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flr.185 Erstes Blatt

187. Zahrgang

Mittwoch, ll. August 1957

Erd)eint täglich, außer S-nntags und Feiertags Belagen: Die Illustrierte «Bsßcner Familienblätter Hämat'm Bild Die Scholle Monats-Vezugsprets:

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Sas Spiel mit vielen Süllen.

Don Dr. Hans von Malottk»

steigendem Maße beanspruchen neben der spa- lifflcn Frage und der Nichteinmischungsproblematik >ie Geschehnisse in F e r n o st die Aufmerksamkeit )n Staatsmänner und der ganzen politischen Welt. Iln zwar nicht nur hinsichtlich der etwaigen Fol- jtr die der Gang der japanisch-chinesischen Aus- -in Übersetzung für die Verhältnisse im ostasiatischen Ra..m und die dort sich überschneidenden Groß- nlytsinteressen haben muß. Denn so bedeutsam dies 8 telem als solches vor allem für die unmittelbar offenen und interessierten Staaten auch ist, .arben gewinnt doch auch der Umstand mehr und itflr allgemeinpolitisches Gewicht, daß nun zu dem prischen Krisenherd sich ein zweiter, der fernöst- ich. hinzugesellt hat. Die Tatsache, daß die Welt I c nwärtig im Zeichen zweier Spannungszentren te!,, löst auch ihrerseits wieder bestimmte Eigen- fctee und Wirkungen aus, ebenso wie die Ent- qißungen in und um die beiden räumlich so weit jetennten Krisenherde herum nur scheinbar unab- läigig nebeneinander herlaufen. Manches, was jetzt uninteressanten und wichtigen Zügen auf dem Zciichbrett der Weltpolitik erfolgt, wird überhaupt rf: unter diesem Gesichtspunkt verständlich.

gilt vor allem für die Haltung Englands, 'h^ls Kernstück eines weltweiten Staatenverbandes iii Land mitunbegrenzten Interessen" ist und ror der fernöstlichen Entwicklung nicht weniger be- -ÜM wird als von der im Mittelmeerraum. Dabei Dir man nicht sagen können, daß die schon aus ;ea olitischen Gründen nahezu zwangsläufige Teil­et rschaft an weltpolitischen Spannungen von der ^riffchen Staatskunst lediglich negativ empfunden : »ii:?e. Bedeutet sie auch erhöhte Belastung, so gibt sic anderseits doch die Möglichkeit des Spiels mit i steteren Bällen. Gerade das gleichzeitige Auftre- enuDon krisenhaften Zuständen in der Welt ist für i ie britische Politik schon mehr als einmal ein .'Mel gewesen, durch geschickte Gewichtsverteilung ihrin Einflusses und ihrer Macht sowie schnelles ! 'umützen der Situationen die Gesamtinteressen des <kiw»ire immer wieder sicherzustellen und neu zu | stzen.

3m Augenblick ist gegenüber der fernöstlichen wie spanischen und Mittelmeerfrage Zurückhaltung i t ter Beurteilung geboten, und Voraussagen sind Iw wie dort wenig am Platze. Was die Nicht- >!iimischungspolitik betrifft, so erscheint tLeDings der schnell wieder an den Tag gelegte ifptimismus der englischen Presse recht künstlich ijnb wenig begründet durch durch die tatsächliche ljcc . Denn der Widerstand, der dem britischen Der- i®it ungsplan, von Moskau mit brutaler Offenheit, ron Frankreich mit weicheren Methoden, entgegen- ciedircht ist, ist grundsätzlicher Natur und . iel auf das Kernstück und den politischen Sinn iieis Planes ab: auf die ebenso zweckmäßig wie ijohienbig gewordene Ausfüllung und Ergänzung i es Nichteinmischungsgedankens mit dem klassischen ralitätsprinzip. Es ist deshalb mehr als frag­lich, ob England mit feiner hartnäckig verfochtenen

zum Ziele kommt, nämlich eine praktische nützliche Kollektivität unter Einbezie - Hu: g jener Macht herbeizuführen zu wollen, i.i Zrundsätzlich und praktisch die Erfordernisse j ft; friedlichen Völkerlebens verneint. Jeden- falli ist es reichlich oberflächlich, wenn die eng-

Presse die augenblickliche Lage nur als eine Ü üblichen Krisen ansehen will, wie sie die Nicht- eiiiiiischungspolitik allerdings schon reichlich genug Lslrmgemacht hat.

H»nz ähnliche Gedanken drängen sich angesichts £!ei immer ernsteren Zuspitzung der Dinge in Sy-t: n o st auf. Kann man auch dort noch von einer iiijeie: Erschütterungen sprechen, wie sie in den letz­te fahren immer wieder auftreten und immer toieter ohne allzu schwere Schäden vorübergegan- cten jinb? Dies war letzten Endes nur infolge der tMoität möglich, die die Zentralregierung in Htn'ing gegenüber der japanischen Nordchina-Po- tetit .an den Tag legte. Der jetzt bekundete Wider­st Nankings gegenüber dem japanischen Dor- gplei gibt den jetzigen Geschehnissen ein erheblich wWi^es, ernsteres Gesicht, wie denn auch die Er- recung Japans um so stärker ist, als man dort Tiri: dieser Akttvität Nankings offensichtlich nicht cereHjnet hatte. Für Japan erheben sich damit cftuin b s ä tz l i ch e Probleme: findet es sich nam- I:d imit dem Eingreifen Nankings ab und ge- f e i es der Zentralregierung die Souveränität über L!it linf nördlichen Provinzen zu dann würde da- rri: mehr oder weniger die ganze Grundlage hm- f auf der Tokio in den letzten beiden Jahren if Nordchina-Polittk aufgebaut hat.

5nb so Voraussagen über die weitere Entwick- l irg unmöglich, so sind anderseits die weltpoliti- shr Begleitumstände und der Zeitpunkt des j isi üschen Vorgehens um so interessanter. Auf ü er Ersten Blick ist der Zusammenhang mit der 23 r b u n g Englanbs in Spanien unb i n Mittelmeerraum erkennbar. Es wieber- h di iicb jetzt, was Enbe 1935 geschah, als Englanbs girz Aufmerksamkeit burch ben abessinisch-italieni- fifjn Streit unb ben Sanktionsfeldzug gegen Jta- I ier oauf bas Mittelmeer unb bie Sicherung bes v'eges nach Jnbien gerichtet war. Für bie ba- nurie Empirepolitik war ber Fall Abessinien ja mit in Symbol bes Kampfes um bas Mittelmeer, u:ii igerabe biefen Umstand benutzte Japan, um ftire Ziele in Dftafien ber Verwirklichung näher Z U klingen. Denkt man an bie bamals prokla- rriiiriE, von Japan gestützte Unabhängigkeitserklä- rmj ber fünf norbchinesischen Provinzen, an bie Ortung Tokios, jedem Versuch zur Unterdrückung bin norbchinesischen Autonomiebewegung mit Was- schnewalt begegnen zu wollen, so liegt die Parallele

Achtung! Spione am Werk!

Warnung vor landesverraierischen Agenienwerbern. Jeder Versuch einer Annäherung ausländischer Stellen sofort der Polizei melden!

Berlin, 11. Aug. (DNB.) Immer wieder ver­sucht das Ausland, in die Geheimnisse un- erer Landesverteidigung unb unse­rer wirtschaftlichen Unabhängig- m a ch u n g einzubringen. Ein altes Mittel ber aus- länbischen Spione ist bas nach einem bestimmten Plan erfolgenbe Herantret en an in N o t geratene ober krebitsuchenbe beutsche Volksgenossen zum Zwecke ihrer Anwerbung für ben auslänbischen Nachrichtenbienst.

Der Weg bieses auf bie Gewinnung von Lanbes- oerrätern gerichteten Verfahrens ist folgenber: Die Beauftragten gewisser auslänbischer Krebitinstttute stellen aus ben beutschen Tageszeitungen usw. G e - suche um Darlehen ober Hypotheken fest. Diese Kreditinstitute stehen größtenteils i m Dienst der ausländischen Spionage. So werden die Namen ober bie Chiffrenummern ber Krebitsuchenben unmittelbar an bie Organe bes auslänbischen Nachrichtenbienstes weitergeleitet. Ver­spricht sich bieser einen Erfolg, so werden bie Kre­bitsuchenben aufgeforbert, an eine bestimmte Adresse im Ausland ihre Wünsche mitzutei­len. Kommen sie dieser Aufforderung nach, so er­folgt im allgemeinen die Anweisung, zum Zwecke einer angeblichen Auszahlung des Darlehens über d ie Grenze zu kommen.

Der ausländische Geldgeber gibt nun einmal ober auch mehrmals geringe Darlehensvor- schüffe und verspricht größere Sum­men, wenn als Gegenleistung gewisse Nachrichten über deutsche Verhält­nisse geliefert werden. Ist der Darlehens- fuchende dem ausländischen Nachrichtendienst hierdurch erst einmal ins Netz gegangen, so wird er rücksichtslos erpreßt und zum Verrat gezwungen. Den Abschluß bildet bann in ber Regel ber bekannte rote Anschlag bes Volksgerichtshofes in Berlin, ber bie i n - richtung eines Lanbesverräters mitteilt.

Um einen solchen Angriffsverfahren des auslän­dischen Nachrichtendienstes einen Riegel vorzuschie­ben, werden hiermit alle Darlehen suchenden deut­schen Volksgenossen ausdrücklich gewarnt, mit undurchsichtigen ausländischen Kreditinstituten oder im Ausland wohnenden Beantwortern von Kredit­gesuchen in Verbindung zu treten. Insbe­sondere wird auf zwei zur Zeit einwandfrei für ben auslänbischen Nachrichtenbeinst tätige Agenten- werber hingewiesen.

1. Franz Dobianer, Jube, zur Zeit in Te't- fchen, Tschechoslowakei, Gartenstraße 28, Tele­phon: Tetschen 54.

2. Lamprecht, zur Zeit in Belgien.

Dobianer unterhält in ber Tschechoslowakei unter der FirmaDeutsche Kreditverwertung, Aussig, Direktor I. Müller" eine Kreditbank (Scheinunternehmen), die bestrebt ist, im Sinne ber oorstehenben Ausführungen Verbinbungen nach Deutschlanb aufzunehmen. Lamprecht ist für eine westeuropäische Macht tätig. Er wenbet bas gleiche Verfahren wie Dobianer an. Lamprecht bebient sich u. a. folgenber Deckabressen: Antworten: S. H a a ß, Poste restante Holbey, Boite Postale 434 (Unterschrift: Golbberg), Schließfach 204.

Auxiliaire Technique, Bureau b'Etubes, Botte Postale 20. B e ck e r, co. Buco, Passaae bu Norb. M. r. Bizin, Commerce Bourse, Place be la Bourse. S. Haas, Botte Postale 709. VanbenNabelle, Postfach 13, Brussel-

Norb (auch van ben Abeele geschrieben), Postfach 54, Postfach 612, Brüssel-Zentre, Postfach 864.

Weitere Decknamen bes Lamprecht in Brüssel: Meyer, Romin, Schäfer, Crestin, Bi- reat. Lippisch: e. Birectt, Poste Teftant, Liege, Zentre I. Crestin, Boulevarb be la Sauveniere P. R. 11. Otto, Postfach 21, Postfach 52, Postfach 60, Der­niers, Postfach 111. Rue be Boverie 23, Lippisch. Verviers: Au^iliaire Technique, Postfach 60, Bureau bes Etubes, Postfach 60 ßemmert, Postfach 60. Mabame Save, 70, Avenue be Spa.

Eine anbere Form ber gegen Deutschlanb gerich­teten Spionage besteht in ber Anwerbunyvon Berichter st attern für eigens zu Ausfpähens- zwecken vom auslänbischen Nachrichtendienst gegrün­dete Pressekonzerne und Korrespondenzverlage. So veröffentlichten mehrer deutsche Zeitungen und Zeit­schriften kürzlich nachstehendes Inserat:Neu entstehender Weltpressekonzern sucht Korresponden­ten größerer Städte sämtlicher europäischer Staa­ten. Festes Monatsgehalt Bewerbungen mit An­gabe bisheriger Tätigkeit unter Dr. Hugon, B u- d a p e st, Poste restante."

Hinter diesemWeltpressekonzern" steht einwand­frei die Spionagezentrale einer o st - europäischen Macht. Die Antworten auf bie Bewerbungsschreiben trugen jeweils folgende Un­terschriften: 1. Dr. Ebgar Hugon, Warszawa, skrythka pocztowa 922; 2. Dr. Nagy, Gdynia, ul. 10 Lutego 24; 3. Dr. Edgar Hugon, Gdynia, skrythka pocztowa 79.

Berlin, 10. Aug. (DNB.) Das Kuratorium der hiudeuburgspeude erläßt folgenden Ausruf:

Am 2. Oktober 1937 jährt sich der lag; an dem vor 90 Jahren Hindenburg das Licht der Welt erblickte. Voll Ehrfurcht werden an diesem Tage bie Gebanken aller Deutschen in Erinnerung an ihn zu seiner Ruhestatt in Tannenberg wandern. Aber laßt es damit nicht genug sein! Als Deutschland sich 1927 anschickte, Hindenburgs 8 0. Geburtstag zu begehen, da ging sein Wunsch dahin, von allem Festlichen abzusehen, ihm dafür aber die Wittel in die Hand zu geben, um stärker als bisher Not und Elend unter Veteranen, Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen lindem zu kön­nen. 10 Millionen Mark schenkten Deutsche daheim und draußen ihrem Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall, der sie, ein Denkmal seines kameradschaftlichen Fühlens, in die von ihm errich­tete Stiftunghin den bürg spende" ein­brachte. Deren Vorsitz übernahm er selbst. In Zehn­tausenden von Fällen hat Hindenburgs Stiftung während ihres zehnjährigen Bestehens in seinem Sinne helfen können. Jetzt ist sie nahezu er­schöpft.

Nehmt Hindenburgs 90jährigen Geburtstag zum Anlaß, sein fürsorgerisches Werk zu erhalten und fortzusehen! Der Führer und

Von den Bewerbern wurden als Probeleistungen gegen hohes Honorar umfangreiche und ins einzelne gehende Arbeiten und Einsendungen verlangt, die u. a. betrafen: Berlin und seine Industrie; R o h- stofflage in Deutschlanb; Flugzeugwerke in Deutschlanb; vertrauliche Doku m e n t e, Schrift­stücke auf allen Gebieten bes beutschen Lebens; vertrauliche unb geheime Akten über S A., S S., unb bas Heer.

Alle Volksgenossen, die mit Dobia­ner, Lamprecht, hugon oder mit einer der an­gegebenen Deckadressen in Verbindung stehen oder mit denen eine Verbindungsauf­nahme versucht worden ist oder noch ver­sucht werden wird, werden hiermit a u f ge­fordert, sich umgehend bei der näch- st e n Staatspolizeiste11e, die auf jedem Polizeirevier erfragt werden kann, z u mel­den und Angaben über Art und Umfang der bestehenden Verbindung zu machen. Sie leisten damit Volk und Reich einen großen Dienst. Die Angaben werden vertraulich behandelt. Wer dagegen trotz der durch diese Veröffent­lichung zuteil gewordenen Aufklärung seine Meldung unterläßt, leistet der ausländi­schen Spionage Vorschub, macht sich ft r a f b a r und bringt damit sich und sein Vaterland in schwere Gefahr.

Reichskanzler hat den Gedanken einer neuen Sammlung zum 2. Oktober 1937 nicht nur wärm­stens begrüßt, sondern sie s e l b st mit einer großen Stiftung eröffnet. Folgt diesem Beispiel! Ehrt das Andenken des großen Toten durch die Tat des handelns in feinem Sinne. Bei­träge zu der vom Reichs- und preußischen Ministe­rium des Innern genehmigten Sammlung nehmen alle Banken, Sparkassen, Poftansialten auf das Post­scheckkonto derHindenburg-Spende", Berlin Nr. 73 800, entgegen.

Das Kuratorium der Hindenburg-Spende.

*

DieHindenburg-Spende" hat bis zum 31. De­zember 1936 insgesamt 9 734 398,65 Mark an Ein­zelunterstützungen im In- unb Auslanbe an ins­gesamt etwa 70000 Personen gezahlt. Ihre Unkosten konnten bei sparsamster Wirtschaft jährlich auf nicht ganz 1 v. H. ber Gesamtausgaben gehalten werben. Die Stiftung geht im Durchschnitt jährlich 1 Million Mark ausgegeben, bavon regel­mäßig am Geburtstag bes Stifters, bem 2. Oktober, 450 000 Mark.

Wenn wir am 2. Oktober 1937 ben 90. Geburts­tag begehen, so soll bafür gesorgt fein, baß bis zu biesem Tage ber Fonbs wieber aufgefüllt ist. Er wirb auch weiter helfen können, wenn bas beutsche Volk sich rege an ber Sammlung beteiligt, bie bis zum 30. September für ben schönen Zweck werben wirb.

Die Hindenburg-Spende wird erneuert.

Zum 90. Geburtstag des Feldmarschall - Reichspräsidenten. Der Führer eröffnete die Sammlung, folgt seinem Beispiel!

zur gegenwärtigen Lage klar auf der es in biesem Zusammenhang weniger wichtig ist, baß bamals, Ende 1935, ber offenbar wohldurch- bachte japanische Plan nicht in ber erhofften Weife in Erfüllung ging. Gerabe bieser Umstanb laßt den jetzigen Vorstoß Japans um so begreiflicher er­scheinen. . ... m

Es^ ist ganz aufschlußreich, im Lichte bieser Pa­rallele bie jüngsten Züge ber britischen Pouttk, und zwar gerabe unter bem Gesichtspunkt ber ^]Pire= belange, zu verfolgen. Zwar in Fernost halt sich London, vorerst je'benfalls, zurück, mie ja im au= gemeinen Englanb unb ebenso Amerika bisher stets gegenüber ber japanischen Entschlossenheit zuruck- gewichen sinb. Ueber ein paar Warnungen an die japanische Abresse und Berawngen mit Washing on unb Paris hat sich bie britische Politik noch mcht hinausgewaqt. Desgleichen ist auch em Appell an Englanb in ferner Eigenschaft als Un­terzeichner bes' Washingtoner Neunmachtevertrages bisher nicht aufgegriffen worben; lebiglich bie eng- lUck-iavanische Aussprache ist zuruckgestellt worben. Aber es ist doch unvermeidlich, daß sich die ganze fernöstliche Zuspitzung für bie Empire-Politik in nen Zwang um Hanbeln^ umsetzen muß Unb h er scheint in ber Zat ber Schlussel für bie Aktt- 2 erunq ber englischen M i 11 e l m e e r p o l 111 k zu liegen, wie sie hinsichtlich des panischen Pro- bttms gegenüber Italien, wie schließlich auch in der Palästinafrage deuttich sichtbar geworden ist.

Der bem englischen Premier nachgesagte Ehrgeiz, bie europäische Entspannung unb Begebung mit mehr Geschick vorwärts treiben zu wollen, als es Herrn Eben eigen ist. in allen Ehren. Aber zur Er­klärung ber auch in b?r äußeren Form ungemohm lichen Hinwendung z u Italien reicht dieser

Hinweis auf so ideale Motive schwerlich aus. Man wird auch nicht gut sagen können, daß der englischen Politik die Spannung mit Italien, als solche, etwa unerträglich geworden sei. Um so plausibler ist der Gedanke, daß es England, gerade angesichts der während des abessinisch-italienischen Streites gesam­melten fernöstlichen Erfahrung, darauf ankommt, den Mittelmeersektor der Empireinteressen zu stabili­sieren. Der angestrebte Ausgleich mit Italien ist da­bei auch insofern interessant, als England heute die Parole ausgibt: freier Durchgangsver­kehr für alle M i 11 e l m e e r i n t e r e s s e n- ten. Dies ist, geschichtlich gesehen, ein Rückzieher. Ist es doch noch nicht lange her, daß England sich als Beherrscher des Mittelmeeres fühlte. Die Zeiten ändern sich, und heute kann die italienische Presse, ohne irr England sonderlich Widerspruch zu finden, bereits die pikante These von dem Mittelmeer als dem Lebensraum Italiens, aber nur der Durch­fahrtstraße Englanbs verfechten.

Auch bie neue Spanienpolitik Englanbs Gebens Erklärung, man könne Franco nicht ein­fach als Rebell abtun ist ein Symptom der vor­sorglichen Planung auf längere Sicht, bie Englanb im Mittelmeerraum vornimmt, um anberwärts Be­wegungsfreiheit zu gewinnen. Das Bilb runbet sich, wenn man an bie jüngste Palästina - Politik benkt. Denn ber Aufteilungsplan läuft ja ebenfalls auf bie Sicherung ber Empireinteffen in jener stra­tegisch wichtigen Zone hinaus. Wie England wäh­rend des abessinischen Krieges den sich emporrecken­den ägyptischen Nationalismus durch den Bündnis­vertrag in ein zeitgemäß frisiertes Abhängigkeits­verhältnis zu bringen verstand, so möchte es jetzt auch in Palästina feinen beftimmenb-m Einfluß auf bem Wege über Bünbnisverträge mit ben neu zu grün-

benben Staaten sicherstellen und zugleich ben lästigen Vorwürfen von jüdischer wie von arabischer Seite ben Boben entziehen.

Ob alle biese englischen Bemühungen Erfolg haben werben, steht bahin unb ist hier auch nicht zu unter­suchen. Wesentlich ist bie Erkenntnis ber M e - 11) o b e n ber englischen Politik, bie zwangsläufig immer eine interkontinentale Empire-Politik fein muß. Dies aber bebeutet, baß England höchst un­gern, fei es in Europa, fei es im Nahen ober Fer­nen Osten, enbgültige Positionen bezieht unb lieber basSpiel mit ben vielen Bällen" spielt. Denn im Gegensatz zu jenen Mächten, bie nur regional" interessiert sinb, lebt bas Empire weit verstreut in ben verschiebensten Regionen. Dies be­stimmt seine politische Maxime unb erklärt manches, wenn es auch vieles nicht entschulbigt. Immerhin löst sich unter biesem Gesichtspunkt nach engli­scher Auffassung auch bas Phänomen in eine Selbstverstänblichkett auf, baß England heute i m Mittelmeerraum gegen ben als ftörenb emp­fundenen Sowjeteinfluß Front zu machen be­ginnt, währenb es gleichzeitig bie Moskauer Karte in seinem fern oft licken Spiel als wichtigen Trumpf ansieht. Weber bas eine noch bas anbere ist enbgültig. Enbgültig sinb nur bie Interessen bes Empire.

3 re chsdeuische evangelische Geistliche aus Polni^ch-Oberschlesten ausgewiesen

kallowih, 10. Aug. (DNB.) Drei reichsbeul- fche Geistliche der evangelischen Kirche in Polnisch- Oberschlesien haben von der Dojwodschaflsbehörde in kattowih die Aufforderung erhallen, das pol-