faß, um nicht gesehen zu werden. Es war ein Kuhgespann. Langsam ging die Fahrt. Der Bauersmann saß vorn auf Dem Sitzbrett und rauchte seine Pfeife-
Fritz hatte für seinen Vater ein Päckchen Rauchtabak holen sollen. Er hielt es nun in der einen Hand. Mit der anderen umfaßte er den Holzstöpsel, der im Fasse stak und auf dem Acker herausgerissen wird, damit die Fauche ausfließen kann. Der kleine Bub schaute nach links und rechts und lächelte seinen Kameraden zu, die auf der Straße spielten. Ob er dabei eine etwas starke Drehung machte oder ob er zu krampfhaft an dem Holzstöpsel zog, ist ungewiß. Das eine ist jedenfalls sicher: Auf einmal flog dieser Stöpsel, an dem sich der Fritz feschielt, heraus, und die Jauche strömte auf die Straße, d. h. zunächst auf den Buben, der damit überaus reichlich bedacht wurde. Er hüpfte wohl herunter und schrie, aber das half ihm nichts mehr. Der Bauer sprang ebenfalls vom Wagen. Die ersten Schimpfworte flogen noch in der Luft herum, da sah er den nassen Fritz stehen. Sein Aerger verrauchte.
„Siehst du", sagte er zu dem verdutzten Buben, „das hast du davon. Nun geh heim und bring deinem Vater seinen Tabak. Der wird dir schon das übrige sagen!" Dann suchte er den Holzstöpsel seines Fasses, der auf die Straße gefallen war. Inzwischen war die Jauche zum großen Teil ausgelaufen. Rundum sammelten sich Neugierige. Alle lachten.
- Fritzchen verschwand. Er lief nach Hause. Seine Kameraden waren ihm aber schon zuvorgekommen. Laut schreiend hatten sie dort die Neuigkeit verkündet. Die Mutter stand im Hof und erwartete ihren Buben. Nicht gerade liebenswürdig. Fritz muhte in die Waschküche und wurde gehörig geseift und gewaschen. Daß die Worte, die dabei von der Mutter gebraucht wurden, keine Schmeicheleien waren, das konnte man im Hofe hören.
Aber auch das ging vorüber. Fritz wurde neu angezogen und mußte zur Strafe im Haufe beeiden. Ob fein Vater den Tabak geraucht hat, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis.
Für die Dorfbuben aber war es ein bemerkenswertes Abenteuer. Sie werden sich wohl in Zukunft beim Aufsetzen auf einen Jauchewagen erst ver- gewissem, ob der Stöpsel auch fest im Fasse steckt.
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NSG. „Kraft durch Freude-.
Theatervorstellung:
13.11., 20 Uhr, „KdF.-Miete", Gruppe II: „Drei alte Schachteln", Operette.
Feierabend:
13.11., 20 Uhr im Caf6 Leib: Froher Tanzabend. Eintritt 50 Pf.
Deutsches Volksbildungswerk:
11.11., 20.15 Uhr, Hörsaal Brandplatz 4, 2. Vortrag: „Die deutschen Kolonien".
12.11., 20.15 Uhr, Museumssaal, 1, Vortrag: „Vorgeschichte der hessischen Heimat".
13.11., 20 Uhr, Danbringen, Saal Schäfer: Siebt- bildervortrag — Dorf abend. Unsere Kolonien in Afrika, Dr. Funk. _
13.11., 20 Uhr, Klein-Linden, Saal Burg, Licht- bildervortrag von Professor Dr. Ankel: Deutschland betreibt Rassepolitik!
13.11., 20 Uhr, Treis a. d. Lumda, Gasthaus „Zum Bahnhof", Lichtbildervortraq von Dr. Glöckner: Deutsche jenseits der Grenze.
13.11., 20 Uhr, Wieseck, Saal Braun, Lichtbildertrag von Professor Dr. Hummel: Unsere Kokonien in Afrika. 7373V
Volkstumsarbeit:
13.11., 20.15 Uhr, Leihgestern, Saal „Zum Löwen": Bayrischer Dolkstumsabend. Eintritt 50 Pf.
Sonderzug nach Frankfurt:
14.11. zur Gaukulturausstellung. Abf. 9.05, Rückf. ab Ffm. 21.10. Preis einschließlich Ausstellung 1,95 RM. Karten Schanzenstraße 18 und bei den Ortsgruppen der NSDAP.
Vornotizen.
Tageskaleuder für Donnerstag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Die kluge Närrin" (Dienstag-Miete). — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Mustergatte". — Lichtspielhaus (Bahn-
Bekennim's zum ßinfopf.
NSG. Arn kommenden Sonntag versammelt sich das deutsche Volk zum zweiten Mal in diesem Winter um den Eintopf. Wieder, wie so oft schon, tritt dos Winterhilfswerk an das deutsche Volk heran und fordert den Einsatz jedes einzelnen Volksgenossen für das Dolksganze. Sein Ruf wird nicht ungehört bleiben. Das deutsche Volk wird stolz und mit Freude ein neues Bekenntnis für seine Bereitschaft zum Opfern und zur Gemeinschaft ablegen. Alle finden sich um den Eintopf zusammen und bekunden damit, daß sie sich auch mit dem Schicksal aller Familien verbunden fühlen. Darüber hinaus beweisen sie der Welt,'daß das neue Deutschland zusammensteht und sich aufs engste verbunden fühlt.
Es kommt am Sonntag nicht darauf an, was bei dem Einzelnen auf den Tisch kommt, sondern darauf, daß er wirklich Eintopf ißt in der Erkenntnis: ich esse heute ein einfaches Mahl. Ich könnte etwas Teueres essen, aber ich will in dieser Tischgemeinschaft der ganzen Nation beweisen, daß ich erkannte: nur die Gemeinschaft gibt mir täglich das Brot, ihr bin ich zu Dank verpflichtet. Ich will deshalb dem
Volke eine Gabe als äußeres Kennzeichen meines Dankes zollen, die denen zugute kommen soll, die weniger glücklich sind. Sie sollen spüren, daß ich sie wie alle als Teil unserer Dolksfamilie betrachte. Da darf keiner zurückstehen. Sein Gewissen kann das nicht zulassen. Mit der Spende am Eintopfsonntag, der bereits zu einem traditionellen Festtag im Monat für die Hausfrau geworden ist, danken wir für Frieden, Freiheit, Aufbau der Nation und für das Glück, Deutscher sein zu dürfen.
Oie Eintopfgerichte am 44 November.
DNB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den zweiten Eintopfsonntag am 14. November folgende Eintopfgerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind:
Gemüsesuppe mit Einlage, Fischeintopf nach Wahl, Wirsingkohl oder Kohlrüben mit Rindfleisch, Geschmorte Aepfel mit Kartoffelklößen oder
Fimmel und Erde".
Hofstraße): „Das große Abenteuer". — VDA., Jungarbeitsgemeinschaft Gießen: 20.15 Uhr, Studentenheim, Gemeinschaftsabend mit Ausstellung. — Stadtkirche: 20.15 Uhr, Gemeindeabend des Evangelischen Bundes. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr, Aula des Gymnasiums, Lichtbildervortrag, Professor Dr. Scheu, „Mit Zeppelin und Kondor nach und durch Südamerika".
Stabtibeater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung von „Die kluge Närrin", Lustspiel von Lope de Vega, deutsche Nachdichtung Hans Schlegel, statt. Spielleitung: Intendant Hermann Schultze-Griesheim. Die Vorstellung findet als 7. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Anfang 20, Ende 22.30 Uhr.
Staatsrat Hanns Iahst liest in Gießen.
Am Montag, 15. November, wird, wie man uns mitteilt, auf Einladung des Goethe-Bundes und Kaufmännischen Vereins in Verbindung mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ^-Oberführer Staatsrat Hanns Johft, Präsident der Reichsfchristtums- kammer, in Gießen aus eigenen Werken lesen. Es ist eine literarische Feierstunde zu erwarten, die die persönliche Bekanntschaft mit einem der bedeutendsten Vertreter unseres nationalsozialistischen Schrifttums vermitteln wird. Hanns Johft ist Träger des Preises der NSDAP, für Kunst 1935. (Es ist im übrigen nochmals darauf hinzuweifen, daß die Lesung von Staatsrat Hanns I o h st vom 26. November auf den 13. November vorverlegt wurde, und der Lichtbilderoortrag von Professor Frauenholtz erst am 23. November stattfindet.)
Feierliche Eröffnung der Gaukulturwoche.
NSG. Die feierliche Eröffnung der Gaukullur- woche Hessen-Nassau durch Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger findet am Samstag, 13. November, um 11 Uhr, im Opernhaus in Frankfurt am Main statt. Die Feier wird vom Rhein-Maini- schen Landesorchester, das bas „Heldische Vorspiel" von Friedrich Siebert urcvufführt, umrahmt. Im Anschluß daran eröffnet der Gauleiter die Gaukulturausstellung in der Feschalle.
Leder einmal im Sender der Gau-Kulturausfettung.
NSG. Wenn wir Tag für Tag unseren Rundfunkapparat einschalten, haben wir im allgemeinen keine Vorstellung von der komplizierten Aufnahme der Darbietungen. Das Geheimnis des Senders wird auf der Gaukulturausstellung in Frankfurt am Main gelüftet. In dem in der Ausstellung im „Haus der Moden" aufgebauten Senderaum werden täglich Konzerte und andere Darbietungen gesendet. Der Senderaum befindet sich hinter einer zehn mal drei Meter großen Glaswand, so daß der Besucher alle Vorgänge miterleben kann. Außerdem können wir einen Blick in den Regieraum des Reichssenders werfen. Auf der Ausstellung wird
weiter eine vollständige Uebertragungsanlage von dem Rennen auf dem Nürburgring gezeigt.
Fernsehstraße und Sendesaal des Reichssenders Frankfurt sind auf der Gaukulturausstellung täglich in Betrieb. Besucht die Gaukulturausstellung in Frankfurt vom 13. bis 21. November!
NSOAv. - Ami für Bottswohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Ost.
Betr. kleiderfammlung.
Am 16. November wird in unserer Ortsgruppe durch die NS.-Frauenschaft eine Kleidersammlung durchgeführt. Es können brauchbare und unbrauchbare Kleidungsstücke gespendet werden. Die Block- roalterinnen der NS.-Frauenschaft werden zunächst feststellen, was gestiftet werden soll. Diese Sachen sind dann am 15 November zum Abholen bereitzuhalten, so daß am 16 November die Spenden von Wagen der Wehrmacht an den Wohnungen der Blockwalterinnen abgeholt und zur Sammelstelle gebracht werden können. Die Hausfrauen werden gebeten, alle entbehrlichen und unbrauchbaren Kleidungsstücke dem WHW. zur Verfügung zu stellen.
BOM.-ttnteroau 116.
Betr.: BDM.-Sondergruppe Modellbau.
Alle Mädel, die am Segelflugmodellbau teilnehmen wollen, kommen am Donnerstag, 11.11., abends IVi Uhr, auf die BDM.-Dienftstelle.
Die Untergauführerin. Betr.: BDM.-Leistungsabzeichen.
Sonntag, 14. November, findet ein 25-km-BJan- dern statt. Treffpunkt 8 Uhr morgens am Ludwigs- Platz.
Ein Kurzfanikurs für das L. 21. beginnt Dienstag, 16.11., abends 20 Uhr, in der Goetheschule.
Dienstag, 16.11., abends 19 Uhr, wird im Volksbad für das L. A. geschwommen.
Die Untergausportwartin.
LM.-Uniergau 116, Gießen.
Sämtliche Führerinnen der Gießener Gruppen der Jungmädel treten am Donnerstag, 11. November, 17 Uhr, an der Dienststelle des Untergaues zu einer kleinen Feier an. Gruppenwimpel sind mit» zubringen! Die Führerinnen Büxler, Hochstätter, M. u. E. Bendervth, Schunk, Bergen, Heß, Schmall, E. Schmidt, Kimmel, E. Schneider, Heid, Neumann- Spengel, Meininger, Enders, Weil, Keßler, Ritsert, Jrmi Seifer müssen unbedingt dabei sein.
Betr.: IM.-Schulung.
Die Führerinnen der JM.-Gruppen 1, 2, 3, 4/116 treten am 13.11, 14.45 Uhr, an der DJH. Gießen zur Schulung an. Alle Führerinnen (Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen) der Gruppen 11, 12, 13/116, die am 7.11. nicht an den Schulungen teilgenommen haben, kommen am 14.10. zur Schu- lung nach Hungen, BDM.-Heim im Schloß. Beginn der Schulung morgens um 8.45 Uhr, Ende zwischen 17 und 18 Uhr. Mitzubringen sind Turnzeug, Schreibzeug, Liederbuch, für Die Werkarbeit gummiertes Glanzpapier, kleine und große Schere, Lineal, Klebstoff, Brotbeutelverpflegung und Trinkbecher.
Betr.: IM. Singschar.
Am Dienstag, 16.11., um 18 Uhr, tritt die IM.» Spielschar zum lieben mit der Jnstrumentenschar im Singsaal des Lyzeums an. Der Tag der Hausmusik ist auf den 18.11. verlegt worden.
Bett.: JM.-Dienst in der Woche vom 15. bis 21.11.
Am 18.11 haben Dienst: Ober-Hörgern um 14.30 Uhr, Eberstadt um 15.30 Uhr, Obbornhofen um 16.30 Uhr, Trais-Horloff um 17.30 Uhr.
Arn 19.11. haben Dienst: Bellersheim um 14.30 Uhr, Utphe um 15.30 Uhr, Inheiden um 16.30 Uhr, Muschercheim um 17.30 hr.
Der Dienst wird von der JM.-Untergausuhrenn kontrolliert!
Betr.: Wäschesammtung der Iuugmädet
Arn Samstag, 20.11., sammeln alle Jungmädel im ganzen JM.-Untergau für das Winterhilfswerk nachmittags Klein-Kinder-Wäsche und Kleidung, die zum Schluß der Sammlung dem zuständigen Orts- amtsroalter der einzelnen Standorte in einer feierlichen Form übergegeben wird. Am 4. Dezember folgt die Spielzeugsammlung.
Nur an den Standortältcsten!
Der Standortälteste Gießen richtet erneut an sämtliche Dienststellen, Behörden, Körperschaften und Organisationen die Bitte, alle 2Inträge und Einladungen auf Gestellung von militärischen Abordnungen (Offizier- und Truppenabordnungen) bei wichtigen und feierlichen Anlässen aller Art ausschließlich an den Standortältesten Gießen, Zeughauskaserne, zu richten.
Die Truppenteile sind angewiesen worden, Einladungen und Aufforderungen zur Gestellung von Abordnungen unbeantwortet dem Standortältesten vorzulegen.
Abschied von Friedrich Boeck.
Unter zahlreicher Beteiligung wurde am gestrigen Mittwoch der Geschäftsführer der Metzgerinnung Gießen und der Nebenstelle Gießen der Genossenschaft für Häute- und Fettverwertung Friedrich B o e ck zu Grabe getragen. Pfarrer Becker widmete dem Verstorbenen, einem Sohn der Stadt Gießen, der sich aus kleinen Anfängen emporgearbeitet hatte, einen herzlichen Nachruf. Für die Gießener Metzgerinnung, der er fast 30 Jahre mit Rat und Tat zur Seite stand, brachte Obermeister P i r r Dank und Anerkennung zum Ausdruck. Er sagte dem Verstorbenen, der mit seinem reichen Wissen und mit dem Einsatz seiner ganzen Person für die Innung eingetreten war, noch einmal feine Hochachtung. Der Name Friedrich Boeck werde in den Gefchichtsblättern der Innung unverrückbar stehen bleiben. Der 75jährige Ehrenobermeister Carl Schnell aus Kassel sprach als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Genossenschaft für Häute- und Fettverwertung einem lieben Mitarbeiter und Freunde, Boeck herzliche Abschiedsworte. Auch er würdigte die großen Verdienste des Entschlafenen. Nachdem noch der stellv. Geschäftsführer Jacoby für die Gefolgschaft der Gießener Nebenstelle einen letzten Gruß dem vorbildlichen Vorgesetzten ausgesprochen hatte, sprach Schlachthofdirektor Dr. Keller, der die langjährige Verbindung des Entschlafenen mit dem Gießener Schlachthof und die daraus sich entwickelnden wertvollen Anregungen für die Allgemeinheit hervorhob. Der Bezirksinnungsmeister der Metzger hatte gleichfalls durch Obermeister Pirr einen Kranz am Grabe niederlegen lassen. Auch die Vertreter der Innungen Wetzlar, Marburg, Fulda und Limburg legten Kränze nieder.
Gietzener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 11. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das
z-\ (*\ Wenn Ihr Haar zu
y/** \L/rAVI/ sc^ne^ fettig wird,
<L Jl. f AT /HIaImV dann beruht das auf
• Überreizung der in
J’v'* 4 der Kopfhaut befindlichen Talgdrüsen. Abhilfe schafft regelmäßige
Pflege mit milden Mitteln, die kein Alkali und keine Kalkseife im Haar zurücklassen, also mit
SCHWARZKOPF
Gegen Schuppen besonders zu empfehlen: Schwarzkopf-Schaumpon Sorte Teer 20 Pf. Schwarzkopf-Extra-Zart mit Kräuterbad 30Pf.
Vlaildme setzt sich durch
Vornan von
Hans-Joachim Ireiherrn von Neihenstein
Copyright by Carl Ouncker
22 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Diese müde Stimme und der weiche Flaum ihrer Wange, die er flüchtig gestreift hat, verfolgen Harry Engemann bis in seine Träume. Der Duft der Jugend ist daran. Kein frember Geruch von Puder und Schminke.
Er hat bisher vom Leben alles bekommen, was er sich gewünscht hat. Soll er dieses Mädchen nicht bekommen? Sie wird sich aber mit einem verheirateten Manne nicht einlassen. Dazu ist sie zu sauber, überlegt er. Also muß man entweder die Sauberkeit ein bißchen vermuscheln. Sie verwöhnen und verweichlichen, bis sie weich wird. Aber wie macht man das ohne Geld?
Oder man müßte nicht verheiratet sein —
e * *
Wenn Doktor Schrader am Abend aus der Klinik kam, hatte er das Bedürfnis nach frischer Luft. Er machte deshalb oft noch einen Umweg durch den Grünewald, ehe er feine nahe gelegene Wohnung aufsuchte.
2Iuf dem Rückweg mußte er die Kronprinzenallee überqueren. Er blieb dicht an der Bordschwelle stehen, um ein in rascher Fahrt herankommendes Auto vordeizulassen. Es war ein auffallender weißer Sportwagen. Da Schrader warten mußte, sah er sich die Insassen an, als sie herankamen und dicht vor ihm oorbeifuhren. Den Mann am Steuer glaubte er zu kennen. Er war seiner Sache nicht ganz sicher. Aber die Dame, diese hübsche junge Dame, die kannte er bestimmt. Das war Blondine Hertel. Er blickte ihnen noch. Richtig, den Wagen kannte er doch auch. Den kannte doch jeder hier im Grünewald. Der Wagen und dazu der Junge am Steuer: das war doch der Mann von der Molny, bei der sie in Stellung war. Schöne Sache! Also deshalb so viel Zurückhaltung. Was er für mädchenhafte Scheu gehalten hatte — er lachte
beinah vor Wut über sich selber —, das war dieser Gigolo von der Molny.
Und dieses Mädel hatte er ernst genommen. Hatte ihre jungfräuliche Art refpeftiert. Er war ein Kaffer, weiter nichts. Ein Provinziale. Er war noch nicht lange genug in Berlin. Diesen Mädels war ein Mann nicht gewachsen, der noch andere Sachen im Kopf hatte.
An der maßlosen Wut über sich selbst und sie merkte er erst, wie sehr er an Blondine hing und wieviel er von ihr gehalten hatte.
Da war die andere ja noch besser, ihre Freundin. Die war zwar nur ein munterer Flirt. Aber sie machte wenigstens kein Hehl daraus. Die ließ einen nicht lange zappeln. Im Gegenteil, sie hatte ihm mächtige Avancen gemacht und ihm offen gezeigt, daß er ihr gefiel. Das tat feiner verletzten Eitelkeit in diesem Augenblick wohl.
Als er nach Haufe kam, nahm er ihre Adresse vor. Und um eine unangenehme Enttäuschung durch eine angenehme Hoffnung zu verdrängen, schrieb er der blonden Greta Schade ein paar Zeilen und sagte sich bei ihr zum Tee an.
♦
Am nächsten Abend brauchte Hedwig Georgi zwar keinen Rat mehr. Denn ihr Vermögen hatte sie vertrauensvoll in Heinrichs Hande gelegt. Aber wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Und da gab es schon einiges zu sagen.
Sie kam zu Blandine Hertel, um sich auszusprechen.
Sie blühte wie eine Rose an der Schattenwand.
„Ja, und da hat er mir in die Augen gesehen, und meine beiden Hände hat er genommen. Und die Reinheit meines Charakters hat er gelobt. Entschuldige, daß ich das so sage. Aber es freut einen doch."
Sie sann den seligen Erinnerungen an die große Szene ihres Lebens nach.
„Seid ihr verlobt?" fragte Blondine. „Darf ich dir gratulieren?"
„Ja", hauchte Hedwig tief verschämt.
Blandine überwand sich und küßte die picklige Wange des häßlichen Mädchens.
„Und siehst du, er ist so taktvoll", fuhr Hedwig fort. „Weil es doch gewiffermaßen eine geschäftliche Transaktion war, die unseren Bund besiegelte, hat er nur meine Hand mit Hochachtung geküßt. Aber
wir sind uns einig. Und ihr müßt ihn bald kennenlernen."
„Gern", sagte Blandine. „Der nächste erste Monatssonntag ist meiner. Bring ihn doch mit! Meine Mutter wird sich sehr freuen."
„Danke. Ich will es mit Heinrich besprechen."
„Weißt du, was hübsch märe? Wenn Ilse ihren Verlobten mitbrächte. Und ich glaube, bei Lissie bahnt sich auch etwas an."
Hedwig steifte den Nacken.
„Ich weiß. Aber ehe die Scheidung nicht ausgesprochen ist, möchte ich mit der Sache nichts zu tun haben."
„Was denn für eine Scheidung?" fragte Blandine.
Hedwig Georgi war wieder ganz die prüde alte Jungfer, als die man sie kannte, und gar nicht mehr die Rose an der Schattenwand.
„Lissie hat doch mit dem Hausherrn in ihrer vorigen Stellung etwas angefangen. Jetzt sind sie sozusagen verlobt", hohnlachte sie.
Blandine wurde totenblaß. „Um Gottes willen, ist das die Familie, auf deren Einwilligung Lissie wartet?"
„Na, wer denn sonst?" sagte Hedwig und setzte sich, um gemütlich weiter zu klatschen. —
Nachdem Hedwig gegangen war, verbrachte Blandine die erste schlaflose Nacht ihres Lebens.
Am nächsten Morgen bat sie Frau Engemann um ihre Entlassung.
An diesem Tage kam Blandine nur zu den Mahlzeiten aus den Wirtschaftsräumen heraus, nachdem sie wußte, daß Harry Engemann gefrühstückt hatte. Als er den Flügelschlüssel verlangte, schickte sie Anna damit hinauf. Erst heute -fiel ihr auf, wie unnötig diese tägliche Prozedur war. Konnte er seinen Schlüssel nicht in die Tasche stecken? Mochte er ihn doch selbst verwahren. Sie würde ihm dadurch jedenfalls keine Annäherungsmöglichkeiten mehr geben.
Sie ordnete unten die Vorratskammer, eine Arbeit, die sie längst oorgehädt hatte. Sie erledigte alle Telephongespräche an dem Apparat im Souterrain, und legte solchen Abstand zwischen sich und den oben wie immer nutzlos durchs Haus wandernden Harry, daß selbst Franz Lüdtke beinah anderer Meinung über sie wurde.
Sie stürzte sich in die Arbeiten, die sie vor ihrem Abgang noch erledigen wollte. Frau Molny sollte
etwas dauernd Gutes von ihrem Aufenthalt im Hause haben.
Sie legte eine Kartothek an, aus der ßueienne ober Blandines Nachfolgerin jeden Augenblick ersehen konnte, wo jedes Stück im Hause zu finden war. Das zeitraubende Suchen auf dem Boden, im Keller, in den Wirtschaftsräumen hörte auf. Ein Stück, das noch so lange nicht gebraucht wurde, war in der Kartothek mitsamt seinem Aufbewahrungsort verzeichnet. Die Wintergorderobe im Sommer und umgekehrt. Die Gartenmöbel und -kiffen, die Hängematte, die Schlittschuhe, die Skianzüge und die Tennisausrüstung, überhaupt alles, was saifonmäßig benutzt wurde, das Eingemachte so gut wie das Gingemottete hatte nicht nur sein eigenes Verzeichnis bekommen, das an Schrank oder Regal angebracht war, sondern es war auch oben in der Kartothek zum Nachschlagen verzeichnet.
Lucienne würde nicht ahnen, was für eine Arbeit darin steckte. Aber Fräulein Hertel wußte, daß sie ihr und dem Hause im Laufe des Jahres Hunderte von Arbeitsstunden dadurch sparte. Hatte doch in den sechs Monaten hier ein großer Teil ihrer Tätigkeit darin bestanden, alles zu suchen, was lange nicht gebraucht ober einfach am Tage vorher verlegt worben war. —
Am Abenb bat sie Frau Engemann um Erlaubnis, für eine Stunbe zu ihrer Mutter gehen zu dürfen. Denn sie wollte sie sprechen, ehe sie am nächsten Morgen ins Haus kam, um Lucienne zu massieren.
2Iber das war ein ganz mißlungener Abend.
Zunächst erhielt Lucienne ein paar Blumen und ein freundliches Kärtchen als Abfchiebsgruß von Generaldirektor Stone. Er schiffe sich heute mit seiner Gattin in Bremen ein, und sie dankten noch vielmals für ein paar frohe Stunden in Luciennes gastlichem Hause. Sie würden ihr ein gutes Andenken bewahren. Und hofften, wenn sie wieder- kämen usw. Kein Wort von Hollywood, kein Wort von einem Andenken an die Schauspielerin Lucienne Molny. Aber im Atelier hatte sie heute erfahren, daß Stone die blonde Novize mitgenommen hatte, die mit Cyril Benkoff spielen sollte.
Deshalb machte Lucienne ein trauriges Gesicht und war sichtlich verstimmt.
Fortjetzung folgt


