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Aus der engeren Heimat.

Zieichstrachlentreffen 1938 in Marburg.

LPD. Marburg, 13. Okt. Vor einigen Ta­gen sand in Marburg eine Tagung sämtlicher Gau­sachstellenleiter für deutsche Trachtenpflege und Landsmannschaften statt. In dieser Sitzung wurde darauf hingewiesen, daß das Marburger Land das größte geschlossene Trachtengebiet Deutschlands ist, und daß demzufolge für das große Reichs­trachtentreffen 1938 kein besserer Ort als Marburg gefunden werden könne. Der Beschluß kam einstimmig zustande. Als Zeitpunkt ist die erste Hälfte des Monats Juni 1938 vorgesehen; der ge­naue Termin wird noch bekanntgegeben.

Bezirkssparkasse Nidda.

5 Nidda, 13. Okt. In der Mitgliederversamm­lung der Bezirkssparkasse Nidda wurde über das Geschäftsjahr 1936 folgendes bekanntge­geben: Der Gesamtumsatz betrug 40 999 501 Mark, die Bilanzsumme 5 233 322 Mark. Im Bericbts- jahr wurden 801 Sparkonten /teu errichtet, so daß Ende 1936 8466 Sparbücher mit 4 452 384 Mark im Umlauf waren. Im Kontokorrentverkehr wur­den 121 neue Konten errichtet. Die Kontokorrent­guthaben betrugen Ende 1936 541 781 Mark. Bi­lanz, Gewinn- und Verlustrechnung, sowie das Rech­nungsergebnis in 1936 und die statistischen Zah­len zeigen regen Geschäftsgang im Berichtsjahr und erbringen den Beweis dafür, daß dank der tatkräftigen Staatsführung unseres Führers und des damit allgemein wiedergekehrten Vertrauens auch die Bezirkssparkasse Nidda in jeder Beziehung eine beachtliche Stärkung erfahren hat. Die Ge­meindeoertreter wurden zur regen Mitarbeit er­mahnt. Gerade ihnen obliege die besondere Pflicht zur Mitarbeit umsomehr, als die Gemeinden als Träger der Bezirkssparkasse zu betrachten und da­her besonders interessiert seien.

Landkreis Gießen.

A Heuchelheim, 13. Okt. Die Vorführungen der G a u f i l m st e l l e waren seither im Saale der WirtschaftZum Treppchen". Da dieser Saal an Spielabenden häufig dicht besetzt und nicht ausrei­chend war, hat man jetzt zu den Lichtspielveranstal­tungen die geräumige Turnhalle genommen. Diese gewährt ausreichenden Platz bei mehr Be­weglichkeit, und durch das bequeme Sitzen werden die Stunden der Filmvorführung zu angenehmen, zumal, wenn gute Filme gezeigt werden. Das war bei der heutigen Veranstaltung wieder der Fall. Es wurde der GroßtonfilmDer Kurier des Zaren" gezeigt, der von Anfang bis zum Schluß die sehr zahlreich Erschienenen in Spannung hielt. Auch die Beifilme waren von großem Interesse.

! G r o ß e n - L i n d e n, 13. Okt. Eine stattliche Zahl von Mitgliedern des Zweigoereins H ü t t e n b e r g" vom D H C. fand sich am Sonn­tag zusammen, um eine Wanderung durch den schönen Herbstwald zu unternehmen. Vom,Bahnhof Großen-Linden führte der Weg über Leihgestern auf dem alten Schiffenberger Weg am Forsthaus Baumgarten vorbei nach Hausen, wo eine kurze Kaffeepause gehalten wurde. Leichter Regen war inzwischen niedergegangen. Auf dem Heimweg, der über Watzenborn-Steinberg führte, herrschte wieder helles, klares Wetter. Auf den Wiesen und im Walde konnten zahlreiche Pilze gesammelt werden, so daß diese Wanderung nicht nur sehr schön, son­dern auch rechtnahrhaft" war.

s. Lang-Göns, 13. Okt. Im Monat Oktober können wieder zwei der ältesten Einwoh­ner unseres Dorfes ihren Geburtstag begehen. Am 2. des Monats vollendete Johannes Karl Rompf, Obergasse, sein 8 0. Lebensjahr, und am 17. Oktober wird Kirchenvorstandsmitglied Konrad Velten, Obergasse, 8 4 Jahre alt.

Beide sind körperlich wohl etwas behindert, geistig aber noch von großer Frische. Bemerkenswert ist, daß unser Mitbürger Joh. Karl Rompf der fünfte Einwohner von Lang-Göns ist (darunter eine Frau), die in diesem Jahre das 80. Lebens­jahr überschreitet. Im Dezember wird auch Konrad Rudolph, Obergasse, 80 Jahre alt. Der Jahr­gang 1857 scheint also ein ganz besonders ge­sunder zu sein. Bei der Zwischenzählung der Schweine wurden folgende Zahlen festge­stellt: Zuchtsauen 149, Zuchteber 57, Schweine 1375. Die Zahlen vom März 1937: Zuchtsauen 121, Zucht­eber 12, Schweine 1265.

* Holzheim, 13. Okt. Bei der Arbeit im G e - meindesteinbruch verunglückte heute der Ar­beiter Ernst Klee von hier. Der bedauernswerte Mann mußte von der Gießener Sanitätsklonne mit einem Unterschenkelbruch nach Gießen in die Klinik gebracht werden.

I Hausen, 11. Okt. Am gestrigen Sonntag fand im Saale der Wirtschaft Fink eine O b st - a u s st e l l u n g des hiesigen Gartenbau­vereins statt. Der Vereinsführer, Bürgermeister Göbel, konnte eine große Anzahl von Besuchern begrüßen. Baumwart Schön von Lich sprach über Obstbaumpflege. Auf langen Tischen konnte man das ausgestellte Obst nicht nur sehen, sondern auch wirklich bewundern. Denn es war wertvoll­stes Ausstellungsobst, das hier zu sehen war, was um so mehr ins Auge fiel, als die Hausener Ge­markung nicht erstklassiger Boden ist. Auch wurde der Fortschritt zwischen den Ausstellungen vor Jahren und der gestrigen festgestellt, was in erster Linie der rührigen Aufklärungsarbeit des Gar­tenbauvereins zu danken ist. Besonders bewundert wurde ein prachtvoller Blumenaufbau, den der Rechner des Vereins, Altbürgermeister Happel, mit großem Eifer und gutem Geschmack zusammen- gestellt hatte. So kann der Gartenbauverein mit Genugtuung auf diese Ausstellung zurückschauen in dem Bewußtsein, daß seine aufklärende Arbeit und dienstbereite Hilfe auf fruchtbaren Boden gefal­len ist.

4= Lauter, 12. Okt. Gegenwärtig ist hier die Dickwurzernte in vollem Gange. Der Ertrag ist dieses Jahr ein guter. Die erste Eintopf- sammlung ergab hier den Betrag von 24,65 Mark. Gestern gegen 21 Uhr wurden die hiesigen Einwohner durch Feueralarm geschreckt. Zum Glück stellte es sich bald heraus, daß es sich nicht um einen Ernstfall handelte, sondern daß Kreis­feuerwehrinspektor Bouffier (Gießen) erschienen war, um die Schlagfertigkeit der hiesigen Wehr zu erproben. In seiner Begleitung befand sich Regie­rungsrat Dr. Fuhr vom Kreisamt Gießen. Als Brandherd war die Scheune des Landwirts O. Zim­mer, als Brandursache Blitzschlag angenommen worden. Im Anschluß an die Uebung hielt Regie­rungsrat Dr. Fuhr die Kritik. Er sprach der Wehr für ihre Einsatzbereitschaft das höchste Lob aus, denn bereits nach zehn Minuten, nachdem er dem Wehrführer die Mitteilung gemacht hatte, war die Wehr völlig einsatzbereit an der Brandstelle. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer schloß der Vertreter des Kreisamts feine Ansprache.

Kreis Alsfeld.

Ctl Burg-Gemünden, 11. Okt. Die hiesige Spar- und Darlehnskasse hat sich ent­schlossen, eine Kartoffeldämpfungsan^ läge anzuschaffen, die von Hof zu Hof und, da mehrere Dörfer der Genossenschaft angehören, von Dorf zu Dorf gefahren werden soll. Die Dämp­fungskosten belaufen sich je Zentner auf 30 Pf.

Bleidenrod, 11. Okt. Die Dreschma­schine konnte nun auch in unserem Orte ihre Tä­tigkeit einstellen. Der Körnerertrag entsprach den Erwartungen. Die Kartoffelernte brachte ebenfalls gute Erträge. Vor allem befriedigten Böhms ,,Ackersegen" undPriska". Gegenwärtig

werden die letzten Weizenäcker bestellt. Viele Bau­ern sind mit der Errichtung von Futtersilos beschäftigt. Im Zuge der F e l d b e r e i n i g u n g wurde durch eine Abteilung des Reichsarbeitsdien­stes Burg-Gemünden eine größere Hohl geschleift und dadurch zehn Morgen wertvolles Ackerland gewonnen. Die durch die Arbeiten geschädigten Anlieger erhielten das gewonnene Land bis zur endgültigen Regelung durch die Feldberei­nigung kostenlos zur Nutzung überlassen.

D e ck e n b a ch, 14. Okt. Am kommenden Sonn­tag kann unser Einwohner Johannes Reiß II. seinen 7 9. Geburtstag begehen. Der hochbetagte Mann hat im Jahre 1881 beim Jnf.-Regt. 116 seiner Militärdienstpflicht genügt.

Kreis Wetzlar.

# Wißmar, 11. Okt. Nach Aufzeichnungen in der D o r f ch r o n i k stand in früherer Zeit im Wißmarbachtal ein Hof, der in späteren Jahren durch Kriege und Brandschatzungen der Zerstörung anheimfiel. An der Stelle, an der der Hof gestanden haben mag, wurden dieser Tage bei Ausschachtungs­arbeiten 18 S i l b e r g e l d st ü ck e in der Größe der gegenwärtigen Fünfmarkstücke gefunden. Die Jahreszahlen der Prägung weisen in die Jahre von 1620 bis 1680 zurück Die Wappenbilder der Geld­stücke sind verschieden. Am gestrigen Sonntag überflogen zwei Freiballone unser Dors in

der Richtung nach Wieseck. Bei der Jugend löste der seltene Anblick große Freude aus. Einer der bei­den Ballone flog sehr niedrig, und die Insassen, drei Personen, machten sich durch Winken und Zu­rufe bemerkbar Die Kartoffelernte in unserer Gemarkung brachte dank des Saatgutwechsels hohe Erträge. Am Samstagabend wurde durch die G a u f i l m st e l l e im Saale von Wolf bei gutem Besuch der FilmDer Kurier des Zaren" gezeigt. __________

Nundfunkprogramm

Freitag, 15. Oktober.

6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkon­zert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Auf dem Jahrmarkt ist es wunder­schön. 11.40: Deutsche Scholle. 12. Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opern­freund. 15: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittags­konzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Bitte einschalten Adolf Gondrell plaudert und das kleine Funkorchester spielt. 20: Deutsches Konzes 22: Nachrichten (auch aus dem Sende- b^ikk), 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtmusik.

Gallusmarkt in Grünberg.

Der erste Tag.

+ Grünberg, 13. Oktober. Während auf dem oberen Teil derKäswiese" schon Ende der vorigen Woche ein Teil des Juxplatzes aufgebaut wurde, so daß der Sonntag schon Eröffnungsvorstellungen brachte, entstand am Dienstagnachmittag, nachdem Marktmeister Frank die Verlosung der Krämer­stände vorgenommen und auch der Juxplatz noch weiteren Zuzug erhalten hatte, bald eine kleine Zeltstadt, so daß das gewohnte äußere Bild des Gallusmarktes fertig war. Wenn auch die Zahl der Krämerstände nicht die Höhe des Vorjahres er­reichte, so war dagegen der Juxplatz besonders reichhaltig ausgestattet: Konditoreien, Eisbuden, Schießhallen und Verlosungsstände waren mehr­mals vertreten, ferner Kalperltheater, Zirkus, Tier­schau, Schiffsschaukel, Karussell, Raketensahrt zum Mond und die Fahrt an der Todeswand; hier er­wiesen sich die beiden letzten als die Hauptan­ziehungsnummern.

Günstiges, d. h. trockenes und mildes Herbst­wetter, das den ganzen Tag über anhielt, war eine gute Vorbedingung für den Markt, dem auch der Nebel am Morgen keinen Abtrag brachte. Schon früh begann der Auftrieb zum Schweine - und Viehmarkt. (Siehe besonderen Bericht im Wirt­schaftsteil.) Um 9 Uhr begab sich die Kapelle Horst zum Bahnhof, um von dort aus ihren Marsch durch die Stadt nach dem Gallusmarktplatz anzutreten, um durch ihre Marschmusik die Volksfeststimmung ein­zuleiten.

Um die Mittagszeit setzte starker Zustrom von Marktbesuchern ein, besonders die um diese Zeit eintreffenden fahrplanmäßigen und die eingelegten Sonderzüge waren hieran stark betei­ligt, ebenso war eine Anzahl großer Kraftomnibusse, die aus den verschiedensten Richtungen in mehr­facher Fahrt verkehrten, stark mit der Heranbrin- gung der Marktbesucher beschäfttgt. Es dürfte schwer sein, eine genaue Schätzung der Besucher, die nach Tausenden zählten, vorzunehmen, da sich diese so­wohl auf den Markt, als auch auf die Stadt ver­teilen und ein fortwährendes Hin und Her statt­findet. Doch war die allgemeine Feststellung, daß die Besucherzahl die des Vorjahres übertraf.

So entwickelte sich von der Mittagszeit ab das gewohnte Bild des Gallusmarktes: eine unablässig hin- und herwogende Menge in den langen Gassen der Verkaufsstände und besonders stark auf dem

Juxplatz, dann das Hin und Her vom Markt zur Stadt, um dort Geschäftshäuser oder Gastwirtschaf­ten zu bevölkern. Bei dem. günstigen Wetter hatten diesmal Juxplatz und Verkaufsstände auf dem Markt wohl größeren Betrieb, als die Geschäfts­häuser in der Stadt. Die erwähnte größere Zahl der Marktbesucher brachte jedoch auch ihnen guten Zustrom, ebenso den Wirtschaften, Metzgereien und Kaffeestuben. Hier hatte dieses Jahr die Stadtver­waltung auf Wunsch der Marktkommission Ein­heitspreise für Speisen und Getränke festsetzen lassen, um beiden Teilen, den Wirten und den Gästen, gerecht zu werden. Jedenfalls dürften die Geschäftsleute der Stadt, und wohl noch mehr die auf dem Markt, gemessen an der größeren Be­sucherzahl, mit dem finanziellen Ergebnis zufrie­den sein.

Am späten Nachmittag begann in fünf Sälen der Stadt der Tanz, der bis in die späte Nacht hin­ein andauerte und dem die Jugend der Umgegend stark huldigte. Die Marktwache und die durch aus­wärtige Kräfte verstärkte Polizei fand bis zum Abend keinen Anlaß zum Eingreifen.

Der zweite Markttag (Donnerstag) bringt die Fortsetzung des Krämermarktes und der Volksbelustigung, außerdem die Verkündi­gung der Sieger und die Preisverteilung im W e t t - bewerb der Schüler um den besten Vierzeiler zum Lobe des Grünberger Gallusmarktes. Daß der Wettbewerb Anklang gesunden hat, beweisen die 121 Einsendungen aus Grünberg und 26 Orten der näherem nud weiteren Umgebung. Ein Dutzend Geldpreise und noch zahlreiche Trostpreise in Gestalt von Freifahrten am Karussell stehen für die glücklichen Preisträger zur Verfügung.

Am Sonntag wird in der Turnhalle die Ziehung der G a l l u s m a r k tv e r l o s u n g vor sich gehen und der Juxplatz seine Abschiedsvorstellungen bringen.

MWisljWMU!

Roman von Bernhard Lonzer.

Ukheberrechtsschutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

41 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Stumm gehorchte Wolfersdorfs. Vorsichtig hoben die beiden Männer Gloria auf und trugen sie da­von. Stefan leuchtete. Man wählte den bequemeren Weg, aber immer wieder kam ein leises Stöhnen von Glorias Lippen, wenn eine Unebenheit des Bodens den Schritt der Männer unsicher machte.

Stefan ließ sie in ihr Zimmer tragen und ging sofort daran, den Fuß zu untersuchen

Der Knöchel scheint gebrochen zu sein", erklärte er.Sie können natürlich nicht hierbleiben. Ich werde einen Kollegen anrufen, der Sie in seiner Prioatklinik behandeln kann."

Er wandte sich dem Förster zu.

Bitte, Lohmann, sagen Sie Friedrich, daß er sofort den Wagen fertig macht."

Zögernd und schuldbewußt kam Wolfersdorfs von der Tür heran.

Es tut mir sehr leid, Frau Konsul ..."

Gloria gab keine Antwort. Auch Stefan schwieg. Stumm wandte Wolfersdorfs sich ab und verließ das Zimmer.

Stille herrschte für ein paar Sekunden zwischen den beiden Zurückbleibenden.

Es ist glücklicherweik" uoch gut abgegangen", un­terbrach Stefan das Lu-weigen.Wie sind Sie denn dorthin gekommen?"

Ich hatte keine Ruhe und bin spazierengegangen. Aber ich verstehe das alles noch nicht wie kam denn Wolfersdorfs dazu?"

Er hat gewildert. Es wird ihm natürlich nicht um das Wud selbst zu tun sein, er ist wohl nur von einer hemmungslosen Jagdleidenschaft be­herrscht. Immerhin, er ist ein übler Bursche. Seine Rolle hier ist damit ausgespielt."

Mit einem finsteren Blick sah Gloria zu ihm auf.

Nicht nur die seine, Stefan. Auch die meine ..." Nun, das ist natürlich kein Vergleich."

Aber es kommt auf dasselbe heraus. Ja, Stefan, nun ist es doch so weit nun muß ich gehen wir werden uns nicht Wiedersehen .."

Aller Voraussicht nach nicht. Aber es ist gut so, Gloria."

Gut ...! Es ist schwer, daran zu glauben. Gut ist nur, daß du wieder Gloria zu mir sagst, Ste­fan ..."

Warum soll ich es 'm dieser Stunde nicht tun ...!"

Du bist mir nicht mehr böse, Stefan? Du denkst nicht mehr schlecht von mir?"

Nein, Gloria, ich bin dir nicht böse. Niemand kann für sein Herz. Und wenn dir daran gelegen

ist, daß ich dich im guten Andenken behalte, dann sei deinem Manne eine gute Frau. Er verdient es. Kannst du mir das versprechen, Gloria?"

Sie umfaßte sein Gesicht mit einem langen Blick.

,Lch will es dir versprechen, Stefan." Dann griff sie nach seiner Hand. ,Zch wünsche dir alles Gute, alles Glück ..."

Er konnte nichts darauf erwidern. Glück alles Glück . .! Das gab es nicht für einen Menschen, der Stefan von Achenbach hieß!

Dann leb' also wohl, Gloria", sagte er mit fremd klingender Stimme.Und soll ich deinem Mann telegraphieren?"

Langsam glitt ihre Hand aus der seinen. Sie sah in die Ecke des Zimmers.

3a, Stefan", kam es leise von ihren Lippen.

15.

Langsam schlichen die Tage auf Schloß Achenbach dahin. Ein geheimer Druck lastete auf den Bewoh­nern. Selbst Fräulein v. Birkhammer machte den Eindruck eines verschüchterten Vogels. Sie hatte Annelore gegenüber einmal eine scheue Frage ge­wagt, aber nur ein trostlos-kümmerliches Lächeln zur Antwort bekommen.

Stefan zog sich nach dem Abendessen stets sofort wieder zurück. In den ersten Tagen nach des Mas­kenfest war ihm der Gedanke, Annelore täglich um sich haben, mit ihr sprechen, und arbeiten zu sollen, unerträglich erschienen. Ein paarmal hatte er sich vorgenommen, ihr zu sagen: Sie haben keine Freude mehr an Ihrer Arbeit, Fräulein Hildach. Ich will sehen, daß ich Ihnen behilflich sein kann, etwas anderes zu finden Aber jedesmal, wenn er dazu angesetzt hatte, war ihm der Mut wieder gesunken. Er verstand das er[t als er Annelore zum ersten­mal mit vollem Bewußtsein wieder ansah. Mit einiger Ueberraschung stellte er fest, daß sie sich in dieser Zeit merkwürdig verändert hatte. Man konnte beinahe annehmen, daß sie im stillen litt. Vielleicht waren es die veränderten Verhältnisse, die drückende Atmosphäre, die jetzt im Hause herrschte. Sie war ja sehr feinfühlig und machte sich vielleicht Vorwürfe, daß sie den Anlaß dazu gegeben hatte, wenn sie auch nicht anders gekonnt hatte. Sie tat ihm leid, aber es war ihm unmöglich, ihr gegen­über wieder einen wärmeren, versöhnlichen Ton zu finden. Und es war ihm unmöglich, sich länger als unbedingt notwendig in ihrer Nähe aufzuhalten.

Wolfgang von Achenbach hatte den Dingen eine Zeitlang schweigend und grollend zugesehen. Eines Tages, als er mit Stefan etwas M verhandeln hatte, ging das Herz aber doch mit ihm durch. Stefan wollte das Arbeitszimmer wieder verlassen, aber er hielt ihn zurück.

Einen Augenblick, ich habe noch etwas Persön­liches mit dir zu sprechen."

Sie standen sich mitten im Zimmer gegenüber. Wolfgang von Achenbach holte ein paarmal tief i Atem, dann fuhr er fort:

Nicht etwa aufbrausen oder den Gekränkten spielen, bitte! Ich muß jetzt Klarheit haben, unter allen Umständen; denn so geht es nicht mehr wei­ter. Du brauchst mir keine Erklärungen zu geben, wenn du nicht magst, aber ich frage dich aufs Ge­wissen: bist du der Anlaß zu den veränderten Ver­hältnissen?"

Ohne Empfindlichkeit sah Stefan ihn klar und fest an.

Nein!"

Klar und fest hatte auch die Antwort geklungen.

Nicht ...?" setzte der Großvater ihm unsicher entgegen.

Zweifelst du an meinem Wort?"

Natürlich nicht. Aber ja, du willst also sagen, daß Annelore daran schuld ist?"

Nein. Sie kann so wenig dafür wie ich."

Der Großvater sah ihn ohne Verständnis an.

Ja, aber keiner von euch soll schuld daran sein ich weiß ja nicht, was vorgefallen ist, aber wenn es so ist, dann kann es sich doch nur um irgendein Mißverständnis handeln."

Stefan zuckte die Achseln.

Mißverständnis? Nach meiner Auffassung ist die Sache sogar sehr klar und eindeutig."

Aufgeregt tat Wolfgang von Achenbach ein paar Schritte durch das Zimmer. Dann blieb er wieder vor Stefan stehen.

Das verstehe ein anderer! Laß uns doch mal darüber reden, wie es sich gehört. Sag' doch ruhig, was vorgefallen ist, damit man sich ein Bild, ma­chen kann. Vielleicht kann man dann auch raten und aufklären."

Stefan hob den Kopf.

Ich kann nicht darüber sprechen, Großvater. Jetzt noch nicht. Laß es dir einstweilen genügen, daß keiner von uns schuld daran ist."

Mißverständnis! Das Wort saß fest. Auch Suse hatte es Neulich gebraucht. Der Verstand wollte das Wort und die Möglichkeiten, die es in sich barg, ablehnen, aber es lag Stefan noch am Abend in den Ohren, als er sich wieder auf sein Zimmer zurückgezogen hatte. Und auf einmal hatte er den brennenden Wunsch, mit Suse sprechen zu können. Vielleicht war das nur eine augenblickliche Wal­lung, aber wenn sie jetzt hier gewesen wäre, hätte er sich wirklich überwunden, offen mit ihr über die Angelegenheit zu sprechen.

Die Gelegenheit dazu ergab sich sehr bald. Ste­fan war nach dem Abendessen mit dem Großvater in ein Gespräch über jagdliche Dinge geraten und hatte sich länger als sonst aufgehalten. Bevor er sein Zimmer aufsuchte, trat er noch einmal vor das Tor hinaus. Der Märzsturm jagte aus der abendverhangenen Ebene her. Sturm, der den Frühling auf seinen Schwingen trug! Stefan ließ sich das Haar zerzausen, es tat ihm wohl. Sturm tat immer wohl. Nur nicht der Sturm, der Blüten hinwegfegte!

Ein hellgrauer Wagen glitt auf der schnurgera- den Pappelallee heran. Suse kam und hielt den Wagen an, als sie Stefan gewahrte.

So spät noch und bei dem (Sturm?" begrüßte er sie.

Der stört mich so wenig wie dich. Und da der Herr Gemahl heute seinen Klubabend hat und das Grillenfangen eine elend langweilige Geschichte ist, zumal jetzt na, da bin ich nun eben da. Aber du kannst dich ruhig umdrehen, wenn du mich nicht sehen willst und wenn es dir leid tut, mich be­reits gesehen zu haben. Gern siehst du das Ge­wissen ja doch nicht kommen."

Das Gewissen? Du hast sehr rätselhafte Aus­drücke manchmal; denn im allgemeinen läßt du es an Deutlichkeit wirklich nicht fehlen."

Gott sei Dank! Meistens tut es ja auch bitter not. Fall Stefan von Achenbach zum Beispiel! Und damit hast du auch schon die Erklärung: ich bin für dich doch so etwas wie das Gewissen. Oder etwa nicht?"''

Eine kleine Selbstüberschätzung! Und eine er­hebliche Verkennung meiner Wenigkeit! Aber strei­ten wir uns nicht darum. Es ist ja gleichgültig, wer von uns beiden recht hat. Uebrigens bescheidene Anfrage: ist es nur die Langeweile, die dich heute herführt?"

Sie suchte forschend in seinen Augen.

Das kann ich erst beantworten, wenn ich wie­der nach Hause fahre."

Wieviel Zeit würdest du erforderlichenfalls für mich opfern wollen?"

Sie hob die schmalen Schultern.

Stunden. Leider aber bin ich überzeugt, daß es ein zweckloses Opfer sein würde."

Ja, wenn du es nicht darauf ankommen lassen willst"

Ach!" sagte sie und zog die Lippen ein. Dann richtete sie sich wieder auf.

Also, laß uns vernünftig sein, Stefan. Selbst­verständlich bin ich für dich da. Die Herrschaften werden auch ohne meine Gesellschaft auskommen."

(Sie fuhr den Wagen langsam auf den Hof, ohne ihr bekanntes Hupensignal zu geben. Dann stiegen sie zusammen die Wendeltreppe im Turm hinauf. Stefan schob in seinem Arbeitszimmer einen Sessel zurecht. Suse nahm Platz.

Also, bitte! Womit kann ich dem Herrn dienen?" Stefan brannte sich umständlich eine Zigarre an. Viel Zweck wird es kaum haben, aber man will doch keine Möglichkeit außer acht lassen. Also, du sprachst neulich davon, daß es sich bei der bei der Geschichte nur um ein Mißverständnis handeln könne. Derselben Ansicht ist auch mein Großvater. Obwohl ich alle Ursache habe, das Gegenteil anzu­nehmen, würde ich doch gern mal hören, woraus du deine Ansicht gründest."

J Schluß folgt.