scheinen ebenfalls. Der Dienst dauert bis spätestens 17K Uhr.
Die Führerin des IM.-Untergaues. Gez.iLiesel Göbel.
Gestellung und Musterung zur Aushebung 1937.
Die Polizeidirektion Gießen gibt heute eine umfangreiche Bekanntmachung heraus, die die Gestellung zur Musterung und Aushebung 1937 betrifft. Die Bekanntmachung betrifft alle männlichen Reichsangehörigen, die im Jahre 1917 geboren sind, ferner die zurückgestellten Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1913, 1914, 1915 und 1916, deren Zurückstellungsfrist abaelaufen ist, usw. Die Musterung und Aushebung finbet am 23., 24. und 25. Juni 1937 jeweils in der Zeit von 8 Uhr ab im Restaurant „Zum Burghof" (ffüher Ccffä Ebel), Burggraben 9, nach bestimmtem Plane statt. Die Bekanntmachung der Polizei enthält alle Einzelheiten, die für den Gestellungspflichtigen von Wichtigkeit sind. Die Gestellungspflichtigen tun gut daran, diese Bekanntmachung mit aller Aufmerksamkeit zu studieren. Es sei hier an dieser Stelle besonders darauf hingewiesen, daß eine Einzelladung zur Musterung und Aushebung an die Dienstpflichtigen nicht ergeht.
Bildung
einer kolonialpolitischen Arbeitsgemeinschaft an unserer Universität.
Zu Beginn des Sommer-Semesters 1937 wurde an unserer Universität wie an den anderen deutschen Hochschulen eine überfachwissenschaftliche kolonialpolitische Arbeitsgemeinschaft gebildet. Das Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, dos so wichtige Kolonialproblem der deutschen Studentenschaft und darüber hinaus einem weiteren Kreise des deutschen Volkes näherzubringen. Wenn Deutschland wieder seinen ihm zukommenden Platz in den Reihen der Kolonialmächte einnehmen wird, sollen alle notwendigen innerpolitischen Vorbereitungen getroffen sein. Es ist nicht zuletzt eine große und ehrende Aufgabe für die deutsche Studentenschaft, sich für dieses schöne Ziel mit allen ihr zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Mitteln einzusetzen. Diesem Zwecke dienen die verschiedenen Referate, die die koloniale Frage von ollen Seiten beleuchten, um ein möglichst komplexes Bild zu erreichen.
Die Themen sind so verteilt, daß der jeweilige Redner auf seinem Fachwissen oufbauen kann. Auf diese Weise besteht die Gewähr für den wirklich wissenschaftlichen Wert der Referate. Anschließend an jedes Referat findet eine Diskussion statt, die das gewonnene Bild abrunden soll. In der ersten Sitzung sprach der Leiter der Arbeitsgemeinschaft über das Kolonialproblem im allgemeinen. Weiter wurden bisher folgende Themen behandelt: „Erwerb und Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonien", „Die Landwirtschaft in den deutschen Kolonien", „Die Kriegsschuldlüge und das Völkerrecht". In den nächsten Sitzungen werden noch folgen: „Der Bolschewismus und die Kolonien", „Die angebliche deutsche Kolonialunfähigkeit und das Rasseproblem". Zum Schluß wird der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, cand. rer. pol. Kurt Münch, eine große Zusammenfassung des Erreichten unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten geben. Schon heute kann man sagen, daß das gesteckte Ziel voll erreicht wird.
H. R.
Nie Speisekammer und die Arlaubszeit.
Winke für die Hausfrau.
Die Reisezeit naht, der Urlaub ist fällig. Da gibt es vor der Abreise mancherlei zu ordnen, besonders für die Hausfrau. Da wird eine in der Nähe wohnende gute Bekannte gesucht, die sich der Blumen und Tiere annimmt. Aber auch die Vorräte sollten überwacht werden! Wer noch viele Kartoffeln im Keller hat, verschenke einen Teil, denn nach der Reise sind sie vielleicht schlecht geworden, oder es werden nicht mehr so viel gebraucht. Auch die Weckbüchsen und Marmeladegläser müßen unter Aufsicht bleiben, damit bei Zeiten dem Verderben vorgebeugt werden kann.
Vor allen Dingen aber achte jede Hausffau bei der Abreise auf die Verwendung sämtlicher R e st e ! Viele Wenig machen ein Diel! Wenn in jedem Stadthaushalt, dessen Mitglieder verreisen, nur ein Rest Brot verschimmelt, so ist das ein Verbrechen an unserer Volksernährung. Was wird aber mitunter bei der Abreise alles vergessen! Da
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Dioman von Walther Kloepsser
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
18 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ach, das eilt nicht. Ist nur eine Kleinigkeit für mein Sprechzimmer; man kann doch nicht wegen jedem Pfifferling in die Stadt fahren." Es fft ihm anzusehen, daß er sich geniert.
„Ich heiße Marie Auguste", sagte die Fürstin leichthin, und Fogg wußte nicht recht, was er mit diesem Namen anfangen sollte. Sie scbob eine pechschwarze Haarsträhne unter die ziebelfarbene Reitkappe und wippte die Ziaarette lässig im Mundwinkel. „Sie sind ja ein ff Reiter! Ich habe Sie vorgestern beobachtet. Sie haben meinen Verwalter ein wenig gekränkt damit."
Fogg lächelte: „Ich habe mich seit jeher viel auf Pferden herumgeffneben: Vater Schmied, dann Kavallerie und später die Pampa. Wer's da nicht lernt--"
Marie Auguste von Holiwa-Weißensee streichelte ihre Knie, die nicht zu rund und nicht zu spitz waren. An ihrer Hand leuchtete einsam ein großer fleischfarbener Stein. „Versprechen Sie sich viel von der hiesigen Praxis?"
„Das nicht."
„Dann finde ich Ihren Entschluß nicht recht verständlich. Man geht doch nicht freiwillig in die Verbannung? Schellenberg ist nichts für Sie. Sie sind doch ein Mann von Welt, mein Bester, auch wenn Sie sich augenblicklich in der Rolle eines Schmiede- grsellen gefallen. Ihren Vater habe ich übrigens aut gekannt. Der war so stark, daß er eine Eisenstang« mit den Händen krummbiegen konnte!"
„Mal sehen, ob ich das auch kann", lächelte Fogg und suchte unter dem alten Ersen einen zölligen Stab hervor. Er bog ihn langsam zu Hufeisenform zusammen, schleuderte ihn in den Winkel und rieb seine Hände an einem Tuch sauber. „Sie haben sich überzeugt, es geht", lachte er.
Die Fürstin hatte die kleine Gratisvorstellung aufmerksam verfolgt. Ihr Gesicht war nicht hübsch,
steht ein Rest Saft in der Flasche und fängt an zu gären. Oder in der angebrochenen Geleebüchse sammeln sich Käfer und Ameisen. Dom letzten Abendbrot verkommt ein Schälchen saure Milch, ein Rest Fleisch im Topf wird bei der Heimkehr gefunden und verbreitet einen häßlichen Geruch. Im Keller liegt noch vertrockneter Salat und Gemüse oder verdorbenes Obst. Jede Hausfrau kaufe vor der Reise nur den täglichen Bedarf und den Reiseoor- rat und unterziehe die Speisekammer und die Schränke einer gründlichen Prüfung vor der Abreise. Auch das gehört zur volks- und hauswirtschaftlichen Erziehung! F. K.
** Missionar Walther über Erlebnisse in französischerKriegsgefangen- schäft. Im Rahmen einer Abendandacht in der
Stadtkirche sprach gestern Missionar Walther in anschaulichen Schilderungen über seine Erlebnisse in französischer Kriegsgefangenschaft. Er schilderte vor allem die wenig menschenwürdige Behandlung, die die Franzosen den deutschen Kriegsgefangenen angedeihen ließen und betonte, daß aus diesen Erlebnissen Lehren erwüchsen für die Gegenwart und für den Kampf um die Freiheit und die Ehre unseres deutschen Volkes. Der Redner berichtete ferner über die treue Anhänglichkeit der Eingeborenen an ihre deutschen Lehrer und Missionare und wies an dieser Tatsache nach, wie sehr haltlos die Behauptung von der deutschen Unfähigkeit zu kolonisatorischer Arbeit sei. Die Ausführungen des Redners wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.
Aus her engeren Heimat.
ri-llhr-Ladenschluß
in den hessischen Landgemeinden.
Nach einer Verordnung des Reichsstatthalters in Hessen als Führer der Landesregierung vom 5. Juni wurde auf Grund der Arbeitszeitordnung und nach Anhören der Gewerbeauffichtsämter für offene Verkaufsstellen in Gemeinden mit vorwiegend Landwirtschaft treibender Bevölkerung der Ladenschluß bis Ende September widerruflich auf 21 Uhr festgesetzt. Angestellte und Arbeiter dürfen in der Zeit von 19 bis 21 Uhr nicht beschäftigt werden.
Vom Heuwagen gestürzt.
* Rödgen, 10. Juni. In unserer Gemarkung ereignete sich heute ein schwerer Unglücksfall. Die hiesige Einwohnerin Frau Margarete Schmidt stürzte von einem Heuwagen ab und erlitt dabei erhebliche Schädehverletzungen. Die bedauernswerte Frau wurde von der Sanitätskolonne vom Deuffchen Roten Kreuz Gießen in das Evangelische Schwesternhaus zur ärztlichen Behandlung gebracht. Ihr Befinden ist, wie wir von zuständiger Seite hören, zufriedenstellend.
Einbrüche in Lich und Muschenheim.
* Lich, 11. Juni. In der Nacht zum gestrigen Donnerstag wurde auch in unserer Stadt ein Einbruch verübt. Der oder die Diebe drangen in das Haus der Witwe eines hiesigen Arztes ein und entwendeten aus einem Keller fünfzehn Gläser eingemachter Wurst und außerdem zehn Flaschen Wein. Ein weiterer Einbruchsdiebstahl wurde in einem Hause im nahen Muschenheim verübt. Dort fielen den Dieben ebenfalls Lebensmittel, außerdem aber auch Schuhe und Kleidungsstücke in die Hände. Die Nachforschungen nach den Tätern, auf deren Konto zweifellos auch die Einbrüche in Birklar und Langsdorf zu fetzen find, find im Gange. Hoffentlich gelingt es bald, den Dieben das Handwerk zu legen, die die Bevölkerung der Orte unserer Umgebung in hohem Maße beunruhigen.
Beim Baden ertrunken.
Anteil an den Geschehnissen der neuen Zeit. Am kommenden Sonntag feiert Frau Elise Lösch- Horn, geb. Görlach, ihr 81. Wiegenfest. Frau Loschhorn hilft noch alle Arbeiten auf dem Felde verrichten und erfreut sich einer ganz besonderen Rüstigkeit.
oo Langsdorf, 10. Juni. Gestern wurde hier — wir berichteten bereits darüber — bei der Witwe des Landwirts Otto Roth ein frecher Gin- bruchsdieb stahl verübt. Der oder die Diebe stiegen durch ein Seitenfenfter des auf der Hauptverkehrsstraße stehenden Hauses am hellen Tag ein. Es fielen ihnen etwa 200 Mark an Bargeld in die Hände. Sie konnten ungestört rauben, da alle Hausgenossen im Heu waren. Der Diebstahl wurde erst am später Abend entdeckt, als die Leute von den Wiesen zurückkamen.
<£ 23 i r f I a r, 10. Juni. Am Mittwochnachmittag stattete ein übler Bursche in unserer Gemeinde einen Besuch ab. Er brach in den Anwesen Wagner und Schnabel ein, zertrümmerte die Fenster und sogar noch bei Schnabel die Haustür und drang in das Innere der Häuser ein. Hier durchstöberte er alle Tischkasten und Schränke. Dem Täter fiel aber nur ein kleiner Betrag von 1,50 Mark in die Hände. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Kreis Bübingen.
ch Nidda, 10. Juni. Im benachbarten Kohden konnte vor einigen Tagen noch im letzten Augenblick ein Zusammenstoß eines Eisenbahnzuges mit einem Bauernwagen mit zweifellos schlimmem Ausgang vermieden werden. Ein Landwirt fuhr mit einem mit zwei Kühen bespannten Wagen, auf dem seine Frau saß, inmitten des Dorfes gezwungener- roeife zwischen den durch die Hauptstraße gelegten Eisenbahnschienen, als ein Güterzug an einer leichten Krümmung, aber einer Stelle mit Gefälle am Dorfeingang entgegenkam. Der Fuhrmann konnte jedoch trotz verzweifelter Anstrengungen den Wagen der sehr engen Durchfahrtsstraße halber nicht aus dem Geleise bringen, weil es ihm nicht gelang, den Winkel der Ueberquerung der Schienen groß genug zu nehmen. Der Wagen rutschte immer wieder in den Raum zwischen den Schienen. Zum Glück konnte im Zeitpunkt der höchsten Gefahr der drohende Zusammenstoß durch beherzte Männer
vermieden werden, die unerschrocken zupackten unb den Wagen aus den Geleisen hoben.
Kreis Schotten.
+ Sellnrod, 10. Juni. Die Kirchengemeinden Sellnrod, Groß-Eichen und Bodenhausen hatten für den vergangenen Sonntag zu einem gemeinsamen Waldgottesdienst eingeladen, der bei schönstem Wetter stattfinden konnte. Schon vor Beginn der Feier riefen die Klänge des Bobenhäuser Posaunenchors die zahlreichen Besucher aus den umliegenden Orten zum Festplatz unter den schattigen Buchen am Groß-Eichener Wald. So manchem Teilnehmer hat sicher der Weg durch die sonntäglichen Fluren zu diesem herrlichen Waldesdom schon eine lebendige Predigt zu halten vermocht, die dann noch besonders bekräftigt worden ist durch die Worte unsres christlichen Glaubens, die die Selln- röder Kinder feierlich vorgetragen haben. Die beiden Kirchenchöre von Sellnrod und Groß-Eichen haben mit ihrem Chorleiter Rudolf Döring (Bo- benhausen) den Gottesdienst festlich ausgestalten helfen. Den Gemeindegesang begleitete der von dem gleichen Dirigenten geleitete Posaunenchor Babenhausen. In einem Geleitwort über 1. Tim. 2, 5—6 betonte Pfarrer Zulauf (Sellnrod), daß wohl dieser gemeinsame Gottesdienst etwas neues bedeute, daß aber die drei Gemeinden schon durch Jahrhunderte geeint seien unter dem gleichen Evangelium von Jesus Christus. Im Mittelpunkt der Feier stand die Festpredigt durch Dekan Widmann aus Schotten über Worte aus dem 104. Psalm. In packenden Bildern und anschaulichen Vergleichen wußte er von der Wanderschaft des Menschen zu predigen, den der Schöpfer in all diesen Reichtum der Erde stellt. Die Predigt samt dem Gottesdienst hat sicher dazu beigetragen, das Glaubensleben unserer Gemeinden zu bereichern.
Kreis Alsfeld.
* Maulbach, 10. Juni. Der hiesige 70 Jahrs alte Landwirt Konrad Schmiermund erlitt bei der Arbeit auf dem Felde einen Unfall. Er fiel in eine Senfe und zog sich starke Schnittwunden und Sehnenverletzungen an der rechten Hand und am Unterarm zu.
—.— Homberg, 9. Juni. Die hiesige Schütze n gi ld e veranstaltete api Sonntag ein Preisschießen. 21 fchöne und wertvolle Preise standen den wetteifernden Schützen zur Verfügung. Die ersten drei Preisträger seien namentlich angeführt: 1. Preis mit 36 Ringen Daniel Becker, Homberg: 2. Preis mit 35 Ringen Goßfelder, Homberg: 3. Preis mit 35 Ringen Georg, Ehringshausen. Infolge des günstigen Wetters war dis Beteiligung gut. Neben dem Preisschießen trug der Schützenverein Homberg gegen die Schützenvereine Ehringshausen und Otterbach einen Wettkampf im Mannschaftsschießen aus. Jede Mannschaft bestand aus vier Teilnehmern. Es wurden je drei Schuß in drei verschiedenen Anschlagsarten geschossen, und zwar liegend, kniend und stehend freihändig. Bei der ersten Mannschaft siegte die Schützengilde Homberg mit 302 Ringen vor Ehringshausen mit 295 Ringen und Otterbach mit 270 Ringen. Die zweite Mannschaft von Ehringshausen erzielte gegen die zweite Mannschaft von Homberg 320:283 Ringe. Die ersten Mannschaften wurden mit diesem schönen Ergebnis erheblich Überboten.
LPD. Schlitz, 10. Juni. In der neuen Schützer Schwimmanlage ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der siebenjährige Sohn des Brauereiarbeiters B r ö s k e versuchte im Nichtschwimmerbecken zu tauchen. Dabei ging der Junge inmitten der andern badenden Kinder unter und ertrank unbemerkt. Als man ihn nach einer halben Stunde vermißte und aus dem Wasser zog, waren alle Wiederbelebungsversuche vergeblich.
Landkreis Gießen.
= Mainzlar, 10. Juni. In den hiesigen Didierwerken fand ein Betriebsappell statt. Der Führer des Betriebes verkündete die Betriebsgemeinschaftsfahrt nach Heidelberg, die am 26. Juni ftattfinben soll. Die Teilnehmerzahl dürfte etwa 800 betragen.
* Daubringen, 10. Juni. Aus der 4. Reichs- nährftandsausstellung in München errang Dr. E. Buding vom Hofgut Heibertshausen mit 20 Wertmalen den besten Preis der für Markenmilch zu vergeben war und zwar den 1. Preis in Form einer silbernen Preismünze und Ehrenurkunde.
cx> Eberstadt, 11. Juni. Am heutigen Freitag feiert Frau Maria Bender, geb. Görlach, ihren 8 4. Geburtstag. Die Jubilarin ist körperlich und geistig noch rüstig und nimmt regen
Zum 1. Male
„Weidig-VerM".
600 Wettkcimp»»r auf dem Schrenzer bei Buhbach.
Am 23. Februar d. I. waren es hundert Jahre, daß der Butzbacher Pfarrer und Rektor Dr. Friedrich Ludwig Weidig, ein wackerer Streiter für den Gedanken der deutschen Einheit und Freiheit und ein Vorkämpfer völkischer Leibeserziehung im Jahnschen Sinn, einen tragischen Tod fand. Der Kreis Friedberg des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen veranstaltete gemeinsam mit der Stadt Butzbach im Februar d. I. eine eindrucksvolle Weidig-Gedenkfeier und verkündete durch den DRL.- Kreisfuhrer SA.-Obersturmführer 011 e r b e i n (Friedberg), daß ein neues Bergfest des Hessen- gaues in Zukunft auf den Namen des „hessischen Turnvaters", der schon 1814 mit seinen Schülern auf dem Schrenzer turnte, lebendig erhalten solle unter unserer Jugend.
Am Samstag und Sonntag findet nun das gauoffene Weidig-Bergfest zum ersten Male statt. Wir haben auf die Festfolge schon hingewiesen und dabei gesehen, daß man in der Gestaltung des Bergfestes weit über das rein Sportliche hinausgeht apiEM——i—maMi in ...............
(Deutscher Bergabend am Samstag auf dem Schrenzer, hessischer Volkstumsabend am Sonntag auf dem Butzbacher Marktplatz) und dem neuen hessischen Heimatsest das Gepräge eines wirklichen Volksfestes gibt.
Zu den volkstümlichen Einzel-Mehrkämpfen am Sonntagvormittag haben sich in den verschiedensten Altersklassen rund 600 Turner und Sportler gemeldet, ein Beweis dafür, daß der Bergfestgedanke lebendig ist im Hessengau. Auch die Mannschafts- Sonderkämpse haben ein gutes Meldeergebms. Die
Wanderpreise
tragen die Namen verdienter Butzbacher Männer, die in her Geschichte der heimischen Leibesübung besonders hervorttaten.
1. Weidig - Wanderpreis (gestiftet von der Stadt Butzbach): 4 mal 100-Meter-Pendelftaffel für Männer. Fr. L. Weidig wird mit Recht als der „hessische Turnvater" bezeichnet: der Schrenzer, wohin er mit seinen Schülern zu Kamps und Spiel zog, zählt zu den ältesten deutschen Turnplätzen.
nicht häßlich, aber sehr reizvoll für Männer. Disziplin und Gehenlassen stritten darin. Marie Auguste fand, daß Fogg ein Mannsbild sei und kein Schwätzer und Suitier, wie sie sie zu Dutzenden kannte. Es wäre nett, so einen Mann öfter um sich zu haben ...
„Sie haben hier keine Zukunft. Das müssen Sie doch begreifen? Wie wäre es mit Prag? Ich habe Beziehungen, ich habe Bekannte, ich könnte Ihnen die Wege ebnen", sagte sie lockend und fuhr mit der Zugenspitze über ihre Oberlippe, die einer purpurnen Vogelschwinge glich.
„Sie sind sehr liebenswürdig, Fürstin. Aber es geht nicht. Ich habe hier Verpflichtungen. Moralische gewissermaßen." Und er besann sich auf das Dorf, auf seine Kameraden, die Kuhleiten. „Später, vielleicht."
„Später ist meistens zu spät. Das sollten Sie bedenken."
„Sie vergessen, daß Schellenberg meine Heimat ist!"
„Wie Sie wollen. Ich muß jetzt gehen", sagte sie enttäuscht und glitt von ihrem Sitz. „Vielleicht besuchen Sie mich einmal zum Tee? Auf Wiedersehen, Doktor." Sie schritt mit steilem Kopf hinaus, band den Trakehner los unb ritt von bannen. Fogg sah noch lange ihre ziegelfarbene Kappe zwischen ben Wiesen leuchten.
Der Marti führte ben Stier Ajax auf der Straße nach Büchlkam. Der Ajax war ein großes Tier, eine Pracht von einem Bullen, schwarzweiß gescheckt, und trug eine Binde aus Rupfenleinwand über den Augen. Der Marti rauchte eine Zigarette — die Holzpfeife benutzte er in der letzten Zeit gar nicht mehr, und bas hing mit ber Anna zusammen —, ließ fich's wohl sein und pfiff dazwischen. Ein Motorrad knatterte in der Ferne heran, war da unb schoß vorüber, eine Fahne von Benzingestank hinter sich herschleifenb. Der Stier, ber winters über im warmen Stall geftanben war, kannte unb schützte solche Geräusche und Gerüche nicht. Er riß sich los, warf den Marti über den Haufen und stürmte davon. Er bumste an einen Apfelbaum am Straßenrand, scheuerte sich die rupfens Haube vom Kopf, blinzelte tückisch und schnob bampfenb den Atem von sich. Auf seinen feuchten Nüstern saßen
ein paar kleine Fliegen, die ihn kitzelten. Der Marti brüllte, unb ber Stier schoß auf bas Dorf zu.
Das Mädchen Anna, das gerade eine Zaunlatte feftnageln wollte, schrak auf, sah das Tier heran- brausen, und ein kurzer spitzer Schrei enffuhr ihr. Denn Ajax hatte Richtung auf einen Haufen spielender Kinder, die sich vor einer nahen Scheune tummelten. Große und kleine, und die kleinen machten weit mehr Lärm als die großen.
Himmel, die Kinder! schoß es ihr durch ben Kopf, unb was bann kam, tat sie aus purem Instinkt unb ohne rechte Ueberlegung. Sie schnellte auf, die neue Zaunlatte in der Hand, und dem aus Rand und Band geratenen Ajax entgegen. Das Tier war im Nu da, und Anna kam gar nicht dazu, nach der Halskette zu fassen. Aber etwas anderes geriet ihr in die Hand — der waagrecht abstehende Schweif, der von Aufregung unb Unternehmungslust zeugte. Diesen Schweif hielt sie mit ber Linken fest, ließ sich schleifen, und mit ber Rechten trommelte sie auf bie Hinterseite von Ajax los, bis bie Latte abbrach. Die Hiebe hätte ihm nicht viel ausgemacht, aber das ungewohnte Anhängsel an seinem Schwanz brachte ihn aus der Fassung. Er ließ von seinem bisherigen Ziel ab unb jagte mehr erschreckt als wütend die Dorfstraße entlang, bog in den Gfod- mairhof ein unb blieb schnaufend und zitternd vor der geschlossenen Stalltür stehen. Die Anna rappelte sich hoch, ließ den Schweif wie einen Strick fahren unb schnaufte gleichfalls. Der Bürgermeister, ber gerabe beim Sensendengeln war, kam aus dem Schuppen gerannt, nahm seinen Ajax an der Halskette unb führte das verdutzte Tier in den Stall. Dann kümmerte er sich um die Anna, die ein bißchen taumelte und ihre zerrissene Kleider untersuchte. Auch der Marti humpelte in ben Hof.
„Hast dir weh getan, Anna?" forschte der alte Gsodmair.
„Ich glaube, nicht. Nur die Schuhe sind hin und bie Strümpfe", gab sie zur Antwort unb war etwas weiß um bie Nase herum.
„Wart, ich hol' bir einen Schnaps", sagte ber Gsobmair. „Du bist mir ja eine ganz Tapfere, du Spatz. Was hat's denn überhaupt gegeben, Marti? Ich sag's ja: Wenn man nicht alles selber macht!"
„Du hättest den Ajax auch nicht halten können", verteidigte sich der Marti. „Er ist halt wild gewor
den wegen so einem Motorradfahrer, so einem damischen. Die Kerle machen ja einen Krach mit ihren Stinkkarren ... (Es ist Ihnen doch hoffentlich nichts passiert, Fräulein Anna? Ich versteh' den Ajax nicht: er fft sonst ganz handsam, und ein Kind kann ihn führen."
Die Anna lachte schon wieder. Recht behaglich war es ihr allerdings nicht zumute. Das vorhin war doch allerhand Schrecken gewesen, auch der eine Fuß brannte wie das höllische Feuer. Sie nippte an dem Schnaps, sagte „Danke schön" und hinkte heim. Der Marti wollte sie der Sicherheit halber zwar begleiten, aber sie ließ das nicht zu. Fogg, den schreiende Nachbarn schon unterrichtet hatten, kam dem Mädchen entgegen.
„Na, so was! Das hätte schief aus geh en können, Anna. Bandelt dieser Racker einfach mit einem Stier an! Mir hat es einen ordentlichen Riß gegeben, als mir die Leute das erzählten."
„Ich kann doch nicht zugucken, wie er die Kinder über den Haufen rennt!" entschuldigte sie sich.
„Natürlich nicht. War alles sehr brav von dir. Ich rede ja bloß von der Angst, die ich um dich ausgestanden habe", sagte Fogg degüttgend. „Da, hänge bei mir ein. Bist du verletzt?"
„Ein paar Schrammen. Ich glaube nicht, daß es etwas Ernstliches ist, Josi. Mal wieder Glück gehabt." Daß Josi um sie Angst ausgestanden hatte, war eine wunderschöne Sache. Im Hausgang machte sie sich ein bißchen schwer unb ließ sich auf das Lebersofa im Wohnzimmer tragen, ein ungekannter unb ganz durchdringender Genuß. Fogg bemühte sich voll Zartheit unb Besorgnis um sie. Er wusch bie Kratzer aus, betupfte sie mit Jod, holte ihr neue Strümpfe unb Schuhe. Kurz, er war ungeheuer nett unb aufmerksam zu ihr, gerabezu brüderlich. Später setzte er sich neben sie, streichelte ihre Hand, bie auch eine Spur abgekriegt hatte unb nun einen rosaroten Heftpflastertupfen besaß
Unb plötzlich, Anna wußte selbst nicht, wie bas kam, warf sie mit einer leidenschaftlichen Bewegung bie Arme um seinen Hals unb küßte Foga auf ben Mund. In diesem überraschenden Kuß lag alles, was sie an Drang und Sehnsucht unb Verliebtheit zu geben hatte und seit Wochen in sich herumtrug.
Fortsetzung folgt


