Beitrag zur gegenseitigen kulturellen Verständigung der Völker Europas zum Ergebnis haben. Von der neuen Filmgemeinschaft Deutschland- Jugoslawien sprachen wir schon. An der dalmatinischen Küste sollen deutsch-jugoslawische Filmateliers errichtet werden, der erste Gemeinschaftsfilm, in jugoslawischer Landschaft und in deutschen Ateliers gedreht, ist im Entstehen. Man sieht: die Völker fühlen immer stärker die ungeheure Macht der Werbung, der Verkündigung, die vom Film ausgeht. Und überall, wo redliche Leute am Werk sind, ist man mit Eifer bemüht, diesen Zauberspiegel des menschlichen Seins mit Bildern und Symbolen zu erfüllen, die den Geist der Wahrheit, der Lebensbejahung und der Freude atmen. Und man wird vielleicht einstmals feststellen, daß der Film auslöschen durfte, was häßliche und kleine Geister der politischen Unterwelt schon an schwelenden Bränden entfacht hatten.
London, II.Aug. (DNB. Funkspruch.) Daß man in englischen Kreisen durchaus nicht einheitlich von der „Berechtigung", Deutschland zu mißachten, überzeugt ist, geht aus einer Zuschrift an die Times hervor. Diese sieht sich genötigt, gerade in den Tagen der Ausweisung deutscher Journalisten einem Leser, George Shee, das Wort zu erteilen, der Verständnis für die Deutschen fordert. Es könne auch kein wirklicher Fortschritt in Richtung eines dauerhaften Friedens erzielt werden, solange Deutschland und England nicht zu- einer klaren Verständigung kämen, die sich auf diejenigen geistigen und moralischen Charaktereigenschaften stützten, die sie gemeinsam besäßen. Deutschland sehe in Sowjetrußland nicht nur eine Gefahr für sich selbst, es verabscheue vor allem die Politik der Sowjets, die sich auf die Diktatur des Proletariats, die Zerstörung jeder Religion, der Familie und des Privateigentums stütze. Diese Politik habe ihr Gift nicht nur nach Spanien und Frankreich, sondern auch nach China und Mexiko verbreitet und stelle eine Gefahr für die ganze Welt dar. Es sei offensichtlich, daß der
Franco-Sowjetrussische Pakt infolge der steten Unterstützung Frankreichs durch England das englische Volk in einen Krieg als Verbündeten der Bolschewiken hineinziehen könnte. Auf jeden Fall sei diese fatale Verbindung mit einer Nation, die niemals von der Politik der Weltrevolution Abstand genommen habe, ein Umstand, der eine wirkliche Verständigung mit Deutschland sehr erschwere.
George Shee erklärt dann, daß Mißverständnisse mancher Gesichtspunkte der deutschen Innenpolitik England nicht daran hindern dürfen, zu einer Verständigung mit einem großen Volk zu kommen, das sehr handfeste Beschwerdegründe gegen England auf dem Gebiete der internationalen Be- Ziehungen habe. Die Einstellung der beiden großen germanischen Nationen zum Leben seien in grundlegenden Dingen dieselben, nämlich Respekt vor der Familie als Grundlage der Gemeinschaft und der körperlichen, moralischen und geistigen Entwicklung des Volkes nach dem Grundsatz, daß der Dienst gegenüber der Gemeinschaft die erste Bürgerpflicht sei.
Schließlich fordert der Schreiber, daß man ein
Kulturfilmschaffen entgegenbringt. In der Annahme- kommission erregten die deutschen Leistungen auf diesem Gebiet so starkes Interesse, daß außer den ursprünglich gemeldeten acht deutschen Kulturfilmen noch sechs weitere zur Aufführung gelangen werden.
Abschließend errang ein durch die Originalität auffallender Walt - Disney - Farbentrick' f i l m starken Erfolg, der einen heiteren und ein« fallsreichen Wettstreit zwischen zwei verschiedenen Orchestern zum Gegenstand hatte.
Es ist eine selbstverständliche Aufgabe eines Zei- tungskorrxspondenten, dem Lande gegenüber, das ihm Gastfreundschaft gewährt, sich zumindest so soyal zu verhalten, daß er nicht sich ausschließlich in negativer Berichterstattung und schärfster Kritik erschöpft und bewußt alle positiven Dinge unterschlägt .Mister Ebbutt hat seine ganze Tätigkeit in Berlin bisher dazu benutzt, ausschließlich Schattenseiten zu suchen und mit einem geradezu bienen« haften, Fleiß jeden Klatsch und jedes Gerücht zusammenzutragen, um dann daraus für seine Leser seine Meinung über Deutschland zu formen. Er hat dadurch schon sehr lange das ihm gewährte ^Ga st recht mißbraucht, und es erhob sich immer wieder die Frage, ob man nicht Korrespondenten vom Schlage des Mister Ebbutt und einiger ähnlicher Herren die Aufenthaltserlaubnis in Deutschland entziehen sollte. Man hat längst notwendige Maßnahmen deutscherseits immer wie- der zurückgestellt, nur im Interesse der Beziehun-
nische Staatsgebiet innerhalb von sieben Tagen zu verlassen. Es handelt sich um den Pastor Dr. Schiller, der seit 2 8 Jahren die katlowiher evangelische Kirchengemeinde betreut, den Pastor Dr. S ch n e i d e r, der s e i t a ch t wahren in Kattowih amtiert, und den Pastor Dr. Denztaff, der über zehn Jahre der Kirchengemeinde in P leß vorstand. Die Ausweisung, die im Zusammenhang mit der geplanten p o l o n i - fierung der uniierten evangelischen Kirche in Polnisch-Oberschlesien steht, die sich z u 95 v.h. aus deutschen Mitgliedern zu- sammensehl, hat unter den Gemeindemitgliedern der Evangelischen Kirche in Polnisch-Oberschlesien größtes Aufsehen erregt.
Sudetendeulsches Kinderelend.
Unbeschreibliche Zustande im Bez. Falkenau.
Prag, 10. Aug. (DNB.) Am Sonntag fand im Zentrum des westböhmischen Kohlenreviers eine Kundgebung der sudetendeutschen Partei statt, auf der Kreisleiter W o l l n e r auch auf das Ausreiseverbot der 6000 sudetendeutschen Kinder zur Erholung nach Deutschland zu sprechen kam. Im Bezirk Falkenau sei das Kinderelend unbeschreiblich groß. Der Bezirk gehöre zu dem von der Diphtherie am meisten heimgesuchten Bezirken Europas. In sieben Monaten seien 500 Kinder, welche unterernährt waren, an Diphtherie erkrankt und 51 an dieser Krankheit gestorben. In den räumlich vollkommen unzulänglichen Infektionsabteilungen der Krankenhäuser müßten zwei und mehr Kinder in einem Bett liegen, wobei es auch häufig vorkomme, daß Kinder mit verschiedenen Infektionskrankheiten ein Bett teilen müßten. (!)
Die Arbeitslosigkeit in den sudetendeutschen Gebieten sei heute mehr als doppelt so groß wie in den städtischen Bezirken. Im Bezirk Karlsbad z. B. komme auf den Kopf der arbeitslosen Bevölkerung täglich ein Unterstützungsbetrag von 80 Heller, wenn man die Familie der Verheirateten nur aus drei Personen bestehend annimmt. Die Erhaltungskosten eines Sträflings betrügen in der Tfche- i choslowakei jedoch pro Kopf und Tag 2,66 Kronen, i Man müsse deshalb verstehen, wenn die Sudetendeutsche Partei und die Bevölkerung der Regierung । fein Vertrauen entgegenbringe.
Oie Internationale Filmkunstschau in Venedig eröffnet.
Venedig, 10. Aug. (DNB.) Auf dem Lido von Venedig wurde die 5. Internationale Filmkunst- schau vom italienischen' Minister für Volkskultur, 2llfieri, in dem neu erbauten, fast 20000 Per« Jonen fassenden Vorführungsraum eröffnet. Der Präsident der Internationalen Filmkunstschau Graf Volpi gab einen Ueberblick über die Entwicklung dieser seit 1932 bestehenden Einrichtung, die in diesem Jahre 16 Nationen mit einer Auswahl von Spitzenwerten ihres Filmschaffens vereinige. Nach einer Ansprache des Präsidenten der Internationa- len Filmkammer, richtete Minister A l f i e r i Herz- llche Begrüßungsworte an den Präsidenten der Neichsfilmkammer, Professor Dr. Lehn ich, und schloß mit einer Aufforderung, sich für eine lebendige Entwicklung und künstlerische sowie technische Aus- gestaltung des Filmwesens einzusehen, weil kaum ein anderes Gebiet wie gerade der Film geeignet Fei. die Beziehungen zwischen Öen Völkern enger zu gestalten. Dann nahmen die Filmvorführungen ihren Anfang. Nach einem beifällig aufgenom- menen Film der Magyar - Jroda - Filmgesellschaft über den Besuch des italienischen Königspaares in Budaveft kam ein U f a - K u l t u r - F i l m „R ö n t - g e n st r a h l e n" zur Vorführung, der ein anschau- uches Bild von der vielseitigen Verwendungsmöglichkeit der Entdeckung des großen deutschen Forschers auf dem Gebiet der Medizin, der Technik und Wissenschaft lieferte. Dadurch, daß Italien diesen deutschen Kulturfilm bereits in der Eröffnungsveranstaltung zur Vorführung bringen ließ, gibt es zu erkennen, welch hohen Wert man dem deutschen
3nfern<taonole FiSmarbeii.
Don Max Irrgols
Die Beziehungen des deutschen Films zum Auslande sind heute mannigfach verzweigt. Gemeinschaftsproduktionen, so mit Japan, mit Italien, mit Ungarn, mit Oesterreich, mit Frankreich, neuerdings auch mit Jugoslawien, Kontigentsverträge, kulturpolitische Tagungen, auf denen die Künstler und die Filmindustriellen ihre Erfahrungen austauschen und ihre künftigen Ziele festlegen — das alles sind fruchtbringende lebendige Geschehnisse der kulturellen Güter, in der Achtung vor der nationalen Eigenart der andern, im Eindringen in den Geist fremden Volkstums hervorragend mitzuwirken am Frieden der Welt.
Im grellen Scheinwerfer des Weltinteresses stan- den in den vergangenen Wochen die Tagungen des Verbandes der Internationalen Filmpresse, der „Fipresci" (Föderation internationale de la presse cinämatgraphique) und der Internationalen Filmkammer auf dem Internationalen Filmkongreß der Pariser Weltausstellung. Die Tagungen auf der „Normandie", die Vorführungen eines Teiles unserer besten Spiel- und Kulturfilme im Kino des Deutschen Pavillons, die klugen und eindringlichen Worte des Präsidenten der Deutschen Filmkammer und der Internationalen Filmkammer Dr. Lebnich haben eine klare und reine Atmosphäre geschaffen.
Der geradezu wollüstige Schauder, mit dem der Franzose von den „autoritären" Staaten im allge« meinen und vom Hitler-Deutschland im besonderen <3u sprechen pflegt, hat mit naturnotwendiger Gesetzmäßigkeit das Ergebnis gehabt, daß die deutschen Filme, Spiegel unseres 'künstlerischen Wollens, unserer Menschen, unserer Landschaft und unserer Arbeit, derart umlagert wurden, daß der Lichtpiel- raum von Zeit zu Zeit abgesperrt werden mußte. Und gar mancher Angehörige der stolzen Nation wird, allen täglichen Hetzartikeln seiner Presse zum -trofe, dem alten Ruf der französischen Ritterlichkeit Chre gemacht und sein Urteil ein wenig gewandelt haben, stutzig geworden durch die Bilder frischen pulsierenden Lebens, eines hohen Kunstwollens (und n®) und eines ausgesprochenen leidenschaftlichen Friedenswillens, wie er u a aus dem Olympia-Werkfilm und den Teilausschnitten des großen Olympiafilms jedem unbefangenen Besucher — und um Unbefangenheit hatte Präsident Lehnich herzlich gebeten — entgegentrat.
So hat — bei Franzosen wie bei manchen Ausstellungsbesuchern und Kongreßteilnehmern ande- rer Nationen — die Sensationslust um das neue Deutschland eigentlich die besten Früchte gezeitigt
Berlin, 10. Aug. (DNB.) Don amtlicher deutscher Seite ist d i e englische Regierung ersucht worden, darauf hinzuwirken, daß die „T i- m e s“ ihren bisherigen Berichter st alter in Berlin, Norman Ebbutt, innerhalb 14 Tagen zurückberuft, weil ihm sonst die Aufenthaltsbewilligung entzogen werden müßte. Diese Maßnahme erwies sich als notwendig, weil Norman Ebbutt seit Jahren seine Berliner Berichterstattung über Deutschland ausschließlich in deutschfeindlichem Sinne und unter Mißbrauch des ihm gewährten Gastrechtes ausübt.
Gin deutscher Schritt in London. - Sine notwendige Maßnahme
Nie britische Negierung um Abberufung des Berliner „Times"-Korrespondenien ersucht.
Für ein besseresVerhältnis zuOeutschland
Oie Zuschrift eines Briten an die „Times-.
Zu dem Ersuchen schreibt die „Berliner Börsenzeitung": Die englische Regierung hat es für richtig gehalten, zwei Korrespondenten und einem Mitarbeiter deutscher Zeitungen ohne Angabe von Gründen die weitere Aufenthaltserlaubnis in England zu versagen. Inoffiziell ist als Grund angegeben worden, daß sich diese Zeitungs-Korrespondenten nicht auf ihre journalistische Arbeit beschränkt, sondern, wie
gen zwischen beiden Ländern und des Pressefriedens zwischen Deutschland und England. Nachdem jedoch nunmehr von englischer Seite der Standpunkt als richtig bezeichnet worden ist, im Interesse der gegenseitigen Beziehungen Zeitungskorrespondenten die Aufenthaltserlaubnis zu untersagen, die die Grenzen des ihnen gewährten Gastrechtes nicht auf das peinlichste gewahrt haben oder gewahrt haben sollen, fiel natürlich auch von deutscher Seite jeder Grund fort, Maßnahmen noch länger hinauszu- schieben, die sich schon lange Zeit als dringend notwendig erwiesen haben. Es gilt für eine außerordentliche Zurückhaltung der deutschen Stellen und für eine besonders sorgfältige und peinliche Prüfung, daß man nicht Zug um Zug mit dreitägiger Frist drei Korrespondenten englischer Zeitungen die Aufenthaltserlaubnis entzog. Es kann jedoch schon jetzt als sicher angenommen werden, daß Maßnahmen, die gegen Herrn Ebbutt zur Anwendung kommen mußten, auch gegen weitere ausländische Korrespondenten angewandt werden, die sich nicht auf ihre journalistische Betätigung beschränken, sondern sich darüber hinaus — nach unserer Kenntnis — in starkem Maße in d i e deutsche Innenpolitik eingemischt haben. Es ist seit langer Zeit ein offenes Geheimnis, daß gewisse ausländische Korrespondenten sozusagen die Pressechefs staats- feindlicher Klübchen und Grüppchen sind, mit diesen Grüpvchen und Klüngeln aktiv Zusammenarbeiten, und da diesen selbstverständlich die deutsche Presse nicht zur Verfügung steht, in einer Aufmachung eine Publizität in der Presse ihres Landes verschaffen, die im umgekehrten Verhältnis zur eigentlichen Bedeutung dieser Grüppchen in Deutschland steht. Die sehr sorgfältigen Prüfungen auf diesem Gebiet dürften — wie wir erfahren — in absehbarer Zeit ihrem Abschluß entgegensehen.
In der „Deutschen A l l g e m. Z t g." heißt es: Nachdem von englischer Seite der Anfang damit gemacht worden ist, „im Interesse der gegenseitigen Beziehungen" Zeitungskorrespondenten auszuweisen, ist uns die Entrüstung der Londoner Presse über einen entsprechenden deutschen Schritt nicht recht verständlich. Die Gegenmaßregel hat den Berliner „Times"-Korrespondenten getroffen, weil dieser „seit Jahren feine Berichterstattung über Deutschland ausschließlich in deutschfeindlichem Sinne und unter Mißbrauch des ihm gewährten Gastrechtes" ausübte. Wir sehen ganz ab von dem objektiv falschen Nachrichtendienst, von der Verbreitung
Sochschulnacknchten.
Geheimrat Professor Dr. phil. et med. Dr.-Jng. e h- Philipp Lenard feierte am 7. August feiner 75. Geburtstag. 1907 übernahm er die Leitung dN Physikalischen und 1909 auch die des neugegrün* freien Radiologischen Instituts der Universität Hei« freiberg. Am bekanntesten sind seine Untersuchungen über die Kathodenstrahlen und über die Phospho« reszenz geworden. Er wurde 1905 mit dem Nobel« preis für Physik ausgezeichnet. Er erhielt ferner 1933 den Ehrenschild des Reichspräsidenten. 1936 wurde er auch mit dem Preis der NSDAP, für Wissenschaft ausgezeichnet, die Stadt Heidelberg hat ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannt. — Professor Dr. Martin Bollert, Direktor der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden, tritt wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand. Bollert hat seine Ausbildung in Göttingen und Berlin gefunden, spater arbeitete er in Essen an der Bücherei von Krupp, dann wurde er nach Bromberg berufen. In Dresden hat Professor Bollert die Schätze der großen sächsischen Landesbibliothek der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. — Dem Dozent Dr. Robert Stumpfl ist unter (Ernennung zum ao. Professor in Heidelberg der Lehrstuhl für neuere deutsche Geschichte übertragen worden Von 1930 bis 1932 war er als Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Edinburgh in Schottland tätig. — Professor Dr. Hans W e i g m a n n , der Direktor des Wirtschaftswissenschaftlichen Seminars und des Instituts für wissenschaftliche Raum'vr- schung in Rostock, wurde als Ordinarius für Wirtschaftswissenschaften nach Berlin berufen. — Dem Dr. med. habil. Karl Leonhard ist eine Dozentur für Psychiatrie und Neuroloaie in Frankfurt am Main verliehen worden. — Der Dozent Dr. rer. pol. habil. Wilhelm Abel ist beauftragt war- Öen, in Frankfurt a. M. die Raumforschung zu vertreten. —- Der Dozent der Geologie und Paläontologie Dr. phil. habil. Walter Groß ist beauftragt worden, in Berlin Vorlesungen und Hebungen abzuhalten.
die „Daily Mail" mitteilt, „wegen ihrer politischen und propagandistischen Tätigkeit für die N a z i p a r t e i" ausgewiesen worden seien. Diese Begründung ist besonders merkwürdig, wenn man berücksichtigt, daß der wichtigste von diesen drei Korrespondenten, Dr. von Langen, sich überhaupt erst seit Anfang Juli in London befand und vorher Jahre lang in Rom Vertreter deutscher Zeitungen und Ortsgruppenleiter der NSDAP, war. Er hat in dieser Eigenschaft in bester Weise mit allen italienischen Stellen zusammengearbeitet, und es ist anzunehmen, daß seine Tätigkeit während des Abessinien-Feldzuges in Rom, die feiner persön- lichen Auffassung von der unbedingten Folgerichtig-« feit des italienischen Vorgehens entsprach,' London zu der Maßnahme gegen Dr. von Langen veranlaßt hat. Wie peinlich die Tätigkeit Dr. von Langens in Rom für gewisse Völkerbundskreise gewesen zu sein scheint, geht schon daraus hervor, daß der bekanntlich von der Pariser Sowjetbotschaft bezahlte „O e u o r e" in Gemeinschaft mit dem sattsam bekannten „News Chronicle" noch während des Aufenthaltes Dr. von Langens in Rom eine Flut von Verleumdungen gegen diesen verbreitete, die die italienischen Stellen zu einem energischen Dementi veranlaßten. Es ist mehr als pikant, wenn von englischer Seite heute ausgerechnet Lügen des „Oeuvre" dazu herhalten müssen, als Begründung für eine Maßnahme zu dienen, die in Wirklichkeit lediglich durch die loyale Tätigkeit Dr. von Langens an feinem früheren Wirkungsorte bedingt ist. Die (Entfernung Dr. von Langens aus London als „im Interesse der deutsch-englischen Beziehungen liegend" zu bezeichnen, ist eine Begründung, die man allerdings beliebig für jede Form dieser Art anwenden kann.
„Internationale Selbstbeherrschung."
Amerikas außenpolitische Richtlinien.
Washington, 9. Aug. (DNB.) Wie das Staatsdepartement mitteilt, haben über 40 Staaten ihre Uebereinftimmung mit der von Staatssekretär Hüll am 16. Juli abgegebenen außenpolitischen Erklärung ausgedrückt, die 1 4 P u n f t e für eine „internationale Selbstbeherrschung" aufstellte. So schrieb Außenminister (Eben, die Regierung Englands teile mit ihm die Ansicht, daß die Notwendigkeit, den Frieden zu erhalten, ständig zunehme, daß die internationale Zusammenarbeit auf allen Gebieten von wesentlicher Wichtigkeit sei und daß die Methoden, „die zur Erreichung dieser Ziele empfohlen werden", für beide Regie- r u n gen öie gleichen seien. Der französische Außenminister Selbes drückte seine Freude aus, „wieder eine Gleichheit der Gefühle beobachten zu können, die die gegenwärtigen Verhältnisse bei den Regierungen unserer beiden Länder auslösen. Die stanzösischen.Ziele seien die Wiederherstellung der Weltwirtschaftsstabilität, Erleichte- rung der R ü st u n g s l^a st e n und friedliche Zusammenarbeit aller Nationen. Die sowjetrussische Erklärung drückte ein besonderes Interesse ■an dem internationalen Grundsatz aus, „daß alle Nationen sich der Gewaltanwendung in Verfolgung ihrer Politik und Einmischung in öie inneren Angelegenheiten anderer Nationen enthalten", wobei man in Moskau anscheinend den auf spanischem Boden mit russischen Truppen, Kriegsmaterial und Propaganda geführten Krieg des Bolschewismus nicht als eine solche „Einmischung" ansieht.
sogenannter Lügenmeldungen. Ein viel größerer Schaden kann ja gerade dadurch angerichtet werden, daß durch die Auswahl des Nach, richtenmaterials geringfügigen Dingen eine Bedeutung zugemessen wird, die ihnen nicht zu. kommt, und daß durch die einseitige Herausstel- lung von solchen Dingen selbst der gutwillige ausländische Zeitungsleser so tendenziös beeinfluß! wird, daß er die falsche Unterrichtung schließlich kaum noch merkt. Deutschland ist in den letzten Jahren häufig Gegenstand einer solchen Tendenzberichterstattung gewesen. Und diese ganze Angelegenheit ist, wie wir hören, zur Zeit Gegenstand einer genauen Prüfung. Es wird untersucht, in welchem Maße sich Auslandsberichterstatter durch ihre Verbindung mit bestimmten Sonderinteressen einer Einmischung in öie öeutfdje Innenpolitik schuldig gemacht haben, und auf Grund des vorliegenden Materials ist mit weiteren Maßregeln gegen einige ausländische Journo. listen zu rechnen.
Der „Mitteldeutsche", Magdeburg, führt u. a. aus: Wer, wie wir, die Berichterstattung bes Herrn Norman Ebbutt seit langen Jahren in der „Times" aufmerksam verfolgte, hat sich schon die längste Zeit hindurch gewundert, daß dieser ge> wollten und beabsichtigten Gehässigkeit des Herrn Norman (Ebbutt nicht schon lange eine Schranke gesetzt wurde. — Die Diskussionen über Kirchenfragen sind eine ausgesprochen innenpolitische deutsche Angelegenheit, und trotzdem haben wir auch hier stets sachlicher Kritik stand, gehalten, wie wir sie ja selbst an verschiedenen unliebsamen Erscheinungen in den Kirchen geübt haben. Man muß aber erlebt haben, mit welcher infernalischen Gehässigkeit sich gerade d i e „Xi. m e s" durch Herrn Norman Ebbutt über dieses an sich schon reichlich unerquickliche Thema, das van engstirnigen Reaktionären der deutschen Oeffentlich. feit immer wieder aufgenötigt wurde, „informieren" ließ. Der Taft, den die deutsche Presse einheitlich an den Tag legte, als England vor einigen Monaten seine große Königsfrönung hatte, scheint überheblichen Herren vom Schlage Norman Ebbutts völlig abhanden gekommen zu sein, wenn es sich um innerdeutsche Angelegenheiten handelt, die wir bestenfalls genau so mit uns abzumachen wünschen, wie wir es als selbstverständlich auch bei der Betrachtung innenpolitischer englischer Angelegenheiten genau so halten.
und es zeigte sich, daß die Filmoertreter der Emigrantenpresse unter sich bleiben konnten, und daß Leni Riefenstahl nach törichten Angriffen und Verleumdungen um so herzlicher geehrt wurde.
Als schönster und größter positiver Erfolg der Pariser Wochen aber müssen zwei Dinge betrachtet werden: die Entschließungen der Internationalen Filmkammer wie der Fipresci gegen Hetz- filme jeder Art, und die (Einfügung des Films in den Kunstwettkampf der Olympischen Spiele. Die Einmütigkeit, mit der in rechter Erkenntnis öer ungeheuren Gefahr internationaler Brunnen- Vergiftung durch öie suggestive Kraft des Filmbildes der Beschluß gegen öie Hetzfilme gefaßt muröe, ist ein um so schöneres Beispiel kameraö- schaftlicher und einsichtsvoller Zusammenarbeit öer filmverantwortlichen Männer, als es sich hier gleich um Filme öes Gastlandes handelt, gegen öie der Beschluß sich zuerst roenöen wird. Die Erhebung des Films zum Olympia-Kampffach aber, die in Tokio sichtbaren Ausdruck finden wird, ist wohl einer öer stolzesten Siege des Films in feiner steilen Aufwärtsbewegung, feinem unerhört zähen idealistischen Kampf um die Höhen reiner künstlerischer Vollendung.
Paris ist verklungen — seine geistigen Entscheidungen werden segensreich fortwirken in der Filmproduktion der Länder. Wir blenden über zum nächsten großen Filmereignis Europas, vom Seine- strand zur blauen Adria, vom (Eifelturm zum Lido. Die Biennale — der Name ist nicht mehr zu- tref end, denn nicht alle zwei, sondern jedes Jahr wiederholt sich jetzt die große internationale Film- fun tausftetlung — hat in Venedig bereits wieder ihre Zelte aufgeschlagen. Der Zauber der Landschaft herrlichen Renaissancebauten Venedigs verpflichtet zu einem edlen künstlerischen Wettbewerb, zu einem hohen und strengen Maßstab, mit dem das einzelne Werk gewertet wird. Deutschland wird auch hier mit streng ausgesuchten Werken vertre- en sein Spiel- und Kulturfilmen, die z. T. hier in Uraufführung herauskommen werden unter den A?;en unbestechlicher Richter. Zum ersten Male wird übrigens auch Japan in Venedig vertreten |em. Der schon in Europa weilende japanische Abgesandte wird vorher Deutschland besuchen um hier die Filmverhältnisse genau zu studieren.
^..Es ist wle man sieht, zur Zeit eine gesteigerte Tätigkeit der Volker im ganzen Bereich des Filmschaffens zu verzeichen, eine Tätigkeit, die nicht ohne Rückwirkungen auf das Verhältnis der Na- Honen zueinander bleiben wird Auch die jetzt in Angriff genommene deutsch-italienische Gemeinschaftsexpedition nach Albanien wird einjen wertvollen filmdokumentarischen


