Moskau zittert nach -er Hinrichtung Tuchatschewffis Em Rechtfertigungsversuch Woroschuows.
Moska«, 12. Juni. (DJIB.) Amtlich wird bestätigt, daß alle acht vom Sondermilitärgericht des obersten Gerichtshofes zum Tode verurteilten Sowjetgenerate heute, am 12. Juni, hingerichtet worden find.
Einige Stunden nach der amtlichen Bestätigung der Urteilsvollstreckung wurde ein Armeebefehl des Kriegskommissars Woroschilow veröffentlicht. Woroschilow gibt darin bekannt daß vom 1. bis 4. Juni ein Oberster Kriegsrat im Beisein der Regierungsmitglieder getagt habe. In der Sitzung wurde, so sagte Woroschilow „mein Dortrag angehört und einer Erwägung un terzogen über die durch das Jnnnenkommissariat (die GPU.) erfolgte Aufdeckung einer oer räterischen, konterreoolutionärenmi- litärischen Organisation, die — in streng konspirativer Form — eine lange Zeit bestanden und eine feige destruktive Schädlingsund Spionagetätigke i t in der Roten Armee durchgesührt hat." Jetzt, nachdem die „Verräter" erschossen seien, könne die Rote Armee, so heißt es in dem Armeebefehl weiter, wieder „erleichtert aufatmen". Im weiteren will Woroschilow die Hingerichteten Generale zu den bereits früher durch den „schonungslosen Urteilsspruch des proletarischen Gerichts erschossenen Schuften aus der Bande Sinowjew-Kamenew-Trotzki" zählen. „Das Endziel dieser Bande war", so heißt es in dem Armeebefehl, „um jeden Preis, und mit allen Mitteln das Sowjetregime in unserem Lande zu liquidieren, die Sowjetmacht zu vernichten und in der Sowjetunion das Joch der Gutsbesitzer und Fabrikanten wiederherzustellen." Die Erschossenen hätten die „Ermordung der Leiter der bolschewistischen Partei und der Sowjetregierung" vorbereitet. Sie hätten ferner „alle nur mögliche abscheuliche Schädlingsarbeit in Wirtschaft und Landesverteidigung getrieben", sie hätten „die Macht der Roten Armee zu untergraben und deren Niederlage im künftigen Krieg vorzubereiten versucht; ferner hätten die Verurteilten „den Feinden der Sowjetunion" militärische Geheimnisse verkauft und überhaupt alles getan, „um den Ueberfall des äußeren Feindes auf die Sowjetunion zu beschleunigen". Für den Kriegsfall hätten sie geplant, „durch direkten Verrat und durch Sabotage der technischen und materiellen Versorgung der Front die Niederlage der Sowjetunion zu erreichen und die Sowjetunion zu stürzen".
Das Sü icksal der deulschen Kommumstenhauptlmge.
Warschau, 13. Juni. (DNB.) lieber bas Schicksal der früheren kommunistischen „Führer", die seinerzeit aus-Deutschland nach Sowj et- rußland emigrierten, werden jetzt aus Moskau im Zusammenhang mit den bolschewistischen Massenschlächtereien nähere Einzelheiten bekannt, die mit Sicherheit darauf schließen lassen, daß sie allerdings in aller Stille fast ausnahmslos das gleiche Schicksal ereilt hat wie alle jene, die bisher vom sowjetrussischen Moloch verschlungen wurden. Max Hölz z. B., von dem ursprünglich angenommen wurde, er sei „ertrunken", hat ebenso wie Heinz Neumann durch den üblichen Revolverschuß ins Genick in den Kellergewölben des GPU.-Palastes am Moskauer Lubljanka-Platz geendet. Elf weitere ehemalige Reichstagsabgeordnete werden seit langem „vermißt" Es kann heute mit Sicherheit angenommen werden, daß sie das gleiche Schicksal erlitten haben. Sie sind „eingegangen ins Sowjetparadies" — aber anders als sie es sich vorgestellt und einst dem deutschen Arbeiter vorgegaukelt haben.
„Organisierter Volkszorn." Unsicherheit und Entsetzen die wahre Bolksmeinung.
Das bei solchen Anlässen hierzulande übliche Trommelfeuer der Propaganda hat bereits eingesetzt, das den blutigen Urteilsfpruch bei den Massen zu popularisieren hat. In allen Fabriken und Aemtern, in allen Betrieben und Regimentern der Roten Armee wurden in aller Eile „M assen- versammlungen" einberufen, wo die Versammelten für den Tod de rAnge klagten, die noch vor wenigen Wochen ihre Führer waren, zu stimmen hatten. Dieses grauenhafte Spiel geht soweit, daß der so organisierte „Volkszorn" nicht nur die „Vertilgung der faschistischen Schlangen", den „Hundetod der Hunde", die „schonungslose Vernichtung der Verräter und Spione" zu fordern hat, sondern auch noch die „Dankbarkeit" gegenüber dem „erhabenen Vater Stalin" und „dem herrlichen Jeschow" zum Ausdruck bringen muß (!!). „Wir fordern die restlose Vernichtung der toll gewordenen Köter", „Vertilgt die Schlange des Faschismus und die übrigen von der Sowjeterde", „Erschießt die Spione und Hochverräter" — dies sind die Ueber- schriften der Resolutionen der Massen, die heute zu hunderten in den Blättern erscheinen. Die Soldaten der Militärbezirke und Garnisonen, die noch vor einem Monat der Befehlsgewalt der jetzt zum Tode Verurteilten unterstanden, haben jetzt in Massenversammlungen für die Erschießung ihrer bisherigen Führer zu stimmen. So „fordern" z. B. die Schüler der Moskauer Militärakademie die „schonungslose Vernichtung der faschistischen Spio- nenbanbe". Die Moskauer „Division" fordert den „Hundetod" für die Verräter, eine' Moskauer Fliegerformation feiert in ihrer „Resolution" die „herrliche GPU." und „fordert" die „psychologische Vernichtung ber Landesverräter". Auch nach der Urteilsvollstreckung geht ber von oben befohlene Feldzug zur Organisierung des Volks- z o r n e s gegen die „niederträchtigen Verräter" weiter. - Es zeugt dafür, wie sehr die zentralen Stellen bemüht sind, sich ein Alibi für d e n zynischen Urteilsspruch gegen die acht Generäle zu beschaffen, daß Arbeiter und Bauern, Armeeangehörige und Beamte, ja selbst Wissen
schaftler und Künstler überall immer wieder zusammengetrommelt werden, um ihre Ergebenheitstelegramme an die Regierung und an Stalin persönlich zu „beschließen". Es versteht sich von selbst, daß diese unter besonderer Kontrolle von Vertrauensleuten abgefaßten Telegramme einerseits von Liebe zur Partei und zu Stalin, „unserem geliebten Vaterland und dem weisen Führer der Menschheit" geradezu triefen, wie sie sich andererseits in ber Anhäufung von aum wiederzugebenden Verbalinjurien gegenseitig ;u überbieten trachten. Verräter und Betrüger, aschistische Kettenhunde, neunmal verfluchte Schweine- unbe, verächtliche Kriechtiere — das sind noch die jahmsten Ausdrücke, mit denen man die gestern noch allgewaltigen Führer der Roten Armee heute oelegt. Das Echo, das das Urteil im Auslande
auslöste, hat bei amtlichen Moskauer Stellen großen Eindruck gemacht. Einen Beweis dafür bildet der Leitartikel ber „Prawda", bie feststellt, baß bie Auslandspresse sich einhellig gegen diese menschenfressenden Methoden des revolutionären Despotismus Stalins ausgesprochen hat.
Trotz aller dieser fieberhaften Bemühungen, das Bluturteil als „V o l k s w i l l e n" auszugeben, ist ber Eindruck dieses Prozesses in allen Schichten der Bevölkerung geradezu vernichtend. Die allgemeine Unsicherheit hat durch die plötzliche Vernichtung der gefeierten militärischen Führer von gestern ihren Höhepunkt erreicht. Niemand ist imstande, die Hintergründe dieser blutigen Tragödie zu deuten. Verblüffung und Entsetzen steht auf den Gesichtern der Moskauer Bevölkerung geschrieben.
Dämmernde Erkenntnis in Paris.
Wachsende Zweifel an der Bündnisfähigkeit der Roten Armee.
Paris, 13. Juni. (DNB.) Die Exekution des Marschalls Tuchatschewski und der rnitoerurteilten hohen Generäle der Roten Armee füllen bie Spalien ber Pariser Sonntagspresse. Für bie französische Öffentlichkeit ist bie Erschießung bes Marschalls Tuchatschewski, ber noch vor kurzem in offizieller Mission in Paris weilte, und bem vom französischen Oberkommando die tiefsten Militärgeheimnisse mitgeteilt wurden, besonders peinlich, vor allem im Hinblick auf den französisch-russischen Pakt. Unter dem Eindruck des Todesurteils gegen den Mann, den man mit Vorliebe als den „roten Napoleon" bezeichnete, hat eine lebhafte Diskussion über den Wert des französisch-sowjetrussischen Bündnisses eingesetzt. Selbstverständlich ist, daß die Antisowjet- blätter noch energischer als bisher gegen diesen gefährlichen Pakt Sturm laufen. Noch bezeichnender ist jedoch die Tatsache, daß sogar das radikale „O e u v r e", das bisher zu den eifrigsten Verfechtern des Bündnisses mit Sowjetrußland gehörte, ernsthaft die Frage aufwirft, was unter diesen Umständen ein solches Bündnis überhaupt noch für einen Wert habe. Das Blatt stellt fest, daß die neuen Hinrichtungen das internationale Prestige Sowjetrußlands kompromittierten. Der offiziellen Moskauer Lesart zufolge sei bie Rote Armee, bie bisher als gefunb unb bem Regime völlig ergeben erschien, von bem Bazillus bes Verrats verseucht. Wenn es wahr sei, baß alle biefe hohen Generäle Verräter gewesen seien, was müsse man bann von ber Kampffähigkeit unb ber Wider st andskrast ber Roten Armee im Falle eines europäischen Konfliktes halten? Moskau müsse wissen, baß bie letzten Ereignisse in politischen und militärischen Kreisen Frankreichs große Bestürzung hervorgerufen haben. General U b o r e w i t s ch habe im September 1936 bie großen Manöver in Weißrußland unb General Iakir bie Manöver in ber Ukraine geleitet. Bei diesen Manövern seien die französischen Generäle Schweißguth und Villemin zugegen gewesen. Hätten sie damals annehmen können, baß sie ihre Hanb in bie Hände von „Verrätern" legten? Frankreich habe einen gegenseitigen B e i st a n b s p a k t mit Sowjetrußland unterzeichnet. Was sei dieser Beistandspakt noch wert? Auch bie Tschechoslowakei werde sich fragen müssen, was. nun dies diplomatische Schriftstück wert sei. Das „Oeuvre" sagt weiter, man wisse in Moskau, baß diese Pakte ernsthafte Gegner hätten. Diese würden durch bie neuen Hinrichtungen berechtigt, ihren Feldzug zu verschärfen. Auf jeden Fall hätten bie Ereignisse von Moskau, bie eine starke innere Krise enthüllten, bem internationalen Ansehen Sowjetrußlands einen schwerwiegenben Schlag versetzt... Soweit das „Oeuvre"!
In dem neugegrünbeten rechtsstehenden Blatt „Epoqu e" schreibt Henry be Kerillis u. a.: Stalin erhalte sich nur durch Terror. Wie lange aber noch? Es sei offensichtlich die Furcht, gepaart mit Irrsinn, bie ihn zum Verbrechen treibe. Aber alles habe ein Enbe. Es fei nicht baran zu zweifeln, baß bie Stunbe herannahe, in ber auch biefer rote Götze zusammenbrechen werbe. Pierre Dominique überschreibt seinen Artikel in ber „R e - publique": „Stalin hat einen hoppelten Streich geführt; inbem er feine Genossen tötete, hat er auch das Militärabkommen tot gemacht (!)". Jetzt sei also bie prosowjetrussische Richtung in Frankreich von den Kommunisten rabikal geschlagen worden und zwar sei es Stalin selber, ber sie geschlagen habe. Im übrigen habe der französische General st ab bereits einen Stellungswechsel vorgenommen. Denn seitdem gerade der General, dem man alles gezeigt unb alles anoertraut habe, Tucha
tschewski, nun von Stalin als Verräter angeklagt worben sei, wolle man, baß bas Militärabkommen mit dem Nachfolger Tuchatschew- skis unterzeichnet würbe, ber vielleicht übermorgen auch wegen „Verrats" an die Wand gestellt würde? — „Journal" sagt, die Ereignisse in Sowjetrußland bewiesen, daß das Regime, bas den Franzosen immer als ein „Mo- bell bes bemokratischen Fortschritts" hingestellt worben sei, in Jndustriesabotage, politischer Unorb- nung unb wildem Kampfe rioalifierenber Klüngel bestehe. Zum andern sei bewiesen, daß die vielgerühmte Rote Armee, die man sogar zur „wesentlichen Stütze der französischen Sicherheit" machen wollte, zumindest recht angekränkelt sei. Der Beweis sei erbracht, daß die kommunistische Diktatur in einem Zu st and tatsächlicher Anarchie enbe. Die Gebrechlichkeit bes sowjetrussischen Militärorganismus werbe in biesem Prozeß offensichtlich, besten klarstes Ergebnis gewesen sei, bie Chefs ber Roten Armee auszuschalten. Schließlich habe man noch nicht ben letzten Hinrichtungskarren fahren sehen.
„Die Tragödie beginnt erst."
Die britische Presse meldet Unruhen und Ncvolten.
L o n b o n, 13. Juni. (DNB.) „Der Glaube, daß Revolution und Bürgerkrieg in Sowjet- rußlanb brohen", so schreibt ber „P e o p l e", „wirb burch Geheimberichte bestätigt, bie soeben in Großbritannien von verläßlichen Agenten in Moskau eingegangen finb. Diese Berichte melden daß bie Sowjetunion sich vor bem A u s b r u ch einer Krise befinbet, bie so schwer ist wie biejenige, bie zum Sturze bes zaristischen Regimes von 1917 geführt hat, und baß Stalins Tage als Diktator gezählt find." „Sunbay Chronicle" melbet aus Warschau, baß nach ber Verurteilung ber acht russischen Generäle Hinrichtungen in ganz Sowjet r u ß l a n b ftattgefunben hätten. Hunderte von Soldaten, Anhänger der zum Tode verurteilten Generäle, seien ab geschlachtet worden. Stalin krank, furchterfüllt unb einsam in seinem schwer- bewachten Quartier im Kreml, entledige sich schon seiner Feinde, bevor sie sich seiner entledigen. Rußland stehe heute der größten Krise seit ber Revolution von 1917 gegenüber. Tuchatschewski unb seine Kameraben hätten geplant, bas gegenwärtige tyrannische System zu stürzen, Stalin zu ermorben unb selbst bie Macht zu ergreifen. Jeschow, ber neue Jnnenkommissar habe jeboch einen Geheimakt ent- beckt, ber Beweismaterial über ein großzügiges Komplott enthalten habe. Tausenbe von Beamten unb Armeeoffizieren seien verhaftet worben. Sie seien auf ber Stelle erschossen worben.
„Sunbay Expreß" berichtet, baß Sowjetruß- l a n b zittere. In ber Ukraine hätten 3 Regimenter revoltiert, bie aufgelöst unb nach Sibirien verschickt worben seien. 900 Solbaten seien in Kiew unb 300 weitere in Charkow verhaftet worben.
„Sunbay Pictorial" berichtet über Warschau, baß bereits an vier Stellen in ber Sowjetunion U n - ruhen ausgebrochen seien. In ber Westukraine hätten sich 3000 Solbaten in Priluki empört. Schwere Zusammenstöße hätten sich weiter in Pe- tropawlowsk ereignet, wo sich Solbaten unb Bauern gegen Stalin verbünbet hätten. In Moskau sei bie Lage ä u ß e r st gespannt. Die Arme werbe zweifellos Stalin bie Hinrichtungen niemals vergessen. Die Tragöbie in Sowjetrußlanb beginne e r st. Das' Blatt weiß weiter zu berichten, baß man es nicht gewagt habe, bie Generäle von einem Exekutivkommando erschießen zu lassen, sonbern daß ein Henker sie einzeln erschossen habe.
Aus aller Well.
Beisetzung der Opfer der Katastrophe bei Edesheim.
In Anwesenheit des Reichsjugendführers von Schirach wurden die zehn Jungmädel des BDM., die Opfer der Naturkatastrophe bei Edesheim, unter Teilnahme Tausender von Volksgenossen in Rhodt und Rietburg b e i g e s e tz 1. Sämtliche Dienststellen der HI. und der SS. hatten im ganzen Reiche die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Nach ber Grabrede des evangelischen Geistlichen ergriff der Jugendführer des Deutschen Reiches von Schirach im persönlichen Auftrage des Führers und Reichskanzlers das Wort und führte u. a. aus: „Wenn es bei solchen Unglücken überhaupt etwas Tröstliches gibt, so das Bewußtsein, daß eure Kinder unter der Fahne der Hitler- Jugend und des Reiches ruhen und heute ber Führer, Partei und Volk mit euch an diesem offenen Grabe stehen, mit euch fühlen unb mit euch wirklich ergriffen finb. Das Schicksal hat nicht nur bie
Familien, sonbern bas ganze beutsche Volk betroffen." Schirach ehrte bie toten Jungmäbel burch ben Kranz bes Führers, ber, wie er sagte, ber letzte Gruß Deutschlands fei.
Oeutsch-sranzösische Zusammenarbeit nn Ozean-Luffverkehr
Berlin, 12. Juni. (DNB.) Bereits seit Jahren besteht bezüglich bes beutschen und französischen Luftpost dien st es nach Südamerika zwischen ber Air France unb ber Deutschen Lufthansa eine kameradschaftliche und erfolgreiche Z u - fammenarbeit. Die beiden Luftverkehrsgesellschaften haben auch die Frage der Tarife, ber gegenseitigen Po st Zuführung und der Unterstützung, insbesonbere bei Zwischenfällen, in vorbilblicher Weise geregelt. Diese Zusammenarbeit soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werben. Sie soll sich vornehmlich auch auf bie Sicherung und auf eine gemeinsame Werbung erstrecken. Auf dem Nordatlantik, der jetzt
dem Luftpostverkehr erschlaffen werden soll, wird eine ähnliche Übereinkunft erstrebt. Für einen Vertragsentwurf, der zur Zeit der französischen Gesellschaft vorliegt, soll das Einverständnis des deutschen unb bes französischen Luftfahrtministeriums eingehvlt werben.
Betriebsausflug des Iieichspropagandaministeriums.
Berlin, 12. Juni. Die Beamten, Angestellten unb Arbeiter bes Reichsministeriums für Volksauf- tlärung unb Prvpaganba waren äm Samstag im Rahmen eines Betriebsausfluges Gast von Reichsmini ft er Dr. Goebbels An ber Straßenseebrücke ging zusammen mit bem Minister unb seinem Staatssekretär Funk bie Gefolgschaft an Borb ber geschmückten Motorschiffe „Kurmark" und Zehlenborf". Nach einer genußreichen Fahrt über bie Havel würbe in einer Gaststätte am Luftschisf- hasen in Pvtsbam ber Nachmittagskaffee eingenommen. Daran schloß sich gegen Abenb eine fröhliche Wasserfahrt auf den Seen unb Kanälen rings um Potsbam, bie sich bis nach Werber erstreckte und bei Musik unb Gesang ber Gefolgschaft Stunben wohl oerbienter Erholung und Entspannung brachte. Von Tisch zu Tisch gehenb, nahmen der Minister unb sein Staatsekretär Gelegenheit, auch außer- bienstlich mit ben Betriebsangehörigen einen Abend zu verleben. Erst gegen Mitternacht fanb die Fahrt ihr Enbe. Sie war nach einem Jahre hingebungsvoller und verantwortungsbewußter Arbeit ein Aus- bruck ber vorbilblichen Kamerabschaft, bie bas Reichsministerium für Volksaufklärung und Propa- ganba feit je in besonderem Maße auszeichnet.
Feuersbrünste überall.
In den Staatswaldungen des Unterwesterwalb- kreises brach ein Walbbrand aus, ber große Tannenbestände vernichtete. Arbeitsdienst, Feuerwehren und Zivilbevölkerung hatten mehrere Stuic- ben Arbeit, ehe es gelang, ben Branb einzudämmen. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde bie vollständig verbrannte Leiche eines Mannes gefunden, der eine Tonpfeife neben sich liegen hatte. Offenbar ist der Brand auf den verbrecherischen Leichtsinn dieses Mannes zurückzuführen, > ber feinem eigenen Vernichtungswerk zum Opfer gefallen ist. Ein warnenbes Beispiel!
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In den Fortbeständen des Fürstlich Solmschen Besitzes bei Klitschdorf (Kreis Bunzlau) brach ein Waldbrand aus, der infolge der großen Hitze und Trockenheit mit rasender Geschwindigkeit um sich griff, und wertvolle hundertjährige Althozbe- stände erfaßte. Den Flammen fielen schätzungsweise 300 Morgen Wald, hauptsächlich Kiefernbestände, auch Laub- und Fichtenwaldungen zum Opfer.
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Die feit Tagen in Polen andauernde Hitze hat mit 36 Grad Celsius im Schatten am Sonntag ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Aus allen Teilen des Landes laufen Meldungen über Schadenfeuer in Ortschaften und Wäldern ein. Bei Kielce brannten in einem Dorf 23 Wohnhäuser und 50 Scheunen nieder. In einem anderen Dors kam bei einem Brande ein Kind ums Leben. Der Wasserstand ber Weichsel sinkt täglich um rund 4 Zentimeter. Die Schiffahrt von Warschau aus weichselaufwärts ist nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Schwere Unwetter im tippet Lande.
lieber weite Teile bes Lipper ßanbes ging ein schweres Unwetter nieder. Ein orkanartiger Sturm entwurzelte viele Bäume, richtete an ben Gebäuben und auf ben Felbern großen Schaben an. Durch Blitzschlag würben in Mosebeck ein großer Bauernhof, in Barntrup ein Haus eines Maurers und in Gehrenberg Wohnhaus und Stallungen eines Händlers eingeäschert. In Stemmen brachte der Blitz ein Haus zum Einsturz. Die Stadt H a - mein unb eine Anzahl Nachbarorte wurden unter Wasser gesetzt, Gärten unb Felber schwer verwüstet. Die Exter würbe zu einem reißenden Strom, der große Steinbrücken hinwegriß. Die Exter-Bahn mußte ihren Verkehr einstellen. Vieh und Vorräte konnten nur mit Mühe gerettet werden. Ein schweres Unwetter suchte auch bie Ortschaften an ber Porta Westfalika, insbesondere die -Stadt Hausbergen am Fuße des Jakobsberges, heim. Von den Weserbergen ergossen sich Sturzbäche durch die Ortschaften.
Schwere Bluttat in Köln.
In einem Hause der Kölner Altstadt kam es zu einer furchtbaren Bluttat. Ein 47jähriger Mann brachte seinem 15jährigen einzigen Sohn mit einem Brotmesser eine schwere Schnittwunde an der rechten Hals feite bei, an deren Folgen der Junge auf bem Wege ins Krankenhaus verstarb. Der Mörder flüchtete, konnte aber balb gestellt und ber Polizei übergeben werben. Es handelt sich um einen Mann, ber in sehr schlechtem Ruse steht und als notorischer Säufer bekannt ist. Noch am Tag zuvor hatte er wieder bie Löhnung bes Jungen, dem allgemein das beste Zeugnis ausgestellt wirb, vertrunken. Die Mutter befindet sich zur Zeit im Krankenhaus. Die näheren Umstände ber furchtbaren Tat sind noch Gegenstand eingehender Untersuchung.
Giftmörderin zum Tode verurteilt.
Vor dem Nürnberger Schwurgericht stand die Katharina Leupvld von Fürth, bie beschuldigt ist, ihren Mann, mit bem sie seit 1923 in unglücklicher Ehe verheiratet war, vergiftet zu haben. Obgleich bie Angeklagte in ber Voruntersuchung mehrmals bie Tat eingestanben hatte, leugnete sie vor bem Schwurgericht hartnäckig. Das Schwurgericht sprach die Leupolb schulbig bes Verbrechens bes Mordes und verurteilte sie zum Tode und lebenslänglichem Ehrverlust.
Vollstreckung eines Todesurteils.
Am 12. Juni ist ber Mathias Schirra aus Als- borf hin gerichtet worden, der von bem Schwurgericht in Aachen wegen Mo r bes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. — Schirra, ber wegen zahlreicher Rohheitsdelikte, unter anderem wegen Totschlags, vorbestraft ist hat am 2. September 1936 seine Vermieterin, die feine Annähe- ungsversuche abgelehnt hatte, aus Rachsucht ermordet.
Tödliches Segelstugzeugungtück.
lieber dem Flugplatz Johannisthal stürzte der Abteilungsleiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof, Diplomingenieur


