Einzelbild herunterladen

le.

freude«.

ÄS KUS V von 159t ,llF Abend« 5 Muen teil Mark Qujge, n landen auch »rauenchor be- Leranstaltun, nem Himmel« '9 mit. Aus nachtsfeiertag- yr90tte5bienft verhall iand. ln gemeinsame Zrauenhilse ge- MidtlTrün- lgionsunterricht

Ä

lueiV'ins. inhi«*h;

9{hütj(

Äfc- 7* ^rleht. ?S5

rm^ »Ufa

Ry L,K a Txi.vlvattz >°ngniz,

nr.

1 (für Männer > Dammstraße, bis 19.15 Uhr, ö Frauen ge- 10.30 bis 21.30

m gemeinsam):

M 21 bis 22

- MW

öhrte KT LEUPIN- jlidieii Hautpflegemittel KilbingerNcbL, Drog. WLter- 10;Dron.Borne- itraBe 17; led.- Seltersweg 66; lerie C. Seibel, llnLanbach: er-Drog.B Klein

Für sofort eine gebrauchte

SDküSU- RtziMüe m. o. ohn.Motor unt. Angabe des Fabrikates, zu lausen geiucht. ^ilofferteerb.an

Bangescbart Hch.Kavvuslll. Inb.L.Kxpus' ZdstemuT. 229ö

gegen Kasse-u rchri'tüche AN geböte un-021z

,aussrauen!

rttf den Docken«

Nls Cßnitpn

*jn Pf. an

Sanisto^

Cbat*1^9

<«>

Itr.12 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Zreitag, lS.Zanuar 1957

Aus Der Provinzialhauptftadl

Abends vor der Post.

Ich muß noch rasch zur Post", ruft der junge Mann keuchend einem Bekannten zu, der ihm auf der Straße begegnet und Miene macht, stehenzu­bleiben. Es wird also nichts mit einem kurzen Beieinanderstehen. Dafür rennt der junge Mann in langen Sätzen über den Bürgersteig und der Bekannte beobachtet gerade noch, wie jener sprin­gend die Stufen zum Postgebäude nimmt und dann im Portal verschwindet. Dabei schaut er auf die Uhr und stellt fest, daß es gleich 18 Uhr sein wird.

Aber der einzigste Läufer ist der junge Mann nicht. Es kommen auch noch andere angejagt. Selbst als die Uhr zum Schlage ausholt, stürmt noch ein Herr in mittleren Jahren die Treppe hinauf, und anscheinend hat er Glück, denn er kommt nicht gleich wieder zurück. Damit ist es offenbar auch zu Ende. Die Späterkommenden machen zwar ärger­liche Gesichter, was ihnen jedoch nichts mehr nützt, denn die Poft ist darauf angewiesen, ihren Dienst­betrieb pünktlich einzuhalten.

Abend für Abend ist der Vorgang derselbe. Da kommt der Geschäftsbote mit fliegendem Mantel, wie von allen Furien gehetzt. Da trippeln die Ladenmädchen in höchster Eile, da prescht ein Friseurlehrling im Laufschritt heran, und in letzter Minute fährt noch ein Lieferwagen vor, dem schweißtriefend ein Mann im Berufskittel entsteigt. Alle Haben das gleiche Ziel, alle find nur von einem Gedanken beherrscht: den Postschalter zu er­reichen, ehe der Zugang gesperrt wird.

Die Post hat eine unendlich wichtige Aufgabe im drängenden Getriebe der Gegenwart, und abends, kurz vor 18 Uhr, tritt die Bedeutung dieser Auf­gabe wenigstens für eine Weile sichtbar in Er­scheinung. Jene gemächlicheren Tage der gelben Postkutsche, wo der Schwager über Berg und Tal sein Horn erschallen lieh und die Rößlein zu diesen Klängen munter ihres Weges zogen, sind längst vorbei. Heute besorgen motorisierte Fahrzeuge, die Dampfkraft moderner V-Züge und die spielende Schnelligkeit des Telegraphs in kürzester Frist einen postalischen Auftrag, zu dem damals Wochen notwendig gewesen wären. Um so erforderlicher ist es allerdings, daß sich die Auftraggeber jenem Dienstplan anpassen, den die Post mit minuttöser Genauigkeit einzuhalten sich bemüht, um ihre Auf­gaben pünktlich und reibungslos durchzuführen.

Der Hochbetrieb am Abend ist jedenfalls dazu angetan, nachdenkliche Betrachtungen darüber an­zustellen, welch großartig aufgebauter und pein­lich genau arbeitender Apparat die Post in unserer Zeit geworden ist. Wieviel Menschenhände und Menschenhirne tagtäglich beschäftigt sind, um die Beziehungen der Geschäftswelt und der Menschen untereinander durch Ueberbrückung der Entfernun­gen in einer Weise 311 ermöglichen und gewähr­leisten, die ein Höchstmaß an Organisation und an Leistung darstellen. Und deshalb lohnt es sich auch schon, für eine Weile zuzuschauen, wenn abends, kurz vor 18 Uhr, das Portal der Poft zu einem begehrenswerten Ziel hastender Zeitgeng

Dornottren.

Tageskalendec für Freitag.

Stadtheater: 20 bis 23 UhrCarmen". Glo­ria-Palast, Seltersweg:Fridericus." Lichtspiel- Tjaus, Bahnhofstraße:Der Hund von Baskerville." Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung der Oelgemälde, Aqua­relle und Zeichnungen von Professor Otto Dill.

Sladtlheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die mit Spannung erwartete Erstaufführung vonCarmen", Oper von Pr. Me- rimee und G. Bizet statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Paul Wal- t e r. Spielleitung führt der Intendant. Die Partie derCarmen" singt Hildegard I a ch n 0 w. Die Partie desDon Jose Ernst August Waltz.

Weiterhin wirken mit: Friedel Fornallaz, Ilse Las- kus, Maria Perry; Gustav Bley, Alfons Forstner, Wilhelm Greif, Paulus Kuen, Max Schneider-Oest, der verstärkte Chor und die Tanzgruppe. Die Ein­studierung der Tänze und choreographische Leitung liegt in den Händen der Ballettmeisterin Irmgard Zenner. Karl Löffler schuf die Bühnenbilder. Die in eigener Werkstatt hergestellten Kostüme sind angefertigt nach Entwürfen von Sophie Buch­ner, ausgeführt von Willi E n d r i ch. Ernst Bräuer hat die Leitung der Chöre. Die Vorstel­lung findet als 16. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr

Oie Beschäftigung älterer Angestellter.

Vom Arbeitsamt Gießen wird mitgeteilt: Auf Grund der fünften Anordnung zur Durch­führung des Vierjahresplanes über die Beschäfti­gung älterer Angestellter vom 3. November 1936 sind grundsätzlich alle Betriebe und Verwaltungen mit zehn und mehr Angestellten verpflichtet, dem zuständigen Arbeitsamt auf Formblatt AE 5 bis 15. Januar 1937 zu melden, wieviel Angestellte sie am 4. Januar 1937 ständig beschäftigten.

Eine Reihe von Betrieben ist dieser Anordnung noch nicht nachgekommen. Um denselben Gelegenheit zur Abgabe der Meldung zu geben, wird die Ein­reichungsfrist bis 20. Januar 1937 verlängert. Eine weitere Aufforderung ergeht nicht mehr. Das Form­blatt AE 5 wird vom Arbeitsamt zur Verfügung gestellt.

Glatteis als Verkehrsstörung.

Das starke Glatteis, das durch den während des ganzen gestrigen Tages niedergegangenen Regens und durch die kalte Erde hervorgerufen wurde,

machte sich als Verkehrsstörung sehr unangenehm bemerkbar. Die Kraftfahrzeuge mußten mit äußer­ster Vorsicht geführt werden, und selbst dann ge­schah es noch, daß mancher Wagen den Bäumen an der Landstraße bedenklich nahe geriet. Oftmals machte schon das Anfahren erhebliche Schwierig­keiten, da die Räder auf dem glatten Pflaster kei­nen Halt fanden. Viele Kraftfahrer konnten sich nur dadurch helfen, indem sie Sand unter die Räder streuten. Ganz besonders kritisch gestaltete sich in den ersten Morgenstunden die Situation in der Frankfurter Straße. Zahlreiche Fahrzeuge konn­ten die Steigung nicht überwinden und blieben mit­ten am Berge stehen. Wenn sich die Kraftfahrer dann bemühten, ihre Fahrzeuge vorwärts zu brin- ocn, so taten sie es doch meist vergeblich, denn die Wagen bewegten sich eher um sich selbst, denn vor­wärts. Als eine schwere Verkehrsstörung erwies sich ein Möbelwagen mit Anhänger, der die Fahr­bahn im unteren Teil der Frankfurter Straße ge­raume Zeit blockierte.

Sehr störend machte sich das Glatteis auch für den Omnibusverkehr der Reichsp 0 ft be­merkbar. Zwar konnten die Arbeiter aus den Orten Hörnsheim, Hochelheim, von Erda, Fellingshausen, Crumbach, von Annerod usw. nach Gießen an die Arbeitsstätte gebracht werden. Die Mittagsfahrten aber mußten ausfallen, da das Glatteis für die Omnibusse zu unmittelbarer Gefahr geworden wäre. Erst am Abend wurden die Fahrten wieder ausge­nommen. Auch heute morgen mußte der Verkehr eine Einschränkung erfahren, indem zum Beispiel die Fahrt nach Erda nicht durchgeführt werden konnte, sondern der Omnibus nur bis Fellingshau­sen vordrang. Der Wagen, der heute morgen um 7.30 Uhr in Gießen ankommen sollte, war um 8.30 Uhr noch nicht zurück.

Ein Blick in das Einwohner-Meldeamt.

M

so daß der Beamte von seinem Arbeitsplatz aus jede Karte sofort erreichen kann.

Es ist nicht jedermann bekannt, daß es zu den Aufgabengebieten des Einwohner-Meldeamtes ge­hört, die Führung und Berichtigung wichtiger Listen durchzuführen. Das Einwohner-Meldeamt führt Jmpflisten, in denen alle Impflinge zu erfassen sind, in der Schulliste sind alle schulpflichtigen Kinder registriert, und alle Fortbildungsschulpflichtigen sind

Das Einwohner-Melde­amt ist ein wichtiges Teilgebiet der Arbeit un­serer hiesigen Polizeidirek­tion. Wie vielfältig sind die Aufgaben, die diesem Amt zudiktiert sind und in welch vielfältiger Weise dient es der Bevölke­rung!? Jeder Umzug, jede An- und Abmeldung muß hier bearbeitet wer­den, jeder Volksgenosse oder seine Familie ist in der umfangreichen Kar­tothek erfaßt, immer wie­der ist diese Kartothek der Ausgangspunkt und die Grundlage für Aus­weise, die den Volks­genossen für diesen und jenen Zweck ausgestellt werden müssen.

Das wesentliche Kenn­zeichen unseres hiesigen Einwohner-Meldeamtes sind die umfangreichen Kartothektische, die sehr

An einem der Kartothektische unseres hiesigen 'Einwohner-Meldeamtes. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

praktisch angelegt, sind und einen raschen Heber» blick gestatten. Diese Kartothektische sind aber auch gleichzeitig Schreibtische, deren Schreibpulte über den Kartenblättern leicht hin- und herzuschieben sind,

listenmäßig erfaßt. Ein neues Aufgabengebiet ist dem Einwohner-Meldeamt mit der Angliederung des sog.Wehrdezernates" geworden. Dieses Wehr­dezernat hat alle wehrpflichtigen Männer zu erfassen, um die militärischen Aushebungen und Musterungen reibungslos durchführen zu können.

Selbstverständlich ist der Dienst des Einwohner- Meldeamtes an der Bevölkerung nur dann möglich, wenn jeder Volksgenosse seiner Anmeldungspflicht beim Zuzug, beim Umzug oder beim Wegzug restlos genügt.

Die Fußgänger scheinen sich sehr tn Acht genom­men zu haben, den die Sanitätskolonne vom Deut­schen Roten Kreuz brauchte im Laufe des gestrigen Tages nicht in Anspruch genommen zu werden.

Bessere Leistungen auf der Schreibmaschine.

Von der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Steno­graphenschaft wird uns geschrieben:

Zwölf Millionen Schreibmaschinen werden zur Zeit in Deutschland verwendet. Aber wieoiele Ma­schinenschreiber bedienen ihre Schreibmaschine rich­tig? DerTipper" auf der Schreibmaschine sucht mühsam die Buchstaben zusammen. Seine Arbeit ist nicht organisiert, darum verschwendet er seine Arbeitskraft und macht sich unnötige Mühe. Man stellte fest, daß die Finger derTipper", d. h. der Maschinenschreiber, die nur wenige Finger zum Maschinenschreiben benutzen, in einer Minute einen Weg von 14 Meter zurücklegen. Der Maschinen­schreiber aber, der seine Arbeit zweckmäßig durch dasTastschreiben" gestaltet, braucht dagegen nur vier Meter.

Beim richtigen Maschinenschreiben nimmt der Körper eine gesunde Haltung ein, die Augen blei­ben ruhig auf die Vorlage gerichtet. Der Tastschrei- ber kann genau auf den Inhalt des Geschriebenen achten. Der Kräfteverbrauch ist weitaus geringer. Höchstleistung und Berufsfreudigkeit sind die Er­gebnisse.

Wir müssen heute mit unserer Arbeitskraft spar­sam umgehen, deswegen muß derTipper" ver­schwinden, der unnötigerweise seine geistige und körperliche Arbeitskraft vergeudet. An alle Maschi­nenschreiber muß daher der eindringliche Ruf er­gehen: Stellt euch auf das Tastschreiben um!

Diese Art Maschinenschreiben wird bei der Orts­gruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft gelehrt, die, wie aus der Anzeige zu ersehen ist, heute abend in der Oeffentlichen Handelslehranstalt einen Lehrgang für Anfänger, Fortgeschrittene und einen Kursus Kurzschrift und Maschinenschreiben kombiniert, eröffnet.

*

** Stadttheater-Miete. Die Einlösung des fünften Abschnitts der Stammiete für Dienstag, Mittwoch und Freitag betrifft eine Bekanntmachung des Stadttheaters im heutigen Anzeigenteil. Es fei besonders darauf aufmerksam gemacht.

Amtsgericht Gießen.

Der Angeklagte H. B. aus Frankfurt a. M. fuhS am 12. Oktober 1936 um die Mittagszeit mit seinem dreirädrigen Lieferwagen durch Lich. Er über­querte eine Kreuzung und überließ einem dort fah­renden Fuhrwerk nicht das diesem zustehende Var­fahrtsrecht, wodurch es zu einem Zusammenstoß kam. In der auf feinen Einspruch gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen wegen lieber- tretung der Reichs-Straßenverkehrsordnung (lau­tend über 25 Mark, evtl, fünf Tage Haft) stattge­fundenen Hauptverhandlung ergab sich, daß der Fahrer des Fuhrwerks ebenfalls nicht vorschrifts­mäßig gefahren und ein geringer Sachschaden ent­standen ist. Das Gericht ermäßigte daher die im Strafbefehl ausgesprochene Strafe auf 15 Mark, die im Uneinbringlichkeitsfalle mit drei Tagen Haft zu verbüßen ist. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last.

än/lanniiutlopf^

Wer vorwurfsvoll die Stirne run­zelt, wenn Schaumwein ange­boten wird, der iftvon gestern"? Heute ist Schaumwein das Festgetränk für Zedermann!

SCHAUMWEIN ßrincit. frtyHxLrLri!

Fridericus."

Gloria-Palast.

Das Leben der großen Deutschen Schiller, Fried­rich, Luther und List hat den Dichter Walter von Molo als Problem künstlerischer Gestaltung lange imb eingehend beschäftigt. Er gelangte dabei auf sehr verschiedenen Wegen zum Ziel: das Bild Schil­lers hat er, aufbauend und ausbreitend, in einer groß angelegten Entwicklung in den vier Bänden feines Romans vor dem deutschen Volke errichtet; Die Gestalt Friedrichs drängte sich ihm, ganz an­ders, mit allen Ausstrahlungen und. weltgeschicht­lichen Zusammenhängen, in einer Vision zusammen, für die in einem einzigen, verhältnismäßig schma­len Bande Raum war: bei vollkommener Einheit Des Ortes und zeitlich zusammengerafft im rasen­den Ablauf weniger Stunden verdichtet sich ihm -Erscheinung und Schicksal des großen Königs- an -einem entscheidenden Wendepunkt des Siebenjahn- «gen Krieges; das ist historisch und unhistorisch zu- -gleid) insofern, als Molo mit dichterischer Freiheit und Wahrheit die Dinge schärfer konzentrierte, als les rein geschichtlich gerechtfertigt erscheint; aber in idieser atemraubenden Verdichtung erlebt man die menschliche und sittliche Größe Friedrichs, sein staatsmännisches und militärisches Genie, die Schick­salswende Preußens, das aus dem Siebenjährigen Kriege den Aufstieg zur Großmacht erzwang, mit einer hinreißenden Folgerichtigkeit und Ueberzeu- gungstraft. Die Schilderung fetzt sich, ganz impres- fioniftisch, aus einem Mosaik von Szenen zusam­men, das in der Darstellung der Entscheidungs- fchlacht seinen Abschluß und seine Krönung findet, «iner Darstellung übrigens, die zu den großartig­sten künstlerischen Beschreibungen einer Schlacht in Der neuen deutschen Literatur zu zählen ist. Man kann nur wünschen, daß in gleichem Maße, wie der Roman den Film angeregt und befruchtet hat, um­gekehrt der Film wiederum den Blick zurücklenkt auf das Werk, dem er seine Entstehung verdankt. Walter von Molo selbst schrieb mit Erich Krohnke zusammen das Drehbuch; der Aufbau unb die eigentümliche Technik des Romans kamen Der Sehweise und den Erfordernissen des Films außerordentlich entgegen: auch der Film arbeitet mit solchen kurzen Szenen und Bildern, mit einem sprunghaft verbindenden und Beziehungen herstel­lenden Wechsel der Schauplätze, so vom Lager und Schlachtfelde Brücken schlagend zu den Hofen von Wien, Paris und Moskau. Uebrigens hat man die Vorlage nicht sklavisch übernommen und vor der Kamera in Bilder aufgelöst: es sind neue Szenen and Motive hinzugekommen, und erst gegen Ende

nähert sich das Drehbuch dem Roman wieder so, daß man die Herkunft des einen aus dem andern gewahr wird. Manches ist zusammengezogen, ver­wandelt, vereinfacht. Wilhelmine, die im Buche nicht erscheint, kommt zu kurzem Besuch ins Feld­lager des Bruders; die Kaiserin, die Zarin, die Pompadour tauchen auf. Verhältnismäßig wenig umgeformt wurden bj^ Szenen mit Mampe, mit dem österreichischen Unterhändler (der im Roman Neipperg heißt), mit den Generalen vor der Schlacht. Geblieben ist, über alle Umwandlungen hinaus, die innere Haltung und Tendenz: den König an der Wende seines Schicksals und als unerschütterlich willensstarken Ueberroinber unb Bezwinger seines Schicksals zu zeigen im Kampfe um bie Be­hauptung seines Staates unb um ben Frieben; hier greift ber Film in ein paar knappen Silbern zum Schluß nach über ben Roman hinaus, in benen er bas Aufbauwerk bes Königs nach bem Kriege we­nigstens anbeutet. Der Regisseur Johannes Meyer hat sich in seiner Regie, welche die intime Dialog­szene wie ben Einsatz großer Menschenmassen be­herrscht unb bewältigt, bem im Roman vorge­zeichneten Stil mit geschickter Einfühlung unb klu­ger Verwaltung seiner Mittel angepaßt; rein bilb- mäßig scheinen roieberum, wie in früheren Fribe- ricus-Filmen, gelegentlich auch berühmte Gemälbe als Mobell gedient zu haben, so etwa die Tafel­runde und das Flötenkonzert (beides hier nicht in Potsdam, sondern beim Baron Warkotsch). Als den König sieht man natürlich wieder Otto Gebühr, der mit ben Jahren immer selbstverstänblicher, innerlich unb äußerlich, in bie Gestalt hineinge­wachsen ist. Verblüffen!) wirkt immer aufs neue bie Porträtähnlichkeit der Maske, aber Gebühr hat auch begriffen unb zu verwirklichen verstauben, worauf es Molo in seiner Gestaltung ankam: Friebrich in seiner menschlichen Größe unb feiner mensch­lichen Schlichtheit zu zeigen, am Wenbepunkt feines Lebens, in jenen Schicksalsstunben, wo die Ent­scheidung über Rettung ober Untergang an feibenen gäben hing. Eine seiner stärksten und unmittelbar­sten Szenen ist die kurze Begegnung mit der ge­liebten Schwester aus Bayreuth, bie von Hilbe Körber zart unb feinfühlig gegeben wirb. Aus bem riesigen Personal lassen sich nur bie markan­testen Gesichter und Gestalten herausgreifen: Käthe Haack als Maria Theresia, hübscher unb zierlicher, als wir die Habsburgerin van zeitgenössischen Bil­dern kennen; die Dagvver, elegant und schar­mant radebrechend als Pompadour in Paris; in einer winzigen Szene, aber ungemein scharf und plastisch charakterisiert, die Straub als Zarin Elisabeth: die Höflich in ihrer einfachen Mensch­lichkeit als Mutter eines preußischen Deserteurs;

Westermeier derb, zuverlässig, berlinerisch als Musketier Damian Mampe; Bernhard Minetti, sehr pointiert, elegant und geschmeidig in der zwie­spältig schillernden Rolle des Grafen Wallis. Von den vielen Uebrigen feien noch genannt: Carola Höhn, Will Dohm, Paul Klinger, Walter Janssen, Paul Dahlke und Ernst K a r ch 0 w. Die Musik (Marc Roland) verwendet stilvoll die Motive der alten Armeemärsche und eines königlichen Flötenkonzertes. (Syndikat.)

*

Im Beiprogramm sieht man die Wochenschau mit dem Jahresrückblick 1936 unb einen textlich unb bilblich bemerkenswert gut rebigierten Kulturfilm von Aachen Hans Thyriot.

Das Kolibri-Nest.

Von Johan Lnzian

In ben deutschen Winterwäldern gibt es jetzt die Goldhähnchen, bie auf ihren Streifzügen verschneite Fichten nach Insektenlarven burchsuchen. Sie find außer ben Zaunkönigen unb Blaumeisen wohl bie kleinsten Vögel auf ber kalten Welt, unb es kann uns ein Trost sein, baß selbst so zarte Wesen am Leben bleiben, munter sind und durch die schweren Zeiten kommen.

In den südamerikanischen Wäldern ist es um diese Zeit Sommer. Die Bäume sind gewaltige Blütenfträuße, hoch in den Himmel gestreckt: blau der Veilchenbaum, feurigrot die Akazien, wie Trom­petenstöße aus Licht die gelben Lapachos... Und durch all ben Blütenrausch schwirren bie Kolibris, bie kleinsten Vögel in dieser üppigen Welt.

Sie haben ein opalenes Feberkleib, grün unb alt- golden schimmert es, jede winzige Feder ist mit einer unbegreiflichen Liebe geschaffen. Ihr Flug ist ein heiteres Schwirren, ein kleiner Scherzlaut, wenn sie aus bem Stillstehen in ber Luft vor einem Blütenkelch mit einem Sprung davonschwirren unb abermals stillstehenb im Flug ben langen rosa Schnabel in die Honigröhren tauchen ober ein ver­klebtes Insekt herausholen.

Unter meinem Dache, an einem rostigen Enbe Draht, hat ein Kolibri sein Nest gemacht. Es ist ein Seibengespinst, ist wie ein Knäuel Spinnweb, so groß wie eine Kinberhanb. Und in bem Nest liegen vier Eier, nicht größer als Erbsen. Aber ist es nicht wunderbar, daß in diesen winzigen Kügel­chen schon ein Herz zu pochen beginnt, und ist es nicht doppelt wunderbar, daß dieses zarteste Leben sich ganz in die Nähe eines Menschen getraut, ob­gleich es im Urwald tausenderlei Möglichkeiten

hätte, sich zu verstecken, sicher vor jeder Gefahr? Nein, es mußte gerade der Draht unter meinem Hüttendach sein...

Es dauerte kaum vierzehn Tage, dann waren die Jungen ausgeschlüpft, der Kolibri träufelte ober stopfte ihnen mit seinem nabelspitzen Schnabel bie erste Nahrung in bie stummen Schnäbel. Kein Laut im Nest, kein Geschrei und Gepiepse. Schweigendes Erwarten der Mutter, schweigendes Aufnehmen der Nahrung... Und eines Tages war das Nestchen leer, es hängt nun verlassen da am rostigen Draht. Draußen in den Blütenwolken höre ich das heitere Schnarren und Schwirren, es kommt nicht mehr zu mir unter das Dach.

Dennoch, es war da, es war da als ein Zeichen des Vertrauens, es war da, wenn ich von einem Ritt durch die Wälder heimkehrte und dieses heiße Land verfluchte: dann weckte es mich aus der dösenden Schlaffheit mit dem kecken Flügelton. Unb es war in meine Hanb gegeben, wenn ich auf stumpfe Tiere mit ber Peitsche eingeschlagen hatte: bann war bas winzige Leben zum Greifen nahe über mir, ich hätte alles mit zwei Fingern zer­quetschen können. Aber ich tat es nicht.

Unb so ist es überall auf ber Welt, bas Zarteste ist oft auch bas Mutigste, und wie Laatse sagt: Das Zarteste auf Erden überwindet das Härteste auf Erden ...

Zeitschriften.

Die altbekannte hessische ZeitschriftHessen- land", die jetzt im 47. Jahrgang erscheint, will in neuer Form als kurhessische Heimatzeitschrift Vergangenheit und Gegenwart Kurhessens, seine Geschichte, seine Kultur, Kunst unb Literatur, aber auch Wirtschaft, Handel, Landwirtschaft, Gewerbe, Natur und Leben, insbesondere die Kunde vom hessischen Volke in den Kreis ihrer Betrachtung ziehen. Der Inhalt des letzten Heftes ist reichhaltig. Dr. Walter Kramm steuert einen mit ausgezeich­neten Abbildungen versehenen Aufsatz über Hessische Barockplastik bei. Es folgen u. a. Prof. L. Bert­hold: Dreschersprüche in Hessen unb Nassau; Dr. Wolfgang Schüller: Kurhessen und sein Hanbwerk; Dr. Burkhard von Lepel: Die Ehrenhalle der Armee von Hessen-Kassel; H. Bender: Das Christkindchen im Perftal (mit Abbildung); Besprechungen, Bücher­schau, Aus der Heimat, Personalien, Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte unb Lanbes- kunde. Der Verleger unb Herausgeber Dr. C. Hitze- roth (Marburg) hat für bie Herausgabe bie Mit­arbeit von Dr. Fritz Uhlhorn (Marburg) und Sr< Helmut Kramm (Kassel) gewonnen.