Ausgabe 
14.5.1937
 
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aktiven Wehrdienst bereits geleistet haben und nicht über 24 Jahre alt sind. Bevorzugt werden Bewer­ber, die bereits im Arbeitsdienst gedient haben.

Gesuche sind nach Möglichkeit sofort, spätestens jedoch zum 1. August 1937 bei allen Arbeitsgaulei­tungen oder den Nachgeordneten Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes einzureichen.

Die den Bewerbungen beizufügenden Unterlagen sind aus dem MerkblattFührer- und Amtswalter­ersatz des Reichsarbeitsdienstes" zu ersehen, das von allen Dienststellen erlangt werden kann und bei den polizeilichen Meldebehörden zur Einsicht aufliegt.

Aus -er Stadt Gießen.

Abend im Mai.

Gibt es etwas Schöneres als solch einen fried­lichen Abend im Mai, wenn die Dämmerung lang­sam entschwindet und die milde Luft des Vorsom­mers die blühenden Sträucher in den Gärten und Anlagen fächelt? Gewiß ist die Stadt nicht immer verlockend und im Gewirr ihrer Straßen und Gas­sen häufig genua voll ermüdender Lebhaftigkeit, aber an einem solchen Abend im Mai kann sie strahlend schön und zärtlich sein wie ein junges Mädchen, das sich der ersten unbewußten Sehn­sucht hingibt.

Hoch spannt sich das Himmelszelt über der Stadt, und das Geflimmer der Sterne ist klar und rein wie sonst nur in kalten Winternächten. Es scheint, daß selbst die fast ruhelosen Geschäftsstraßen ein wenig Anteil haben an der atmenden Stille, mit der der Abendfrieden gegangen kommt. Die far­bigen Lichter der Leuchtschriften an den Häuserzeilen glühen festlich bunt, und wo die Helligkeit der Stra- tzenlampen das zarte Grün eines Baumes umfaßt, wirft sie lichte Reflexe auf den Fahrdamm, die ein wunderliches Spiel mit dem Schatten treiben.

Geruhsamer ist es um diese Zeit freilich in den Seitenstraßen und in den engen Gassen, wo die Fenster weit geöffnet sind und wo auf den Stufen vor den Haustüren die Bewohner halblaute Ge­spräche führen. Der Ausspann vom Werktag wird hier am fühlbarsten und es ist, als spende der Abend seine Stille von Haus zu Haus wie einen mildtätigen Segen. Die Gassen gleichen friedlichen Inseln, zu denen nur wie von weither das Hupen eines Autos dringt gleich dem Lebenslaut einer fernen Welt. Und doch liegen diese Inseln inmitten der Stadt, die tagsüber voller Hast und Unruhe ihr lärmendes Dasein erfüllt.

Von den Gärten und Anlagen her aber dringt ein unbeschreiblich süßer Duft. Es ist der Flieder, der den Zauber seiner hochzeitlichen Pracht verströmt und damit dem schönen Maiabend jenes zarte Fluidum schenkt, das ihn um so liebenswerter macht. Mit dem Flieder wetteifert alles Blühen rings um­her, von den weißen Kerzen der Kastanien bis zum vielfarbigen Bunt der Gartenblümchen. Doch der Duft des Flieders ist voll schwerer Süßigkeit und mit ihm atmet die Nacht in vollen tiefen Zügen. Leises Geflüster fopimt von den Bänken, Falter und Käfer schwirren in lustvollem Spiel und von irgendwoher erklingen die schwermütigen Weisen einer Ziehharmonika. Der Maiabend ist insgeheim voller zärtlicher Sehnsucht, die auch in der Stadt ihre Erfüllung sucht. Sch.

Dorrwiizen.

Tageskalender für Freitag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr,Die Kleider meiner Frau". Gloria - Palast, Selterswea: Manja Dalewska, das Schicksal einer Jugendliebe . Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Mann, von dem man spricht". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 16 bis 18 Uhr, Ausstellung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen von Lotte Droese.

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholungdes Lust­spielsDie Kleider meiner Frau" von Waldemar Frank statt. Spielleitung der Intendant. Die Vor­stellung sindet als 32. Freitag-Miete, als letzte Vor­stellung der Freitag-Miete, statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

Vortragsabend bei der NSKOV.

Die Gießener Kameradschaft der NS.-Kriegs- opferversorgung hielt am Dienstag imBurghof" einen Vortragsabend ab, der recht gut besucht war. Eingangs des Abends widmete Kameradschafts­

führer Bon Hard dem LuftschiffHindenburg" und dessen Besatzung Worte tiefen Gedenkens. In die Ehrung dieser tapferen Luftschiffer wurden die gefallenen und verstorbenen Kameraden und die Toten der Bewegung eingeschlossen.

Kameradschaftsführer B o n h a r d gab dann or­ganisatorische Dinge bekannt. Er verwies auf die KdF.-Fahrten nach Berchtesgaden, dem Bodensee und an die Ostsee, für die bereits 70 Meldungen vorliegen. Infolge des 116er-Tages am 30. Mai findet der Sommerausflug mit Sonderzug nach Bad Homburg erst am 6. Juni statt. Von Bad Homburg aus sinden Omnibusfahrten nach der Saalburg statt, der Nachmittag ist den Teilneh­mern freigestellt. Als Hinterbliebenenvertreterin ist kommissarisch Frau Zammert bestimmt, die am Donnerstag nach Pfingsten mit den Kameraden­frauen einen Ausflug nach dem Schiffenberg unter­nimmt.

Nachdem noch über die Vererbung des Sterbe- gelbes und die Kriegerwitwenverschickung gespro-

Oie Lebensmittelkontrolle in Oberhessen.

Aus der Tätigkeit des Chemischen llntersuchungsamtes.

Das Chemische Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen die mittlerweile aufgehoben wurde, wodurch dieses Amt für die Folge die Eigenschaft einer staatlichen Behörde erhielt legt jetzt seinen Geschäftsbericht über die Tätigkeit im Jahre 1936 vor. Danach erstreckte sich die Arbeit des Unter­suchungsamtes auf die amtliche Lebensmittelkontrolle in den Städten Gießen, Friedberg und Bad-Nauheim sowie in den Landkreisen Alsfelo, Büdingen, Fried­berg, Gießen, Lauterbach und Schotten, ferner auf die Untersuchungen von Auslandswaren und Der- gällungsmitteln für die Zollämter, auf Untersuchun­gen für sonstige Behörden und für Private.

Im Berichtsjahre 1936 wuroen insgesamt 3550 Untersuchungen ausgeführt. Diese verteilen sich auf Lebens- und Genußmittel sowie Gebrauchsgegen­stände mit 3175 Proben mit 418 Beanstandungen, auf hygienische, physiologisch-chemische und gericht­liche Untersuchungen mit 153 Proben sowie auf tech­nische Untersuchungen mit 22 Proben, die beiden letztgenannten ohne Beanstandungen.

Von den untersuchten Proben bei Nahrungs- und Genußmitteln sowie Gebrauchsgegenständen ent­fielen 1681 auf Milch und Milchkonseroen (142 Be­anstandungen), 570 auf Wasser und Mineralwasser (119 Beanstandungen), 202 auf Mehle, Back- und Teigwaren (47), 185 auf Essig, Gewürze, Spezerei­waren, Tabake (43), 155 auf Wurst- und Fleisch­waren, Fische, Eier (8), 138 auf Bier und Brannt­wein (27), 67 auf Wein und Obstwein (8), 61 auf Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Obst und Obstkonser­ven (15), 60 auf Butter und Käse (2), 33 auf Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade (7), 14 auf Margarine und sonstige Fette und Oele (0), 5 auf Gebrauchsgegen­stände (0), 4 auf Zucker, Sirup, Honig (0).

Von den hygienischen, physiologisch-chemischen und gerichtlichen Untersuchungen entfielen 107 auf Blut auf Alkohol, 18 auf Badewasser, 12 auf Organe auf Gifte, der Rest verteilt sich auf Vachwasser, Harn, Kaffeeaufguß auf Gifte, Arzneimittel, Futtermittel auf Gifte, Gifteier auf Phosphor, Kleiderstoffe auf Sperma, Marmelade auf Gifte, Sauerkraut auf Gifte, Schlamm, Zwetschenmus auf Zink.

Von den technischen Untersuchungen entfielen 13 auf Mineralöle, 3 auf Treibstoffe, je 2 auf Futter­mittel, Verputz, je 1 auf Kälteschutzmittel und Kessel­stein.

Zu den Ergebnissen der Lebensmittel-Untersuchun­gen wird in dem Tätigkeitsbericht u. a. folgendes gesagt:

Mehle, Brot und Teigwaren. Wieder­holt mußte festgestellt werden, daß die Mühlen nicht die Bestimmungen über die Ausmahlung von Ge­treide beachteten und Mehl mit zu geringem Aschen­gehalt in den Verkehr brachten. Frische Backwaren waren unter Verwendung von Margarine herge­stellt, ohne daß diese Verwendung im Verkaufsraum zur Kenntnis des kaufenden Publikums gebracht war. Häufig wurden Milchbrötchen beanstandet, weil zur Herstellung nicht reine Vollmilch, sondern auch Wasser und Magermilch verwendet worden war. Eierteigwaren enthielten nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Eimengen und waren vielfach künstlich gefärbt.

Konditoreiwaren, Fruchtsäfte, Ob st und O b st k o n s e r v e n. Dem Verkehr mit Speise­eis wurde wieder besondere Aufmerksamkeit ge­

schenkt. Es konnte eine wesentliche Besserung gegen­über dem Vorjahre festgestellt werden. Beanstan­dungen betrafen zu geringen Eiaehalt bei Krem­eisen und künstliche Färbung. Vereinzelt wurde Kupfer im Speiseeis festgestellt. Bei Limonaden war Verwendung von nicht deklariertem Süßstoff, sowie irreführende Bezeichnung zu beanstanden.

Wurst, Fleischwaren, Fische, Eier. Hin und wieder wurde die Verwendung von Stärke­mehl bei der Herstellung von Wurst festgestellt. In einigen Fällen erfolgte Beanstandung wegen über­mäßigen Wasserzusatzes. Einige Wurstproben waren als verdorben zu bezeichnen. Die Verwendung ver­botener Konservierungsmittel konnte in Wurst und Hackfleisch nicht festgestellt werden.

Milch und Milchpräparate. Es wurden insgesamt 1681 Voll-, Vorzugs-, Marken-, Mager­milch- und Sahneproben untersucht. Beanstandungen mußten in 142 Fällen erfolgen. Die Beanstandungs­ziffer beträgt in diesem Jahre 9 v. H. Gegenüber dem Vorjahre, in dem sie 13,6 v. H. betrug, ist eine wesentliche Besserung eingetreten.

Butter und Käse. Nachdem Bauernbutter fast gar nicht mehr in den Verkehr kommt, sind die Beanstandungen wegen zu hohen Wassergehaltes erheblich zurückgegangen. Verfälschungen mit Mar­garine wurden nicht festgestellt. Die untersuchten Käseproben waren nicht zu beanstanden.

Wein und Obstwein. Acht Weine wurden wegen übermäßigem Wasserzusatz, Ueberzuckerung bzw. irreführender Bezeichnung beanstandet.

Wasser und Mineralwasser. Die Zahl der Untersuchungen von Wasser und Mineralwasser war auch im Berichtsjahr wieder sehr groß. Im ganzen wurden 570 Proben untersucht, und zwar «197 Proben, bakteriologisch 99 Proben, und bakteriologisch 274 Proben. Eine große Anzahl von Wasserproben mußte aus hygienischen Gründen oder wegen zerstörender Wirkung auf Eisen bzw. Beton beanstandet werden. Das Wasser der zentralen Wasserversorgungsanlagen der Städte und Landgemeinden von Oberhessen unterlag nach wie vor in regelmäßigen Zeitabschnitten der'chemi­schen und bakteriologischen Nachprüfung.

Das Wasser der Gießener hoch- und Nieder- drucklettung, das monatlich einmal bakteriolo­gisch und jährlich einmal ausführlich chemisch untersucht wurde, entsprach in jeder Beziehung den Anforderungen, die man an ein gutes Trlnkwasser zu stellen pflegt.

Das Badewasfer des Gießener Hallenschwimmbades, das nach dem Marburger System mit Kupfer und hypro- chloritlauge behandelt wird, wurde einer fort­laufenden Kontrolle unterzogen und festgestellt, daß die Anlage einwandfrei arbeitet.

Nach vorstehendem Bericht mußten in diesem Jahre 418 Beanstandungen, d. h. 13,1 v. H. der im Verkehr erhobenen Lebens- und Genußmittel aus­gesprochen werden. Gegenüber dem Vorjahre mit einer Beanstandungsziffer von 18,8 v. H. ist zwar eine Besserung im Lebensmitteloerkehr eingetreten, doch ist die Beanstandungsziffer immer noch sehr hoch, und eine scharfe Kontrolle des Lebensmittel­verkehrs ist dringend geboten.

Geschäftsbetrieb an den pfingstfeiertagen.

Im Handelsgewerbe dürfen offengehalten werden: Bäckereien am 1. Feiertag von 14 bis 17 Uhr; Konditoreien an beiden Feiertagen von 14 bis 17 Uhr; Blumenhandlungen und Gärtnereien (als Handelsbetrieb) am 1. Feiertag von 9 bis 13 Uhr; das Austragen von Blumen ist gestattet am ersten Feiertag von 9 bis 13 Uhr; Friedhofsgärtnereien nur am 1. Feiertag von 8 bis 12 Uhr; Metzgereien für den Verkauf von Fleisch und Fleischwaren von 8 bis 10 Uhr; Milchhandlungen jedoch nur zum Verkauf von frischer Milch und Sahne von 6.30 bis 10.30 Uhr; Speiseeis- und Kaffeewirtschaften für den Verkauf von Sveiseeis über die Straße von 10 bis 19 Uhr; Verkauf von Obst, Blumen, Backwaren (Brezel, Salzstengel, Mohnstengel, Zwieback, Harte­kuchen und Makronen), Süßigkeiten und Kastanien und Speiseeis auf öffentlichen Straßen und Plätzen, jedoch nur von einem festen Standplatz aus, von 11 bis 19 Uhr; Verkauf von Brezeln, Salzstengeln, kleinen Backwaren, Süßigkeiten, Kastanien und Blumen in Wirtschaften hausierend von 11 bis zu der für Gaststätten gültigen Polizeistunde; Zei- tungsgroßhandlungen am 1. Feiertag von 6 bis 10 Uhr; Verkauf von Druckschriften auf öffentlichen Straßen und Plätzen und in Wirtschaften hausierend von 6 bis 23 Uhr.

In Industrie und Handwerk darf ge­arbeitet werden: In Bäckereien und Konditoreien am 2. Feiertag während einer Stunde in der Zeit von 4 bis 21 Uhr zur Vorbereitung des Werktags­betriebes; Blumen- und Kranzbindereien am ersten Feiertaa von 8 bis 13 Uhr; in Werkstätten für Kraftfahrzeuge dürfen Gefolgschaftsmitglieder über 18 Jahre an allen Sonn- und Feiertagen mit dem Abschleppen und Bergen beschädigter Fahrzeuge, dem Ein- und Ausfahren der Fahrzeuge und der Wiederherstellung der Fahrbereitschaft unter beson­deren Bedingungen, die bei der Polizeidirektion (Gewerbeabteilung) zu erfahren sind, beschäftigt werden; Einstellhallen für Kraftfahrzeuge, Garagen, sowie Tankstellen zur Abgabe von Bettiebsstoffen, Ersatzteilen und Zubehör für Kraftfahrzeuge unbe­schränkt; Photographengewerbe nur am 1. Feiertag von 10 bis 14 Uhr; Molkereien und Milchgroßhand­lungen, zur Belieferung der Kundschaft mit frischer Milch und frischer Sahne von 6.30 bis 12.30 Uyr; Friseurgewerbe am 1. Feiertag von 8 bis 11 Uhr; Badeanstalten bis 13 Uhr.

Innerhalb der zulässigen Geschäfts- und Betriebs­zeiten dürfen Gehilfen/Lehrlinge und Arbeiter be­schäftigt werden.

Oie Bahnhofsgaststätten im neuen Gewand.

Lichte Farben und helle Wandbekleidungen haben das Bild unserer Bahnhofsgaststätte wesentlich ver­ändert. In kurzer Zeit ist eine gründliche Erneue­rung der Bahnhofsgaststätte 2. Klasse durchgeführt worden, die einladend und behaglich wirkt. Hohe hölzerne Wandbekleidungen, die von einem gefälli­gen Sims abgeschlossen werden, bringen eine vor­nehme Note in dieses Bild. Die hellen Fenstervor­hänge fördern den lichthellen Eindruck der unter ungünstigen natürlichen Lichteinflüsfen stehenden Gosträume. Moderne Beleuchtungskörper mit dezen­ter Lichtwirkung erhöhen in den Abendstunden die Behaglichkeit der Räume, die jetzt durch eine Wind­tür von oem Bahnhofsvorraum getrennt werden.

chen wurde hielt Kamerad Prof. Dr. Schmoll einen interessanten Vortrag über die Beteiligung hessischer Truppen an den Kämpfen Napoleons ge­gen Spanien in den Jahren 1808 bis 1812. Er schilderte die Strapazen der damals, vor über 100 Jahren, aus einem Regiment Infanterie und einer halben Batterie bestehenden sog. hessischen Brigade. Aus diesem Infanterie-Regiment Groß- und Erb­prinz ist später das 4. Hessische Regiment Prinz Karl Nr. 118 hervorgegangen. In Gewaltmärschen, trotz unzureichender Ausrüstung, erreichten damals die Hessen Spanien und schlugen sich in 4 Schlachten und 50 schweren Gefechten. Von den mit den <5pa* niem verbündeten Engländern gefangengenommen, kehrten von der Brigade nach 6jähriger Abwesen­heit von der Heimat nur noch 168 Infanteristen und 15 Artilleristen zurück; 14 Offiziere Und etwa 2000 Mann besiegelten ihre Hessentreue trotz des Kampfes für einen fremden Eroberer und nicht für ihre Heimat mit dem Herzblut. Dem Vortragenden dankte herzlicher Beifall.

** Verkehrsunfälle. Am gestrigen Nach- mittag wurde in der Nähe der Schanzenstraße ein Anwohner des Wernerwalls von einem Berliner Auto angefahren. Der bedauernswerte Mann erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und Verletzungen am Bein. In der Licher Straße wurde ein 22 Jahre alter junger Mann von einem Pferd in die Hand gebissen. Die Wunde verschlimmerte sich so erheblich, daß der Mann mit einer Infektion zur Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht wer­den mußte. Gestern Mittag stießen an der Ecke Grabenstraße-Bahnhofstraße ein Auto und ein Straßenbahnwagen zusammen. Zum Glück kamen Personen nicht zu Schaden, dagegen entstand einiger Materialschaden.

* D e r Pfingstfahrplan der Köln- Düsseldorfer ist gegenüber dem sonstigen Fahrplan wesentlich erweitert. Von Mainz finden an den beiden Feiertagen 15 Abfahrten statt, wobei für die Frühfchiffe besonders billige Pfingstaus- flugsfahrfcheine ausgegeben werden. In diesem Jahr gewährt die Gesellschaft auch an Pfingsten Gruppen ab acht Personen Fahrpreisermäßigung.

40. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Skandal um Dr.Vandergruen vornan von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L S.

Dann kommt der Hausdiener.Da ist ein Tele­gramm für Sie gekommen!"

"Ein Telegramm? Für mich? Geben Sie her!" Sie reißt es hafttg auf. lieft. Einen Augenblick Zittern ihr die Hände.Maria!" flüstert sie.

Dann wirst sie noch einmal einen prüfenden Blick auf den Anrichtettsch.Ich glaube, Sie brauchen mich nicht mehr!"

Sie verläßt das Haus und verschwindet im Wald. Planlos geht sie zwischen den Bäumen dahin. t "2)^ria das hättest du ihm nicht antun bür» fen, JJtaria. Jetzt hat er gar niemanden mehr. Jetzt ift er ganz allein." 0

Ihre Schritte beschleunigen sich. In ihrer Miene spiegelt sich eme heftige innere Erregung.

halbe Stunde später ist sie wieder zu Hause und laßt die Kochm sofort auf ihr Zimmer rufen. "Frau Schmitt, nehmen Sie Platz, ich habe etwas Wichttges mit Ihnen zu besprechen. Ich muß noch heute dringend verreisen. Glauben Sie Ä/T L^img des Hauses bis zu meiner Rückkehr übernehmen können?"

Frau Schmitt faltet vor freudigem Schreck beide Hande über dem wogenden Busen.Wenn Sie mich meses Vertrauens für würdig halten__9 Ich

werde mich bemühen, alles ordentlich zu machen!" packen " Gmma mir bann helfen, die Koffer zu

26.

Mary hat aus Eisenach Gischs telegraphische Ant­wort erhalten und holt sie vom Bahnhof ab.

Mädel, wie du aussiehst! Wie schön du geworden bist!" Immer wieder muß sie Gisch anschauen, deren Zuge zu voller Schönheit erblüht sind und den Zauber reifer Fraulichkeit atmen.

-'Wie geht es ihm?" fragt Gisch, während sie mit Mary das Bahnhofsgebäude verläßt.

Es ist ein Jammer, Gisch! Der Tod seiner Schwester hat ihn ganz auseinander gebracht."

Gisch geht auf eine Taxe zu und öffnet den Schlag. Der Dienstmann verstaut den Koffer neben dem Führersitz.Fahren Sie Breite Straße 64! Steig ein, Mary!"

"Aber Gisch, um Gottes willen, das kannst du nicht! Er läßt dich ja gar nicht ins Haus!"

Steig schon ein, Mary!" erwidert Gisch unge­duldig.

Als sich dann der Wagen in Bewegung setzt, sagt sie:Nun erzähl', Mary!"

Ich sage dir, er wird dich hinauswerfen!"

Gisch lächelt verspielt.Er hat mich schon einmal hinausgeworfen. Ein zweites Mal wird er es nicht tun."

"Am Abend des Unglücks brachten Bert und ich chn nach Haufe, und es schien, als ob er das Schlimmste hinter sich hätte, aber als am anderen Morgen das Zugehmädchen zur Arbeit kommen wollte, ließ er sie nicht ins Haus. Ein Handwerker, der noch von Maria zu einer Reparatur des Küchen­herdes bestellt worden war, wurde abgewiesen. Dem Briefträger wird nicht geöffnet. Die ganze Nachbar­schaft ist in Aufruhr. Mich wundert, daß er heute morgen Bert eingelassen hat. Gisch, es ist wahn- fmnig, was du vorhast. Ich wußte nicht, daß es so kommen wurde, sonst hätte ich dich, weiß Gott, in uneben gelaßen. Stell dir vor, er ist tief und fest Der Meinung, daß feine Schwester absichtlich den -ob gesucht hat, weil sie sich wegen seiner Neigung zu d,r zuruckgesetzt gefühlt habe. Es ist unter diesen Umstanden ausgeschlossen, daß du sein Haus be- treten kannst. Bert will heute mit einem Nerven- arzt sprechen."

Laß mich tun, Mary, was ich tun muß. Ich glaube an meine Aufgabe!"

65 fürchterlich bei ihm aus, Bert war entsetzt.

&j.n durchaus nicht darauf gefaßt, eine mustergültige Ordnung oorzufinven."

Rasiert ist er auch nicht!"

Gisch hat ein tapferes Lächeln.Aber Mary! Wann ist die Beerdigung?"

Morgen mittag! Aber er will nicht daran teilnehmen!"

Das Auto hält in der Breiten Sttaße. Gisch steigt aus.

Geh jetzt, Mary, er soll nicht wissen, daß du mitgekommen bist."

Mary Hauck drückt ihrer Freundin beide Hände, sie muß mit aller Kraft ihre Erschütterung zurück- halten.Alles Glück!" Dann entfernt sie sich eilig in der Richtung des Schloßplatzes.

Gisch steht an der Haustür. Ihr Herz klopft zum Zerspringen.

Sie klingelt. Es rührt sich nichts.

Beim drittenmal wird der Chauffeur, der den Koffer hält, ungeduldig.Da ist wohl niemand zu Hause, Frollein!"

Stellen Sie den Koffer ab, ich will Sie nicht aufhalten."

Der Chauffeur nimmt sein Geld in Empfang, de- steigt seinen Wagen und saust ab.

Gisch klingelt ein viertes Mal.

Endlich!

Endlich hört sie von b rinnen näherkommende Schritte. Dann wird ein Schlüssel umgedreht. Lang­sam öffnet sich die Haustür zu einem schmalen Spalt.

Stefans Kopf, vorsichttg spähend, wird sichtbar.

Gisch muß die Zähne zusammenbeißen beim An­blick dieses bärtigen, bleichen, abgezehrten Gesichtes, das eher einem Toten, denn einem Lebenden zu­gehörig scheint.

Stefan ist vom Anblick des Mädchens so über­rascht, daß Gisch Zeit findet, durch die Tür zu schlüpfen. Den schweren Koffer vermag sie dabei nur mit Mühe zu schleppen.

Was Wollen Sie? Was unterstehen Sie sich?"

Ich werde jetzt bei Ihnen bleiben, Doktor Dandergruen! Würden Sie mir helfen, den Koster nach oben zu bringen?"

Stefan sieht sie an, seine Augen brennen sich in fte, keuchend geht sein Atem.

Fräulein Arnehing! Sind Sie verrückt geworden? Gehen Sie! Gehen Sie! Verlassen Sie sofort das Haus!"

Nein!" sagt Gisch und hält seinem Blick stand. Geben Sie sich keine Mühe? Einmal ist es Ihnen gelungen. Diesmal bleibe ich hier. Wollen Sie nicht mit anfassen? Der Koffer--"

Sie spricht nicht zu Ende. Dr. Dandergruen hat sich mit einem Ruck umgedreht und ist gegangen. Eine Tür wird heftig zugeschlagen.

Gisch faßt den Koffer und schleppt ihn mit vieler Mühe nach oben, in das Zimmer, das sie beim ersten Hiersein bewohnte.

Das Besuchszimmer ist in leidlicher Ordnung. Auf dem Schrank steht noch ihr kleiner Koster.

Sie nimmt ihn herab und öffnet ihn. Der Inhalt ist unversehrt, nur das Bild, das ihr Maria ge­schenkt hat, kann sie nicht mehr finden.

Gisch tritt ans Fenster und blickt auf den kleinen Garten hinab. Dann atmet sie tief auf und beginnt ihre Reifekleider abzulegen. Sie zieht ein einfaches dunkles Hauskleid an und bindet eine Arbeitsschürze um.

3n der Küche sieht es grauenvoll aus. Unge­waschenes Geschirr steht in Haufen herum, in den Tiegeln sinden sich eingetrocfnete Speisereste, am Gasherd hasten Krusten von Rost und übergelaufe­ner Milch, der Fußboden starrt vor Schmutz.

Gisch reißt zunächst das Fenster aus, um den faden, muffigen Geruch loszuwerden, der den ganzen Raum erfüllt. Dann stürzt sie sich mit Todesverachtung in die Arbeit.

Eine knappe Stunde später blitzt und funkelt alles vor Sauberkeit. Gisch blickt um sich. Ein be- friebigtes Lächeln spielt um ihre Lippen.

Jetzt ist es Zeit, den Kaffee zu bereiten. Bahnen sindet sie im Küchenbord. Aber die Sahne ist ver­dorben, Brötchen und Butter fehlen.

Sie setzt das Wasser zu, dann halt sie sich Geld aus ihrer Stube und macht sich, wie sie ist, auf den Weg zum Kaufmann. Der Schlüssel steckt innen an her Haustür. Sie sperrt auf, nimmt den Schlüssel an sich und schließt von draußen ab.

Auch das EßzimmK: bietet nicht gerade einen er­freulichen Anblick. Aber schließlich ist es soweit, daß auf sauber gedecktem Tisch der Kaffee dampft, wäh' rend von der offenen Gartentür yerein der Geruch von Blumen und Sonne bringt.

(Fortsetzung folgt!)