nicht in der Lage sei, Erwerb und Beschäftigung zu finden, um den Lebensunter­halt für sich und ihre Familie zu verdienen. Der deutschen Jugend in Lettland gelinge es nur sehr schwer und nur zu einem geringen Teil, nach Be­endigung der Schule und Berufsausbildung sich in Öen normalen Wirtschaftsprozeß einzugliedern. Hier müßten alle Anstrengungen gemacht werden, um Abhilfe zu schaffen.