Ausgabe 
13.5.1937
 
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Kr.lOO Erstes Blatt

187. Jahrgang

Donnerstag, iZ.Mai (957

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Die Krönung König Georgs VI.

Ein Weltreich huldigt seinem Herrscher. Millionen umsäumen die Festsiraße bei der Rückkehr des Krönungszuges zum Buckinghampalast.

Erstes Bildtelegramm von der feierlichen Krönung König G e o r g s VI. in der Westminsterabtei. Man sieht den König mit der Krone auf dem Thron. Vor ihm kniet einer der Peers, die ihm nach dem Treueschwur die Hand küßten.- (Scherl-M.)

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Der Einzug in die Westminster Abtei.

In der gleichen Reihenfolge, in der die Gäste des Königshauses und die Teilnehmer an der Krö­nungsfeierlichkeit die Residenz verlassen haben, tref­fen sie in d e r K ir ch e ein, empfangen von den Zeremonienmeistern in ihren farbenfreudigen gold­strotzenden Gewändern. Alle Mitglieder des engli­schen Hoch ad eis tragen über der traditionellen Kleidung, den kurzen weißen Hosen und Strümp­fen der Herren, den weißseidenen oder nur zart- qetönten Kleidern der Damen große purpurrote und hermelinbesetzte Umhänge mit großem Schulterkra­gen aus dem gleichen edlen Pelzwerk. Die Länge der Schleppen, die Breite des Hermelinkragens so­wie auch die Kronen des Hochadels sind je nach den fünf Adelsklassen verschieden. Dahinter schreiten die Pagen, die die Kronen tragen. Bei den Prin­zessinnen und Herzoginnen kommen Schleppenträger hinzu. Es ist ein Bild von wahr­haft mittelalterlichem Glanz, denn der Hof, die Würdenträger, der Adel, die Ritterschaft der höch­sten Orden, die Geistlichkeit, die Zeremonienmeister, Herolde, Bannerträger und Pagen, ja selbst die Palastwächter, die Scholaren und die Chorknaben tragen farbenfrohe, kostbare Brokatstoffe, Samt und Seiden, je nach dem Rang besetzt mit feinem Pelz­werk und edlen Steinen. Aber auch die G ä st e in ihren goldbestickten Diplomatenröcken oder den Paradeuniformen mit Ordensband und Schärpen, die exotischen Fürstlichkeiten in ihren leuchtenden Ge­wändern, die Damen mit wahren Schätzen an fun­kelnden Edelsteinen, Diamanten, Halsketten, Arm- Ireifen und Ringen fügen sich eindrucksvoll in den Rahmen dieses königlichen Festes ein.

Am Eingang zu der angebauten Empfangshalle wird das Königspaar von dem Adelsmarschall, dem Herzog von Norfolk, empfangen. Dann be- cibt sich der Zug, den die hohe Geistlichkeit an= führt, in das Innere. Als das Königspaar die Schwelle der Abtei überschreitet, stimmt der Chor Len Psalm an:Wir wollen in das Haus Gottes treten". Das Königspaar nimmt die Staatssessel vor der Königsloge ein. Zu beiden Seiten des Königs stehen die Bischöfe von Durham und Bath, vor ihm der Träger des Staatsschwertes, der Marquis von Zetland,'hinter ihm der Oberhofkämmerer und Erste Zeremonienmeister. Zu beiden Seiten der Königin stehen die Bischöfe von Plackburn und Albans, hin­ter ihrem Sessel die Herzogin von Northumberland und weiteres Gefolge.

Der Krömmgseid.

Als die festlichen Klänge des Psalms verklungen sind, hallen Fanfarenstöße durch das hohe Kirchen­gewölbe. Der Erzbischof von Canterbury wendet sich zusammen mit dem Lordkanzler, dem Großkämmerer und dem Adelsmarschall unter An- lührung des Ersten Herolds an den versammelten Adel urtb die Vertreter des Volkes, die Mitglieder der Parlamente.

Entblößten Hauptes tritt der König neben den Krönungsstuhl, und der Erzbischof ruft mit lauter Stimme aus:Sirs, ich stelle euch hier König Georg, eueren unbestrittenen König »or, dem ihr die Huldigung darzubringen und euere Dienste anzubieten gekommen seid. Seid ihr wil­lens, das zu tun?" Die gleiche Frage richtet der Erzbischof nach Süden, Westen und Norden, und Knter Fanfarenstößen donnert es ihm entgegen: ^Gott erhalte König Georg." Wie diese Zeremonie, so ist auch die nun folgende der Eides­leistung, der Salbung und der Krönung aus den Jermanischen Bräuchen, die die Angeln und die wachsen mit in das Jnselreich gebracht haben, über- nommen und über 1500 Jahre alt. Der Erzbischof l.eht zum König und richtet an ihn in der alter- liimlichen Weise die Frage:Ist Euere Majestät bereit, den Eid auf sich zu nehmen?" Weithin vernehmbar antwortet der König:Ich will es", Md er verspricht feierlich, die Völker des Britischen Deiches, seiner Besitzungen und des Indischen Rei­mes nach ihren jeweiligen Gesetzen und Sitten zu agieren und nach seiner Macht dafür zu sorgen, tafe in allen Urteilen Recht und Gerechtigkeit in Gnaden geübt werde. Er gelobt, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, die Gesetze Gottes fnö die wahre Verkündung des Evangeliums, die \ ^formierte, protestantische Religion, die Niederlas- bng, die Lehrsätze und den Gottesdienst der Kirche ron England ausrechtzuerhalten und zu beschützen, i)r alle jene Rechte und Vorrechte zu erhalten, die i)r zustehen.

Salbung und Krönung.

Unter atemloser Stille tritt der König an den j 2ltar, legt seine Hand auf das Evangelium und || spricht:All das, was ich versprochen habe, werde Dich tun und halten, so mir Gott helfe!" Dann || Unterschreibt er die vorgeschriebene Parlamentsakte U Und nimmt dann ohne Mantel und Staatsmütze H bm Krönungsstuhl Ebuarbs bes Bekenners ein. Vier Ritter bes Hosenbandordens tragen ben H Thronhimmel, in besten goldenes Tuch silberne Adler eingestickt sind, herbei. Dann salbt der 1 Erzbischof von Canterbury dem König das Haupt, W de Prust und die beiden Handflächen, was der

Chor feierlich mit demveni creator spiritus be­gleitet. Als das Oberhaupt der englischen Kirche wird der König nun mit den Gewändern eines Diakonen bekleidet und mit den goldenen Sporen berührt. Er gürtet sich selbst mit dem Staatsschwert, die königlichen Gewänder wer­den ihm angelegt, er empfängt den Reichsapfel, das Zepter und den Ring als Zeichen der königlichen. Würde. Den Reichsapfel übergibt er dem Dean" von Westminster und nimmt dafür ein zweites Zepter in Empfang. Vom Altar holt der Erzbischof von Canterbury die funkelnde Krone Eduards des Bekenners, schreitet zum Throne und setzt sie dem König auf. Im gleichen Augenblick schmettern die Trompeten und Fanfaren, dröhnen die Trommeln, lösen die Kanonen im St.- James-Park einen Königssalut von 21, die im Tower einen solchen von 62 Schüssen. Die Peers und die hohen Würdenträger setzen gleichfalls ihre Kronen auf, und wie ein einziger Schrei schallt es durch die Kirche, wird von den Massen draußen und in aller Welt ausgenommen:G o t t e r h a l t e den König!"

Die Huldigung der Stande.

Der Erzbischof und die Bischöfe knien nieder, um dem König als erste zu huldigen. Für das könig­liche Haus huldigt der Herzog von Glou- cester der Majestät mit den Worten: ,Lch werde Euer Lehnsmann mit Leib und Leben und mit irdischer Verehrung. Treue und Wahrheit will ich Euch entgegenbringen auf Leben und Tod gegen jede Art von Menschen, so helfe mir Gott!" Die Prin­zen königlichen Geblüts erheben sich ein­zeln, berühren die Krone auf dem Haupte Seiner Majestät und küssen seine linke Wange. Hieraus knien die anderen Peers des Reiches nieder, legen ihre Kronen ab und erweisen ihre Huldigung, während der Chor eine festliche Hymne anstimmt. Die Herzöge, die Marquis, die Earls, die Viscounts, die Barone folgen, und während ein Vertreter jedes Standes vor den König hintritt, knien die anderen an ihren Plätzen nieder, um Treue und Gefolgschaft zu geloben. Zuletzt aber huldigt d a s Volk, das zum Zeugen des historischen Aktes wurde, seinem König, indem es erneut unter Trommel­wirbel und Trompetenschall in den Rus ausbricht: Lang lebe König Georg!"

Die Krönung der Königin

Die Königin schreitet nun zum Altar und kniet in den Betstuhl, der vor dem Krönungsstuhl errichtet ist. Vier Herzoginnen tragen den Baldachin herbei, der Erzbischof salbt auch sie mit heiligem Oel, steckt ihr den Ring an und krönt sie. Zugleich mit der Königin setzen die weiblichen Mitglieder des Hof­adels ihre 'Kronen auf. Der Erzbischof reicht der Königin das Zepter und den elfenbeinernen Stab mit der Krone, um sie dann, begleitet von den Bischöfen, am König vorbei, dem auch sie ihre Hul­digung erweist, zu ihrem Platze zu führen.

Dann nimmt das Königspaar das Abend­mahl. Der Chor stimmte das feierliche Tedeum an,

während König Georg VI. und die Königin Elisa­beth in der St. Eduards-Kapelle die Gewänder wechseln. Hier wird der König mit der Staatsrobe, einem acht Meter langen kostbaren, hermelinver­brämten Purpurmantel, und der Reichskrone be­kleidet. Mit dem Kreuzeszepter und dem Reichsapfel kehrt er auf den Thron zurück. Auch die Königin hat nun die eigentliche Krönungsrobe, eine einzige

Koblenz, 12. Mai. (DNB.) Wegen vorsätz­licher Körperverletzung mit Todeserfolg verurteilte das Koblenzer Schwurgericht am 3. Mai ben Ordensbruder Qunbram aus ber Klosternieber- laffung Waldbreitbach ber Franziskanerge­nossenschaft zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. In der Begründung be­tonte das Gericht, daß es wenig Fälle gebe, in denen eine derartige Scheußlichkeit abzuurteilen ge­wesen sei. Ein armer kranker Junge von 18 Jahren sei durch die Mißhandlung des Ange­klagten gestorben. Es handelte sich um ben Zögling Albert Stoll, einen vollkommen hilflosen Krüppel, der in dem Kloster Wald­breitbach ein grauenvolles Martyrium durchmachen mußte. Da er weder gehen noch sprechen konnte, war er einzig auf die Betreuung der Klosterbrüder angewiesen.

Am 17. März 1936 hat der Bruder G u n b r a m diesen seiner Obhut unterstehenden kranken und hilflosen Menschen in der rohesten und un­menschlichsten Weise mißhandelt und dadurch dessen Tod verursacht. Vor Gericht ver­suchte sich dieser merkwürdige Krankenpfleger da­durch herauszureden, er habe dem Jungen nur einigeOhrfeigen" versetzt, doch waren diese so stark, daß Stoll gleich danach laut und andauernd zu röcheln begann. Bei der Obduktion ber Leiche wurden andere schwere Verletzungen festge­stellt, die der Angeklagte damit zu erklären ver­suchte, daß Stoll gestürzt sei, als er einen Augenblick das Zimmer verlassen hatte. Er wollte sich auch dadurch herausreden, daß er behauptete, er sei ausgerutscht, als er Stoll zur Bade­wanne trug, wobei der Zögling mit großer Gewalt in öie Badewanne gefallen sei. Der Roh­ling gab zu, er sei selbst einfach zur Ruhe gegangen, nachdem der dauernd heftig röchelnde Stoll zu Bett gebracht worden war. Am folgenden Morgen habe er gehört, daß Stoll tot war.

Die medizinischen Sachverständigen haben bei der Leichenöffnung festgestellt, daß schwere innere Verletzungen die Todesursache bei Albert Stoll waren. Die Verletzungen konnten nur durch außerordentlich heftige und andau­ernde Schläge hervorgerusen worden fein. Der anatomische Befund hat eindeutig erwiesen, daß ber Zögling einzig und allein an den Folgen einer sehr rohen und brutalen Behandlung gestorben ist.

Kostbarkeit, angelegt.. Würdig und prächtig, erhaben und feierlich wie die ganze Zeremonie ist auch der Ausklang. Als ber König und die Königin die Kirchs wieder betreten und sich der Krönungszug zum Ausgang formiert, singt der Chor vielstimmig dis alte Königshymne, fallen die Menschen in der Abtei und die Tausende und aber Tausende in den Stra­ßen ein:Laßt uns mit Herz und Stimme fingen: Gott erhalte unseren König!"

Drei Mionen jubeln dem Herrscherpaar zu

London, 12. Mai. (DNB.) Der Rückmarsch des Krönungszuges von ber Westminster-Abtei, bei dem eine zehn Kilometer lange Strecke burch die Straßen des Londoner Zentrums zurückgelegt wurde, bot ein überwältigendes militärisches Schau­spiel. 25 000 Mann Fußtruppen neben ben berittenen Truppen, bie bereits am Hinmarsch zur Westminster-Abtei teilgenommen hatten, gaben dem neugefrönten Königspaar das Geleit. Längs der Strecke standen weitere 40 000 Mann Truppen in ihren neuen blauen Uniformen Spalier. Hinter den Spalierketten wartete eine gewaltige Men­schenmenge, die auf drei Millionen geschätzt wurde, auf die Rückkehr des Königs. Lautsprecher hatten überallhin bie feierliche Zeremonie in ber Westminster-Abtei überfragen. Als bie Krönung verkündet wurde, erhob sich die Menge zunächst schweigend und brach dann in Jubel und Hochrufe aus, in die vom Tower her die Salutschüsse dröhn­ten. Als sich dann der Zug bald nach 14 Uhr von der Westminster-Abtei aus in Bewegung setzte, läu­teten von allen Kirchen die Glocken. Das trockene Wetter, das während des Hinzuges des Krönungs­zuges zur Westminster-Abtei herrschte, hielt leider nachmittags nicht mehr an. Als die Spitze des Zuges in den Hyde-Park einbog, setzte ein leichter Regen ein, der sich im Laufe des Nachmittags immer mehr verstärkte, ohne aber die Stimmung der Men­schenmassen zu deeinttächtigen.

Heerschau des Empire.

Der zurückkehrende Krönungszug bot ein unge­heuer farbenprächtiges, eindrucksvolles Bild. An der Spitze marschierten bie Truppenabtei­lungen ber Dominien unb Kolonien, unter denen besonders bie Inder und Burmesen mit ihren bunten Turbanen und weißen ober khaki­farbenen Beinkleidern hervorstachen. Weitere Kolo­nialtruppen, Matrosen, eine Abteilung ber neusee­ländischen Luftflotte in hellblauen Uniformen und besonders die prächtigen Gestalten der kanadischen Mounties" ('berittene Polizei) in ihren roten Jacken und Wildwesthüten, das Gewehr im Arm, riefen Bewunderung und Beifall hervor. Indische Offiziere, die brühmfe Elitetruppe der Sikhs, gelbe Sene­galesen unb eine Abteilung ber berühmten Bengali Lancer vervollständigten ben Vorbeimarsch der Ko­lonialtruppen. Einen hervorragenden Eindruck hin­sichtlich Disziplin und Menschenmaterial vermittelten die Abteilungen der englischen Luftwaffe,

Auf eine Anfrage ber Familie Stoll schrieb Bruder C a n i s i u s folgenden Brief:

Geehrte Familie Stoll!

Wir erhielten Ihren Brief vom 30. März unb hoffen, baß inzwischen die beiden Photos von der Aufbahrung Alberts dort einge­troffen sind. Heute berichten wir Ihnen gern Nähe­res über das so unerwartete Ableben Ihres lieben Sohnes Albert. Albert ist nicht länger krank ge­wesen, hat abends noch am Tisch mitgegessen, wenige Stunden später stellte sich Erbrechen ein, infolge seiner Verhinderung beim Schlucken geriet ein Teil des Erbrochenen in die Luftröhre, so daß innerhalb weniger Stunden infolge Sauerstoff­mangels der Tod eintrat. Unser Herr Pater hat ihm noch die heilige Oelung gespendet, wonach man mit Bestimmtheit annehmen kann und darf, daß seine reine Seele bereits im Himmel unter den Seligen sich befindet und wir somit einen Für­sprecher bei Gott haben. Albertchen war im ganzen Haus bei allen Brüdern und Kranken sehr beliebt, und hatten wir alle ohne Ausnahme unsere Freude an ihm. Wir gönnen ihm von Herzen das große Glück, das ihm nunmehr zuteil geworden ist, in der Anschauung Gottes. Das dürfte auch für Sie, liebe Eltern, der beste Trost fein. Letzten Endes ist ja der Himmel, bie Anschauung Gottes, unser aller Ziel und freuen wir uns mit jedem einzelnen, der das hohe Ziel erreicht hat. Gewiß ist es hart, be­sonders für die Eltern, wenn der liebe Gott ein so großes Opfer fordert. Ader auch die liebe Gottes­mutter mußte dieses große Opfer Gott bringen, und sie hat es mit vollkommener Ergebung in ben heiligen Willen Gottes gebracht. Möge sie, die Mutter der Schmerzen, deren Fest wir vorgestern feierten, Euch trösten in Euerem großen Leid, denn sie als Mutter des Sohnes Gottes weiß wohl am besten, was es heißt, ihr Kind sterben zu sehen, denn sie hat mehr gelitten wie je eine Mutter, und sie ist jederzeit bereit, alle zu trösten, die in ihrer Betrübnis zu ihr kommen und ihr Herzeleid vor ihr ausschütten. Indem ich Ihnen mein herzliches Beileid ausdrücke, grüßt Sie bestens

Bruder Canisius."

Man braucht dem nur noch hinzuzufügen, daß Bruder Canisius sich nicht mehr in Deutsch­land befindet, sondern es vorgezogen hat, seine Schritte nach R o m jju wenden.

Einen hilflosen Zögling zu Tode mißhandelt.

Ein Nachspiel zum Prozeß des Waldbreitbacher Iranziskanerbruders Gundram.