halten, Seefische in verschiedenen Zubereitungen regelmäßig zur Hauptmahlzeit, zum Frühstück und zum Abendbrot zu wählen.
** Schwimmhalle wieder geöffnet. Die Direktion des städtischen Volksbades gibt bekannt, daß die Schwimmhalle vom Donnerstag, 12. August, ab wieder geöffnet ist.
** Postverkehr nach Spanien. Es empfiehlt sich, in der Aufschrift der Postsendungen nach Spanien die Provinz anzugeben, in der der Bestimmungsort liegt. Wenn ein Absender über die Zugehörigkeit des Bestimmungsortes seiner Sendung zu dem Gebiet einer der kämpfen-en Parteien zuverlässig unterrichtet ist, ist es vorteilhaft.
daß er durch einen Vermerk in der Aufschrift die Leitung der Sendung bestimmt. Solche Leitvermerke lauten zweckmäßig für das festländische Gebiet der nationalen Regierung „über Hendaye", für die Balearen und Pityusen „über Genua", für das ostspanische Gebiet der marxistischen Valencia-Bolschewisten „über Cerbere" oder „über Barcelona" und für das noch nicht in den Händen der nationalen Regierung befindliche nordspanische Gebiet (Teile von Asturien) „über Bordeaux".
** Grummetgrasver st eigerungen. Am Montag, 16. August, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen meistbietend versteigert werden.
Das„Festi>erVeutschenTraube"inGießen
Roch sind die Wein-Werbewochen der vergangenen Jahre in aller Erinnerung. Noch entsinnt man sich dessen, daß im vorigen Jahre im Hofe des Alten Schlosses und auch am alten Rathaus Weinausschänke geschaffen waren, die mit bunten Bändern, großen Fässern mit lustiger Bebilderung, zum Teil auch mit Musik und bunter Tracht der Weinschenken, lebhaften Anreiz boten, sich auch einmal ein Gläschen Wein zu „genehmigen". Die Winzerfeste in der Volkshalle brachten große Erfolge. Allenthalben in den Gaststätten unserer Stadt wurde der Patenwein angeboten. Das Ergebnis der Wein-Werbewochen war für alle Beteiligten, für Winzer, Weingrossisten und Weinoerteiler erfreulich genug. War doch die erstaunliche Tatsache zu verzeichnen, daß die Gießener im Weinverbrauch während der Weinwerbewoche 1935 (anteilmäßig gerechnet nach der Zahl der Bevölkerung) im ganzen Reich an erster Stelle standen: 40 600 Liter wurden damals getrunken! Auch im Jahre 1936 wurde dieser Umsatz nahezu erreicht. Es hat sich also hier fast eine „Tradition" ange- babnt, die, so könnte man sagen, verpflichtet!
Allerdings: das „Fest der deutschen Traube" wird in diesem Jahre nur während zweier Tage gefeiert. Vorgesehen sind dafür der 24. und der 25. September. Die Weinwerbung geht in diesem Jahre deshalb nur über so kurze Zeit, weil der Jahrgang 1936 nicht so ausgiebig war wie mancher Jahrgang vorher. Die Winzer haben gegenwärtig nicht so viel Wein in den Kellern, daß es möglich wäre, das Fest in dem früheren Ausmaß durchzuführen. Für den deutschen Wein soll aber trotzdem geworben werden, denn die Winzer'hoffen zuversichtlich, daß es ja auch wieder Jahre geben wird, in denen mehr Wein in den Kellern liegt, um getrunken zu werden.
Um die Durchführung des „Festes der deutschen Traube" in unserer Stadt vorzubereiten, fand sich
gestern der hiesige Wein-Werbe-Ausschuß im Stadthaus Bergstraße ein. An der Sitzung nahmen Beigeordneter Vogt, vom Verkehrsamt Herr Schuft e r, der Vertreter des NSG. „Kraft durch Freude" Kreiswalter Müller, ferner Vertreter des Weinhandels, des Gaststättengewerbes und des Einzelhandels teil. Es wurde beschlossen, für das „Fest der deutschen Traube" wieder Patenwein aus Gau-Odernheim und Flaschenweine aus Oppenheim zu beschaffen. Der Patenwein, der in Schoppengläsern ausgeschenkt wird, soll in diesem Jahre 30 Pfennige kosten, für die Flasche Patenwein im Einzelhandel soll der Preis 1,05 Mark (ohne Flasche) betragen. Erstmalig soll in diesem Jahre auch deutscher Schaumwein ausgeschenkt werden: das Normalglas soll auf 55 Pfennige zu stehen kommen, die ganze Flasche auf 3,65 Mark.
Die NSG. „Kraft durch Freude" wird auch in diesem Jahre wieder ein Winzerfest durchführen und dabei bemüht sein, den äußeren Rahmen diesmal etwas anders zu gestalten. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Auch die Einzelhändler stellen sich wieder in die Front der Werbung für den deutschen Wein.
Von einem öffentlichen Proben-Ausschank, wie er im vorigen Jahre im Schloßhof und am alten Rathaus durchgeführt wurde, muß in diesem Jahre in Anbetracht der umfangreichen Vorbereitungen, die dafür notwendig wären, Abstand genommen werden. Der Aufwand wäre für die kurze Zeit von zwei Tagen nicht zu rechtfertigen.
Die Volksgenossen unserer Stadt werden es auch in diesem Jahre nicht daran fehlen lassen, ihre bisher so eindrucksvoll bewiesene herzliche Verbundenheit mit dem deutschen Winzer erneut unter Beweis zu stellen.
Hitler-Llrlauber-Kamera-schast im Tonwerk Abendstern.
Der gestrige Dienstagvormittag war für die Hitler-Urlauber-Kameradschaft „Deutschland" wieder einer Jndustriebesichtigung gewidmet. Die Urlauber- Kameraden waren im Tonwerk Abend st ern zu Gast und gewannen dort nicht nur einen tiefen Einblick in einen vorbildlichen Betrieb und eine herzliche Betriebsgemeinschaft, sie erlebten auch einige Stunden der Kameradschaft mit dem Betriebsführer, Direktor R e h b e r g , und seinen Angehörigen, die schon früh für die Sache des Dritten Reiches kämpften und manches Opfer für die Bewegung brachten.
Die Hitler-Urlauber-Kameradschaft, die mit dem „Bieberlieschen" nach Abendstern fuhr, wurden von dem Direktor des Werkes herzlich willkommen geheißen. In drei Gruppen unter Führung von Direktor Rehberg, feinem ältesten Sohne und einem Werkmeister wurde der Betrieb besichtigt. Die Urlauber-Kameraden standen an der Tongrube und sahen die sorgfältige Arbeit der Bagger, von denen aus der Ton bereits gemischt und krümelig in das Werk gelangt. Auf dem Rundgang durch die Werkanlagen lernten sie die modernen, zum Teil im Werk selbst konstruierten maschinellen Einrichtungen für die Formung der Ziegel, für die Trocknung auf dreierlei Art und schließlich den Prozeß des Ziegel
brennens im Ringofen kennen. Weiter hatten sie viel Gelegenheit, die Volksgenossen in schwerem Dienst zu sehen, mit ihnen zu sprechen, und sie fanden dabei oft den Beweis dafür, daß der Betrieb eine herzliche Gemeinschaft pflegt. Direktor Rehberg gab im Rahmen der Führung einen anschaulichen Ueberblick über die Geschichte und die Entwicklung der Tonwerke Abendstern.
Im Anschluß an die Betriebsbesichtigung saß man bei einem kleinen Imbiß im Saale von Duill beisammen, der für die Stunden der Kameradschaft prächtig geschmückt war. Ein Bild des Führers, Fahnentuch und frisches Grün gaben dem Raum ein festliches Gepräge. Betriebsführung, Urlauber- Kameradschaft und Gefolgsmänner nahmen an der Kameradschaftsfeier teil. Manche Erinnerung aus der Kampfzeit wurde zwischen den Kameraden der Urlauber-Kameradschaft und den Angehörigen der Familie Rehberg ausgetauscht. Kameradschaftsführer Hellwig hielt eine Ansprache, in der er berichtete, daß bereits im Jahre 1923 ein Mitglied der Familie Rehberg schon in den Reihen des Führers stand. Frühzeitig schon, bereits im Jahre 1929, habe sich der Betrieb zur nationalsozialistischen Idee bekannt und manchen Schwierigkeiten zum Trotz (Schwierigkeiten, die insbesondere von der Seite
Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35
21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nein, aber du sollst sie diesem Michailow nicht in die Hände geben! Und wenn du es tust —"
„Das ist lustig. Eben hat Michailow bei mir über den verfluchten Renz geschimpft. Das beste wäre also, Ihr schertet Euch alle beide zum Teufel!"
„Damit du der lachende Dritte wärest. Nein, mein Lieber. Dann schon lieber —"
Ein greller Blitz flammt auf, und ein krachender Donner zerreißt die Stille. Zugleich springt ein heulender Wind auf und jagt den herunterprasselnden Regen in schrägen Streifen in die Stalltüre hinein. Die Bäume beginnen zu rauschen, eine herrliche Kühle verdünnt die dumpfe Stalluft — es riecht plötzlich nach Erde und frischem Grün.
Die beiden Männer atmen in tiefen, lauten Zügen. Lyk hat die Hände gegen die Brust gepreßt, Renz lehnt seinen Kopf gegen das morsche Holz der Stallwand. Es ist, als hätten sie ihr Gespräch ganz vergessen.
Der Regen peitscht herein und befeuchtet ihre Anzüge und ihre Schuhe, ohne daß sie es beachten, ja, Renz streckt sogar seine Hand hinaus, um die Tropfen auf seiner Hand zu fühlen.
So schweigen sie lange; es ist, als ob jeder ganz allein dort an der Stalltüre dem Gewitter zuschaute.
Lyk befinnnt sich als erster wieder auf das unterbrochene Gespräch. „Ja, daß wir alle drei aufeinander aufpassen, weil keiner dem anderen das Mädel gönnt, das weiß ich. Und vielleicht — ist es sogar gut so. Aber was dich und mich anbelangt, so ist mir inzwischen noch vieles durch den Kopf gegangen, und ich bin mir darüber klar geworden, daß ich vielleicht doch besser daran täte, zwischen dir und Sabine noch irgendein besonderes Geschütz aufzufahren. Ich wollte es vorstellen und dich fragen, wie es dir gefällt."
„In der schadenftohen Gewißheit, daß es mir na- türlich nicht gefällt!"
Lyk lauscht auf den trommelnden Regen und läßt einen lang hinhallenden Donner in der Ferne oer- grollen, ehe er antwortet.
„Oh, das kommt darauf an", sagt er dann mit etwas lauterer Stimme, um das Getöse draußen zu
übertönen, „das kommt ganz auf das Maß deines väterlichen Egoismus an. Ich habe die Absicht, dies Gut an Sabine zu überschreiben. Wenn sie fünfundzwanzig ist, soll sie es haben."
Ist es nur von dem gelben Licht des Blitzes, daß Renz' Gesicht so blaß aussieht? „Warum?" fragt er, und feine Stimme klingt noch brüchiger als sonst, „warum willst du das?"
„Meine Söhne haben drüben genug. Sie wüßten mit so einem Gut gar nichts anzufangen. Aber Sabine weiß es, und darum soll sie es haben. Vorausgesetzt, daß du während der ganzen Zeit dich so im Hintergrund hältst, wie ich es von Anfang an gewünscht habe. Verstehst du? Ist dir das klar? Solltest du also eines Tages Lust verspüren, dich Sabine zu erkennen zu geben, oder solltest du dich bei ihr mehr Liebkind machen, als es mir angenehm ist, ist es aus mit der Herrlichkeit hier, und Sabine wird nicht Gutsbesitzerin. Aber sonst — ist das klar?"
„Ja, das ist mir sehr klar."
„Nun also, um so besser. Dann erübrigt sich jede weitere Rederei über das, was Michailow behauptet, und über das, was du dagegen behauptest, und nun liegt Sabines Glück sozusagen in deiner Hand. Kann ein liebevoller Vater vielleicht mehr verlangen, Nick Lorenz?"
„Nein, das kann er nicht. Aber erlaube, daß ich es sage: du bist ein Lump!"
3n den schallenden Donner hinein lacht Lyk laut auf: „Freilich bin ich das", sagt er lachend. „Freilich bin ich's. Aber muß man nicht manchmal ein Lump sein?"
z Renz sagt nichts mehr. Es ist auch nicht gewiß, ob er hmhort, wie Lyk nun genießerisch aufzählt, was alles zu dem Gut gehört, wie groß die Pacht ist, die durch die Fuchsfarm einkommt, wieviel herausgewirtschaftet werden könnte, wenn einer sich ernsthaft mit dem Gut beschäftigte.
Zwischen Lyks eifrige Reden fährt von Zeit zu Zeit der Blitz, kracht der Donner, trommelt unaufhörlich der Regen.
Aber dann, da er so ganz ins Leere redet, schweigt endlich auch Lyk und überläßt dem Gewitter das Wort, das gerade über dem Lykschen Gut seine Hauptkraft entfaltet.
Eine Stunde vergeht. Eine weitere. Es regnet unaufhörlich.
Renz sitzt da, als ob er schliefe.
Lyk steht noch immer in der Tür.
Einmal sieht er zu Renz hin und öffnet den Mund, als ob er nun doch noch etwas sagen wollte, etwas Begütigendes? Aber er jagt nichts,
?egenüber schließen könnte? Wenn er ihr die Hand üßt, errötet sie und entzieht sich ihm, so schnell sie kann. Wenn er zärtlich und verhalten zu reden beginnt, flüchtet sie sich ins Ironische oder läuft davon. Und eigentlich — spricht sie mit Lyk und Renz und Joseph genau jo vertraut wie mit ihm. Was will er also von dem Mädel, was erwartet er?
Michailow wendet den Kopf an der Fensterscheibe ein klein wenig hin und her, es sieht wie eine Liebkosung aus. Ganz einfach, denkt er lächelnd, ich will wissen, wie sie ist, wenn sie sich vergißt. Gerade sie soll sich vergessen!
Und ganz flüchtig geht es ihm durch den Sinn: vielleicht war das Irmas Fehler, daß sie sich ihm zu schnell, zu willig, zu demütig, zu restlos in die Hand gegeben hat.
Ob Sabine wohl weiß, was um sie herum auf dem Hos geschieht? Ob sie wohl ahnt, daß außer diesem verkommenen Subjekt, diesem Renz, nun auch Lyk seiner nicht mehr ganz sicher ist? Ob sie sich klar darüber ist, daß jedes kindliche Lachen in drei Männern das Blut rascher pulsieren macht? Aber das ist das Schlimme: sie weiß es nicht. (Sie ist ein süßes kleines Ding, das erschrickt, wenn es manchmal einen unbeherrschten Blick, ein zu weitgehendes Wort auffängt — das ist alles. Doch das gerade ist vielleicht das Bezaubernde, das Berauschende an dem Mädel?
Ah, und sich vorzustellen...
Da tritt Irina ein.
Michailow dreht sich herum und geht mit auy gestreckten Händen auf sie zu: „Irina — wie hübsch du dich wieder gemacht hast!" Er küßt ihr beide Hände.
Irina sieht auf seinen niedergedeugten Kopf und lächelt mit schmalen Lippen: „Exzellenz läßt sich noch ein paar Minuten entschuldigen, Igor. Wir haben Glück heute!"
„Da haben wir wirklich Glück." Aber Michailows Worte klingen nicht sehr echt, und Irina betrachtet ihn höhnisch.
Dann stehen sie eine Weile planlos und unsicher im Zimmer umher, Irina ein wenig herausfordernd mit aufgestemmten Armen, und Michailow sichtlich nervös, bis Irina die Spannung löst, auf ihn zu- geht und fragt: „Haft du mir gar nichts zu erzählen, Igor?"
Michailow bemüht sich, ein harmloses Gesicht zw machen. „Zu erzählen? Oh doch. Vorgestern, da hat das Gewitter in das Strohdach unseres Stadlshandgroße Locher gewaschen..."
Fortsetzung folgt.
des jüdischen Kapitals gemacht wurden), die Hoken- kreuzflagge gehißt. Kameradschaftsführer Hellwig erinnerte auch daran, wie Direktor R e h b e r g häufig seine Wagen zur Verfügung stellte, um die SA. zu Versammlungen in das Land ringsum zu bringen. Dem Betriebsführer fei die Anerkennung nicht versagt geblieben. Die Gauleitung habe ihm ein Führerbild gewidmet. In symbolischem Vergleich wies der Kameradschaftsführer darauf hin, wie das Dritte Reich des Fundamentes feiner alten bewährten Kämpfer nicht entbehren konnte, gleichwie ein Haus nicht bestehen könne, wenn es sich nicht auf festen Steinen aufbaue und nicht mit guten Ziegeln gedeckt sei.
Die Gäste wurden auf das Schönste bewirtet. Frau und Schwiegertöchter des Werksdirektors ließen es sich nicht nehmen, alle Vorbereitungen selbst zu treffen und die Besucher auch selbst zu bewirten. Auch an Bier, Zigarren und Zigaretten fehlte es nicht. Eine schone Würdigung und Anerkennung für den Gastgeber bedeutete es, daß die Kameraden der Hitler-Urlauber-Kameradschaft vor feinem Hause einige alte Kampflieder erklingen
ließen. Manches Bild wurde zur Erinnerung pho. tographisch ausgenommen.
Zur Erinnerung an die Stunden im Tonwerk Abendstern soll den Urlauberkameraden demnächst ein Aschenbecher zugestellt werden, der aus dem Material der Tonwerke Abendstern hergestellt werden wird und die Aufschrift tragen soll: „Hitler- Urlauber-Kameradschaft ,Deutschland' — 1. August 1937 — Tonwerke Abendstern".
Die gesamte Urlauberkameradschaft wußte ihren Gastgebern -für alle Aufmerksamkeit, die ihnen hier zuteil wurde, herzlichsten Dank. Sturmhauptführer Brumlich machte sich zum Sprecher seiner Kameraden und gab in bewegten Worten der Freude seiner Kameraden über diese gastliche Ausnahme und Bewirtung Ausdruck.
Um die Mittagsstunde mahnte der dringliche Psiss des Bieberlieschens zum Ausbruch und zur Rückfahrt nach Gießen. ' Lange noch winkten die Urlauberkameraden ihren rasch gewonnenen Freun- den zu und als der Zug schon beim Windhof um die Kurve fuhr, sah man noch die Taschentücher flattern. Lange werden den Gästen die Stunden-im Tonwerk AbeNdstem in der Erinnerung bleiben.
Aus der engeren Heimat.
Wiedersehensfeier ehemaliger 441er.
Arn 7. und 8. August feierte das R e s. - I n f. - R g t. N r. 4 41, dem auch viele Kameraden aus Gießen und Umgegend angehörten, in Gelnhausen seine zweite Wiedersehensfeier.
Am Samstag war in der Turnhalle der Be- grüßungs- und Kameradschaftsabend, an dem viele Gäste aus der Partei, der Wehrmacht, der Formationen und der Stadt Gelnhausen teilnahmen. Nach dem Fahneneinmarsch hielt der einstmalige Adjutant des 2. Batl., Fabrikleiter Hans B u d i ch aus Reichenau in Sachsen, die Eröffnungsansprache. Er gedachte der Toten des Regiments, zu denen auch der ehemalige Kommandeur, Oberst Rudolph, gehört. Alsdann begrüßte er die Vertreter der Partei, der Wehrmacht, sowie den Bürgermeister der Stadt Gelnhausen. Bürgermeister Robert überbrachte den Willkommensgruß der Stadt Gelnhausen. Eme SA.-Kapelle, Chore der Sängerschaft und Vorführungen der Turner halfen den Abend verschönern.
Am Sonntagmorgen fand in der Hindenburg- anlage die feierliche Einweihung eines Gedenksteines für die Gefallenen des Regiments statt. Ehrenabteilungen der Wehrmacht, weiter der Sturm 15/98, NSKOV., Soldatenbund, Kriegerkameradschaft, Freiwillige Feuerwehr, die vielen Kameraden vom R.-J.-R. 441 waren am Denkmal aufmarschiert. Die Weiherede hielt der einstmalige Vizefeldwebel von 6/441, Pfarrer König, Klein- Linden bei Gießen. Er führte im Geiste die Kameraden auf so manche heißumstrittene Stelle in Frankreich, wie z. B. Argonnen, Champagne, Flandern, Noyon, Soissons-Laffaux, Chemin des Dames. Ueberall hat das Regiment große Verluste gehabt. Der Orden Pour le merite, den der Kommandeur Oberst Rudolph, verliehen bekam, ehrte das ganze Regiment und nicht zuletzt seine Gefallenen. Der Redner schilderte weiter, wie ihr Tod nicht umsonst gewesen sei, sondern Saat für das neue Deutschland. Uns ziemt es nun, nicht fruchtlos zu klagen um die gefallenen Kameraden, sondern ihr Vermächtnis zu erfüllen, wie es der Arbeiterdichter in Worte kleidet: „Haltet das Werk am Leben, dann ist kein Geopferter tot. Klagt nicht — schafft!" Pfarrer König vollzog dann die Weihe des Ehrenmals als eines Denkmals treuer Kameradschaft und eines Mahnmals für künftige Geschlechter, und bat die Stadt Gelnhausen, das Denkmal in treue Obhut zu nehmen. Im Namen des alten Regimentes legte er dann die erste Kranzspende nieder. Es folgten dann Kranzniederlegungen der Wehrmacht, der Stadt u. a. m.
Nach dem Vorbeimarsch vor dem Standortältesten, Major Kayser, fand gemeinsames Mittagessen statt. Der Nachmittag war der Besichtigung der neuen Kasernen und der eigentlichen Wiedersehensfeier gewidmet. —
Das Ref.-Jnf.-Ngt. wurde als Kriegsformation am 1. November 1916 zusammengestellt. Die ein
zelnen Kompanien wurden von Regimentern aus allen deutschen Gauen gestellt. So gaben aus unserer engeren Heimat z. B. R.-J.-R. 87 und 80 und Landwehr-Inf. - Rgt. 116 Kompanien an das neue Regiment ab. Ersatz-Formation war Jnf.- Rgt. 88 (Mainz). Das Regiment kämpfte im Verband der 227. Jnf.-Div. (417, 477; 441) auf dem westlichen Kriegsschauplatz und wurde nach dem unglücklichen Kriegsausgang in Bieber bei Gelnhausen aufgelöst.
Unfälle bei der Grnfeorbetf.
* Lehnheim (Kreis Alsfeld), 10. Aug. Hier eignete sich heute nachmittag ein schwerer Unfall. Der 23jährige Bauer D i ck h a r d t von hier geriet auf bisher noch ungeklärte Weise unter einen Erntewagen und erlitt dabei erhebliche Brustquetschungen, die seine sofortige Ueberführung durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in Gießen in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machten. Das Befinden des Verunglückten ist, wie wir von der Klinik Horen, den Umständen entsprechend gut.
* Quetfborn (Kreis Gießen), 10. Aug. Auch in unserem Orte ereignete sich ein ähnlicher Unfall. Der Landwirt Johann Gräf stürzte vom Erntewagen ab und erlitt dabei anscheinend innere Verletzungen. Der bedauernswerte Mann wurde ebenfalls durch die Gießener Sanitätskolonne in die Klinik gebracht. Welcher Art seine Verletzungen sind, kann erst heute morgen nach einer Röntgen-Untersuchung festgestellt werden.
Wiedereröffnung der Tierkörperverwertungsanstalt im Kreise Alsfeld.
Vom Kreisamt Alsfeld wird uns folgendes geschrieben:
In diesen Tagen ist die Wiederinbetriebnahme der Tierkörperverwertungsan st a l t bei Hopfgarten im Kreise Alsfeld bekanntgegeben worden. Wenn die Abdeckerei für deck Kreis Alsfeld ihre Arbeit wieder aufnimmt, so ist damit eine Anstalt ihrem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt worden, die als Kind der schweren Krisenzeit seit dem Jahre 1931 brachgelegen hatte. Für die zuständige Verwaltungsbehörde bedeutete das Stilliegen der Abdeckerei nicht nur eine finanzielle Sorge, veterinärpolizeilich gesehen lag darin ein höchst unerwünschter, auf die Dauer nicht zu verantwortender Zustand.
Das Neichsgesetz zur Bekämpfung übertragbarer Viehseuchen aus dem Jahre 1909 hatte für das ganze Reichsgebiet u. a. richtunggebend den Betrieb von Abdeckereien und Anlagen zur Beseitigung und Verarbeitung von Kadavern und tierischen Teilen geregelt. War danach das Verscharren von Großvieh in Wasenplätzen als unschädliche Beseittgung zwar zugelajsen, so sollte doch Die landesrechtliche Forderung des Abdeckereiwesens im Vordergrund stehen, insbesondere nach dem im Jcchre 1911 er«
Schläft Ren^ vielleicht wirklich?
Mitten durch den platschenden Regen geht Lyk plötzlich lautlos davon und ins Haus.
Hat er vergeblich fein schweres Geschütz aufgefahren?
*
In dem kleinen verträumten Empiresalon der Exzellenz Caselli steht Michailow und wartet. Er drückt die Sttrn gegen das kühle Fensterglas und starrt hinunter in den dämmrigen Garten.
Es hat Zeiten gegeben, wo er an diesem gleichen Fenster mit dem rasendsten Herzklopfen gestanden und zitternd vor Ungeduld auf Irinas 'Schritte gelauscht hat. Und es hat Zeiten gegeben, wo er glaubte, er könne keinen Tag seines Lebens fein, ohne Irina gesehen und gesprochen zu haben. Ach, diese heimlichen gestohlenen Minuten bald da, bald dort in sicherem Versteck! Und dieses Beglücktsein, wenn man sich allein wußte!
Michailow verzieht den Mund: Und heute? Wie gut, daß er Irina niemals ein unüberlegtes, bindendes Wort gesagt hat, daß er seinem Prinzip treu geblieben ist und in diesem einen Punkt die Vernunft walten ließ. So ist er wenigstens frei, und wenn es ihm nicht mehr paßt, kann er tagtäglich mit ihr brechen.
Obwohl — das ist ja gar nicht nötig. Es würde auch unpraktisch sein, denn im Winter, wenn es hier oben wieder still und einsam wird, tut einem Irinas glühende Leidenschaftlichkeit, ihre unermüdliche Liebe, ihr nie müder Hunger nach Zärtlichkeit wieder gut. Wenn man sie dann nur richtig behandelt, sieht sie über alles, was gewesen ist, glatt hinweg, sie hat die Fähigkeit, wirklich vergessen zu können. Und das ist prakttjch. Es fragt sich nur, wie man sie bis dahin in gewisse Grenzen zurückdrängt. Damals, als die junge Engländerin da war und er, Michailow, ganz besessen von ihr war, da ist es ihm geglückt, immerzu die eine gegen die andere auszuspielen, aber mit Sabine wird das nicht gehen. Sabine ist nicht von dieser Art.
Er schließt die Augen und stellt sich Sabine vor, wie er sie noch vor einer knappen Stunde gesehen hat: sie ging an Lyks Seite über die Wiesen, einen Strauß Margeriten im Arm und die grauen Augen mit einer unbewußten ernsten Wärme ihm entgegengerichtet. Nein, diese Sabine ließ sich in feinen Wettstreit mit einer anderen ein! Und wenn, dann wäre dieser Wettstteit nicht amüsant, sondern bitter und schwer und auf Tod und Leben...
Aber warum — warum eigentlich reizt ihn diese Sabine? Hat sie sich je ihm geqenüber vergessen, 1° daß er auf mehr als landläufige Gefühle ihm


