Ausgabe 
11.12.1937
 
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Nr. 289 Erstes Blatt

Samstag, Il-Vezember 1937

187. Jahrgang

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Nanking.

Die fapanischen Truppen haben nach der Erobe­rung Schanghais, der bedeutendsten Hafen- und Handelsstadt Chinas, die den Warenaustausch zwischen dem Inneren des Reichs, den Küstenpro­vinzen und dem Ausland vermittelt und dazu durch seine Lage am Mündungsdelta des Jangtsekiang, der bedeutendsten Verkehrsader Chinas, geradezu prädestiniert ist, ohne Zögern den Vormarsch nach Westen in das Jangtsebecken angetreten und sind überraschend schnell vor den Mauern Nankings, dem Sitz der chinesischen Zentralregierung, erschienen. Wenn auch die Nachrichten voreiliger Bericht­erstatter, die schon vor einigen Tagen den Fall der Hauptstadt zu melden wußten, sich als verfrüht herausgestellt hatten, so konnte wohl kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß Nanking das Schick­sal Schanghais teilen würde. Daß die Chinesen selber nicht glaubten, Nanking auf die Dauer gegen den Ansturm der japanischen Truppen halten zu können, dafür sprach schon die Tatsache, daß die Regierung beim Nahen der Japaner ihren Sitz weit nach Westen, nach T s ch u n g k i n g verlegt hatte, der Provinzialhauptstadt von Szetschuan, die als westlichste Großstadt Chinas annähernd 3000 Kilo­meter von Nanking entfernt, was in der Luftlinie einer Strecke von Frankfurt bis zum Kaukasus ent­spricht, schon am Fuß des chinesischen Randgebir­ges liegt. Da von hier aus eine ordnungsmäßige Verwaltung bei den ungeheuren Entfernungen und den schlechten Verkehrsverhältnissen kaum noch möglich ist, hat Tschiangkaischek die von der Krieg­führung selbst direkt berührten Behörden nach W u t s ch a n g, der Schwesterstadt Hankaus am mittleren Jangtsekiang, und T s ch a n g s ch a , süd­lich davon an der Bahnstrecke HankauKanton verlegt. Das chinesische Hauptquartier soll in N a n t s ch a n g in der rings von Gebirgen um­gebenen, durch seine Teekultur berühmten Provinz Klangst sein. Nantschang ist sowohl durch eine Bahn wie durch den schiffbaren Kankiang mit Kiukiang am Jangtsekiang annähernd 400 Kilometer von Nanking flußabwärts verbunden. Ob sich hier, ge­stützt auf den gewaltigen Poyang-See und das Ge­birge, eine neue chinesische Widerstandslinie abzeich­nen wird, ist noch nicht zu übersehen.

Nanking war durch Angriffe japanischer Bomben­geschwader schon längst in das Kampfgebiet ein­bezogen worden, als die japanischen Truppen noch bei Schanghai in erbittertem Kampf mit ausgesuch­ten Divisionen Tschiangkaischeks standen. Am 25. Oktober war es den Japanern gelungen, mit der Eroberung von Tatschang nördlich von Schanghai die chinesischen Linien einzudrücken, so daß die nördliche Chinesenstadt Schanghais. Tschapei, mit dem zäh verteidigten Nordbahnhof nicht mehr länger zu halten war. Die Japaner drangen bis Nansiang an der Bahnlinie Schang­hai-Nanking vor und auch die südliche Chinesen­stadt Nantaö fiel in ihre Hände. Ein Vorstoß von Südosten her mit in der Bucht von Hangtschau ge­landeten Truppen brachte die chinesische Front zum Einsturz. Ohno Atempause drangen die Japaner den auf Nanking zurückgehenden chinesischen Truppen nach. Sie stießen mit ihrer nördlichen Kolonne längs der Bahn SchanghaiNanking über Tschangtschau auf Tschingkiang vok, wo sie den Jangtsektang er­reichten. Auf diesem hier schon in fast meerbu-en- artiger Breite, mit großer Gewalt dahinstromen- dem Fluß hatten die Chinesen bei Kiangym eine Sperre errichtet, zu deren Wegraumung die Ja­paner zwei Wochen gebraucht haben, um für ihre Kanonenboote eine schmale Durchfahrt zu schaffen. Aber eine zweite Sperre ist etwas flußaufwärts bei Tschingkiang, die vorerst noch die javanischen Kriegsschiffe hindert, Nanking auch vom Fluh her abzuriegeln, um die Chinesen am Rückzug nach Norden zu verhindern. Nanking gegenüber, das am Südufer des Flusses liegt, treten Ausläufer des Hwai-Gebirges dicht an das Ufer heran, wahrend im Süden alte Flußablagerungen in einer Gebtrg^ jucke andeuten, daß der Jangtsekiang ursprünglich hier einen Arm nach Südosten gesendet hat, der m der Bucht von Hangtschau mündete. Hier sind meh­rere größere Seen zwischen Nanking und Schanz Hai zurückgeblieben, die dem japanischen Vormarsch nicht geringere Schwierigkeiten bereitet haben, mie vor wenigen Wochen die sumvfigen Reis­felder nordwestlich von Schanghai. Aber die Ja­paner haben mit großem Elan die Schwierigkeiten des Geländes überwunden, den Tai-See zu beiden Seiten umgangen und den-Loyang-See überquert worauf sie bei Wuhu den Jangtsekiang etwa 300 Kilometer oberhalb Nankings erreichten unö nun über Taiping ngch Norden auf Nanking vorstoßen konnten. Nachdem der Oberkommandierende- der Nanking besetzt haltenden Truppen em Ultimatum, ' das ibn im Interesse der Erhaltung der in der

Hauptstadt vorhandenen Kulturschatze und der Schonung der Zivilbevölkerung zur Uebergabe auf­forderte,' unbeantwortet gelassen hatte, begann gestern mittag der Sturm auf die Stadt gbidp zeitig mit einem heftigen Bombardement. Nach Erstürmung mehrerer Tore der nne* die meisten chinesischen Städte mit einer gewaltigen Mauer umgebenen Stadt, konnten sich die japamfmen Truppen den Eintritt auch in die ^inneren Stadt­teile erzwingen. 1 . -,

Die Verteidiaung Nankings war wie die Schang­hais für die Chinesen mehr eine Prestigefrage als militärische Notwendigkeit. Ist Schanghai das grafte Wirtschaftsz"ntrmn im Mündungsgebiet des Jangtse- kicma, das Ausfalltor des chinesischen Handels und durch die dort in der Hauptsache erhobenen seezolle wichtigster Stützpunkt der chinesischen Staatsfinan­zen. so ist Nanking die politische Hauptstadt des Reiches, mit der die Chinesen eine aroße historische Tradition v"rbinden. Diese beiden Städte und mit ihnen den Eintritt in das Jantsebecken, die politische,

Aus eigener Kraft.

Reichsminister Or. Goebbels spricht in Königsberg vor einer Massenversammlung über Volk und Führung im nationalsozialistischen Reich.

kulturelle und wirtschaftliche Herzkammer des chine­sischen Reiches, den Japanern kampflos zu über­lassen, wäre für das im letzten Jahrzehnt durch die Tätigkeit der Kuomintang und das Aufbauwerk Tschiangkaischeks gewaltig gesteigerte Nationalgesuhl der Chinesen, das ja in dem passiven Widerstand gegen die wirtschaftliche Durchdringung des Landes durch die Japaner feinen sichtbaren Ausdruck ge­funden hat, ein unerträglicher Gedanke gewesen, dem hat natürlich auch die Zenttalregierung Rech­nung tragen müssen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollte, dem mühsam geschaffenen Begriff der Ein­heit des Reiches einen tödlichen Schlag zu versetzen, mochte auch die Verteidigung Schanghais und Nan­kings Opfer kosten, die angesichts des ttotz der zahlenmäßigen Ueberlegenheit doch, was Ausrüstung und Ausbildung anbelangt, recht prekären Zustands der chinesischen Armeen rein militärisch chwer zu rechtfertigen waren. Die japanische Heeresleitung ist sich natürlich darüber klar, daß ihrer bei Durch- ührung ihrer Aufgabe, die chinesische Zentralregie- nmg zum Frieden zu zwingen, soweit dies Siel mit rein militärischen Mitteln erreicht werden soll, beim Eintritt in das bei Nanking beginnende eigent­liche Stromgebiet des Jangtsekiang die grohttn Schwierigkeiten warten. Wer den Jangtse beherrscht beherrscht China, aber sein ^romgebiet umfaßt einen Raum von der dreifachen Große Deutschlands, der im Gegensatz zu Nordchma kaum eme Bahn­linie aufweist. Lediglich die Strecke PekingKanton durchschneidet bei Hankau das Jangtsetal von Nor­den nach Süden. In ost-westlicher Richtung ist der Strom die einzige große V"rkehrsader, allerdings eine der gewaltigsten der Welt, denn weiter als

1000 Kilometer flußauswärts bis Hankau können große Seeschiffe fahren, aber noch 700 Kilometer weiter westlich bis Jtfchang geht die regelmäßige Flußdampfschiffahrt und daneben unterhalten ganze Flotten chinesischer Dschunken trotz der gefährlichen Stromschnellen des sich durch 300 Meter steil ab-- fallende Gebirgswände in tiefen Schluchten durch- zwängenden Flusses bis nach Tschungking, dem jetzigen Zufluchtsort der Zentralregierung, einen äußerst regen Verkehr. So ist der Jangtsekiang mit Recht die große Lebensader Chinas genannt wor­den, zu der sich die Japaner mit der Besetzung Nankings den Zugang erkämpft haben.

Nanking liegt im ältesten Siedlungsbereich des chinesischen Volkes und oft ist es in den viertausend Jahren chinesischer Geschichte Hauptstadt des Reiches oder eines seiner Teilgebiete gewesen. Don hier zog der Gründer der Ming-Dynastie im 14. Jahrhundert nach Norden zur Befreiung des Landes von der Mongolenherrschaft. Seitdem unterschied man die nördliche und südliche Residenz, Peking und Nan­king. Das politische Schwergewicht lag indessen schon damals im Norden, da hier die Grenztz dauernd von den Mongolen bedroht blieb. Als dann die Mandschu 1644 in das chinesische Reich eindrangen und es unterwarfen, wurde Peking ihre Residenz, Nanking begann erst wieder um die Mitte des 19. Jahrhun­derts eine politische Rolle zu spielen, als die Un­zufriedenheit mit wirtschaftlichen und polittschen Mißständen unter dem schwächlichen Mandschukaiser Hsienfeng sich in der furchtbaren Rebellion der Taiping-Bewegung Lust machte. Hungsiut- schüan, ein armer Dorfschullehrer aus der Gegend des immer unruhigen Kanton, das ja auch in un-

Königsberg, 10. Dez. (DPB.) Reichsminister Dr. Goebbels traf in Königsberg ein. Im Rat­haus hieß Oberbürgermeister Dr. Will Reichsmini- ter Dr. Goebbels herzlich willkommen. Als Zeichen des Dankes und der Verbundenheit übergab der Oberbürgermeister dem Reichspropagandaminister den Ehrenbürgerbrief der Gauhauptstadt Königsberg zugleich mit dem ersten Exemplar der Kantplakette der Stadt Königsberg.

Brausender Jubel schlug Reichsminister Dr. Goeb­bels entgegen, als er die von Tausenden von Men- chen bis auf den letzten Platz gefüllte Schla­geterhalle betrat.

Dr. Goebbels sprach einleitend über das innige Verhältnis der Führung des nationalsozialistischen Deutschland zu den Massen des Volkes.Gewiß", o führte Dr. Goebbels aus,wird bei uns geführt, iber diejenigen, die führen, sind nur d i e V o l l - trecker des Dolkswillens. Bei uns macht nicht die öffentliche Meinung Politik, sondern die Politik macht durch ihre Taten und Erfolge öffent­liche Meinung.

2Han sagt oft achselzuckend, wir hätten Glück gehabt. Aber wir haben unser Glück ehr­lich verdient. Das Entscheidende war ge­rade, daß wir Initiative und 2Uut be­wiesen. Denn die Lösung der Probleme, vor die wir gestellt waren, war sowohl eine Frage der Intelligenz wie des Mutes.

ter bleibe ttotz aller Erfolge der national­sozialistischen Staatsführung noch sehr viel zu tun übrig. Gewisse Notstände seien aber nicht auf einen Mangel der Organisation unseres öffentlichen Le­bens, sondern aus die widrigen Umständeder beschränkten deutschen Lebensbasis überhaupt zurück­zuführen. Wir greifen deshalb zur Selbsthilfe, wie z. B. beim Vierjahresplan. Unter Hinweis auf den Tag der Nationalen Solidarität stellte Dr. Goebbels unter stürmischer Heiterkeit fest:Wenn die Minister der parlamentarischen Demokratie ver­sucht hätten, auf die Straße zu gehen und au sammeln, dann hätten sie mehr faule Aepfel als Groschen bekommen."

Wer seine Pflicht treu und redlich getan habe, könne daraus auch ein Recht auf Freude herleiten. .Aus dieser Freude gewinnen wir die Kraft, die uns in die Lage versetzt, die Probleme zu lösen. Darum sind wir auch keine pharisäischen Moralprediger, sondern Propagandisten und Organisatoren des Optimismus und der Lebensfreude; deshalb feiern wir un­sere Feste nicht für uns, sondern für das D o l k." Stürmischer Beifall unterstrich die Worte des Mi­nisters, daß der Nationalsozialismus nicht chri- st e n t u m s f e i n d l i ch sei, daß er aber das deutsche Volk davor bewahren wolle, wieder einmal wie so oft in der Vergangenheit seine großen Schicksals- pröbleme aus dem Auge zu verlieren.Es ist nicht

wahr", erklärte er,daß die Kirchen sich nicht ftei entwickeln können. Es ist auch nicht wahr, daß das Volk gottlos geworden ist. Es geht uns nur darum, daß eine ganze Nation durch eine in Not und Be­drängnis erhärtete Disziplin sich eine neue L e- b e n s b a f i 5 schafft."

Unsere Partei wird dafür sorgen, daß Deutsch­land bleibt, was es ist, sie hat als eherne Wäch« terin unserer Einheit, Sauberkeit und Unantastbar­keit unser Volk zu unserem großen Ideal zu er­ziehen. Ihre Organisationsformen werden tiefer und tiefer in unser staatliches und öffentliches Le­ben einbringen. Die volksbedingte Führung muß aus dem Volke selbst emporsteigen. Das Volk selbst muß immer wieder seine besten Söhne in diese Führung hineingeben, und die Bewegung wird diese besten Söhne unseres Volkes mit der Organisation verschmelzen und durch die Organisation umschmel- zen. Heute haben wir", erklärte der Minister zum Schluß unter jubelnder Zustimmung,Öen gro­ßen politischen Führer, und es ist unser Glück, einem Manne dienen zu dürfen, dessen Größe und dessen weit über unsere Zeit hinaus­ragenden Pläne wir nicht zuerst erkannten, als er schon begann, feine staatspolitische Wirksamkeit zu entfalten, sondern daß wir seine Persönlichkeit schon erkannten, als er noch unbekannt war und fei»* Werk begann."

Wenn man uns im Auslande den Vorwurf macht, wir regierten autokratisch und diktatorisch, so brauchen wir nur zu erwidern: Wir können roenig= tens vor das Volk hintreten und über die Tätigkeit unserer Regierung während der viereinhalb Jahre Rechenschaft ablegen und mit dem Resultat vor dem Volke und vor der Geschichte bestehen. Uns ging allein das Volk in feiner G e - amtheit an und nicht irgendwelche an Inter­essen gebundene Kreise. Wir nehmen keine Rücksicht auf eigene Privatinteresfen. Für uns gelten nur die Interessen der Nation. Wenn es uns gelang", erklärte Dr. Goebbels unter minutenlangem stürmi- chem Beifall,allein gestellt auf unseren Idealis­mus, auf unseren Mut und unsere Intelligenz ein 68-Millionen-Reich zu erobern, dann brauchen wir die moralische Berechtigun-g dieses Regimes wahr­haftig nicht mehr unter Beweis zu stellen."

Dir wollen ein aus eigener Kraft lebender nationaler und souveräner Staat sein. Bestehende Mängel wollen wir dadurch aus- gleichen, daß wir das Vorhandene ge­recht verteilen. Ls muß sich jeder in Deutsch­land den gegebenen Möglichkeiten anpassen. Das ist gerechter als bei vielen anderen Ländern, wo eine Schicht alles besitzt und die andere nichts oder nur wenig. Wir suchen das allge­meine kulturelle Niveau zu heben, wir suchen in einer geradezu grandiosen Kraftanstrengung während des Winterhilfswerkes die dringendsten Notstände zu überwinden. Wir führen unser Volk in die Theater und Museen, wir füllen die Schiffe und Eisenbahnen mit Arbeitern und Angestellten, damit sie die Schönheiten unseres Landes und der Welt kennenlernen. Dir brau­chen nicht zu fürchteck. daß unsere Arbeiter nicht mehr nach Hause wollen. Darum tut das beispielsweise die Sowjetunion nicht? Weil ihre Arbeiter eine bessere Welt nicht kennenlernen dürfen.

Selbstverständlich betonte Dr. Goebbels wer-

Heue Verordnung des Reichskirchenministers.

ZurOurchführung des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche.

Berlin, 11. Dez. (DNB. Funkspruch.) Auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der deutschen evangelischen Kirche wird zur Wiederher- stellung der Ordnung in der deutschen evangelischen Kirche verordnet:

8 1-

1. Die Leitung der deutschen evangelischen Kirche liegt bei dem Leiter der Deut­schen Evangelischen Kirchenkanz- l e i.

2. Dieser ist befugt, nach Anhörung der Kirchen­regierungen der Landeskirche Verordnun­gen in äußeren Angelegenheiten zu erlassen. Die Fragen von Bekenntnis und Kultus sind von dieser Befugnis aus­geschlossen?

3. Die Ernennung und Entlassung von Beam­ten der Deutschen Evangelischen Kirche (Kir­chenkanzlei) bedarf der Zustimmung des Reichsmini st ers für die kirchlichen An­gelegenheiten.

8 2.

1. Die Leitung der Landeskirchen liegt, soweit nicht im folgenden besondere Beffimtpun- gen getroffen sind, bei den im Amt befind­lichen Kirchenregierungen.

2. In den Landeskirchen: a) Evangelische Kirche der altpreußischen Union, b) Evange- tisch-lutherische Landeskirche Sachsen, c) Evangelisch-lutherische Landeskirche Schles- w i g - h o l st e i n, d) Evangelische Landes- kirche Nassau-Hessen, liegt die Leitung bei den im Amt befindlichen Lei­tern der ober st en kirchlichen Ver­

waltungsbehörde. Dieser trifft seine Entscheidungen nach vorangegangener Beratung mit den Mitgliedern der Behörde.

8 3.

1. Die Kirchenleitung im Sinne dieser Ver­ordnung umfaßt insbesondere die A u s ü b u n g der k i r ch e n r e g i m e n t l i ch e n Befug­nisse einschließlich des Erlasses von Verord­nungen.

2. Die den Frnanzableilungen übertrage­nen Befugnisse bleiben unberührt.

3. Unberührt bleibt auch die Zuständigkeit des kirchlichen Auhenamtes der Deut­schen Evangelischen Kirche und des Evan­gelischen Oberkirch enrates der Evan­gelischen Kirche der altpreußischen Union für die Beziehungen dieser Kirchen zu ihren außer- deutschen Teilen und den Kirchen des Aus­landes.

8 4.

1. Diese Verordnung tritt mit dem auf die Ver­kündung folgenden Tages in Krc^ft. Mit dem gleichen Zeitpunkt treten die 13. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der deutsch-evangelischen Kirche (Reichsgeseh- blatt I, Seite 333) und alle entgegenstehenden Bestimmungen außer Kraft.

2. Den Zeitpunkt des Außerkrafttretens dieser Verordnung bestimmt der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten.

Berlin, den 10. Dezember 1937.

Der Reichsminister für die kirchl. Angelegenheiten, gez. Kerrl.

seren Tagön der Ausgangspunkt der Kuomintang geworden ist, zog als kommunistischer Sektenprediger, das Volk gegen die Mandschuherrschaft aufwiegelnd, durch das Land und bildete bewaffnete Banden, die sich wie eine Lawine nach Norden wälzten, überall die Städte erobernd, die Mcmdschu-Garni- sonen vertteibend und sengend und plündernd. 1853 fiel Nanking in ihre Hand, es wurde die Residenz der Taipings, die von hier aus das ganze Land dis vor die Tore Pekings furchtbar verwüsteten, bis die Mandfchus sich endlich zur Gegenwehr aufrafften, aber erst nach erbitterten Kämpfen und regelrechter Belagerung Nankings 1864 die Taiping- Revolution niederzuschlagen vermochten. Die alte Kaiserstadt, die die wertvollsten Schätze altchinesischer Kultur, die Paläste der Ming-Dynastie und den berühmten Porzellanturm in ihren Mauern geborgen hatte, wurde damals fast dem Erdboden gleichgemacht. Noch nach Jahrzehnten fanden europäische Rei­sende innerhalb der Stadttore weite Grasflächen und Scherbenhaufen.

Die Rolle, die Nanking in dieser als nationale Bewegung gegen die Fremdherrschaft der Mandfchus empfundenen Taiping-Revolution gespielt hatte, gab den Anlaß, nach dem Sturz der Mandfchus und der Begründung der chinesischen Republik 19^1 nach jahrelangem Bürgerkrieg mit der Machtergreifung der vornehmlich im Süden aufgekommenen Kuomin­tang (der chinesischen Einheitspartei) 1928 Nanking zum Sitz der chinesischen Zentralregierung zu wählen. Hier ist auch das großartige Grabmal Sunyat« s e n s, des 1924 gestorbenen Führers der natio­nalen chinesischen Jugendbewegung, dessen Reform­programm dem Aufbauwerk Tschiangkai«