Ur. 185 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch,('.August (937
Kür den DücheriLsch
WehryoiVsche SKrisisn
'■M man tonnte firf)) in die Lektüre feiner Kn-, verton en■ irischen
lbenzeit zurückversetzt suhlen, aber der Leser wiro rouruen, unu u v
Unter der Herrschaß des Volstbewtsmns
— Joseph Conrad: Jugend. Erzählung. :2Ius dem Englischen übertragen von Ernst Wolf- !gang F r e i ß l e r. 61 Seiten. Im Insel-Verlag, Leipzig. (Jnsel-Vücherer Nr. 511.) — (153) — In idie mit liebevoller Sorgfalt ausgewählte und zu- 'sammengestellte erste Jubiläums-Reihe der Jnsel- 'Vücherei aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens hat ider Verlag auch diese Erzählung von Joseph Con- i irad ausgenommen, die, wie uns scheint, besonders >gut geeignet ist, dem Leser und der eigentümlichen 'Welt des bedeutenden englischen Schriftstellers be- Ikannt zu machen: er schreibt hier die abenteuer^ Iliche und ungemein spannende Geschichte der alten 'englischen Bark „Judea", die mit einer Fracht Kohlen nach Bangkok in See geht, leck geschlagen iwird, in den Ausgangshasen heimkehrt, abermals «ausläuft, aus hoher See in Brand gerät und unter- ,geht. Die Mannschaft erreicht nach mühseliger Fahrt iim offenen Boot die ferne Küste im Osten. Das ist »ein großartiges Abenteuer, knapp und lebendig er
zeugenden Aufschluß über die Vernichtung der völkisch wertvollsten Elemente Rußlands durch das Judentum, über die Herkunft der Zwangsarbeiter und deren Einteilung, über die Hilferufe der Verbannten und über die furchtbaren Zustände beim Bau des Weißmeerkanals. Jedermann sollte diese Schrift, diese furchtbare Anklage gegen Judentum und Bolschewismus auf Grund eigener Zeugnisse und Belege lesen und seine Erkenntnisse aus dieser Schrift in weiteste Kreise unseres Volkes hineintragen. .
— Das endlose Gefängnis. Von Agri- cola. (Nibelungen-Verlag, Berlin. Geb. 5 Mk., kart. 4 Mark.) — (477) — In diesem Buche liest man einen Tatsachenbericht aus Tagebuchblättern, die die Erinnerungen des Finnländers Georg Kitchin aus den Kerkern der Sowjetunion darstellen. Der erste Teil des Buches gibt einen grauenerregenden Blick in die Hölle der GPU.-Gefängnisse, ein unheimliches Bild endlosen menschlichen Leidens. Der zweite Teil des Buches führt den Leser in die ebenso grauenvolle Welt der Arktis, in das Land des ewigen weißen Schweigens, in die furchtbaren Konzentrationslager der GPU. Dieses Buch zu lesen ist geradezu eine unheimliche Nervenprobe, denn was darin an Scheußlichkeiten und Bestialitäten enthüllt wird, kann sich ein Mensch mit normalem Denken und Empfinden einfach nicht vorstellen. Zugleich mit diesem Blick in einen unvorstellbaren Abgrund von Gemeinheit und Unmenschlichkeit erkennt man aber auch, wie hier das Judentum sich in sadistischer Art als Sklavenhalter der GPU. betätigt, wie es die schreckliche Geißel seiner skrupellosen Machtgier über dem gepeinigten armen russischen Volke' schwingt. So furchtbar es ist, dieses Buch zu lesen, so möchten wir ihm doch viele Leser.wünschen, damit durch diese Tatsachenberichte immer mehr die Erkenntnis sich ausbreitet, welcher Pesthauch vom Bolschewismus und vom Judentum als Träger und Wegbereiter dieses völkertötenden Giftes ausgeht, und wie sehr beide eine ungeheure Gefahr " für alle wahrhaften Kulturvölker sind.
sowohl die englische Herkunft, als auch den meisterlich beherrschten Stil empfinden und zu würdigen wissen, der ihn keineswegs an die romantischen Schmöker seiner Knabenzeit erinnert, vielmehr an die klassische Haltung später und immer wieder gelesener Werke. Die Erzählung ist eingekleidet in den Erinnerungsbericht des Mannes, der damals mit der „Judea" als blutjunger Offizier seine erste große Fahrt machte; das gibt der Erzählung ihren Namen und über das eigentliche Abenteuer hinaus ihren Inhalt oder ihr Leitmotiv: wie sich das Abenteuer im Erlebnis des jungen Mensche,, spiegelt, der im Tatendrang und in der Sehnsucht seiner zwanzig Jahre „mit tausend Masten" in den Ozean segelt, die Welt zu erobern und ihre Wunder in sich aufzunehmen. — Das kleine, vorzüglich. übersetzte Buch wird bei jungen wie alten Lesern viele Freunde finden. Hans Thyriot.
— C. S. Forester, Ein General, Roman aus dem Englischen übersetzt von Wolf G. Schieber. Preis in Leinen geb. 5,80 RM. Verlag Wolfgang Krüger, Berlin. — (168) — Wir möchten glauben, daß dies Buch in England Aufsehen erregt haben wird wegen des unbekümmerten Freimuts, mit dem hier hinter die Kulissen der englischen Kriegführung während des Weltkrieges geleuchtet wird, wobei auch auf die Einstellung gewisser Kreise der society zum Kriegserlebnis ein wenig schmeichelhaftes Licht fällt. In England ist man allerdings durch die in ihrer Kritik meist recht unverblümten, keine Schonung und keine Rücksicht kennenden Erinnerungsbücher von führenden Staatsmännern und Militärs schon daran gewöhnt, wir pflegen mit etwas mehr Zurückhaltung diese Dinge zu behandeln. Die Form des Romans schwächt den Eindruck des Tatsächlichen nicht ab. Wir haben aus jeder Seite die Ueberzeugung: So und
— Bauern unter Hammer und Sichel. Von Peter Nikolajew. (Nibelungen-Verlag, Berlin. Geb. 6 Mark, kart. 5 Mark.) — (478) — Der Verfasser berichtet über das Schicksal seines Lebens in der Hölle der Sowjets. Man lernt ein Menschenschicksal kennen, und man erkennt in diesem Einzelschicksal die furchtbare Leidenszeit, die tägliche Hölle des ganzen russischen Volkes. Mit diesem Buche schreit der Flüchtling Peter Nikolajew eine furchtbare Anklage gegen die Sowjets in die Welt hinaus, eine Anklage, die alle menfchlifch Empfindenden aufs tiefste erschüttern muß. Nirgends in Westeuropa, wo Ruhe und das tägliche Gleichmaß des Lebens herrschen, kann man sich eine Vorstellung von der Lebensqual in dem Lande der Sowjets machen. Der Bauer, der redliche und arbeitssame Vertreter des Volkes, tritt in den Mittelpunkt dieses dramatischen Erlebnisberichtes. Zu Hunderttau- senden werden Bauern verhaftet, verbannt, hingemordet. Zu Tausenden aber kämpfen sie um ihr Leben diese Russen, die nichts als ihr Leben zu verlieren haben. Als Partisanen gegen die judobolschewistischen Ausbeuter stellen sie eine Macht dar, die auch ihre Bedrücker fürchten. Sie kämpfen und sterben aus verlorenem Posten,, hingemäht von den MGs. ihrer Bedrücker. Der Opfer werden Millionen gezählt — und nur Wenigen gelingt die Flucht in di'e Fremde, wie auch dem Verfasser, der uns die Geschichte seines Lebens unter der Herrschaft der Sow'ets erzählt. Man muß hier — wie auch bei dem Buche von Agricola „Das endlose Gefängnis" — mit Nachdruck die Frage aufwerfen: Wo bleibt gegenüber dem Verbrechertum der Sowjets das Ttzeltgewissen? .
— Zwangsarbeit in der Sowiet- u n i o n. Von Dr. H. G r e i f e. (Nibelungen-Verlag, Berlin.) — (479) — Diese aufschlußreiche Schrift ist ausschließlich aus authentischem, zum größten Teil sogar amtlichen sowjetischen Material aufgebaut, die Bilder sind amtlichen sowjetischen Quellen entnommen. Dieses Tatsachenmaterial gibt eine klare und unwiderlegliche Darstellung der Wirklichkeit im „Sowjetparadies". Man erhält einwandfreien, uber-
Kampforganisation werden von Moser auf ihre Zweckmäßigkeit hin unter die kritische Lupe genommen. Ebenso wesentlich und fesselnd sind aber auch seine Betrachtungen zur wechselnden strategischen Lage und zu den Entschlüssen, die sie geboren hat. Das Verhältnis zu den Oesterreichern und die Persönlichkeit Hötzendorffs erfährt besonders aufschlußreiche Behandlung. Moltke, Falkenhayn, Hindenburg und Ludendorff lernen wir aus ihren strategischen Grundauffassungen verstehen. Wir gewinnen viele neue Gesichtspunkte für eine umfassende und tiefgreifende Beurteilung der Kriegführung vom Politischen sowohl wie vom Strategischen her. So ist das Buch eine Fundgrube der Erkenntnisse, ein Werk, dem der Verfasser seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt hat. Fr. W. Lange.
— Bomber über Abessinien. Von Vit- torio Mussolini. (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung» München. Geb. 3 Mark, kart. 2,50 Mark.) — (200) — Der Sohn des Duce gibt hier in knapper und doch überaus fesselnder Weise einen Bericht über seine Erlebnisse als junaer italienischer Fliegeroffizier im Feldzug gegen Abessinien. Es sind'Tagebuchaufzeichnungen, die aber gerade um deswillen besonders interessant sind, weil sie das unmittelbare Leben und Erleben der kämpfenden Front widerspiegeln. Das Herz des Lesers — und besonders des einstigen Frontkämpfers des großen deutschen Weltkriegs-Heeres — schwingt mit bei der Lektüre dieses Buches, das in soldatischer Einfachheit und knapper Gebundenheit geschrieben ist, das aber doch verrät, daß hier „ein ganzer Kerl", ein vorbildlicher Frontsoldat berichtet, der keine Lobhudelei, keine Schönfärberei und am allerletzten seine eigene Person kennt bei dieser Niederschrift, der eben nur den Soldaten und seinen Kriegsdienst für sein Volk und Vaterland in den Vordergrund stellt, der auch dem Feind Gerechtigkeit zukommen läßt, soweit sich der Feind als Soldat zeigt. Dieser Erlebnisbericht des jungen Fliegers — aus dem Italienischen übertragen von F. Gas- barra — ist eine gute Gabe für unsere deutschen Soldaten und für unsere kämpferische deutsche Jugend. Wir wünschen dem prächtigen Buche viele Leser, die sicherlich ebenso gerne wie wir dem jungen Flieaero'fizier Mussolini ihre Aufmerksamkeit und ihre Sympathie schenken werden. Bl.
Lynk.
— Hans Carossa: Gedichte. Vom Dichter ausgewählt. 62 Seiten. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 500. — (149) — Die Insel- Bücherei, deren erste Bändchen im Sommer 1912 erschienen, begeht in diesem Jahre das schöne Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens. Den Band mit der festlich bedeutsamen Nummer 500 hat der Verlag einem seiner wesentlichsten und beliebtesten Autoren Vorbehalten: Hans Carossa, der hier eine kleine, mit eigener, sondernder und ordnender Hand vorgenommene Auswahl seiner Gedichte vereinigt. Diele, gewiß auch zahlreiche Freunde des Dichters, werden in dieser lyrischen Auslese einer neuen Wesensseite des als Erzähler seit langem sehr Geschätzten begegnen, und werden diese zuvor nicht oder kaum gekannte mit Freude und tiefer Befriedigung dem vertrauteren Bilde Carossas einfügen. Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, den Inhalt des schmalen, schmucken Bandes mit ein paar Worten zusammenzufassen oder gar in eine Formel zu pressen, die hier wie fast stets bei lyrischen Sammlungen unzureichend und unzutreffend genannt werden müßte. Wir hoffen nicht mißverstanden zu werden, wenn wir, zögernd, den Namen Goethes aussprechen, um die Weise zu kennzeichnen, welche einige der Gedichte bewegt und auszeichnet. Daß dabei Carossas sehr ausgeprägte Persönlichkeit auch diesem, äußerlich geringen Bande allenthalben seine unverwechselbare Prägung gibt, braucht kaum gesagt zu werden. Das Einfache, das Menschliche, das Geheimnis, das unser Leben überall umgibt und durchdringt, die eigentümliche innere Form von Carossas Probebüchern scheint uns in diesen, überwiegend bezwingend einfach und kristallen gebauten Strophen wieder zu begegnen. Man muß sie langsam lesen und sich ausschwingen lassen; man wird mit Entzücken einige unvergeßliche Kostbarkeiten in dem kleinen Buche finden wie den „Heimweg", „Die Ahnfrau", die „Heimliche Landschaft" und das wundervolle Ostergedicht „Fahrt", das wir vor einiger Zeit unfern Lesern in der Unterhaltungsbeilage zu lesen gaben. Hans Thyriot.
— Otto von Moser, E r n sth a ft e P laude r e i e n über den Weltkrieg. Eine kritlsche, militärpolitische Geschichte des Krieges für Fach" leute und Nichtfachleute, zur Rückschau in tue Vergangenheit und zur Ausschau in die Zukunft. 2. ziup icwe. Verlag Chr. Belfer AG. Stuttgart. Preis geb. 10 RM. — (133) — Die erste Auflage dieses ausgezeichneten Buches liegt schon länger als ein Jahrzehnt zurück, eine Flut von Literatur in- und ausländischer Autoren ist inzwischen zu den hier behandelten Problemen erschienen und doch hat diese ungemein kritische und doch bei allem Freimut taktvoll wägende Darstellung des württemberaischen Generals, der als Führer des XIV. Reserve-Korps mit dem Pour le merite ausgezeichnet wurde, von ihrer bestrickenden Frische und Unmittelbarkeit nichts ein- qebüßt. Moser kennt keine falsche Rücksicht, wenn es ihm daraus ankommt, aus Fehlern der 93erganqen= heit eine Lehre für die Zukunft zu ziehen. Aber ihm liegt nichts daran, Wunden wieder aufzureißen, die eben erst vernarbt sind, und Anklagen zu erheben, die zu nichts nütze sind. Trotzdrm wird eine Fülle von Einzelheiten kritisch beleuchtet und dem Frontkämpfer, dem, fern von den Orten wichtiger Entschlüsse, vieles unklar und unverständlich geblieben war, manche Zusammenhänge aufg^ellt. manche Zweifel in der eigenen Brust bestätigt. Moser beklagt die mangelnde militärische ^^n^ unse^r Staatsmänner und Volitiker und das absichtliche Fernhalten unseres Offlzierkorps nicht bloß von der Tagespolitik, was die Hauptursache war für die bereits bei den vorbereitenden Arbeiten des Generalstabs beobachtete schlechte Zusammenarbeit zwi- s^n Militärs und Politikern, die sich durch den ganzen Krieg^hinzieht und vom belgischen Problem iqi4 Hitz ,um Waffenstillstand 1918 eine Fülle folgenschwerster Mißverständnisse gezeitigt hat. Kritisch betrachtet Moser auch eine Reche organisatorischer Maßnahmen und die sich daraus ablei enden Un- Zuträglichkeiten zwischen den einzelnen Kommandostellen Die Stellung des Generalstäblers findet, obwohl 'Moser selbst' dem Großen General'tab an- aehört hat, keine eindeutig günstige Beurteilung, die Gliederung der Divisionen in drei Regimenter die Festlegung der Korps auf bestimmte Gelandeab- chnitte in die in der Folge der Kampfhandlungen die verschiedensten Trupvenverbaüde emgewiesen L ' . • < ___V___—ama Sa** rniltinrifrhorr
Deutsche Erzähler.
— Josef Martin Bauer: Achtsiedel. Roman. 294 Seiten. Brosch. 3,50, Leinen 5 Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (102) — Dieser Roman wurde bereits 1930 geschrieben und seinerzeit mit dem Jugendpreis deutscher Erzähler ausgezeichnet; er behandelt einen Stoff, der uns heute besonders aktuell anmutet: es ist die Geschichte von acht Männern, die als Siedler ausziehen, um sich eine Heimat zu erobern und zu erarbeiten, eine Robinsonade, wie Bauer selbst sein Buch nennt, aus dieser unserer Zeit, eine Schilderung der Not, der Wirrnis, der irrfahrenden und suchenden Heimatlosigkeit, aber auch der Bereitschaft und der Kameradschaft, des zähen Willens und der harten Arbeit. Ein sehr männliches Buch alles in allem; die wenigen weiblichen Gestalten bleiben im Hintergrund. Ein echter und guter Romanstoff übrigens auch, den Bauer da ausgespürt hat, und mit dem er Fragen des täglichen Lebens, die uns heute nicht nur literarisch beschäftigen, spürsinnig vorweggenommen hat. Inzwischen ist anderes von Bauer erschienen; unsere Leser haben ihn in gelegentlichen Beiträgen zum Feuilleton kennengelernt; vor Weihnachten haben wir seinen letzten großen Roman „Das Haus am Fohlenmarkt" ausführlich besprochen: es scheint nicht ohne Reiz, die beiden Bücher, das von 1930 und das von 1936, nebeneinander zu halten, zu vergleichen und die erfreulich reifende Entwicklung, vor allem im Sprachlichen, zu beobachten, die von diesem sehr begabten bayerischen Erzähler noch manche schöne und bleibende Gabe erwarten läßt. Hans Thyriot.
— Werner Beumelburg: Die Hengst- wiese. Novelle. 111 Seiten. Ganzleinen 2,80 Mark. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i. O. — (119) — Diese bemerkenswerte, gut erzählte, klar gegliederte und spannend gesteigerte Erzählung scheint uns eines der nicht eben häufigen Beispiele dafür zu bilden, wie die dichterische Phantasie arbeitet, indem der Erzähler in der Einleitung selber jenes „erregende Moment" bezeichnet, das, bewußt oder unbewußt, am Anfang jeglicher Gestaltung steht: aus dem unheimlichen und unvergeßlichen Schrei eines Tieres formt sich dem Dichter die Vision nicht allein der unsichtbar gebliebenen Kreatur zu einem sehr nahen und lebendigen Bilde, zur Gestalt eines edlen und auf wunderlich-märchenhafte ober legendäre Weise beseelten Schimmelhengstes; und mit der Gestalt auch zugleich die Geschichte dieses Hengstes. Das Tier wird zu einem Baten und Werkzeug des Schicksals, indem sich sein Leben mit dem Leben und dem Liebesglück eines jungen ftaufischen Ritters aus der Zeit Friedrichs II. unlöslich verknüpft: ein durchaus unkonventioneller, aber sehr fesselnder Stoff; eine Erzjihlung überdies, die alle Merkmale der echten Novelle an sich trägt und dichterisch wie sprachlich durchgeformt, folgerichtig aufgebaut und gelöst ist.
Hans Thyriot.
Mcher der Kunst.
— Die Bildwerke des Naumburger Doms. 44 Bildtafeln. Mit einem Geleitwort von Wilhelm Pinder. 59 Seiten. Insel-Bücherei Nr. 505. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (151) — Die Plastik im Naumburger Dom gehört zu den großartigsten und unvergänglichsten Zeugnissen nicht nur der Kunst der Stauserzeit, sondern des deutschen Mittelalters überhaupt. Diese Stifter-Figuren sind neuerdings, wenigstens teilweise, verhältnismäßig bekannt geworden. Doch geht es rückst an, wie Pinder, einer der hervorragendsten Kenner des Domes zu Naumburg, im Nachwort überzeugend darlegt, eine Lieblingsfigur wie etwa die bekannteste, Uta, aus dem Zusammenhang zu lösen, gleichsam für sich zu betrachten und ausschließlich zu lieben. Dies wäre historisch wie kunstgeschichtlich ungerechtfertigt, und der vorliegende Band der Insel-Bücherei hat es sich zur Ausgabe gemacht, das Ganze darzustellen und zu deuten — in sehr guten, neuen Ausnahmen, die vom Ganzen ins Detail gehen, und in einer Beschreibung, die auf knappstem Raum aus profunder Kenntnis und in feinsinnig-zutreffender Deutung das Wesentliche aussagt. Die Darstellung geht, wie es nicht anders sein kann, vom Lettner aus und behandelt dann den sehr in sich geschlossenen, wie ein Raum im Raume wirkenden Westchor mit den Stifter-Figuren als Einheit. Schon der Lettner selbst bietet mit seinen Passions-Reliefs und dem Christus-Portal eine Fülle wenig bekannter Schönheiten; unter den gebreiteten Armen Christi hindurch führt der Weg gleichsam ins Aller- heiligste, den Westchor, in das Werk eines großen deutschen Meisters, dessen Name uns so unbekannt ist wie der Schöpfer etwa des berühmten Bamberger Reiters. Pinder betont die untrennbare Einheit der Gesamtanlage, ihr spezifisch deutsches Wesen — im Gegensatz zu den Vorbildern der französischen Gotik —, das Verhältnis von Plastik und Architektur im ganzen wie der Figuren im einzelnen zueinander. Die knappe, feine Beschreibung und Charakterisierung der Gestalten wird ergänzt durch die geschichtlich orientierende Uebersickst über die Reihe der Stifter und einen schematischen Aufriß des Chores mit den Standorten der Plastiken. — Das Bändchen ist mit Bild und Text ein ausgezeichneter Führer zu einem der ewigen Denkmäler großer Kunst und deutscher Vergangenheit.
Hans Thyriot.
— Daniel Chodowiecki: Von Berlin nach Danzig. Eine Künstlerfahrt im Jahre 1773. Hundert Bilder nach dem Originalen der Staatlichen Akademie der Künste in Berlin. Herausgegeben von Wolfgang von Dettingen. Stammbuch-Querformat. Pappband in Schuber 4,50 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1937. — (206) — Am 3. Juni 1773 nahm Daniel Chodowiecki, der berühmteste und volkstümlichste deutsche Kupferstecher und Illustrator des klassischen Jahrhunderts, im Hofe seines Hauses in der Brüderstraße zu Berlin Abschied von Weib und Kindern, um in seine Heimatstadt Danzig zu reifen und dort nach langer Abwesenheit — auf der Höhe seines Lebens und seines Ruhmes — Mutter, Schwester und Tanten wieder- zusehen. Die Reise von Berlin nach Danzig wurde zu Pferde unternommen und dauerte volle neun Tage; dergleichen war damals ein schwieriges, mühevolles und nicht unbedenkliches Unternehmen, fast einem Abenteuer gleichzuachten. Die Reise ist indessen glücklich und ohne ernstliche Fährnis verlaufen und hat ihren Zweck vollauf erfüllt. Unterwegs und in der Vaterstadt hat Chodowiecki mit Feder und Stift alles festgehalten, was ihm irgend, menschlich ober künstlerisch, bemerkenswert und der Aufzeichnung wert schien: sy bilden die 99 Blätter — zu denen sich als hundertstes und als Titelbild das Selbstporträt des Künstlers ge= feilt — ein ungemein reizvolles Reifetagebuch und überdies ein wenig bekanntes Kulturdokument jener Zeit. Wir lernen Chodowiecki hier von einer, wie uns scheint, ganz neuen, gleichsam persönlichen Seite kennen und finden in feinen Bildern doch auch die Züge wieder, die wir seither an ihm schätzten: Schärfe des Blicks, Realistik und Naturtreue, Vorliebe für das Episodische und Genrehafte; aber auch die" leichte Sicherheit der Hand und die Anmut des klaren Linienspieles. Man wird in diesem Bande, vielleicht überrascht, eine Reihe von Blättern finben, . die unwillkürlich die Erinnerung an gewisse Hand-
— Ehm Welk: Die Heiden von Kum- m e r o m. Roman 363 Seiten. Verlag Ullstein, Berlin. _ (169) — „Dieses^ Buch erzählt in achtzehn Kapiteln, der Wahrheit gemäß, was sich in einem halben Jahre, von Palmarum bis Michaelis, als der Kuhhirte die Gegend verlassen mußte, an hellen und düsteren Ereignissen, an menschlichen Handlungen der Liebe und des guten Willens, der Schwäche und der Böswilligkeit zutrug in Kummerow im Bruch hinterm Berge .. " Kummervw liegt in Vorpommern und ist die Heimat des Erzählers Ehm Welk, dem wir bereits das schöne Kolonialbuch „Die schwarze Sonne" zu verdanken haben. Was die Chronik von Kummerow betrifft, so überwiegen erfreulicherweise die hellen und heiteren Ereignisse, und der Betrachter muß gestehen, daß er beim Lesen aus dem Schmunzeln und dem herzhaften Gelächter nicht herausgekommen ist, denn dies ist, was der Titel zunächst nicht vermuten läßt, eine der herrlichsten Lausbubengeschichten, deren er sich entsinnen kann. Martin Grambauer, der Anführer der Kum- merower Dorfjugend und Held der Geschichte, muß auf eine geheimnisvolle Weise mit dem kleinen David in Waggerls „Jahr des Herrn" und auch mit dem flämischen „Flachskopf" von Ernest Claes verwandt sein; außerdem wahrscheinlich mit ungezählten andern Buben seines Jahrgangs, die nicht zu literarischer Berühmtheit gelangten. Was ihn jedoch von jenen beiden unterscheidet, ist das eigentümlich norddeutsche Klima, eben der vorpommersche Heimatbezirk, in welchem er heranwächst. Seine Taten und Meinungen, so schön sie sind, wurden übrigens ganz offensichtlich nicht bloß um ihrer selbst willen ausgezeichnet, sondern auch wegen ihrer menschlichen und moralischen Hintergründe, so daß bas Ganze zugleich ein lesenswertes Stück jugendlicher Psychologie und Entwicklungsgeschichte enthält. Und da nicht nur Martin und seine Kameraden, nicht nur die Söhne also, sondern auch die Väter von Kummerow in die Ereignisse einbezogen sind und das ganze Leben mit Gut und Böse, mit Weinen und Lachen in der eng begrenzten Welt der kleinen dörflichen Gemeinschaft. — so entstand ein richtiger Roman, ein lebendiger Lebensausschnitt, ^durchaus realistisch, mit viel Humor, aber darum aud) mit tiefem und liebevollem Verständnis erfaßt und ausgezeichnet. Ein herzhaftes und erfrischendes Buch, das man mit in die Ferien nehmen soll, mit Genuß zu schmökern. Hans Thyriot.
Aus fremden Literaturen
nicht anders war es in Flandern bei den Kommandostäben der britischen Armee, so in London beim Generalstab, im Truppenlager und in der „Heimatfront" derer, denen schon der geringste Mangel an ihrer gewohnten Bequemlichkeit Anlaß zum Jammern gab. Wir lernen die ungeheuren organisatorischen Schwierigkeiten, aber auch die echt britische Zähigkeit und Rücksichtslosigkeit kennen, mit denen nach der Vernichtung der aktiven britischen Armee im Sommer -1914 auf den belgischen Schlachtfeldern die neuen britischen Divisionen gleichsam aus dem Boden gestampft wurden und nach mit allem Nachdruck forcierter Ausbildung in Flandern zum Angriff angesetzt wurden, meist unter Führern, die ihre strategischen Kenntnisse nur in den kleinen Maßstäben des Kolonialkrieges erworben hatten. Daß die Engländer trotzdem wie die Löwen gefochten haben und sich auch durch blutigste Niederlagen und bitterste strategische Mißerfolge nicht entmutigen ließen, wissen wir deutsche Frontsoldaten am besten. Interessante Streiflichter fallen auf die Beziehungen zwischen Politik und Kriegführung, wir wissen ja schon aus den Erinnerungen Lloyd Georges u. a., wie gespannt sie waren. Das persönliche Schicksal des Generals Sir Herbert Curzon, der, ein Mann ohne jede Phantasie und ohne die geniale Ader eines Feldherrn, durch seine Zähigkeit, seine Willenskraft, seinen Ehrgeiz, seinen persönlichen Schneid, sich in höchste Kommandostellen der Front emporarbeitet, fesselt uns trotz aller unpathetischen Sachlichkeit, mit der der Autor seinen Helden vor uns hinstellt, aber gerade diese mit leichter Ironie verquickte Nüchternheit unterstreicht den Eindruck des Wirklichen, von dem wir schon sprachen. Ein höchst anregendes und amüsantes Buch.
Fr. W. Lange.


