ttr.161 Zweites Blatt
Mittwoch. U-Zuli 1957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
er sich immer nur erst die Möglichkeit erkämpft, eine weit größere Aufgabe anzupacken. Zugelassen ist er zur „Reifeprüfung", jetzt — muß er sie noch bestehen.
Ttessee-Ausnahmen.
Mit der Kamera aus dem Meeresgründe.
Einen der aufregendsten und abenteuerreichsten Berufe der Welt hat der Amerikaner Captain John D. Craig, Spezialist für Tiefsee-Filmaufnahmen. Seine Aufnahmen sind uns bekannt aus Filmen wie „Kannibalen der Tiefe", „Schatzinsel", „Trader Horn", „Menschenfressende Haie". Er selber plaudert in einer englischen Zeitschrift von seinen Erlebnissen:
„Unsere Unterseeaufnahmen wurden nicht von der Taucherglocke aus gemacht. Wlr zogen uns Taucheranzüge an und ließen uns hinunter, bewaffnet mit wasserdichten, drucksicheren Kameras meiner eigenen Erfindung. Der Gedanke dabei war, uns frei zu bewegen, um so nah wie möglich an die aufzunehmenden Objekte heranzukönnen. Manchmal kamen wir ihnen aber auch ein bißchen zu nah. Zunächst aber mußten mir einmal tauchen lernen. Japanische Seefarmer waren unsere Lehrer, die buchstäblich ihr Leben damit fristen, ihre Ernte auf dem Grunde des Ozeans zu bauen. Diese Ernte besteht in einer Seepflanze namens Sargossa, aus der wertvolle Arzneistoffe gewonnen werden. Geduld haben sie, diese Japaner! Sie brauchen vier bis neun Jahre, um den Meeresboden von zerstörerischen Parasiten zu reinigen, bevor die Sargossapflanze geerntet werden kann. Sie erzielen hohe Preise für ihr Produkt und verdienen es, denn sie setzen ständig ihr Leben aufs Spiel. Es war eine harte Schule, um die gefährliche Kunst des Tiefseetauchens zu lernen, aber die Japaner waren gute Lehrer und brachten mir manchen Trick bei, der später mehr als einmal mein Leben rettete Dabei war ihre Ausrüstung ganz primitiv. Niemals werde ich die Aufregung meines ersten Besuches auf dem Meeresgrund vergessen. Ich stand in meinem Taucheranzug, mit Stiefeln von 7 Kilo an jedem Fuß und 18 Kilo Gewicht auf Brust und Rücken, in meinem Helm, der mich vollkommen von der übrigen Welt abschloß, da klopfte mir jemand auf die Schulter und machte mir Zeichen, mich fallen zu lassen. Die
Wasser schlossen sich über meinem Kopf und während ich tiefer und tiefer sank, wurde das Gewicht meiner Kleider leichter und leichter. Dann fing mein Trommelfell an zu dröhnen, und ich hatte das Gefühl, mein Kopf müsse platzen. Durch zwei- oder dreimaliges tiefes Atemholen konnte ich den Druck erleichtern. Endlich berührten meine Füße den Grund.
Man hatte mich gelehrt, mindestes zwei Minuten lang nicht die leiseste Bewegung zu machen, damit mein Körper sich an den Druck gewöhnen könnte. So konnte ich nur stillstehen und um mich starren. Die fabelhaften Wesen des Ozeans kamen herbei, um mich zu begrüßen; kleine Fische, riesengroße Fische, alle traut vereint zum Empfang. Sie hatten keine Angst. Sie schienen mich für irgendeinen anderen armen Fisch zu halten. Das Licht war trüb und von grünlicher Färbung und verursachte mir ein gruseliges Gefühl beim Anblick von schlammigen Aalen, die sich dich zu meinen Füßen ringelten, von scheußlichen Krabben und Austern, die von den Felsenriffen starrten. Eine silbrige Wolke von Quallen flutete mir zu Häupten vom Wiegen des Wassers sanft auf und nieder geweht wie das langhaarige Seegras mir zu Füßen. Aber was mir von allem den tiefsten Eindruck machte, war die unendliche Stille, die dort unten herrschte. Es war so still, daß es fast schmerzte. Nach einer Weile fühlte ich einen kleinen Ruck an meiner Leine, das Zeichen dafür, daß ich wieder hinaufgewunden werden sollte.
Seitdem habe ich Hunderte von Malen getaucht, und etwas habe ich jedesmal gelernt. Aber niemals habe ich den ersten Fehler vergessen, der beinah mein Leben gekostet hatte. Ein Taucher, der etwa hundert Meter tief getaucht ist, muß beim Auftauchen sechsmal Station machen, und braucht im ganzen einundeineviertel Stunde. Sogar bei einer Tiefe von 35—40 Meter, und wenn er nur eine halbe Stunde unten geblieben ist, muß er in längeren Absätzen auftauchen. Zehn Meter unter der Oberfläche muß er vier Minuten verweilen, bei sechs Meter acht Minuten und bei drei Meter dreizehn Minuten. Es ist eine kalte, öde Angelegenheit, am Ende einer Leine wie ein Köder im Wasser zu baumeln, besonders bei schwerer See. Wenn man nicht ein tüchtiger Seemann ist, kann man leicht seekrank werden, — jawohl, in feinem Taucheranzug..
Aus der Wett des Films.
Die Hochschule der Leinwand.
Meisterwerke des Kulturfilms.
Der deutsche Film hat nicht nur die Ausgabe, an der völkischen Erneuerung und Schulung unserer Nation mitzuwirken, er ist auch nicht allein für die kurzweilige Unterhaltung da, sondern seine schier unerschöpflichen Mittel der technischen Gestaltung öffnen ihm ständig neue Gebiete, die besonders der Kulturfilm wahrnehmen muß Der Kulturfilm war lange Jahre das Stiefkind des Films, er wird, auch heute noch oft scheel angesehen, wenn er im Programm ausgiebig vertreten ist. Diese Ablehnung und Abneigung, die vor wenigen Jahren noch so stark ausgeprägt war, daß ein großer Teil der Besucher erst nach Ablauf des Vorprogramms im Filmtheater erschien, bildete eine natürliche Folge feiner zu doktrinären Gestaltung Sicher hat die Einschaltung des Tons dem Kulturfilm unserer Tage mancherlei Vorteile und Verbesserungen gegenüber dem Stummfilm gebracht, aber der Hauptnachteil vieler Kulturfilm ist bestehen geblieben, nämlich ihre Unfähigkeit, einen Besucher, der sich nur unterhalten lassen will für die wertvolleren Zwecke des Kulturfilms so unwillkürlich zu überzeugen, daß aus dem vorher gleichgültigen Besucher ein interessierter Beobachter wird.
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Die Hauptaufgabe des Kulturfilms wird immer die Belehrung bleiben Um aber die Belehrung und Schulung bei dem unterhaltungslustigen Besucher zu erfüllen, muß man die Belehrung in einer Form bieten, die unterhält und je nach dem Thema vielleicht auch spannend wirkt. Hierzu gehört eine völlig neue Auffassung der Kulturfilmgestaltung. Die erste Bedingung ist, daß das zu behandelnde Thema, sofern es von irgendeinem Spezialwissen ausgeht, bildlich, darstellerisch und in der Besprechung so wiedergegeben wird, daß der ungeschulte Besucher verstandesmäßig folgen kann und von den Grundgedanken überzeugt wird. Es kommt nicht darauf an, dem Besucher eine interessante Bildreihe zu zeigen, sondern er muß sich aus dem Gezeigten ein geeignetes klares Wissen bilden können, das von Dauer ist. Die zweite mehr auf die „Werbung" des Besuchers ausgehende Bedingung ist, das Thema im filmischen Sinne interessant und fesselnd zu gestalten, es auszuschmücken. Der Kulturfilm muß dem „normalen" Unterhaltungsfilm ähnlich werden, indem man eine Art Handlung mit gefühlsmäßigen Wirkungen entstehen läßt, die sich verbindend und leicht um den belehrenden Kern schlingt. Diese Aufgaben sind im wesentlichen vom Drehbuchverfasser bzw. vom Spielleiter zu erfüllen.
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Es ist erfreulich festzustellen, daß der Kulturfilm in jüngster Zeit mit wachsendem Verständnis diese Mittel anwendet und inzwischen einige Arbeiten aufweist, die man als ideal bezeichnen kann. Aus dieser Reihe sei die Serie „Grenzen der Technik" herausgegriffen, die die Kulturfilme „Weltraumschiff I startet" als Zukunftsfilm, „Die Himmelsleiter" als astronomischen Film, und „Ein Meer versinkt", als aktuellen technischen Film umfaßt. Unter ihnen gab der Film „Ein Meer versinkt" die schwerste Aufgabe zu lösen, da er nicht nur ein allgemein interessierendes Problem der Gegenwart behandelte, sondern in seiner drehbuchmäßigen und filmischen Gestaltung Geopolitik, Geophysik und Meteorologie, also Spezialwissenschaften ausgeprägtester Form verarbeiten mußte. Nun sind aber die Filmbesucher keine Fachwissenschaftler, sondern Arbeiter, Handwerker, Soldaten, Angestellte, und selbst unter den akademisch gebildeten Besuchern dürfte nur ein verschwindend geringer Prozentsatz die angeführten Wissensgebiete beherrschen Man hat das Thema hervorragend zu lösen verstanden, denn der Film vermittelte nicht nur in hochinterssanter, für jeden Besucher verständlicher Form naturwissenschaftliche und geopolitische Belehrung und Aufklärung, sondern wurde auch ein geradezu phantastischer Film, sozusagen ein „Reißer", wenn man
diese Bezeichnung für einen wissenschaftlichen Film anwenden will
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Und wie erfolgt die Lösung? Zunächst umkleidete man das Thema mit einer alltäglichen filmischen Handlung, indem eine Konferenz derjenigen Staaten aufgezogen wurde, die an dem Projekt interessiert sein konnten. Wir sehen im Film einen Konferenzsaal, in dem sich die Vertreter und Sachverständigen zusammenfinden, und ein großes Modell, das das Projekt in einer verblüffend naturgetreuen Ausführung zeigt. Wir sehen und hören darauf den Verfechter des Projektes sprechen, wir sehen und hören den Sachverständigen Stellung nehmen, aber der Film übernimmt nicht nur die Wiedergabe der Reden und zeigt nicht nur das Projekt in den einzelnen Stadien seiner Entwicklung, sondern bringt gleichzeitig auch die bildliche und symbolhafte Wiedergabe aller bedeutenden Einzelpunkte des Projekts. Man ließ also das Projekt Wirklichkeit werden und zeigte sein Werden, seine Gefahren und seinen Untergang bildlich an einem naturgetreuen Modell unter Anwendung aller technischen Mittel und Tricks, die dem Film so reichhaltig zur Verfügung stehen.
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Mit diesem Film von 25 Minuten Laufzeit erhielt der Besucher nicht nur eine restlos überzeugende Uebersicht über das gigantische Projekt mit all seinem Für und Wider, sondern aus dem Reich der Naturwissenschaften eine wunderbar einleuchtende Darstellung vom meteorologischen Geschehen in der Atmosphäre, von dem Einfluß des Golfstroms auf das europäische Wetter und eine Vorstellung von dem geheimnisvollen Wirken und
Wüten der vulkanischen Kräfte im Erdinnern. Alles dieses in Verbindung mit dem Thema „Ein Meer versinkt", wobei es sich um den Plan einer Senkung des Mittelmeerspiegels handelt.
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Die Form, in der dieser Kulturfilm gestaltet wurde, ist richtunggebend. Sie wirft die Frage auf, ob auf diese Weise nicht zahlreiche wichtige wissenschaftliche, kulturelle und soziale Themen dem Volk filmisch näher gebracht werden können. Wie der Unterhaltungsfilm in Kurzfilmen es versteht, in unaufdringlicher Form Aufklärung über Heiratsschwindel, Kurpfuscherei, Wahrsagenunfug und dgl. zu vermitteln, indem er die „Aufklärung" mit einer spannenden, humorvollen, jedenfalls aber einer schlichten, aus dem Leben gegriffenen Handlung verbindet, so müßte auch der Kulturfilm sich einer wissenschaftlichen Aufklärung und Schulung zuwenden. Es sei nur als Beispiel auf die gesundheitliche Beratung hingewiesen, für welche die Medizin zahllose Versionen zur Verfügung stellen könnte, gar nicht zu reden von kultur- und weltpolitischen Themen, volkskundlichen Aufgaben und dergleichen. Es ist ein ungeheuer reichhaltiges und interessantes Gebiet, das sich der Film noch erobern kann
Wir wollten an dieser Stelle nur skizzieren, welche Wege der Kulturfilm zu gehen hat, und wie vielversprechend Ansätze schon gemacht worden sind. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß der Kulturfilm jede nur denkbare Unterstützung finden wird, wenn er feine Aufgabe einer „Hochschule auf der Leinwand" in der Ausrichtung auf das Volksganze durchführt, wie es bei den erwähnten Beispielen in vorbildlicher Weise geschehen ist.
Walter Lammert.
Vor dem französischen Kriegsgericht.
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Vor kurzem wurde ein neuer Ufa-Film „Patrioten" fertiggestellt, in dem Lida Baarova eine Französin darstellt, die einen deutschen Fliegeroffizier (Matthias Wie- m an) liebt. Unser Bild zeigt die Verhandlung vor dem französischen Kriegsgericht, vor dem sich der Deutsche wegen Spionage zu verantworten hat. Lida Baarova als Zeugin, Matthias Wieman als deutscher Offizier (rechts auf der Anklagebank mit verbundenem Kopf). Ein französischer Oberst beriet den deutschen Spielleiter Karl Ritter bei den in Frankreich gemachten Aufnahmen. Der Film spielt während des Weltkrieges. — (Ufa-M.)
Mr kiebitzen beim Kiebitz!
liestvisiten mit derLanqrohrlinse
Jeder Skatspieler kennt den ,Kiebitz", jenen wenig erwünschten Zaungast, der unaufgefordert in fremde Karten guckt und alles besser weiß. Jedes Kind kennt die niedlichen grünen, dunkelgesprenkelten Kiebitzeier, die in Watte gebettet als teure Leckerei von Feinkostläden angeboten werden oder als zuckrige Nachbildungen in Schokoladengeschäften die Süßschnuten anlocken. Wer aber kennt den Kiebitz persönlich? Sicher nur wenige Menschen. Dieser in Sumpfgebieten lebende Vogel ist scheu und recht selten geworden. Um einer Feinschmeckerei willen plünderte der Mensch die Kiebitznester ohne Maß und Ziel, bis man — wenigstens in Deutschland — diesen Vogel unter Naturschutz stellte.
In solch einem Naturschutzgebiet wollen wir den Kiebitz einmal besuchen und uns von dem bewährten Dogelkenner und Kulturfilmschöpfer Professor Walter Hege führen lassen, der uns schon so manche seltene und wohlgelungene Vogelaufnahme geschenkt hat. Wir wollen einmal selbst „Kiebitz" spielen und dem kleinen Vogel ein wenig ins Nest kiebitzen, ohne daß er etwas davon merkt, oder gar gestört wird Mit der eineinhalb Meter langen Fernbildlinse, dem Langrohrgeschütz unter den Filmobjektiven, hat uns die Technik hierfür ein wertvolles Handwerkszeug geliefert. Mit ihrer Hilfe kann man aus netter Entfernung Nah- und Großaufnahmen auch von den kleinsten Tieren auf den Filmstreifen bannen.
Wir wandern mit Professor Hege durch das Sumpfgebiet am Bodensee, das dicht an der schweizer Grenze liegt und auf deutscher Seite Naturschutzgebiet ist. Da sehen wir zunächst den „Vogel mit dem langen Gesicht", den großen Brachvogel, der einem neuen Tobis-Kulturfilm den Namen gegeben hat. Die Fernbildlinse rückt uns das seltsame Tier mit seinem sichelförmig gebogenen langen Schnabel so dicht vor die Augen, daß wir sogar die nasenähnliche Tastgeschwulst am Schnabelende erkennen können.
Es ist für den Kameramann nicht leicht, mit diesem „Langrohrgeschütz" die beweglichen Tierchen immer scharf im Bildfeld zu behalten; es kostet unendlich viel Geduld, Geschicklichkeit und Erfahruiig. Die Scharfzone bei solchen Weitaufnahmen beträgt ja nur etwa 20 Zentimeter, dazu kommt, daß die lange Fernbildlinse ziemlich schwer zu handhaben ist. Aber leider nehmen darauf weder der Brachvogel noch die Bekassine (eine Schnepfenart) noch der flinke Kiebitz Rücksicht. Selten macht sich der Kinobesucher eine Vorstellung von den Schwierigkeiten solcher Aufnahmen, wenn er das Leben der Tiere wie aus nächster Nähe auf der Leinwand miterlebt. Er kann in stark vergrößerter Nahaufnahme als das Ergebnis viele Monate langer schwieriger Arbeit das Brutgeschäft und später die Kinderpflege der Kiebitzmutter, das dunkelgesprenkelte Küken genau so gut bewundern wie den herrlichen, reiherähnlichen Haarschopf der Frau Mama, die ihre mißtrauischen und wachsamen Augen ständig unterwegs hat und oft sogar direkt ins Objekiv hineinschaut, als ob sie sich ihrer Divarolle bewußt wäre.
Auch der akustische Teil dieses seltenen Filmdokumentes war nicht immer ganz einfach zu bewältigen wie uns Schnittmeister Dr. Werner B u h r e verrät. Da die einzelnen Aufnahmen nicht in demselben Reihenfolge zusammengestellt werden, wie sie gedreht worden sind, so müssen auch die begleitenden Vogelstimmen wieder sorgfältig nach dem Gehör sortiert und richtig angepaßt werden. — Wo keine Naturstimmen zur Verfügung standen, mußte musikalische Begleitung die notwendige Stimmung schaffen, aber die Vogelstimmen gaben doch den stärksten Akzent. So vor allem bei den Szenen, wo Männer mit derben Schuhen rücksichtslos durch den Sumpf stapfen und nach Kiebitzeiern suchen. Hier gibt ein einzelner scharfer Krähenruf, der die leise Begleitmusik hart und jäh unterbricht, den Unterton für einen Naturfrevel, der in Deutschland streng geahndet wird. T.
Filmstars werden „entdeckt".
33 on Armin Krölmke
Die Nachwuchsfrage ist wohl eins der brennendsten und zugleich schwierigsten Probleme des Films. Die Backfischromantik allerdings hat dafür auch heutigentags immer noch das alte, äußerst einfache Rezept: Man ziehe sich „ganz groß" an und gehe in ein Lokal, in welchem einflußreiche Filmleute verkehren — ober besser noch — in die Kantine irgendeines Filmateliers. Wenn nicht gleich beim ersten, so doch beim zweiten Mal kommt dann auch sicherlich (Glück muß ein junger Mensch eben haben) ein allgewaltiger Regisseur dorthin, der sich, geblendet durch die fabelhafte Erscheinung der Unbekannten, für diese interessiert und sie für den Film „entdeckt". Voraussetzung ist natürlich, daß man sehr gut aussieht, na — und welche junge Dame besagten Alters ist nicht von ihrem „Typ überzeugt? Hätten diese selbstbewußten jungen Vertreterinnen des schönen Geschlechts jedoch nur eine blasse Ahnung, wie dornenvoll und äußerst fchsm^ riq der Weg selbst bis zum kleinsten Erfolg in Wirklichkeit ist, so käme wohl selbst die Begeistertste und Uebe'rzeugteste von ihnen sehr schnell aus dem siebenten Himmel auf den Parkettfußboden des Tai^- ftunöenfaales zurück. Wieso? Nun, sehr einfach: Weil sie sehr schnell bemerken würde, daß auf bem Wege zum Filmstar in allererster Linie einmal Arbeit nötig ist — zielbewußte, ausbauernbe, uner- mübliche Arbeit an sich selbst.
Da wir ja schon seit einiger Zeit im Zeitalter des Tonfilms leben, verlangt man als erstes von bem betreffenben Nachwüchsling — ganz gleich, ob Männlein ober Weiblein — baß er sprechen kann, besser aesaqt: daß er Schauspielunterncht genossen und als Beleg dafür die Bühnen- bzw. Filmprufung bestanden hat. Auch diese ist jedoch keine Garantie für die Zukunft, denn nun gilt es erst einmal, an eine Filmfirma heranzukommen und herausgestellt (sprich: engagiert) zu werden, und sei es nur für eine noch so kleine Rolle. (Wenn man m dieser „Rolle sogar einen Satz ober auch nur einige Worte zu sprechen bekommt, so ist bas schon eine ganz große Sache). Dieses Bewerben um bas erste Engagement ist wohl mit eine ber schwierigsten Entwicklungsphasen in ber Laufbahn eines Schauspielers beim Film, benn in kurzer Zeit muß ber
junge Schauspieler ben Filmprobuzenten so von sich zu überzeugen unb für sich einzunehmen verstehen, baß bieser bas Risiko, bas ja bas Herausstellen eines vollkommenen Neulings immer bebeutet, auf sich nimmt. Hier hat es ber Nachwüchsling, ber von ber Bühne kommt unb also schon eine gewisse Praxis hinter sich hat (auch bie Schauspieler, bie vom Theater kommen, rechnen natürlich zunächst einmal unter ben Nachwuchs) viel leichter. Er kann schon eine bestimmte Leistung vorweisen, kann sagen: Bitte, lest meine Besprechungen. Ober: Bitte, kommt in bas Theater unb schaut mich an. Deswegen ist ber meist begangene Weg bes Film-Nachwuchses auch ber über bie Bühne bes Theaters. Die Theatererfahrung ist ein großer Vorteil. Keineswegs jeboch gibt sie ben Ausschlag, benn hier macht bie Kamera ihre eigene biktatorische Meinung geltenb unb verursacht bamit nicht selten einen überraschen- ben Umschwung in bem Leben eines bisher erfolgreichen Schauspielers. Es ist sehr leicht möglich unb zu verschiedenen Malen schon ber Fall gewesen, baß ein Künstler auf bem Theater berühmt mürbe, wäh- renb er auf ber Leinwanb nur sehr schwach ober gar nicht „kam" ... v
Interessiert sich ber Filmprobuzent jur ben einen ober ben anberen Nachwuchsschauspieler, so laßt er von biefen Probeaufnahmen machen. Probeaufnahmen jeboch kosten Gelb, sinb also mieberum ein Risiko für ben oeranftaltenben Filmprobuzenten. Daher ist es selbstverstänblich, baß er sich aus ber Masse ber Engagementssuchenben nur ganz wenige, ihm am geeignetsten scheinenbe Schauspieler heraussucht Wieber also gilt es für ben hoffnungsvollen Nachwüchsling, zu überzeugen, Interesse zu erregen unb aus ber großen Menge ber Mitbewerber her- vorzustechen. Wie er bas schafft, banadj» fragt ihn kein Mensch, bas ist seine Sache. Auch Glück kann babei eine Rolle spielen. Nicht jebem gelingt es Mch, an ben maßgebenben Mann heranzukommen, nicht jeher hat bas Glück, im richtigen Moment zu kommen, benn ein Probuktionschef ist einer ber am meisten beschäftigten unb geplagten Manner bes Fachs, in besten Arbeit bie Rollenbesetzung nur einen Bruchteil seiner Gesamtausgabe bebeutet.
Ist es nun ber Geschicklichkeit, ber Finbigkeit unb bem persönlichen Auftreten bes mit künstlerischem Tatenbrang erfüllten Nachwüchslings gelungen, ben Probuktionschef zu interessieren unb von ihm zu Probeaufnahmen herangezogen zu werben, so hat


