Einzelbild herunterladen

ein Martinstag Wir stehen hier vor den Ueber- bleibseln eines altgermanischen Herbstfestes und Erntedankopfers der dörflichen Markgenossenschaft.

Hornotrzen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22.15 UhrDie Boheme". Gloria-Palast (Seltersweg):Der Mustergatte". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Die Wolga­schiffer".Die gesunde frohe Küche", 20 Uhr Bortrag imBurghof".

Stadltheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Opernvarstellung der Spielzeit 1937/38Die Boheme" von Puccini statt. Nach Henry MurgersScene de la Vie de Bo­heme bearbeiteten G. Giacosa und L. Jllica die vier Bilder. Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Musikalische Leitung Paul Walter. Bühnenbild Karl Löffler. Die in eigener Werkstatt angefertigten Kostüme sind entworfen von Sophie Buchner, aus- gefuhrt von Willy Endrich. Diese Vorstellung findet als 7. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. An­fang 19.30, Ende 22.15 Uhr.

NSB., Ortsgruppe Siehen-Ost.

Betr.: Kleidersammlung.

Am 16. November mtrb in unserer Ortsgruppe burrb die NS.-Frauenschaft eine Kleidersammlung durchgeführt. Es können brauchbare und unbrauch­bare Kleidungsstücke gespendet werden. Die Block- walterinnen der NS.-Frauenschaft werden zunächst feststellen, was gestiftet werden soll. Diese Sachen sind dann am 15. d. M. zum Abholen bereitzuhalten, so daß am 16. d. M. die Spenden von Wagen der Wehrmacht an den Wohnungen der Blockwalterin- nen abgeholt und zur Samiüelstelle gebracht werden können. Die Hausfrauen werden gebeten, alle ent­behrlichen und unbrauchbaren Kleidungsstücke dem WHW. zur Verfügung zu stellen.

BOM. Unterbau 116.

Betr. DLRG. Kurs.

Mittwoch, 10. November, wird die Prüfung im Dauerschwimmen abgenommen für die, die am DLRG.-Kurs teilnehmen.

Die Untergcmsportwartin. Mädelgruppe 1 116 Gleßen-Süd.

Die gesamte Mädelgruppe 1/116 Gießen-Süd tritt am Donnerstag, 11. November, um 20 Uhr, zum Gruppenappell und zur Langemarckfeier amHes­sischen Hof" an. Dringende Entschuldigungen sind bis um 18 Uhr bei der jeweiligen Scharführerin abzugeben.

Bereit) gung im Arbestedtensttager Justus von Liebig".

Der gestrige Dienstag brachte unserem Gießener ArbeitsdienstlagerJustus von Liebig" eine bedeu­tungsvolle, ernste Feierstunde. Die jungen Arbeits­dienstmänner, die in diesen Tagen im Lager am Philosophenwald Einzug hielten, wurden vereidigt.

Die Mannschaften traten im offenen Viereck im Hofe an. Unter Trommelklängen wurde die Fahne zur Feier der Vereidigung vor die Abteilung ge­bracht, und an den Masten wurde die Fahne des Dritten Reiches gehißt.

Abteilungsführer, Ob erstfeldmeister Müller, der vor kurzem die Führung des Lagers übernahm, hielt eine kurze Ansprache, in der er den jungen Kameraden die hohe geschichtliche Bedeutung des 9. November für die Erneuerung unseres deutschen Vaterlandes umriß. Er sprach von der Zeit nach dem Weltkriege, von dem Kampf gegen rote Ver­räter, von der schweren Zeit des Führers, als er im Lazarett in Pasewalk lag und schwor, Politiker zu werden. Der Redner schilderte ferner die Tage des November 1923 und die Ereignisse vor der Felo- herrnhalle in München. Er forderte dazu auf, immer ich des großen Opfers der 16 Männer bewußt zu ein, die am 9. November 1923 fielen Er forderte erner auf, sich diese Männer zum Vorbild zu neh­men, um eines gleichen Opfers fähig zu sein.

Sodann sand, nachdem gemeinsam das LiedHei­liges Feuer" gesungen war, die Vereidiguna der Mannschaft statt Oberstfeldmeister Müller sprach die Eidesformel vor, die von den jungen Kame­raden nachgesprochen wurde. Pon jedem der Züge trat ein Arbeitsmann an die Fahne, um den Schwur in diese! symbolischen Form für seine Ka­meraden abzulegen.

Der Gruß an den Führer beschloß die eindrucks­volle Feier.

Wer darf ein Schwein schlachten?

Wichtige Bestimmungen über H-usschlachtungen.

Mit Beginn der kälteren Jahreszeit nehmen die Hausschlachtungen von Schweinen wieder ihren Anfang. Dies gibt Veranlassung, aus die hierfür geltenden Bestimmungen hinzuweisen.

Nichtgewerbliche Hausschlachtungen von Schwei­nen bedürfen der Genehmigung. Die Genehmigung der Anträge zur Hausschlachtung von Schweinen erteilt der zuständige Kreissachbearbeiter des Vieh­wirtschaftsoerbandes Hessen-Nassau bei der Kreis­bauernschaft, in dessen Gebiet derjenige wohnt, der eine nichtgewerbliche Hausschlachtung vornehmen will. Die Anträge sind schriftlich an den jeweiligen Kreissachbearbeiter einzureichen. Aus dem Antrag muß heroorgehen, von wem das Schwein gekauft ist, wann es geschlachtet werden soll und ob der Antragsteller bereits in den beiden letzten Wintern Hausschlachtungen vorgenommen hat.

In den letzten Jahren hat sich eine verstärkte Neigung gezeigt, Schweine im Hause zu schlachten. Im Interesse einer gleichmäßigen Versorgung scheint es aber geboten, daß nur diejenigen bei dieser Ge­wohnheit bleiben, die seit jeher einschlachten. Es ist nicht beabsichtigt, den Kreis der Hausschlachtungen zu erweitern. Es ist vielmehr selbstverständlich, daß der Bedarf der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung wie bisher über den Diehoerteiler und Metzger ge­deckt wird. Es wird deswegen für jeden nichtland­wirtschaftlichen Antragsteller nur ein Schwein für die Gesamtschlachtungsperiode genehmigt wer­den, und dies auch nur dann, wenn der Antrag­steller bereits in den Jahren 1935/36 und 1937/37 Hausschlachtungen vorgenommen hat. Die Geneh­migung zur Hausschlachtung wird schriftlich erteilt; sie ist dem Verkäufer des Schweines, sowie dem Fleischbeschauer vorzulegen.

Don dieser Genehmigungspflicht grundsätzlich be­

freit sind diejenigen, die das Schwein bereits länger als drei Monate selbst gehalten und gefüttert haben, sowie diejenigen, die die Schlachtung auf Grund eines Altenteil-, Deputat- oder ähnlichen Vertrages vornehmen. Dies betrifft also in der Hauptsache die Erzeugerbetriebe, die in ihren Schlach­tungen abgesehen vom Auspfundungsverbot selbstverständlich keinen Beschränkungen unterwor­fen werden. Es ist hierbei darauf hinzuweisen, daß es unzulässig ist, die Schweine früher als drei Mo­nate vor der Schlachtung zu kaufen, diese aber beim Verkäufer oder sonstigen dritten Personen stehen zu lassen und diesen die Wartung und Fütterung zu übertragen. Die Schlachtung solcher Schweine ist genehmigungspflichtig.

Von den nichtgewerblichen Hausschlachtungen sind schärf zu trennen die gewerblichen Schlachtungen, und dabei wiederum die gewerblichen Hausschlach­tungen, bei denen das Fleisch und die Fleischwaren weiterverkauft werden sollen. In Betracht kommen hier außer den Fleischereibetrieben Kolonialwaren­geschäfte, Gastwirtschaften und ähnliche Betriebe. Diese gewerblichen Schlachtungen unterliegen unver­ändert den geltenden Bestimmungen über die Kon­tingentierung.

Für Antragsteller in den Kreisen Büdingen, Fried­berg, Gießen, Usingen ist der Kreissachbearbei­ter des VWV. Hessen-Nassau in Friedberg, Lud- wigstraße 12, für Antragsteller in den Kreisen Als­feld, Schotten, Lauterbach ist der Kreissachbearbeiter des VWV. Hessen-Nassau in Alsfeld, Lutherstraße 3, zuständig.

Für die Kreise Biedenkopf, Dillenburg, Wetz­lar, Oberlahn ist der Kreissachbearbeiter des VWV. Hessen-Nassau in Wetzlar, Schlachthof, zuständig.

Langemarck-Feier m Gießen.

Am morgigen Donnerstag wird die Gießener Studentenschaft in der Neuen Aula der Ludwigs- universität die diesjährige Langemarck-Feier zu­sammen mit den Professoren, den Vertretern von Partei, Staat, Wehrmacht und mit der Gießener Bevölkerung begehen

Für die deutsche Jugend ist Langemarck leuchten­des Symbol und heilige Verpflichtung zugleich. Gedenken an den Opfergang der jungen Helden, Selbstverständlichkeit für die ganze deutsche Nation. Langemarck, ein Ruhmesblatt auch in der Geschichte der deutschen Studentenschaft, Erhaltung des Geistes von Langemarck ewige Pflicht. Langemarck ist Sym­bol für die soldatische Haltung deutscher Jugend, Symbol für das unbedingte Gefühl höchster Pflicht­erfüllung, für die heiße und nie versagende Vater­landsliebe, für deutsches Heldentum.

Die deutsche Studentenschaft hat durch ihre Arbeit das Mahnmal von Langemarck zum Wallfahrtsort der deutschen Jugend gemacht.

Tausende junge Deutsche, Arbeiter, Bauernsöhne und Studenten kämpften Schulter an Schulter in Flandern und opferten singend ihr junges Leben. So sehen wir die jungen Helden auch im Tod vereint in der heiligen Erde des Langemarck-Fried- hofes.

Voll ernsten Stolzes hat das deutsche Studenten- tum das Vermächtnis der heldischen deutschen Ju­gend von Langemarck bewahrt. Nach dem Willen des Führers wird in Zukunft die deutsche Stu­dentenschaft die Langemarck-Feier an allen Hoch- und Fachschulstädten des Reiches durchführen.

H. F. Sch.

An alle Kurzschriftler!

Die Anmeldung zum Reichsleistungsschreiben der DAF. in Kurzschrift 1937 kann bis zum 15. No­vember bei folgenden Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront für die Großkreise Wetterau und Als­feld-Lauterbach erfolgen: Kreiswaltungen in Gießen und Lauterbach, Ortswaltungen in Friedberg, Bad Nauheim, Butzbach, Grünberg, Lich, Hungen, Lollar, Heuchelheim, Wieseck, Großen-Linden, Alsfeld, Groß- Felda, Homberg a. d. £)., Schlitz und Grebenhain. Auf diesen Dienststellen kann auch das vargeschrie­bene Anmeldeformular für die kostenlose Teilnahme am Reichsleistungsschreiben angefordert werden. Verspätet eingehende Anmeldungen finden keine Berücksichtigung!

Geschrieben wird von 60 Silben an aufwärts.

steigend um je 20 Silben in der Minute. Es können zwei Ansagen van je fünf Minuten Dauer aus­genommen werden, also z. B. 60 und 80 Silben, jedoch darf nur eine Ansage in Langschrift über­tragen werden. Mit dem Schnellschreiben ist ein Richtigschreiben verbunden.

Aolksbildnngsstätte Gießen.

Wer kürzlich den Vortrag H. Zillichs aus Anlaß der Buchwoche hörte, hat von neuem den Reichtum staunend betrachtet, den politischer Kampf und völ­kisches Leben, Brauch und Sitte, Tracht und Volks­kunst unserer auslandsdeutschen Brüder in sich be­schließen. Unser eignes völkisches Erwachen hat uns die Augen dafür geöffnet, und ein reiches auslands­deutsches Schrifttum breitet davon eine segensreiche Fülle vor uns aus. Noch mannigfaltig wird das Bild, wenn wir zurückschauen auf die viele Jahr­hunderte alte Geschichte des Auslandsdeutschtums. Jede große Epoche der deutschen Geschichte hat aus der Fülle ihres überschäumenden Lebens ihre Ströme über die Grenzen hinausgesandt, nach West und Ost, über Land und Meer. So sind die Brüder draußen leibhaftige Zeugnisse des Reichtums und der Größe unserer Vergangenheit, und wenn wir das Aus­landsdeutschtum verstehen wollen, so dürfen wir gerade in der Gewitterstimmung unserer Tage auch des Glanzes nicht vergessen, der sein tausendjähriges fiebert umgibt. Von diesem Standpunkte aus will der Vortrag uns das Auslandsdeutschtum sehen und ver­stehen lehren. Beginn der VortragsreiheVolks­deutsche Arbeit" am Mittwoch, 10. November, 20.15 Uhr, Hörsaal 34 der Universität, Dr. Glöckner: Das Auslandsdeutschtum in der deutschen Ge­schichte".

Werbeschau

Gießener Kaninchenzüchter.

Der Kaninchenzuchtverein Gießen veranstaltete im Burghof" eine Werbeschau, die einmal Aufschluß über den Stand der Gießener Kaninchenzucht geben und für diese Zucht werben sollte. Als Preisrichter war Streb (Offenbach a. M.) gewonnen worden, der vor keiner leichten Aufgabe stand, da ausge­zeichnetes Zuchtmaterial zur Ausstellung gekommen war.

Am Samstag veranstaltete der Gießener Kanin­chenzuchtverein einen sehr gut besuchten Werbe­ll b e n d , zu dem der Vorsitzende fi. Kreiling über die Aufgaben der Kaninchenzüchter, die Ver­mehrung der Zucht, die Mehrerzeuguna von Fleisch

und Fellen sprach. Den einzelnen Vereinen sei die Pflege besonderer Wirtschaftsrassen anempfohlen. Für Gießen seien es die Weißen Wiener, deren Zucht hier auf hoher Stufe stehe. Gleichzeitig sei es den Züchtern zur Pflicht gemacht, nach Möglich­keit die Angora-Kaninchen 3U züchten, die wegen ihrer Wolle den Vorrang erhalten. Zur Förderung der Kaninchenzucht würden auch Staatszuschüsse gewährt Zuchtstationen eingerichtet und Zuschüsse für die Errichtung Heller, gesunder Ställe bewil­ligt. Abschließend wurde auf die sorgfältige Behand­lung der Felle hingewiesen. Als wertvollen Faktor für die Durchführung der den Kaninchenzüchtern aufgetragenen Arbeiten bezeichnete Kreiling die Mitarbeit der Frau des Züchters.

Die W e r b e f ch a u , die im Hofe aufgebaut worden war, wies nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Liebhaberrassen auf. Die Züchter der fiieb- haberrassen bewiesen ihre Fortschritte in der stän­digen Angleichung ihrer Rassen an den gewünschten Zuchttyp. Die Werbeschau war auch ein Beweis dafür, daß die Gießener Züchter auf dem Wege zur Erzielung der Wirtschaftsraffen, die im Gegen-

RUHL adio eparaturen

Sehersweg Nr. 67 Telephon Nr. 3170

1897 D

fotz zu den 14 bis 15 Pfund wiegenden aroßen und den 5 bis 6 Pfund wiegenden kleinen Rassen 8 bis 10 Pfund schwer sind, große Fortschritte ge­macht haben. Für die Prämiierung standen eine große Anzahl von Preisen zur Verfügung. Eine Ausstellung von verarbeiteten Kaninfellen zeigte die vielseitige Verwendungsmöglichkeit der Felle.

Die Ergebnisse:

Den 1. Preis in der Gesamtbewertung errang Fevd. Schellhaas, den 2. I. Volz. Die goldene Nadel für Englische Schecken erhielt fi. Krelling, die sil­berne Nadel Karl Berghöfer (Wieseck).

Deutsche Riesen (grau): Georg Schellhaas je einen Ehren- und 1. Preis, drei 2. und zwei 3. Preise, Gustav 'Nuhn 2. Preis. Deutsche Riesen (weiß): Georg Schellhaas 3. Preis

Deutsche Widder (weiß): zwei Ehren-, je einen 1. und 2. Preis Ferdinand Schellhaas. Deutsche Widder (grau): 1. Preis Karl Diemer.

Große Chinchilla: Zwei Ehrenpreise Richard Gla- gow.

Weiße Wiener: fi. Kreiling, Ehrenpreis; Oekono* * ** mierat Hoffmann, Dorf-Gill, zwei Ehrenpreise, einen 3. Preis, Emil Kern zwei 3. Preise, K. Strehle einen 1. und zwei 2. Preise, W. Schmitt Ehren­preis, je einen 2. und 3. Preis, O. Steih einen 1. und zwei 3. Preise, Georg Schellhaas je einen 1. und 2. Preis.

Japaner: Karl Diemer drei 3. Preise.

Kleine Chinchilla: K. Berghöfer, Wieseck, einen Ehren- und einen 2. Preis, fi. Kreiling, Gießen, einen 3. Preis.

Luxkaninchen' O. Steih Ehrenpreis. Kleine Sil­berschwarze: Gg. Berghöfer, Wieseck, je einen 1. und 3. Preis.

Englisch? Schecken (schwarzweiß): fi. Kreiling je einen Ehren-, 1. und 2.. sowie zwei 3. Preise.

Holländer: H. Stroh 1. Preis. Hermelin: I. Volz, Heuchelheim, je einen Ehren- und einen 3 Preis.

Rexkaninchen: Ministerialdirektor a. D. Urstadt, Gießen, je einen Ehren-, 1. 2. und 3. Preis, Otto Steih 3. Preis.

Angora: Karl Fißler, Gießen, einen Ehrenpreis der Reichsfachgruppe und einen 2. Preis.

*

** Ein Probealarm der Feuersire, n e n findet am kommenden Samstag um 15 Uhr statt. Wenn das Heulen der Sirenen zu hören ist, besteht also für die Bevölkerung kein Grund zur Beunruhigung.

** Reife Himbeeren im November. Frau Burk, Leihgesterner Weg 105 wohnhaft, überbrachte uns gestern ein Büschel voll ausge­reifter Himbeeren, die sie jetzt noch im November in ihrem Garten ernten konnte.

** Familientag der Evangelischen Frauenhilfe der Markusgemeinde. Am Sonntagnachmittag hatte die Evangelische Frauen­hilfe der Markusgemeinde ihre Familienmitglieder und Freunde zu einer Familienfeier in die Turn­halle am Oswaldsgarten eingeladen. Schon lange vor Beginn war der Saal dicht gefüllt. Nach ge­meinsamer Kaffeetafel begrüßte der Vorsitzende, Pfarrer Becker^ die vielen Gäste. Die Chvral- oereinigung der Stadtkirche, geleitet von Lehrer Simon, erfreute mit dem Vortrag einiger Lie-

Mandine setzt sich durch

Vornan von

Hans «Joachim Ireiherrn von Reihenstein

Copyright bi) Carl Ouncker

21 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Es ging um die wichtigste Entscheidung ihres Lebens.

In der Weichheit des Vorfrühltngsabends hatte ihr Freund Heinrich Metzler gestern zu ihr gespro­chen, wie der Mann zum Weibe spricht.

Froher Hoffnung voll war er gekommen. Denn nachdem er lange über Hedwig und über sie beide nachgedacht hatte, konnte er ihr einen guten Vor­schlag machen.

Sie weiß, er hat ein glänzendes Geschäft, und Gott sei Dank braucht er kein fremdes Geld. Ader er möchte ihr helfen. Sie soll schneller vorwärts kommen. Schneller zu dem Ziel, das auch ihm ein­leuchtet: ihre Selbständigkeit.

Wenn er nun ihr Geld in feinem Geschäft mit­bewegen würde man kann das immer tun in einem so verzweigten Geschäft wie dem seinen, dann würde das für sie bedeuten, daß sie um viele Äahre ihrem Ziele näherrückte.

Und für ihn würde es auch Besonderes bedeuten: Wenn >hr Geld sich vermehrt hatte, dann brauchte sie nicht erst mit einer Pension anzufangen, in der fein Raum für einen Mann war, sondern es könnte gleich ein kleines Familienhotel fein, in dem eines Mannes Arbeit dringend gebraucht wird. In sein gut gehendes Geschäft, die Lebensmittel-Großhand­lung, wurde er einen Prokuristen setzen, und er würde das Hotel mit guten, billig eingekauften Nahrungsmitteln versorgen.

Ein bis zwei Jahre würden wohl nock) vergehen, bis alles sich so macht, wie er es sich denkt. Aber dann.

Ihrem klugen Verstände würde tnefer Plan ja wohl ohne weiteres einleuchten.

°°n kommt das . Aber" Was ihr S>er3

h-rausa-b-r >?-nn daraus allem käme es ihm an öaft sie ein gehörten em Mann und eine

d°msie fast ohne das andere nicht aus. punkte zusteuern.

Wie sie über ihn denke? Er wolle sie nicht über­rumpeln. Sie solle sich das in Ruhe überlegen.

Ja, und sie überlegte es sich in Ruhe.

Sie hatte die gleichen Ansichten vom Leben. Die gleichen Interessen. Sie war ja Waise. Sie hatte nach niemand zu fragen, auf niemand Rücksicht zu nehmen.

Oder auf ihre Freundinnen etwa, von denen keine heute an dem Wendepunkt ihres Lebens Zeit für sie hatte?

Wirklich raten kann man sich letzten Endes doch nur selber, dachte Hedwig. Sie hätte hinzufügen können: weil man sich selbst nur eingesteht, was man wirklich will.

Denn schließlich hatte sie keine Lust, irgend je­mand zu sagen, was sie wollte. Sie wußte natür­lich, daß sie Heinrich Metzler liebte und heiraten wollte und daß ihr jeder Weg dazu recht war. Dieser Weg mit der Kapitalgemeinschaft eröffnete große Aussichten. Es war geradezu der Weg, der zu einer für sie idealen Ehe führte. So hatten sie gemeinsame Interessen in des Wortes für sie sicher­ster Bedeutung. Sie zogen an einem Strang, wie es sich für Eheleute gehörte. Ihre Vereinigung würde solid untermauert und deshalb von Dauer fein.

*

Zwei Tage später hatte Lucienne Nachtauf­nahme.

Am Nachmittag brachen Harry Engemann und Blondine zu der versprochenen Frühlingsfahrt auf.

Also zuerst der Park von Sanssouci", sagte er, als sie über die Avus glitten.Warum wollen Sie denn da so gern hin?"

Ich glaube, man muß in Berlin geboren sein, um ganz zu wissen, was uns das bedeutet." Blon­dine, in ihren bequemen Sitz geschmiegt, genoß den Frühling.Das ist unser bißchen Großstadt- Romantik. Davon träumen wir, wenn der Winter zu lang wird."

Er hörte gern ihre weltfernen Reden. So etwas hört ein Mann immer gern.

Was haben Sie aber wirklich daran?" fragte er.

Der Park von Sanssouci im Frühling, das ist unsere Lyrik. Und beim Alten Fritz kommen wir mit dem Heroischen auch auf die Kosten. In dem runden Bibliotheksraum, da haben wir empfunden, daß es geistige Freuden gibt."

Er sah sie von der Seite an. Dies hörte er nun nicht so übermäßig gern.

Sie fuhren durch Potsdam.

Würden Sie bitte am Obelisk schon halten?"

Sie stiegen aus und betraten den Park. Harry versuchte nach einem Weilchen in einen verschwie­genen Seitenweg einzubiegen.

Ich gehe viel lieber die Hauptasiee entlang", sagte Blondine verträumt.Wissen Sie, die breiten Alleen mit den edlen, mächtigen Bäumen, dos ist idealisierter Wald. Die Seitenwege mag ich hier nicht so gern. Die führen zu Chinoiserien und Mu- schelgrotten."

Sagen Sie mal", fragte Harry Engemann etwas unvermittelt,wo sind Sie eigentlich zur Schule gegangen?"

Sie stutzte und verstand. Das bessere Dienst­mädchen hatte sich zu gebildet, geäußert.

Er merkte, daß er einen Fehler gemacht hatte und versuchte, ihn durch doppelte Liebenswürdigkeit auszugleichen. Und Harry konnte sehr liebens­würdig sein, wenn er wollte. Harry konnte ganz bezaubernd sein, wenn er wollte. Und außerdem war er ein Komponist. Und er hatte ihr einiges zu sagen.

Hier, wo sie beide allein waren, wollte er ihr etwas gestehen:

Sie hatte ihm nicht nur die Kraft zur Arbeit wiedergegeben sie hatte ihn inspiriert. Das Werk, an dem er schuf, war ein Hymnus auf Jugend und Schönheit, auf die weibliche Jugend und Schönheit.

Und dann lenkte er ab und sprach von etwas anderm.

An Wäldern und Seen ging es vorbei. Blondine bat heute nicht, das Tempo zu verlangsamen

Denn je rascher sie fuhren, desto schneller kamen sie in die freie Natur hinaus. Blondine gab sich dem besinnungsraubenden Taumel der Fahrt hin Hundert Kilometer, hundertzehn, hundertfünfzehn' Weit hinter ihnen blieb alles zurück, was Pflicht und Alltag hieß.

Wenn jetzt etwas passierte, dachte Harry. Er hatte hundertzwanzig Kilometer drauf, und die Fabrik garantierte^nur für hundertzehn. Es brauchte schließlich nur ein Kind über dm Weg zu laufen, und man riß die Korre herum, do würde es schon passiert fein.

Wenn Lucienne nun dabei neben ihm märe, dann muhte die Versicherung die 60 000 Mark bezahlen.

Uebrigens würde die Dollkasko, über deren Höhe Lucienne in jedem Monat klagte, ihm dann einen neuen Wogen kaufen.

Eine schicke Einrichtung, solche Versicherung. Die beste von allen Sparkassen. Lucienne sollte sich nicht so haben. Gewiß war es teuer. Aber man kriegte auch etwas heraus.

Es dämmerte schon, denn die Frühlingstage waren noch kurz, als sie an einem stillen Wald- faffee hielten.

Es wurde noch dämmeriger, als sie zu Abend aßen. Eine schwüle Musik spielte. Harry hatte einen Wein bestellt, der ins Blut ging.

Harry sprach davon, was die richttge Frau, jung wie er selber, aus ihm hätte machen können.

Rings um sie herum saßen, durch die einfallende Dunkelheit voneinander getrennt, lauter Siebes« parchen. Man hörte manchmal, wenn die Musik leise wurde, Geflüster und Küsse. Ab und zu traten Pärchen auf eine von bunten Lampen erhellte Tonz- bühne, um sich, von schwülen Melodien gewiegt, noch enger aneinander pressen zu können.

Harry drückte im Tanze Blondine fest an sich. Als die Musik schmieg, flüsterte er:Ich habe Ihnen etmos zu sogen. Kommen Sie." Und er nahm ihren Arm und führte sie fort.

Er führte sie in den dichten Wald, der dunkel und geschickt direkt am Lokal anfing.

Ich habe Ihnen noch nicht alles gestanden. Mein Werk ist nicht nur Hymnus auf Jugend und Schön- heit. Es ist ein Hymnus auf ihre Jugend und Schönheit, Blondine. Aber ich werde es niemals beenden, weil ich nach Ihnen verdurste."

Einige Augenblicke überläßt sich Blondine und er überläßt sie dem süßen Schauer, der von der heißen Werbung eines Mannes ausgeht. Dann beugt er sich und sucht ihre Lippen.

Do löst sich ihre Verzauberung. Sie drängt ihn von sich.Sie sind verheiratet!"

Blondine!" Es klingt wie ein Aufschrei.Und wenn ich frei märe?"

Er kann ihr Gesicht im Dunkeln nicht sehen. Sie zuckt die Achseln, und er hört eine müde Stimme sagen:

... wenn Sie frei mären ..

Fortsetzung folgt