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Mr noch eine halbe Million Arbeitslose

Die Wirtschaft weiter aufnahmefähig. Nie vorhandenen Kräfte zum großen Teil nicht mehr voll einsatzfähig.

Oie Durchführung des Crntevanktages.

Hameln, 11. 2lug. (DNB.) Am Mittwochvormit­tag trat im Landratsamt zu Hameln die Organi- sationslei t u ng des Erntedanktages zu ihrer ersten Arbeitstagung unter Vorsitz von Ministerialrat (Butterer zusammen. An Der Ta­gung nahmen neben Vertretern zahlreicher Partei- und Behördenstellen auch sämtliche Landes­stellenleiter des Reichspropagandaministeriums teil, um dort an Ort und Stelle die umfassenden Dorbereitungsarbeiten zu dem großen Staatsakt des deutschen Volkes am Erntedanktag kennenzulernen. Ministerialrat G u 11 e r e r erörterte in großen Zü­gen den geplanten Ablauf der verschiedenen Ver­anstaltungen. Im Mittelpunkt steht wie in früheren Jahren hie große Rede des Führers, und ebenso wird die Wehrmacht sich in größtem Stile unter Einsatz aller Teile des Heeres, der Luft­waffe und der Marine an der Großkundgebung be­teiligen. Abends wird der Führer die Bauern- und Landarbeiterabordnungen in der Kaiserpfalz zu Goslar empfangen, während am Vortage Reichspropagandaminister Dr. Goebbels die Bauern und Landarbeiter in Hannover begrüßt. Anschließend an die Tagung im Landratsamt be­gaben sich die Teilnehmer nachdemBückeberg, wo sie sich von der tiefgreifenden Umgestaltung des Aufmarschgeländes persönlich über­zeugen konnten. Die Tagung wurde am Nachmittag in Hannover fortgesetzt. Besonders ein­gehend wurde mit den zuständigen Stellen der Reichsbahn die Frage der Sonderzüge erörtert. Man rechnet schon heute mit ungefähr 2 0 0 Son­derzügen der Partei, des Reichsnährstandes und der NSG. KdF. Am Donnerstag findet die Tagung ihren Abschluß in Goslar, wo die Vorbereitun­gen zu dem großen Empfang in der Kaiserpfalz im einzelnen durchgesprochen werden.

DesichiigungSreise des Reichsinnen- ministers nach Güddeuischland.

Berlin, 11. Aug. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick wird am 14. und 15 August an den Veranstaltungen . zur Feier des 20jährigen Bestehens des Deut­schen Auslandsinstituts in Stuttgart und Schwäbisch-Hall teilnehmen und an beiden Orten zu den Ausländsdeutschen und Volksgenossen spre­chen. Im Anschluß wird Reichsminister Dr. Frick in Begleitung des Staatssekretärs Pfundtner und mehrerer Abteilungsleiter und Referenten fei­nes Ministeriums am 16. und 17. August eine Be­sichtigung Der Einrichtungen der Staats- und Ge­meindeverwaltung in Württemberg und Baden vornehmen und zu diesem Zweck außer den Landeshauptstädten auch eine Reihe von Ge­meinden und Landkreisen besuchen. Dabei wird der Minister Gelegenheit nehmen, mit den Reichsstatt­haltern und Innenministern der beiden Länder d i e schwebenden Fragen der Staats- und Gemeindeverwaltung zu erörtern. Den Abschluß der Reise des Ministers wird ein Besuch in Sigmaringen bilden.

Bestlose Auswertung der Abfaltstoffe.

Berlin, 11. Aug. (DNB.) Die Erfassung und Verwertung der Alt- und Abfallstoffe aus dem Müll wird jetzt besonders geregelt. Eine Anord­nung des Beauftragten für den Dierjahresplan verpflichtet alle deutschen Gemeinden mit mehr als 3 5 0 0 0 Einwohnern, dafür zu sorgen, daß fortlaufend und dauernd eine rest - lose Aussortierung ihres Mülls zur Er­fassung aller darin enthaltenen Alt- und Abfallstoffe, soweit sie noch verwertbar sind, erfolgt. Mit dieser verstärkten Durchführung der Müllaussortierung werden die Maßnahmen auf dem Gebiete der Sammlung von Altmaterial in den Haushal­tungen keineswegs hinfällig. Das Schwergewicht der Altstofferfassung liegt nach wie vor bei der Haushaltssammlung. Die Müllaussortierung wirkt nur ergänzend, um auch diejenigen Materialien der Wiederverwendung zuzuführen, die für die Haus­haltssammlung weniger geeignet sind.

Lebensmittelindustrie als Käufer des Bauern.

Die deutsche Lebensmittelindustrie ist als Käu­fer von Nahrungsmitteln einer der wesentlichsten Abnehmer Der Deutschen LanDwirtschaft. Allein im letzten Wirtschaftsjahr betrug Der Wert Der lanD- wirtschaftlichen Erzeugnisse, Die Die Lebensrnittel- inDuftrie verarbeitet hat, 1,8 MilliarDen Mark, bei einem gesamten GroßhanDelswert Der von Der LanDwirtschaft gewonnenen Erzeugnisse von 9,7 MilliarDen Mark. Die größten Abnehmer in Der Lebensmittelindustrie sinD Die Getreidemüh- l e n. Der Wert Der Rohstoffe, Den Die Getreide­mühlen von Der LanDwirtschaft bezogen haben, be­lief sich auf 800 Millionen Mark. Es folgen Dann Die FleischwareninDustrie mit 300 Millio­nen Mark, Die B r o t i n D u st r i e mit 195 Mil­lionen Mark unD Die Süßwarenindustrie mit 130 Millionen Mark. Die Milchindustrie ist mit 66 Millionen Mark am Absatz beteiligt. An letzter Stelle stehen Die Mineralwasser- i n D u ft r ue mit 2 Millionen Mark, Die W e r - mutmeininDuftrie mit 2 Millionen Mark unD Die EssenzinDustrie mit 1,5 Millionen Mark.

DaöBeichsmieteu- u. Mieterschutzqesetz.

V.A. Das Reichsmietengesetz vom 24. März 1922 regelt Die Höhe Der Mieten. Das Mieterschutzgesetz vom 1. Juni 1923 will Den Mieter vor einer unbe­rechtigten KünDigung schützen. Nachdem beide Ge­setze durch Die DerorDnung vom 22. April 1936 neu gefaßt rourDen, sinD nun auch Die Bestimmungen Der bekannten VerorDnung des Preiskommissars zu be­achten. Soweit Wohnungen Dem Reichsmietengesetz unterliegen, bleibt Diese Regelung grunDsätzlich un­berührt. Aber es Darf keine höhere als Die gesetzliche Miete neu vereinbart werben. War am 18. Oktober 1936, Dem Stichtag Der PreisverorDnung, eine- Here Miete vereinbart, so Darf sie weiterhin geforDert oerDen. Bei allen anDeren Räumen jeDoch müssen auch neue Mietverträge den Mietzins als obere Grenze beibehalten. Der an Diesem Tage galt. Nur ausnahmsweise sinD Erhöhungen zulässig, z. B. Dann, wenn Der Benutzungswert sich wesentlich änDert oder Der Mietwert Der Räume Durch sonstige Veränderun- gen gestiegen ist. Auch Die nachweisliche Erhöhung Der Lasten kann zu einer Mietsteigerung führen. Bei MeinungsverschieDenheiten haben Die Preis­bildungsstellen über Einzelanträge auf Erhöhung Der Miete zu entfcheiDen. Zum Beispiel können Mietsteigerungen Dann berechtigt fein, wenn eine Sammelheizung ober eine elektrische Lichtanlage ein­gebaut würbe, so baß kein Zweifel über eine Stei­gerung bes Mietwertes besteht.

Berlin, 11. Aug. (DNB.) Die Zahl Der Ar­beitslosen ist im Juli roieber um 86000 zurückgegangen unb beträgt nur noch 563 000. Die Wirtschaft ist trotz bes anhaltenben Rückganges Der Arbeitslosigkeit noch immer aufnahme­fähig. Die geringe Zahl Der noch vorhandenen Arbeitslosen erschwert Den Arbeitseinsatz: Teils sinD Die vorhanDenen Kräfte überhaupt nicht mehr voll einsatzfähig, teils gehören sie anDeren Berufen an als Denjenigen, Die drin- genDen KräftebeDarf haben. Der überroiegenDe Teil Der noch vorhanDenen volleinsatzfähigen Arbeits­losen sitzt überDies in einigen von Den Bedarfsge- bieten entfernten JnDustriegebieten unD Großstäd- ten. Der Arbeitseinsatz kann Darum, abgesehen von Der normalen Entwicklung, nur noch in Den selten­sten Fällen Zug um Zug, Das heißt aus Der ört­lich vorhanDenen Reserve beruflich geeigneter Ar­beitsloser unmittelbar erfolgen. Die Aufnahme f r e m D b e r u f I i d) e r Arbeit ist für Den noch vorhanDenen Rest an Arbeitslosen zum befonDeren Kennzeichen Der gegenwärtigen Lage geworden. Die Dringlichkeit Des BeDarfs wirD dadurch gekennzeich­net, Daß es gelingt, auch beruflich nicht voll ein­satzfähige ober überhaupt nicht mehr voll einsatz­fähige Arbeitskräfte in fteigenber Zahl in Arbeit zu bringen. Durch ben Rückgriff auf bie Arbeits­losen in ben noch stärker belasteten Jndustriebezir- ken entfiel über bie Hälfte Des Rückganges, nämlich I

Paris, 12. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Jour" beschäftigt sich mit Der Frage, wie weit Die Kohl en Versorgung im tommenDen Winter gesichert sei. Nach der Einführung Der 28-Stunden- arbeitswoche in Den Kohlenbergwerken habe Der BergwerksverbanD Der Regierung sagen lassen, Daß er Den BeDürsnissen Des Landes nicht entsprechen könne. Nach langen VerhanDlungen sei es Dem Staatssekretär für Bergwerke gelungen, für Die Monate September unb Oktober zwei z u - ätzliche Arbeitstage einzufügen. Es fei je­doch zu befürchten, daß diese Maßnahme nicht ge­nüge. Die Kohlenerzeugung in Frankreich befinde ich im Rückgang. Die Durchschnittsleistung je Tag und Arbeiter habe im Vergleich zum Vorjahre um 90 Kilo abgenommen. Im Departement Pas-de-Calais um etwa 150 Kilo. Die Folgen feien eine außerordentliche Steigerung der Koh­le ne in fuhr. Allein auf diesem Posten t)abe die ranzösische Handelsbilanz einen Fehlbetrag von einer Milliarde Franken zu ver­zeichnen. Die französischen Kohlenbergwerke machten den Versuch, bie Lage durch M e h r e i n st el l u n - gen zu verbessern. Die Arbeiterzahl sei in Der

Paris, 11. Aug. (DNB.) DerJour" berichtet aus Barcelona, daß am Dienstag auf den b ol- ch e w i ft if ch e n Oberhäuptling Compa­ny s in Barcelona ein Anschlag verübt wor­ben sei. Companys sei mit einem leichten Streif- chuß bavongekommen. Dagegen habe einPolizist" chwere Verletzungen erlitten. Aus Valencia, Barce­lona unb Mabrib verlaute gleichzeitig, baß bie ge­heimnisvolle Zusammenkunft zwischen Negrin, Prieto unb Companys nicht z u ben erwar­teten Ergebnissen geführt habe. Negrin habe Companys heftige Vorwürfe wegen ber Nie­derlage an der Aragonfront gemacht, worauf Com­panys erwidert habe, daß Katalonienfrei und unabhängig" fei und Valencia gegenüber keine Rechenschaft geben brauche.

DasJournal" berichtet, daß in Katalonien das Durcheinander mehr und mehr zunehme und die Kontrolle" Valencias sich kaum noch bemerkbar mache. Selbst bie auslänbifchen Journa­listen begännen unter bieReinigungsaktion" zu fallen, bie von ben Sowjets in Barcelona eingeleitet worben fei. Sechs von ihnen befänben sich weg en Spionage ober Hochverrates im G e - f ä n g n i s , so ber Korresponbent besNews Chro- nicle" unb desManchester Guardian", ferner ein Vertreter belgischer Zeitungen und der Vertreter des Genfer Pressedienstes. Bereits vor einigen Monaten sei der Korrespondent des StockholmerSocialdemo- craten" verschwunden und bald Darauf Dessen FreunD, Der Nachforschungen eingeleitet hatte.

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5n Albacete haben in der Nacht zum Mitt­woch neue schwere Zusammen st öße zwischen

Oas Regime des Faschismus.

Soziale Gerechtigkeit führt zurBerfchmelzung von Volk undStaat.

Catania, 11. Aug. (DNB.) Nach Der Ein­weihung unD Besichtigung verschieDener Verwal- tungsgebäuDe hielt Mussolini vor Der Bevöl­kerung von Catania um Umgebung eine An­sprache, Die von stürmischen Kundgebungen unter­brochen mürbe. Sizilien hat schon vor Jahren be­wiesen, so sagte Mussolini, baß es im Grunde ge­nommen schon immer ganz fafchistisch dachte. Als reine Mittelmeerrasse haben die Einwohner Si­ziliens die aus dem Osten kommenden aufrühreri­schen Theorien als aeschichtswidrig und gegen den Aufbau ber Menschheit gerichtet abgelehnt. Sie wollten von biesem ungefunben Hirngespinst nichts wissen, ba sie Die großen Grundsätze, auf Denen sich Das Leben Des Volkes aufbauen muß, feit Den fernsten JahrhunDerten in sich tragen.

Unter Hinweis auf Die Einweihung Der Kasernen Der Jungfafchisten unD auf Den Beginn Der Bau­arbeiten für Den Justizpalast betonte Mussolini, Daß einer Der Hauptpunkte Der faschistischen Lehre Die

44 000 von insgesamt 86 000, auf Die Drei Landes­arbeitsamtsbezirke Sachsen, Rheinland und Schlesien. Am vordringlichsten war im Monat Juli Der Arbeitseinsatz in Der LanDwirt­schaft. Auch bei Den JnDustrien, Die vornehmlich im Dienste Der Aufbauarbeit Des Vierjah - resplanes stehen, hält Der starke BeDarf an Ar­beitskräften an.

Die Gesamtzahl Der Unterstützungsempfänger ging im Juli um 59 000 zurück; Die Zahl Der von Der Reichsanstalt Unterstützten sank um 49 000 auf 303 000, Die Der anerkannten Wohlfahrtserwerbs­losen um 10 000 auf 64 000. Die Zahl Der n i ch t- unterstützten Arbeitslosen betrug Enbe Juli 196 000; sie ist gegenüber bem gleichen Zeit­punkt bes Vorjahres (322 000) zwar erheblich zurück- gegangen, jeboch ist ber Anteil ber nichtunterstützten Arbeitslosen bauernb gestiegen, er beträgt jetzt 34,8 v. H. aller Arbeitslosen. Es hanbelt sich hierbei in erster Linie um bie Arbeitslosen, bie bereits währenb bes Laufes ihrer Wartezeit, also vor Einsetzen bes Unterstützungsbezuges wie­der vermittelt werden können. Die anteil­mäßige Zunahme ist ein Beweis Dafür, Daß Die sogenannte unechte Arbeitslosigkeit, also Der Per­sonenkreis Derjenigen, Die einen kurzfristigen Arbeitsplatz wechseln, einen immer be- DeutenDeren Anteil an Der Gesamtzahl Der Arbeits­losen ausmacht.

Zeit von Mai 1936 bis Mai 1937 um fast 14 000 auf 236600 erhöht worDen; trotzDem habe Die Erzeugung abgenommen, während sie in Belgien, Deutschland und Polen stieg. Diese Ab­nahme wirkte sich im Zusammenhang mit der Ab­wertung des Franken natürlich auf den Kohlen­preis ungünstig aus. Gegenüber 1936 seien die Kohlenpreise um 50 bis 55 v. H. gestiegen. Letzten Endes sei also Der Verbraucher dazu verurteilt. Den Fehlbetrag zu decken.

Wiederaufnahme

des Krastdroschkenverkehrs in Paris.

Paris, 12. August. (DNB. Funkspruch.) Die Verhandlungen beim Arbeitsminister um eine Schlichtung des Streiks im Kraft­droschke ngewerbe haben zu einer Eini­gung geführt. Der Kraftdroschkenverkehr wird heute in normaler Weise wieder ausgenom­men. Die Einigungsformel sieht die Erhöhung des Grundgehaltes der Fahrer um 25 v. H. vor.

Anarchisten, Kommunisten und Mitgliedern der Internationalen Brigade" stattgefunden. Nach einem heftigen Straßengefecht besetzten die Anarchisten das Telephongebäude, brachten Ma­schinengewehre in Stellung unb eröffneten ein leb­haftes Feuer auf ihre Widersacher. Der Bolsche- wisten-Oberst" M a n g a b a würbe zumMilitär­gouverneur" von Albacete gemacht. Als erste Maß­nahme verhängte er ber. Kriegszustand über Albacete unb verfügte, bie wichtigsten Punkte ber Stadt, vor allem die öffentlichen Gebäude und den Bahnhof, zu besetzen. Nach neuen blutigen Gefech­ten wurden Die Anarchisten aus dem Telephon- gebäuDe vertrieben.

Ztalien protestiert beim Tlichteinmischungsausschuß.

Rom. 11. Aug. <DRB.) Der italienische Ge- schäftsträger in London hat im Foreign Office zu Händen Des Präsidenten Des Nichteinmischungsaus­schusses einen Protest seiner Regierung wegen Des Luftangriffes auf Den italienischen DampferM o n g i o i a" Durch sowjetspanische Flugzeuge übergeben. In Dem Protest wird hervor­gehoben, daß auf dem Dampfer ein holländi­scher Beobachter mitfuhr und daß Der Damp­fer nicht nur Die italienische Flagge, son­dern auch die Flagge des Nichtein- mischungsausschusses aehißt hatte. Der Angriff, Der Dem italienischen Kapitän berMon- gioia" bas Leben kostete, sei also nicht nur gegen Italien, sonbern auch gegen Den Nichteinmischungs­ausschuß gerichtet gewesen.

immer gründlichere Vorbereitung des ita­lienischen Volkes für sein militäri­sches Dasein sei. Wolle ein Volk nicht seine eigenen Waffen tragen, so werde es sicher einmal gezwungen. Die Waffen anderer zu tragen. Die Ge­schichte beweise, daß Die Völker, Die keinen militä­rischen Geist haben, am Scheideweg Elend oder Knechtschaft nicht vorbeikommen. Bei Der (Berechtig- feit denke das faschistische Regime vor allem auch an die s o z i a 1 e Gerechtigkeit. Sie müsse das italienische Volk auf eine immer höhere Kul­turstufe bringen und zu einer immer engeren Verschmelzung von Volk und Staat führen. Letzterer sei der einzige Vertreter der In­teressen des Volkes von Generation zu Generation. Autorität, Ordnung und Gerechttgkeit seien die Drei (BrunDpfeiler Des faschistischen Regimes. Mussolini schloß mt Dem Hinweis auf Die neue geschichtliche 2lera Des italienischen Imperiums, Dessen erster Pionier Der Sizilianer Crispi gewesen fei, und versicherte unter brausendem Jubel Der Menge, daß iöi3ilien Die vom Faschismus geübte Gerechtigkeit verdiene unb erfahren werbe, wobei bie faschistische Regierung unb auf bie militärische Tüchtigkeit unb Hingabe des sizilianischen Volkes zähle.

SiereriMff im Achen Orient

Don unterem H H.A.-Berichierstatter.

Nachdruck verboten.

Teheran, Juli 1937.

Im Schloßpark bes G o l e st a n - P a l a st e s zu Teheran herrscht bewegtes Treiben. An ehrwürbig alten Bäumen längs kunstvoll verschnittenen Hecken unb mit bem Geschmack eines Perserteppich bepflanz­ten Beetes schaukeln Hunberte von bunten Wind- lichtern. Sie tanzen leise an ihren bünnen Drähten zu bem Rhythmus, ben bie sanfte Abenbbrise auf­spielt, beren milbe Kühle bie Glut des versunkenen Tages aus bem Bewußtsein weckt. Das Flackern ber Lampions wirb burch ben Spiegel eines mit blauen Kacheln ausgelegten Wasserbeckens verboppelt, bas groß ist wie ein Dorfteich. Dieser Wasserspiegel wirft auf seiner leise zitternben Oberfläche ein wenig ins Phantastische verzerrt Das an sich schon Durch un­aufdringliches Scheinwerferlicht märchenhaft ver­klärte Bild Des völlig mit bunten Kacheln inkrustier­ten historischen Prachtbaues zurück. Den man Gole- stan. Den Rosengarten, nennt.

In Den Sälen Des Schloßinnern bricht sich Die Leuchtkraft Der Glühbirnen millionenfach im eblen Schliff Des Bergkristalls Der Lüster unD wirD wie- Der gesammelt im Feuer der HunDerte von Edel­steinen, die Den weltberühmten Pfauenthron schmücken, Der SmaragDen, Diamanten unD Rubinen, Die wie ein Symbol Der Natur Die grünweißroten Farben Irans zeigen. Nichtnur im Park, auch in Den Prunkräumen Des Schlosses, selbst im Thronsaal, in Dem sich Der von NaDir - Schah, demWelt­eroberer", als Kriegsbeute heimgebrachte Thron Der inDischen Moguln befindet unD wo auch heute noch Der König Der Könige, Der Schah-in-Schah von Iran, Der sonst in einem moDernen Palast refiDiert, Die feierlichen Audienzen abhält, bewegen sich frohe Menschen, Damen in knisternDer Seide, Herren im Frack. Man glaubte sich in ein Fest aus Tausendund- einenacht versetzt, wenn nicht Der Flor Der feinglieD» rig-edlen Iranerinnen anstatt hinter Schleier und Haremgittern vom Genuß Der FestesfreuDe ausge­schlossen zu sein sich in rauschenDen AbenDroben auf twm Tanzparkett wiegen würbe wie auf ben Staatsbällen europäischer Metropolen, wenn nicht Die Jazzband Den Ton Dazu angeben würbe anstatt bes orientalischen Tamburins.

Dennoch ist etwas echt orientalisch an diesem Fest, nämlich bie sprichwörtliche iranische Gastfreunbschaft, mit ber ber Ministerprä- fibent bes iranischen Reiches seine mehr als tau- enb Gäste, an ihrer Spitze bie brei Außenminister ber Türkei, Iraks unb Afghani st ans empfängt unb bewirtet. Aber es ist nicht nur ber übliche Empfang zu Ehren hoher Staatsgäste. Die frohe Stimmung hat einen tieferen (Brunb: Man eiert bie vor wenigen Stunben glücklich erfolgte Unterzeichnung bes Paktes von Saa- b a b a b. In Saababab, ber Sommerrefibenz Des Schahs von Iran fetzten bie Leiter ber Außenpoli­tik ber vier unabhängigen Staaten Vorberafiens ihre Unterschrift unter ein feierliches Schriftstück, bas in ber Diplomatensprache Nichtangriffs- unb Konsultativpakt genannt wirb. Jebe Signatarmacht verpflichtet sich barin zur Aufrechterhaltung Des Friedens, zur Bereinigung etwa untereinanDer ent- tehenDer Streitigkeiten in versöhnlichem Geiste und gemeinschaftlichem GeDankenaustausch über all jene weltpolitischen Fragen, welche Die frieDliche Entwick­lung Der Völker Des Nahen Ostens berühren könnten.

Der GeDanke, Die vorDerasiatischen LänDer, Die nach Dem Weltkriege untereinanDer schon in zwei- eitigen Verträgen freunDschaftliche oDer zuminDest höfliche Verbindungen hergestellt hatten, im Dienste friedlicher Entwicklung auf der gemeinsamen Platt­form eines Diererpaktes zu vereinigen, reicht in den Sommer des Jahres 1934 zurück, in Dem Der iranische Herrscher Der benachbarten Türkei einen Staatsbesuch abstattete. Auf Dieser ersten und einzigen AuslanDsreise Riza Schah Pahlevis in Den westlichsten unD infolgeDessen fortgeschritten- ten Nationalstaat Des oorDeren Orients haben wohl der iranische Souverain und der türkische Staats­präsident Atatürk die erste Skizze des heute voll­endeten Ostpaktes entworfen. Am 2. Oktober 1935 hatte dieser Gedanke bereits so feste Gestalt angenommen, daß auf Anregung Des iranischen Außenministers in Genf zwischen Iran, Türkei und Irak ein Vorvertrag paraphiert roerDen konnte, in dem Die gemeinsame Marschroute festgelegt war. Nur einen Monat später erklärte auch Afghanistan Das prinzipielle EinverstänDnis mit seiner Be­teiligung.

Don Diesem Vorvertrag bis zur enDgültigen Un­terzeichnung war jeDoch noch ein mühseliges Weg- tück zu bewältigen. Es Darf nicht übersehen wer- )en. Daß Die vier Länder, Die zwar nun von ehr­lichem VerstänDigungswillen beseelt waren, sich lange Zeit alles andere als friedlich gegenüberftan» Den, ja teilweise Durch JahrhunDerte miteinanDer oerfeinDet waren, weil beispielsweise religiöse Mei­nungsverschieDenheiten zwischen Der sunitischen Türkei unD bem sich zur schiitischen Sekte bes Islam befennenben Iran, ober aus früheren Kriegen un­geregelt gebliebene Gebietsansprüche an ben ver- ch jeden en Grenzen ein gutes Einvernehmen nicht zuließen. Sollte der Plan eines Vertrages, in dem ich alle Staaten zu einer gemeinsamen Außen­politik zwecks Erhaltung ewigen Friedens verpflich­ten, seine Verwirklichung finden, so war eine Ge­neralbereinigung der untereinander noch offen ge­bliebenen Streitfragen, besonders hinsichtlich der gegenseitigen Gebietsansprüche, eine unerläßliche Voraussetzung. Als man dies erkannt hatte, ging man mit einer Energie und Zähigkeit, bie nach vor wenigen Jahrzehnten im Orient unbekannt waren, an bie Bewältigung jener Probleme. Da es eines ber hohen Ziele bes Vertrages war, ohne Bevor­mundung der Großmächte, die der Orient gerade als unerträglich abgeschüttelt hatte, sich unterein­ander zu verständigen, so wurde der Weg direkter Verhandlungen eingeschlagen. Sie führten zuerst zu einem mit einem Gebietsaustausch verbundenen türkisch-iranischen Ausgleich, ber in diesem Frühjahr burch ben Abschluß eines um- fassenben, alle nur irgenb benfbaren Beziehungen zwischen ben beiben Völkern regelnden Vertrags­wertes seine Krönung erfuhr. Zwecks Beilegung iranisch-afghanischer Meinungsverschiedenheiten "über Fragen Der Grenzziehung gelang eine VerstänDigung unter Hinzuziehung türkischer Schlichter, Denen be- zeichnenDerweise, Da man möglichst leise und mit gutem Willen unter sich einig roeroen wollte, gegen­über einer internationalen Kommission der Vorzug gegeben wurde.

Der wunde Punkt des ganzen Entwurfs war das unbefriedigende Verhältnis Irans zu feinem süd­westlichen irakischenNachbarn. Noch aus Der 3eit, in Der Mesopotamien zum osmanischen Kai­serreich gehörte, Datierten Grenzstreitigkeiten mit Dem Iran und ernsthafte Meinungsverschiedenheiten über die Hoheitsrechte an der Mündung des Schatt-

Folgen -es Volksfrontexperiments auf dem französischen Kohlenmarkt.

Starker Rückgang der Erzeugung und Preissteigerungen um 50 Prozent.

Machtkämpfe im spanischen Bolschewistenlager.

Anschlag auf Companys. Katalonien gegen eine Kontrolle Valencias.