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Nr. 185 Drittes Blatt

Aus -er Stadt Gießen.

Von der Reise zurück.

Schon der letzte Tag des Ferienaufenthaltes steht sichtbar unter diesem Zeichen: morgen geht es zu­rück, übermorgen wird alles anders sein. Man geht 'wieder ins Büro, man steht wieder an der Werk­bank, man fertigt die Kunden hinter dem Laden­tisch ab. Es ist zunächst schwer, sich an diese Vor­stellung zu gewöhnen. Liegt nicht eine unendliche Zeit zwischen dem Tage der Abfahrt und dem der Ißieberfunft? Sonderbar, was die Zeit doch für ieinc schwankende, den jeweiligen Verhältnissen un- lterworfene Sache ist. Vierzehn Tage erscheinen im Ablauf des alltäglichen Daseins als sehr geringer, lkaum erwähnenswerter Zeitraum, für die Dauer ides Urlaubs aber wachsen sie und dehnen sich Mer unfaßbar.

Ferientage geben den Zustand des Losgelöst- ffeins von allen Dingen des Werktages und des berufsmäßigen Schaffens. Und deshalb gleicht der Sprung zurück zunächst einem Trugbild, einer fast mebelhaften Erscheinung. Don den Matten der Alm wnb dem weißen Meeresstrand ist es ein weiter : Weg in das Büro oder in die Maschinenhalle. Ein Weg, den die Eisenbahn schneller zurücklegt, als =5 dem Bewußtsein gelingt, sich der Tatsache der Rückkehr vollkommen anzupassen.

Aber bereits bei der Einfahrt in die heimatliche Bahnhofshalle beginnen sich unversehens die Fäden Wieder zu knüpfen, die bis dahin nicht mehr vor­handen schienen. Richtig, da geht ja der Mann mit □er roten Mütze, der unserem Zuge damals das Abfahrtssignal gab. Und da ist auch der Zeitungs- Händler, den man seit Jähren kennt. In der Emp- angshalle läuft dir wahrhaftig gleich ein guter Bekannter über den Weg, und während des tur­nen Gesprächs mit den üblichen WendungenGutes Wetter gehabt?" undGut erholt?" ordnen sich Die ersten Eindrücke und machen dein Gemüt emp- änglicher für das Wiedersehen mit dem Alltag.

Zu Hause erscheint zunächst einiges fremd, vor nllem fällt dir das Muster der Tapete im Wohn­zimmer auf. Merkwürdig, so genau hast du es bis­her niemals betrachtet. Und höher sind die Räume X)ier wohl auch, als in der Sommerfrische. Doch oas Abendbrot schmeckt dir schon wieder ausgezeich­net, schließlich ist es ja auch kein unangenehmer Ge­danke, die Füße zu Hause unter den eigenen Tisch u setzen. Und dann kommt die Nachtruhe mit der -»eglückenden Aussicht, wieder im eigenen Bett lie­fen zu können, ein Umstand, der wirklich viel ! Trostreiches für sich hat.

Am nächsten Morgen sind die Ferientage schon wieder in einige Ferne gerückt. Der Gang zur Ar- «eitsstätte hat sogar einigen Reiz. Wie wird es mn Geschäft aussehen? Allmählich reihst du dich wieder ein in das alltägliche Getriebe, und nach wenigen Tagen geht alles wieder seinen altgewohn- l Zen Gang. Nur die Erinnerung an die Ferien bleibt wie ein buntes, farbenfrohes Bild, das sich strah- [ Zend über dem Alltag erhebt und stille Vorstellun- ien erweckt von einem neuen Ferienglück im lammenden Jahr. Sch.

. Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast (Seltersweg):Weltstadt - Variete Tiit den4 Philipps". Deutsche Werkstoff-Ausstel- ung im Saale der LiebigShöhe von 10 bis 20 Uhr. BÄM unt>LM.-Llntergau116,<Sießen

Arn Mittwoch, 11. August, 20 Uhr, treten alle Rädel, die bei dem DramaBardowiek" mitwirken, iir Probe am Stadttheater an. Ebenso treten alle Nitglieder unseres Orchesters, soweit sie in Gießen ; ind, mit an.

Diensibefehl.

Am Freitag, 13. August, 20.30 Uhr, treten die »tanborte Leihgestern und Großen-Lin- e n, beide an ihren Heimen, zwecks Besichtigung uurd) die Untergauführerin an.

Ordnung unterwegs.

Der Fußgänger, der jetzt in der Freizeit etwas langsamer durch die Straßen geht, kann so man- qoerlei Nachlässigkeiten feststellen. Auf den sauber

Ion derAutzlosigkeil der Erfahrungen

Don Peter Bamm.

Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

(Nachdruck verboten!)

Die Erfahrungen, die Kinder machen, wenn sie iwfangen, sich ihre Umwelt zu erobern, sind physi- !»lischer Natur. Es sind überwiegend die Gesetze der Schwerkraft, die beim Bauen mit Holzklötzchen ex- isrimenteü erforscht werden. Von den Männern ter Wissenschaft unterscheiden Kinder sich nur da- Urrf), daß sie sich mit den Erfahrungen begnügen i-ib nicht versuchen, diese in Formeln zu bringen. Über tatsächlich sind sie ebenso stolz auf ihre Ent­deckungen wie jene. Denn wenn ein Kind einmal eitbecft hat, baß Gegenstände nach unten fallen, riirft es alles hinunter, dessen es habhaft werden

Fällt es selber vom Stuhl herunter, so holt es sich eme Beul- noch der Formel ß- V. Aber bevor es zur Einsicht in diese Formel kommen kann, bekommt en entweder einen Klaps oder einen Bonbon, je rnchdem, ob der Vater oder die Mutter dnesem (lalileischen Versuch beiwohnten. Väter versuchen i der Erziehung auf den Intellekt zu wirken, und dis Mittel dazu ist der Klaps auf das HmterteU. Mütter versuchen auf das Gemüt zu wirken, und bis Mittel dazu ist ein süßer Trost. Welches der b iden Mittelchen zu den besseren Ergebnissen führt, darüber ließe sich ein langer Streit entfesseln. Aber vwhrscheinlich werden wir das nie herausbekommen, ixnn beide Methoden treten da immer abwechselnd ii Kraft, und das jedenfalls ist offenbar eine sehr unglückliche Angelegenheit, denn das Ergebnis da- o«n ist die gegenwärtige Menschheit, über deren rsrbesserungsbedürftigkeit wir uns ja alle völlig enig sind.

.Hat nun das Kind im Laufe einiger Jahre sich | tnen festen Bestand an Erfahrungen über das i &efen der Schwerkraft wgelegt, so tritt ein Er- ' egnis ein, das ihm frühzeitig wenn vielleicht ich noch nicht frühzeitig genug zeigt, wie nutz­es alle Erfahrungen hienieden sind. Es sieht irgend- id an einem schönen Sommertag einen wunder- Hren Zauberer, der einige zwanzig oder dreißig ilnue und rote Kugeln an einer Ecke feilhält. Ein

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Merhesfen)

Mittwoch, tt. August 1951

gestrichenen Bänken, die etwas abseits vom leb­haften Verkehr stehen, tummeln sich Kinder mit schmutzigen Schuhen, so daß diejenigen, die nach ihnen kommen und sich hinsetzen wollen, sich ihre Kleider beschmutzen. Hier sollten die Mütter auf­passen und auch bei fremden Kindern ein Wort zur Ordnung sagen. Weiter draußen in den An­lagen trifft man immer noch auf die alten Ver­kehrssünden. Um die Bänke herum ist eine kleine Schuttabladestelle gebildet. Butterbrotpapier, Ziga­rettenstummel, Tüten, Obstkerne und dergl. sind ge­rade kein schöner Anblick. Muß denn immer erst ein Papierkorb auf diese einfachste Ordnung Hin­weisen? Die Erwachsenen müssen mit gutem Bei­spiel vorangehen, dann werden auch die Kinder lernen, die Schönheit unterwegs zu achten, gfs.

Vorsicht beim Sammeln von Pilzen.

DNB. Pilzvergiftungen, von denen oft ganze Familien betroffen werden und die nicht selten so­gar tödlich verlaufen, kommen alljährlich vor. In den weitaus meisten Fällen werden sie durch selbst- gesammelte Pilze verursacht. Unter den auf Märk­ten gekauften Pilzen sind Giftpilze infolge der aus fast allen Märkten ausgeübten Marktkontrolle kaum anzutreffen. Wer Pilze sammelt, sollte nur solche Arten nehmen, die ihm sicher als eßbar bekannt sind Ist er über die Genießbarkeit im geringsten

Bardowiek, ein Werk deutschen Geistes!

Uraufführung beim Gebietssportfest der HZ. am 22. August in Gießen.

Von der Führung des Bannes 116 der HI. wird uns mitgeteilt:

Abgesehen von der Einzelhandlung in diesem na­tionalsozialistischen Werk, die von Einzelpersonen getragen wird, spielt sich im Geschehen dieses drama­tischen Gedichtes der große Kampf zwischen Idealis­mus und Materialismus, zwischen Licht und Finster­nis, kurz, zwischen Tob unb Leben, ber deutsche Kampf schlechthin ab. Doch lassen wir den Dich­ter selbst sprechen:

Der bin ich, der den Geist mit Form umkleidet, Die Gottesstimme, die durchs Diesseits dröhnt. Der bin ich, der der Gottheit heiligen Mantel Um schweigende Gedanken legt,

Und der ber Menschheit reinem Höhenwanbel Voran bie Fackel ber Erkenntnis trägt." Der wahre Gottesbienst finb Taten, Unb Helbenleben ist Gebet!"

Kann beutscher Glaube unb deutsche Lebensauffas­sung besser gesagt werben?

Du hast ben Gottesbom, ben weiten. Verengt im Geist, versteint, versteift.

Die Sehnsucht banntest bu in Quabern, Herzlos von steinernem Gewicht."

Das ist die Gegenseite in ber Jbee unb im Spiel ber Personen! Zwei Menschen rennen, aneinander, selbst unb mit ihren Jbeen! Das Licht siegt, muß siegen unb wird auch immerSieg" heißen!

Es mag wohl im Moment anmuten, baß bas Spiel mit einemAbbilb" besProlog im Himmel" aus Goethes Faust beginnt. Unb boch wirb ber Zu­schauer merken^baß hier etwas ganz neues geschaf­fen wurde, das in feiner bichteren Form wohl sehr nahe an ben Prolog kommt, jeboch etwas ganz an- beres barstellt, unb bies gibt bem Stück feine Eigen­art, bies ber Anfang bes gewaltigen Bogens, ber sich bis zu ben Schlußworten spannt unb ben Stoff dramatisch zusammenballt.

Der Stoff greift in der Gestaltung des Dichters an bie Wurzeln ber beutschen Gottschau. Frei von jeher konfessionellen Einengung wirb Hoyer, bie zeitlose Gestalt bes Werkes, zum Künber unb Pro­phet eines beutschen Tatglaubens, ohne babei irgenb- mie aggressiv zu werben, nein, er wirkt burch bie Macht feiner wuchtenben Persönlichkeit.

Ein anderes großes Problem stellt der Dichter von Bardowiek" den Zuhörern vor Augen: das Führer­problem. Er beweist, daß der Führer eines Volkes nie aus dem Licht-kommen kann. Nein, er muß aus bem Dunkel ber Nacht sich seinen Weg zum Licht bahnen, erkämpfen, getrieben von einer Sehnsucht, einem Suchen, das sein Volk, seine Gemeinschaft in

einem großen Willen zusammenballt, besten Träger er wirb.

ar alb, ber Sohn Heinrichs bes Löwen, ist ber Führer bes Volkes von Bardowiek, jener Stabt, bie am 28. Oktober 1189 in Flammen aufging. Ha- ralb kommt aus bem Licht, er ist eine Lichtgestalt. Aus biefem Grunbe zerbricht er an ber gewaltigen Aufgabe, Führer eines Volkes zu fein. Er geht unter, ohne baß er im bramatifchen Höhepunkt als echter Helb über sich hinauswächft, ohne daß er zum Symbol, zum Künber eines Vermächtnisses einer Gemeinschaft wirb, besten Führer er war unb für bie er fein Ich einfetzte.

Man wird sagen: Dann gibt es also in diesem Werk keinen Helden! Doch, es gibt eien Helden, und dieser Held ist das Volk! Es ist das singende Volk, daß über die Leiche von Harald und über die Trümmer der Stadt von Sehnsucht getrieben, der Sonne entgegen, suchend den Weg zur Zukunft an­tritt, zu seiner Zukunft!

Daß es Heinrich der Löwe ist, der diesem Volke den Weg weist nach Lübeck und damit der großen deutschen Hansa entgegen, trägt noch dazu bei, ben Schluß bes Werkes noch roudjtenber und einbring- licher erscheinen zu lassen, als es an unb für sich schon ist

Der Leser bieser Zeilen wirb merken, daß wir hier ein Werk voller Problemstellungen vor uys haben, daß aber bie Lösung aller aufgeworfener Fragen in sich, unb zwar nationalsozialistisch gelöst ist. Ist doch ber Dichter Hans Geisow selbst ein alter Nationalsozialist, Theaterfachmann unb Dich­ter, dessen- Name in Deutschland und Italien als Danteübersetzer unb birefter Nachkomme von Goethe einen guten Klang hat. Dieses Werk ist wert, auf­geführt zu werben, benn es sagt uns Dinge, bie ge­sagt werben müssen, unb bie auch von den gestal- tenben Künstlern auf ber Bühne erarbeitet werben mußten. Darum ist es so sehr zu begrüßen, daß bas Stück nicht vom grünen Tisch bes Dramaturgen auf bie Bretter kommt, fonbern in einem Gemein­schaftslager junger Bühnenkünstler in zäher unb verantwortlicher Arbeit im wahrsten Sinne bes Wortes erarbeitet würbe, verantwortlich bem beut­schen Mensch gegenüber, ber vor ben Brettern im Zuschauerraum sitzt, verantwortlich aber auch sich selbst gegenüber als Interpret eines Dichters unb Künstlers, ber die seelischen, ungeformten Gebauten bes beutschen Menschen in sichtbare künstlerische Ge­stalt goß unb so zum Mittler zwischen unserem Schöpfer unb unserem beutschen Volke wirb. Möge bas Stück bie Herzen ber Zuschauer so gewinnen, wie es alle Künstler in ihrem Dienst zur Muse er­hoffen unb ersehnen!

im Zweifel, so wenbe er sich an eine Pilzberatungs­stelle.

Allgemein gültige Erkennungszeichen und Prü­fungsmittel zur Unterscheidung von eßbaren und giftigen Pilzen gibt es nicht. Weder das Vorhan­densein von Milchsaft oder bie klebrige Beschaffen­heit bes Hutes, noch bie Braunfärbung eines in bas Pilzgericht getauchten Löffels ober bie Verfärbung einer mitgekochten Zwiebel beuten auf Anwesenheit von Giftpilzen. Allein bie genaue Kenntnis ber befonberen Merkmale der einzelnen eßbaren und giftigen Pilze schützt vor schädlichen Folgen des Pilzgenusses.

Besonders hüte man sich vor dem gefährlichsten aller Giftpilze, dem Knollenblätterschwamm, von denen ber grüne Knollenblätterschwamm (Amanita phalloides), ber statt einiger eßbarer grüner Täub­lingsarten ober statt bes eßbaren Grünlings gesam­melt wirb, bie meisten Löblichen Vergiftungen ver­ursacht.

Es gibt aber noch eine Reihe anderer Giftpilze, deren Genuß recht verhängnisvolle Folgen haben kann. So sind in den letzten Jahren zahlreiche Ver­giftungen durch ben Pantherpilz verursacht worben, ber statt bes eßbaren Perlpilzes gesammelt würbe. Auch vor bem ziegelroten Rißpilz, ber allerbings schon im Mai und Juni in Wäldern und Park­anlagen auftritt, muß wegen seines starken, meist

guter Onkel schenkt ihm eine solche Kugel, und das Kind hat seinen ersten Luftballon.

Nach einiger Zeit natürlich läßt das Kind seinen Luftballon los, aber zu seinem maßlosen Staunen fällt das rote Ding nicht zur Erde, wie alle Kugeln es bisher taten, sondern es schwebt leicht von bannen. Wirb bem Kinde klar, daß das schöne Ding endgültig verloren ist, fängt es an, maßlos zu meinen. Aber freilich weint es nicht über den ver­lorenen Besitz. Eilt boch sogleich ber gute Onkel, einen neuen zu kaufen. Es weint über feine nutz­losen Erfahrungen, bie über bie Dächer entschweben. Unb diesbezüglich allerbings finb es nicht bie letzten Tränen, bie es in feinem Leben vergießt.

Von biefem Tage an schweben Luftballons burch alle unsere Träume. Unb eines Tages überkommt uns bann ber großartige Gebaute, bie ganze Spar­büchse, ein Vermögen, in Luftballons anzulegen unb über bie Dächer hinweg unseren Erfahrungen nachzuschweben. . . ...

So stolze Träume freilich pflegen wir spater zu vergessen. Es gibt wenig Leute, bie ben Mut haben, ihre Träume auszuführen. Man heißt sie Phan­tasten. Aber die Phantasten sind das Salz ber Menschheit. Sie sind imstande, sich etwas oorzu- stellen, was es noch nicht gibt. Man lacht über sie, wie man über die Narren lacht. Aber die ^iimn sind die Klopffechter der Weisheit und die Phan­tasten find die Schleppenträger ber Göttin Zukunft

So wird am nächsten Sonntag ein dänischer Fallschirmspringer mit tausend Kinderluftballons über den Sund nach Schweben fliegen. Gin Traum unserer Kinbheit geht nun wahrhaftig in Erfüllung. Hoffen wir, baß bieser ausgezeichnete Pilot An- berfen heißt. Unb hoffen wir, daß wenn e^un ben verlorenen Erfahrungen ferner Kmbheit nach­fliegt er sie alle wohlbehalten in Schweben wieber vorftnben wirb. Die Schweben sinb so ehrliche Leute, unb man bekommt bort alles wieder, was man einstmals verloren hat. *

Dies nun ist in unserer märchenhaften Welt das wunderbare Ereignis, bas sich noch ahfpielen wirb unb wir wollen nur hoffen, baß es nicht schief geht Die Erfahrungen aber lassen wir das. Erfahrungen finb vollkommen nutzlos. Nichts hatte uns bas bester beweisen können, als baß Blatzi noch °"Bi?tzi^st^ein Dackel, und zwar zur Zeit wohl

der berühmteste Dackel, den es auf unserem kleinen Erdball gibt.

Er macht krummbeinig seinen Weg durch die Weltpresse und wackelt mit bem Schwanz. Die Ver­einigung der Wochenendchronisten hat beschlossen, ihm eine große saure Gurke als Ehrengabe zu liefern, nachdem bekannt geworden ist, daß Blatzi zuweilen von den Gewohnheiten seiner Gattung ab­weicht unb insonderheit in diesen heißen Tagen vegetarisch lebt.

Blatzi reiste auf dem DampferGneisenau" nach Ostasien. Im Roten Meer fiel er über Bord. Wie bas geschah, wirb man nie recht erfahren, benn ber einzige, ber es weiß, Blatzi, wackelt nur mit ben Ohren. Natürlich war bie Trauer groß. Viele Tränen. Blatzi würbe verloren gegeben.

Aber währenb seine Herrin über ihn weinte, schwamm Blatzi ganz munter im Roten Meer spazieren. Im Roten Meer ist bas Schwimmen leicht wegen des hohen Salzgehalts des Wassers. Entgegen den Gesehen der Schwerkraft sank unser Blatzi durchaus nicht unter, sondern paddelte ganz lustig durch das angenehm warme Wasser.

Man darf ohne weiteres annehmen, daß Blatzi die Sache nicht tragisch nahm. Hätte er sie tragisch genommen, fo wäre absaufen lassen das einzig Wahre gewesen. Hätte Blatzi Erfahrungen über Haifische gehabt, fo wäre er wahrscheinlich vor Angst gestorben. So aber dellte er bie Haifische böse an. Unb da bie Haifische noch nie so einen braunen bellenben Fisch mit Schwanz und Ohren gesehen hatten, ließen sie die Zähne davon.

Die Nacht sank hernieder. Blatzi schwamm weiter unter dem Firmament. Am Morgen, als eben die Sonne aufging, fuhr der DampferIsar" dicht an Blatzi vorbei. Blatzi erhob ein munteres Geblaffe, unb dieser bellenbe Fisch im Roten Meer kam bem Kapitän boch so sonberbar vor, baß er stoppte, ein Boot ausschwingen ließ unb Blatzi an Borb nahm. Jebermann war natürlich weiblich erstaunt, als ber bellenbe Fisch sich als ganz gewöhnlicher Dackel entpuppte. ,

Der Funker hatte halb in Erfahrung gebracht, wo Blatzi ausgestiegen war. Unb so wurde Blatzi unterKundendienst" ins Schiffsjournal einge­tragen. Dann mußte er schlafen.

Wir aber dürfen daraus die Erfahrung ent­nehmen, daß Erfahrungen nutzlos finb, unb wo immer man einmal von einem Dampfer ins Wasser

Rx

eparaturen

SeLersweg Nr. 67

Telephon Nr. 3170

1897 D

töblich wirkenben Giftes gewarnt werben. Er wird zuweilen mit bem Champignon verwechselt. Ein Pilz, ber ebenfalls früher (März bis Mai) auftritt unb schon zahlreiche Vergiftungsfälle verursacht hat, ist bie Frühlingslorchel (Helvetia esculenta). Frische Lorcheln bürfen nur nach längerem Abkochen ohne bas Kochwasser, bas wegzugießen ist, genossen wer­den, währenb getrocknete Lorcheln unschäblich sinb. Vor unsachgemäßer Zubereitung bieser Pilzart wird vom Reichsgesunbheitsamt alljährlich in ber Presse bereits im Frühjahr gewarnt.

Um bie Kenntnis ber Pilze zu verbreiten unb ba- mit ber Gefahr ber Pilzvergiftung nach Möglichkeit entgegenzuarbeiten, hat auch bas Reichsgesunbhetts- amt einen Ueberblicf über bie wichtigsten eßbaren unb schäblichen Pilze in gemeinverstänblicher Dar­stellung im Pilzmerkblatt gegeben, bas unter Mit­

wirkung des Botanischen Museums in Berlin-Dah­lem und ber Deutschen Gesellschaft für Pilzkunbe in Darmstabt bearbeitet würbe.

Zeigen sich nach bem Genuß von Pilzen Erschei­nungen, bie ben Verbacht einer Vergiftung erregen, so versäume man keine Zeit, für ärztliche Hilfe zu sorgen. Bis solche zur Stelle ist, muß man sich be­mühen, bas Gift aus bem Magen zu entfernen. Falls Erbrechen nicht bereits erfolgt ist, rufe man es baburch hervor, baß ein Finger tief in ben Rachen gesteckt wirb. Die schädliche Wirkung bes Genusses giftiger Pilze äußert sich gewöhnlich nach einigen Stunden, bei ben Knollenblätterschwämmen tritt sie meist erst nach 8 bis 40 Stunben ein. Hilfe kommt bei der Erkrankung nach Genuß von Knollenblätterschwämmen vielfach zu spät.

Ehrungen für Kapitän Echmehl.

Kapitän a. D. Karl Sch mehl in Berlin, ber im vorigen Jahre von Oberbürgermeister Ritter burch bie Verleihung der Ehrenplakette der Stabt Gießen ausgezeichnet würbe, hat jetzt in Anerken­nung seiner hervorragenben Beteiligung an ben Kämpfen gegen bie Spartakisten im Jahre 1919 in Berlin von bem Bunbesführer bes Deutschen ReichskriegerbunbesKyffhäuser", Oberst a. D. Reinharb, eine entsprechenbe Ehrenurkunbe er­halten. Der Gauführer des NS. Deutschen Marine- Bunbes, Abmiral von Trotha, ließ Kapitän S ch m e h 1 bie Ehrennabel mit ber Zahl40" über­reichen unb ernannte ben alten Seemann zum Ehrenmitglieb ber Berliner Marine-Kamerabschaft. Schon lange ist Kapitän Schmeh 1 auch Ehren­mitglieb ber Gießener Marine-Kamerabschaft unb noch sechs anberer Marine-Kamerabschaften.

Fisch jetzt auf jeden Tisch!

ZdR. Die Monate August, September unb Ok­tober sinb bie Hochsaison für ben beutschen Herings­fang. Auch in biefem Jahre haben sich wieber große Heringsfchwärme in ber Norbsee auf ben Grünben ber Doggerbank unb am Flabengrunb eingestellt. Die guten Fänge von beutschen Heringen unb bie baraus hergestellaen Bückinge kommen wie ein Geschenk in ber heutigen Zeit, wo wir uns freuen, wenn wir heimische Probukte billig ein- tgufen können. Jetzt ist es also bie richtige Zeit, in ber ber beutsche Hering auf keinem Tisch fehlen bars.

Wir kennen ben Hering in ben verschiebensten Zu­bereitungen, als Bismarckhering, Brathering, Roll­mops, Bratrollmops, Hering in Mayonnaise, He­ring in Gelee, Gabeibisfen, Appetitssilb, Heringe m Oel usw. Hering, zubereitet in feinen Tunken, zu denen Tomaten, Pilze, Senf, Wein, Gewürzessig unb anbere bekannte Zutaten verwenbet werben. Nicht zu vergessen ist ber beutsche Salzhering. Pell­kartoffeln unb Salzhering werben als Delikatesse gern gegessen. Mit ben verschobenen Heringsgerich­ten kann bie Hausfrau bie Einseitigkeit ber täglichen Kost unterbrechen, unb mit geringen Mitteln kann sie nahrhafte unb wohlschmeckenbe Mahlzeiten be­reiten.

Es ist bestimmt kein Fehler, wenn wir uns in bezug auf bie Seefischkost an ben englischen Brauch fällt, soll man die Haifische anbellen unb warten, dis man eine gute Gelegenheit finbet, wieber ein­zusteigen.

Wenn Hunde träumen ...

Der Traum ist durchaus kein Dorrecht des Menschen, sondern gute Beobachter haben bemerkt, daß auch der Hund, der treue Gefährte des Menschen, ein reiches Traumleben hat. Hunde träumen nicht nur, sondern siesprechen" auch aus dem Schlaf, meint ein Hundefreund.Mein alter stichelhaariger Terrier hat lebhafte Träume, wenn er sich nach langem Umfjerftreifen im Feld auf seinen Teppich niederlegt. Ja, die Träume sind manchmal so aufregend, datz er von ihnen aufwacht. Zuerst jappst er in einer halb unartikulierten Weise, wie unter dem Druck eines Albs, aber allmählich ge­winnt er feine Stimme im Traum und bellt ganz deutlich, wobei er alle seine vier Füße gewaltsam von sich streckt, wie wenn er fortlaufen wollte. Wahrscheinlich jagt er in seinem Traum ein Ka­ninchen ober eine Katze. Manchmal kämpft e. in feinen Träumen mit anderen Hunden. Ein dumpfes Murren dringt tief aus feiner Kehle: er fletscht seine Zähne und spannt feinen schlanken Körper, wie wenn er sich aus den Klauen eines Feindes befreien wollte. Ein andermal wieder find feine Träume vergnüglicher Art, denn er dehnt sich behaglich, und feine schmalen Lippen kräuseln sich wie zu einem leichten Lächeln. Daß Hunde öfter von ihren Herren oder Herrinnen träumen, ist sehr wahrscheinlich. Der Naturforscher James Gardener. der sein ganzes Leben lang feine Hunde studiert hat, erklärt in einem feiner Bücher:Wenn mein Hund vom Schlaf aufwacht, fo fehe ich aus der Art, wie er mich anschaut, daß ich ihm in seinen Träumen begegnet bin. Gardener war auch fest davon überzeugt, daß Hunde in ihrem Charakter ihrem Herrn ähneln.Kein schlechter Mensch kann einen guten Hund besitzen," pflegte er zu tagen.Je älter der Hund wird, desto mehr träumt er. Junge Hunde, wenn sie nicht sehr nervös sind, schlafen meist ruhig. Aber die betagten Herrschaften des Hundegeschlechtes kehren in ihren Träumen immer wieder zu den seligen Gewohnheiten ihrer Jugend zurück, jagen Hasen und Kaninchen in elysischen Gefilden und fechten Sträuße mit anderen Hunden aus."