Ausgabe 
11.5.1937
 
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lische Mandat schlechtweg ab, und obgleich der Völ­kerbund die Fiktion eines Mandatsverhältnisses auf­recht erhielt, mußte England sich damit begnügen, durch ein Bündnis seine Oelinteressen zu sichern. Durch blutige Ausstände und Streiks wurde Frank­reich gezwungen, Syrien und Libanon 1936 die Unabhängigkeit zuzugestehen, die freilich durch Bündnisverträge stark eingeschränkt ist.

Versagt«.hat dieses System auch in unseren Kolonien. Deutsch-Ostafrika ist englisches Man­dat geworden. Aber die Geschichte aller dieser Jahre ist gekennzeichnet durch das Bestreben Großbritan­niens, das ihm anvertraute Gebiet sich einzuoerlei- ben. Das Schlagwort dafür istcloser union, engere Vereinigung mit Kenya und Uganda. Wenn dieses Bestreben bisher gescheitert ist, liegt das an den Schwierigkeiten, die sich aus der verschiedenen Lage des Eingeborenenproblems in den drei Ge­bieten ergeben. Dieselben Annektionsbestrebungen treten im Hinblick auf S ü d w e st in der Südafri­kanischen Union zutage. Ihnen sollen auch die jüngst gegen die deutschen Siedler ergriffenen Zwangs­maßnahmen dienen, die in offenkundigem Wider­spruch zu dem Mandatsqedanken stehen. Die Zwie­spältigkeit, an dem das Mandatssystem krankt, hin­dert die gesunde Entwicklung der ihm unterworfenen Gebiete. Sie hindert eine gerechte und zweckmäßige Lösung der immer dringender werdenden Kolonial­frage. Das Mandatssystem, das eine der gro­ßen Lügen von Versailles verkörpert, geht an seiner eigenen Unwahrhaftigkeit zugrunde. Es muß und wird verschwinden. Erst wenn das ge­schehen ist, wird eine wirkliche Befriedung der Welt möglich sein.

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Im Anschluß an die Tagung der Akademie gab Reichsminister Dr. Frank einen Empfang zu Ehren des polnischen Justizministers Grabowski, an dem auch Botschafter Lipski, Reichsjustizminister Dr. Gürtner, die Staatssekretäre Lammers, Schlegelberger, Stuckart und Kleinmann, der Prä­sident des Deutsch-Polnischen Instituts Prof, von Arnim, vom Auswärtigen Amt Ministerialdirektor Gauß mit den Herren der Arbeitsgemeinschaft für die deutsch-polnischen Rechtsbeziehungen sowie zahl­reiche andere Persönlichkeiten der Rechtswissenschaft, des politischen Lebens, der Wehrmacht und der Wirtschaft teilnahmen. Reichsminister Dr. Frank gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß die polnische Rechtswissenschaft und das polnische Rechtsleben von dem gleichen Pulsschlag erfüllt seien wie im nationalsozialistischen Deutschland. Der polnische Justizminister fand in seiner Erwiderung Worte hoher Anerkennung für das nationalsozialistische Deutschland.

Steigendes Arbeitseinkommen.

LPD. Die vorläufige Berechnung des Lohn- und Arbeitseinkommens der Arbeiter, Angestellten und Beamten (ohne Pension) ergibt im Deutschen Reich für das Jahr 1936 eine Sume von rund 35 Milliarden Reichsmark. Gegenüber dem Vorjahr ist ein Zuwachs um 2,8 5 Milliarden vder 8,9 v. H. eingetreten. Die Löhne der Arbeiter find von 16,68 auf 18,57 Milliarden Reichsmark, also um 11,3 v. H., die Gehälter der versicherungspslich- tigen Angestellten von 7,05 auf 7,99 Milliarden Reichsmark gestiegen. Im Landesversiche­rungsamtsbezirks Hessen-Nassau stieg auf Grund der Errechnungen aus der Statistik der Beiträge zur Invaliden- bzw. Angestelltenversiche­rung der durchschnittliche Wochenver- d i e n st je Arbeiter von 23,46 Reichsmark im Jahre 1935 auf 24,78 Reichsmark im Jahre 1936. Somit ist eine Erhöhung um 5,6 v. H. zu verzeich­nen (im Reichsdurchschnitt 4,8 v. H.). Der durch­schnittliche Monatsverdienst je Angestell­ten erfuhr im Versicherungsamtsbezirk Hessen-Nas­sau im gleichen Zeitraum eine Steigerung von 192 Reichsmark auf 206 Reichsmark, also um 7,3 o. H., während im Reiche eine Erhöhung um 5,3 v. H. eingetreten ist. Im Gesamtbild des Reiches war die Zunahme der durchschnittlichen Wochen- und Mo­natsoerdienste einheitlicher als im Vorjahr. Nur Sachsen und Schlesien blieben in der Steigerung des Einkommens je Arbeiter noch stärker zurück. Bei der Entwicklung der Monatsverdienste der An­gestellten lagen nicht unbedeutend unter der Er­höhung im Reiche außer Sachsen noch die Rhein­provinz und die Pfalz.

Auch die Reichsbahn im Zeichen des WirWastsauWwungs.

Die Leistungsergebnisse des letzten Borkriegsjahres überschritten.

Berlin, 10. Mai. (DNB.) Der Geschäftsbericht der Reichsbahn für 1936 steht wieder im Zeichen des anhaltenden Wirtschaftsaufschwunges. Die Ver­kehrs- und Betriebsleistungen haben eine weitere so erhebliche Zunahme erfahren, daß die Lei - stungsergebnisse des letzten Vor- 65 durchweg zum Teil sogar beträchtlich überschritten wurden. Die Verkehrseinnahmen liegen im Perso­nen- und Gepäckverkehr mit 1069,9 Millio­nen RM. gegenüber 988,6 Millionen RM. im Jähre 1935 um 8,2 v. H. h ö h e r als im Vorjahre.

G u terverkehr schließen die Einnahmen mit 2635,6 Millionen RM. gegen 2324,5 Millionen RM. 1935; das bedeutet einen Zuwachs um 13,4 v. H. Bei den V e r k e h r s l e i ft u n g e n betragt die Steigerung im Personenverkehr "10,1 v- H- und im Güterverkehr 11,4 v. H. Die Einnahme- entwicklung im Güterverkehr ist hauptsächlich auf ..e ! un f p r o z e n t i g e Tariferhöhung zu- Voren> 3n5gcfamt wurden 1936 68,6 v. H., (1935: 68 o. H.), aller beförderten Tonnen des Ex- preß-, Eck- und Frachtgutes (einschließlich Kohlen) 3U verbilligten Ausnahmetarifen gefahren Im Per­sonenverkehr wurden 1936 68,63'v.H. (1935- 66 35 v.H.) aller Reisenden zu ermäßigten Tarifen be- sordert. Einschließlich der Vergütungen der An- chlußgleisbesitzer, Pachten, Meten usw. belaufen R1»«®6 samteinnahmen 3984,8 Millionen RM. (3586,11 Millionen RM.), d. s. 11,1 v.H. mehr als 1935. Die in der Betriebsrechnung Der« rechneten Aus gaben schließen mit 3513 (3433,9) Millionen RM. und liegen um 79,4 Millionen RM. r^f-r v' ch- über 1935. Die Betriebsrechnung schließt demnach mit einem Ueberschuß von 471,8 Millionen RM. gegen 152,2 Millio­nen RM. im Jahre 1935 ab. (1934 betrug der Ueberschuß nur 24 Millionen RM. und 1933 mußte sogar noch ein Fehlbetrag von 136 Millionen RM. ausgewiesen werden.) Insgesamt sind an Perso­nalausgaben 1936: 2356 Millionen RM. ent­standen; mit 67,21 v.H. ist das wie von jeher der größte Ausgabeposten der Betriebsrech- nung. Die Aufträge an die Wirtschaft können wie­derum auf rund 1,5 Milliarden RM. beziffert werden.

Oie Krage der Verwendung von Helium für Luftschiffe

Amerikanische Stimmen für Aufhebung des amerikanischen Monopols.

Berlin, 10. Mai. (DNB.) In der amerika­nischen Presse wird die Frage der Verwendung von Helium für Luftschiffe lebhaft er­örtert. Bekanntlich besteht ein Regierung^- verbot, Helium aus den Vereinigten Staaten auszuführen. Aus den oorlietzenden Aeußerun- aen läßt sich noch keine Klarheit über eine etwaige Abgabe des amerikanischen Heliums an das Aus­land gewinnen. Die deutsche Untersuchungskommis­sion wird auch diese Frage bei den zuständigen amerikanischen Stellen zur Sprache bringen. Im Kongreß und in Regierungskreisen wird die Mög­lichkeit einer Erleichterung der amerika­nischen Heliumausfuhr besprochen, nach­dem der Senatsausschuß für Militärangelegenheiten bereits eine dahingehende Vorlage angenommen hat. Beamte des Innenministeriums erklärten laut Associated Preß", daß Präsident Roosevelt keine gesetzgeberischen Maßnahmen abzuwarten brauche, um Ausfuhrbeschränkungen aufzu- heben, die bisher mit Rücksicht auf den militä-

Kapitän pruß außer Gefahr.

Fünf weitere Verletzte auf dem Wege der Besserung.

N e u y o r k, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) lieber den Zustand einiger verletzter Fahraäste und Be­satzungsmitglieder desHindenburgs melden die letzten Krankenhausberichte, daß Kapitän Pruß, der Erste Ofsizier S a m m t, die Besatzungsmit­glieder Deu.tschle, Schönherr, Fischer und Schädler sich endgültig auf dem Wege der Besserung befinden, ebenso die Fahrgäste

W i n h o l t und H i r s ch f e l d. Die Besatzungsmit- glieder Herzog, Leibrecht und Ritter sind noch nicht über alle Gefahr hinweg.

Bei der großen Trauerfeier auf dem Hapag- Lloyd-Pier stellen Armee, Küstenwache und Marine Ehrenwachen. Die diplomatischen Vertreter Oesterreichs und Schwedens nehmen an der Feier teil. Portugals Neuyorker Generalkonsul sprach dem deutschen Volk, dem Deutschtum Ameri­kas und den Familien der Toten sein Beileid aus zumVerlust ihrer wundervollen Königin der Lüste" und jener Mitglieder und Passagiere, die ihr Leben verloren haben.

Commander Rosendahl vor dem tlnlersuchungsausschuß.

rischen Wert des Heliums bestanden. Amerika hat praktisch das Monopol dieses nichtentzündbaren Gases, und es herrscht Einmütigkeit darüber, daß mit Heliumgas das Unglück nicht ein­getreten wäre. Vereinzelt werden Stimmen laut, Amerika hätte zwecks Förderung des Luft­schiffsverkehrs nicht so hartnäckig auf seinem Helium- basmonopol bestehen sollen. Deutschland würde fraglos von Helium Gebrauch gemacht haben, wenn man den Bezug dieses Gases von amerikanischer Seite erleichtert hätte.

In einem bemerkeyswerten Leitartikel schreibt Christian Science Monitor", auch den Amerikanern sei die Unglücksnachricht unglaublich erschienen. Aus diesem Verkehrsgebiet habe Deutsch­land ein höchst bemerkenswertes Kapitel in der Ge­schichte der Unternehmungen des 20. Jahrhunderts geschrieben. Seit 1913 halte Deutschland den Rekord für unfallfreien zivilen Luftschiffverkehr, und seine Schiffe würden von vielen als Symbol außer­ordentlich mutigen Weitblicks auf dem Gebiet des friedlichen Fortschritts bewundert. Jedermann frage heute, warumHindenburg" nicht mit Helium gefüllt gewesen sei. Präsident Hoover habe seinerzeit die Gerüchte dementiert, daß Helium nicht außerhalb Amerikas gehen dürfte. Nach demMacon"-Unglück habe Roosevelt erklärt, daß das Helium dem Auslande für Versuche und wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stehe. Tat­sächlich sei aber die Heliumausfuhr von der Ge­nehmigung abhängig. Das Blatt schließt, daß keinerlei finanzieller Nutzen, der durch den Ge­brauch billigeren Wasserstoffgases erzielt worden ist, den Rückschlag wettmachen könne, den dieses große deutsche Wagnis durch den Verlust desHinden­burg" erlitten habe. Indessen sei heute kein Land imstande, Anklagen zu erheben, und man empfinde nur tiefste Sympathie für den deutschen Nachbar bei diesem unglaublich traurigen Ereignis.

Nach einer Meldung derUnited Preß" wollen amerikanische Marinekreise sich so lange der Aus­fuhr von Helium widersetzen, bis man festgestellt habe, daß die natürlichen Vorräte der Vereinigten Staaten an diesem Edelgas uner­schöpflich seien. Marinekreise schätzen diese Vor­räte für groß genug, um hundert Luftschiffe 'von der Größe desHindenburg" hundert Jahre lang damit zu versorgen. Die gegen­wärtige Heliumgewinnung in den Vereinigten Staaten betrage im Jahresdurchschnitt 2 4 Mil­lionen Kubikfuß (das sind etwa 900000 Kubikmeter). Diese Menge würde ausreichen, um vier Schiffe von dem Rauminhalt des verun­glückten deutschen Luftriesen zu füllen. Präsident Roosevelt äußerte, daß die Abgabe von Helium an ausländische Stellen bisher nicht erörtert worden sei. Roosevelt erklärte ferner, daß zu hoffen sei, daß das Studium derLeichter-als- Lu ft"-Schiff ah rt trotz des Rückschlags durch das Unglück desHindenburg" weitergeführt werde.

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Helium, ein sog. Edelgas, das sich in den unteren Schichten der Luft nur in unendlich geringen Men­gen vorfindet, wird in einem komplizierten chemi­schen Verfahren gewonnen. Amerika nimmt dabei insofern eine einzigartige Stellung ein, als es in der Lage ist, dieses wichtige Gas in größeren Men­gen auch aus einem heliumreicheren Naturgas ge­winnen zu können. Abgesehen von physikalischen und anderen wissenschaftlichen Zwecken ist das He­lium gerade für die Luftschiffahrt von größter Be­deutung, weil es unbrennbar und nächst dem Was­serstoff das leichteste Gas ist. Schon aus den letzten Stunden des heldenhaften Kapitäns Lehmann wird berichtet, daß der an seinem Sterbelager wei­lende Kommandant des Flugplatzes Lakehurft, R o - sendahl, in einem längeren Gespräch mit Leh­mann geäußert habe:Ernst, wir werden euch so­viel Heliumgas geben, wie ihr braucht." Jene Be­merkung zeigt die Bereitschaft amerikanischer Sach­verständiger, sich dafür einzusetzen, daß durch Locke­rung des amerikanischen Staatsmonopols die Mög­lichkeit der Heliumaasfüllung für die Tragkörper der Zeppelin-Luftschiffe gegeben wird. Ueberdies wird nachstehende Aeußerung Rosendahls gegen­über einem deutschen Pressevertreter bekannt: Wenn das Luftschiff mit Helium gefüllt ge­wesen wäre, dann hätte es dieses Unglück niemals gegeben. Die Katastrophe hat be­wiesen, daß es in der Luftschiffahrt nur einen einzigen unsicheren Faktor gab, und das war die Gasfrage."

Der Preis für Heliumgas, von dem für eine Teil- füllung des LuftschiffesHindenburg" zu 70 v. H. etwa 125 000 Kubikmeter gebraucht worden wären, betrug nach einer Angabe der Köln. Ztg. vor 1934 noch 35 Dollar für den Kubikmeter, ist aber in« schwachen schon auf einen halben Dollar gesunken. Es braucht nicht betont zu werden, daß sich die Vereinigten Staaten ein Verdienst um die Mensch- beit erroerben würden, wenn sie den Zeppelin-Luft- schlsfen die Füllung mit Heliumgas ermöglichen wurden. Soweit die hemmenden amerikanischen Ge- setzesoorschrlften auf militärische Rücksichten zurück­gehen, sollten diese letzteren gegenstandslos sein gegenüber einer einzigartigen Einrichtung wie der Zeppelmluftschiffe, deren unermeßliche Bedeutung P. kllltureller, technischer und völkerverbindender Hinsicht von der ganzen Welt übereinstimmend an«

^nrö' ,^c Amerikaner selbst haben ja das stärkste Interesse daran, daß auch der letzte Rest einer fehlenden Sicherheit im Zeppelinverkehr be= ^tigt wird da sie das Luftschiff im Verkehr mit Curopa schätzen gelernt haben und auch wissen, daß o3 tuStc besseren, schnelleren und betriebssicheren Luftschiffe als die Zeppeline gibt.

Neuyork, 10. Mai. (DNB.) In Lakehurft er­öffnete der Ausschuß des Marinemini st e- riums die Untersuchung derHindenburg"-Kata- strophe. Als erster Zeuge wurde der Kommandant der Marinestation Lakehurft, Commander Rosen­dahl, vernommen, der als der hervorragendste Luftschiffsachoerständige der amerikanischen Marine gilt. Er bezeichnete die atmosphärischen Be­dingungen während des Landungsmanövers als vollkommen zufriedenstellend. Während des gan­zen Landungsmanöoers habe er nichts Außer­gewöhnliches bemerkt. Das erste, was er ge­sehen habe, sei eine kleine Flammengarbe über dem Hinteren Schiffskörper ge­wesen. Er habe sofort das Gefühl gehabt, daß dies den Untergang des Schiffes bedeute. Er wisse aber natürlich nicht, wie das Feuer entstanden sei. Nach der ersten kleinen Stichflamme sei das ganze Heck des Luftschiffes in Flammen aufgegangen. Er sei sehr überrascht gewesen, nicht mehr Explo­sionen in Verbinduig mit diesem Brand gehört zu haben. Die schwachen Explosionen während des Brandes feien nach feiner Ansicht hauptsächlich der Aufzehrung des Luftschiffes durch Gasflammen zuzuschreiben gewesen. Das Luft­schiff habe bei dem Ausbruch des Brandes 200 Fuß (etwa 60 Meter) Flughöhe gehabt. Zu keiner Zeit habe es den Boden berührt. Die Landungsseile seien vor dem Brand bereits 4 Minuten auf dem Boden gewesen, so daß nach Aussage Rosendahls die Entladung statischer Elektrizität durch den Erdkontakt der Landungs­seile als Brandursache praktisch ausscheidet. Auf Befragen erklärte Commander Rosendahl wei­ter, die Vereinigten Staaten hätten praktisch das Weltmonopol für das nicht entzünd-

Trier, 10. Mai. (DNB.) Die Verhandlungen in dem Sittlichkeitsprozeß gegen den katholischen Pfarrer Peter Bauer vor der Großen Sttas- famrner in Trier brachten durch die Vernehmung des bischöflichen Generalvikars als Zeugen weiteres aufschlußreiches Material hinsichtlich der unglaublichen Vertuschungsmanöoer der bischöflichen Behörden im Falle Bauer. Zu Beginn der Ber- handlung teilte der Verteidiger des Angeklagten dem Gericht mit, daß fein Mandant eine Erklärung abgeben wolle.Ich kann mich", so sagte der An­geklagte,nachdem ich die einzelnen Zeugen bei ihrer Vernehmung gehört habe, und mir alles wieder durch den Kopf gehen ließ, auch der Einzelheiten wieder erinnern." Er schildert nun die einzelnen Vorkommnisse, die sich voll und ganz mit den Aussagen der Zeugen decken.

Der Sachverständige Direktor Dr. E n n e r von der Heil- und Pflegeanstalt Merzig gibt nun eine interessante Aeußerung des Angeklagten wieder. Nach dem Bekanntwerden der Verfehlungen habe Bauer selbst die bischöfliche Behörde darum gebeten, i h m keine Pfarrstelle mehr zu geben. Der inzwischen verstorbene Generalvikar Tillmann habe aber darauf hingewiesen, daß die Pension dann so klein wäre, daß Bauer und sein Vater nicht damit auskommen könnten. Daraufhin sei er dann mit der Pfarrstelle in Weidingen betraut worden.

Generalvikar Dr. von Meurers erklärt, er habe Bauer über die sittlichen Verfehlungen in Weidingen vernommen. Der Oberstaatsanwalt stellt dann den Antrag, das Schreiben des Generalvikars vom 20. April 1936 zu verlesen, in dem er auf einen von der Staatsanwaltschaft schriftlich gestell­ten Antrag hin, die Personalakten des Pfar­rers Bauer zu übersenden, antwortete, daß Perso­nalakten über Pfarrer Bauer aus Marpingen nicht vorlägen. Auf die weitere Frage des Oberstaatsanwaltes, wie es komme, daß in dem Schreiben ein Ort Marpingen erscheine, wäh­rend Bauer doch in Weidingen die Pfarrstelle innehatte, erklärt der Zeuge, er habe Weidingen diktiert, von der Sekretärin sei aber fälschlicherweise Marpingen geschrieben worden. Der Oberstaats­anwalt weist darauf hin, daß nachträglich doch Personalakten Bauers gefunden worden sind und der Zeuge ihm erklärte, er wolle ihn bei den Ermittlungen unterstützen. Die Akten habe er aber nicht zur Verfügung gestellt.

Hierauf antwortet der Generalvikar, nach den kirchengesetzlichen Bestimmungen dürfe er kirchliche Akten nicht zur Verfügung stellen. Der Oberstaats­anwalt bezeichnet den Inhalt des Schreibens vom 20. April als eine bewußte Irreführung und Fäl­schung. Die Ausführungen des Zeugen hätten die Bestätigung erbracht, daß wir einen Staat im Staate hätten. Der Zeuge betont nochmals, daß er solche Akten nicht habe herausgeben können. Er gibt aber zu, daß er sich in dem Schreiben etwas klarer hätte auÄirücken können. Der Oberstaats­anwalt stellt den Antrag, ihn unbeeidigt zu lassen, da im Hinblick auf den Inhalt des Schrei­bens an die Staatsanwaltschaft vom 20. April 1936 der dringende Verdacht der Begünstigung vorliege.

Drei Staatspolizeibeamte sagen übereinstimmend aus, daß Generalvikar Dr. von Meurers nicht zu wissen behauptet habe, wo die Personalakten lägen; bann als sie welche gefunden hatten habe er erEIart, das seienwohl alle", sie brauchten nicht weiter zu suchen. Schließlich hätten sie an sechs verschiedenen Stellen die Unterlagen ge­funden. (!) Der Generaloikar behauptet, er habe

bare Heliumgas, dessen Verwendung durch Gesetze von 1925 und 1927 geregelt sei. (Diese Rege­lung bedeutet ein Regierungsverbot, He­liumgas aus den Vereinigten Staaten a u 5 g u « führen. Die Schriftleitung.)

Wilhelm von Meister, der Vizepräsident der American Zeppelin Transport Company und Ver­treter des Zeppelin-Luftschiffbaues für Amerika, er­klärte, das Luftschiff habe die Landung wegen Gewitter stürmen verschieben müssen. Es habe die Landung in etwa 150 Fuß (etwa 45 Meter) Höhe vorbereitet. Die Windstärke sei auf zwei Knoten gefallen gewesen. Das Luftschiff hätte genügend Geschwindigkeit gehabt, um zu landen, und habe so gut wie still gelegen, als es die Heckseile herabließ. Der Zeuge stand seitwärts zum Schiff. Er hatte während des Anfliegens bemerkt, daß das Luftschiff dreimal von Heck Wasserballast abgab, was andeutete, daß das Heck schwer war. Er sei inter­essiert gewesen, ob es noch mehr Ballast abgeben müßte. Langsam sei das Luftschiff zur Landung herabgekommen; von Meister bemerkte sehr starkes Licht an der oberen Rinne. Dann sei eine Flamme ausderBackbordseiteheraus- geschlagen. Im Nu stand das ganze Heck in Flammen, und das Luftschiff sank zu Boden, nach- dem es in der Mitte auseinandergebrochen war. Nun sei auch das ganze Gerüst zusammengestürzt, v. Meister lief auf das Luftschiff zu, um, wenn mög­lich, Hilfe zu leisten. Der Vorsitzende' des Aus- schusfes, Trimble, bestätigte, daß der Ausschuß von der heldenmütigen Rettungsarbeit Meisters ge­hört habe. Trimble gab darauf bekannt, daß Com­mander Rosendahl die Ausschußmitglieder zum Wrack desHindenburg" führen werde.

tatsächlichnicht gewußt", wo die Akten gelegen hätten, ihm sei auch nicht bekannt gewesen, wie viele Akten über Bauer überhaupt Vorlagen. Das Gericht verkündete daraus, daß die Vereidigung des Zeugen wegen Verdachtes der Begünsttgung unter­bleibe.

Oer Machtkampf in Barcelona

BolschewistischerGeneral" setzte Kriegsschiffe gegen Anarchisten ein.

Paris, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach Schilderungen eines Reisenden imJournal", der von Barcelona kommend in Perpignan ei getroffen ift, soll in der katalanischen Hauptstadt eine Dik - t a t u r herrschen, die von dem bolschewistischen General" P o z a s ausgeübt werde. Dieser scheue vor keinem Mittel zurück, um die Anarchisten zu vernichten. Er habe sogar ihm von den Valencia- Bolschewisten zur Verfügung gestellte Kriegs- schiffe eingesetzt und die von den Anarchi- sten besetzten Wohnviertel der Stadt beschießen lassen. Außerdem wolle Pozas bolschewisttsche Sendlinge nach Puigcerda und De la Cerdagne schicken. Hieraus gehe hervor, daß die Unruhen auch auf anderen katalanische Städte übergegriffen hätten.

Stickstoff und stickstoffhaltige Dünge­mittel sofort anfordern!

Berlin, 8. Mai. (DNB.) Der Reichskom- mlssar für die Preisbildung teilt mit:

einer in den nächsten Tagen ergehenden Ausführungsverordnung über die Verwendung o ? tick st o f f und Kalidüngemitteln wird die Bereinigung der für die Verteilerschaft ent­standenen Schwierigkeiten erfolgen, die durch d i e 30prozentige rückwirkende Preissen­kung von Stickstoff und stickstoffhaltigen Dünge- Mitteln bei den am 31. Dezember 1936 am Lager befindlichen Mängel entstanden sind. Die Angabe der Hohe der Entschädigung kann e r st nach Ein- gang der genauen Lagerbe st andsmel- s-U n<u CJ1-rr?I8erL Diirch die Entschädigung wird die Verteilerschaft m die Lage versetzt werden, ohne Existenz gef äh rdung ich r e n 23 er- pflichtungen auf G r a t i s l i e f e r u n g e n nachzu kommen. Die Verteiler sind gehalten, unverzüglich die von ihnen benötigten Men- 6k n von Stickstoff und stickstoffhaltigen Düngemit- teln beim Sttckstoffsyndikat oder bei den Misch- oungerfabrifen anzufordern, damit die Aus­leerung der der Landwirtschaft zustehenden Gratis- teferungen f o f o r t e r f o I g e n kann. Bei der ver- spateten Anforderung können Lieferungsstockungen entstehen die im Interesse der Belieferung der Landwirtschaft mit den Zusatzwengen unbedingt ver­mieden werden müssen. Wenn Auslieferungsschwie- ngkelten nachweislich durch das Verhalten der 23er- teHerschaft entstehen, so wird die Verteilerschaft zur Verantwortung gezogen werden.

Die frankfurter Tagung der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft.

Die Deutsche Weltwirtschaftliche Gesellschaft fetzte ihre Veranstaltung in Frankfurt a. M mit einer Ehe von Sondertagungen fort. Auf der Sonder- tagun^Ausländische Wirtschaftsbeziehungen Deutsch­lands wurden von fachmännischer Seite tnter-

Der Gittlichkeitsprozeß Bauer.

Der Tridrer Generalvikar bleibt wegen Verdachts der Begünstigung unvereidigt.