Ausgabe 
14.4.1937
 
Einzelbild herunterladen

ttr.86 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, (4. April (YZ7

Hochschulnachrichten.

worden.

Mit dieser Erweiterung des städtischen Orchesters hat der Personalausbau des Stadttheaters sein End­ziel erreicht. Nachdem vor zwei Jahren die eigene Oper eingeführt, in diesem Jahr ein Berufschor und eine Berufstanzgruppe dem Theater angegliedert wurden, ist nun durch den Ausbau des Orchesters die Grundlage für einen mustergültigen und voll­wertigen Theaterbetrieb gegeben.

a e r t, der seit 1935 entrichtete Ordinarius für Systematische Theologie an der Universität Ber­lin, vollendete in diesen Tagen sein 7 0. Lebens­jahr. Geheimrat Lütgert wirkte früher in Greis»« wald und in Halle: von seinen Arbeiten seien ge­nanntDas Reich Gottes nach den synoptischen Evangelien" und das vierbändige Werk über die Religion des deutschen Idealismus.

Professor Dr. Ferdinand Heuckenkamp, Or» dinarius für romanische Sprachwissenschaft an der Universität Greifswald, beging dieser Tage seinen 7 5. Geburtstag. Prof. Heuckenkampr Arbeiten liegen auf dem Gebiete der französischen, insbesondere der provenxalischen Literatur

Der Führer und Reichskanzler hat den nicht­beamteten außerordentlichen Professor an der Uni­versität Tübingen Dr. Max Schwarz mit Wirkung vom 1. 4.1937 zum ordentlichen Professor für Ohren-, Hals- und Nasenheilkunde in der Medi­zinischen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt. Gleichzeitig ist er zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Ohren-, Hals und Nasenkrank­heiten an der .........

öem sie gefördert werden, nicht weil sie etwas ge­leistet haben, sondern einfach, weil sie jung sind. Das ist stets vom Uebel. Zunächst muß zähe ge­arbeitet werden. Als wir begannen, ist es uns nicht einen Augenblick in den Sinn gekommen, an der Zukunft der Bildhauerei zu zweifeln. Wir haben an unsere Sache geglaubt und haben gearbeitet... Und warum soll das heute anders sein?" Und lächelnd fügt er hinzu:Bon mir möchte ich jeden­falls sagen, daß die Bildhauerei im Grunde das einzige ist, was ich gelten lasse."

Ich glaube", fährt er fort,die jungen Künst­ler, die etwas können, haben keinen Grund, ver­zagt zu sein. Die bildende Kunst lebt, und es fehlt ihr, so sehr die Masse durch den Film und andere Dinge in Anspruch genommen ist, nicht an Wider­hall, auch gerade in der jungen Generation nicht. Es kommen immer wieder junge Menschen zu mir, die einmal bei mir gewesen sein wollen. Stets freue ich mich darüber, denn es ist mir ein Beweis, daß sehr wohl Interesse für die Plastik vorhanden ist." Carl Dietrich Carls.

Oer Gkagerrak-plah wird fertiggestellt.

Seit etwa drei Wochen sind Arbeiter damit be­schäftigt, den Skagerrak-Platz vor der Neuen Pesta- lozzischule in den Eichgärten entsprechend den be­reits vor längerer Zeit angefertigten Plänen zu verwirklichen. Es sind in diesen Tagen zwei große Mauerflanken entstanden, die die repräsentative Anlage nach der Straße zu abschließen. Zwischen diesen Mauerteilen wird gegenwärtig eine breite Treppe angelegt, die zu der zukünftigen Wasser­fläche hinabführt, die sich in einer Länge von etwa 70 Meter zwischen der Straße an der Pestalozzi- schule und der Schlageterstraße erstrecken wird. Un­mittelbar unterhalb der Treppe wurde ein kleiner Sockel geschaffen, der nach der Fertigstellung der Gedenkstätte den bronzenen Lorbeerkranz tragen wird, der nach der Füllung des Beckens mit Wasser unmittelbar über die Wasserfläche zu liegen kom­men wird. Das seemännische Symbol der Toten­ehrung, der Kranz auf dem Wasser, findet also hier eine schöne Darstellung. Am anderen Ende der Ge­denkstätte, also unmittelbar an der neugeschaffenen Schlageterstraße, wird ebenfalls eine Treppe zur Wasserfläche geführt. Die Gedenkstätte vereinigt sich in ihrer symmetrischen Anordnung harmonisch

Im Zuge der Neugestaltung und Vereinheit­lichung des deutschen Kulturlebens ist aus Veran­lassung des Gauleiters ein großzügiges Projekt m unserem Gau zum Abschluß gekommen. Das städtische Orchester Gießen, das bisher nur 23 ständige Musiker verpflichten konnte, wurde auf 50 Mann erhöht und steht im Sommer als Kurorchester dem Hessischen Staatsbad Bad- Nauheim zur Verfügung.

Damit erhält die Stadt Gießen zum ersten­mal ein ständiges K u l t u r o r ch e st e r, das den größten musikalischen Aufgaben gewachsen ist. Das Orchester spielt in der Winterspielzeit ständig mit 36 Mann und wird bei größeren Konzerten und Opern auf 50 Mann erhöht. In Bad-Nauheim spielen im Winter 14 Mann, die zur Ergänzung Gießen zur Verfügung stehen.

Die Leitung des städtischen Orchesters wurde dem 1. Kapellmeister des Stadttheaters Paul Walter übertragen, der im Laufe des Sommers 25 Kon­zerte in Bad-Nauheim dirigieren wird, während sonst das Orchester im Sommer dem Nauheimer Generalmusikdirektor untersteht. Die neuverpflich- tetey Musiker wurden in sorgfältigster Auslese zum

Wieseck, Heuchelheim und Klein-Linden ein­gerichtet, späterhin sotten noch andere Orte der Gießener Umgebung einbezogen werden. Der jetzige Gießener Schlachtviehmarkt wird bei wöchentlicher Durchführung jedesmal einen Auftrieb von etwa 100 bis 120 Stuck Groß- viel), 200 Schweinen und 140 Kälbern bringen, die in der Viehverfteigerungshalle zum Verkauf kommen werden.

Um unsere Viehoersteigerungshalle Rhein-Main auf dem Äiehmarktplatz für diese neue Aufgabe in vollem Ausmaß verwendungsfähig zu machen, ist ein Ausbau ihrer jetzigen Einrichtun­gen erforderlich. Es werden geeignete Um- und Auslademöglichkeiten für die Tiertransporte mit der Bahn oder mit Lastwagen geschaffen, ferner ist eine Schweinehalle mit Schweine-Buchten, insbesondere auch Eberstallungen, für den neuen Zweck herzu­richten, während die Stallungen für Großvieh in der Viehmarkthalle schon vorhanden sind. Weiterhin sind Viehwagen für Großvieh und Kleinvieh zu schaffen, damit das Verwiegen des Viehes an Ort und Stelle möglich ist. Zu- und Abfahrtsstraßen, die den veterinärpolizeilichen Vorschriften entspre­chen, müssen gleichfalls hergerichtet werden.

Die Ausbauarbeiten sollen sofort in Angriff ge­nommen werden, damit alle Neueinrichtungen in etroa sechs bis acht Wochen, also etwa bis zum l.Juli, zur Verfügung stehen und der Schlachtoieh- marktbetrieb dann beginnen kann.

Nach dem Abschluß dieser Ausbau-Arbeilen zur Errichtung einer allen Erfordernissen entspre­chenden Schweinehalle wird der Gesamtbau un­serer Gießener Viehmarkthalle den modernsten Anforderungen entsprechend und dadurch in praktischster Weise eingerichtet sein für die Zwecke der Landwirtschaft und der Viehverwer- lung; sie wird dann durch die wöchentlichen Wärkte einen weiteren bedeutsamen Beitrag zur Hebung der heimischen Viehzucht und zur Ver­tiefung der Beziehungen zwischen unserer Stadt und der heimischen Landwirtschaft leisten.

Die Anlieferung des Schlachtviehes wird jeweils am Montagnachmittag erfolgen, am Dienstagvor­mittag wird der Markt stattfinden. Das aufgetrie­bene Schlachtvieh wird vom Montagnachmittag bis Dienstag vormittag in den Stallungen der Vieh­markthalle eingestallt werden, es ist am Dienstag in unmittelbarem Anschluß an den Markt entweder im Gießener Schlachthof, oder in den behördlich zu- gelassenen Privatschlachthäusern zu schlachten.

Küchenabfälle zur Schweinemast.

Die Stadtverwaltung ist jetzt auch damit beschäftigt, in Gemeinschaft mit der N S. - V o l k s - wo h l f a h r t in Gießen die Verwertung der Küchenabfälle der Haushaltungen zur Schweinemast zu organisieren. Es ist zunächst ins Auge gefaßt, etwa 200 bis 250 Schweine zur Mast einzustellen. Die Stadtverwaltung leistet als ihren Beitrag die Bereitstellung des erforderlichen Transportmaterials für die Sammlung der Küchenabfälle, während die Einstallung der Schweine Aufgabe der NSV. sein wird. Das Einsammeln der'Küchenabfälle wird' ebenfalls unter der organisatorischen Leitung der NSV. durchgeführt werden.

Skadlverwallung und NSV. rechnen bei diesem Plane, der ein bedeutsamer Beitrag unserer Gießener Volksgemeinschaft zum Gelingen des Vierjahresplans sein wird, aus die tatkräftige Mithilfe aller Haushaltungen, insbesondere auf die verständnisvolle Förderung durch die Haus­frauen, denen die Ausgabe erwachsen wird, die zur Tierfütterung geeigneten Küchenabfälle bestmöglichst zu sammeln und aufzubewahren, bis die Abholer erscheinen.

Daß diese Abfälle, die zur Verwertung im städ­tischen Haushalt ja doch nicht mehr in Betracht kommen, im Interesse der guten Sache kostenlos abgegeben werden, versteht sich natürlich von selbst. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Betriebs steht heute noch nicht fest.

Seit 1904 lebt Kolbe in Berlin. Er habe es für seine Kunst für notwendig gehalten, äußert er, in Deutschland zu leben und nicht jahrelang irgendwo im Ausland. Obgleich es natürlich verlockend fei, irgendwo in einer paradiesischen Umgebung sein Atelier zu haben, sei er nach Berlin- gekommen. An­fangs habe ihm die Landschaft um Berlin wenig gefallen, aber bald habe er sich mit ihr abgefunden. Er habe sich in Berlin stets wohl gefühlt und sei von dem Leben in der Großstadt in seinem Schaf­fen niemals behindert, sondern im Gegenteil ange­spornt worden.

Im Verlaufe des Gespräches spüre ich bald, daß Kolbe kein Freund der grundsätzlichen Erörterungen ist. Das Schaffen ist ihm zu einer Selbstverständlich­keit geworden, der gegenüber es im Grunde keine Fragen gibt, sobald man in sich selbst Klarheit ge­sunden hat. Als von dem Verhältnis des Bild­hauers zum Architekten die Rede ist, unterstreicht Kolbe, wie beglückend es sei, mit einem kompromiß­losen Architekten zusammenzuarbeiten, und wie er­schwerend, wenn der Architekt unsicher und kom­promißlerisch sei.Wenn man nur wüßte, was die Leute haben wollen!" habe einmal der Architekt ge­seufzt, mit dem ex zvsammenarbeitete. Darauf habe er ihm erwidert:Mir ist das wichtigste, wenn ich weiß, was ich will! Und so sollte es bei Ihnen doch wohl auch sein!"

Ein klares, für das Wesen des Künstlers auf­schlußreiches Wort.

*

Die Frage des Bildhauernachwuchses und feiner Zukunft berühre ich:Bei jungen Bildhauern stößt man manchmal auf merkwürdige Zweifel, ob sich in der Plastik heute noch Wesentliches aussagen lasse. Mit einem jungen begabten Bildhauer sprach ich, der lange Zeit ernstlich die Frage erwog, ob er nicht die Bildhauerei an den Nagel hängen und sich dem Film zuwenden solle"

Mit jungen Bildhauern", bemerkt Kolbe dazu, komme ich nicht allzu viel in Berührung. Im Ge­gensatz zu meinem Freund Scheibe, öer gerne betreut und lehrt, habe ich mich nie entschließen kön­nen, Schüler um mich zu haben. Es würde mich vom eigenen Schaffen ablenken. Dabei habe ich es vor Jahren auch abgelehnt, eine Meisterklasse an der Akademie zu übernehmen . .. Daß junge Bild­hauer unsicher sind und schwankend, verstehe ich nicht. Es mag wahr sein, daß in unserem Zeitalter die bildende Kunst durch das Vordringen der Tech­nik in die Enge getrieben worden ist. Aber das be­deutet doch nicht, daß sie resignieren müsse ... im Gegenteil ... Vielleicht wurden und werden die jungen Künstler manchmal allzu sehr verwöhnt, in-

Frankfurter Universität ' ernannt

Der Direktor der Chirurgischen Klinik der Um- versität Marburg, Professor Dr. Klapp, ist von der Gesellschaft der Aerzte in Wien zum korrespondierenden Mitglied ernannt worden.

Geh. Konsistorialrat Professor D. Wilhelm Lüt-

UHL Seilersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170

eparaturen i897D

mit dem Schulgebäude. Der Eindruck der Geschlos­senheit wird außerdem noch dadurch verstärkt, daß für die Mauerteile dieser Gedenkstätte das gleich­farbige Klinkermaterial verwandt wurde, aus dem auch die Schule gebaut ist.

Zu beiden Seiten des Teiches wird eine passende Baumreihe erstehen, die im Laufe der Jahre zu einer schönen Allee heranwachsen wird. Die dies­jährigen Fünfziger nämlich die jetzigen Mitglie­der der Alterskameradschaft 1887/1937 und die­jenigen Alterskameraden, die der Vereinigung noch beitreten wollen werden die Bäume zu dieser Allee stiften. . Frühere fünfziger Kameradschaften Haden durch die Fassung von Quellen oder Brunnen, oder durch die Errichtung von Gedenksteinen usw. ihrem Altersjahrgang ein bleibendes Denkmal in der engsten Heimat errichtet. Die Fünfziger 1887/37 wollen diese Allee am Skagerrak-Platz als ihr Jahrgangsdenkmal der Allgemeinheit schenken und zugleich damit da doch der größte Teil der Alters­kameraden ehemalige Frontkämpfer sind den vor dem Feinde gefallenen Kameraden des Weltkrieges in kameradschaftlicher Treue und Dankbarkeit ein Ehrenmal setzen. Die Absicht dieser Stiftung ist dem Herrn Oberbürgermeister zur Kenntnis gebracht worden, und er hat diesen Beitrag der diesjährigen Fünfziger für den Skagerrak-Platz als sinnvolle Stiftung gerne angenommen. Die Auswahl und die Art der Anpflanzung der Bäume wird natürlich allein von der maßgebenden Stelle der städtischen Verwaltung bestimmt werden.

Umgestaltungen an der Ecke Kaiserallee-Licher Straße.

Vebeutlamer Ausbau des Gießener Musiklebens

Das städtische Orchester spielt in Bad-Nauheim.

Teil aus berühmten deutschen Orchestern verpflichtet.

Nachdem die Verbindung zwischen dem Stadt­theater Gießen und dem Kurtheater Bad-Nauheim auf dem Gebiete des Schauspiels sich seit Jahren bewährt hat, ist nun auch die Möglichkeit gegeben, Oper und Operette vom Stadttheater Gießen in Bad-Nauheim zu spielen. Auch hierüber ist schon für den Sommer ein Vertrag zustande gekommen, nach dem zunächst sieben musikalische Werke im großen Kurhaussaal gegeben werden. Die Reihe eröffnet bereits am 15. AprilZarewitsch". Vorge­sehen sind ferner die Operetten:Der Bettelstudent", Die Dorothee",Nacht in Venedig" und die Opern: Die verkaufte Braut",Der Wildschütz" und Martha".

denken. Auch auf der Academie Julien in Paris interessierte mich nur das Zeichnen, nicht im ge­ringsten die Bildhauerei, die unmittelbar nebenan betrieben wurde. Ich t)aite mir vorgenommen, um jeden Preis ein Maler zu werden. Sehen Sie hier­her ..."

Er führt mich auf den Gang hinaus. Dort hängt ein mittelgroßes Bild, ein Ausschnitt aus einer figürlichen Komposition: drei bräunlich getönte Akte, die ausgesprochen plastisch empfunden sind. Gegen­über mehrere kleine, zart getönte Landschaften.

Um 1900 begann ich zu modellieren, und diese Arbeit vollzog sich von Anfang an so selbstverständ­lich, als hätte ich nie etwas anderes getan. Eine der ersten Arbeiten übrigens, ein Knabenkopf, erhielt einen Preis. Einige Jahre betrieb ich Bildhauerei und Malerei nebeneinander. Dann begriff ich, daß es ein Unding ist, Bildhauer und Maler gleichzeitig sein zu wollen, trotz Renoir, der im Älter noch Plastiken schuf, und trotz Michelangelo, der ja im Grunde auch immer mehr Bildhauer als Maler ge­wesen ist. Seither lag der Weg klar vor mir. Elch hatte das gesunden, was ich bisher entbehrt hatte: das Körperliche die Form ..."

*

Kolbe führt mich durchs Atelier, und ich habe nun Gelegenheit, die Figuren, alte und neue, deren eine die andere an Reinheit und Kraft und Adel über­trifft, einzeln zu betrachten. Währenddessen spricht Kolbe von seinen letzten Arbeiten, einer Wächter- Figur, die er im Auftrag des Reichsluftfahrtministe­riums geschaffen, und einer Gruppe für die Masch- see-Anlagen in Hannover, für die er in einem Wett­bewerb den ersten Preis erhielt. Beide Arbeiten haben ihm sichtlich Freude gemacht.

Von seinen frühen Arbeiten, die sich zeitlich um die berühmteTänzerin" gruppieren, scheint Kolbe einen gewissen Abstand gewonnen zu haben. Im­mer mehr hat er sich der Monumentalplastik zuge­wandt. Gegenwärtig arbeitet er an einer neuen Fas­sung desZarathustra", da die erste, die er lange un­ter den Händen behalten hat, seinen Vorstellungen nicht mehr entspricht.

Kolbe zeigt mir seinen glasüberdeckten Arbeits­platz im Freien, wo er im Sommer arbeitet. Neben dem schönen Atelierhaus, das er sich 1929, nachdem er viele Jahre eines der üblichen Ateliers in einem Mietshaus bewohnt hatte, in nächster Nähe der Heerstraße erbaut hat, hat er sich einen kleinen Aus­stellungshof anlegen lassen. Dort stellt er seine Bron­zen auf, ujn ihre Wirkung im Freien zu überprüfen und ihr notwendiges Maß feftzuftellen. Denn für die Ausstellung im Freien sind die meisten seiner Figuren geschaffen.

Gießen baut weiter auf.

HI.-Heim wird geplant. - Ein Gießener Gchlachtviehmarkt im Entstehen begriffen. Verwertung der Küchenabfälle zur (Schweinemast. - Gtraßenverschönerung im Ostviertel.

Unsere Stadtverwaltung unter der Leitung von Oberbürgermeister Ritter hat alle Maßnahmen getroffen, um das kommunale Aufbau- Programm der bisherigen Jahre auch im städti­schen Haushaltsjahr 1937, das vom 1. April ab läuft, weiter fortzuführen. Dabei legt die Stadt­verwaltung besonderes Gewicht auf die Schaffung von öffentlichen Einrichtungen, die einerseits der Arbeit zum Besten unserer jungen Generation durch das Werk der HI. dienen sollen, anderseits darauf gerichtet sind, die wirtschaftliche Entfaltung unseres Gemeinwesens weiter voranzubringen und auch wertvolle Beiträge zur Verschönerung des Stadtbil­des zu liefern. Der Grundzug dieser Maßnahmen ist darin zu erblicken, mit Einsatz aller Möglich­keiten unserer Stadt immer wieder neue Beiträge zum großen Aufbauwerk unseres Führers zu lie­fern und dadurch der Volksgesamtheit im Rahmen unserer Gießener Volksgemeinschaft zu dienen.

HZ.-Heim wird geplant

Von der dringenden Notwendigkeit, unserer Gie­ßener HI. ausreichende und würdige Räume zur fruchtbaren Entfaltung ihrer Kräfte'zu schaffen, ist die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Rit­te r an der Spitze überzeugt. Der Oberbürgermei­ster sieht es daher auch als eine seiner vordring­lichsten Amtspflichten an, mit allen Kräften der Stadt dahin zu wirken, daß unsere HI. in möglichst naher Zeit ein allen Änford^rungen entsprechendes Heim zur Verfügung gestellt wird.

Der Oberbürgermeister hat zu diesem Zwecke dem Stadlbauamt Auftrag gegeben, Pläne zum Bau eines Heims der Hitler-Jugend auszu- acbeiten und ihm baldmöglichst vorzulegen.

Bei der Erfüllung dieser Aufgabe soll darauf ge­achtet werden, daß die HI. durch ihr Heim alle Möglichkeiten an die Hand bekommt, um ihren großen Aufgaben im Dienste des Führers und der nationalsozialistischen Erziehungsarbeit an der Ju­gend im Rahmen der örtlich gegebenen Möglich­keiten voll entsprechen zu können. Man darf da­mit rechnen, daß diele Vorarbeit zur Schaffung eines Gießener .HJ.-Heimes von allen beteiligter) Amtsstellen mit Eifer geleistet wird. Nähere Mit­teilungen können natürlich erst dann gemacht wer­den, wenn der von dem Herrn Oberbürgermeister erteilte Auftrag in den Einzelheiten seiner Planun­gen durch das Stadtbauamt vorliegt. Mit Genug­tuung ist es aber schon heute zu begrüßen, daß die Stadtverwaltung, dank der Initiative des Ober­bürgermeisters, mit Tatkraft an die Lösung dieser Aufgabe herangeht. Wer die Verhältnisse kennt, ist nicht im Zweifel darüber, daß unsere Stadt alle Veranlassung hat, unserer Gießener HI. und ihren Dienststellen ein allen Erfordernissen genügendes Heim zu schaffen. Die gegenwärtigen Unterkunsts­verhältnisse der HI. sind durchaus ungenügend, gründliche und weitausschauende Äbhilfe ist dringend notwendig.

Don der Gchlachtvieh-Derteilungsstelle zum Mittelmarkt

Unter Benutzung der im vorigen Jahre errichteten Viehverfteigerungshalle auf dem Gießener Vieh­marktplatz wird nunmehr der Ausbau des Gießener Viehmarktes kräftig in Angriff genommen. Zunächst handelt es sich um die Ein­richtung einer sog. Schlachtvieh-Vertei­lung s st e l l e, die im Laufe der Zeit zu einem Mittelmarkt ausgebaut werden soll.

Der Betrieb der Schlachtvieh-Verteitungssielle Gießen wird vorerst für die Orte Gießen,

Atelierbesuch bei Georg Kolbe.

3um 60. Geburtstage des Künstlers am 15. April.

Ein Atelierbesuch bei Georg Kolbe erschließt eine Welt, die unweit des hastenden Berliner Verkehrs friedvoll um e i n Erlebnis kreist, das Erlebnis der Menschengestalt. Der menschliche Kör­per, feine Rundung und Fühlbarkeit, das Formen­spiel der ruhenden oder gegeneinander bewegten Glieder, der Straffung oder Lösung der Muskeln, vereinigt auf sich Kolbes ganzes Schauen, Sinnen und Schaffen.

In Kolbe, dessen Figuren alle Welt kennt, ver­körpert sich am sichtbarsten und reinsten die eine der beiden grundverschiedenen Haltungen, die in der .deutschen Plastik heute nebeneinander herrschen. Man kann seine Kunst, die ungetrübte Bilder der Menschengestalt von ewiger Jugend und Schönheit schasst, rückhaltlos lieben und bewundern und braucht doch die andere Wesensform deutscher Kunst wicht zu verleugnen, deren starker Ausdruckswille «den schicksalbeladenen Menschen darstellt, dessen Seele und Gestalt den Grundgewalten des Lebens «ausgesetzt ist. Statt eine Erscheinungsform der deut­lichen Kunst gegen die andere ins Feld zu führen, »vollen wir froh fein, daß uns beide gehören: Ge­stalter des Ausdrucksvollen und Gestalter des Schä­men, Formaufwühler und Formfestiger.

Nur keine Fragen, bitte!" wehrt Kolbe lächelnd Sb, als ich das große Helle Atelier betrete und er mir die Hand reicht. Ich lasse Schreibblock und Blei- ckift schleunig verschwinden, um keinen weiteren Arg­wohn zu erregen. Nachdem ich die zahlreichen grö= Ben Figuren, die in dem günstigen Atelierlicht be- «onders klar vor mich hintreten, mit einem ersten Blick gestreift und unter ihnen den Zarathustra und kn Entwurf zum Beethoven-Denkmal entdeckt habe, erinnere ich mich meiner Aufgabe und bitte Kolbe, mir zu sagen, wie er als junger Künstler den Ueber- cang von der Malerei zur Bildhauerei gefunden i abe. Aber da sollte man hören, wie mir der (in wenigen Tagen) Sechzigjährige, dessen Frische die Hohl der Jahre Lügen straft, temperamentvoll die Gegenfrage stellt:liebergang nennen Sie das? ... 2as war ganz einfach: ich erkannte, daß ich als Maler nicht begabt war, und da wurde ich Bild- Icuer ..."

Dann fügte er hinzu:Ich hatte in meiner Ju- $snb viel gezeichnet. Wie es so geht, besuchte ich in Dresden und München zunächst die Zeichenklasse, t^ne auch nur mit einer Silbe an Bildhauerei zu

Eine weitere Veränderung wird das Straßen­bild an der Ecke Kaiserallee und Licher Straße er­fahren. Aus unumgänglichen Notwendigkeiten her­aus muß dort eine Transformatorenanlage erstellt werden. Diese Notwendigkeit gibt den äußeren An­laß zu einer Umgestaltung, die zugleich eine Ver­besserung des Straßenbildes im Gefolge haben wird. Die Transformatorenanlage soll an der Ecke Licher Straße Nahrungsberg erstehen, aber nicht etwa nur in der Form eines technischen Zweck­baues, sondern es soll ein kleines Häuschen erstellt werden in ähnlicher Form wie am Oswaldsgarten. Allerdings soll dieser Neubau unter sorgfältiger Wahrung des Charakters feiner Umgebung ent­stehen. Das Haus wird zu einem kleinen Teil Friedhofsgelände in Anspruch nehmen. Die Fried- ' Hofsmauer fällt auf der Länge von einigen Metern und die Steine werden dazu benutzt, um die I Außenmauer des neuen Hauses aufzuführen, fo daß