Einzelbild herunterladen

Woche derIungmädel.

Die letzte Woche vor dem Geburtstag des Füh­rers steht noch einmal ganz im Zeichen des Jahr­ganges 1927.

Unsere Jungmädel haben am 11. April gemein­sam mit den Anwärterinnen zur Eröffnung der Jungmädelwoche die Fahne gehißt. Als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit trägt die gesamte Hitler-Jugend Uniform und Kluft bis zum 20. April.

Am Mittwoch der Woche der Jungmädel finden zum erstenmal Heimnachmittage der Anwärterinnen statt in dem Heim, das die andern Kameradinnen ausgeschmückt haben.

Es sei noch einmal gesagt, daß nur der gesamte Jahrgang 1927 ausgenommen wird und die Mädels aus dem Jahrgang 1926, die im vorigen Jahre durch ihre Klassenzugehörigkeit vom Staatsjugend- tag abgehalten wurden.

Durch die Schulen ist das Aufnahmematerial an die Anwärterinnen gegangen, das dann von den

jeweiligen Gruppenführerinnen gesammelt wurde und die Mädel somit vorläufig eingegliedert sind.

Um den Eltern einen Einblick in das Jungmädel­leben zu geben, findet am Sonntag, 18. April um 20 Uhr ein Elternabend im Cafe öeib statt.

Line glückliche Jugend ist die Vorbedingung für ein lebensfähiges Volk! Auch dein Junge gehört in das Deutsche Jungvolk, dein Vlädel in den Jungmädelbund!

Am Montag um 17 Uhr ist auf dem Brandplatz die Aufnahmefeier mit der Uebertragung der Rede des Reichsjugendführers.

Am Geburtstag des Führers werden die 14jähri- gen in den BDM. überwiesen. Diese Feier wird innerhalb der Gruppen um 19.30 Uhr durchgeführt.

Gchießwarte-Arbeitstagung des Deutschen Reichskriegerbundes.

Der Deutsche Reichskriegerbund (Kyffhäuser), Lan­desverband Hessen, hatte am Sonntag die Kreis­schießwarte des Landesgebietes zu einer Arbeits­tagung im Hotel Schütz zu Gießen einberufen.

Landesgebietsschießwart Junge berichtete zu­nächst über das verflossene Schießjahr, das für den Reichskriegerbund einen Erfolg auf der ganzen Linie brachte. Ueberall, wo die Wettkämpfe durch­geführt wurden, haben die Kreisschießwarte voll und ganz ihre Schuldigkeit getan und durch vorbildlichen Einsatz mit zu dem großen Erfolg beigetragen. So wird auch das neue Schießjahr 1937 den Kyffhäuser- bund auf dem Posten finden.

Landesgebietsführer, Generalleutnant a. D. Fett, sprach sich in anerkennenden Worten über den Schießsport im Landesverband Hessen aus und kam anschließend auf die Neugliederung des Bundes zu sprechen. Der Landesverband Hessen blieb dabei fast unberührt und mußte lediglich die Gebietsteile Lim­burg-Oberlahn und weitere dreizehn Kameradschaf­ten an einen anderen Landesverband abgeben. Die Neugliederung bringt naturgemäß auch eine teil­weise Umstellung des seitherigen Aufgabengebietes mit sich, doch war sie auf Grund der Entwicklung der letzten Jahre notwendig geworden. Sie bedeutet den Auftakt zu einer Neuentwicklung mit einem Aufgabengebiet, das die seit Jahren ersehnte volle Anerkennung der Arbeit der alten Soldaten brin­gen wird. So muß das Hauptaufgabengebiet, der Schießsport, auch in diesem Jahre vorwärtsgetrieben werden, und die alten Soldaten werden weiterhin ihre Pflicht tun und die Blicke nach vorne richten.

Landesgebietsschießwart Jünge gab anschließend einen Ueberblick über die Organisation des Schieß­sportes innerhalb der Kreisverbände und der einzel­nen Kameradschaften. Für den Bund kommt weiter­hin nur das Kleinkaliberschießen in Betracht, das mit größtem Eifer und in edlem Wettstreit mit der

Wehrmacht, den Soldatenbünden und den Gliede­rungen der Bewegung durchgeführt worden ist, und überall erfreuliche Fortschritte zeigte. Das Schießen auf Ehrennadeln soll besondere Beachtung finden, denn es ist der alleinige Gradmesser für die Lei­stungen innerhalb der einzelnen Landesverbände. Die neu eingesetzten Gebietsinspktionen werden den Schießbetrieb in Zukunft fördern und übermalen. Kan.erad Jünge gab dann einen Ueberblick über den Aufbau des Schießsportes und die Tätigkeit der Schießwarte. Die Zahl der Schützengruppen hat im vergangenen Jahre erfreulicherweise stark zugenommen. Der Schießdienst muß in allen Ka­meradschaften aufgenommen werden. Auch die letzte Mannschaft muß erfaßt werden, denn das Schießen bringt die abwechselungsreiche Belebung in den Kameradschaftsdienst und bedeutet für manchen ab­gelegenen Ort ein Ereignis für die ganze Bevölke­rung.

Das Wettkampfschießen 1937 wird mit geringen Aenderungen wie in früheren Jahren zum Austrag kommen. Diesmal erwartet der Bund den 100pro- zentigen Einsatz aller Männer.

Kreisschießwart U th, Homberg, berichtete an­schließend aus feinen reichen organisatorischen Er­fahrungen über die Durchführung der Wettkämpfe in seinem Kreis und gab manchem Kameraden wichtige Anregungen über die Dorbereitungsarbei­ten zum Wettkampf.

Nach gemeinsamen Mittagessen wurde die Ta­gung fortgesetzt und wichtige organisatorische Fra­gen besprochen.

Landesgebietsführer, Generalleutnant a. D. Fett sprach das Schlußwort und gab feiner Ueberzeu- gung Ausdruck, daß gerade der Schießsport dazu angetan sei, der Öffentlichkeit zu zeigen, daß der Reichskriegerbund auf dem Posten ist und seinen Mann steht.

also die äußere Veränderung nicht sehr wesentlich in Erscheinung treten wird.

In diesem Neubau soll aber nicht nur die Trans­formatorenstation untergebracht werden, vielmehr soll aud) eine Wartehalle für die Fahrgäste der Straßenbahn damit verbunden sein, schließlid; ein Verkaussladen für Erfrischungen und eine Bedürf­nisanstalt.

Durch diese Zusammenfassung wird gleichzeitig eine Verschönerung des Straßenbildes direkt an der Ecke Licher Straße und Kaiserallee erreicht. Die jetzige Bedürfnisanstalt fällt. Der Verkaufsstand (Kaiserallee) wird ebenfalls entfernt. Auch der große eiserne Mast, der dort steht, soll einen ande­ren Platz erhalten. Voraussichtlich wird auch für die jetzige Persiluhr eine andere Lösung gefunden. Die Straßenhalbinsel an dieser Stelle wird dann etwas verkürzt und damit mehr Platz für den gesteigerten Verkehr gewonnen. Gleichzeitig wird dieser Platz dann zu einer Grünanlage von klarer Form umgewandelt, so daß das gesamte Bild erheblich freundlicher fein wird, als es bisher der Fall war.

Gute Aufbauarbeit.

Unsere Volksgenossen werden mit Genugtuung und Anerkennung von diesen neuen Aufbauwerken der Stadtverwaltung Kenntnis nehmen. Sie werden auch daraus wieder die Ueberzeugung gewinnen, daß ein frischer und kräftig vorwärtsstrebender Geilt, uner­müdliche Tatfreudigkeit und weit ausschauender Blick die lebendig wirkenden Antriebskräfte find, die unsere Stadtverwaltung unter der Führung von Ober­bürgermeister Ritter nach den fruchtbaren Gesetzen des Nationalsozialismus einsetzt, um für unser Ge­meinwesen und darüber hinaus für die Gesamtheit unseres Volkes gute Aufbauarbeit zu leisten, die alle Anerkennung verdient. B.

Aus der Stadt Gießen.

Die ersten Schwalben.

Heimlich, wie der Lenz feinen Einzug über Nacht gehalten hat, find auch die ersten Schwalben wieder gekommen, lieber dem jungen Grün der Wiesen tummeln sie sich, eifrig auf der Jagd nach Fliegen, dicht über dem Wasserspiegel der Bäche dahin­schießend, eine Mücke erhaschend, um sich mit kräf­tigem Flügelschlag wieder in den Himmel hinauf­zuschwingen, in Sonnennähe, ihrem Schöpfer nahe.

Ein Bild, ohne das man sich unsere Heimat im Frühling nicht vorstellen kann. Die Schwalbe, die zuerst zwischen dem 1. und 15. April bei uns ein­trifft, ist die Rauch- oder Stallschwalbe. Oberseite und Kropfgürtel sind blauschwarz mit metallischem Schimmer, die Kehle ist rostrot, die Unterseite rost- gelb. Sie gilt als Frühlingsbote, und nach altem Glauben schützt sie das Haus, an dem sie nistet, vor Feuersgefahr. In der Hauptsache aber kommt den Schwalben auch eine große hygienische Be­deutung zu, denn sie leisten Ungeheueres in der Vertilgung von Fliegen, die oft die Verbreiter von Krankheiten, besonders der Maul- und Klauen­seuche, sind, insofern als sie den abgesonderten Speichel der kranken Tiere auf die gesunden über­tragen.

Ein Verwandter unserer Rauch- und Stallschwalbe ist der große Mauersegler. Er trifft viel später bei uns ein, lange nachdem es Frühling geworden ist, die Sonne bereits heiß herniederbrennt und Fliegen und Mücken in reichen Mengen vorhanden find. Er läßt sich Zeit mit seiner Rückreise, denn nicht als Heimat gilt ihm das deutsche Land, sondern nur zum vorübergehenden Aufenthalt. Nur in der Luft vollzieht sich sein Dasein, und ohne äußere Not geht er niemals zur Erde hernieder. Rasch wie sein Flug, geht auch die kurze Zeit seines Aufenthaltes bei uns, etwa drei Monate, vorüber, ausgefüllt mit Fliegen, Fressen, Brüten. In das schmucklose Nest legt das Seglerweibchen seine länglichen, weißen Eier und zieht hier die Brut hoch. Bald sind die Jungen flügge und wetteifern den Alten in allen Künsten nach. Aber eines Tages hört man sie nicht mehr. Still ist es über Stadt und Land ge­worden. Die Segler find wieder fortgezogen, weit fort über Länder und Meere, nach den unendlichen Weiten afrikanischer Steppen.

Wir aber harren mit Sehnsucht des Tagesübers Jahr", wenn die Schwalben wieder kommen. M.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22 UhrDie Dorothee". Gloria-Palast, Seltersweg:Der Herrscher". Licht­

spielhaus, Bahnhofstraße:Der Rächer". Bekennt­nisgemeinde Gießen: 20.15 Uhr Bibel- und Bekennt­nisabend im Johannesfaal, Vortrag von Missionar Walther.

Stadttheater Gießen.

Heute abend findet die erste Wiederholung der OperetteDie Dorothee" von H. Hermecke und A. Vetterling statt, die am Sonntag mit großem Erfolg zum ersten Male aufgeführt wurde. Musika­lische Leitung: Kapellmeister Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung: Tanzmeisterin Irmgard Zenner. Leitung der Chöre: Kapell­meister Ernst Bräuer. Die Vorstellung findet als 27. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr; Ende: 22 Uhr.

Gießener Konzerk-Verein.

Für einen Solistenabend am kommenden Sonn­tag, 18. April, hat der Konzertverein den welt­berühmten Geiger Vasa Prihoda gewonnen. Pressestimmen sprechen von den Wunderleistungen dieses Künstlers, die nicht mehr ans Märchenhafte grenzen, sondern märchenhaft sind. DerVölkische Beobachter" nennt ihn den größten Könner unter

allen Geigern der Welt. Der Künstler wird von dem deutschen Pianisten Otto A. Gräf begleitet.

Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.

Betr.: Jugend herbergssammlungam 17. und 18. 4. Die Gefolgfchaftsführer sowie die Führer der Sondereinheiten haben sich umgehend mit den zuständigen Örtsaruppenamtsleitern der NSV. betr. der Jugendheroergssammlung am 17. und 18.4. 1937 in Verbindung zu setzen (siehe Rundschreiben vom 13.4.).

Betr.: Veranstaltung des Reichskrie­gerbundes am 18. 4. 1 93 7. Am Sonntag, 18. 4., findet in Gießen im Katholischen Vereinshaus um 20 Uhr ein Lichtbildervortrag statt, an dem Pg. Kratz aus Freienseen über Hochseeflotte, Untersee­bootkrieg und eigene Erlebnisse sprechen wird. Ein­tritt für HJ.-Kameraden 20 Pf.

Betr. Sommeruniform. Ab 15.4. haben alle Jgg. die Sommeruniform der Hitler-Jugend zu tragen.

Betr.: Ueberführung des DJ. in die HI. in Gießen. Zur Ueberführung des DJ. in die HI. tritt der Unterbann Gießen am 19.4. am

Brandplatz an. Jede Gefolgschaft hat fünf Fackeln mitzubringen.

Betr.: Unterführerschulung des Un­terbannes 1/116. Zur Unterführerschulung haben alle Gefolgschafts-, Schar- und Kameradschaftsfüh­rer sowie Sportwarte an jedem zweiten Freitag- abend um 20.15 Uhr am Heim der Gefolgschaft 2/116, Walltorstraße 38, anzutreten. 1. Schulungs­abend: 16.4. ,

Betr.: Unterbannführer 11/116. Während der Dienstzeit bei der Wehrmacht des Unterbann» führers Schneider ist bis zu seiner Rückkehr Ge­folgschaftsführer Karl Heintz, Winnerod, als stell­vertretender Unterbannführer beauftragt.

Versammlung der Ortsgruppe Gießen-Ost.

Arn kommenden Freitag, 16. April, 20.15 Uhr, im Saale des Cafs Leib, öffentliche Versammlung. Es spricht Kreisleiter Pg. Wilh. Thiele, M. d. R., (Biedenkopf). Alle Volksgenossen sind zu dieser Ver­sammlung eingeladen. Eintritt frei.

NSDAP, und ASL. Gießen-Ost.

Die Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gießen-Ost be« findet sich jetzt

Kaiserallee 2.

Dienststunden: Dienstags und Freitags von 20 bis 22 Uhr, und Sprechstunden des NS.-Beraters jeden ersten und dritten Freitag im Monat von 20 bis 22 Uhr.

Betr. Lebensnnttel-Opfercing.

Die Sammlung wird Dienstag, 13., und Mitt­woch, 14. April, von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sicht­bar anzugeben.

Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Pfundspenden während des Sommerhalbjahres dem HilfswerkMutter und Kind" zugute kommen sowie für die Unterstützung der Zeltlager Verwen­dung finden, und ich bitte, die Mitgliedschaft wäh­rend des ganzen Jahres aufrechtzuerhalten.

Ortsgruppe Gießen-Miite.

Betr. Pfundsammlung.

Arn Mittwoch, 14. April, werden die Spenden (Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft ein- aesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Einzeich­nung bereitzuhalten.

Ortsgruppe Gießen-Nord.

Betr. pfunbfammlung.

Am Mittwoch, 14., und Donnerstag, 15. April, wird im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen wer­den gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Aml für Volkswohlfahrk.

Am Mittwoch, 14., Donnerstag, 15., und Freitag, 16. April findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Süd die Lebensmittel-Opferringsammluna durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft wind gebeten, die Spenden bereitzuhalten.

NG.-Krauenschast.

Am Donnerstag, 15. April, findet in der Aula des Gymnasiums ein Vortragsabend statt. Es spricht die baltische Dichterin Frau Muniex- Wroblewska. Wir machen die Mitglieder der Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks dar­auf aufmerksam.

Osk öie klitsche flrbeitofronl

N.§.-6emeinlchaftKraft durch freudc"

Aml Reisen, Wandern und Urlaub.

Tagesomnibusfahrt an die Edertal­sperre. Am Sonntag, 18. April, führen wir eine Omnibusfahrt an die Edertalsperre durch. Der Teil­nehmerpreis beträgt 5 Mark. Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen.

AusstellungGebt mir vier Jahre

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstr6

Skandal um Or.Bandergruen Nornan von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.

16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

11.

Auf der Bühne erscheint eine junge Dame in einem tief ausgeschnittenen Abendkleid, und an einer langen Leine zottelt ein Zebra hinter ihr her. Aber es ist kein echtes Zebra, denn das könnte keine so furchtbar komische Bewegungen vollbringen.

Da stecken ja zwei Männer drin, nein, so was!" Gisch lacht aus voller Kehle, sie hat noch nie etwas so Lustiges gesehen.

Die Dame beginnt nun mit ihrem Zebra einen Dressurakt vorzuführen. Eine Weile klappt die Sache, aber dann wird das Tierchen eigensinnig, es schüttelt den Kopf, stampft ägerlich mit den Beinen und galoppiert auf eigene Faust auf der Bühne umher. Als es nach mancherlei Zwischen­fällen sein eigenes Hinterteil Huckepack trägt, be­kommt Gisch vor lauter Lachen einen Erstickungs­anfall.

Emil fitzt neben ihr und findet die ganze Sache albern.

Ein mäßiges Programm! Ich begreife nicht, daß du über den Blödsinn so lachen kannst."

Und ich begreife nicht, daß du so wenig Spaß verstehst!" gibt Gisch zurückMir gefällt es. Aller­dings bin ich nicht so gebildet wie du."

Es ist nicht das erstemal an diesem Abend, daß sie sich wegen irgendeiner Nichtigkeit zanken. Schon während der Herscchrt gab es Krach, und kaum waren sie in Leipzig angekommen, da gerieten sie sich schon wieder in die Haare. Das erstemal war es wegen einer alten Katze, die Emil überfahren hatte, und hernach gab das Problem der Zimmer­bestellung die Ursache ab.Nein, mein Lieber, wir sind noch lange nicht verheiratet." An diese Tat­sache hatte Gisch den jungen Mann nachdrücklich erinnern müssen.

Aber es wäre billiger gewesen!"

Darauf kann ich in diesem- Falle keine Rücksicht nehmen!"

Und jetzt also wegen des Zebras.

Ueberhaupt findet Emil feine Braut merkwürdig verändert, es ist ein aufsässiger Geist in ihr, eine recht unbequeme Eigenwilligkeit, die er bisher noch nie an ihr bemerkt hat. Sie ist auf eine unange­nehme Art selbständig geworden; aber das wird sie sich wieder abgewöhnen müssen, solche Mätzchen kann Emil Knack nicht vertragen.

Nach dem Zebra tritt ein Zauberkünstler auf, der zieht sich einen Taler nach dem andern aus der Nase, bringt aus seinem leeren Zylinder eine Katze, einen Zwergpinscher und drei Kanarienvögel zum Vorschein, dann stopft er das piepsende und miau­ende Dierzeug wieder in den Hut zurück, macht Hokuspokus, kippt den Hut um weg!

Als die beiden um halb zwölf Uhr das Varietö verlassen, haben sie seit dem Zebra noch kein Wort miteinander gesprochen.

Emil winkt einer Taxe.

Wir fahren doch ins Hotel? Ich bin müde." Nee, Gisch, wir bummeln noch ein bißchen." Ich will aber schlafen gehen!"

Bitte, wenn du durchaus willst ich kann dich nicht hindern."

Das Mietauto hält vor den beiden.

Na, dann viel Vergnügen!" sagt Gisch, dreht sich um und will allen Ernstes ihre eigenen Wege gehen.

Mit ein paar Schritten hat Emil sie eingeholt.

Hör' mal. Gisch, ich hab' das jetzt wirklich satt. Das hat man also davon, wenn man sich bemüht, bir eine Freude zu machen. Schließlich hätte ich ja die Reise auch allein machen können."

Gisch blickt ihn an. Sie sagt nichts. Dann geht sie mit ihm an den Wagen zurück und steigt ein.

Es ist ja gar nicht wahr, denkt sie, während die Bilder der nächtlichen Straßen an ihr vvrüber- gleiten. Es ist nickst wahr, daß er es tat, um mir eine Freude zu machen. Er hat mich bloß mit­genommen, um sich mit mir zeigen zu können. Und weil er mich für sich haben will. Und weil er möchte, daß ich ihm zu Dank verpflichtet bin.

Was würde wohl Dr. Vandergruen sich denken, wenn er mich jetzt sähe?

Zwölf Stunden nur ist es her, seit ich ihm ge­

genübersaß, seit er mich ansah und mir sagte, daß ich ein entzückendes Mädchen sei.

Ob er das jetzt auch noch sagen würde?

Ich bin schlecht, ich bin ein ganz schlechter Mensch.

Warum habe ich mich überhaupt zu dieser Reise überreden lassen?

Was bedeutet mir eigentlich dieser Mensch, der da neben mir sitzt?

Das kann doch gar nicht das sein, was die Men­schen Liebe nennen?

Ich will nach Hause.

Ich will fort, ich will wieder zu Hause fein, in meinem Bett liegen, ich will morgen früh wieder in der Fabrik sein.

Warum bin ich bloß mitgekommen? Ich verliere doch meine Arbeit, es ist ja Wahnsinn!

Ich will nach Hause.

Der Wagen hält.

So, Kindchen, nun hören wir uns eine nette Musik an, tanzen ein bißchen und trinken eine Flasche Wein dazu wirst sehen, wie rasch deine miese Stimmung verflogen ist!"

Gisch nickt und dann steht sie in einem verqualm­ten Raum, verschwiegene Pärchen sitzen in Nischen, lautlos gehen die Kellner über dicke Teppiche.

Im hinteren Teil des Raumes spielt eine Streich­kapelle auf, dort ist auch das Tanzparkett.

In der Nähe der Musik ist gerade eine ganze Tischgesellschaft am Aufbruch. Emil besetzt sofort die freiwerdenden Plätze.

Schwein gehabt!" lacht er.Was? Hier wollen wir bleiben und uns eine Hütte bauen."

Ich will aber nach Berlin zurück, denkt Gisch, während sie auf einem kleinen Rokokosofa Platz nimmt.

Emil setzt sich neben sie und legt den Arm um ibr^ter.Na, Kleines, ist es nicht entzückend

Gisch nickt. Und plötzlich fällt ihr Blick auf einen Herrn, der ganz allein die gegenüberliegende Nische besetzt hält und das Mädchen über den Rand seiner Zeitung hinweg aufmerksam mustert.

Wie lange hast du in München zu tun? Werden wir auch die Berge sehen? Denke dir, ich war noch nie im Gebirge."

Der fremde Herr schaut sie immer noch an. Es stört ihn nicht im geringsten, daß sie ihm zurecht- weisende Blicke zuwirft.

Emil hat ihr eine Antwort gegeben, aber sie hat nicht darauf geachtet.

Reifen, weißt du, so von einem Erdenfleck zum andern, das wäre überhaupt meine Leidenschaft." Sie starrt wie gebannt auf das Muster der Ti ch- decke.

Kannst du haben. Gisch, wenn du einmal meine Frau bist. Unsere Hochzeitsreise--"

Nun muß sie doch wieder hinübersehen. Und der Herr schaut sie immer noch an. Jetzt legt er die Zeitung weg, lächelt diskret, es ist eine Frechheit.

Der Mann, ein älterer Herr schon, hat ein über­aus markantes Gesicht, stark ausgeprägte Backen­knochen, einen herrischen Mund, ein kräftig ent- wickeltes Kinn. Er raucht eine Zigarette aus einer halblangen Bernsteinspitze.

Die Kapelle beginnt einen Walzer zu spielen. Der fremde Herr steht auf, kommt langsam herüber, deu­tet vor Emil eine knappe Verbeugung an und bittet Gisch um den Tanz.

Sie wirft einen hilfesuchenden Blick auf Emil.

Der erhebt sich sofort.Bedauere, ich habe mit der Dame den Tanz bereits verabredet."

"Dh, bitte!" lächelt der Fremde und geht an seinen Platz zurück.

Der Tanz lockert Gisch ein wenig auf. Sie wird gesprächig, lacht ein paarmal und läßt es ruhig geschehen, daß Emils Mund einmal ihre Wange streift.

Als sie an den Tisch zurückkehrt, beginnen sie die Augen des Fremden sofort wieder zu verfolgen. Das kann einem allmählich auf die Nerven gehen. Was bildet sich der Mann ein? Er sieht doch, daß sie in Begleitung ist!

Ein Tango Hingt auf. Wieder erhebt sich der Fremde, legt bedachtsam seine Zigarette auf den Aschenteller und schlendert gemächlich heran.

Nun, mein Fräulein, dieser Tanz dürfte noch nicht vergeben sein!"

Gisch steht auf, es ist eine Schwere in ihren Knien. Der Fremde nimmt ihren Arm und führt sie zum Tanzparkett.

Warum wollten Sie vorhin nicht mit mir tanzen?"

Sie haben doch gehört, es war--"

Der Mann lacht kurz auf, sehr überlegen, wie man über ein Kind Iadj)t, das eine ungeschickte Ant­wort gibt. (Fortsetzung folgt.)