18?. Jahrgang
Gießener Anzeiger
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Kaum war dieses Kompromiß geschlossen, so tauchte am Ende der dritten Konferenzwoche der Streit um die Behandlung der Marokkaner und Tunesier auf, der das ganze Vertragswert in Frage zu stellen drohte. Man hatte sich zunächst auf die Formel geeinigt, daß während der Uebergangszeit die Staatsangehörigen der Ka- pitularmächte einheitlich behandelt werden sollen, gleichviel, ob sie aus dem Mutterlande oder aus den Kolonien stammen; bei dieser Gelegenheit erzielte Italien den Erfolg, daß die A b e f s i - n i e r stillschweigend, aber unzweideutig als italienische Untertanen anerkannt wurden und daß der Titel „Kaiser von Aethiopien" unbeanstandet blieb. Dagegen fielen Marokko und Tunis als Protektorate mit nominell selbständiger Staatsgewalt nicht unter diese Definition, so daß die Aegypter schon ein großes Zugeständnis zu machen glaubten, wenn sie die gegenwärtig in Aegypten befindlichen Angchöri- gen dieser Staaten weiterhin als Franzosen behandeln wollten, nicht jedoch die neu Hinzukommenden. Die Frage war ohne große praktische Bedeutung, politisch und grundsätzlich aber um so wichtiger für Frankreich, als die afrikanische Politik der Volksfrontregierung Wert darauf legt, die Gleichheit aller „Kinder Frankreichs", welchen Dol- fern und Rassen sie auch angehören mögen, zu be
stehen, das, dem Deutschen meist unbewußt, seit einem Jahrtausend um sein Recht geführt wird.
Run wandte sich Reichsminister Frank dem polnischen Justiz Minister zu und begrüßte in ihm den höchsten Repräsentanten des polnischen Rechtsstandes. Dann nahm Justizminister Grabowski das Wort zu seinem Vortrag über „Pil- sudskis Einfluß aus die Rechtsgestaltung in Polen." Am Schluß des Vortrages dankten die Zuhörer dem Gast für seine Ausführungen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung sprach Staatsrat Professor Dr. Freiherr von Freytagh- Loringhoven, der Vorsitzende des Ausschusses für Kolonialrecht, über „M andatsrechte und der Völkerbund." Er führte u. a. aus:
Am Anfang des Mandatssystems steht einerseits das Versprechen Wilsons, eine gerechte und unparteiische Regelung der Kolonialfrage herbeizuführen, stehen andererseits die Geheimverträge der Entente über die Verteilung deutschen und türkischen Besitzes. Um den klaffenden Widerspruch, der sich so ergibt, zu überbrücken, schuf man den Artikel 2 2 der Völkerbundssatzung, der in Worten hohe sittliche Ziele weist und das Wohl der Mandatsgebiete in den Vordergrund stellt, in Wirklichkeit aber diese Gebiete dem Eigennutz der Siegermächte ausliefert. So krankte das Mandatssystem von vornherein an einem inneren Zwiespalt, und angesichts dieses Zwiespaltes mußte es versagen. Am augenfälligsten ist das in den arabischen Ländern zutage getreten, deren Bevölkerung sich auf das entschiedenste weigerte, Ausbeutungsobjekt zu werden. Der I r a k lehnte das engt
außenpolitische Urteilsfähigkeit bewiesen hat, auch in der neuen Umgebung seine Politik der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit allen befreundeten Mächten nicht aus den Augen verlieren wird.
Das Mandatssystem hat versagt
Oie Kolonialfrage vor der Akademie für deutsches Recht.
komgln an der zweiten Tafel fuß.'Die Gäste am Tisch des Königs aßen von goldenen Tellern, während die Teller und Schüsseln auf der zweiten Tafel aus Silber waren. Vor dem königlichen Palast hatten sich Tausende angesammelt, die die Ankunft und Abfahrt der Gäste zu dem großen Staatsbankett beobachteten und in Beifallsrufe ausbrachen, wenn Mitglieder der königlichen Familie eintrafen. Die Polizei war zeitweise nicht in der Lage, die Massen zurückzuhalten. Der Wagen der Königin- Mutter wurde sofort umringt und konnte erst nach längerem Aufenthalt seine Fahrt fortsetzen.
Methoden jüdischer Greuelhetze.
Lehrreiche Feststellungen in Kattowitz.
Kattowitz, 10. Mai. (DNB.) In den letzten Monaten wurden in Kattowitz in zahlreichen Fällen die Schaufensterscheiben und Schilder jüdischer Geschäfte wiederholt mit Teer und Farbe beschmiert. Die jüdischen Geschäftsinhaber erhoben daraufhin immer ein großes Geschrei und liefen der
Festbezirk, in dem nur Fußgängerverkehr erlaubt ist, hat ein Vielfaches des Umfanges, denn an der Feststraße können im Höchstfall zwei Millionen Menschen unterkommen. Damit sind jedoch alle Tribünen, alle Fenster, alle Dächer und alle Straßenzüge bis an die Grenze der Aufnahmefähigkeit besetzt. Viele weitere Millionen wollen aber wenigstens in der Nähe weilen und Ohrenzeuge am Lautsprecher sein. Der Festbezirk selbst wird auf allen Zugangsstraßen durch große, 2,50 Meter hohe massive Holztore ge- schlossen, wenn der Aufmarsch der Massen, der zweifellos schon am Vorabend beginnt, vollzogen ist. Dann kann am Krönungstag bis zum Spätnachmittag, wenn nicht bis zur Nacht, niemand mehr diesen Stadtteil betreten oder verlassen. Zwar werden nach Ablauf der Festlichkeiten die Tore wieder geöffnet, zugleich aber hebt ein Volksfest größten Stiles in dem gleichen Bezirk und natürlich in ganz London an. Wie,die Millionen in den — nach Londoner Maßstäben gemessen! — kleinen Bezirk trotz der rund hundert Derpflegungszelte erfrischt und gespeist werden sollen, das ist eines der vielen Rätsel, die die Krönungsstadt London aufgibt.
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London, 10. Mai. (DNB.) Zur Königskrönung am Mittwoch erwartet London, die zweitgrößte Stadt der Welt, mit ihren 8,2 Millionen Einwohnern noch zwei Millionen Gäste aus allen Erdteilen. Neben den Großen des Britischen Reiches werden die Vertreter von 53 nicht- englischen Nationen Augenzeugen dieser feierlichen Stunden werden! Von den überseeischen Besitzungen sind die größten, Kanäda, Australien, Südafrika und Neuseeland, durch die Premierminister, alle andern von A bis Z, von Aden bis Zanzibar, durch die Gouverneure und andere hohe Würdenträger in London vertreten. Nur der Dizekönig von Indien und der Gouverneur von Bermuda sind in ihren Ländern geblieben und übermitteln ihre Huldigungen durch' den Aether. Indien ist offiziell durch die Maharadschahs von Ratlam, Jodhpur, Palanpur, Nawangar und Baroda vertreten.
Die ausländischen Abordnungen sind fast alle bereits in London eingetroffen. Als Vertreter des Führers ist bereits der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg eingetroffen. Oesterreich wird durch den Außenminister Dr. Schmidt, Belgien durch den Bruder des Königs, den Grafen von Flandern, Bulgarien durch den Prinzen Kyrill, Dänemark durch den Kronprinzen und die Kronprinzessin, Frankreich durch den Außenminister Delbos und General Gamelin, Griechenland durch Kronprinz Paul, Ungarn durch den Außenminister Kanya, Italien durch den Londoner Botschafter Graf Grandi, Japan durch den Bruder des Kaisers, Prinz Chichibu, Jugoslawien durch den Prinzregenten Paul, Holland durch die Kronprinzessin Juliana und Prinz Bernhardt, Norwegen durch Kronprinz Olaf, Polen durch Außenminister Beck, Rumänien durch Kronprin, Michael, Schweden durch Kronprinz Gusta Adolf, die Vereinigten Staaten durch den früheren amerikanischen Botschafter in Berlin I. W. Gerard und General Pershing vertreten. Viele Länder haben ihre diplomatischen Vertreter in London oder anderen europäischen Hauptstädten beauftragt,
Seit Monaten haben unzählige Ausschüsse in der Krönungsstadt ihre Vorbereitungen für eine würdige Ausgestaltung getroffen, amtliche und private, die letzteren vielleicht sogar in der Mehrzahl. Das Ergebnis ist überwältigend in jeder Beziehung. Die Stadt hat sich durch die Ausschmückung und die zahlreichen Aufbauten, durch Renovierungsarbeiten größten Stils dergestalt verändert, daß auch gute Kenner verwundert durch die "Straßen irren. Nichts ist von dem graufchwarzen, überhasteten, lärmenden London übrig geblieben. Man kann
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Als die beiden P r i n z e f f i n n e n sich an einem Fenster des Palastes zeigten, brach großer Jubel unter der Menge aus. Nach Mitternacht noch fangen die vor dem Palast versammelten Massen nationale Lieder und riesen wiederholt: „W i r wol - len den König sehe n!" Unter der Menge herrschte teilweise eine ausgelassene Stimmung. Das Bild erhielt noch eine besondere Note durch die vielen Soldat en aus allen Teilen des Weltreiches, die sich in ihren roten, blauen ober khakifarbenen Uniformen unter die Menge mischten. Der Fahrzeugverkehr war teilweise völlig lahmgelegt, so daß viele Leute aus den Droschken oder Autos ausstiegen und ihren Weg zu Fuß sortsetzten.
Generalfeldmarschall van Blomberg stattete dem englischen Kriegsminister Duff Cooper sowie dem britischen Generalstabschef Feldmarschall Sir Cyril D e v e r e l l Besuche ab. Er folgte einer Einladung des Army Council zu Ehren der militärischen Delegierten der fremden Mächte, nahm am Staatsbankett der britischen Regierung teil und folgte mit Botschafter von Ribbentrop auch der Einladung des Sprechers des Unterhauses in feine Dienstwohnung im Westminsterpalast.
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Polizei die Türe ein. Die Ermittlungen der Polizei zogen, sich lange hin, ohne daß einer der Täter gefaßt werden konnte, die man in rechtsgerichteten nationalistischen Kreisen vermutete. In der Nacht zum Sonntag fand nun aber diese Frage eine überraschende, aber auch bezeichnende Lösung:. Eine Polizeistreife erwischte vor einem jüdischen Geschäft zwei Jud en b u b e n namens Grinpeter und Kratzer, als sie gerade dabei waren, das Schaufenster dieses Geschäfts mit Teer zu beschmieren. Die Schmierfinken wurden festgenommen und hinter Schloß und Riegel gebracht. — Mit dieser Feststellung des wahren Sachverhalts ist wieder einmal ein lehrreicher Beitrag zum Thema „jüdische Greuelhetze" geleistet worden.
Der polnische Instizmimster als Gast der Akademie.
Berlin, 10. Mai. (DNB.) Im Berliner Rathaus hielt die Akademie für deutsches Recht die 12. Vollsitzung im Zeichen der deutschpolnischen Zusammenarbeit ab. Der Präsident der Akademie, Reichsminister Dr. Frank, führte m seiner Begrüßungsansprache u. a. aus: Seit der letzten Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht im Oktober 1936 hat der Führer und Reichskanzler durch drei große Gesetzgebungswerke die nationalsozialistische Rechtsgestaltung weitergeführt: das Reichsbeamtengesetz, die Reichsdren st - ftrafordnung und das A k t i e n g e s e tz. Was wir bisher dem deutschen Volk auf dem Gebiete der Rechtsgestaltung zu geben vermochten, sind Grundlagen und Richtlinien. Wir müssen uns im Gegensatz zu anderen Tätigkeitsgebieten der schaffenden Deutschen mit der Notwendigkeit langsamen Wachstums absinden. Solche Pionierarbeit zu leisten, ist die Akademie berufen. Sie tritt beratend und begutachtend neben die mit Ge- setzgebungsaufgäben betrauten Behörden des Reiches. Die Praxis der Gesetzgeber möge den Wert des Dogmatikers nicht unterschätzen, gilt es heute doch mehr denn je, aus dem allgemeinen Umbruch überkommener Rechtsvorstellungen klare, neue Formen zu gewinnen. Die Hochschulen sollen auch heute im Kampf um neues volkhaftes Rechtswerden in vorderster Linie stehen. Aus dem Geist unserer Zeit allein heraus werden wir dieses Ringen be-
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Die ägyptische Befriedung über den Erfolg der Konferenz von Montreux ist besonders groß weil nunmehr der Weg zum Ei n tr t tt i n. b e n V,o l- kerbunb, der für Aegypten bie Krönung fernes Unabhängigkeitskampfes bedeutet, fteigeworden tft. Nicht allen Völkern tritt Genf in dieser anziehen-
allein möglich ist.
Die weltpolitischen Fragen, die mit dem Nil und dem Suezkanal verknüpft sind, gehörten nicht zum Thema von Montreux, haben jedoch auf die Haltung der Delegierten überall dort em- gewirkt, wo zwischen unmittelbaren materiellen und größeren politischen Interessen zu wählen war. Die ägyptische Regierung war sich ihrerseits bewußt, daß die auf der Konferenz vertretenen Machte insbesondere England, Frankreich und Italien eme Politik der Islam-Freundschaft betreiben, deren Aufrichtigkeit durch diese Konferenz auf die Probe gestellt werden konnte. Die ägyptische Oeffentlich- keit, die die Einzelheiten der Dechandlungen naturgemäß besonders genau verfolgt hat, wird wahrscheinlich verschiedene Nuan een von Großzügigkeit und Verständigungsbereitschaft in der Verhandlungsführung feststellen können.
Daß die moderne Entwicklung Aegyptens nicht nur den gegenwärtigen Kapitula-.- möchten zu verdanken ist, hat die ägyptische Regierung dadurch anerkannt, indem sie Deutsch- Ian d die Schweiz und bie Nachfolgestaaten der Donaumonarchie den Vertragschließenden durch eine besondere Erklärung a^ruckllch g 1 e i ch- qestellt hat. Was Deutschland betrifft ist damit die Versailler Diskriminierung auch bei dieser Gelegenheit als ckicht mehr bestehend anerkannt
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bie für alle Kolonialvölker gilt unb den Aegyptern bie Genugtuung gibt, daß erstens die Staatsangehörigen der ehemals türkischen Provinzen und heutigen Mandatsgebiete am östlichen Mittelmeer feine Vorrechte mehr genießen und zweitens, daß die ausländischen Mohammedaner auf dem Gebiete des Familien- und Erbrechts den gleichen geistlichen Gerichten unterstehen wie die Aegypter.
Auch sonst sind die endgültigen Texte komplizierter ausgefallen, als es wohl in der ursprünglichen Absicht der Aegypter gelegen hatte. Sie mußten zum Beispiel hinsichttich der ausländischen Anstalten Zusicherungen geben, die zwar formell an die Uebergangszeit gebunden sind, aber sachlich über sie hinausweisen, weil sie die Bedingungen umschreiben, unter denen nach der Ansicht der europäischen Mächte und der gleichfalls stark interessierten Vereinigten Staaten ein Weiterarbeiten
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Aegypten zwischen den Großmächten.
Don unserem Dr. Rb.-Äerichterstatter. 1 (Nachdruck verboten, auch mit Quellenangabe.)
Montreux, 8. Mai 1937.
Die Konferenz für die Aufhebung ber ‘ ägyptischen Kapitulationen hat vom 12. April bis 8. Mai an ber gleichen Stelle unb ( in dem gleichen Rahmen getagt wie im Sommer ( 1936 die von der Türkei einberufene Meer- ( engenkonferenz. Zwischen den beiden Veran- ( taltungen besteht nicht nur eine äußerliche Parallele, , andern zugleich ein politischer Zusammenhang, in- : ofern beide aus der neuen Situation hervor- ' gegangen sind, die im Nahen Orient durch den . italienisch-abessinischen Krieg entstanden ist. Die Erschütterungen dieses Krieges ^usam- ' men mit dem ihn begleitenden Sanktionsfeldzug haben sich naturgemäß in der östlichen Hälfte des Mittelmeeres besonders stark ausgewirkt und Bindungen gelockert, die den dortigen Völkern seiner- . zeit von einem mehr ober weniger einmütigen Konzert ber europäischen Mächte auferlegt worben finb.
Wie bei der Beseitigung der entmilitarisierten Dardanellenzone mußte auch bei der Aufhebung der Kapitulationen der erste Schritt von dem Hauptinteressenten, dem Britischen Reich, getan werben. Nachdem das englische Veto in der Vergangenheit sogar jede offizielle Diskussion verhindert hatte, genügte jetzt die grundsätzliche englische Zustimmung, um nicht nur die Einberufung einer Konferenz, sondern auch ihren Erfolg zu sichern. Für die jetzt abgeschlossenen Derhandlunaen mar sogar das Programm ziemlich genau in Artikel 13 des englisch-ägyptischen Freundschafts- und Bund- nisverttages vom 26. August 1936, der unmittelbar aus der Stimmung der Sanktionskrise hervorgegangen ist, vorgezeichnet. Hier war bereits ausgesprochen, daß die besonderen Ger ich ts- unb Steuerprivilegien, bie bie Staatsangehörigen der sogenannten Kapitularmächte in Ägypten genießen, durch die moderne Entwicklung überholt seien; für die bestehenden Einrichtungen dieses Kapitulationssystems, die gemischten Gerichte unb gewisse Angelegenheiten der Konsulargerichtsbarkeit, wurde ein allmählicher Abbau in Form einer Uebergangszeit vorgesehen, in deren Verlauf die ausländischen Richter nach unb nach burch qualifizierte einheimische Kräfte ersetzt werben sollten. .
Die Konferenz von Montreux ist diesen Gedankengängen gefolgt und hat ihre Hauptaufgabe darin gesehen, die Einzelheiten, vor allem die Dauer der Uebergangszeit, festzusetzen. Die Erörterungen hierüber beherrschten wochenlang den Vordergrund so vollständig, daß die erwarteten und unausbleiblichen Schwierigkeiten p o litt = scher Art gegenstandslos geworden zu fein schienen. Die ägyptische Delegation hatte in der Tat die juristische Kulisse der Uebergangszeit sehr geschickt dazu verwendet, um den einzelnen Mächten em Hervortreten mit Sonderwünschen sachlich und stimmungsmäßig zu erschweren. Bei der Zuruckhaltung der anderen Mächte blieb es schließlich den Franzosen vorbehalten, sich durch ein Aide-memoire, das auf die dauernde Sicherung des gegenwärtigen Zustandes hinauslief, unpopulär zu machen. Die Aegypter wehrten sich energisch gegen alles, was auch nur von fern an neue Kapitulationen erinnerte, und haben sich damit sehr stark durchgesetzt. Sie machten geltend, daß die Behandlung der ausländischen Staatsangehörigen und Gesellschaften nach der Uebergangszeit nicht durch bie Konferenz, sondern durchNiederlassungsvertragenit den einzelnen Ländern auf der Grundlage voller Souveränität und Gegenseitigkeit zu regeln sei. Da man von französischer Seite verlangte, daß wenigstens die Grundsätze dieser Niederlassungsverträge schon jetzt festgestellt werden, entstand eine längere Konferenzkrise, die damit endete, daß die nicht ganz einheitlich arbeitende französische Delegation ihre Forderungen stark abschwächte und außerdem damit einverstanden war, daß die Uebergangszeit nicht auf 18, sondern nur auf 12 Jahre bemessen
In letzter Stunde, als bie Nervosität schon recht
M°Sruck> des" 1o8mannton°$^" Iben"fflifhüt ~Ä«n, aber man kann erwarten,
London im Krönungstrubel.
Zwei Millionen Gäste./Oie ausländischen Oelegationen./Oie Krönungsstadt im Festoewand
Als Auftakt zu den Feierlichkeiten gab König Georg VI. am Montagabend im Buckingham-Palast ein Bankett, an dem etwa 450 Personen teilnahmen. An ber Feier nahmen sämtliche englischen Minister, die Vertreter der Dominien und Kolonien, die Botschafter und die Führer der ausländischen Abordnungen teil. In den beiden größten Sälen des Schlosses waren zwei Festtafeln errichtet. An dem einen Tisch, an dem die königliche Familie unb die Mitglieder der ausländischen Königshäuser Platz genommen hatten, präsidierte der König selbst. Ihm gegenüber hatte die Königin-Mutter Mary Platz genommen, während die Königin an der zweiten
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nicht mehr von einem Farbenrausch, sondern nur noch von einer Farbenorgie sprechen. Es gibt vielleicht den besten Begriff von dem Aufwand, den London treibt, wenn man als Beispiel ein gro - 3 e 5 Kaufhaus in der Oxford st raße nimmt, das feine mächtigen, viele hundert Meter langen Fassaden von oben bis unten mit überlebensgroßen Darstellungen aus der englischen Ge- chichte bedeckt, über allen Portalen Kolossalfiguren der Britannia angebracht und auf dem Dach einen gewaltigen Friedensengel ähnlich der Freiheitstatue im Neuyorker Hofen aufgestellt hat. Dafür wurde eine Million Reichsmark bezahlt.
Der eigentliche F e st b e z i r k ist nicht der älteste Stadtteil Londons, die City, die nach uralten verbrieften Rechten nicht einmal der König selbst ohne die Bewilligung des Lordmayvrs betreten darf, sondern das offizielle London mit den obersten Landesbehörden: Westminster. Die schönsten Straßen dieses Stadtteiles wird der Krönungszug passieren. Die Tribünenplätze — 370 000 an der Zahl — kosten je nach ihrer Loge 40 bis 300 Mark. In diesen Preisen ist allerdings die volle Verpflegung eingeschlossen, denn unter zwölf Stunden wird niemand seinen Platz verlassen können. Der
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