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Aus den Gießener Gen'chtssälen

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auf hinzuwirken, daß die dort an manchen Häusern befindlichen Hecken nicht höher als etwa 50 bis 60

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Zentimeter sein dürfen, um den Lenkern von Fahr­zeugen die Uebersicht in die Straßenkreuzungen bzw. in die angestrebte Fahrtrichtung nicht zu er­schweren. Auch diese Anregung soll weiter verfolgt werden.

Bürgermeister Prof. Dr. Hamm schloß die Ver­sammlung mit herzlichen Dankesworten für die rege Mitarbeit und mit der Zusicherung, daß der Ver­kehrsverein auch weiterhin alle Kräfte einsetzen werde für eine erfolgreiche Fremdenoerkehrswer- bung im Dienste unserer Stadt.

** B e i Musterung das Arbeitsbuch m i t b r i n g e n. Bei der Musterung haben die Ge­stellungspflichtigen ihr Arbeitsbuch zwecks (Eintra­gung der Arbeitsbuchnummer in den Wehrpaß vor­zulegen. Die Betriebsführer sind daher verpflichtet, ihren Gefolgschaftsmitgliedern das Arbeitsbuch für Musterungszwecke auszuhändigen.

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Hamm sagte zu, diese Anregung dem Herrn Ober­bürgermeister und der Leitung des Elektrizitäts­werkes zuzuleiten.

Schließlich wurde noch die Anregung gegeben, am Klingelbach eine Hecke zu schaffen, die den Vögeln Nistgelegenheit bietet und sogleich auch der Uferbefestigung dient. Ferner wurde der

Wunsch geäußert, zur Sicherung

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können, daß die Jugend auch nach den Wander­tagen nochgroß in Form" ist und wohlbehalten zurückkehrt. Als Abschluß des Marsches findet eine kurze Kundgebung auf dem Brandplatz statt und dann werden die Hitlerjungen und die Pimpfe wieder bei Vater und Mutter einkehren.

Vergeßt im Gommer nicht die Sammlung von Altmaterial.

Der Altwarenhändler mit der grünen gestempel­ten Binde kommt auf dem Lande alle vier Wochen in die Ortschaften des Kreises. Ihm wird das ge­sammelte Altmaterial ausgehändigt. Was sammelt die Hausfrau? Was sammeln der Mann und die Kinder?

Die Mutter hat im Keller eine Kiste mit Lumpen ausgestellt. Da hinein tut sie alle Stoffabfälle aus Wolle, Baumwolle, Kunstseide oder Leinen. Ver­brauchte Kleider, die ganz abgetragen sind, ver­brauchte Wäsche und Strümpfe, Abfälle von der Hausschneiderei und Stoffreste, aus denen niemand mehr etwas arbeiten kann, das alles wandert in die Lumpenkiste, dazu Verpackungsmaterial aller Art, alte Säcke, Putzlumpenreste und Bindfaden.

Der Mann sammelt außer den Tabakresten und Zigarrenspitzen vor allen Dingen das Altmetall. Was findet sich da im Laufe der Zeit alles an! Alte Messinghähne, Beschläge aller Sorten, alte Lam­pen, verbrauchte Glühbirnen, bis zu den großen Gegenständen, wie alte Oefen und Badewannen. Kleine Metallsachen, wie Tuben, Flaschenhülsen, auch von Milchflaschen und Silberpapier sammeln die Kinder. Diese kleinen Gegenstände werden von der HI. abgeholt. Der Vater aber ist noch verant­wortlich für Felle und Häute, für Flaschen und für altes Papier. Der Inhalt der Papierkörbe, alte Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, letztere ordent­lich gebündelt, das alles gehört zum Altpapier und ist sehr wichtig, denn wir müssen für unseren Be­darf noch altes Papier aus dem Ausland einführen.

Vor allen Dingen ist bei der Sammlung des Alt­materials Ausdauer und Stetigkeit nötig, damit eine regelmäßige Belieferung an die wiederverar­beitende Industrie stattfinden kann. F. K.

Turnlehrer Kliehm tödlich verunglückt.

Einem schweren Unfall fiel dieser Tage ein hoff­nungsvolles junges Menschenleben zum Opfer. Turnlehrer Studienassessor K l i e h m, vom hiesigen Realgymnasium, stieß dieser Tage, als er sich mit einem Kameraden und mit dem Fahrrad unter­wegs befand, zwischen Friedberg und Nieder-Flor- stadt mit einem Autobus zusammen. Der Zu­sammenstoß war so heftig, daß Kliehm, der aus Nieder-Florstadt gebürtig ist und zu seinen Eltern nach Hause fahren wollte, einen doppelten Schädelbruch erlitt und bet feiner Einlieferung in das Krankenhaus zu Friedberg an den Folgen der schweren Verletzungen verstarb. Sein Be­gleiter erlitt nur leichtere Hautabschürfungen. Unser hiesiges Realgymnasium, für dessen Jubiläums­feier sich der so hart und rasch aus dem Leben Ge­rissene noch lebhaft eingesetzt hatte, verliert in ihm einen tüchtigen Kameraden.

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ausgesehen haben: zwei Soldaten, ein bayerischer Jinb ein russischer, so Hand in Hand auf der obersten Treppenstufe ... denn sie hat ja immer noch die Uniform anaehabt. Damals hab ich noch ein Stück besser ausgeschaut wie heut", lächelte Ameiser küm­merlich.

Warst ein sauberer Bursch dazumal", übertrieb gogg voll Herzenshöflichkeit.In dich hat sich ein Mädel schon vergucken können."

Meinst?"

Wenn ich dir sag'."

"Siehst du, das hat vielleicht auch die Donka gedacht und ist mir deshalb gut gewesen", schwelgte der Ameiser in feiner (Erinnerung.Oder glaubst daß es bloß Mitleid war?"

Aus Mitleid macht so was keine."

Ja, und dann ist das halt so weitergegangen, und am Morgen war sie verschwunden. Ich hab' auch nicht gewußt, wohin. Ich hab' nie etwas von ihr gehört. Wie ist sie denn gestorben?"

Ganz manierlich, Ameiser. Wenig Schmerzen, fast gar keine, und ich und die Anna waren um lIe herum. Sie hat zwar deinen Namen nicht ge­nannt die Donka war eine großartige und feine ?IaU' ?as ^ss' ich mir nicht nehmen, aber ich bin fidjer sie hat gern an dich zurückgedacht. Und was die Anna betrifft, so mußt du ihr halt Zeit lassen, V ,n das Neue hineinzufinden. Wird schon recht Muß dir einen schönen Stoß gegeben haben, wie ?Ur?a^am°l5 im Sprechzimmer von mir erfahren haft. Ich gönne ihr, daß sie jetzt den Martl be- ^mmt; bei bem ist sie gut aufgehoben. Und der ^Slfra?"1 * QUd) n'llf)t Of)nC- ®ie ^ägt es denn

Du, mit der ist es sonderbar. Die ist jetzt viel besser zum Haben. Sie schimpft nimmer so viel, blofe brummen tut sie. Eine richtige Wohltat. Oft kl- ,,d) der Gsodmair muß' das doch recht schon beigebracht und ihr liebreich eingegeben haben meil fte letzt so ganz anders ist. Ach, Josef, weil wir schon beim Beichten sind ich hält' noch was auf dem Herzen." 1

.. "Schieß los: das geht jetzt in einem Aufwaschen hm , spornte ihn Fogg an.

Leicht wird mir's nicht, aber es muß fein E«; handelt sich um den Tutschek B

"Was um den?" rief Fogg erstaunt.

Der Ameiser nickte schuldbewußt.

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Hast etwa gar du?"

Freilich hab' ich. Siehst,, das ist so zugegangen. Ich bin damals auf meinem Dienstgang über Land durch das Mühlhölzel gekommen und denke gerade an den Sternmoser, der ein Strafporto zu zahlen hat. Da hör' ich auf einmal streitende Stimmen in der Nähe. Ich laufe rasch hin, weil es mich interessiert hat, wer da so einen Spektakel macht, und stelle mich hinter einen Busch. Ich seh' die Anna und den Verwalter. Das Mädel macht ihm Vorwürfe, daß er sie verführt hat und jetzt sitzen­läßt. Plötzlich reißt sie einen Revolver aus der Schürzentasche, schreit etwas, spuckt den Tutschek an, schießt aber nicht, sondern läuft wie eine Wilde davon, dicht an mir vorbei, ohne mich zu sehen, und läßt den Revolver fallen. Ich heb' ihn auf und sause aus den verdatterten Tutschek zu. Und dann hat sich alles so schnell abgespielt, daß ich es selber nimmer weiß. Ich hab' den Tutschek angeschrien und ihm vorgehalten, daß er ein Lump ist, wenn er das macht, und daß die Anna mein Kind ist unb baß ich bas nicht auf ihr sitzenlasse. Da hat er mir eine freche Antwort gegeben, und in meinem Zorn und in meiner Aufregung habe ich losgedrückt Vom Zielen war keine Rede. Dann bin'ich der Anna nach: denn ich hab' gemeint, sie tut sich ein Selb an. Aber ich hab' sie nicht mehr gefunden Dann bin ich eine Zeitlang kreuz und quer gelaufen hab den Revolver ins Wasser geworfen und bin oabei ausgerutscht. Daheim hab' ich mir nicht ge­traut, Die feuchten Kleider auszuziehen, damit die Afra nichts merkt. Am nächsten Morgen hab' ich schon herumgehustet und mit den Zähnen geklap­pert. und die Erkältung war fertig. Und wie es weitergegangen ist, weißt du ja selber. Und was ich sonst durchgemacht habe, frag nicht. Ich, wo was tun fann, hab' plötzlich einen Menschen auf dem Gewissen! Und bas mit der M °uch gedrückt. Daß man dich hnfeiA gehabt hat, weil es dein Revolver war, hab ich erst gestern von der Anna erfahren. Kannst 3o cl? % hott' wich schon gemeldet H°nl°ss°n. aber ich war ja Ppinpn R* ^lbtvt dagelegen, und die Afra hat ^lwufer getan von allem, so gut sie anber- f^hrhp9 i*1 ?-er Äuge umgehen kann. Von der er- untergeht ^ulgkeiten, unb wenn die Welt

gestrigen Hauptoerhandlung ein im großen unb ganzen gutes Leumunbszeugnis aus und konnte auch keinerlei übermäßige Geldausgaben des An- geklagten feststellen. Eine amtsärztliche Untersuchung ergab, daß der Angeklagte infolge einer beginnen­den Gehirnkrankheit vermindert zurechnungsfähig ist. Auf Grund des Beweisergebnisses ließ schon der Vertreter der Anklagebehörde die Schuldfrage offen und stellte die Entscheidung dem Gericht an» heim. Die Kammer hatte ebenfalls die lieber» zeugung, daß dem Angeklagten ein Verschulden nicht einwandfrei nachgewiesen werden könnte und kam auch hier zu einem freisprechenden Urteil.

Amtsgericht Gießen.

Der H. B. aus Lollar hatte sich gestern vor dem Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Reichsstraßen-Verkehrsord» nung zu verantworten. Der Angeklagte fuhr im April dieses Jahres von Dutenhofen nach Klein- Linden. Auf der Straße, die an diesem Tage sehr stark belebt war, streifte er einen in einer Fuß­gängergruppe stehenden jungen Mann unb verletzte ihn am Oberarm. An einer zweiten Gruppe fuhr er beim Ueberholen so bicht vorbei, daß bie Passan­ten sich nur burch einen Sprung in den Straßen­graben in Sicherheit bringen konnten. Obwohl die

Ähab' mein Holz bezahlt!" verwahrte sich der ^jej ' ,,anad) nur ba5 Zeug auf, fei so gut, entnahm dem geöffneten Umschlag einen großen Bogen, auf dem bie Worte gekritzelt waren: Ich denke, mir sind quitt, Herr Ameiser!" Fortsetzung folgt

Die Anna hat mir auch erzählt, daß der Tut- schek ins Bein geschossen war und daß er sich wie­der zusammengerappelt hat. Ich bin todfroh dar- über, das darfst du glauben. Josef, du kannst dir keinen Begriff machen, was man aussteht, wenn einem fo was passiert. Die reine Hölle ifts. Jede ' Minute glaubst du, der Gendarm kommt zur Tür herein unb holt dich. Ein Stein ist mir vom Her» £en daß der Tutschek seine geraden Glieder be­halt unb nicht gestorben ist."

Freilich" murmelte Fogg, und die vielen Ge­danken zersprengten ihm fast den Kopf. Sieh mal an die Anna! Hat also doch was Ernstliches mit dem Verwalter gehabt, die Kröte! Und meinen Re» Doloer stibitzt hat sie auch! Und mir die Schweine» ret emgebrocft. Na, wart, der werd' ich bas Leder­zeug anftreichen! Und der Ameiser, der tut, als rn b's fünf zählen könnte, macht solche

Geschichten! Mit der Donka, mit dem Tutschek. Zum Gluck ist wenigstens alles gut hinausgegangen. Ein Dusel wie Ferdinand ...

Große Strafkammer Gießen.

Gestern hatte sich der K. Sch. aus Heuchelheim bei Büdingen wegen Sittlichkeitsoerbrechens zu ver­antworten. Dem Angeklagten, der auf einem Guts­hof tätig war, wurde zur Last gelegt, im Sommer 1936 einen 10jährigen Knaben in sein Zimmer gelockt und mit ihm unsittliche Handlungen vorge­nommen zu haben. Der Knabe erzählte den Vorfall seinen Eltern, die daraufhin Anzeige erstatteten. In der Hauptverhandlung bestritt der Angeklagte entschieden, sich an dem Jungen irgendwie vergan­gen zu haben. Er gab lediglich zu, daß dieser chn ab und zu in seinem Zimmer besucht und auch einmal von ihm 20 Pf. erhalten habe. Das Geld habe er dem Jungen aber nur deshalb gegeben, weil dieser ihm manchmal bei Besorgungen behilf­lich gewesen sei. Im übrigen bezeichnete der An­geklagte die Anzeige als einen Racheakt der mit ihm auf demselben Hof beschäftigten Mutter des Jungen, mit der er verfeindet sei. Demgegenüber blieb der Junge auch in der Hauptverhanolung bei seinen Angaben. Die Kammer schenkte jedoch den Aussagen des Jungen, der von seinen Lehrern als wenig wahrheitsliebend geschildert wurde, keinen Glauben und sprach den Angeklagten mangels Beweises frei.

Die nächste Anklage wegen Urkundenfälschung im Amt richtete sich gegen den 63jährigen W. M. aus Ranstadt. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Auf eine anonyme Anzeige hin nahm der Gendarm bei dem als Zeuge vernommenen Metz- germeister K. aus Ranstadt eine Kontrolle vor. Er fand dabei in der Wurstküche Schweinefleisch vor, das gerade bearbeitet wurde. Auf die Frage des Gendarmen, wieviel Schweine der Metzger ge­schlachtet habe es stand diesem in der fraglichen Woche nur ein Schwein zu erklärte er, es han­dele sich um e i n Schwein. Da der Gendarm die­sen Angaben nicht traute, deckte er den Kessel auf und stellte dort zwei Lungen fest. Der Metzger- meister erklärte, die eine Lunge stamme von einer Ziege, mußte jedoch, als der Gendarm weiter in ihn drang, zugeben, daß er noch ein zweites Schwein geschlachtet habe. Da der Gendarm eine Schwarz­schlachtung vermutete, begab er sich sofort zu dem Fleischbeschauer und fragte diesen, wieviele Schweine der Metzgermeister geschlachtet habe. Der Ange­klagte. erklärte hierauf zunächst ebenfalls, es han­dele sich um ein Schwein, mußte jedoch auf die Vorhaltungen des Beamten hin zwei Schlachtun­gen zugeben Der Beamte bauftragte ihn bann, fein Tagebuch zu holen. Da der Angeklagte zu lange wegblieb, folgte der Beamte ihm in ein an­deres Zimmer unb traf ihn gerade dabei an, wie er im Tagebuch in der Rubrik des Metzgermeisters eine 1 in eine 2 umänderte. In der Tatsache, daß er, obwohl zwei Schlachtungen vorgenommen wor­den waren, nur eine eingetragen hatte, erblickte der Vertreter der Anklagebehörde eine Falschbeurkun­dung im Amt und beantragte eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr unb 4 Monaten. Der Angeklagte, ber im übrigen ben Sachverhalt zugab, behauptete bem- gegenüber, baß der (Eintrag vollkommen in Ord­nung gewesen sei und er die zweite Schlachtung lediglich aus dem Grunde noch nicht eingetragen hätte, weil der Metzgermeister noch nicht bie nö­tigen Unterlagen beigebracht hätte. Er habe ben (Eintrag jeboch sofort nachholen wollen, sobald bie Bescheinigungen nachgebracht würben. Diese Ein­lassung bes Angeklagten war nicht zu «überlegen. Jnsolgebessen kam bas Gericht auch in biesem Falle zu einem Freispruch mangels Beweises.

Weiterhin ftanb der K. S. aus Höckersborf vor der Großen Strafkammer. Die Anklage lautete auf Unterschlagung im Amte und Untreue. Bei dem Angeklagten, ber über 30 Jahre die Gemeindekasse in Höckersborf gewissenhaft verwaltet hatte, würbe gelegentlich einer Revision im Sommer vorigen Jahres ein Fehlbetrag von rund 1500 Mark fest­ste stellt. Der Angeklagte stellte in der gestrigen Hauptverhanblung ganz entschieben in Abrebe, sich an bem Gelb ber Gemeinde vergriffen zu haben. Er gab an, daß ihm infolge einer Krankheit die Verhältnisse über den Kopf gewachsen seien, so daß er nicht mehr ordnungsgemäß Buch habe führen können, lieber den Verbleib des Geldes konnte er feine Auskunft geben. Im übrigen lebte ber Ange­klagte in benfbar guten Verhältnissen (er nennt rund 120 Morgen sein Eigentum) und hat auch ben Schaben binnen wenigen Tagen wieder ersetzt. Der Ortsbürgermeister stellte dem Angeklagten in der

Fogg wollte schon losplatzen, ba fiel ihm gerade UA//chtzeitig ein, daß er einen Kranken und vom Schicksal bereits ziemlich Geschlagenen vor sich hatte, und er brummte nur:Der Tutschek fat sich in öciner 2pfare ganz anständig benommen. Er hat oich nicht verraten, obwohl der Untersuchungsrichter >hm mächtig zugesetzt hat. Ich war übrigens norbin broben unb habe ihm meinen letzten Besuch qe- Gesuchte ist jetzt geheilt, unb morgen trüb fahrt er weg, ins Böhmische. Will einen Ver- walterposten cyif einem anbern Schloß ber Fürstin antreten. Den finb wir los. Der hat bie Nase voll oon Schellenberg. Du, ba fällt mir gerabe ein er hat mir ja einen Brief für bich mitgegeben. Wirb eine Gasrechnung fein. Da." Er zog ein weißes Kuvert dusche und hielt es bem Ameiser hin. Vielleicht hast bein Brennholz von ber letzten Versteigerung her noch nicht bezahlt?"

Von der Geschichte der Schulferien.

Ferien Ruhetage, Feiertage! Welches Kinber- herz schlägt nicht höher, wenn es ihrer gebenkt! Gar mancher Schulbub, manches Schulmäbel streicht schon wochenlang vor ben großen Ferien allabenb- lich ben verflossenen Tag auf bem Kalender mög­lichst dick aus unb sieht mit glänzenben Augen, wie der unburchstrichenen Tage immer weniger werben. Aber auch ber gestrenge Herr Lehrer sehnt sich nach der Frei- unb Erholungszeit. Unb boch ist bie Er­kenntnis, baß eine solche Freizeit sowohl Lehrern wie Kinbern wirklich not tut, noch nicht gar alt. So waren zum Beispiel zur Zeit Friebrichs des Großen in Berlin noch nicht einmal bie festgelegten freien Mittwoch- unb Samstagnachmittage üblich.

Bis weit ins 16. Jahrhunbert hinein gab es Fe­rien, wie wir sie heute kennen, an ben Schulen über­haupt nicht, es würben stets nur einzelne Tage frei- gegeben. Die Festsetzung bieser schulfreien Tage ge­schah, je nach Orten verschieben, burch die kirch­lichen ober die Gemeindebehörden.

In ber Regel hatten die Schüler frei an ben Tagen, an benen Jahrmärkte abgehalten würben, am Erntedankfest, an ben Kirchweihen, bei benen meist brei bis vier Tage gefeiert würbe, häufig auch in ber lustigen Fastnachtszeit. (Noch heute finben wir im Rheinland vielfach den Brauch, baß minbe- ftens am Fastnachtsbienstag, oft auch am Rosen­montag schulfrei gegeben wirb.)

Die Zeit bes Jahrmarkts schreibt auch bie älteste Schulorbnung bes grauen Klosters in Berlin für die Schulferien vor, währenb in einer Schulorbnung des Gymnasiums zu Norbhausen aus bem Jahr 1583 folgendes geschrieben steht: 'Ob man woll ben praeceptoribus gönnet, baß sie bisweilen ruhe haben unb remissiones, mus boch solches auch seine maße haben, bamit bie fnaben nicht vorwenet ober nicht zu sehr verseumet werben. Demnach sollen alle anbere Ferien, bie inen bie Collegae gemacht, genz- lich abgeschnitten sein, on allem fotgenbe, welche inen sollen oorgunnet werden, nemlich:..." Hier folgt bie Angabe einiger frei zu gebender Tage.

Im allgemeinen blieb bie Festlegung bieser Tage jeboch bem freien Ermessen ber einzelnen Schul­leiter überlassen. Sicher ist, daß es sich stets nur um einige Tage handelte vielleicht wie bei den ja heute noch vielfach auf bem Lanbe üblichen Kartoffelferien" um aus reinen Zweckmäßigkeits­gründen eingefchobene schulfreie Tage und nicht um wirkliche Ferien, die der Ausspannung, der Erholung von Schülern und Lehrern bienen sollten.

Solch eigentliche Ferien gab es keinesfalls vor dem 17. Jahrhundert, und Verordnungen über die Zeiten der Schulferien brachte im allgemeinen wohl erst das 19. Jahrhundert. Der Kampf um die Fest­setzung des Beginns der großen Schulferien ist ja augenblicklich wieder in vollem Gang, nachdem er seltsam genug vor gerade fünfundzwanzig Jahren besonders heftig getobt hat. E. B.

Vornoiizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Goldfieber".

Hitler-Jugend und Pimpfe kehren zurück

Die Hitlerjungen unb bie Pimpfe, die am Freitag ber vorigen Woche zur Ferienfahrt in den Spessart vuszogen und wie aus den Fahrtenberichten bisher zu lesen war viel Schones erlebt und gesehen haben, kehren am morgigen Donnerstag mieöer zurück. Sie benützen dabei wieder ben Son- benug, ber sie schon nach Wächtersbach, bzw. nach Gelnhausen gebracht hatte. Der Zug läuft um 16.11 Uhr in unserem hiesigen Bahnhof ein. Die jungen werben sofort nach ihrer Ankunft in Gießen M ihrer ganzen Wanberausrüstung einen kurzen Marsch durch einige Straßen ber Stabt machen, unb bie Eltern werben sich dabei bavon überzeugen

Wirb dich vielleicht interessieren, wie das mit mir unb ber Donka war? In ber Nacht, wo wir mit ihr aus bem Graben zurückgekommen finb, habt ihr im Quartier ein Mordstheater angefteUt «Jungen, getanzt, auch ein biffel gesoffen: grab' luftig war s. Unb vorher haft bu bie Poft ausge- teilt. Die Donka hat mitgetan, um euch nicht zu kranken. Mir war aber gar nicht nach (Baubium ^Lustigkeit zumute. Ich hab' mich hinausge- schlichen unb auf bie Treppe gesetzt. Plötzlich, wie ich so bafttze, kommt bie Donka unb will wissen was mit mir los ist. Am Anfang hab' ich herum- aebruckst, aber mit ber Zeit hat sie alles doch recht schon aus mir herausgezogen. Daß ich keine Poft bekommen hab', baß ich nie ein Paket kriege, daß sich niemand daheim um mich abkümmert und daß mir alles schiefgeht im Leben. Ich hab's nicht sagen wollen, aber sie hat eine so gute Art zu fragen gehabt, daß man ihr bas Herz hat orbentlich auf­tun Müssen."

Ja. ja, bie Donka!" nickte Fogg. Er konnte sich das schon vorstellen, ben Ameiser mit seiner harten, liebelosen Jugend damals, mit seiner Verlassenheit im Leben und seinem Pech. Als schwächlicher Sohn einer Dienstmagd war er von jeher der Schuh­abstrelfer und Sündenbock für andere gewesen. Auch die Donka war ihm in diesen Minuten ganz nahe und greifbar.Erzähle weiter, Ameiser^

Ja, also, und dann hat mich die Donka getrö­stet, hat mir gute Worte gegeben und gesagt, das mit der Handgranate sei schneidig von mir gerne- sen, unb ich sei ein netter Mensch, unb sie ftünbe auch allein auf ber Welt unb habe viel burchge- macht. Wie man eben so zueinanber ttnbet. Und grab gut ist sie gewesen unb gar r ,t stolz unb völlig zutraulich. Unb bann finb wir fwei halt so bagesessen unb haben uns an ben Hänben gehalten unb eine Zeitlang gar nichts gesagt. Muß komisch

Roman von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

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Fußgänger sich verkehrswibrig verhalten hatten, burfte ber Angeklagte nicht ebenfalls mit verkehrs- wibrigem Verhalten antworten. Das Gericht kam daher zur Bejahung der Schulbfrage unb erkannte auf 25 Mark Gelbstrafe. Die Kosten bes Verfahrens hat ber Angeklagte zu tragen.

Ebenfalls wegen Uebertretung ber Reichsstraßen- Verkehrsorbnung hatte ber F. A. aus Heuchelheim burch Strafbefehl eine Geldstrafe von 50 Mark er­halten. Hiergegen legte er Einspruch ein, ber gestern verhandelt wurde. Der Angeklagte fuhr im Novem­ber 1936 einen Lastzug die Fernverkehrsstraße Frankfurt a. M.-^Gießen. Bei Großen-Linden über» holte er kurz vor einer Kurve einen anderen Last­zug. In diesem Augenblick kam von ber anberen Seite ein britter Lastzug gefahren. Um nicht biesem nicht zu kollibieren, riß ber Angeklagte bas Steuer nach rechts, fo baß er unmittelbar vor ben über­holten Lastzug zu fahren kam. Die Folge davon war, daß der überholte Lastzug von hinten auf ihn auffuhr. Der Sachschaden war nicht bedeutend. In der Hauptverhandlung gab der Angeklagte den Sachverhalt zu, machte jedoch geltend, der entgegen­kommende Fahrer habe die Kurve zu sehr ge­schnitten, daß er hierdurch gezwungen worben sei, sich kurz vor ben überholten zu setzen. Das Gericht war ebenfalls der Ansicht, baß ben entgegenkom- menben Fahrer die größere Schulb treffe, hielt aber ben Angeklagten für mitschulbig unb ermäßigte daher bie Strafe auf 25 Mark.

Ausklang desGchottenerSänizerfestes ^Schotten, 13. Juli. Am Montagmorgen mußten unsere amerikanischen Sangesfreunbe, bie eine europäische Sängerfahrt nach Paris, Genf, Rom Venebig, Wien, Breslau, Berlin ufw. mit bem Brooklyner Avion Gesangverein unternehmen, mteber abreifen. Zum Abschieb hatte sich ber ganze - Jor emgefunben, ber einige Abschiebslieber >ang. Bürgermeister unb ber Führer bes Männerchors sprachen herzliche Abschiebsworte, Dirigent Boer- g e r m a n n vom Neuyorker Schottener Männer­chor bankte für all bie vielen Ehrungen unb bie rührende Gastfreundschaft. In ihrem schweren Kampf um das Deutschtum drüben in der neuen Welt feien sie nun durch die Fahrt in die alte Heimat wieder kräftig gestärkt worden, das Freundschafts- band zwischen den beiden Vereinen Schotten und Neuyork sei unlöslich verknüpft worben. In ber Hoffnung auf ein bemnächstiges Wieberfehen nahm man Abschied. Auf dem Festplatz fand ein scbö- nes Fruhkonzert statt, bei ber die Militärkapelle fpielte. Mittags ging ein großer Festzug, bei dem wieder sämtliche Festwagen mitfuhren, burch bie Straßen ber Stabt auf ben Festplatz. Spiele ber Kinder unb kleine Wettkämpfe folgten, mit einem großen Volksfest klang bas so harmonisch verlaufene großen Volksfest klang bas Fest bes Vereins aus.