Ausgabe 
11.5.1937
 
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ttr.107 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, l''.Alai (9ZZ

v. 1 Kl zA F »A Wasser an und ließ ihn um den mangelnden Wein-

Qftitf ößt* CjldOt (5)lßWßt1. duft zu ersetzen, fast eine halbe Strckde im Gänse- Wivpvih rvein ziehen. Der Einzige von der ganzen Gesell-

E. B.

Eintritt frei!

Kreiöfilmstette.

wird

Ro-

140-299

Die öcutfdie flrbcitdfront k n S.-ÄMnMayKraft durch freute"

an dieser Kundgebung herzlichst eingetaden. Beginn 20.30 Uhr.

schäft, der am nächsten Tage einen fürchterlichen Kater hatte, war der Temperenzler.

Wir aber wollen die Gläser mit der ungewässerten Maibowle aneinanderklingen lassen und wollen mit

Die Logbücher des Kapitäns Look.

Dem englischen Marine-Museum hat König Georg zwei handschriftliche Schiffstagebücher des Kapitäns Cook zum Geschenk gemacht, die bisher zu den kost­barsten Stücken der Königlichen Bibliothek in Windsor gehörten. Es sind zwei Foliobände in zeit­genössischen roten Maroquin-Einbänden. Der erste Band enthält das Logbuch Kapitän Cooks auf seiner ersten Reise, 1760 bis 1770, als Komman­dant des KriegsschiffesEndeavour. Während die­ser Reise gelang ihm die Wiederentdeckung und voll­ständige Vermessung von Neuseeland und die Ent­deckung und Vermessung der Ostküste von Austra­lien. Er segelte dabei rings um die Erde und er­brachte außerdem den Beweis, daß man die ge­fürchtete Skorbut-Krankheit bekämpfen könne. Nach

Normaldose 20 Pfg.

Doppeldose 35 Pfg.

UM putzt ü kW alles

Und oft scholl Beifall unsrer schlichten Art, Als läg in diesem Maiweinnippekreise Waldmeisters Wunderhorn als Schatz verwahrt."

Wer in linder Maiennacht den köstlichen Maitrank bereitet, der fei sich seiner Verantwortung voll be­wußt: nie geize er mit Waldmeister, nie versuche er, zu geringe Menge derHerzensfreude" etwa dadurch auszugleichen, daß er das Kräutlein längere Zeit im Wein ziehen läßt. Denn das Kumarin, das dem Maitrank den köstlichen Duft verleiht, es hat feine Tücken. Das mußte einer meiner Freunde Anti­alkoholiker zu seinem Kummer erfahren. Er braute feinen Gästen darin entschieden groß­zügig eine tadellose Rheinwein-Maibowle; für sich selber aber setzte er den Waldmeister mit

Im Beiprogramm läuft ein Film vom deut­schen Kraftfahrsport und die neue Wochenschau.

Hans Thyriot.

Scheffel singen:

Zwar heilt uns am besten Ein fröhlicher Sinn, Doch Maiwein und Steinwein Sind auch Medizin."

Dornotizen.

Tagcskalender für Dienstag.

Neuer LeiterderGießenerSchuhpolizei.

Polizeimajor Koch aus Halle a. d. S. wurde vom Chef der Deutschen Polizei, Reichsführer SS. Hi m m l e r, zum Kommandeur der Schutz­polizei in Gießen ernannt. Der neue Kom­mandeur hat sein Amt vor einigen Tagen ange­treten, nachdem er von dem Leiter der Ordnungs­polizei in Hessen, Oberstleutnant Müller, in Gegenwart des Leiters der Polizeiabteilung der Lan­desregierung, Regierungsrat Dr. Schulze, und aller Beamten und Angestellten der Polizeidirektion Gießen in seine hiesige Dienststelle eingeführt wor­den war. Polizeimajor Koch leitet auch als stell­vertretender Polizeidirektor die Geschäfte der hiesigen Polizeidirektion bis zur Ernennung eines neuen Polizeidirektors, mit der im Laufe der nächsten Wochen zu rechnen sein wird. Als Adjutant des Kommandeurs, Major Koch, tut der Oberleutnant der Schutzpolizei F ö r st e r Dienst, der aus Reck­linghausen hierher versetzt wurde.

Sochschulnachnchten

Der ordentliche Professor der inneren Medizin Dr. Franz V o l h a r d von der Universität Frank­furt ist zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Aerzte in Wien ernannt worden.

Der Herr Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat dem Dr. med. habil. Harry Neumann eine Dozentur für das Fach der Haut- und Geschlechtskrankheiten in der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt verliehen.

Ernannt wurden: Professor Dr. Helmut Kneser an der Universität Greifswald zum außer­ordentlichen Professor für Mathematik an der Uni­versität Tübingen; Professor Dr. Ulrich Hof­mann an der Universität Berlin zum ordent­lichen Professor für anorganische Chemie an der Universität Rostock; der außerordentliche Pro­fessor Dr. Alfred B e r r e r an der Technischen Hoch­schule Breslau zum ordentlichen Professor für Bauwesen daselbst.

Professor Dr. Ernst Back Ordinarius für Physik und Meteorologie an der Landwirtschaftlichen Hoch­schule Hohenheim, wurde in gleicher Dienst­eigenschaft an die Universität Tübingen versetzt.

NSKOV.: 20 Uhr Monatsversammlung im Re­staurantBurghof" Staüttheater: 20 bis 22.15 UhrDer Etappenhase". Gloria-Palast, Selters­weg:Gleisdreieck". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Ein Mädel vom Ballett". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 16 bis 18 Uhr Ausstellung von Gemälden, Aquarellen und Zeich­nungen von Lotte Droese.

Groß-Kundgebung derASDAp.in Gießen

Am Mtiwoch, 12. Mai, spricht in (Rehen der Reichs- und Stohlruppredner Gauinfpekteur pg. h o l z k ä m p e r in der Volkshalle.

Die Bevölkerung Giehens und der umliegenden Ortschaften ist zur Teilnahme

Der GroßtonfilmS a v o y H o t e l 217" von der Gaufilmstelle Hessen-Nassau im Kreise Wet­terau an folgenden Terminen vorgeführt: Dienstag, 11. Mai in Londorf; Mittwoch, 12. Mai, in Allen- dors; Donnerstag, 13. Mai, in Treis; Freitag, 14. Mai, in Reiskirchen; Samstag, 15. Mai, in Heuchelheim; Sonntag, 16. Mai, in Großen-Linden; Montag, 17. Mai, in Grüningen; Dienstag, 18. Mai, in Hausen; Mittwoch, 19. Mai, in Watzenborn- Steinberg; Donnerstag, 20. Mai, in Steinbach; Freitag, 21. Mai, in Lang-Göns; Samstag, 22. Mai, in Gambach; Sonntag, 23. Mai, in Wölfersheim; Montag, 24. Mai, in Affenheim; Dienstag, 25. Mai, in Nieder-Erlenbach; Mittwoch, 26. Mai, in Nieder- Eschbach; Donnerstag, 27. Mai, in Ober-Wöllstadt; Freitag, 28. Mai, in Nieder-Wöllstadt; Samstag, 29 Mai, in Harheim; Sonntag, 30. Mai, in Stein-

Zof. Viktor von Scheffel nimmt Bezug auf quettes Dichtung, wenn er imGaudeamus singt:

Letzte Sondervorstellung der 77SG.Kraft durch Freude" der Spielzeit 1936/37.

Als Abschluß dieser Spielzeit bringen wir das lustige SoldatenstückDer E t a p p e n h a s e" von Bunje. Dieses Stück mußte in verschiedenen deut­schen Städten bis zu 200mal wiederholt werden. Die Preise der Plätze sind 50, 70 und 90 Pf. Kartenbestellungen können umgehend noch aufge­geben werden. Es sind nur noch wenige Karten zu 90 Pf. vorhanden. Karten sind nur auf der Kreis­dienststelle, Schanzenstraße, erhältlich.

(Sloria-palast:Gleisdreieck".

Man kann sich vorstellen, wie dieser Film, zu dem R. A. S t e m m l e und Ralf E. D a n l o o das Drehbuch schrieben, entstanden ist: aus einer kleinen Notiz, wie sie täglich zu Dutzenden in den Berliner Zeitungen steht, des Inhalts etwa, daß ein Ein­brecher verurteilt wurde, oder daß sich emauf3 regender Vorfall" am Untergrundbahnhof Gleis­dreieck ereignete. (Daher der Name; man hätte viel­leicht bei der Wahl des Titels erwägen fallen, daß außerhalb von Berlin nur verhältnismäßig wenige Filmbesucher mit dem Wort einen Begriff verbin­den, der in der Reichshauptstadt jedermann geläu­fig ist.) Die Hintergründe, die menschlich erzählens­werten Begleitumstände und die Vorgeschichte einer solchen unscheinbaren Notiz aufzudecken, war Auf- gäbe und Thema dieses Films: der Griff ins täg­liche Leben, das die meisten im Dorüberfahren nur an der Oberfläche erleben, von der Außenseite her, ohne die inneren Zusammenhänge. Wenn man hin­ter die Kulissen blickt, wird es manchmal keines­

wegs immer recht interessant, und es lohnt sich zuweilen, Zusammenhänge und Hintergründe zu verbinden und als einen Film abrollen zu lassen. Man kann getrost mittendrin anfangen, wenn man das Vorher und das Nachher in den richtigen Zu­sammenhang bringt. Das geschieht hier, und es entsteht so ein kleiner Roman aus dem Alltag einer großen Stadt, nicht immer vielleicht nur reine, nackte Wirklichkeit, manches mutet eben auch ein wenig romanhaft und unwahrscheinlich an, aber im großen ganzen könnte sich alles so abgespielt haben, wie es hier gezeigt wird: die Liebesge­schichte zwischen zwei jungen Leuten, anfangs wie ein Dolksstück, zuletzt so aufregend wie ein wildes Kriminaldrama. Der Spielleiter Stemmle hat vielleicht nicht alles so völlig ins Bild aufgelöst, daß der Beschauer ohne die Inhaltsangabe im Pro­grammheft auskommen kann, aber er hat den Blick für die Realitäten des Alltags und für die Mög­lichkeiten, die das Thema der Kamera bot. Gustav Fröhlich spielt einen jungen U.-Bahnbeamten, einen frischen, sympathischen, guten Jungen, unge­fähr auf der Linie des Oberwachtmeisters Schwenke, Den wir früher von ihm sahen. Heli Finken- geller gibt die kleine Modistin, ein liebes, anstän­diges, tüchtiges Menschenkind, dessen Glück, Angst und Verzweiflung jeder (bis zum guten Ende) herz­lich miterlebt. Auch sonst sieht man eine Anzahl trefflicher Darsteller: Paul Hoffmann, Fritz G e n s ch o w , Hilde S e s s a k, Oscar S a b o , Toni von Bukovics und vor allem Otto Wernicke in einer prächtigen Charakterrolle. (Ufa.)

den ersten Blick. Ich hörte, wie sie ihm ihre Tele­phonnummer nannte. Wilhelm 2469. Ich merkte sie mir. Warum? Ich weiß nicht, aber sie biß sich bei mir fest.

Plötzlich sah die junge Dame nach ihrer Arm­banduhr und stieß wieder ihren reizenden kleinen Schrei aus. Sie kam zwanzig Minuten zu spät zur Gymnastikstunde! Der junge Mann wollte für sie zahlen, was sie heftig ablehnte. Er wollte sie be­gleiten. Das ginge nicht, sie hätte gar keine Zeit. Auf Wiedersehen, sehr gefreut, mal anrufen weg war sie.

Der junge Mann zoa sein Notizbuch und schrieb etwas hinein. Seine Lippen schrieben die Silben leise mit. Dann stutzte er besann sich als ob ein plötzlicher Abgrund sich vor ihm auftäte. Er wiederholte leise ihren Namen und starrte traum­verloren an die Decke, als käme Hilfe von oben. Seine Stirn legte sich in Falten. Er preßte die Faust gegen die Schläfe.

Da tat ich eine gute Tat. Ich beugte mich zu ihm hinüber und flüsterte ihm zu, was er vergessen hatte: Wilhelm 2469.

Er sah mich verwirrt an, errötete leise, dankte und notierte die Zahl. Mir aber war, als hätte ich eine Chance, ein Erlebnis, ein Jahr meines Lebens und mehr verschenkt. Ich saß auf meinem Stuhl und fühlte mich immer älter und abgeklärter wer­den. Ich war ein guter Mensch. Wenn Sie die kleine Rotblondine gesehen hätten, wurden Sie mir so- gar zugeben: ein sehr guter Mensch!

furt.

Dieser Film, mit Hans Albers in der Haupt­rolle, zählt mit seiner bezwingenden Lebensechtheit und seiner künstlerischen Monumentalität zu den größten Werken deutschen Filmschaffens.

Vorverkauf der Eintrittskarten findet jeweils durch die Ortsgruppe der NSDAP, statt.

Wohin an Pfingsten?

Pfingsten wollen wir freudig verbringen. Wir fahren mitKraft durch Freude" an die Bergstraße und durch den Spessart. Fahrtweg: Gießen Frankfurt Darmstadt Bensheim Reichen­bach _ Lindenfels Beerfelden Michelstadt Amorbach Miltenberg Wertheim Scholl­brunn Rohrbrunn Aschaffenburg Hanau Friedberg Gießen. Die rund 500 Kilometer lange Fahrtstrecke werden in bequemem Reiseomnibus durchgeführt. Der Fahrpreis einschl. voller Verpfle­gung und Uebernachtung beträgt nur 17 Mark. Nähere Auskunft erteilt gerne die Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18. Einige Anmeldungen werden noch entgegengenommen.

Artillenstenkameradschast^89SGießen

Man berichtet uns: Die Arttlleristenkameradschast 1895 Gießen hatte am Samstag ihren monatlichen Kameradschaftsabend, der, wie gewohnt, gut be­sucht war und noch belebt wurde durch die An­wesenheit von jungen Kameraden der UI./A.-R. 9.

Nach der Begrüßung gedachte die Kameradschaft in würdiger Weise des Unglücks des Luftschiffes Hindenburg", dessen Besatzung immer beste Ver­tretung ihres Vaterlandes war. An eine größere Anzahl Kameraden wurden die neu verliehenen Ab­zeichen des Waffenringes ausgegeben, die die alten Waffenbrüder für die Folge mit Stolz tragen wer­den. Ehrliche Freude erweckte bei allen Kameraden die Nachricht, daß sich der Führer des Waffenringes der ehern, deutschen Feldartillerie und Bundesfüh­rer des Bundes der Waffenringe, Generalleutnant Frhr. v. Matter, nach sehr schwerer Krankheit auf dem Wege der Besserung befindet und daß zu seinen Ehren die Kaserne in FritzlarGeneral-v.- Watter-Kaserne" benannt worden ist. Der Kame­radschaftsführer betonte, daß es in erster Linie das Verdienst dieses alten aufrechten Soldaten fei, wenn die Waffenringe heute so geschlossen dastehen. Spar­same Geschäftsführung ermöglichen es dem Waffen­ring, mit einem Beitrag von 5 Pf. pro Kopf und Jahr auszukommen, wodurch den einzelnen Kame- .radschaften die Mittel bleiben für ihre Aufgaben.

Im Juni plant die Kameradschaft einen Auto- ausflug nach GlaubergBüdingen unter sachkundi­ger Führung. Eine starke Beteiligung steht schon heute fest.

Eine kleine Ueberraschung brachte noch die Ver­teilung von freigemachten Blumen-Karten, worauf jeder Kamerad, Frau oder Mutter, in launigen Versen herzliche Grüße und Wünsche zum Mutter­tag sandte.

Beim Klang alter und neuer Soldatenlieder ver­schwanden schnell die Stunden der Kameradschaft.

Oie Schönheiten der Alpen.

Die Sektion Gießen des Deutsch-Oefterreichischen Alpenvereins veranstaltete am Samstag im Kunst­wissenschaftlichen Institut einen Lichtbildervortrag überHochtouren im Bernina und Bergell." Pro­fessor Dr. Schliephake gab in anschaulicher Weise seine Eindrücke jener hochalpinen Landschaft in den Rhätischen Alpen wieder, die sich von der Schweiz ins Italienische hinüberzieht. Eine Fülle ausgezeichneter Lichtbilder bot einen Einblick in jene Bergwelt der schneebedeckten Bernina mit mehr als 4000 Meter die zahlreiche Gletscher aufweist, wie den Forno-, Roseg- und Morteratschgletscher

Vom Waldmeister.

Nun ist sie wieder da, die Zeit des köstlichen Maitranks, der duftenden Waldmeisterbowle, von der wir uns kaum vorstellen können, daß sich der Mensch nicht immer daran erfreut habe.

Zuerst erwähnt finden wir den Waldmeister (auch als Maikraut, Meierkraut, Megerkraut, Waldmeier, Waldmännlein, Sternleberkraut, Herzkraut, Herzens­freude bekannt, früher auch wohl alsmcttrisilva" undalyffum" bezeichnet), als Zusatz zum Bier. Ein Rezept aus dem 15. Jahrhundert lautet also: roultu hebben frutbeer, so nym duft, Homer und woltmester, und dussen dryerleyei crud ok in bun- deken, unde do in dat beer". Wie das geschmeckt haben mag, kann man sich nur mit leisem Schau­der vorstellen. Allerdings war dieses Getränk ver­mutlich in der Hauptsache auch nicht als eine Sache des Genusses gedacht, denn das 15. und 16. Jahrhundert priesen den Waldmeister als Heil­mittel gegen allerlei Erkrankungen der Leber. Sv rühmen z. B. Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts die Heilwirkung und den angenehmen Geschmack des Waldmeisterweins;Waldmeyfter ..., ein traut, gefternet wie fleberfraut, ist aber zart, ein lyedli- chen geruchs, ... wärt bey menigklich für die leber gebraucht", so lesen wir in einem Kräuterbuch vom Jahr 1539, und im Jahr 1595 heißt's:die unsere brauchen disz kraut allermeyst im meyen, in wein gelegt und darüber getrunken, soll das Hertz er- frewen, und der versehrten leber wieder aufhelffen". Wie recht hatte er, der weise Verfasser dieses Kräu­terbuchs! Auch heute noch können wir die heilsame Wirkung des Maiweins feststellen, wenn unseine Laus über die Leber gelaufen" ist, und wir uns ob dieser Kränkung des wichttgen Organs in galli­ger Stimmung befinden. Und daß der Maitrank das Hertz erfreroet", wer will es bestreiten?

(Um noch eines anderen Zwecks des Waldmeisters zu erwähnen: fein Saft wurde früher gelegentlich gegen den Biß toller Hunde verwandt, feine Wur­zel diente zum Rotfärben von Geweben. Das Volk glaubt, daß die Kühe mehr Milch geben, wenn man ihnen Waldmeister unter das Futter mengt. In den Ostseeprovinzen trocknet man das Kräutlein im Schatten, und hängt es in leinenen Beutelchen auf: es soll dann durch verstärkten Geruch herannahen- den Regen anzeigen.)

Die Ätte, Waldmeister zur Maibowle zu ver­wenden, wird von Adelung und Campa noch nicht erwähnt, auch Oken (1841) kennt den Waldmeister­trank nur als blutreinigenden Kräuterwein. Es scheint, daß die Maibowle in den ersten Jahrzehn­ten des 19. Jahrhunderts am Rhein aufgekommen ist und dann langsam ihren Siegeszug durch Deutschland angetreten hat. 1851 erschienWald­meisters Brautfahrt", ein Rhein-, Wein- und Wan- dermärchen von Otto Roquette. Ihm sei folgende Schilderung einer Maibowle entnommen:

Von neuem hat er jetzt gebraut Von unsres Prinzen Lieblingskraut, Getaucht in Rheinwein, eine Schale."

feiner Rückkehr nach England ließ Cook eine sorg­fältige Abschrift seines Schiffstagebuches machen, die er eigenhändig verbesserte und für die er eine besondere Widmungs-Titelseite schrieb. Dieses Tage­buch machte er seinem Freunde, dem Kapitän Augustus John Hervey von der Königlichen Marine, zum Geschenk. Kapitän Hervey schrieb, nachdem er das Tagebuch gelesen hatte, auf die Titelseite:Das beste Schiffstagebuch, das ich jemals gelesen habe".

Der zweite Band enthält Cooks Tagebuch von seiner zweiten Reise, 1772 bis 1775, in denen er mit den SchiffenResolution undAdventure segelte, um dengroßen südlichen Erdteil" zu ent­decken. Er überschritt dabei zum ersten Male den südlichen Polarkreis, erreichte 71,10 Grad südlicher Breite und widerlegte durch eine zweite Weltum- feglung in den Gegenden, wo sich das südliche Fest­land befinden sollte, diese damals allgemein be­stehende Vorstellung. Als er nach England zurück­kehrte, war sein alter Freund, Kapitän Hervey, in­zwischen seinem Bruder als dritter Earl of Bristol nachgesolgt, und dieser Name erscheint daher auf dem Titelblatt des zweiten Bandes feiner Tage­bücher. Auf der letzten Seite dieses zweiten Bandes hat Cook seinen eigenen Namen mit einem Schnör­kel unterzeichnet. Es ist nicht bekannt, wann und wie die beiden Bände in die Königliche Bibliothek von Schloß Windsor übergegangen find.

Renate spricht alle Leute an.

Von per Schwenzen.

Es war in einem Cafä der Stadt. Ich saß so da und hatte nichts zu tun. Aber nicht darum handelt es sich hier es handelt sich vielmehr um eine reizende junge Rotblondine, die in diesem. Augen­blick von ihrem energischen Drahthaatterrier an einen Tisch in meiner unmittelbaren Nähe gezerrt wird. Immer habe ich Rotblondinen für eine ganz besonders zarte und stimmungsvolle und Draht­haarterrier für eine ganz besonders intelligente Rasse gehalten. Das doppelte Beispiel dieser meiner Welt­anschauung nahm teils auf einem Stuhl, teils auf meiner zu Boden gefallenen Mütze Platz. Teils puderte es die Nase, teils beschnupperte es mein Hosenbein.

Kinder und Hunde sind lebendige Brücken. Das Tier war übrigens wirklich reizend. Ich begann eine freundlich-alberne Unterhaltung mit der luftigen Stachelschnauze. Sie schnappte fröhlich nach meinem Zeigefinger. Der drohte sanft:Soll das Hündchen auf Onkels Mütze fitzen? Was?"

Ein zierlicher Entsetzensschrei der Herrin war die Antwort.Renate, belästige den Herren nicht!" Renate wurde mit dem Strohhalm aus dem Limo­nadenglas gezüchtigt und mußte' sich von meiner Mütze zurückziehen undbei Fuß" gehen.

Renate ist noch so jung! Verzeihen Sie tausend­mal, mein Herr, Renate ist so schrecklich aufdring­lich und spricht immer alle Leute an

Ich heuchelte Entsetzen. Der Anfang aller Freu­den und Leiden, das Gespräch war im Gange. So­weit sich das von Tisch zu Tisch machen läßt. Es läßt sich in guten Formen schlecht machen! Man müßte irgendwie eine Form finden, oder der Hund müßte es irgendwie einleiten, daß man sich zu der jungen Dame an den Tisch setzt. Ich fand keine rechte Möglichkeit dazu. Nein, ich kann mich doch nicht einfach da an Den Tisch setzen!

Ein junger Mann, der schon zweimal die Tisch­reihe abpatrouilliert hatte, konnte es. Er murmelte lächelnd so etwas wieVerzeihung ... Platz frei... Dame ... gestatten ..." Dabei trat er Renate noch auf die Pfote.

Obwohl alles gegen den Jungen sprach, gefiel er mir eigentlich ausgezeichnet. Breites offenes Jun­gensgesicht, braun, frisch, ganz lachende Augen, und Zähne wie eine Mundwasserreklame. Ich fühlte auf einmal sämtliche Plomben meiner Zahnreihen.

Ich konnte nichts dafür, daß die jungen Leute so laut sprachen. Sie sprachen nach wenigen Augen­blicke ganz ungezwungen. Es schien eine Liebe auf

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung des Lust­spielsDer Etappenhase" von Karl Bunje statt. Die Erstaufführung dieses Lustspiels war em gro­ßer Erfolg. Spielleitung: Heinrich Hub. Die Rolle des Hein Lammers spielt Karl Ludwig Lindt. Die Dorstellunq findet als 30. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.

Nat-Soz. Kriegsopferversorgung.

Am Dienstag, 11. Mai, findet um 20 Uhr eine Monatsversammlung im RestaurantBurggraben (Cafe Ebel) statt. Einladungen sind bereits ergan­gen, wir bitten um vollzähliges Erscheinen.

Am Mittwoch, 12. Mai, spricht in der Volkshalle Reichs- und Stoßtruppredner Gauinspektor Pg. Holzkämper. Unsere Mitglieder werden auf­gefordert, an dieser Versammlung teilzunehmen. NSDAV. - Amt für Bottswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Am Dienstag, 11., und Mittwoch, 12. d. M., findet im Bereich der Ortsgruppe Giehen-Süd die Lebensmittel-Opferringsammlung durch die 516.« Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft wird ge­beten, die Spenden bereitzuhalten.

Bund Deutscher Mädel, Untergau TI 6.

Betr. Mädel- und IM.-Führerinnenbesprechungen.

In dieser Woche finden für alle Mädel- und JM- Führerinnen und Sportwartinnen Besprechungen in folgenden Orten statt:

Am Dienstag, 11. Mai, in Hungen für die Standorte Inheiden, Trais-Horloff, Utphe, Röthges, Nonnenroth, Steinheim, Langd, Dillingen.

Am Mittwoch, 12. Mai, in Bettenhausen für die Standorte Muschenheim, Birklar, Langsdorf, Bellersheim, Obbornhofen, Eberstadt, Ober-Hörgern.

Am Donnerstag, 13. Mai, in Steinberg für die Standorte Watzenborn, Hausen, Garbenteich, Steinbach, Grüningen, Leihgestern, Dorf-Gill.

Antreten um 20.30 Uhr an den Heimen.