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Auf dem Lande ist die Brandgefahr noch größer, die Mahnung: ^,Sch s in der Stadt. Das Rauchen in Ställen und | Helft Feuer verhüten!

als in der Stadt.

big ab.

Diese wenigen Beispiele zeigen, daß für jeden einzelnen die Möglichkeit besteht, zu einem Teil zur Feuerverhütung beizutragen. An jeden ergeht ' .Schützt Leben und Sachwerte!

In Räumen, in denen ein Ofen- oder Herdfeuer oder eine Gasflamme brennt, oder die mit sol­chen Räumen in Verbindung stehen, dürfen brennbare Flüssigkeiten nicht benutzt werden.

Geflickte Sicherungen an elektrischen Anlagen sind immer gefahrbringend. Durchgebrannte Siche­rungen dürfen daher niemals durch Drähte oder Nägel ersetzt werden, sie sind sofort gegen neue Siche­rungen auszuwechseln.

Fehlende Unterlagen unter Oefen, fehlende Ofen­bleche, schadhafte Feuerungstüren, undichte oder fehlende Reinigungstüren an Schornsteinen, Risse in Schornsteinen, unoorschriftsmäßig aufgestellte Oefen und unvorschriftsmäßig angelegte eiserne Ofenrohre führen oft zu Bränden. Jeder Hauseigen­tümer lasse daher regelmäßig alle Feuerstätten und Schornsteine durch einen Fachmann nachsehen und die festgestellten Mängel rechtzeitig beseitigen.

Das Spielen von Kindern mit Streichhölzern ist stets mit Feuersgefahren verbunden. Streich­hölzer sollen daher immer so aufbewahrt wer­den, daß Kinder sie nicht erreichen können.

Feuerverhütung-eine volkswirtschaftliche Pflicht

Zum Tag der deutschen Polizei 1937.

Scheunen und das Betreten dieser Räume mit offe­nem Licht kann leicht unabsehbare Folgen haben.

Eine besondere Gefahr für das Land ist der Blitz. Die Blitzgefahr ist aus dem Lande größer als in den Städten. Jedes Haus auf dem Lande, jedes landwirtschaftliche Gehöft, sollte dahe? -fe. t einer von einem Fachmann vorschriftsmäßig y.-^cllten Blitzableiteranlage versehen sein.

Wichtig ist auch die Verhütung von W a l d - und Heidebränden. Der Wald, der einen be­trächtlichen Teil unsers Volksvermögens bildet, ist Gemeingut aller. Es liegt daher im eigensten Inter­esse eines jeden, unsere schönen deutschen Wälder vor Vernichtung durch Feuer zu bewahren. Zahl­reiche Waldbrände sind auf Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit zurückzuführen und könnten bei einiger Vorsicht vermieden werden. Im Sommer darf im Walde überhaupt nicht geraucht werden! Beim Abkochen im Freien ist größte Vorsicht zu üben, nur an freien und windgeschützten Stellen, abseits vom Walde darf ein Feuer entzündet wer­den. Beim Verlassen der Feuerstätte muß das Feuer vollständig gelöscht werden; in der Asche dürfen sich keine Funken mehr befinden, damit nicht etwa auf­kommender Wind sie weitertragen kann. Am besten deckt man die Feuerstellen mit nasser Erde vollstän-

Tierschutz aber kein Echmierschutz!

Glatteis-aber kein Beinbruch.

Angesichts der betrübenden Tatsache, daß in Deutschland jährlich über 400 Millionen Mark an Sachwerten durch Brände vernichtet werden, viele hundert Menschen bei Bränden ihr Leben verlieren und viele Tausend- dabei schweren Schaden an ihrer Gesundheit erleiden, sollte jeder deutsche Volks­genosse in der Stadt oder auf dem Land, zu der Einsicht kommen, daß auch er zu einem Teil dazu beitragen muß, Brände zu verhüten.

Ieder Brand zerstört deutsches Volksvermögen! Auch wenn die Verluste des vom Brande Be­troffenen durch Versicherung gedeckt sind, ist doch der Schaden, der dadurch der Allgemeinheit durch Vernichtung von Volksvermögen zuge­führt wird, durch nichts wieder gutzumachen.

Feuersbrünste bedeuten fast immer Lebensgefahr, Zerstörung von Hab und Gut, sowie Not und Ar­mut für den einzelnen. Durch Brände werden Alter­tümer und Kunstwerke vernichtet, die niemals zu er­setzen sind; durch Brände werden häufig auch Be­triebsstörungen in Fabriken und Werkstätten ver­ursacht, die einen Ausfall von Arbeitsmöglichkeiten für Hunderte von Arbeitern bedeuten. Die Vernich­tung von Rohstoffen durch Schadenfeuer würde sich heute ganz besonders ungünstig auf die Durchfüh­rung des Vierjahresplanes der Reichsregierung aus­wirken. Jeder Deutsche muß daher von der Richtig­keit des Satzes überzeugt werden:Feuer­schadenverhütung ist besser als Feuer- schadenvergütun g".

Nur wenige Volksgenossen wissen, daß die all­jährlichen Verluste durch Schadenfeuer zum größten Teil vermieden werden können, da nachgewiesener- mclßen drei Viertel aller Brände durch Unvor­sichtigkeit und Nachlässigkeit verschuldet sind und bei richtigem Verhalten des einzelnen ver­hütet werden könnten! Aber nur beim planmäßigen, tatkräftigen Vorgehen aller Volksge­nossen in der Brandverhütung können auch auf diesem Gebiete Erfolge erzielt werden, wie sie uns auf anderen Gebieten, z. B. bei der Bekämpfung von Epidemien und Seuchen, beschieden gewesen sind.

Wenn auch Schadenfeuer nicht ganz zu ver­meiden sind, da stets durch Blitzschlag, Material- fehler und Betriebsvorkommnisse Brände verursacht werden können, so kann ihre Zahl durch sachgemäßes Verhalten des einzelnen Volksgenossen beim Um­gänge mit Feuer und Licht und feuergefährlichen Stoffen doch ganz erheblich eingeschränkt werden.

Die genaue Kenntnis aller Brandgefahren und Brandurfachen in Haus und Hof, in Wald und Feld, ist die unerläßliche Voraussetzung für Feuerverhütung.

Im Haushalt werden immer wieder dadurch Brände hervorgerufen, daß glühende Asche in Holz­oder Pappkasten geschüttet wird, daß Glut aus dem Kochherd oder dem Zimmerofen auf einer Schaufel durch die Wohnung getragen wird, daß flüssige Brennstose z>l nah an Feuer ad gestellt öder gar zum Anmachen ins Feuer gegossen werden. Aus dem Ofen können glühende Kohlenstückchen heraus- fallen und den Fußboden ober den Teppich in Brand setzen. Elektrisch geheizte Bügeleisen, die unbeauf­sichtigt unter Strom stehen gelassen werden, führen fast täglich zu Bränden. Sehr häufig werden auch Brände durch glühend gewordene eiserne Oefen oder Ofenrohre verursacht, wenn brennbare Gegenstände in ihrer unmittelbaren Nähe stehen oder lagern, wie Möbelstücke, Betten ober Gerümpel auf dem Hängedoben, über ben das Ofenrohr des Badeofens führt.

Zahlreiche Brände sind auf das Betreten von Böden und Kellern mit unbewahrtem Licht zurück­zuführen. Wenn elektrisches Licht nicht vorhanden ist, sollen beim Betreten dieser Räume nur geschlos­sene Laternen mit Kerzen, besser noch elektrische Taschenlampen benutzt werden. Auf keinen Fall soll man, auch wenn der Aufenthalt nur kurze Zeit dauert, ein Streichholz zur Beleuchtung benutzen.

Unkenntnis beim Umgänge mit brennbaren Flüs­sigkeiten, namentlich mit Benzin beim Reinigen von Kleidungsstücken, hat schon manchen Unglücksfall herbeigeführt. Jeder muß wissen, daß Benzin leicht verdunstet, und daß die entweichenden Dämpfe sich leicht entzünden und dünn schwere Explosionen aus­lösen können.

Von dem derzeitigen stellvertretenden Leiter der Polizeidirektion Gießen, Polizeiverwaltungsober­inspektor Beate, wird uns folgendes mitgeteilt:

Wir befinden uns in der Polizeiaufklärungswoche. In erster Linie gilt unsere Aufklärung der Jugend. Wo es notwendig ist, soll die aufklärende Arbeit | auch an die Erwachsenen unserer Stadt Gießen herangetragen werden. Und liebe Volksgenossen und Volksgenossinnen es ist nötig, auch einmal eine mahnende Bitte Vorbringen und dabei gleich­zeitig hoffen zu dürfen, daß diese Zeilen genügen, um Mißstände zu beseitigen, deren Abstellung ein großer Teil unserer Einwohnerschaft mit Freude be­grüßen würde.

Unsere Stadt und ihre Einwohner erfreuen sich des Besitzes vieler treuer und schöner Hunde. Das ist recht und aut so. Wie ist es schön, einen treuen Hund als Beschützer, Führer oder als Freund, der selten enttäuscht, sein eigen nennen zu können. Jeder einigermaßen edeldenkende Mensch wird das ihm gehörige und anvertraute Tier, insbesondere die auch mit guten Gaben ausgestatteten Hunde, liebevoll und pfleglich behandeln. Das Tier wird durch treue Anhänglichkeit seinem Herrn danken.

Hunde, liebe Mitbürger, müssen aber auch erzogen sein. In letzter Zeit sind von vielen Seiten Klagen über das Verunreinigen der Straßen, insbesondere der Gehsteige, durch Exkremente von Hunden bei der Polizei eingelaufen. Leider sind diese Klagen berechtigt. Auch unsere Beamten haben die gleichen Beobachtungen gemacht und sind deshalb ange­wiesen, gegen diesen ekelerregenden und der Sauber­keit der Straßen ins Gesicht schlagenden Mißstand mit aller Strenge vorzugehen.

Wenn es, was leider vorkommt, noch Hundebesitzer gibt, die ihre Schutzbefohlenen, an der Leine führend, ihre nicht nur kleinen, sondern auch großen Geschäfte auf die Bürgersteige machen lassen, so ist dies im Hinblick auf die den Fußsteig begehenden Personen gelinde gesagt sehr unfair und tadelnswert. Die Hunde sollen und müssen so gezogen sein, daß sie ihre Notdurft an weniger zu beanstandenden Stellen als gerade auf die Bürgersteige verrichten. Jedem Tier und besonders dem Hund ist dies bei einiger­maßen Erziehungsarbeit beizubringen. Wo nicht das sind seltene Fälle haben die Besitzer dieser Hunde die Pflicht, ihre Tiere an die für derartige Auswürfe geeigneten Stellen zu führen oder führen zu lassen.

Da wir uns noch in der Aufklärungswoche befin­den, sollen diese kurzen Zeilen dazu dienen, alle Volksgenossen, die Hunde besitzen, zu bitten, ihr Augenmerk auf diesen Uebelstand zu richten und alles zu tun, daß diese unschöne, leider vielfach zur Gepflogenheit gewordene Unart recht bald und für immer hier verschwindet, widrigenfalls wir uns

leider genötigt sehen, auf Grund des § 7 der Polizei­verordnung, betr. die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießen vom 15. 4.1929, strafend vorzugehen.

*

Das gestern unverhofft eingetretene Glatteis hat leider wieder bewiesen, daß es viele Hauseigen­tümer und Besitzer von bebauten und unbebauten Grundstücken gibt, die entgegen dem § 3 der Polizei­verordnung, betr. die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießne vom 15.4.1929, ihre Bürgersteige und sonstigen Grund­stücke vom Eis erst befreien, wenn sie hierzu höflichst von einem Polizeibeamten aufgefordert worden sind. Dieses Gebaren, durch das vielleicht Menschen in­folge Ausgleitens auf der nichtgestreuten Eisfläche zu schwerem Schaden kommen, ist falsch und unver­antwortlich. Neben gerichtlicher Bestrafung können auch noch zivilrechtliche Forderungen entstehen. Die Polizei hat leider nicht die Beamten und auch nicht die Zeit dafür, jeden säumigen Hauseigentümer oder Besitzer eines sonstigen Grundstückes persönlich auf­fordern zu lassen, streuen zu wollen. Das Streuen hat nicht nur einmal am Tage zu erfolgen, sondern so oft sich die Notwendigkeit hierzu ergibt.

Die Polizeidirektton Gießen und alle ihre Be­amten bitten deshalb die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Gießen, im Interesse aller ihrer Mit­bürger und nicht zuletzt im Interesse der möglichsten Verhinderung von Unglücksfällen ihre Staatsbürger­pflicht bezüglich des zuverlässigen Streuens der be­eisten Bürger- und Fahrsteige zu erfüllen und sich dabei des Dankes aller Volksgenossen und Volks­genossinnen gewiß zu sein.

Uundsunkproararnm

Samstag, 16. Ianuar.

6 Uhr: Choral. Margenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Auf zum Staatsjugendtag. Sanitätsprüsung für das Leistungsabzeichen. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu? 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.40: Landfunk 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Prinz Karneval in Sicht! Aufmarsch des Narren­stabes. 15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuig­keiten. 15.15: Wir bemerken dazu . . 15.30: Die Königsberger Lektion! Hörspiel. 16: Froher Funk für alt und jung. Bunter Nachmittag. 18: Unsere Polizei musiziert anläßlich des Tages der deut­schen Polizei. 19.30: Der Zeitfunk bringt die Wochen­schau. 19.55: Ruf der Jugend. 20: Nachrichten. 20.10: Aus dem Füllhorn der Heiterkeit. Ein bunter Abend aus der Scheffelhalle in Singen

Oberhessen.

40 Jahre Freiwillige Feuerwehr 7l eder-Bessingen.

£ Nieder-Bessingen, 13. Januar. Am 17. Januar sind es 40 Jahre, daß sich in unserer Gemeinde entschlossene Männer fanden, bie eine freiwillige Feuerwehr gründeten. Der erste Kom­mandant der Wehr war Georg H a u, der die Wehr bis 1925, fast 30 Jahre, während aller guten und schweren Jahre geführt hat. Zum Dank und als Anerkennung wurde er, der heute noch sehr rüstig ist, zum Ehrenkommandanten ernannt. Außer ihm leben noch 15 weitere Gründer, die auch alle über 30 Jahre aktiv in der Wehr tätig waren und dafür bereits ausgezeichnet wurden. Es sind dies die Ka­meraden Konrad K l ö s , Heinrich Roth VI., Hein­rich Lutz IV., Heinr. Klos III., Heinr. Lotz II., Johann Walther VII., Philipp Damm, Georg Roth VII., Jobann L o tz I., Wilhelm Lotz III.. Heinr. Roth VII., Wilhelm Fach, Adam R o t h I.. Heinrich Zimmer, Johann Schloß inger.

Von den Kameraden, die feit der Gründung der Wehr angehören, ist Kamerad Georg Roth VII. heute noch aktiv tätig. Während dieser vier Jahr­zehnte hat die Wehr in manchem Ernstfälle ein­greifen müssen. So wurde die Wehr zu Großbrän- den nach Lich, Ettingshausen und Nonnenroth ge­rufen, wo sie tatkräftig eingreifen mußte. Der der­zeitige Kommandant Otto Brück führt die Wehr seit 1925 und ist sie bei ihm in bewährten Händen.

Lonvkr-tH (Diesen

Wieseck, 15. Jan. Dieser Tage begann hier der e r ft e Luftschutzlehrgang für 60 Teil­nehmer. Der Schulungsleiter der Ortsgruppe Gie­ßen des Reichsluftschutzbundes, Dr. Die h l, er­öffnete den Lehrgang; anschließend sprach Bürger­meister Euler über die Aufgabe des Luftschutzes und seine Bedeutung. Dann folgten die Vorträge über Sinn, Zweck und Organisation des Luft­schutzes.

* Lollar, 15. Jan. Der Geflügel- und Brieftauben - Zuchtverein Lollar ver­anstaltet am Samstag und Sonntag in Lollar eine große Geflügelschau. Weit über 200 Tiere fast aller Rassen und Farbenschläge werden sich dem Urteil zweier bekannter Preisrichter zu stellen haben, nach­dem die hiesigen Züchter bereits auf den vergange­nen großen Schauen in Marburg, Frankfurt und Leipzig mit ihren Tieren hohe Auszeichnungen er­rangen. Zahlreiche Ehrenpreise von den Buderus« schen Eisenwerken, der Gemeinde, der Ortsbauern­schaft, von privaten Firmen und Geschäftsleuten werden für die Züchter verdiente Anerkennung be­deuten.

* Daubringen, 15. Jan. Der hiesige Gärt­ner Vogel, der bei der Friedhofsverwaltung in Gießen beschäftigt war und dieser Tage bei der Heimfahrt zu Rade nach Daubringen von dem An­hänger eines Lastkraftwagens gestreift und zu Bo­den geworfen wurde wobei er einen schweren Schädelbruch erlitt ist gestern an den Folgen der erlittenen Verletzung in der Chirurgischen Klinik zu Gießen erlegen.

ch Ettingshausen, 15. Jan. Bei der dieser Tage abgehaltenen Holzversteigerung wur­den für je zwei Raummeter folgende Preise erzielt: Buchenscheitholz 23 bis 24 Mark, Buchenrundschstt 18 bis 19, Buchenknüppel 15 bis 17, Buchenreisig (50 Wellen) 9 bis 10, Kiefern-Rundscheit 10 bis 12, Kiesern-Knüppel 8 bis 9,50, Fichten-Rundscheit 10 bis 12 und Fichten-Knüppel 6 bis 8 Mark.

y Watzenborn-Steinberg, 14. Januar. Die Schäfereiaese 11s ch a ft Watzenborn hielt dieser Tage ihre Jahreshauptversammlung ab. Vorsitzender (Salzmeister) Karl Happel V. gab den Jahresbericht bekannt. Die Mitgliederzahl ist auf 26 angewachsen, der Schafbestand ist um 50 Stück gestiegen und zählt jetzt 160 Tiere.

< Ällendorf (Lahn), 14. Jan. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde gestern der letzte Altveteran der Kriege 1866 und 1870/71, der Rentier Heinrich Häuser, zu Grabe getragen. Mit ihm ist gleichzeitig auch der älteste Einwohner unserer Gemeinde von uns gegangen. Er stand im 91. Lebensjahr und war noch bis vor kurze Zeit geistig und körperlich überaus rüstig. Der hiesige Kriegerverein gab seinem ältesten Mitglied das Ehrengeleit, ebenso auch eine uniformierte Militär­kapelle. Lehrer Faber sprach für den Krieger-

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Giessen Schulstr6

Vas fremde Gesicht.

Vornan von Caren.

17 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Als Serge zu mir zurückkam, war er noch immer bleich, aber nicht aus Zorn, sondern eher aus Er­schöpfung. 5)aft du ihn endlich gehen lassen? fragte ich ihn. Aber er schüttelte nur wie abwesend den Kopf, das ist leichter gesagt als getan, Kind. Leute wie Monno lassen sich nicht einfach raus­werfen. Du verstehst das nicht. Aber er läßt sich bei dir entschuldigen, und du wirst ihn in Zukunft kaum mehr zu sehen bekommen.

Ich verstand wirklich nicht, aber ich sagte mir, es wäre besser, die Geschichte jetzt ruhen zu lassen und lieber später einmal darauf zurückzukommen. In vierzehn Tagen sollten wir heiraten, in aller Stille, beinahe heimlich, wie ich es gewünscht hatte. Wenn ich seine Frau bin, wird er vielleicht eher auf mich hören, dachte ich. Ach, wenn ich gewußt hätte..."

Evelyn stockte und warf einen beinahe ängstlichen Blick auf Alland, der ihr in teilnehmendem Schwei­gen zugehört hatte. Sie strich sich mit einer müden Gebärde über die Stirn.

Manchmal ist mir, als ob all das Frühere, auch wenn es nur erst ein paar Wochen zurückliegt, gar nicht wirklich wäre, gar nicht zu meinem wahren Leben gehörte. Es ist, als wäre das alles nur ein Traum gewesen, ein immer bebrücfenberer Traum, aus dem man voller Angst erwacht und bann plötzlich bist du ba unb bas wirkliche Leben, die wirkliche Liebe, und alles ist gut... Aber wenn ich bann ben Zeitungsausschnitt ansehe, ben ich dir gezeigt habe, bann weiß ich gleich roieber, baß es nicht gut ist unb niemals mehr gut werben kann."

Sie starrte, wie von töblicher Mübigkeit befallen, verzweifelt vor sich hin.

Er mußte alle ärztliche Selbstbeherrschung auf- wenben, um seine Erschütterung vor ihr zu ver­bergen. Mit sanfter Eindringlichkeit begann er das weitere Geschehen aus ihr herauszufragen.

Du hast es ja schon gelesen, es steht ja alles in der Zeitung", versuchte sie zuerst gequält auszu­

weichen. Aber dann, nach und nach, vermochte Alland sich doch aus ihren stockenden Worten die Ereignisse jenes Tages deutlich zu machen, der eigentlich für ihre Hochzeit bestimmt gewesen war.

*

Evelyn ist, um ihren Verlobten, der sie zum Standesamt abholen will, ja nicht warten zu las­sen, schon eine ganze Stunde früher bereit, als not­wendig ist. Sie steht fertig angezogen in dem ele­ganten Nachmittagskostüm, bas sie sich zur Trauung hat machen lassen, am Fenster unb schaut zerstreut auf bie Straße. Plötzlich fährt sie auf von dem Geräusch eines heftig bremsenben Autos. Schon zu spät...? Nein, ein frember Wagen, unb ber Mann, ber eben hastig aussteigt, ist auch nicht Ostrowski, sonbern Monno, ben sie in den letzten zwei Wochen wirklich kaum mehr zu Gesicht bekommen hat. Was will er hier, heute, jetzt? Wenn er eine Botschaft zu bringen hat, kann es nur eine Unheilsbotschaft sein. Was ist geschehen...?

Sie ruft es dem Eintretenden entgegen, kaum daß sie sein erregtes Gesicht im Türrahmen sieht. Er antwortet mit erkünstelter Ruhe:Noch nichts aber es wird in ein paar Minuten geschehen! Die Polizei hat eben Ostrowskis Haus in ben Champs-Elysöes umstellt, um ihn zu verhaften! Wegen irgenbeiner Betrugsanzeige vermutlich, ober es ist sonst etwas los es gibt ja Auswahl genug. Ich hatte mich heute zufällig verspätet, sonst säße ich auch in ber Mausefalle. In einer Viertelstunbe vielleicht wird bie Polizei auch hier sein. Sie müssen fliehen, sofort, mein Auto steht drunten. Es ist keine Minute zu verlieren!"

Evelyn hat bas Gefühl, als ob ein Erdbeben plötzlich ben Boben unter ihr aufgerissen hätte.

Unb Serge?" stößt sie hervor.

Der wirb sich schon irgenbrote herausziehen bei seinen Verbinbungen! Aber wir müssen ver- schwinben, ja, Sie auch, bas ist bas einzige, was wir im Moment für ihn tun können. Ich handle gewissermaßen in feinem Auftrag."

Einen Augenblick ist in ihr der Gedanke auf­geblitzt:Wenn bas alles womöglich nur Theater ist?" Aber nein, bas wäre zu sinnlos. Seine Auf­regung ist echt.

Wohin fahren wir?" fragt sie mit einer Ruhe, bie sie selbst erstaunt, als sie schon neben Monno

im Auto sitzt, dessen Verdeck er vorsorglich hoch­geschlagen hat.

Nach Marseille, zu guten Freunden", antwortet er, ohne bas Auge von ber Straße zu lassen, wäh- renb er ben Wagen mit möglichster Geschwindigkeit durch ben bichten Verkehr steuert.

Gut, aber erst fahren wir durch die Champs- Elyses", bestimmt sie kühl, als ob sie einem Chauf­feur eine Anweisung gäbe.

Ein Wahnsinn", stößt er zwischen den Zähnen hervor,benfen Sie, ich mache Witze? Aber meinet­wegen!"

Mit einer verächtlichen Grimasse steuert er gegen bie Elysees zu. Doch kurz vor bem Ziel müssen sie in eine Seitenstraße abbiegen. Die Hauptstraße ist durch Ueberfallwagen ber Polizei gesperrt. Monno tritt auf ben Gashebel, so baß ber Wagen einen Sprung macht, und wendet dabei einen Augenblick Evelyn sein Gesicht zu, in dem nichts als höhnischer Triumph zu lesen ist. In dieser Sekunde wird ihr blitzartig klar:Das alles ist sein Werk, er hat bie Polizei auf Ostrowski gehetzt, aus Rache vielleicht ober einfach, weil er mich haben wollte." Unwill­kürlich macht sie eine Bewegung nach bem Türgriff, als wolle sie aus bem fahrenben Wagen springen. Es ist nur eine vage Geste, bie Monno aber sofort richtig beutet. Ohne sie anzusehen, ohne bie Hänbe vom Volant zu lassen, sagt er in ruhigem Unter­haltungston, als handle es sich um bie selbstver­ständlichste Sache ber Welt:

Eine oerbammt unangenehme Geschichte, auch für Sie, Mabemoiselle. Natürlich wirb kein Mensch Ihnen glauben, daß Sie nichts von unseren Ge­schäften gewußt haben. Unb wenn man erst mal in Untersuchungshaft sitzt... In Marseille kann man ziemlich spurlos verschwinden unb erst einmal ab­warten, wie bie Sache läuft. Schließlich haben wir auch gute Freunde in ber Kriminalpolizei unb so­gar in ber Staatsanwaltschaft. Man muß sie nur zu benützen verstehen."

Man kann die Strecke ParisMarseille in 18 Stunden fahren, mit einem guten Wagen unb einem Fahrer, wenn man nirgenbs länger Station macht, als nötig ist, um in irgenbeinem kleinen Laben etwas Mundvvrrat zu kaufen oder irgendwo Benzin aufzufüllen. Sie hatten unterwegs kaum

mehr als das Notwendigste gesprochen. Und Evelyn war halbtot vor Aufregung und Müdigkeit, als sie gegen fünf Uhr morgens durch das noch ziem­lich menschenleere Marseille fuhren, dessen Straßen man, ohne anzuhalten, durchquerte. Die eigentlich« Stadt lag schon beinahe hinter ihnen, als Monno plötzlich von ber breiten Avenue be Prabo in ein« schmale Seitenstraße abbog unb halb vor einem unauffälligen Privathaus hielt. Evelyn sah, haH schlafend, einen merkwürdigerweise schon zu fo früher Stunde völlig angekleideten Diener daß Gittertor Öffnen. Man schien sie erwartet zu haben. Ein Stubenmädchen in weißem Häubchen nahm Evelyns kleinen Tvilettenkoffer in Empfang, der. schon für die Hochzeitsreise gepackt, bei der Flucht noch im Auto Platz gefunden hatte. Man ging eine teppichbelegte Treppe hinauf, das Mädchen öffnete die Tür zu einem kleinen, aber hübsch möblierten Fremdenzimmer.

Wünschen Madame vielleicht ...?"

Nein, Evelyn wünschte gar nichts, als zu schla­fen. Und im übrigen war sie nichtMadame", sondern Mademoiselle. Das höflich-verdutzte Gesicht des Mädchens war der letzte Eindruck, den sie noch in ihren wie eine Ohnmacht tiefen Erschöpfungs­schlaf hinübernahm ...

Als Evelyn aufwachte, mußte sie sich mühsam zurechtfinden. Wo war sie überhaupt? Was hatte sie gestern eigentlich erlebt? Gestern ober wann ...? War biefe Dämmerung Morgen ober Abenb?

Langsam kehrte ihr bie Erinnerung zurück. Die Armbanduhr zeigte halb sechs, sie mußte fast zwölf Stunden geschlafen haben. Was mochte inzwischen alles geschehen sein ...

Sie war noch nicht ganz angetleibet, als es vor­sichtig an bie Tür klopfte unb bas Stubenmädchen erschien, ein Tablett mit Tee unb Sandwiches in ber Hanb. Ob Mabame vielleicht erst eine Tasse Tee nehmen wollten? Monsieur Monno erwarte Ma­bame unten im Salon.

Evelyn spürte plötzlich Hunger, aber sie nahm sich nur eben bie Zeit, im Stehen eine Tasse Teß zu trinken und ein Sandwich hinunterzuwürgen, ehe sie mit Herzklopfen die Treppe hinunterlief. Ge­wiß hatte Monno schon Nachrichten aus Paris!

(Fortsetzung folgt!)