meinden, z. T. auch private Interessenten, pflanzten in diesem Frühjahr Maulbeeren an, um so für später die Grundlage für die Aufzucht der Seidenraupen zu schaffen. Interessenten unseres Kreises, die sich durch den Seidenbau eine zusätzliche Einnahme verschaffen rvollen, wird empfohlen, bei ihrem Bürgermeister nachzufragen, ob in der Gemeinde schon eine Anpflanzung vorgenommen wurde. Auch die Reichsfachgruppe Seidenbauer ist bereit, hierüber Auskunft zu erteilen und aufklärende Schriften über den Seidettbau zuzusenden. Sie weist auch die Bei- spielsraupereien nach, in denen am Seidenbau interessierte Personen in den Monaten Juli und August geschult werden. An einem solchen etwa sechs Tage umfassenden Kursus sollte jeder teilnehmen.
In Kürze beginnen die diesjährigen Zuchten. Die Seidenbauer unseres Kreises müssen die Seidenspin- nerbrutbestellungen, sofern noch nicht geschehen, schnellstens der Reichsfachgruppe Seidenbauer e. D. im Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter, Berlin W 9, Potsdamer Straße Nr. 134, abgeben. Die Dollausnutzung aller Maulbeeranlagen durch Seidenraupenzucht ist eine nationale Pflicht. Sollte ein Besitzer von Maulbeeren hierzu nicht in der Lage sein, so ist gleichfalls eine Meldung der Reichsfachgruppe Seidendauer zu erstatten, die nach Möglichkeit für die Ausnutzung sorgen wird.
Schweres Verkehrsunglück.
Am gestrigen Mittwochspätnachmittag ereignete sich auf der Landstraße nach Rödgen in der Nähe der früheren Ausflugsstätte „Zur Waldeslust" ein schweres Verkehrsunglück. Dort rannten zwei Motorradler bei dem Versuch, ein aus einem Waldweg auf die Landstraße herausfahrendes Lastauto zu kreuzen, in voller Fahrt auf das Lastauto auf. Dabei stürzten die Motorradler so unglücklich, daß beide schwer verletzt wurden. Der Motorradführer, der Gastwirt Fritz Fuchs aus Garbenheim bei Wetzlar, kam unter die Räder des schweren Lastautos, die ihm über den rechten Oberschenkel hinweggingen und so schwere Verletzungen hervorriefen, daß dem bedauernswerte Manne in der Chirurgischen Klinik das Bein abgenommen werden mußte. Ein auf dem Motorrad mitfahrender Soldat namens Hubert Scheer erlitt einen Oberschenkelbruch. Beide Verunglückte wurden von der Sanitätskolonne vom Deutsche Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik verbracht. Hier liegt Fuchs noch in ernstem Zustande darnieder.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n, 13. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, VA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9^2, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, XA kg 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 18, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 25, Römischkohl 12 bis 15, Spargel 25 bis 50, Unterkohlrabi 8 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 15, Meerrettich 60 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 15, Kartoffeln, alte, /2 kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, K« kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 45, Zwetfchenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Salat 20 bis 30 Pf., Oberkohlrabi 18 bis 22, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich, neue, 15 bis 25, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.
** Goldene Hochzeit. Am morgigen Freitag, 14. Mai, begehen der Rentner Karl Hartmann und Ehefrau Elise, geb. Ziehn, dahier, Sonnenstraße 5, in geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit.
** Ausbruch der Rotlaufseuche. Die Polizeidirektion Gießen teilt mit, daß in dem Schweinebestand des Karl Faber in Gießen, Neuenweg 5, Schweinerotlauf festgestellt worden ist. Gehöftsperre ist angeordnet.
** Regimentstreffen des ehem. Res. - Inf.-Rgts. 4 41. Das ehemalige Ref.-Jnf.- Rgt. 441 (Oberst Rudolph) veranstaltet am 7. und 8. August in Gelnhausen seine 2. Wiedersehensfeier. Anmeldungen erbittet die Kameradschaft ehern. Res.-Jnf.-Rgt. 441 in Gelnhausen, Holztor 17.
** Kameradschaftsabend der Bahn- meisterei I Gießen. Man berichtet uns: Die Belegschaft der Bahnmeisterei I Gießen veranstaltete am Samstag im oberen Saale des „Schipkapaß" einen zahlreich besuchten Kameradschaftsabend. Der Detriebsführer, techn. Reichsbahnoberinspektor Kaiser, begrüßte die Kameraden mit herzlicher Auf
forderung zur Pflege guter Kameradschaft und gemeinsamen Einstehen in Ausübung ihrer schweren Berufsarbeit. Ganz besonders wies er darauf hin, daß gerade die Bahnunterhaltung die Grundlage für den späteren tüchtigen Berufseisenbahner ist. Die gründliche Erlernung der mannigfaltigen Arbeiten in der Bahnunterhaltung ist die Vbraus- setzung für die spätere Anstellung im unteren Be-
Der Einladung der Kreisleitung Wetterau zu einer Kundgebung in der Gießener Volkshalle am gestrigen Mittwochabend waren, wie das schon zur Regel geworden ist, wiederum so viele Volksgenossen gefolgt, daß die große Halle von Männern und Frauen vollbesetzt war. Der Verlauf der Kundgebung gestaltete sich wiederum außerordentlich eindrucksvoll.
Nach den einleitenden flotten Märschen des Musikzuges der SA.-Standarte 116 und nach der feierlichen Einbringung der Fahnen, leitete Kreispropagandaleiter Schmelz die Kundgebung mit herzlichen Gedenkworten an die Kameraden unserer Volksgemeinschaft ein, die bei dem Unglück des Luftschiffes „Hindenburg" im Dienst der deutschen Arbeit ihr Leben Hingaben bzw. an ihrer Gesundheit geschädigt wurden. Er betonte aber auch, daß unser Volk sich durch diesen Schickscllsschlag nicht abhalten lassen wird, weiter mit aller Tatkraft an der großen Aufgabe zu arbeiten, der die Männer in Treue gedient haben. Eine Minute ehrfürchtigen
amtenbetriebsdienst. Die Hauskapelle (Berufskameraden Sturm und Schmehl) wartete mit schönen Musikstückchen auf, die sich mit humoristischen Vorträgen und gemeinschaftlichen Gesängen in flotter Weise ablösten. Der schön verlaufene Kameradschaftsabend hat bei allen den Wunsch laut werden lassen, baldmöglichst einen weiteren solchen Abend folgen zu lassen.
bin. Mit überzeugenden Worten machte er dabei feinen Zuhörern klar, daß ebenso wie der erfolgreiche bisherige Verlauf der Arbs-its- und Erzeugungsschlacht auch auf dem neuen Aufgabengebiet des zweiten Vierjahresplans des Führers der Einsatz aller wissenschaftlichen, geistigen, physischen und moralischen Kräfte unseres Volkes den erstrebten Erfolg haben wird, nämlich unser Volk auch in seiner Versorgung mit lebenswichtigen Rohstoffen freizumachen von dem Ausland, das für uns alles Wohlwollen und Verständnis vermissen läßt. In diesem Zusammenhänge kam der Redner auf den Kampf gegen die Weltgefahr des Bolschewismus zu sprechen, wobei er unter stärkster Zustimmung der Versammlung die Tatsache unterstrich, daß die Beseitigung des Bolschewismus in Deutschland und dessen 'Zurückdrängung der Weltgefahr einzig und allein dem Nationalsozialismus zu verdanken ist, der sich mit aller Wucht kämpferisch gegen diese Pest gewandt hat, während andere Menschen immer nur
Worte machten und salbungsvolle Reden führten. Er betonte dabei u. a. auch die enge Willens- und Weggemeinschaft zwischen Italien und Deutschland, die eine unübersteigbare Barriere gegen den Bolschewismus bilden und für einen Völkerbund keinerlei Verständnis oder Bedürfnis empfinden, solange dort ein jüdischer bolschewistischer Pertreter wie Lit- winow-Finkelstein das Wort führt.
Am Schlüsse seiner Ausführungen wandte sich der Redner mit großer Entschiedenheit gegen politisierende Kirchenvertreter, denen er in eindrucks- voller Art das praktische Christentum des Nationalsozialismus und dessen Verwirklichung auf vielen Gebieten des Lebens entgegenhielt. Er betonte dabei nachdrücklich, daß der Nationalsozialismus in keiner Weise gegen die christlichen Kirchen eingestellt oder vorgegangen sei, daß er der Kirche aber die Verpflichtung zuweise, nur in ihrem eigenen Bereich zu arbeiten, während die Dinge des Staates und des Volkes, vor allem auch die Erziehung der Jugend im Geiste des Nationalsozialismus, ausschließlich Sache der Staatsführung find. Mit Genugtuung erwähnte der Redner, daß diese Haltung des Staates auch bei einsichtigen Männern der Kirche volle Anerkennung findet und dort das grundlose Geschwätz von angeblicher Feindschaft des Staates gegen die Kirche keinerlei Billigung erfährt.
Mit der Aufforderung an alle Volksgenossen, sich immer in fester Geschlossenheit zusammenzuscharen und in der Gefolgschaft Adolf Hitlers treu mitxu» marschieren zum Wohle des deutschen Volkes, schloß der Redner seine mit langanhaltendem stürmischen Beifall aufgenommene Rede.
Der freudige Sieg-Heil-Gruß an den Führer bildete den Schluß der Versammlung.
Der große Bauplatz -es deutschen Volkes.
Kundgebung der Partei in der Volkshalle.
Schweigens wurde den Opfern dieses Unglücks gewidmet.
Hierauf sprach der Reichsredner, Gauinspekteur Holzkämper, über die politischen Fragen unserer Zeit. Er legte dabei ausführlich dar, warum die Partei die Volksgenossen immer wieder zu Versammlungen und Kundgebungen aufruft, warum die Sprecher der Bewegung immer wieder ins Volk gehen und es mit dem politischen Geschehen bei uns und in der Welt bekannt machen. Seine Darlegungen, die durch prächtigen Humor und geistvolle, witzige Schlagfertigkeit durchsetzt waren, weckten in den Tausenden von Zuhörern sehr häusig überaus starkes Echo, das sich oft in stürmischen Beifallsäußerungen bekundete. Mit Nachdruck wandte sich der Redner gegen die unnützen, die Aufbauarbeit des Führers nur erschwerenden Schwätzereien von Menschen, die mit dem großen Geschehen und dem gewaltigen Gedankengut des Dritten Reiches geistig und willensmäßig nicht Schritt halten, oder nicht mitkommen können. Er stellte jenen Schwätzereien in überzeugender Weife die großen Erfolge der bisherigen nationalsozialistischen Aufbauarbeit gegenüber und verglich dabei in fesselnder Weise den deutschen Aufbau unter der Führung Adolf Hitlers mit einem großen Bauplatz, auf dem alle Männer am Bau in emsiger Weise werken und sich mühen, gute und auf. unübersehbar lange Zeit dauernde Arbeit leisten, während mißvergnügte tatunluftige Müßiggänger am Wegrand stehen, die Besserwisser markieren, ohne aber selbst zu schaffen, ober fruchtbare konstruktive Arbeit leisten zu können. Unter häufiger starker Zustimmung der Versammlung lehnte der Redner derartige Zaungäste am großen deutschen Bauplatz mit Entschiedenheit ab und stellte ihnen gegenüber fest, daß die an dem großen Bau Adolf Hitlers schaffenden Menschen nichts anderes tun, als der 67-Millionen-Familie des deutschen Volkes eine neue und schönere Heimat zu schaffen, die zum Segen dieser Volksfamilie ausschließlich im Geiste und nach dem Willen des Führers geformt und ausgestaltet wird.
In packenden Worten legte er dann bar, auf wievielen Gebieten des Lebens unseres Volkes erst burch ben Führer und feine Arbeit ben beutfchen Menschen wieder wertvoller und schöner Lebensinhalt gegeben worden ist. In diesem Zusammenhänge wies er auf die gewaltigen Erfolge des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit hin, erinnerte an die Wiederaufrichtung unserer herrlichen deutschen Wehrmacht, erwähnte die großartigen Leistungen des Winterhilfswerks und die ständige segensreiche Tätigkeit der NSV., das fruchtbare Wirken von „Kraft durch Freude", die beispiellosen Erfolge der Erzeugungsschlacht und noch manche andere Ereignisse auf dem Wege der großen Wende zum Besseren, den wir bisher unter Adolf Hitlers Führung zum Segen des deutschen Volkes beschritten haben.
Sodann lenkte er den Blick der Volksgenossen auf die großen Aufgaben und die bisher schon erzielten bedeutsamen Erfolge des zweiten Vierjahresplanes
Hundertjahrfeier und Gleibergfest 1937.
Vorstandssitzung und Generalversammlung des Gleibergvereins.
Anläßlich her Tagung des Gleiberg-Vereins am Samstagnachm'ittag gab der mit der Leitung der Erneuerungsarbeiten in der Burg Gleiberg beauftragte Bauinfpektor Mohr (Gießen) Gelegenheit, sich über den Stand der Renovierungen auf Dem Gleiberg zu orientieren. Die bis zur Jubiläumsfeier im Juni fertigzustellenden Arbeiten haben eine stilechte Wieberherstellung bes . Kaiser-Saales, bes Luxemburg- und des Vorstands-Zimmers zum Ziel. Trotz der knappen Geldmittel soll doch eine erhöhte Wirkung erzielt werden, so daß die Burg durch die repräfentablen Räume wieder zum Anziehungspunkt für die Volksgenossen der näheren und weiteren Umgebung werden wird. Bei dieser Neuordnung wird auch das große Gemälde des jetzt noch in Düsseldorf lebenden Malers Wille einen wirkungsvollen Platz erhalten. Gleichzeitig wird das Vörstandszimmer alle Erinnerungen an die bisherigen Vorstandsmitglieder, sowie die Funde auf dem Gleiberg aufnehmen, so daß es gleichsam zum kleinen Museum des Gleibergs erweitert wird. In der der Generalversammlung vorangegangenen
Vorstandssitzung
stellte sich Kreisdirektor Dr. Lotz (Gießen) als neuer Porsitzender des Gleiberg-Vereins vor und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß dadurch eine alte Tradition wieder aufgelebt ist. Es hat sich als notwendig erwiesen, daß der bisherige Vorstand erweitert wird. Bei der in Vorbereitung befindlichen Statutenänderung wird darum gleichzeitig eine Umänderung des Vorstandes in den geschäftsführenden Vorstand und in den Beirat vorgenommen werden. Dabei soll der Beirat so umfangreich erweitert fein, daß alle für die Förderung des Gleibergs in Betracht kommenden Persönlichkeiten in maßgeblichen Stellungen der Partei und privater Organisationen in diesen berufen werden sollen. Kreisbirektor Dr. Lotz bankte bem bisherigen stellv. Vorsitzenden Direktor M e n k e n (Kinzenbach) für die außerordentliche Förderung und Aufbauarbeit, die dieser dem Gleiberg gewidmet hat.
Direktor M e n f e n gab den Empfindungen der Mitglieder des Vereins über die Ueb er nähme des Vorsitzes durch Kreisdirektor Dr. Lotz Ausdruck. Die Mitglieder find sehr erfreut darüber, daß dadurch die alte Tradition im Verein wieder ausgenommen wurde und daß der Verein in dem neuen Vorsitzenden einen warmen Förderer seiner Bestrebungen gesunden hat. Direktor Renten ging bann auf die bisherige Zusammensetzung des Vorstandes ein, dem folgende Herren angehören: Kreisbirektor Dr. Lotz (Gießen) als 1. Vorsitzender; Regierungs-Baurat Hildebrand (Dillenburg), Leh
rer P r a ß (Krofdorf), Studienrat Fabel (Wetz- lar), Bauinfpektor Mohr (Gießen), Bürgermeister Rinn (Heuchelheim), Hochfchulgruppenführer Frank (Gießen), Dr. W a l b r a ch (Gießen) und Direktor M e n k e n (Kinzenbach). Als Vertreter der Aufsichtsbehörde gehört auch Landrat G r i l l o (Wetzlar) mit zu dieser Führerschaft. Es ist nun beabsichtigt, auch die Kreisleiter Dr. Hildebrandt (Gießen) und Haus (Wetzlar), Oberbürgermeister Ritter (Gießen) u. a. in den Beirat zu berufen.
Durch Hochschulgruppenführer Frank und Ge- richtsreferendar Adam wurde u. a. noch auf die enge Verbundenheit des Gleibergs mit der Gießener Studentenschaft hingewiesen, die zu einem Pegriff wurde, so daß beide, Gleiberg und Gießener Studentenschaft, ohne einander nicht zu denken wären. Durch die Initiative der Gießener Studentenschaft ist auch die Burg Gleiberg zu einem der ersten nationalsozialistischen Schulungslager geworden. Mit Dankesworten an alle Mitarbeiter und an die Mithelfer an der Erhaltung der schönen Heimatburg, die, obwohl sie territorial zum Kreise Wetzlar gehört, nicht aus dem Gießener Stadtbild fortzudenken ist, schloß der Vorsitzende, Kreisbirektor Dr. Lotz, die Vorstanbssitzung. Im Anschluß daran wurde die
Generalversammlung
eröffnet, bei der Kreisbirektor Dr. Lotz den zahlreich erschienenen Mitgliebern die Veränderung im Vorstand bekanntgab, wobei er betonte, baß diese Ehre nicht seiner Person, sondern bem Amt, das er
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LKALIFREI 30 PFG.
BRUNETAFLORi —
Skandal um Dr.Vandergruen Roman von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.
39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich fragte nun Herrn Tuff gestern vormittag, ob ich nicht auch etwas bekäme für mein Schweigen. — Natürlich, erwiderte Tuff, wie wäre es mit fünftausend? — Sagen wir das zehnfache! entgegnete ich. Sein Gesicht kannst Du Dir vorstellen. Während er noch nach Worten suchte, fuhr ich fort: Herr Tuff, sagte ich, lassen Sie alle Hoffnung fahren. Sie kriegen die Bude nicht. — Wieso nicht? will er wissen. — Weil ich nicht verkaufe, und wenn Sie mir eine halbe Million geben. — Nun, so allmählich dämmerte es ihm. Er wird klein und immer kleiner. ,Ueberhaupt rate ich Ihnen, lieber Herr Tuff, bald zu verduften. Und den Griens können Sie gleich mitnehmen/ — Na, den Spektakel kannst Du Dir vorstellen. Wenn mir am anderen Tag mein Notar nicht beigesprungen wäre, wäre ich wohl mit dem Aufruhr nicht fertig geworden.
Die Pensionsgäste stellten sich natürlich auf meine Seite, und so wurde bas große Reinemachen schließlich burchgeführt. Jetzt ist es erst richtig schön geworben hier. Griens ist geflogen, ebenso die Köchin, eine freche Person> der ich dahinterkam, daß sie die Ware viel billiger eingekauft hatte, als sie sie berechnete. Der Notar hat mir als Ersatz eine sehr tüchtige Kraft besorgt, die Gäste sind vom Essen begeistert und möchten am liebsten gar nicht mehr weg. Ich habe fast alle Betten belegt, obwohl die Hauptsaison schon vorüber ist.
Daß es Arbeit in Hülle und Fülle gibt, kannst Du Dir vorstellen, um so mehr, als ich den Ehrgeiz habe, meinen Gästen ein wirkliches Zuhause zu geben.
Trotzdem, liebe Mary, fürchte ich die Stunden des Feierabends. Denn da überkommt mich das Bewußtsein, daß meinem Leben der eigentliche Inhalt fehlt. Ich bin doch noch so jung.
Ich muß Dir Vorwürfe machen, well Du in Deinem Brief von Doktor Vandergruen geschrieben hast. Bitte, erinnere mich nicht mehr an ihn. Ich sehe ja heute alles mit anderen Augen an. Ich war es, die ihm Unrecht tat, die ihn im Stich ließ, als er auf mich wartete. Ich hätte an jenem Nachmittag daran denken müssen, daß er gerade aus der Haft zurückgekehrt war, daß er aufgewühlt, verstört, aus bem Gleichaewicht gerissen war, unb baß sich bie Spannung seiner Nerven eben entladen mußte. Ich hätte mich bemütigen sollen. Wie armselig war mein Stolz!
Nein, Mary, laß es sein, es gibt keinen Weg zurück. Doktor Danbergruen lebt in seiner Welt, bie niemals die meine werden könnte. Denn niemals könnte ich auf dieses neue Leben verzichten. Hier in Hohenheim ist meine Heimat, hier will ich bleiben. Keine Macht der Welt wird mich mehr von hier lösen können.
Bloß, weißt Du, ich müßte Kinder haben, damit meine Arbeit einen Sinn bekäme.
Nun leb für heute wohl, Mary, und laß bald wieder von Dir hören. Herzliche Grüße auch an Herrn Imhoff!"
„Tja, da ist guter Rat teuer! Ein heillos verwickelter Fall!"
Mary faltet den Brief zusammen. „Man kann nichts tun. Man kann bloß auf die Zukunft hoffen. — Aber nun muß ich gehen, damit dein guter Ruf keinen allzugroßen Schäden leidet. Deine Wirtschafterin zieht schon jedesmal die Nase hoch, wenn sie mir die Tür öffnet."
„Ja, tut sie das? Dann müßtest du eigentlich noch bleiben. Denn es wäre doch kein--Nanu, wer
will so spät noch zu mir?"
Die Klingel ist kaum verhallt, da wird die Tür aufgerisscn und Dr. Vandergruen stürzt herein. Er sieht furchtbar aus. Das Haar hängt ihm wirr ins bleiche Gesicht, bie Züge finb vor Schmerz verzerrt, der Knoten feiner Krawatte sieht jämerlich aus.
„Doktor, um Gottes willen, was ist mit Ihnen?" Stefan blickt ben Fragenben an, mit irren Augen, feine Arme heben sich, verweilen eine Zeit in ber Schwebe unb fallen kraftlos wieder herab.
Mary leat den Hut wieder beiseite, den sie bereits aufgesetzt hatte. Dann rückt sie einen Stuhl zurecht und drückt den Willenlosen hinein. Da keine
dritte Teetasse zur Hand ist, füllt sie die ihre und schiebt sie ihm zu. „Trinken Sie, Herr Doktor!"
Stefan Vandergruen nickt dankbar unb trinkt in hastigen, gierigen Zügen. „Es ist — ein Unglück geschehen. — Maria — ist — ach!" Er schlägt verzweifelt die Hände vors Gesicht, ein trockenes Schluchzen ringt sich aus seiner Kehle.
Bert legt erschüttert die Hand auf Stefans Schulter.
Stefan streicht mit der Hand mehrere Male über seine Stirn. „Beim Ueberqueren der Straße — ich wollte sie noch zurückreißen — aber--Während
der Ueberführung ins Krankenhaus ist sie gestorben —"
Die beiden schweigen. Sie fühlen, daß es eine Roheit wäre, jetzt armselige Trostworte zu jagen.
Als Stefan ausgetrunken hat, gießt Mary wieder ein unb stellt eine Schale mit Gebäck vor ihm hin.
Er nimmt mechanisch und ißt.
„Verzeihen Sie mir, baß ich meine Verzweiflung zu Ihnen getragen habe, aber ich — mußte — irgenb jemand--"
„Wir sind Ihnen dankbar, Doktor! Und — Sie dürfen jetzt den Mut nicht verlieren. — Wenn Sie hierbleiben wollen, auf der Couch liegt es sich sehr vequem."
„Nein, nein, danke! Ich will nun wieder gehen, ich muß nach Hause."
Mary blickt rasch ihren Verlobten an. „Wir werden Sie begleiten. Ja? Das dürfen Sie uns nicht abschlagen!"
„Wenn Sie durchaus wollen!" versuchte Stefan zu lächeln, aber es wird nur eine verzerrte Grimasse. —
Schweigend schreiten sie zu dreien durch die nächtlichen Straßen, in denen das Leben noch mächtig pulst.
Die Leuchtreklamen schreien ihre Schlagworte aus, aus ben offenen Fenstern fingen die Lautsprecher, die Stadtbahnzüge bonnern 4£er die Viadukte, an ben Straßenecken brüllen bie Zeitungsverkäufer, überfüllte Straßenbahnen poltern vorüber, unb broben ist der Himmel, die schweigende, weite Nacht.
Endlich gelangen die drei an Dr. Dandergruens Haus. Stefan holt ben Schlüssel aus ber Tasche. „Haden Sie vielen Dank für die Begleitung!"
„Soll ich bei Ihnen bleiben?"
„Nein, danke! Ich mochte lieber allein jein. Haben Sie keine Sorge, ich werde mich schon wieder zurechtfinden." —
„Das ist furchtbar!" beginnt Mary, während sie ihren Arm in den chres Perlobten schiebt.
„Ja, es wird sehr schwer für ihn fein. Er hat sehr an feiner Schwester gehangen. Jetzt ist er ganz allein."
B „2ch werde Gisch eine Drahtnachricht schicken,
„Ich habe auch schon daran gedacht."
„Ja, jetzt braucht er sie. Wenn jemand ihm jetzt helfen kann, bann ist es Gisch."
„Du meinst, daß sie zu ihm kommen soll? — Aber das geht doch nicht. Sollen die Klatschmäuler wieder Wasser auf ihre Mühlen bekommen?"
„Mein Gott, Bert, bas ist doch jetzt nebensächlich. Es geht darum, dem Mann zu helfen, daß er wieder an das Leben glaubt. Er geht ja zu Grunde, wenn man ihn allein läßt!"
„Da magst du recht haben. Ob aber Gisch kommen wird? Denk an ihren Brief!"
„Sie wirb kommen."
Sie suchen das nächste Postamt auf und Mary füllt das Telegrammformular aus.
„maria vandergruen tödlich verunglückt.
man)."
„Weiter nichts?" wundert sich Bert. „Willst du nicht anfügen, daß sie Herkommen soll?"
„Nein, so genügt es!"
*
Die Depesche kommt am frühen Morgen in Hohenheim an.
Gisch steht, mit einer weißen Schürze geschmückt, in der Küche und hilft der Köchin, die Frühstücksportionen fertig zu machen.
„Der Kuchen ist Ihnen wieder prächtig gelungen", lobt sie.
Das Zimmermädchen tritt ein. „Die Dame auf Zimmer neun fühlt sich nicht wohl. Sie wünscht das Frühstück auf ihr Zimmer."
„Schon, nehmen Sie es gleich mit! Unb kümmern Sie sich ein wenig um die Dame! Sehen Sie ab und zu nach ihr!"
(Fortsetzung folgt!)


