Ausgabe 
13.5.1937
 
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Kr.lOO Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag. i^.Mai (957

Aus dem Reiche der Frau.

Generalmusterung in den Vorratskammern

Von Marie Luise LüDdecke

V. A. Im Frühjahr muß auch in Öen Vorrats­kammern Generalmusterung gehalten werden. Alle Schränke. Regale. Behälter usw. sollten nach Möglichkeit heroorgeholt und an die Sonne gebracht werden. Die meisten Vorratsschädlmge sind lichtscheu und sttzen in den Ritzen der Schränke: da­her ist eine gründliche Säuberung mit Sodawasser angebracht. Soweit die Behälter schadhaft sind, müs­sen sie auch repariert oder erneuert werden. Für jeden Vorrat von Obst Kartoffeln, Gemüse sind zweckmäßige Lagervorrichtungen, wie Obsthorden und Kartoffelkisten empfehlenswert.

Die Keller und Vorratsräume selbst werden zweckmäßig neu geweißt und geschwefelt. Kalk tötet die Bakterien Dabei kann gleich ge­prüft werden, ob an den Fenstern und Schränken die Gaze fehlt oder undicht geworden ist. Mit den ersten Fliegen stellen sich nämlich auch die Maden ein, die die Vorräte aufs neue gefährden

Im Laufe des Winters ist sowieso manches ver­dorben. Bei den Einmachgläsern kann man oft schon von außen erkennen, ob der Inhalt noch gut ist. Der Inhalt der Büchsen, deren Deckel sich gewölbt hat. sind schnell zu öffnen und je nachdem, ob sie noch gut sind, zu verbrauchen Alle M ar - meladen - und Gelee glaler, die eine Schimmelschicht aufweisen, müssen gesäubert und neu mit Einrnachecellophan belegt werden, das in einer zweiprozentigen Ameisensäure getränkt wird, um neue Schimmelbildung zu verhüten. Ameisen­säure ist vollkommen gesundheitsunschädlich: ist es doch bis zu 1 v H. im Raturhomg enthalten. Schad­hafte Behälter, wie Glasgefäße und Steinguttopfe, sollte man im Interesse der darin verwahrten Le­bensrnittel nicht wieder verwenden, sondern er­setzen Em Glas oder Steinguttops ist aus deut­

schem Material eher zu ersetzen als die Nahrungs­mittel Nicht der Geldschaden, sondern der Sach­schaden muß maßgebend sein

Alle leeren Fässer wie Bohnen-, Gurken-,

Sauerkrautfässer, leere Flaschen, Eimer, Büchsen und was sich sonst angesammelt hat. müssen zur Reinigung aus der Dorratsstube heraus und an der Lu't gut austrocknen.

Auch die restlichen Gemüsevorräte. die w"' 'm Keller m Sand eingebettet haben sowie das Obst im Obstkeller bedarf einer gründlichen Durch­sicht Wieviel verfault von diesen Schätzen alljähr­lich, wenn die kranken Elemente nicht rechtzeitig ausgeschieden werden.

Wichtig ist jetzt im Frühjahr auch, daß man die Räucherkammer nachsieht und nötigenfalls neu abdichtet Räucherschinken und Räucherspeck reibt man mit Alkohol und Schinkensalz ein, bringt ie in sauber gewaschene Beutel und hängt sie zu- ammen mit den Dauerwürsten luftig auf. Eine orgfältige und häufigere Nachprüfung wird auch hier weiteren Schaden verhüten.

Der knusprige Braten.

Von Frida Aisch, Äad-Nauheirn.

Es wird mit Recht ein guter Braten Gerechnet zu den guten Taten: Und daß man ihn gehörig mache. Ist weibliche Charaktersache.

sagt unser lieber Wilhelm Busch.

Und mir setzen hinzu: Aber knusprig soll er sein.

Wir denken nicht an die Riesenbraten der frühe­ren Zeit oder der großen Hotelküchen, sondern sozu­sagen an den .,Familienbraten" Ach, wie verschie­den kann der sein! Ist er noch so knusprig gewesen, weicht ihn die Tunke wieder auf. Eine Ecke ist zäh wie Leder geblieben. Das Stück bekommt der große Bub. Er hat die besten Zähne und bekommt immer alles klein. Das aufgeweichte Unterste erhält Ur- chen für ihre porzellanernen. So ist aus der Not eine Tugend geworden Aber was allen vor- fchwebte bei dem Gedanken an den Festtagsbraten: Aeußere Knusprigkeit vereint mit innerer Zartheit war ein Traum.

Dann ist es schon das beste, wir schmoren das von allen Seiten angebratene Fleisch zugedeckt gar und gießen dabei ab und zu etwas Wasser daran, um es vor dem Anbrennen zu behüten. So wird es wenigstens durch und durch weich.

Ein ganz anderes Gesicht erhält dasselbe Stück­chen Fleisch, wenn wir es in heißes Fette legen. Der Topf, in dem wir es garen, muß fo eng fein, daß ihn das Fleisch an den Seiten fast ausfüllt. Fett muß soviel sein, daß es den Braten bedeckt. In diesem Fett wird das Fleisch bei großer Hitze schnell braun gebraten. Das Fleilch bleibt saftig, weil sich die Poren sofort schließen Natürlich bleibt eine Menge Fett übrig. Dies wird bann anderweitig verwandt,' je nach dem was für Fleisch darin ge­braten war, an Gemüse oder als Brotaufstrich oder ähnlich.

Ist das Fett ganz abgeschöpft, so wird der Boden­satz als Tunke zurechtgemacht Aber die große Schattenseite dieser Art Zubereitung: schmecken tut dieser Braten wohl gut. aber nicht jeder Magen ist wie ein Koffer, in den man alles stopfen kann, was man will. Wieviel Wärmeeinheiten muß der Kör­per hergeben, um diese Nahrung sich nutzbar zu machen! Wieviel davon geht ungenutzt verloren, und wieviel verdorbene Mägen sind die Folge. Drei Tage nichts wie Hafergrütze bringen wohl die Sache in Ordnung, aber sie sind kein Feiertagsspaß. Die schlechte Laune dauert, und Geld gekostet hat es außerdem. ...

Wir machen es anders Wer schon einmal Fleisch vom Spieß gegessen hat, weiß, was gut schmeckt. Der Witz dabei ist, daß die Oienhitze von allen Sei­ten an das Fleisch heran kann. Nicht etwa das Fett, das ist dabei ganz Nebensache, nicht das Fett gibt den Ausschlag. Der Braten dars, wenn er von allen Seiten knusprig werden soll nicht auf dem Boden einer Pfanne liegen Wir legen ihn hohl auf das Einsatzgitter der Pfanne. Das Stuck Fleisch kann 2 bis 2^/2 Kilo wiegen. Es wird ganz zart gesalzen und mit den Gewürzen emgerieben Dann schieben wir es, so hoch es geht, in den heißen Bratofen. Paßt die Pfanne nicht in die Schiene, bauen wir Ziegelsteine oder ähnliches unter. Jetzt brät das Fleisch ohne Fett mit sich selber, bis die obere Seite braun ist. Dann kehren wir es um. ohne Löcher hineinzupicken, und braten die andere Seite

auch braun. Die Länge der Bratzeit hängt von der Dicke des Fleisches ab. Ein Finger dick braucht etwa zehn Minuten. Durch das Gitter tröpfelt der Fleisch­saft. Ist der Ofen sehr heiß kann man ein paar Tropfen, aber nur Tropfen. Wasser während des Bratens in die Bratschüssel geben. Tut man mehr Wasser hinein, weicht der aufsteigende Dampf die Kruste wieder auf. Der Saft muß am Boden fitzen, die paar Tropfen Wasser sollen das Anbrennen ver­hüten. Läßt sich das Fleisch nicht mehr eindrücken, ist dex Braten gut. Der herausgeflossene Saft kann kalt als Fleischgelee zum Brot gegeben werden oder man gießt etwas Buttermilch oder Sahne daran und macht eine Tunke fertig. Das Fleisch ist innen zart rosa, die Kante von allen Seiten knusprig, und wir haben den köstlichsten Braten, den wir uns denken können. So, jetzt ist die ganze Familie mit Kind und Kegel versorgt, und wir wollen nun an die anderen denken.

Jeder hat nicht einen Bratofen, braucht auch Fernen, weil er bloß allein ist, aber Braten will er auch gern essen. In solchem Fall bereiten wir das Fleisch in der Tüte. Ein großes Schnitzel, ein kleines Brät­chen von etwa 500 Gramm, auch ein junges Täub­chen oder ein Hühnchen, das nicht mehr als 750 Gramm wiegt, läßt sich io braten Das Schnitzel

Großblumige Stoffe für Nachmittags­kleider ist die Parole im Sommer 1937.

Das Modell links in unserer Skizze ist aus maisgelbem Chinakrepp mit weißen und dunkelblauen Blüten. Der dreiviertellange Raglan­ärmel ist ziemlich eng, die Blusenvorderteile sind leicht gezogen. Der Rock ist glockig in vier Bahnen geschnitten und mit einem Sattel der Bluse ange­setzt. Schmales, blaues Ripsband, eine Rüsche aus weißem Kreppgeorgette und ein blauer Blütentuff am Ausschnitt sind der Aus­putz des flotten Kleides.

Aus schwarzem, mit großen gelben Rosen bedrucktem Chiffon ist das Kleid

wird gut gehackt, dann zusammengeschoben, daß es dick wird, leicht gewürzt und in Pergamentpapier einfach eingewickelt. Es kommt in em enges Töpf­chen und brät mit ganz wenig Wasser ohne Fett. Es muß immer dicht am Anbrennen sein. Besteht diese Gefahr, kommt teelöffelweise Wasser dazu. Ist alles schön braun, entfernt man das Papier und hat nun den köstlichen kleinen Braten.

Hühnchen und Täubchen werden sauber gemacht. Das Täubchen kann eine Füllung erhalten, das Hühnchen nicht. Herz, fieber und Magen stopfen mir hinein, lose, mit grüner Petersilie. Es würde sonst vielleicht nicht durchbraten Wir salzen eben­falls ganz wenig, sonst ist nachher der Fleischsaft zu stark. In Pergamentpapier gewickelt, mit Faden zugebunden, wird es wie das andere Fleisch mit einer Spur Wasser aufgesetzt und muß zugedeckt braten. Ist es säst gut, nehmen wir es aus dem Papier und lassen es noch offen ein bißchen nach­braten Versuchen Sie es. Sie sind entzückt

Diese Art der Zubereitung ist auch ohne Salz für Diätküche schmackhaft und befördert angenehm die schlanke Linie.

Drum wird mit Recht ein guter Braten Gerechnet zu den guten Taten "

in der Mitte. Den Boleroschnitt der Bluse begleitet ein schmaler Volant aus dem Kleidmaterial. Der Ausschnitt ist hinten wie vorne spitz. Der Rock ist glockig in sechs Bahnen geschnitten, der breite Gürtel ist schwarzes Samtband. Das Unterkleid ist aus schwarzem Satinkrepp.

Das einfache, jugendliche Kleid rechts ist aus hellblauem, schwarzgemustertem Kreppmaroc. Der Vier-Bahnenrock ist glockig geschnitten, der kurze Rablanärmel sehr weit ein­gesetzt. Der Halseinsatz ist aus weißem Krepp- aeorgette, der Gürtel und die Schleifen sind aus schwarzer Lack sei de. H.

Blumenschmuck am Fenster

V. A Blumen stimmen heiter und froh. Sie sind Boten der Natur. An ihnen können wir Werden und Wachsen miterleben. Wer nur einmal das Wun­der erlebt hat, wie aus kleinen Samenkörnchen große, strahlende Blumen wurden, der wird ihnen den Platz am Fenster, auf dem Balkon, in der hel­len Zimmerecke nicht verwehren.

Die Tage werden wärmer der Frühling, der bis jetzt nur aus dem Kalender seinen Einzug hielt, cheint nun doch seine Herrschaft antreten zu wollen. Ueberall in den Gärten blühen die ersten Früh­lingsblumen, und fleißige Hände regen sich auf jedem kleinen Stückchen Erde Jetzt beginnt nicht nur für den Gartenbesitzer die Arbeit, sondern auch ür alle Hausbewohner ist die Zeit gekommen, die Blumenkästen aus dem Keller ans Lickt zu bringen. Die Erde muß aufgelockert und oftmals begossen werden, damit sie wieder fieben spenden kann. Dann erst können mir mit dem Pflanzen anfangen.

Es gibt so unendlich viele Blumen, die für den Fenster- und Balkonschmuck geeignet sind. Die Wahl ist gar nicht fo leicht. Wenn mir aber das Praktische mit dem Schönen verbinden wollen, dann werden wir uns zuerst an die Blumen halten, die unbeein- lußt von Nachtfrösten schon jetzt ihre Bluten er« chließen. Zu ihnen gehört das Stiefmütter­chen, das wir zu dem reizendsten Blumenschmuck zählen können, den wir überhaupt besitzen. Natür­lich müssen wir die sogenannten Frühblüher be- chaffen, die schon blühen, wenn sich bei ihren Schwestern kaum die ersten Knospen zeigen Ist doch gerade bei den Stiefmütterchen die Auswahl an Farben überreich! Werden die Tage etwas wär­mer, dann können wir auch schon das Blaßblau der Vergißmeinnicht zu den satten Farben der Stiefmütterchen hinzufügen.

Aber auch die Geranien gehören zu den idea­len Balkonpflanzen. Sie brauchen nicht soviel Hege und Pflege und schaffen doch große Freude mit ihrer verschwenderischen Farbenfülle, die vom herr­lichsten Rubinrot und fiachsrosa zum Orange herüber- wechselt. Solange die Tage noch nicht warm genug sind, müssen die vorjährigen Pflanzen, die im Keller überwinterten, an bas Tageslicht gebracht werden. Sie müssen sorgfältig beschnitten und an einen kühlen, hellen Platz gestellt, ab und zu begossen werden. Zeigen sich die ersten jungen Triebe, dann müssen die Pflanzen in frische Erde gesetzt werden, die man am besten mit Hornspänen mischt. Wenn die Frühlingssonne recht warm scheint, kann man die Kästen ins Freie stellen, denn für jeden Son­nenstrahl find die Pflanzen dankbar. Nur am Abend müssen unsere Schützlinge an einen wärmeren Platz gebracht werden, denn einen Nachtfrost kön­nen die kleinen, zarten Triebe doch noch nicht ver­tragen. Stehen die Pflanzen aber erst erwachsen und in erstrahlender Blütenpracht, dann braucht man nicht mehr so sehr auf sie aufzupassen. Dann können sie die prallste Sonne vertragen, ohne etwas von ihrer Frische und ihrer Farbe einzubüßen

Später können wir zu den grellroten Geranien süßduftende Petunien, tiefblaue Glocken­blumen ober Fuchsien pflanzen. Besonders bei den Fuchsien gibt es so unenblich verschiebene Ar­ten. Da sind die einfachen und die gefüllten, die aufrecht wachsenden, die Ampel- und Hänge­fuchsien und die traubenförmigen mit langen Blüten­büscheln. Auch haben sie eine sehr reichhaltige Far­benskala. Man darf nur nicht vergessen, sie schon jetzt fräftig zu beschneiden ihnen Humus-Erde zu geben und in das Gießwasser etwas mineralischen Dünger zu streuen.

Blumen geben unseren Balkonen, ja sogar un­serem ganzen Hause ein sonntägliches Aussehen. Und auch die Betreuung, die sie verlangen, ist ein Quell der Freude. Man verschmähe auch nicht den Rat des Blumenhändlers.

Körperpflege im Frühling.

So wie wir durch Umstellung unserer Ernährung auf reichlichen Gemüse- und Salatverbrauch unserm inneren Körperhaushalt bei seiner Wiedererneue­rung zu Hilfe kommen, können wir auch äußerlich diese Verjüngung und Auffrischung durch eine zweck­mäßige und regelmäßig angewandte Körperpflege unterstützen. Auch dazu bedarf es kaum anderer Mittel, als sie uns die Natur darbietet.

Durch die mannigfachen winterlichen geselligen Beanspruchungen, die ein spätes Schlafengehen zur Folge haben, hat unsere Gesichtsfarbe gelitten. Kein besseres Mittel zu ihrer Auffrischung als ein täg­liches Luftbad am offenen Fenster, wenn wir keinen Garten haben, in der ersten Morgen- frische. Ein paar Tiefatmungen, einige leichte gym­nastische Uebungen und wir haben unserem Körper den belebenden und erfrischenden Sauerstoff zuge­führt, den er braucht, um die Stubenblässe zu über­winden. Es ist in den letzten Jahren vielfach Mode geworden, sich ein gesundes Aussehen durch Be­strahlung mit Höhensonne zu verschaffen. So wert­voll eine solche Behandlung zu Heilzwecken sein kann, so töricht ist es, diese mit künstlicher Hilfe erworbenegesunde Gesichtsfarbe" als Zeichen wirk­licher Gesundheit anzusprechen. Wahre Gesundheit erlangt man nur auf natürlichem Wege, so wie unsere jungen Sportlerinnen, die sich wirk­lich in freier Luft tummeln, nicht aber durch oft übermäßige Anwendung von Bestrahlung oder Präparaten, die unsNaturbräune" versprechen

Neben der Luft ist es das Wasser, das die tr- schlaftten Poren zu neuer lebhafter Tätigkeit an­regt. Bäder, Waschungen, Abreibungen, dazwischen einmal eine gründliche trockene Äbbürstung des Körpers verhelfen der Haut zu besserer Atmung und erhöhen dadurch unser Wohlbefinden. Die Beachtung einiger Baderegeln steigert die Wirkung der Wasseranwendung. Kalkhaltiges Wasser wir erkennen es daran, daß sich in der Badewanne ein rauher Ansatz bildet ist für die Haut sehr schäd­lich. Wir befreien es von dieser Substanz durch Zusatz von Borax. Zufätze von Pfefferminzkraut oder Fichtennadelextrakt im Bad erhöhen seine er­frischende Wirkung und sind nervenberuhigend. Sehr empfehlenswert ist es, an das Bad eine Massage mit Eukalyptusöl anzuschließen. Man soll den Körper stets von unten nach oben abtrocknen, d. h. von den Fußspitzen zu den Schultern auswärts^ Diese Methode ist besonders Nervösen und Blut­armen zu empfehlen, denen ein sehr eneraisckes Reiben nicht zuträglich ist, da es einen zu starken Reizzustand der Haut verursacht. Gegen starke Mattigkeit und dementsprechendes Aussehen werden

Kindergärtnerin ans dem BM

NSG. Mit der Zeit der Frühjahrsfelddestellung öffnen sich auch wieder die Tore der Ernte­kindergärten. Vielen ein noch fremder Be­griff, find sie draußen auf dem Land zum großen Teil eine nicht mehr wegzudenkende Hilfe, in vielen Gemeinden eine dringende Notwendigkeit geworden. Der Mangel an landwirtschaftlichen Arbetts- und Hilfskräften fordert den restlosen Einsatz der Bäue­rin bei der Feldarbeit, Viehbesorgung usw., dem­gegenüber steht vielfach die Sorge um die Pflege und Aufticht der Kleinkinder. So war es nur selbst­verständlich, daß man daran ging, sie in sogenann­ten Erntekindergärten, die den ganzen Sommer geöffnet sind, unterzubringen, und die Bäuerin auf diese Weise wirksam zu entlasten. ..

Das setzte natürlich voraus, daß eine genügende Anzahl von Kindergärtnerinnen bereit war, Erntekindergärten zu übernehmen. Die zahl­reichen Anforderungen, die in letzten Zeit und von Tag zu Tag dringender an den BDM. ergingen, stellen ihn vor eine zwar nicht neue, aber große Ausgabe, für die sich unsere Mädel freubig und gerne bereit stellen.

' Warum aber gerade BDM.-Kindergartnennnen? Die NSV., die hier ihren Anspruch erheben kann und muß, suchte das Problem des Kindergartens nickt nur pflegerisch, sondern auch gleichzeitig er­zieherisch zu lösen. Denn wo ein früheres System nur die Notwendigkeit derKinderbewahranstalt" sah, weiß der heutige Staat, dessen Beauftragte die NSV. ja ist, um die tiefere Aufgabe des Kinder­

gartens, gleich ob in der Stadt oder auf dem Land. Sie ist nicht mehr so sehr Fürsorge, sondern wohl Vorsorge, ist Dienst an der erbgesunden Fa­milie und Erziehung zur Gemeinschaft.

Man wende nicht ein, daß es abwegig sei, das Kind anpolitische" Probleme heranzuführen und ihm damit die Unberührtheit und Unbekümmertheit seines Kindseins zu nehmen. Es liegt uns ganz fern, das Kindpolitisch" zu erziehen. Was ihm mitgegeben wird, ganz erlebnismäßig, an den klein­sten Dingen des Alltags erprobt, das ist eine Er­ziehung, die die nationalsozialistischen Erziehungs­grundsätze in sich trägt. Wahrheitsliebe, Mut, Treue und Kameradschaft. Wenn hier schon die Liebe zum Führer, das Wissen um die Gemeinschaft des Volkes genährt und gepflegt werden, dann sind diese Dinge den jungen Menschen bereits selbstver stündlich und wesenseigen geworden, wenn Beruf, Schule und Leben ihre Forderungen stellen. Dar­über hinaus aber will der Kindergarten ein Treu­händer der Volksgesundheit fein.

Wem könnte die NSV. diese vielseitige und ver­antwortungsvolle Aufgabe leichter übertragen als der Mädelorganisation, die fest im National­sozialismus wurzelnd feine Sortierungen au allen Gebieten des Lebens zu verwirklichen bestrebt ist. Das BDM.-Müdel, jahrelang in der Einheit des BDM., in der BDM.-Haushaltungsschule, im fianbbienft der HI., oder im Arbeitsdienst geschult und ausgerichtet, bringt die Voraussetzungen mit, die es befähigen, den Wirkungskreis des Kinder­gartens nicht nur als Beruf, sondern als eine große völkische Aufgabe und Verpflichtung zu sehen.

Mas sollen wir tragen 7

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

DEN SOMMER 1937

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