Ausgabe 
11.11.1937
 
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Les-

Gießener Gtadtiheater.

Giacomo Puccini:Die Boheme."

Daß sich Puccini nach seiner OperManon

Wenn auch Puccini sehr häufig als reiner Theatermusiker hingestellt wird, so schwingt in die­ser Oper die menschliche Anteilnahme am stärksten mit, und so wurden die Boheme sein unmittelbar­stes, sein innigstes und ursprünglichstes Werk. Da wird es erklärlich, daß Puccini bei der Durchgestal­tung kein einzelner Zug entgeht, jeder der vier Künstler wird in seiner Wesensheit erfaßt, ebenso aber auch die Nebenfiguren, Bernhard, der Haus­wirt, oder der Verehrer der Musette, Alcindor. Mit einer geradezu verblüffenden Schlagkräftigkeit ver­mag er Menschliches und Sachliches musikalisch tref­fend einzufangen: voll Humor und Lebensübermut, aber auch von ernster menschlicher Nachdenklichkeit sind die Szenen der Künstler unter sich in ihrem Dachstübchen. Seine einmal bekannteLiebe für die kleinen Dinge" wird ihm hier wegweisend. Eben­so aber greift er mit Frische und Zügigkeit das Treiben am Weihnachtsabend imQuartier latin auf, wo er die Dolksszenen in Realistik und mit innerem Schwünge zeichnet, wo ihm kein Einzel­moment entgeht, wie etwa in der Parpignol-Szene und im Aufziehen der Wache. Die geistige Sphäre dieses Aktes wird beherrscht von dem Walzer der Musette, der ihm in seiner Urform schon vor der endgültigen Fertigstellung des Textbuches zugefallen war und zur Keimzelle der Darstellung dieser leichtfertigen Lebensanschauung wird.

Die innere Bezogenheit des Stoffes verdeutlicht Puccini durch melodische Erinnerungssymbole, die quasi dem Augenblick fast wie eine darstellende Ge­bärdensprache entspringen, die einzelnen Personen und Dinge begleiten und zur gegebenen Zeit als Klanggebilde sich organisch eingliedern. So greift er beispielsweise in dem Drama Rudolf-Mimi im­mer wieder in irgendeiner Form auf die Urquelle dieser leidenschaftlichen Liebe der beiden, auf die große Liebesszene im ersten Akt zurück. Aus diesem Ausgangsmaterial läßt er immer wieder Neues entstehen und erschöpft sich nicht in bloßen Wieder­holungen. Andererseits aber begründet diese Ab­hängigkeit von der Ursprungszelle die leichte Ver­ständlichkeit und damit eine nicht zu verleugnende Volkstümlichkeit. Manche satztechnische Eigenart, bei­spielsweise die Quintenfolgen in den Volksszenen des zweiten Bildes, gaben Veranlassung, Puccini in die Nähe der französischen Impressionisten einordnen zu wollen. Was bei diesen akustisch-optische Klang­malerei bedeutet, ist bei Puccini seelisch bedingtes Ausdrucksmittel. Die trostlose Traurigkeit des nebli­gen verschneiten Februarmorgens in' Parallele mit der zerrissenen seelischen Verfassung der Gestalten konnte keinen tieferen packenderen Ausdruck finden, als durch die leeren Quintenfolgen zu Beginn die­ses Aufzuges.

Diese Welt wurde in der Aufführung lebendig

durch die feinpointierte, liebevoll ausgefeilte Durch­arbeitung des Orchesterpartes unter Kapellmeister Walter, der mit innerem Schwung und voll Temperament die affektgebundenen Höhepunkte er­füllte, den lyrischen Momenten und seelischen Kon­trasten mit feinem Empfinden nachging und die vielen Details der Bildhaftigkeit und der Farbe in plaftifdjes Licht rückte, wenn auch stellenweise mit Rücksicht auf die Tragfähigkeit der Stimmen noch größere Zurückhaltung geboten gewesen wäre. Ihm folgte das Orchester bis zum Letzten mit Drangabe besten Könnens und Gelingens in allen Klang­gruppen. Im engsten Kontakte dazu war der szenische Aufbau gegliedert und in seiner Gebärde und in der Bewegtheit aus dem Geiste der Musik nachgeschaffen (Dr. Erich Schumacher). Der szenische Untergrund war durch äußerst eindrucks­volle Bühnenbilder (Karl Löffler) gegeben und durch individuelle Abstimmung der Beleuchtung ge­hoben (Remigius Konen). Die bunten Volks­szenen des zweiten Bildes waren in Frische akzen­tuiert und belebt durch die Chöre (Heinz Mark­wardt).

Im Vordergrund des Interesses stand Margarethe Merian als Mimi mit ihrer seelenvollen Durch- geftaltung von Liebeslust und -leid. Ihre stimm­lichen Mittel sind von besonderem Klangwert in der sonst meist wenig bedachten Mittellage. Die Höhe weitet sich im Aufwallen der inneren Er­regung zu voluminösen Tönen; ihr Piano und ihre mezza voce sind klangvoll und tragfähig im Raume. Dadurch wurde die Sterbeszene eindring­lich und packend. In den großen Duetten einte sie sich mit Ernst-August Waltz als Rudolf in weitem klanglichen Bogen. Mit der Arie des ersten Aktes Wie eiskalt ist das Händchen" erntete er ehrlichen Beifall auf offener Szene. Sein Rudolf muß als feine beachtlichste Leistung bisher in der Oper ge­wertet werden. Den Kreis der vier Unzertrennlichen rundeten Gustav Bley als Marcel voll warmer Menschlichkeit und charakterlicher Hilfsbereitschaft, Wilhelm Greif, ein Philosoph mit geistiger Be­stimmtheit und Opferwillen, Max Schneider- O e ft als Musiker Schaunard; alle vier im Han­deln und musikalisch trefflich auf einander einge­stellt. Friedel F o r n a l l a z gab der Musette lebendige Charakterisierung durch ein äußerst leb­haftes sprudelndes" Spiel, entsprechende Haltung, ungezügelte Leidenschaftlichkeit und dominierende Töne der Höhe. Ein Hauswirt von Selbstbewußt- fein und vermeintlicher Ueberlegenheit war Alfons F o r ft n e r.

Die Aufführung dieser Oper bedeutet für die Gießener Verhältnisse keine gewöhnliche Aufgabe; um so ehrender war für alle Mitwirkenden der hohe Grad von Geschlossenheit. Das wurde von den

Hörern dankbar durch reichen Beifall und zahl­reiche Hervorrufe gewürdigt.

Dr. Hermann Hering.

caut" dem Boheme-Stoff zuwendet, mag einmal an dem Erleben des Liebesschicksals der Mimi gelegen haben, nicht wenig zogen ihn die vier unzertrenn­lichen Künstlergestalten an und nicht zuletzt schwang gerade in diesem Milieu und dem Verlauf der Ein- zelfchicksale ein Teil der Erinnerung an die Erfah­rung aus der Zeit des eigenen Werdens mit.

Im Verfolgen der Schicksale dieser vier Lebens- hungrigen, vielleicht in ihrem Genießen etwas leichtsinnigen, aber innerlich doch nicht verwerf­lichen Künftlertypen erlebt Puccini ein Stück der eigenen Persönlichkeit mit, und namentlich die Szenen, dis uns zeigen, wie diese Bohemes sich über alle Widerwärtigkeiten, Unzulänglichkeiten und Verlegenheiten des Lebens mit einem alles ver­klärenden und idealisierenden Humor hinwegse^en, sind von ihm besonders liebevoll bedacht worden. Und wie diese Vier in treuer Kameradschaft zuein- anderstehen, sich einander aushelfen und innerlich aufrichten und stets, wo es in der Not gilt, für einander einstehen. Diese Herzhaftigkeit der Lebens­führung mochte ihm besonders Zusagen

Und doch, auch die Kehrseite des Lebens ist ihm nicht erspart geblieben. Zwei treue Freunde des Meisters, die ihre Erinnerungen an ihn veröffent­lichten, fetzten diesen Puccinis Ausspruch voran: Ach, wie hart ist doch mein Leben? Und doch er­scheint es vielen glücklich . " Dem Lebensbejahen steht ein starker Zug zum Melancholischen zur Seite, und das Tragische des Schicksals vermag ihn tief zu erregen. So wird uns u. a. bezeugt, daß er nach der Niederschrift der Sterbeszene der Mimi' in Tränen ausgebrochen sei; so hatte ihn der Schmerz gepackt, so echt hatte er das Bühnenschicksal durch­fühlt. Diese innere Tiefe hat seiner Komposition des Boheme-Stoffes zum Siege verhalfen; denn gleich­zeitig hatte sich auch Leoncaoallo, der Komponist des Bajazzo", ebenfalls mit dem Text befaßt.

M u r g e r s zeitgenössischer RomanLa vie de Boheme" war durch Giacosa und Illica, den Li­brettisten auch vonTosco" undButterfly", als Unterlage zu einem lebensfähigen Text benutzt wor­den, indem sie den Stoff bühnengemäß umgestal­teten, im einzelnen veränderten, um der breiten Schilderung dramatischen Impuls zu geben, und dennoch die wesentliche Sphäre des Vorbildes bei- behielten. Die Autoren bezeichnen ihr Werk als Szenen" in vierBildern" und geben damit der inneren Ausweitung der einzelnen Gegebenheiten Raum. Weniger eine straff gespannte Dramatik als eine tiefe Menschlichkeit gibt dem Stoff die Wirkung.

Lichtspielhaus:Dee Mustergatte."

Wenn zur Erzielung garantiert glücklicher Ehen überall so viel Geschirr zerschmissen und so viel an kostbarer Einrichtung demoliert würde wie in dic- |em Film, dann wäre es von allen sonstigen Bedenken zu schweigen eine ziemlich kostspielige Sache. Im Leben geht es gottseidank meist weni­ger geräuschvoll zu, auch haben in Wirklichkeit die Eheleute meist noch etliche andere Sorgen; aber der Film hat das Vorrecht, sich um die Wirklichkeit nicht kümmern zu müssen Der Filmautor darf sich die verrücktesten Geschichten ausdenken, und diese hier ist so, daß dem Zuschauer die Hellen Tränen in den Augen stehen, nicht vor Rührung, sondern vor Lachen. Da ist ein Ehemann, der ist so schrecklich korrekt und pedantisch, so nüchtern, schüchtern und temperamentlos, daß er mit all diesen Eigenschaf­ten seine liebe Frau zur Verzweiflung bringt. Letzte Rettung: er darf mal zeigen, daß er auch anders kann. Dieser Ehemann heißt Heinz R ü h m a n n , und dieser Mustergatte ist eine Paraderolle für ihn, mie er sie selten gehabt hat; sie gibt ihm Gelegen­heit, nacheinander ungefähr sämtliche Register zu ziehen, über die feine vieler Schattierungen fähige Komikerbegabung verfügt (Er gehört zu denen, die völlig unkopierbar sind.) Er macht den korrekten Chef eines Bankhauses, den musterhaften Gemahl, den Liebhaber, auf Eis gelegt, den ungeschickten Kavalier, alles herrlich. Aber am schönsten ist es», wenn mit sozusagen höherer Gewalt der Muster­gatte zum trunkenen Lebemann wird, welcher phan­tastische Cocktails mixt und in die hemmungslose Raserei eines nicht minder phantastischen Rausches gerat. Die Drehbuchverfasser und der Regisseur Wolfgang fiiebeneiner, der das Ganze mit Laune und ausgelassenem Temperament insze­nierte, treiben den Schwank hier allerdings bis an dle letzte Grenze des Möglichen. Reizend sind die beiden Ehefrauen: Levi M a r e n b a ch , die schon einmal in ähnlicher Sphäre mit Rühmann zusam- men spielte, und Heli F i n k e n z e l l e r ; ihr nächt­liches Gelage mit dem entfesselten Mustergatten ist unbezahlbar. Sehr hübsch assistieren auf der Män- nerfeite Werner Fue11erer und Hans S ö h n - k e r, zwei prächtige Kavaliere. (Tobis.)

*

Dazu sieht man einen Kulturfilm vom Bodensee und auf der Bühne Amera & C o. in einem ge­fährlich gesteigerten Balance-Akt: sehr sichere, ele­gante und saubere Artistik.

Hans Thyriot.

Ur. 264 Drittes Blatt

Giessener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, li. November |M3Z

Volkstümlicher Allendörfer Melsmarkt

Blick auf den Allendörfer Nikelsrnarkt. (Aufnahme: Neuner.)

das heißt vor dem Einseifen. Nivea-Creme gibt geschmei­dige, gut rasierfähige Haut, die weder spannt noch aufspringt

Marktbetrieb, wie man ihn feit Jahren in Allendorf kennt. Die Besucher kamen zu Fuß aus den nahe­gelegenen Orten, auf dem Fahrrad und viele m Omnibussen, die aus mehreren Richtungen aus An­laß des Nikelsmarktes nach Allendorf fuhren. Diele Mädchen aus der Umgebung und aus dem Ebs- dorfer Grund kamen in ihrer reizenden Tracht, und sie alle waren sichtlich erfreut über das Markt­treiben.

Die Händler schlugen ihre Stände auf und legten ihre vielerlei Gebrauchsartikel zum Kaufe aus;' die einheimischen Bäckereien brachten ihre Backwaren an die Straße, selbstverständlich gab es auch wieder die hübschen oberhessischen Töpferwaren, und vom Kraftwagen, die zu Verkaufsständen ausgestaltet waren, wurde Geschirr verkauft. Um die Mittags­stunde verstärkte sich das lebhafte Treiben zwischen Anger und Kirche, und am Nachmittag war kaum mehr ein Durchkommen. Mit kritischen Blicken prüf­ten die Bauersfrauen die Dinge, die sie zu kaufen beabsichtigten. Nahe der Kirche war ein Karussell

[amte Unterrichtsbetrieb in vielfacher Hinsicht voll­ständig umgestellt werden mußte, es kamen auch so viel neue Stoffe und wichtige Gebiete hinzu, daß hier eine Mehrarbeit verlangt wird, die vielen noch ganz unbekannt ist.

Nachdem nun die ersten unsicheren Versuche über­wunden sind, nachdem nahezu fünf Jahre im neuen Geiste gearbeitet wird, darf und kann auch die Volksschule nicht zurückstehen. Sie hat ein Recht, zu zeigen, wie sie sich eingegliedert hat in die neue Zeit. Die Leistungsschau wird dabei mithelfen.

Wir wissen, daß es immer noch viele Volksge­nossen gibt, die da sagen:Hauptsache ist, daß die Kinder schreiben, lesen und rechnen können, das an­dere findet sich schon." Daß gerade die Grundschule in diesen Fächern auf der Höhe steht, das wird die Leistungsschau an Beispielen zeigen. Die Ziele der Volksschule sind aber wesentlich höher gesteckt. Ein Volk, das geistig so vorwärts strebt.wie das deut­sche, kann sich nicht damit begnügen, nur Schrei­ben, Lesen und Rechnen in der Schule zu üben. Das Leben stellt ganz andere Anforderungen.

Die körperliche Ausbildung wurde schon erwähnt.

* Allendorf a. d. Lumda, 10. Nov. Erneut bewies der heutige Allendorfer Nikels- markt feine Volkstümlichkeit. Aus weitem Um­kreis kamen die Bauern in das Städtchen, um Ein­käufe zu machen. Der Markt bot reichlich Gelegen­heit dazu. Schon in den Morgenstunden herrschte in den Gassen des Städtchens jener charakteristische

Dorfstraße dahinrumpelt, lockt doch gar zu sehr. Der Fuhrmann schaut nach seinen Pferden ober die Straße voraus und merkt oft nicht, daß ein Junge hinten auf dem Wagen aufsitzt.

In einem Nachbarorte hatte sich dieser Tage der kleine Fritz so wollen wir den Buben nennen schön auf dieLangwitt" des Wagens gehockt, er beugte feinen Kopf nach unten hinter das Pfuhl­

aufgestellt, dessen Klänge die Marktstraße beherrsch­ten. DasFräulein in der Schießbude" hielt eifrig nach Schützen Ausschau. Selbstverständlich nahm man auch Gelegenheit zu einem kräftigen Frühstück, so daß in den Gastwirtschaften Hochbetrieb herrschte.

Wenn auch der Schweine- und Rinder­markt im Rahmen des Allendörfer Nikelsmarktes keine überragende Rolle spielt, so herrschte doch auf dem Marktplatz an der Stadthalle reges Leben. Es waren 365 Schafe, 261 Ferkel, 8 Rinder unter 1 Jahr alt und 20 Rinder über 1 Jahr alt aufge­trieben. Für Ferkel bis zu 8 Wochen alt wurden 14 bis 16 Mark bezahlt, ältere Tiere kosteten bis zu 25 Mark. Der Verlauf des Schweinemarktes war sehr rege, die meisten Tiere wechselten den Besitzer. Der Rindermarkt verlief schleppend, auch Schafe wurden weniger rege abgesetzt.

Leider beeinträchtigte das schlechte Wetter am Nachmittag die Stimmung etwas, so daß sich viele Marktbesucher in die Gaststätten und in die Stadt­halle begaben, die bald überfüllt waren. In bun-

Was will die Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gießen?

ier Reihe saß man an den Tischen, und viele Bekannte trafen sich bei dieser Gelegenheit. Man unterhielt sich gründlich über den Pferdekauf, über Fragen der Land­wirtschaft, sprach von dem und jenem Bekann­ten und unterhielt sich dabei auf das Ange­nehmste. In der Stadt­halle wurde trotz der Fülle getanzt, . und so kam auch die Jugend zu ihrem Recht. Manche Marktbesucher fanden erst zu später Stunde den Heimweg.

Der Allendörfer Nikels- markt erwies sich gestern erneut als ein Sammel­punkt der ländlichen Be­völkerung des Lumda- tals und feiner näheren Umgebung.

Aus der Stadt Gießen.

Eineruchbare" Geschichte.

Wer hat nicht schon gesehen, wie sich kleine Bu­ben auf fahrende Wagen schwingen, um ein Stück Wegs mitgenommen zu werden? Gewiß ist es eine Unsitte, und mancher Unfall ist dadurch verursacht worden. Aber die Buben lassen sich nicht so schnell belehren. Ein Ackerwagen, der so gemütlich auf der

Sorgfältig mißt die Bäuerin nach, ob der Tops, den sie kaufen will, auf ihren Herd paßt.

In vielen Städten unseres Vaterlandes wurden in der letzten Zeit Leistungsschauen veranstaltet, die den Volksgenossen zeigen sollten, wie in allen Be­rufen und Wirtschaftszweigen zielbewußt und hoff­nungsfroh gearbeitet wird. Die Leistungsschauen der Bauernschaft, des Handwerks, der Industrie ufw. legten Zeugnis Davon ab, daß sich die vielseitigen Umgestaltungen und Aenderungen seit dem Januar 1933 nur zum Wohle des gesamten deutschen Volkes auswirken. Die nationalsozialistische Weltanschauung wurde die Grundlage unseres Wollens und Ar­beitens. Nirgends kam das mehr zum Ausdruck als auf diesen Leistungsschauen.

Wenn sich nun die Volksschulen des Krei - ses anschicken, ebenfalls eine Leistungsschau zu veranstalten, so wird mancher zweifelnd fragen: Ja, geht das denn überhaupt? Kann man mit Zeich­nungen, Schriftproben, Modellen ufw. veranschau­lichen, was in der Schule erarbeitet wurde?

Die Frage ist berechtigt, und die Aussteller sind auch davon überzeugt, daß man auf einer Leistungs­schau nicht die geistigen Güter und Erkenntnisse, die die Schule vermitteln soll, zeigen kann. In der -Hauptsache ist die Arbeit der Schule doch eine gei­stige. Die Entwicklung des Charakters, die Erziehung zur freudigen Einordnung in das Volksganze und andere Hauptaufgaben wir denken hier auch an die Ausbildung und Stärkung der jugendlichen Körper, all das kann man nicht mit greifbaren Ergebnissen belegen.

Gar viele Stoffgebiete aber sindausstellungs­reif". Man hat ja früher auch schon öfters kleinere Ausstellungen verschiedener Unterrichtszweige, wie Handarbeiten der Mädchen, Segelflugmodelle, Zeich­nungen aller Stufen usw. veranstaltet. Diese Schauen gaben wohl einen Einblick in Einzelfächer der Schule, aber eine Gefamtschau über die Ziele und Arbeiten der Volksschule hat noch nicht statt­gefunden.

Die Eltern, die ihre Kinder zur Schule schicken, sehen und hören gelegentlich einmal, was im Unter­richt verlangt wird, sie zeigen auch lebhafte Anteil­nahme, besonders in den ersten Schulwochen, an den Leistungen ihrer Kleinen. Dann aber kommen Berufs- und Wirtfchaftsforgen, die kaum noch Zeit lassen, sich um die Schüler zu bekümmern.Die Kinder kommen ja ganz gut mit", so sagen die Eltern, und alles scheint in Ordnung zu sein. Das Interesse an der Schule wird erst wieder lebendig, wenn einmal schlechte Zeugnisse nach Hause ge­bracht werden, oder wenn der Junge nach acht­jährigem Besuche die Schule verlassen soll, um einen Beruf zu erlernen.

Wir wissen, daß mancher Schüler bei Eignungs­prüfungen ufw. versagt, daß er viele Lücken in feinem Wissen zeigt, und gar zu schnell ist man bereit, die ganze Schuld auf die Schule zu laden. Ja, früher, als wir so alt waren, was haben wir da gewußt!" Solche Urteile hört man immer wie­der. An seine eigene Brust aber greift selten einer, denkt nicht daran, daß er während der acht Jahre doch einmal Zeit hätte finden müssen, um sich über die Schularbeiten seines Kindes ein Bild zu machen.

Um viele aus dieser 'Bequemlichkeit aufzuscheu- chen, sie wach zu rütteln und ihnen zu zeigen, welche gewaltigen Aufgaben der Volksschule gestellt sind, wurde die Leistungsschau beschlossen.

Wenn die Räume der Ausstellung für jedermann geöffnet sind und man einen Ueberblicf über die dort gezeigten Arbeiten gewonnen hat, bann wird wohl manches schiefe Urteil über die Volksschul- arbeif berichtigt werden.

Wohl keine Einrichtung des Staates wurde im Dritten Reich so stark geändert und umgewandelt, wie gerade die Volksschule. Nicht nur, daß der ge-

Dazu treten noch gar viele Stoffe, an denen die Volksschule nicht Vorbeigehen kann und will. Fa­milien- und Sippenkunde, Erbgesundheits- und Ras­senlehre, das deutsche Volk und sein Lebensraum, die koloniale Frage, Wehrerziehung, Segelflug­modellbau, Luftschutz, Auslandsdeutschtum, WHW., NSV., Vierjahresplan, Schullandheim u. v. a um nur einige Hauptpunkte anzuführen, fordern Ein­laß in die Schule.

Wie die Schüler diese neuen Aufgaben losen, das wird die Leistungsschau vorführen.

Wir sind der Meinung, daß mancher Besucher der Neuen Pestalozzischule, in der die Aus- stellung am 3 0. November eröffnet wird, überrascht sein wird über das Gebotene, daß er aber auch Anregung finden und darüber nachdenken wird, welcher ungeheure Wille und welche Arbeits­lust in unserer deutschen Jugend und ihren Leh­rern stecken, die hier ihr Können unter Beweis stellen. Vielleicht erinnert man sich bei den aus­gestellten Arbeiten auch daran, daß in vielen Klas­sen 60 und mehr Kinder sitzen, die alle betreut fein wollen, und das harte Urteil über dasNachlassen der Volksschularbeit" wird dann wohl verstummen.

Wir wünschen deshalb, daß die Leistungsschau von vielen Volksgenossen besucht wird.