Auf dem Lande ist die Brandgefahr noch größer, die Mahnung: ^,Sch s in der Stadt. Das Rauchen in Ställen und | Helft Feuer verhüten!
als in der Stadt.
big ab.
Diese wenigen Beispiele zeigen, daß für jeden einzelnen die Möglichkeit besteht, zu einem Teil zur Feuerverhütung beizutragen. An jeden ergeht ' .Schützt Leben und Sachwerte!
In Räumen, in denen ein Ofen- oder Herdfeuer oder eine Gasflamme brennt, oder die mit solchen Räumen in Verbindung stehen, dürfen brennbare Flüssigkeiten nicht benutzt werden.
Geflickte Sicherungen an elektrischen Anlagen sind immer gefahrbringend. Durchgebrannte Sicherungen dürfen daher niemals durch Drähte oder Nägel ersetzt werden, sie sind sofort gegen neue Sicherungen auszuwechseln.
Fehlende Unterlagen unter Oefen, fehlende Ofenbleche, schadhafte Feuerungstüren, undichte oder fehlende Reinigungstüren an Schornsteinen, Risse in Schornsteinen, unoorschriftsmäßig aufgestellte Oefen und unvorschriftsmäßig angelegte eiserne Ofenrohre führen oft zu Bränden. Jeder Hauseigentümer lasse daher regelmäßig alle Feuerstätten und Schornsteine durch einen Fachmann nachsehen und die festgestellten Mängel rechtzeitig beseitigen.
Das Spielen von Kindern mit Streichhölzern ist stets mit Feuersgefahren verbunden. Streichhölzer sollen daher immer so aufbewahrt werden, daß Kinder sie nicht erreichen können.
Feuerverhütung-eine volkswirtschaftliche Pflicht
Zum Tag der deutschen Polizei 1937.
Scheunen und das Betreten dieser Räume mit offenem Licht kann leicht unabsehbare Folgen haben.
Eine besondere Gefahr für das Land ist der Blitz. Die Blitzgefahr ist aus dem Lande größer als in den Städten. Jedes Haus auf dem Lande, jedes landwirtschaftliche Gehöft, sollte dahe? -fe. t einer von einem Fachmann vorschriftsmäßig y.-^cllten Blitzableiteranlage versehen sein.
Wichtig ist auch die Verhütung von W a l d - und Heidebränden. Der Wald, der einen beträchtlichen Teil unsers Volksvermögens bildet, ist Gemeingut aller. Es liegt daher im eigensten Interesse eines jeden, unsere schönen deutschen Wälder vor Vernichtung durch Feuer zu bewahren. Zahlreiche Waldbrände sind auf Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit zurückzuführen und könnten bei einiger Vorsicht vermieden werden. Im Sommer darf im Walde überhaupt nicht geraucht werden! Beim Abkochen im Freien ist größte Vorsicht zu üben, nur an freien und windgeschützten Stellen, abseits vom Walde darf ein Feuer entzündet werden. Beim Verlassen der Feuerstätte muß das Feuer vollständig gelöscht werden; in der Asche dürfen sich keine Funken mehr befinden, damit nicht etwa aufkommender Wind sie weitertragen kann. Am besten deckt man die Feuerstellen mit nasser Erde vollstän-
Tierschutz — aber kein Echmierschutz!
Glatteis-aber kein Beinbruch.
Angesichts der betrübenden Tatsache, daß in Deutschland jährlich über 400 Millionen Mark an Sachwerten durch Brände vernichtet werden, viele hundert Menschen bei Bränden ihr Leben verlieren und viele Tausend- dabei schweren Schaden an ihrer Gesundheit erleiden, sollte jeder deutsche Volksgenosse in der Stadt oder auf dem Land, zu der Einsicht kommen, daß auch er zu einem Teil dazu beitragen muß, Brände zu verhüten.
Ieder Brand zerstört deutsches Volksvermögen! Auch wenn die Verluste des vom Brande Betroffenen durch Versicherung gedeckt sind, ist doch der Schaden, der dadurch der Allgemeinheit durch Vernichtung von Volksvermögen zugeführt wird, durch nichts wieder gutzumachen.
Feuersbrünste bedeuten fast immer Lebensgefahr, Zerstörung von Hab und Gut, sowie Not und Armut für den einzelnen. Durch Brände werden Altertümer und Kunstwerke vernichtet, die niemals zu ersetzen sind; durch Brände werden häufig auch Betriebsstörungen in Fabriken und Werkstätten verursacht, die einen Ausfall von Arbeitsmöglichkeiten für Hunderte von Arbeitern bedeuten. Die Vernichtung von Rohstoffen durch Schadenfeuer würde sich heute ganz besonders ungünstig auf die Durchführung des Vierjahresplanes der Reichsregierung auswirken. Jeder Deutsche muß daher von der Richtigkeit des Satzes überzeugt werden: „Feuerschadenverhütung ist besser als Feuer- schadenvergütun g".
Nur wenige Volksgenossen wissen, daß die alljährlichen Verluste durch Schadenfeuer zum größten Teil vermieden werden können, da nachgewiesener- mclßen drei Viertel aller Brände durch Unvorsichtigkeit und Nachlässigkeit verschuldet sind und bei richtigem Verhalten des einzelnen verhütet werden könnten! Aber nur beim planmäßigen, tatkräftigen Vorgehen aller Volksgenossen in der Brandverhütung können auch auf diesem Gebiete Erfolge erzielt werden, wie sie uns auf anderen Gebieten, z. B. bei der Bekämpfung von Epidemien und Seuchen, beschieden gewesen sind.
Wenn auch Schadenfeuer nicht ganz zu vermeiden sind, da stets durch Blitzschlag, Material- fehler und Betriebsvorkommnisse Brände verursacht werden können, so kann ihre Zahl durch sachgemäßes Verhalten des einzelnen Volksgenossen beim Umgänge mit Feuer und Licht und feuergefährlichen Stoffen doch ganz erheblich eingeschränkt werden.
Die genaue Kenntnis aller Brandgefahren und Brandurfachen in Haus und Hof, in Wald und Feld, ist die unerläßliche Voraussetzung für Feuerverhütung.
Im Haushalt werden immer wieder dadurch Brände hervorgerufen, daß glühende Asche in Holzoder Pappkasten geschüttet wird, daß Glut aus dem Kochherd oder dem Zimmerofen auf einer Schaufel durch die Wohnung getragen wird, daß flüssige Brennstose z>l nah an Feuer ad gestellt öder gar zum Anmachen ins Feuer gegossen werden. Aus dem Ofen können glühende Kohlenstückchen heraus- fallen und den Fußboden ober den Teppich in Brand setzen. Elektrisch geheizte Bügeleisen, die unbeaufsichtigt unter Strom stehen gelassen werden, führen fast täglich zu Bränden. Sehr häufig werden auch Brände durch glühend gewordene eiserne Oefen oder Ofenrohre verursacht, wenn brennbare Gegenstände in ihrer unmittelbaren Nähe stehen oder lagern, wie Möbelstücke, Betten ober Gerümpel auf dem Hängedoben, über ben das Ofenrohr des Badeofens führt.
Zahlreiche Brände sind auf das Betreten von Böden und Kellern mit unbewahrtem Licht zurückzuführen. Wenn elektrisches Licht nicht vorhanden ist, sollen beim Betreten dieser Räume nur geschlossene Laternen mit Kerzen, besser noch elektrische Taschenlampen benutzt werden. Auf keinen Fall soll man, auch wenn der Aufenthalt nur kurze Zeit dauert, ein Streichholz zur Beleuchtung benutzen.
Unkenntnis beim Umgänge mit brennbaren Flüssigkeiten, namentlich mit Benzin beim Reinigen von Kleidungsstücken, hat schon manchen Unglücksfall herbeigeführt. Jeder muß wissen, daß Benzin leicht verdunstet, und daß die entweichenden Dämpfe sich leicht entzünden und dünn schwere Explosionen auslösen können.
Von dem derzeitigen stellvertretenden Leiter der Polizeidirektion Gießen, Polizeiverwaltungsoberinspektor Beate, wird uns folgendes mitgeteilt:
Wir befinden uns in der Polizeiaufklärungswoche. In erster Linie gilt unsere Aufklärung der Jugend. Wo es notwendig ist, soll die aufklärende Arbeit | auch an die Erwachsenen unserer Stadt Gießen herangetragen werden. Und — liebe Volksgenossen und Volksgenossinnen — es ist nötig, auch einmal eine mahnende Bitte Vorbringen und dabei gleichzeitig hoffen zu dürfen, daß diese Zeilen genügen, um Mißstände zu beseitigen, deren Abstellung ein großer Teil unserer Einwohnerschaft mit Freude begrüßen würde.
Unsere Stadt und ihre Einwohner erfreuen sich des Besitzes vieler treuer und schöner Hunde. Das ist recht und aut so. Wie ist es schön, einen treuen Hund als Beschützer, Führer oder als Freund, der selten enttäuscht, sein eigen nennen zu können. Jeder einigermaßen edeldenkende Mensch wird das ihm gehörige und anvertraute Tier, insbesondere die auch mit guten Gaben ausgestatteten Hunde, liebevoll und pfleglich behandeln. Das Tier wird durch treue Anhänglichkeit seinem Herrn danken.
Hunde, liebe Mitbürger, müssen aber auch erzogen sein. In letzter Zeit sind von vielen Seiten Klagen über das Verunreinigen der Straßen, insbesondere der Gehsteige, durch Exkremente von Hunden bei der Polizei eingelaufen. Leider sind diese Klagen berechtigt. Auch unsere Beamten haben die gleichen Beobachtungen gemacht und sind deshalb angewiesen, gegen diesen ekelerregenden und der Sauberkeit der Straßen ins Gesicht schlagenden Mißstand mit aller Strenge vorzugehen.
Wenn es, was leider vorkommt, noch Hundebesitzer gibt, die ihre Schutzbefohlenen, an der Leine führend, ihre nicht nur kleinen, sondern auch großen Geschäfte auf die Bürgersteige machen lassen, so ist dies im Hinblick auf die den Fußsteig begehenden Personen — gelinde gesagt — sehr unfair und tadelnswert. Die Hunde sollen und müssen so gezogen sein, daß sie ihre Notdurft an weniger zu beanstandenden Stellen als gerade auf die Bürgersteige verrichten. Jedem Tier und besonders dem Hund ist dies bei einigermaßen Erziehungsarbeit beizubringen. Wo nicht — das sind seltene Fälle — haben die Besitzer dieser Hunde die Pflicht, ihre Tiere an die für derartige Auswürfe geeigneten Stellen zu führen oder führen zu lassen.
Da wir uns noch in der Aufklärungswoche befinden, sollen diese kurzen Zeilen dazu dienen, alle Volksgenossen, die Hunde besitzen, zu bitten, ihr Augenmerk auf diesen Uebelstand zu richten und alles zu tun, daß diese unschöne, leider vielfach zur Gepflogenheit gewordene Unart recht bald und für immer hier verschwindet, widrigenfalls wir uns
leider genötigt sehen, auf Grund des § 7 der Polizeiverordnung, betr. die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießen vom 15. 4.1929, strafend vorzugehen.
*
Das gestern unverhofft eingetretene Glatteis hat leider wieder bewiesen, daß es viele Hauseigentümer und Besitzer von bebauten und unbebauten Grundstücken gibt, die entgegen dem § 3 der Polizeiverordnung, betr. die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießne vom 15.4.1929, ihre Bürgersteige und sonstigen Grundstücke vom Eis erst befreien, wenn sie hierzu höflichst von einem Polizeibeamten aufgefordert worden sind. Dieses Gebaren, durch das vielleicht Menschen infolge Ausgleitens auf der nichtgestreuten Eisfläche zu schwerem Schaden kommen, ist falsch und unverantwortlich. Neben gerichtlicher Bestrafung können auch noch zivilrechtliche Forderungen entstehen. Die Polizei hat leider nicht die Beamten und auch nicht die Zeit dafür, jeden säumigen Hauseigentümer oder Besitzer eines sonstigen Grundstückes persönlich auffordern zu lassen, streuen zu wollen. Das Streuen hat nicht nur einmal am Tage zu erfolgen, sondern so oft sich die Notwendigkeit hierzu ergibt.
Die Polizeidirektton Gießen und alle ihre Beamten bitten deshalb die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Gießen, im Interesse aller ihrer Mitbürger und nicht zuletzt im Interesse der möglichsten Verhinderung von Unglücksfällen ihre Staatsbürgerpflicht bezüglich des zuverlässigen Streuens der beeisten Bürger- und Fahrsteige zu erfüllen und sich dabei des Dankes aller Volksgenossen und Volksgenossinnen gewiß zu sein.
Uundsunkproararnm
Samstag, 16. Ianuar.
6 Uhr: Choral. — Margenspruch. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Auf zum Staatsjugendtag. Sanitätsprüsung für das Leistungsabzeichen. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu? 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.40: Landfunk 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Prinz Karneval in Sicht! Aufmarsch des Narrenstabes. 15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.15: Wir bemerken dazu . . 15.30: Die Königsberger Lektion! Hörspiel. 16: Froher Funk für alt und jung. Bunter Nachmittag. 18: Unsere Polizei musiziert anläßlich des Tages der deutschen Polizei. 19.30: Der Zeitfunk bringt die Wochenschau. 19.55: Ruf der Jugend. 20: Nachrichten. 20.10: Aus dem Füllhorn der Heiterkeit. Ein bunter Abend aus der Scheffelhalle in Singen
Oberhessen.
40 Jahre Freiwillige Feuerwehr 7l eder-Bessingen.
£ Nieder-Bessingen, 13. Januar. Am 17. Januar sind es 40 Jahre, daß sich in unserer Gemeinde entschlossene Männer fanden, bie eine freiwillige Feuerwehr gründeten. Der erste Kommandant der Wehr war Georg H a u, der die Wehr bis 1925, fast 30 Jahre, während aller guten und schweren Jahre geführt hat. Zum Dank und als Anerkennung wurde er, der heute noch sehr rüstig ist, zum Ehrenkommandanten ernannt. Außer ihm leben noch 15 weitere Gründer, die auch alle über 30 Jahre aktiv in der Wehr tätig waren und dafür bereits ausgezeichnet wurden. Es sind dies die Kameraden Konrad K l ö s , Heinrich Roth VI., Heinrich Lutz IV., Heinr. Klos III., Heinr. Lotz II., Johann Walther VII., Philipp Damm, Georg Roth VII., Jobann L o tz I., Wilhelm Lotz III.. Heinr. Roth VII., Wilhelm Fach, Adam R o t h I.. Heinrich Zimmer, Johann Schloß inger.
Von den Kameraden, die feit der Gründung der Wehr angehören, ist Kamerad Georg Roth VII. heute noch aktiv tätig. Während dieser vier Jahrzehnte hat die Wehr in manchem Ernstfälle eingreifen müssen. So wurde die Wehr zu Großbrän- den nach Lich, Ettingshausen und Nonnenroth gerufen, wo sie tatkräftig eingreifen mußte. Der derzeitige Kommandant Otto Brück führt die Wehr seit 1925 und ist sie bei ihm in bewährten Händen.
Lonvkr-tH (Diesen
♦ Wieseck, 15. Jan. Dieser Tage begann hier der e r ft e Luftschutzlehrgang für 60 Teilnehmer. Der Schulungsleiter der Ortsgruppe Gießen des Reichsluftschutzbundes, Dr. Die h l, eröffnete den Lehrgang; anschließend sprach Bürgermeister Euler über die Aufgabe des Luftschutzes und seine Bedeutung. Dann folgten die Vorträge über Sinn, Zweck und Organisation des Luftschutzes.
* Lollar, 15. Jan. Der Geflügel- und Brieftauben - Zuchtverein Lollar veranstaltet am Samstag und Sonntag in Lollar eine große Geflügelschau. Weit über 200 Tiere fast aller Rassen und Farbenschläge werden sich dem Urteil zweier bekannter Preisrichter zu stellen haben, nachdem die hiesigen Züchter bereits auf den vergangenen großen Schauen in Marburg, Frankfurt und Leipzig mit ihren Tieren hohe Auszeichnungen errangen. Zahlreiche Ehrenpreise von den Buderus« schen Eisenwerken, der Gemeinde, der Ortsbauernschaft, von privaten Firmen und Geschäftsleuten werden für die Züchter verdiente Anerkennung bedeuten.
* Daubringen, 15. Jan. Der hiesige Gärtner Vogel, der bei der Friedhofsverwaltung in Gießen beschäftigt war und dieser Tage bei der Heimfahrt zu Rade nach Daubringen von dem Anhänger eines Lastkraftwagens gestreift und zu Boden geworfen wurde — wobei er einen schweren Schädelbruch erlitt — ist gestern an den Folgen der erlittenen Verletzung in der Chirurgischen Klinik zu Gießen erlegen.
ch Ettingshausen, 15. Jan. Bei der dieser Tage abgehaltenen Holzversteigerung wurden für je zwei Raummeter folgende Preise erzielt: Buchenscheitholz 23 bis 24 Mark, Buchenrundschstt 18 bis 19, Buchenknüppel 15 bis 17, Buchenreisig (50 Wellen) 9 bis 10, Kiefern-Rundscheit 10 bis 12, Kiesern-Knüppel 8 bis 9,50, Fichten-Rundscheit 10 bis 12 und Fichten-Knüppel 6 bis 8 Mark.
■y Watzenborn-Steinberg, 14. Januar. Die Schäfereiaese 11s ch a ft Watzenborn hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung ab. Vorsitzender (Salzmeister) Karl Happel V. gab den Jahresbericht bekannt. Die Mitgliederzahl ist auf 26 angewachsen, der Schafbestand ist um 50 Stück gestiegen und zählt jetzt 160 Tiere.
< Ällendorf (Lahn), 14. Jan. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde gestern der letzte Altveteran der Kriege 1866 und 1870/71, der Rentier Heinrich Häuser, zu Grabe getragen. Mit ihm ist gleichzeitig auch der älteste Einwohner unserer Gemeinde von uns gegangen. Er stand im 91. Lebensjahr und war noch bis vor kurze Zeit geistig und körperlich überaus rüstig. Der hiesige Kriegerverein gab seinem ältesten Mitglied das Ehrengeleit, ebenso auch eine uniformierte Militärkapelle. Lehrer Faber sprach für den Krieger-
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Vas fremde Gesicht.
Vornan von Caren.
17 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Als Serge zu mir zurückkam, war er noch immer bleich, aber nicht aus Zorn, sondern eher aus Erschöpfung. 5)aft du ihn endlich gehen lassen? fragte ich ihn. Aber er schüttelte nur wie abwesend den Kopf, das ist leichter gesagt als getan, Kind. Leute wie Monno lassen sich nicht einfach rauswerfen. Du verstehst das nicht. Aber er läßt sich bei dir entschuldigen, und du wirst ihn in Zukunft kaum mehr zu sehen bekommen.
Ich verstand wirklich nicht, aber ich sagte mir, es wäre besser, die Geschichte jetzt ruhen zu lassen und lieber später einmal darauf zurückzukommen. In vierzehn Tagen sollten wir heiraten, in aller Stille, beinahe heimlich, wie ich es gewünscht hatte. Wenn ich seine Frau bin, wird er vielleicht eher auf mich hören, dachte ich. Ach, wenn ich gewußt hätte..."
Evelyn stockte und warf einen beinahe ängstlichen Blick auf Alland, der ihr in teilnehmendem Schweigen zugehört hatte. Sie strich sich mit einer müden Gebärde über die Stirn.
„Manchmal ist mir, als ob all das Frühere, auch wenn es nur erst ein paar Wochen zurückliegt, gar nicht wirklich wäre, gar nicht zu meinem wahren Leben gehörte. Es ist, als wäre das alles nur ein Traum gewesen, ein immer bebrücfenberer Traum, aus dem man voller Angst erwacht — und bann plötzlich bist du ba unb bas wirkliche Leben, die wirkliche Liebe, und alles ist gut... Aber wenn ich bann ben Zeitungsausschnitt ansehe, ben ich dir gezeigt habe, bann weiß ich gleich roieber, baß es nicht gut ist — unb niemals mehr gut werben kann."
Sie starrte, wie von töblicher Mübigkeit befallen, verzweifelt vor sich hin.
Er mußte alle ärztliche Selbstbeherrschung auf- wenben, um seine Erschütterung vor ihr zu verbergen. Mit sanfter Eindringlichkeit begann er das weitere Geschehen aus ihr herauszufragen.
„Du hast es ja schon gelesen, es steht ja alles in der Zeitung", versuchte sie zuerst gequält auszu
weichen. Aber dann, nach und nach, vermochte Alland sich doch aus ihren stockenden Worten die Ereignisse jenes Tages deutlich zu machen, der eigentlich für ihre Hochzeit bestimmt gewesen war.
*
Evelyn ist, um ihren Verlobten, der sie zum Standesamt abholen will, ja nicht warten zu lassen, schon eine ganze Stunde früher bereit, als notwendig ist. Sie steht fertig angezogen in dem eleganten Nachmittagskostüm, bas sie sich zur Trauung hat machen lassen, am Fenster unb schaut zerstreut auf bie Straße. Plötzlich fährt sie auf von dem Geräusch eines heftig bremsenben Autos. Schon zu spät...? Nein, ein frember Wagen, unb ber Mann, ber eben hastig aussteigt, ist auch nicht Ostrowski, sonbern Monno, ben sie in den letzten zwei Wochen wirklich kaum mehr zu Gesicht bekommen hat. Was will er hier, heute, jetzt? Wenn er eine Botschaft zu bringen hat, kann es nur eine Unheilsbotschaft sein. Was ist geschehen...?
Sie ruft es dem Eintretenden entgegen, kaum daß sie sein erregtes Gesicht im Türrahmen sieht. Er antwortet mit erkünstelter Ruhe: „Noch nichts — aber es wird in ein paar Minuten geschehen! Die Polizei hat eben Ostrowskis Haus in ben Champs-Elysöes umstellt, um ihn zu verhaften! Wegen irgenbeiner Betrugsanzeige vermutlich, ober es ist sonst etwas los — es gibt ja Auswahl genug. Ich hatte mich heute zufällig verspätet, sonst säße ich auch in ber Mausefalle. In einer Viertelstunbe vielleicht wird bie Polizei auch hier sein. Sie müssen fliehen, sofort, mein Auto steht drunten. Es ist keine Minute zu verlieren!"
Evelyn hat bas Gefühl, als ob ein Erdbeben plötzlich ben Boben unter ihr aufgerissen hätte.
„Unb — Serge?" stößt sie hervor.
„Der wirb sich schon irgenbrote herausziehen — bei seinen Verbinbungen! Aber wir müssen ver- schwinben, ja, Sie auch, bas ist bas einzige, was wir im Moment für ihn tun können. Ich handle gewissermaßen in feinem Auftrag."
Einen Augenblick ist in ihr der Gedanke aufgeblitzt: „Wenn bas alles womöglich nur Theater ist?" Aber nein, bas wäre zu sinnlos. Seine Aufregung ist echt.
„Wohin fahren wir?" fragt sie mit einer Ruhe, bie sie selbst erstaunt, als sie schon neben Monno
im Auto sitzt, dessen Verdeck er vorsorglich hochgeschlagen hat.
„Nach Marseille, zu guten Freunden", antwortet er, ohne bas Auge von ber Straße zu lassen, wäh- renb er ben Wagen mit möglichster Geschwindigkeit durch ben bichten Verkehr steuert.
„Gut, aber erst fahren wir durch die Champs- Elyses", bestimmt sie kühl, als ob sie einem Chauffeur eine Anweisung gäbe.
„Ein Wahnsinn", stößt er zwischen den Zähnen hervor, „benfen Sie, ich mache Witze? Aber meinetwegen!"
Mit einer verächtlichen Grimasse steuert er gegen bie Elysees zu. Doch kurz vor bem Ziel müssen sie in eine Seitenstraße abbiegen. Die Hauptstraße ist durch Ueberfallwagen ber Polizei gesperrt. Monno tritt auf ben Gashebel, so baß ber Wagen einen Sprung macht, und wendet dabei einen Augenblick Evelyn sein Gesicht zu, in dem nichts als höhnischer Triumph zu lesen ist. In dieser Sekunde wird ihr blitzartig klar: „Das alles ist sein Werk, er hat bie Polizei auf Ostrowski gehetzt, aus Rache vielleicht ober einfach, weil er mich haben wollte." Unwillkürlich macht sie eine Bewegung nach bem Türgriff, als wolle sie aus bem fahrenben Wagen springen. Es ist nur eine vage Geste, bie Monno aber sofort richtig beutet. Ohne sie anzusehen, ohne bie Hänbe vom Volant zu lassen, sagt er in ruhigem Unterhaltungston, als handle es sich um bie selbstverständlichste Sache ber Welt:
„Eine oerbammt unangenehme Geschichte, auch für Sie, Mabemoiselle. Natürlich wirb kein Mensch Ihnen glauben, daß Sie nichts von unseren Geschäften gewußt haben. Unb wenn man erst mal in Untersuchungshaft sitzt... In Marseille kann man ziemlich spurlos verschwinden unb erst einmal abwarten, wie bie Sache läuft. Schließlich haben wir auch gute Freunde in ber Kriminalpolizei unb sogar in ber Staatsanwaltschaft. Man muß sie nur zu benützen verstehen."
♦
Man kann die Strecke Paris—Marseille in 18 Stunden fahren, mit einem guten Wagen unb einem Fahrer, wenn man nirgenbs länger Station macht, als nötig ist, um in irgenbeinem kleinen Laben etwas Mundvvrrat zu kaufen oder irgendwo Benzin aufzufüllen. Sie hatten unterwegs kaum
mehr als das Notwendigste gesprochen. Und Evelyn war halbtot vor Aufregung und Müdigkeit, als sie gegen fünf Uhr morgens durch das noch ziemlich menschenleere Marseille fuhren, dessen Straßen man, ohne anzuhalten, durchquerte. Die eigentlich« Stadt lag schon beinahe hinter ihnen, als Monno plötzlich von ber breiten Avenue be Prabo in ein« schmale Seitenstraße abbog unb halb vor einem unauffälligen Privathaus hielt. Evelyn sah, haH schlafend, einen merkwürdigerweise schon zu fo früher Stunde völlig angekleideten Diener daß Gittertor Öffnen. Man schien sie erwartet zu haben. Ein Stubenmädchen in weißem Häubchen nahm Evelyns kleinen Tvilettenkoffer in Empfang, der. schon für die Hochzeitsreise gepackt, bei der Flucht noch im Auto Platz gefunden hatte. Man ging eine teppichbelegte Treppe hinauf, das Mädchen öffnete die Tür zu einem kleinen, aber hübsch möblierten Fremdenzimmer.
„Wünschen Madame vielleicht ...?"
Nein, Evelyn wünschte gar nichts, als zu schlafen. Und im übrigen war sie nicht „Madame", sondern Mademoiselle. Das höflich-verdutzte Gesicht des Mädchens war der letzte Eindruck, den sie noch in ihren wie eine Ohnmacht tiefen Erschöpfungsschlaf hinübernahm ...
Als Evelyn aufwachte, mußte sie sich mühsam zurechtfinden. Wo war sie überhaupt? Was hatte sie gestern eigentlich erlebt? Gestern — ober wann ...? War biefe Dämmerung Morgen ober Abenb?
Langsam kehrte ihr bie Erinnerung zurück. Die Armbanduhr zeigte halb sechs, sie mußte fast zwölf Stunden geschlafen haben. Was mochte inzwischen alles geschehen sein ...
Sie war noch nicht ganz angetleibet, als es vorsichtig an bie Tür klopfte unb bas Stubenmädchen erschien, ein Tablett mit Tee unb Sandwiches in ber Hanb. Ob Mabame vielleicht erst eine Tasse Tee nehmen wollten? Monsieur Monno erwarte Mabame unten im Salon.
Evelyn spürte plötzlich Hunger, aber sie nahm sich nur eben bie Zeit, im Stehen eine Tasse Teß zu trinken und ein Sandwich hinunterzuwürgen, ehe sie mit Herzklopfen die Treppe hinunterlief. Gewiß hatte Monno schon Nachrichten aus Paris!
(Fortsetzung folgt!)


