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8 6"ProT±6<M,lf,aM' Gießen im Zeichen -er Wehrmacht und -es WHW.

In den meisten oberhessischen Dörfern gibt es Gemeindebackhäuser, die allen Ortsbürgern zur Be­nutzung freistehen. Da tauchen nun oft die Fragen auf: Wie ist es möglich, daß bei dem Backbetrieb keine Unordnung entsteht? Gibt es da nicht an einigen Tagen eine Zusammenballung, an andern wieder einen Leerlauf?

Heber solche Fragen lächeln unsere Landfrauen. Es gibt nicht viele Betriebe, in denen so wenig Reibungen entstehen, wie beim Backen im Ge­meindebackhaus. Hier regelt sich alles ganz von selbst. Alte Heberlieferungen und feststehende Ord­nungsregeln sorgen dafür, daß die Arbeit glatt von statten geht. Es kommt freilich vor, daß zu gewissen Zeiten das Backhaus besonders stark benutzt wird, z. B. vor den Feiertagen, oder zur Zwetschenkuchen­zeit. Aber auch hier verläuft alles reibungslos, wenn sich die Familien an die Regel halten, wenn sie sich einordnen und nicht aus der Reihe tanzen wollen. Solche Eigenbrödler gibt es natürlich auch. Aber sie werden schon bei Gelegenheit zurecht­gewiesen.

Eine der wichtigsten Einrichtungen ist das Lo­sen. Wenn sich die Frauen oorgenommen haben, in den nächsten Tagen zu backen, dann gehen sie zunächst zur Mittagszeit, oder während des Zehn­uhrläutens, ins Backhaus oder auch auf das Rat­haus. Es ist ost eine stattliche Zahl von Frauen und Mädchen, die sich hier zusammenfinden. Im Sommer, wenn die Feldarbeit drängt, wird das Losen ziemlich schnell erledigt. Zu andern Zeiten aber ist die Viertelstunde, die man hier zusammen­stehen kann, sehr erwünscht. Alle möglichen Neuig­keiten werden ausgetauscht, und man hört doch wieder einmal,was im Dorf passiert".

Die einzelnen Frauen bringen ihre Wünsche wegen der Backzeit vor, und rasch hat man sich geeinigt. Manchmal sind es nur wenige, die sich auf einen bestimmten Tag festlegen, manchmal tritt eine freiwillig zurück, je nachdem. Wenn es aus- aeläutet hat, erscheint der Ortsdiener oder der Feld­schütz. In einigen Gemeinden geht es auch ohne diese amtliche Person. Sind es z. B. fünf Frauen, die am nächsten Tag backen wollen, dann werden fünf Lose, nach Nummern geordnet, in die Schürze einer Frau geworfen, ordentlich geschüttelt, und eine Frau nach der andern zieht ihr Los. Vielleicht werden auch noch einige Wünsche über die folgen­den Tage geäußert. Die Frauen können auch ihre Lose unter sich tauschen. Damit ist das Losen be­endet. Die Frauen können chre Vorbereitungen treffen und sind dann zu der betreffenden Stunde im Backhaus.

Nun gibt es beim Backen einen bestimmten Tag, der nicht besonders beliebt ist; der Montag. Den Sonntag über steht der Backofen sttll, er wird kalt, und wer am Montagmorgen anzufangen hat, der braucht viel mehr Holz ols die andern, die nachher an die Reihe kommen. Deshalb hat man für diesen Tag eine besondere Ordnung aufgestellt. Jede Fa­milie muß einmal während einer bestimmten Zeit am Montagmorgen mit dem Backen beginnen, sie muß dasO" (= an - Anfang) haben. Da wird scharf aufgepaßt, daß niemand durchschlüpft. Aber auch die Sache mit demO" regelt sich allgemein ganz von selbst.

Es gibt eigentlich wenig Einrichtungen, die ein so schönes Beispiel von Einordnung därstellen, wie das Backen im Gemeindehaus. Gewiß werden be= rechttgte Wünsche gern erfüllt, wenn niemand da­durch Schaden erleidet. Sollte es aber einmal einer Frau einfallen, die alte Ordnung zu stören, dann kann sie sich auf allerlei gefaßt 'machen.Gemein­nutz geht vor Eigennutz!" heißt es auch hier, oder wie die Landfrauen sagen:Es muß alles feine Ordnung haben!"

Das Schwätzchen aber, das bei Gelegenheit des Losens gehalten wird, gönnen wir den Frauen, denn sie kommen ja nicht so viel unter die Leute, sie besuchen nicht das Wirtshaus usw. In früherer

Großkonzert in -er Volkshalle.

Kasernenbesichtigungen.Elf Feldküchen liefern das Einiopfeffen.-Sportliche Wettkämpfe.

Am heutigen Samstagabend und am morgigen Sonntag bis in die späten Nachmittagsstunden hin­ein steht unsere Stadt im Zeichen des militäri­schen Einsatzes für das Winterhilfs­werk. Den eindrucksvollen Auftakt dazu bildet

das Großkonzert in der Volkshalle

am heutigen Samstagabend von 20 bis 23 Hhr. Die Besucher dieser Veranstaltung werden sich an den hochstehenden Leistungen unserer Militärmusi­ker auf dem Gebiete der klassischen Musik ebenso erfreuen können, wie an den schmissigen Weisen der herrlichen, alten und neuen Armeemärsche oder an den reizenden Melodien aus dem Gebiet der leichten Musik. Die Musikkorps der Infanterie-Re­gimenter 116 und 57 und des Artillerie-Regiments Nr. 45, sowie zwei Spielmannszüge vom Jnf.- Reg. 116, die die Vortragsfolge in drei Teilen un­ter der Leitung der Musikmeister D e i f e n r o t h (J.-R. 57), Linnemann (A.-R. 45) und Wohl­fahrt (J.-R. 116) zu Gehör bringen werden, sehen es als ihre verpflichtende große Aufgabe an, die Besucher des Konzertes für einige Stunden durch gute Musik zu erfreuen. Diejenigen, die bis jetzt noch keine Eintrittskarten besitzen, feien daran erinnert, daß der Eintrittspreis auf den zehn vor­dersten Platzreihen 1 Mark pro Person, auf allen übigen Plätzen 50 Pf. pro Kopf kostet. Da das Konzert mit militärischer Pünktlichkeit beginnen soll, müssen alle Plätze bis 20 Hhr eingenommen sein.

Oie Kasernenbesichtigungen

am Sonntagmorgen von 9 bis 12 Hhr werden allen Volksgenossen von Stadt und Land Gelegen­heit geben, sich gründlich in den Gießener Kasernen umzusehen und dort mancherlei Vorführungen mi­litärischer Art beizuwohnen. Wer sich an die inter­essante gefechtsmäßige Hebung der 8. Batterie un­serer HL Abteilung A.-R. 9 gelegentlich des 2. Ar­tillerietreffens am vorigen Sonntag erinnert, wer auch mancherlei Hebungen unserer Infanterie bei großen Veranstaltungen in den letzten Jahren zurück­denkt, der wird von vornherein die Gewißheit haben, daß ihm die Stunden der militärischen Vor­führungen am morgigen Sonntag in der Berg-, Wald- und Arttlleriekaserne viel Interessantes brin­gen werden. So wird z. B. unser J.-R. 116 mit der 13. und 14. Kompanie auf den Kasernenhöfen der Bergkaserne ein vierspänniges Zugexerzieren zeigen, ferner Vorfühungen eines motorisierten Tak-Zuges mit Abprotzen und Feuern, die 8. (MG.) Kompanie des J.R. 116 wird auf dem Kasernen­hof der W a l d k a f e r n e mit Kleinkaliberschießen die Aufmerksamkeit der Besucher in Anspruch neh­men. Hinzu kommt noch, daß neben den genannten und anderen Vorführungen der Infanterie auch noch kleine Heberraschungen vorgesehen sind, über die natürlich heute noch nichts vorhergesagt werden

Zeit wurde am plätschernden Brunnen, beim Wasser­holen, geplaudert. Heute tut man das beim Losen. Warum auch nicht? H.

Dornotizen.

Tageskalender für Samstag.

20 Hhr Großkonzert der Wehrmacht in der Volks- Halle. Stadttheater: 20 bis 22.15 HhrDie vier Gesellen" (NSGKraft durch Freude"). NSG. Kraft durch Freude", Kurzschriftvereinigung der Deutschen Arbeitsfront: 20 HhrFroher Samstag­abend auf der Karlsruhe. Gloria-Palast, Selters-

Eann. Die III. Abt. Art.-Rgt. 9 wird durch ihre 8. Batterie wiederum auf dem Trieb das Exer­zieren einer bespannten Batterie mit Abprotzen und Feuern zeigen, ferner in der Reitbahn Gele­genheit bieten, dem Hindernis- und Dressurreiten zweier Reitabteilungen beizuwohnen. Zum Besten des WHW. werden die Besucher der Kasernen an den Eingängen 20 Pf. Eintrittsgeld bezahlen, ge­wiß ein sehr bescheidener Betrag im Hinblick auf den guten Zweck der ganzen Hnternehmung und angesichts der Vielseitigkeit und Gediegenheit der Vorführungen. Für diejenigen Besucher, die den Einrichtungen der Kasernen ihre Aufmerksamkeit zuwenden wollen, sind geschlossene Führungen durch die Kasernengebäude vorgesehen; damit ist gute Vorsorge getroffen worden, daß die Besucher in bester Weise über alles Sehens- und Wissenswerte in den Kasernen unterrichtet werden.

Platzkonzerte.

Am Sonntagvormitag von 10.30 bis 11.30 Hhr wird das Musikkorps unseres Jnf.-Rgts. 116 ein Platzkonzert auf dem Kreuzplatz geben. Unter Leitung von Musikmeister Wohlfahrt wird das Musikkorps dort folgende Darbietungen

bringen:

1. a)Ludoviciana", Marsch Kehrmann b) Deutsche Wacht, Marsch Gauß

2. OuvertüreDer Wildschütz" Lortzing

3. Märchenwalzer Löhr

4. Liebesgruß Elgar

5. Marinelieder, Potpourri Prager

6. a) Germania-Marsch Keil

b) Zum Städt'le hinaus, Marsch Meissner

Während der Verpflegungsausgabe (Eintopf- effen) werden von 12 bis 13 Hhr das Mufilkorps des J.-R. 116 in der Bergkaserne, das Mu­sikkorps des A.-R. 45 in der Artillerie-Ka­serne konzertieren. Auch bei diesen Konzertver­anstaltungen werden die Volksgenossen Freude erle­ben können, so daß ihnen der Besuch nur emp­fohlen sei.

Oer gemeinsame Eintopf.

Unsere Gießener Hausfrauen werden am morgi­gen Sonntag einmal wirklich Feiertag genießen können. Die Gießener Soldatenküchen haben es übernommen, für ein gutes Mittagessen in allen Haushaltungen zu sorgen. Die Zeiten und die Aus­gabestellen des Essens aus der Feldküche haben wir in unserer gestrigen Ausgabe veröffentlicht. Die Hausfrauen seien auf diese Mitteilung noch ein­mal hingewiesen mit der Empfehlung, sich die Uhr­zeiten und die Haltepunkte der Feldküchen genau einzuprägen, damit der Betrieb der Essenoersorgung glatt und reibungslos verläuft.

Ader nicht nur zu hause kann man den Schlag" aus der Feldküche verzehren. Die Füh­rung unserer Garnison hat dafür auch die

Kasernen selbst bereitgestettt. Alle Volksgenossen. Ulänner und Frauen, können in der Berg-, in der Wald- und in der Artil­lerie-Kaserne das Einlopfessen einnehmen. Dort wird das Essen von 12 bis 13 Uhr ausgegeben. Die Kasernen-Speiseräume der Unteroffiziere und Mannschaften sind in schöner weise hergerichtet worden, so daß sich die Essengäste in den Ka­sernenräumen sicherlich ebenso wohlfühlen wer­den. wie zu Hause. Löffel und Teller werden von den Truppen gestellt; niemand braucht also dasSchanzzeug" mitzubringen. Militär- musik wird während der Essenszeit noch gute Unterhaltung bieten. Auch in den Kasernen kostet die Portion 55 Pf.; durch die Herrich­tung der Räume und die Bereitstellung der Lhbesl-cke usw. erfolgt also keinerlei Preis­erhöhung. Diese Speisemöglichkeit in der Ka­serne wird namentlich für diejenigen Volksge­nossen von Bedeutung sein, die von 9 bis 12 Uhr den militärischen Vorführungen und der Kasernenbesichtigung beiwohnen und die dann erst den Heimweg zum Mittagessen antreten wollen.

Morgen auf den Waldsportplah!

Morgen also wird für alle, die sich für Sport, insbesondere für Fußball und Handball, interessie­ren, auf dem Waldsportplatz ein großer Tag sein. Es stehen sich wir berichteten bereits ausführlich darüber Mannschaften unseres hiesigen Stand­orts der Wehrmacht und Mannschaften der hiesigen Stadtvereine im Fußball und auch im Handball gegenüber.

Das Handballspiel wird in der Zeit von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr ausgetragen und nach kur­zer Pause beginnt um 15.45 Uhr das Fußball­spiel, das die Aufmerksamkeit der hoffentlich recht zahlreichen Zuschauer bis 17.15 Uhr in Anspruch nehmen wird. Der Ertrag aus Eintrittsgeldern zu dieser Sportveranstaltung fließt, wie die Erträge aller anderen Veranstaltungen der Wehrmacht an diesem Tage, dem Wintechilsswerk zu.

Oie Sammlung der Spenden für das Winterhilfswerk

wird auf höheren Befehl von Volksgenossen aus der Bevölkerung vorgenommen. Während un­sere Soldaten auf den Kasernenhöfen ihre militä­rischen Vorführungen zeigen, oder die Besucher durch die Kasernen führen, oder an den Feldküchen das Essen ausgeben überall werden Volksgenos­sen aus der Bevölkerung mit der Sammelbüchse des Winterhilfswerks zugegen sein, um die Spenden der Besucher bzw. der Essenholer für das Winterhilfs­werk gesondert in Empfang zu nehmen.

weg: 14.15 UhrNanga Parbat"; 16, 18 und 20.30 UhrTogger". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Frauenliebe, Frauenleid". Reichskolonialbund: Zusammenkunft im KolonialheimBurghof". Altersvereinigung 1887/1937: 20.15 Uhr: Uebergabe der Fünfziger-Fahne im Cafe Leib.

Tageskalender für Sonntag.

Wehrmachtsveranstaltungen für das WHW. (Nähe­res in dem Artikel im lokalen Teil.) Opferschie­ßen zugunsten des WHW. von 9.30 Uhr ab an den Schießständen beim Schützenhaus. Stadttheater: 19.30 bis 21.30: Heiterer Tanzabend undDie

schöne Galathee". Gloria-Palast, Seltersweg: 11 UhrNanga Parbat"; 15, 17.30 und 20.30 Uhr Togger". Lichtspielhaus:Frauenliebe, Frauenleid".

27. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.) 20.

Das Mädchen mit dem Silberhaar Roman von Anny von panhnys.

ihretwegen schon mit dir gehabt, auch kein Ver­langen danach, sie kennenzulernen. Es ist einfach gräßlich, was ich durch die Frau für Aufregung mit dir habe! Sei doch vernünftig, Mabel, sonst

Er brach kurz ab, aber auf Mabel machte der unvollendete Satz Eindruck. Sie glaubte, Günther Grevenstein hatte sagen wollen: Sonst nehme ich mir das Leben!

Sie zog seinen Kopf neckend am Barte nieder und küßte ihn.

Ich will dir glauben. Ich habe dich doch lieb!"

Das war keine Redensart. So sehr, wie die nüchterne und etwas oberflächliche Amerikanerin überhaupt zu lieben vermochte, liebte sie den schlan­ken Mann wirklich. Nie hatte ihr ein anderer auch nur annähernd so gut gefallen wie er, und es gab schon eine stattliche Anzahl Männer, die sich um sie. beworben. Er hatte sich gar keine besondere Muhe ihretwegen zu geben brauchen. Sie hatte ihm mehr den Hof gemacht als er ihr.

Die Tür wurde geöffnet, und die beiden fuhren auseinander beim Anblick einer sehr eleganten jungen, aber beinahe häßlichen Dame.

Mabel machte einen Schritt auf die Tür zu, sagte ein wenig scharf:Sie haben nicht angeklopft. Was wünschen Sie von mir?"

Günther Grevenstein war es, als wanke der Boden unter seinen Füßen. Er hatte gerade noch so viel Willenskraft, sich abzuwenden, an das Fenster zu gehen und hinauszufchauen, als die ihm so be­kannte Stimme Tilli Bergschlags antwortete:Ich glaubte, in mein Zimmer einzutreten, und irrte mich, wie ich sehe. Ich wohne erst seit gestern abend hier. Verzeihen Sie, bitte, diesen Irrtum."

Mit einem Neigen des Kopfes verließ sie den Salon.

Sie beachtete jetzt die Zimmernummern besser und trat bei ihrem Vater ein. Heute vormittag war sie schon ein Stündchen im Tuileriengarten herum­gewandert und wollte nun den Vater zu einem ge­meinsamen Ausgang abholen.

Sie war ein wenig erregt, erzählte ihm von ihrem Irrtum, setzte hinzu:Ein Herr war im 3immer, ein großer, dunkelhaariger Herr. Seine Bewegungen erinnerten mich sehr an Günther."

Albert Bergschlag schüttelte den Kopf.

Du bist von der fixen Idee besessen, Günther Grevenstein hier in Paris zu treffen, und wirst nun wahrscheinlich jeden großen dunkelhaarigen Herrn für ihn halten."

.Sie lächelte traurig:Ach, Vater, ich meine ja mcht, der eben erwähnte Herr konnte Günther fein. Ich sprach nur von einer gewissen Ähnlichkeit. Der Herr eben hatte einen Spitzbart."

iRa, den kann man sich steuerfrei stehen lassen", gab Albert Bergschlag zurück.Aber du sollst nicht aus den Aehnlichkeitsfang ausgehen. Hnd jetzt komm, l Madelchen, jetzt wollen wir Paris genießen."

Am Morgen hatte sich der Graf sofort nach dem Ergehen Grevensteins erkundigt und die Antwort erhalten:Ich fühle mich wieder ganz wohl, Papa. Aber, wenn du mir einen Gefallen tun willst, bringe mich nicht mit dem deutschen Ehepaar zu­sammen. Ich stelle mir die zwei sehr langweilig vor, und sie interessieren mich nicht."

Der Graf hatte kurz aufgelacht.

Wenn du die blonde Frau kennenlerntest, wür­dest du dich vielleicht bis über die Ohren in sie verlieben."

Günther zog die Brauen hoch.

Möglich! Aber um das zu verhüten, ist's besser, ich meide die Bekanntschaft der Herrschaften Radix."

Dann hatte Mabel angeklingelt, sich auch nach seinem Befinden erkundigt, und als er ihr geant­wortet, es ginge ihm viel besser, energisch verlangt, er solle sie im Hotel abholen. Sie wolle in einen Modesalon, und er müsse ihr bei der Auswahl helfen. Er überlegte, und weil ihm das Zuhaust- bleiben langweilig schien, gab er zurück:Also gut, wach dich fertig! Punkt zehn Hhr wartet mein Wagen links vom Hoteleingang. Ich komme nicht erst zu dir hinauf."

Sie war einverstanden, aber als es zehn Hhr schlug und das rote Auto links vom Hoteleingang hielt, näherte sich eine Zofe dem Wagen und be­stellte Günther durch ein Billett nach oben.

Auf dem Kärtchen stand:Ich erwarte dich, Francois. Brauchst keine Angst vor einer Begeg­nung zu haben. Die beiden Radix sind heute mor­gen schon nach Fontainebleau gefahren; sie erzähl­ten mir gestern abend von ihrer Absicht."

Er erschrak. Was sollte der dumme Satz bedeu­ten? Sah Mabel fortgesetzt Gespenster? Glaubte sie immer noch, er wäre gestern abend wegen der blonden Frau so plötzlich verschwunden?

Er verließ ärgerlich das Auto; aber wenn die Deutsche mit ihrem Mann nach Fontainebleau ge­fahren war, bestand wenigstens zunächst keine Ge­fahr eines Zusammentreffens. Hnd in wenigen Tagen reiften sie ja nach Deutschland zurück, hatte ihm der Graf erzählt. Dem Himmel sei Dank! Wäre es nur erst soweit, damit er den Alpdruck los würde, der ihn in Gestalt einer schönen jungen Frau und eines unterschlagenen Diadems be­drängte! Erst, wenn das Ehepaar aus dem Weich­bild von Paris verschwunden sein würde, konnte er aufatmen.

Er trat lächelnd bei Mabel ein. Sie wies auf einen Sessel.

Ich mochte wissen, was Frau Radix in deinem Leben bedeutet hat, Francois. Du hast gestern abend eine Lüge zu mir gesagt. Du kennst die Frau von früher, und ich will die Wahrheit Horen. Der Graf hat ihr ein Bild von dir gezeigt, und sie hat es lassen fallen vor Schreck. Sie hat dich auf diesem Bild erkannt, und ich mache dir keine Vorwürfe, nur ich muß wissen, was zwischen ihr und dir ge­wesen ist." Sie drohte:Sonst mache ich keine öffentliche Verlobung mit dir."

Günther Grevenstein dachte, es wäre ja nicht schlimm, von dem harmlosen Maskenbällchen in dem kleinen Nest zu erzählen; aber er hatte gestern abend nichts zugegeben, also durste er es auch jetzt nicht tun.

Er machte ein gelangweiltes Gesicht.

Mochtest du nicht endlich mit diesem Unfinn auf» hören, liebste Mabel? Ich kenne Frau Radix nicht, und wenn sie ein Bild von mir fallen ließ, ist das doch nichts Besonderes. Ist dir noch nie etwas aus der Hand gefallen?"

Er fand es sehr überflüssig, daß der Graf feine Photographie gezeigt hatte, aber beinahe so etwas wie Stolz mischte sich in seinen Aerger, weil der blonden Frau das Bild entfallen war. Sie dachte also nicht ganz gleichgültig an ihn!

Er überlegte, daß sie bestimmt nicht ahnen konnte daß er das Diadem gefunden, und er war töricht gewesen, ihr aus dem Weg zu gehen. Sie würde sich vor ihrem Manne sicher zusammengenommen haben.

Reizvoll müßte es gewesen sein, ihre Hand noch einmal in der seinen zu spüren und ihr ein paar Worte zuzuflüstern als leises Erinnern an eine selige Stunde!

Mabel erwiderte auf seine Entgegnung:Natür­lich habe ich schon etwas aus der Hand fallen las­sen, aber deine Frage ist lächerlich und paßt gar nicht hierher. Ich beobachtete gestern, wie Frau Radix beim Anblick von deiner Photographie ganz blaß wurde. Hnd ich bleibe dabei, es spielte ein­mal etwas zwischen ihr und dir. Sage es mir, dann ijt alles gut; erfahre ich es später, werde ich dich hassen."

.Sie schnurrte ihm das im allerschnellsten Fran- Sostsch entgegen, machte in der Hast ein paar kleine Fehler mehr als sonst.

Er lächelte weiter, aber Mabels Starrsinn, der ihm nicht glaubte, ärgerte ihn maßlos.

Am liebsten wäre er fortgegangen, aber ihr Reich­tum hielt ihn wie mit Eisenketten.

Er legte ihr die Hände auf die Schultern und zog sie an sich ...

Mabel du geliebte Mabel, quäle mich doch nicht so sehr! Soll ich mir denn etwas ausdenken und dich anlugen? Ich kenne doch die Frau gar nicht ' und spure nach den Hnannehmlichkeiten, die ich

Sie nickte flüchtig. Sie hatte ja gar keine Wünsche hier, außer dem einen, der sie hergeführt: Das Verlangen, Günther Grevenstein in Paris zu begegnen und ihm ihre Verachtung ins Gesicht zu schreien. Ihr Vater hatte recht, der Gedanke, Günther befände sich in Paris, war bei ihr zur fixen Idee geworden.

Heute im Tuileriengarten hatte sie mehrmals diesen ober jenen großen Herrn fragend angesehen und dann immer wieder festgestellt, daß es Fremde waren, die vordem noch niemals ihren Weg ge­kreuzt.

Sie verließ mit dem Vater das Hotel. Unten vor dem Eingang hielt ein elegantes dunkelrotes Auto; sie sahen, wie ein großer schlanker Herr einer seingliedrigen Dame beim Einsteigen behilf­lich war.

Tilli Bergschlag war stehengeblieben. Du lieber Himmel, war sie schon so von ihrer fixen Idee besessen, daß sie Dinge erblickte, die gar nicht vor­handen waren? Ihr schien es, dieser Herr mit dem dunklen Spitzbart, den sie vorhin in dem irrtümlich betretenen Zimmer gesehen, machte mit der be­handschuhten Linken dieselben typischen Bewegun­gen, die sie noch genau von Günther Grevenstein her kannte.

Ihr Vater mahnte:Aber, liebes Kind, was soll denn daraus werden, wenn du dich schon heute, am ersten Tag unseres hiesigen Aufenthaltes, mit Gespenstern herumschlägst! Ich gebe zu, der Herr hat eine gemisst Ähnlichkeit mit Grevenstein, die dich stutzig machte." '

. ®as Auio fuhr schon davon. Ein Hotelpage stand m der Nahe. '

Jilli winkte ihm, ließ ein paar Münzen in seine ftedjte gleiten und fragte:Wissen Sie, wer der Herr mit dem dunklen Spitzbart ist?"

Atelpage nickte:Er soll Graf Rethel hei- faj!' er jei verlobt mit Miß Jonson, oer reichen Amerikanerin, die bei uns wohnt." tote dankte dem Jungen und folgte ihrem Vater wiederholte ihm die Auskunft. '

Er sah sie vorwurfsvoll an.

will'Grevenstein jetzt sein, wo er den Schwindler! Er ist weder wert hrinp« in6 lebt gehaßt zu werden. Freue dich Abens und guck' fröhlich in die

Krankheit muß dir das Leben doch doppelt schon erscheinen."

Tilli bemerkte den besorgten Blick des Vaters. nünftia0^?^^; merbe «>ch wieder ver- nunftig^ Aber, bitte, laß mir dazu ein wenig Zeit."

Sie beftiegen eine Taxe und unternahmen eine durch Pari-, sahen do"Ä und hM.r 8 Straßen fuhren an Palästen und Elends- der und ließen da- Leben und Treiben

kchrtkn s!°1n-°^°N S- 3Ut

tFortsetzung folgt!)