nr. 240 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Donnerstag, l4. Oktober 1957
Der stellv. Reichsstudentenführer spricht. — (Aufnahme: Neuner.)
Bei der Siadt Gießen zu Gast
erziehung Studenten überbrachte Grüße des tenführers
der deutschen erörterte. Er einleitend die Reichsstuden-
Nicht jeder Student komme an die Universität und wisse sofort und in allen Stücken, was not
gewesen seien, hätte man sich gefragt, was an ihre Stelle treten würde. Und da sei gerade in Gießen festzustellen, daß ein neues Leben der Kamerad- schastsstudenten schon im letzten Semester begonnen hätte. Es sei von jeher der Wille des Nationalsozialismus gewesen, die jungen Menschen aus den Asphaltwüsten herauszuholen und sie in die land- schaftsoerbundene kleinstädtische Universität zu bringen. In der kleinen Universität kenne einer den anderen, gute Verbindung und Kameradschaft bestehe zwischen Professoren, Studenten, Universität und Militär mit der Stadt. Nur durch dieses gegenseitige Verstehen bekomme der junge Mensch eine richtige Lebensanschauung. Leider sei es in der kurzen Zeit dieses Besuches nicht möglich gewesen, gerade das schöne Hinterland und die herrliche Umgebung von Gießen den Studenten zeigen zu können. Denn das Gebiet um Gießen von der Lahn bis zum Rhein, Wetterau und Vogelsberg fei ein großer Garten, an dem man sich im Sommer und Winter erfreuen könne.
Oberbürgermeister Ritter erklärte den jungen Studenten noch, warum er sie gerade zu einem Glase Patenwein eingeladen hätte, denn auch durch d>e Uebernahme eines Patenortes drücke sich die
die Führung der Arbeiterbewegung in die Hände der Juden geraten. Der Student habe um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auch nicht die Gefahren erkannt, frie aus konfessionellen Spaltungen sich ergeben mußten. Um 1880 sei noch einmal eine neue völkische Bewegung entstanden, der aber auch die zielbewußte Führung versagt geblieben sei. In der Folge gerieten die Studenten außerdem in das Fahrwasser des Materialismus. Noch einmal sei Langemarck ein Lichtblick gewesen, wo der Student ebenso groß zu sterben wußte, wie jeder andere Volksgenosse.
Für die Gegenwart und alle Zukunft habe der Student dem Volke vorzuleben.
Entscheidend sei, daß das deutsche Volk keinen 9. November 1918 mehr erlebe. Es gelte zu wissen, daß man sich in allem und jedem als Deutscher zu fühlen habe.
Erst jene Studenten, die aus dem Kriege zurück- kamen und sich vom Tode beurlaubt fühlten, gründeten in Würzburg die Deutsche Studentenschaft und wollten die Gesinnungsgemeinschaft aller Stu-
Am gestrigen Nachmittag waren die Studenten des Reichslagers auf dem Gleiberg Gäste der Stadt Gießen. Eine Omnibus-Rundfahrt brachte sie durch Gießen und in die nähere Umgebung-, besonders wurden die beiden Kliniksviertel, das Studentenhaus und die Universität besichtigt. Auch ein kleiner Abstecher nach dem Schiffenberg wurde gemacht.
Am Abend trafen sich die Kameradschaftsführer im Saale des Hotel Schütz, wo sie von Oberbürgermeister Ritter begrüßt wurden. Der stellvertretende Reichsstudentenführer Pg. Horn, München, war zu diesem Kameradschaftsabend nochmals zurückgekommen.
Oberbürgermeister Ziffer
gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Kameradschaftsstudenten gerade an einer kleinen Universität zu einem Schulungslager zusammengekommen seien. Die kleineren Universitätsstädte hätten früher sehr viel gegolten und würden auch heute eine bedeutende Rolle spielen, denn die Studenten würden einer solchen Stadt nicht nur das Gepräge geben, sondern bedeuteten außerdem einen wirtschaftlichen Faktor Nachdem die Verbindungen weg
, , . Scheel und führte dann u. a. aus:
denten. Aber immer noch sei die völlige Einigung der Studenten nicht gelungen. Erst dem Nastonal- sozialistischen deutschen Studentenbund, zunächst Kampsformation der Partei, sei es beschieden, das große Eimgungswerk m der deutschen Studentenschaft zu vollenden. In jenem Kampfe um Deutschlands Freiheit, gemeinsam mit den Führern und seinen Männern, lernten die Studenten (wenn es auch anfänglich nur wenige gewesen seien) den deutschen Arbeiter kennen. Heute werde durch neues Leben, durch neue studentische Formen und Gehalte der früher bestehende Gegensatz zwischen Arbeiterschaft und Studententum überbrückt Der Studentenkameradschaftsführer im N S- D St B. habe das neue deutsche Studententum formen zu helfen, und zwar so, daß es nicht mehr in die Gefahr gerate, zu einem oolksfremden Aka- dernikertum zu werden.
Bereits #im ersten Semester müsse sich der junge Student kämpferisch zeigen, unbeschränkt seine Fähigkeiten für das deutsche Volk einsehen, bereit sein, alte Fähigkeiten bis zum äußersten zu entwickeln, Mann zu werden und wahrhaft deutscher Mensch.
Es dürfe keine Ueberheblichkeit und keinen falschen Stolz mehr geben. Der Student müsse soldatischen Geistes sein, bereit, sich einzufügen.
Der Kameradschaftsführer habe den zur Universität kommenden Studenten davon zu überzeugen, daß er nicht „Freistudent" sein könne. Der Kameradschaftsführer müsse Idealist sein und freiwillige Gefolgschaft an sich zu ziehen wissen. Es gehe um geistige Entscheidungen, um die Entwicklung von starken Persönlichkeiten, nicht um geistige Nivellierung. Der Kameradschaftsführer müsse die gefährlichen Mächte erkennen, die die Einheit des Volkes ständig und heimtückisch bedrohten. An seinen Kameraden müsse er von innen her zu bauen verstehe^. Der junge deutsche Mensch warte geradezu ' darauf, von innen her angesprochen zu werden. Der deutsche Student, der viele Kenntnisse und tiefe Erkenntnisse sich aneignen dürfe, habe doppelte Verpflichtung, müsse mehr leisten, er müsse aber auch fröhlich sein können, dürfe auch einmal über die Schnur hauen, aber er müsse sich immer wieder finden. Von ihm sei gefordert Ritterlichkeit und unantastbare innere Haltung. An diesen Zielen mitzuarbeiten, so schloß der Redner, sei große und dankbare Aufgabe des Kameradschaftsführers deutscher Studenten.
Der Vortrag wurde von den Zuhörern mit größter Aufmerksamkeit und mit starkem Beifall ausgenommen.
Studentische Kameradschastserziehung
Oer stellvertretende Reichsstudentenführer auf dem Gleiberg.
Am gestrigen Mittwoch weilte der stellv. Reichs- ftudentenführer Horn, München, bei den Studenten auf dem Gleiberg, die dort zum Zwecke der Kameradschafts - Schulung für geraume. Zeit in einer Lagergememschast versammelt sind.
Der stellv.
Reichsstudentenführer hielt im Saale des La- aers einen Vortrag, in dem er grundsätzliche Fragen der Kameradschafts-
tue. Es gehe heute nicht mehr an, daß sich ein Student in den ersten Semestern austobe.
Der Student der Gegenwart habe kein Recht zu bummeln, denn er sei mehr ats jeder andere Volksgenosse der Gesamtheit des deutschen Volkes verpflichtet.
Es gehe nicht allein um „Berechtigung", nicht allein um das Bestehen der Examina, oder gar um die Vorarbeit für eine zukünftige Pensionsberechtigung. Vielmehr fei ernste Vorbereitung auf den zukünfti- fien Beruf notwendig. In vielen akademischen Berufen sei gesteigerte Verantwortung zu tragen, meist auch für viele andere Menschen. Dafür könne der Student nicht hart genug sein Entscheidend sei, daß er beitrage zu den gesamtvölkischen Aufgaben in nationalsozialistischem Geiste. Es gelte die'Aufgaben erfüllen zu helfen, die dem ganzen Volke gestellt feien. Das sei auch immer den Besten der Studenten, die als Suchende zur Hochschule kamen, die den tiefen Sinn des Lebens in der Erfüllung großer Aufgaben sahen, bewußt gewesen.
Die Studenten der Zeit der Freiheitskriege fanden sich in Freikorps für die Idee des Reiches und für das Ziel, ein einiges Volk zu werden. Diese Bewegung sei damals einzig und allein von Stu- Denten getragen gewesen. Sie erfüllten ihre Aufgaben vorbildlich. Ihr Geist habe aber im Volke mcht tief genug Wurzeln schlagen können. Die Studenten aus der Zeit der Freiheitskriege hätten auch ^azu beigetragen, in den Burschenschaften dem studentischen Leben neue gemeinschaftsbildende Form u geben. Die Idee der Einheit sei also schon zu mancher Zeit und früher im Kreise der Studenten gepflegt worden. Immer sei dabei der Geist ent- Heidend gewesen.
Auch die heutige Studentenschaft müsse begreifen, daß es nicht Unehre bedeute, eine Fahne aufzugeben, wenn es darum gehe, zu einer größeren Fahne und zu größerer Einheit vorzustohen.
In seinen weiteren Ausführungen erinnerte der Redner an die Entwicklung des deutschen Studen- Itrntums bis zu Bismarck und zur Reichsgründung. Leider feien die Studenten während der Entwicklung der Industrie in Deutschland an der jungen Arbeiterbewegung, die in ihren Anfängen durch- (115 national gewesen sei, verständnislos vorbei- trgangen. Gerade zu Beginn der Arbeiterbewegung habe man dort nach einer Führerschaft aus dem li.genen Volke gesucht, die aus der Studentenschaft scätte berauswachsen können. An Stelle dessen sei
Verbindung zwischen Stadt und Land aus. Am Schlüsse seiner Begrüßungsrede trank er auf einen guten Erfolg der Lagerarbeit, die darauf hmziele, die vom Reichsstudentenführer Dr. Scheel angegebenen Wege der Kameradschaftserziehung zu marschieren.
Oer stellv. Reichsstudentenführer Horn
dankte dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen im Namen seiner Kameraden für die freundlichen Begrüßungsworte und sagte, daß die Studenten gern jede Gelegenheit wahrnehmen, um mit führenden Männern der Partei, Behörden oder Wirtschaft zusammen zu sein. Dann machte der stellv. Reichsstudentenführer interessante Ausführungen über die Kameradschaften und betonte den Zweck der Reichslager, die eben in den verschiedenen deutschen Gauen von der Reichsstudentenführung durchgeführt würden Die Lager hätten den Zweck, die künftigen Ka- meradschaftsführer so heranzubilden, daß sie nachher in der Lage seien, andere junge Menschen hinter sich zu bringen. In den Lagern wolle man keine Probleme wälzen, sondern sich zunächst vertraut machen mit dem Land, in dem das Lager
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liege. Man wolle auch sehen, was gerade die Universität Gießen für das Leben des Landes bedeute.
Das Bestreben der Reichsftudentenführung gehe dahin, den jungen Studenten in engen Zusammenhang mit der Bevölkerung zu bringen, ihn aus 8er Abgeschlossenheit herauszunehmen und ihn mitten hineinzustellen in das Leben der deutschen Menschen. In seinem späteren Beruf sei der Student immer für Menschen verantwortlich, deshalb müsse er Menschen kennengelernt haben Deshalb freue man sich immer, wenn bei Schulungslagern, die richtunggebend sein sollen, Männer der Partei und Behörden der Lagerleitung Gelegenheit geben, Land und Menschen kennenzulernen. Als Student müsse man sich damit abgeben, was eigentlich die Aufgabe des Lebens fei. Die Kameradschaften seien keine Diskussionsklubs, und man wolle sich nicht nur mit ernsten Dingen beschäftigen, sondern man wolle auch frohe Stunden erleben Die Häuser der Kameradschaft sollen auch nicht einer Abgeschlossenheit dienen, sondern Mittelpunkt des Lebens einer Kameradschaft fein. Der Student solle auch ruhig in die Gaststätten hinausgehen, froh sein und das neue studentische Leben zeigen. In dieser ernsten Zeit könne man natürlich nicht verlangen, daß noch einer Verständnis für besoffene Menschen aufbringe, aber für fröhliche Menschen hätte heute jeder Verständnis.
Wenn der deutsche Student heute auch ernst geworden fei, so habe er niemals den Frohsinn verlernt, denn Freude gebe Kraft zum Arbeiten. Die den Kameradschaftsführern anvertrauten jungen Kameraden wolle man nicht zu Muckern und Philistern erziehen, sondern sie in Dinge der Erholung führen. Es werde bald die Zeit kommen, wo der Student der sein werde, der durch seine Haltung nach außen mit dazu beiträgt, ein neues Leben in die Universitätsstadt zu bringen. Man suche auch ganz bewußt die Verbindung zu den Familien der Stadt und wolle durch gemeinschaftliche Veranstaltungen mit dazu beitragen, die Menschen der Der» scksiedensten Berufe zusammenzubringen. Die heutige studentische Jugend verstehe unter dem Begriff Volksgemeinschaft etwas anderes als Schulterklopf- sozialismus. Gemeinsam werde mit den Stürmen marschiert, der Student löse einen Arbeiter für einen zusätzlichen Urlaub an feiner Werkstelle ab, und bei der Mitarbeit werde sich schon eine Gemeinschaft herauskristallisieren. Die Männer setzten sich heute.
Am Wrldwaffer.
Von Otto Bischer.
. Die dunklen Libellen, die durch die Sonnenflecken Der dem Wasser schwirrten, schimmerten genau so crüngolöen wie die Rückenfedern des Schwarz- (swrches. Wenn dieser einen langsamen Schritt über iie Steine machte, durch den glitzernden Wider- syein der Bachwellen, leuchteten die tiefroten Ständer, der lange Stechschnabel wie eine warme Blüte ind blitzten metallen die langen, schmalen Federn Din Rücken und Hals. Und doch war der Wald- si!orch in seiner dunklen Unbeweglichkeit des graugrünen Dämmerns der Waldschlucht kaum erkenn- bir, denn er verschmolz mit einem Schwarz in all d-m jungen Grün, dem Braun der Stämme, dem Lunkel tiefer Wasserstellen beinahe vollständig.
Von Zeit zu Zeit machte er einen Stelzschritt dlcrch das Gestein des Baches, dabei musterte er scharf das Wasser. Bemerkte er unter einem der jlidjen Steine eine quirlende Bewegung ober gar bis Schwanzflosse einer lauernden Forelle, bann fegte er rasch ben Fuß borthin unb wenn bie Foul le erschreckt aus bem Versteck fuhr, stieß blitzschnell bir Schnabel zu unb schon würbe ber glitzernbe F sch hochgeworfen, um im Kehlsack zu verschwin- bin-
Rings in ben Schluck;twänben trillerten bie Fin- leri, flöteten bie Drosseln und rucksten die Tauber. fj«er unten im Dämmerdunkel aber war es still, nur die Wellen lispelten, manchmal zeterte auch ein Zaunkönig oder eine Wasseramsel machte zwit- Idiernt) ihre Bücklinge.
Stanb dann die Sonne genau im Scheitelpunkt der Schluchtwände, so glitt regelmäßig ein schwarze" Schatten durch das satte Grün des Wipfel- bcches, senkte sich, und schon ftänberte die Störchin luben ihm im Bachbett. Dann schwang sich der Lchwarzstorch auf, um den Platz auf den Eiern des Horstes, oben in dem Wipfel einer mächtigen Eiche in der Steilwand einzunehmen, solange die Ssährtin sich sättigte.
Das Geriet, wo der Schwarzstorch seinen Stand- Oti hatte, war ein geräumiger Kessel, der, talzu von itnei engeh Felswänden abgeriegelt, keinen Ein- |li g gewährte. Der Fußsteig, der den Bach herauf- jiiinrte, war gezwungen, weit vor dem Felstor den f)cng aufzusteigen, um die Klamm zu umgehen. 6( kam es, daß nie einer der wenigen Menschen, lii ben Fußsteig benutzten, ben Schwarzstorch in feiner Einsamkeit aufstörte, unb auch bas Wild fand fidi hier beim Bache nur selten zur Tranke ein, Diil die felsigen Schluchthänge ungünstige für einen
Wechsel waren. Die Tage flössen wie die Jahre, seit die Schwarzstörche hier ihren Sommereinstand hatten, in ungestörten Frieden für sie hin.
Jeden Tag konnten die Jungen des Storchen- paares die Eierschalen aufbrechen, denn es ging schon dem Juni zu, und überall zirpten die Jung- vögel der Drosseln, Finken und Meisen im Walde. Da schallte eines Morgens ein unbekannter, ferner Ton das Tal herauf. Er wiederholte sich, wurde allmählich lauter, und bald vernahm der Schwarzstorch ein Pochen und Scharren, in das sich die Stimmen vieler Menschen mischten Aber noch fühlte sich der Schwarzstorch nicht beunruhigt, denn obwohl die Stille feiner Einsamkeit unterbrochen war, schien bie heimliche Abgeschiebenheit boch nicht unmittelbar bebroht. Aber nach einigen Tagen war ber Lärm schon so stark geworben, baß ber Schwarzstorch beschloß, über bie Wipfel zur Umschau aufzusteigen, obgleich er sich nicht gerne im Hellen Tageslicht zeigte.
Er brauchte nicht lange zu fliegen, da sah er schon, wie eine ganze Anzahl Menschen sich langsam durch den Wald bewegte, hinter sich einen kahlen Streifen zurücklassend. Er wußte sogleich, baß bies eine Straße war, bie einzig ben Menschen gehörte, unb ber zu nahen immer eine Gefahr in sich schloß. Unb biefe Straße kam genau auf ihr Gebiet zu.
Nun waren auch bie Jungen ausgefchlüpft, bie sie nicht mehr verlassen konnten. Den Jungen bie Atzung zu beschaffen, zwang sie zu ftänbiger Regsamkeit, was bie Gefahr, gesehen zu werben, vergrößerte. Dennoch blieben sie in ihrem heimlichen Gebiet, hielten sich aber noch mehr versteckt unb wenn sich bas Storchenpaar traf, gab es kein fröhliches Schnabelklappern, sondern nur scheue Blicke, die zur Vorsicht mahnten.
Die Jungen brauchten noch nicht viel Nahrung. Diese fand sich leicht unter den riesigen Lattichblättern im Schemmland längs des Baches, wo es in Unmengen Würmer und Schnecken gab. Hier hielt sich der Waldstorch verborgen, wenn er aber aufftieg, um den Jungen das Futter zu bringen, glitt er vorsichtig zwischen den dichten Wipfeln hin, damit er ja nicht bemerkt werden könne.
Ganz nahe war schon das Wühlen und Scharren gekommen. Jeden Augenblick fürchtete ber Wald- storch Menschen längs bes Baches auftauchen zu sehen. Doch halb merkte er, daß die Straße nicht in der Talsohle weitergeführt wurde, sondern dort, wo der Kessel durch die Felswände abgesperrt war, den Berg hinanstieg.
Das bewog ihn zum Ausharren in seinem Versteck. Er baute auf feine dunkle Schutzfarbe und
der Schärfe seiner Augen, die jede Bewegung erfaßten und alles Verdächtige sogleich zu deuten vermochten. Die Störchin aber vertrug die Unruhe und ständige Angst nicht, sie schweifte unstet umher unb zeigte sich nur am Abenb, wenn ber Lärm verstummt war unb am Morgen, bevor bie Arbeit begann.
Nun waren bie Menschen mitt ihrer Tätigkeit bis bicht über ben Kessel gelangt. Das Tal war erfüllt vom Getöse, manchmal bonnerten Baumstämme nieder, dann wieder knallten Steine den Hang herab — dann duckte sich der Schwarzstorch, machte sich zum Abflug bereit, unb hielt boch aus, seine Einsamkeit hartnäckig zu oerteibigen
Die Störchin war gänzlich geflohen. Selten nur unb verängstigt wagte sie sich an ben Horst, die Jungen hastig zu füttern, so daß die Ernährung der Brut beinahe vollständig dem Storchenvater überlassen blieb. Dieser wich nicht. Er vertraute dem Waldwinkel, der ihn schon viele Jahre beschützt hatte, und war bereit, eher selbst unterzugehen, bevor er den Horst unb bie Jungen, bie er nur von hier aus oerteibigen konnte, verließ.
Doch es geschah ihm nichts, obwohl einzelne der großen Felsblöcke bis zum Bache niederdonnerten. Von dort oben, wo sie den Weg bauten, verschlossen die Baumwipfel den Einblick in ben Kessel unb auch ben Horst entbecfte niemand. Bis dann der Schwarzstorch zu seiner Erleichterung feststellte, daß sich die Menschen mit ihrer Arbeit wieder vom Kessel entfernten, immer höher bergauf ben Hang an= fteigenb.
Dan war es langsam still geworden. Nur zeitweilig polterte oben ein Wagen hin, klangen verwehte Menschenstimmen, doch das waren Laute, die keine Drohung mehr in sich schlossen, die einer fremden Welt angehörten, welche die feine nicht zu beeinträchtigen vermochten.
Friedlich träumten Wald unb Bach unter ber steilen Julisonne. Die Jungen stauben schon aufrecht im Horst unb begrüßten freudig den Vater, wenn er ihnen die Nahrung brachte, lind am Horst traf auch der Schwarzstorch eines Tages die Störchin, die sich wieder eingefunden hatte. Mit Schnabelgeklapper erzählten sie sich von der ausgestandenen Angst und schlossen aufs neue den Bund fester Zusammengehörigkeit, dem nun auch die Jungen angehörten.
Später dann, als sie noch viele Sommertage mit den Jungen im Wildwasser hinstelzten, um diese im Fischen zu unterweisen, reckten sich oft noch die Schwarzstörche hoch auf, schüttelten das Gefieder unb schlugen mit ben Schwingen, als müßten sie noch immer ihre Freube über die wiedergewonnene
Heimat bezeugen. Ihre so friedlich verborgene Heimat, die ihrer Heimlichkeit ganzes Glück 'war, die sie schon fast verloren und doch wieder einzig für sich errungen hatten.
Zeitschriften.
— Im Oktoberheft der Zeitschrift „Mutter und Kind" (Verlag Elwin Staude, KG., Berlin W 30) werden „Wachstumsabläufe im Säuglingsalter und bie Verhütung ber Entwicklungsstörungen" eingehenb behanbelt. Auch ber übrige Inhalt des Heftes, das mit einer Anzahl hübscher Bilder geschmückt ist, ist für die Mutter und Hausfrau, für die Säuglingspflegerin, Kindergärtnerin ufw. interessant und lehrreich. Einiges aus dem Inhalt: „Vererbung unb Erziehbarkeit", „Wenn Kinder essen sollen", „Ein Kinb schenkt". „Das Männlein auf der Drachenschnur", „Auch eine Schulaufgabe".
ßod)fd)ulnad)hd)fen.
Zu ordentlichen Professoren wurden ernannt: die Dozenten Dr.-Jng. habil. Walter Pflaum an der Technischen Hochschule Berlin (Schiffsmotoren); Dr. Dr. Gottlieb Soehngen an der Staatlichen Akademie Braunsberg (Fundamental-Theologie).
Dem Dozenten für Pflanzenbau unb Pflanzenzüchtung, Dr. Josef Knoll, bisher an ber Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim, ist unter Ernennung zum Ordentlichen Professor der Lehrstuhl für Acker- und Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Leipzig übertragen worden.
Von den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden: Professor Dr. phil. Arthur Wehnelt an der Universität Berlin (Physik) und Professor Dr. phil. Franz Arthur Schulze an ber Universität Marburg (Physik) wegen Erreichung der Altersgrenze.
Entgegen einer früheren Melbung, daß Professor Dr. Karl Willi Wagner von der Technischen Hochschule Berlin auf Grund des § 6 des Berufsbeamtengesetzes in den Ruhestand versetzt sei, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß Professor Wagner sich als Ordinarius in der Fakultät für Maschinenwesen nach wie vor im Amte befindet.
Professor Dr. Carl-August Fischer, Ordinarius in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Königsberg, ist auf seinen Antrag aus dem Staatsdienst entlassen worden.


