Ramsay Macdonald f.
London. 10. Jloo. (SJIB.) Der frühere englische Winisierpräsident Ramsay Wacdonald ist auf der Ueberfahrk nach Südamerika im 72. Lebensjahr einem Herzschlag erlegen.
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Mit Ramsay Macdonald scheidet eine der bedeutendsten Persönlichkeiten aus dem politischen Leben Englands. Wenn er auch zuletzt, seit sein Gesundheitszustand durch ein langwieriges Augenleiden ihn hinderte, nicht mehr die Rolle gespielt hat, rote in den schwierigen Jahren des Uebergangs von den außerordentlichen Verhältnissen des Weltkrieges zu einem neuen innerpolitischen Anfang, so blieb er doch auch nach der Rückeroberung der politischen Macht durch die Konservativen das Symbol des
nationalen Zusammenschlusses, dem er erstmals in der parlamentarischen Geschichte Englands als Haupt einer nationalen Regierung, die alle Parteien des Parlaments umfaßte, Ausdruck gegeben hatte.
Ramsay Macdonald hat eine sehr wechselvolle politische Laufbahn durchgemacht. Er war Schotte und kehrte auch als politischer Führer und Premierminister immer wieder gerne in sein schottisches Heimatdorf Lossiemouth zurück, wo er 1866 als Sohn einer armen Landarbeiterfamilie geboren war. Als junger Mann war Macdonald nach London gekommen und hatte dort als Kontorist in einem Warenhaus eine kümmerliche Existenz gefunden. Als Privatsekretär des radikalen Politikers Thomas Lough kam er der Politik nahe. Er schloß sich dem Verein der Fabier an, der sich im Gegensatz zu den vom Marxismus gepredigten Klassen- kämpfen dem wissenschaftlichen Studium des Sozialismus widmete. 1893 wurde die unabhängige Arbeiterpartei gegründet (Independent Laböur- Party). Macdonald befand sich unter den Gründern. 1900 wurde er Sekretär der Partei und 1906 hielt er seinen Einzug in das Parlament.
Vor bedeutsame Entschlüsse wurde Macdonald bei Ausbruch des Weltkrieges gestellt. Mit großer Energie bekämpfte er den Eintritt Englands in den Krieg und vertrat in den nächsten Jahren trotz heftiger Anfeindungen im eigenen Lande in mehreren Schriften den Standpunkt daß Rußland durch seine Mobilmachung den Ausbruch des Weltkrieges unvermeidlich gemacht habe, und die französisch-englische Marokko-Politik eine der Hauptursachen der Katastrophe gewesen sei Das Diktat von Versailles hat er ebenso entschieden abgelehnt, wie den Einbruch der Franzosen in das Ruhrgebiet In den Dezemberwahlen 1922 bekam die Arbeiterpartei eine große Zahl von Sitzen, Macdonald wurde der erste sozialistische Premiermini st er Englands. Aber seine Mehrheit war nicht groß genug. um ohne Duldung der Konservativen regieren zu- können. Diese ließen zwar die Unterzeichnung des Dawes-Pl.anes zu, brachten ihn jedoch dann bald zu Fall, als er eine Annäherung an Sowjetrußland propagierte. Rach den Neuwahlen im Oktober 1924 sah er sich einer Zweidrittelmehrheit der Konservativen gegenüber, die ihn züm Rücktritt zwangen.
Die Juni-Wahl 1929 brachte der Arbeiterpartei einen neuen Erfolg, Macdonald bildete sein zweites Kabinett, das diesmal sechs Jahre im Amt blieb. Die Wirtschaftskrisis mit der Pfundabwertung. Indien und das Abrüstungsproblem wurden zur schweren Belastung für die Politik des Kabinetts. Nachdem sich schon im Februar 1930 der linke Flügel der Labour-Partei von Macdonald getrennt hatte, kam es im August 1931 wegen der gesetzlichen Kürzungen der Arbeitslosenunterstützungen zum Bruch der Mehrheit der Partei mit ihrem bisherigen Führer und zum Rücktritt der Regierung. Macdonald fand sich auf dem Wunsch des Königs zur Bildung einer Nationalregierung mit den Konservativen unter Stanley Baldwin und den Liberalen unter Sir John Simon zusammen. Die große Mehrheit der Arbeiterpartei trat zu dem neuen Kabinett in die Opposition, Macdonald und eine kleine Zahl von Getreuen wurden ausgeschlossen.
In der auswärtigen Politik blieb Macdonald auch an der Spitze der nationalen Regierung der Linie des Völkerbundes und der engen Freundschaft mit Frankreich treu. Wirtschaftspolitisch waren das Spargesetz und die Außerkraftsetzung der Goldwährung bedeutsame Marksteine seines Wirkens. Die Parlamentswahlen vom Oktober 1931 brachten von 615 Sitzen den Regierungsparteien 554. Der stetige Kurs des Kabinetts war die Grundlage zur langsamen wirtschaftlichen Wiedergesundung oes britischen Reiches. Die Empire-Konferenz in Ottawa im Sommer 1932 und der Abschluß der Indienreform im Mai 1935 brachten eine weitere Beruhigung. Macdonalds Außenpolitik indessen trug keine Früchte. Sein Vertrauen auf eine allgemeine Regelung der Wirtschafts- und Währungsfragen scheiterte an den Sonderinteressen der Mächte. Sein Glaube an die Abrüstung als Grundlage des Weltfriedens wurde bitter enttäuscht. Weder Frankreich noch die pazifischen Seemächte folgten dem englischen Beispiel. So konnte auch Macdonald nicht umhin, dem großen Aufrüstungsprogramm der englischen Nationalregierung 1934 seine Zustimmung Zu geben. Im Sommer 1935 trat Macdonald aus Gesundheitsrücksichten zurück, Baldwin übernahm die Führung der nationalen Regierung. Macdonald blieb als Lordpräsident des Geheimen Rats Mitglied des Kabinetts. Erst im Mai 1937 schied er zusammen mit Baldwin ganz aus der Regierung aus. L.
Englische Zensurblüte.
Wir lesen in einem Bericht des sehr ruhigen und unterrichteten Londoner Korrespondenten des Temps: „Das demokratische Leben Englands hat auch feine Skandale, aber man macht non ihnen weniger Lärm als in Frankreich und den
Vereinigten Staaten, und zwar wegen des gefürchteten law of libel (Verleumdungsgesetzes), das alle Zeitungsleute erzittern läßt. Man hat mir auch gesagt, daß, wenn dieses Gesetz geändert oder abgeschafft würde, vor allem die Provinzzeitungen des Langen und Breiten über die städtischen Verwaltungen zu erzählen hätten. Ein junger Schriftsteller hat eben die Probe auf das Exempel gemacht und unter dem Namen Julian Pine ein satirisches Bild des Lebens in einer englischen Prooinzstadt veröffentlicht. Und höchst sonderbar: Alle Landsleute seiner Heimatstadt Grantham in der Grafschaft Lincoln, wo sein Vater anglikanischer Priester war, erkannten sich sofort wieder und stießen Wutschreie aus. Da das Gesetz gegen die Verleumdung das Buch ebenso bedroht wie die Zeitung, Hot sich der Londoner Verleger dieses Romanes, der sehr zu recht den Titel führt .Rotten Borough' (verderbtes Nest), beeilt, das Werk aus dem Buchhandel zurückzuziehen. Die Leser des unauffindbaren Buches versichern mir aber, daß es eine angenehme Lektüre ohne jede beleidigende Absicht sei. Es ist sehr schade, daß das Gewissen der Bewohner von Grantham so empfindlich ist."
Hier wird tatsächlich von dem französischen Be-
Adolf-Hitler-Schüler im Bürgerbräukeller.
München, 9 Nov. (DNB.) Die 300 Adolf- Hitler-Schüler und ihre Erzieher, die den 9. November in München miterleben durften, waren am Nachmittag in einem Saal des Bürgerbräukellers versammelt. Der Reichsjugendführer verbrachte einige Zeit mit den 13jährigen Pimpfen und wies die Jungen garauf hin, daß die Helden des 9. November für sie gefallen seien, um Deutschland eine glücklichere Zukunft zu erkämpfen. Wenn jene ihr Leben nicht geopfert hätten, sängen sie heute nicht die Lieder einer neuen Zeit. Schließlich ermahnte Baldur von Schirach die Jungen, niemals eingebildet zu werden, denn nur
richterftatter eine Seite des englischen Lebens angetippt, die dem Kontinentaleuropäer fremd ist. Sehr viele Kontinentaleuropäer sind der kindlichen Ansicht, daß das Wort in England frei ist, weil die Polizei einige Narren im Hyde-Park, die ihr ja sehr genau bekannt sind, predigen läßt. Das Verleumdungsgesetz ruiniert aber jeden Schriftsteller und Verleger, der nicht bis auf den letzten Punkt über dem i s i ch rechtfertigen kann. auch wenn die eigentliche Substanz seiner Schrift entweder sachlich richtig oder für den normal empfindenden Kontinentaleuropäer keineswegs anstößig ist. Das Verleumdungsgesetz ist ein würdiges Gegenstück zu der berüchtigten Gesetzgebung über das „gebrochene Heiratsoersprechen" Noch unbekannter ist, daß es aus uralten Zeiten her ein englisches Hofamt gibt, das zur Zensur von — Theaterstücken befugt ist! Vor dem Kriege wurde eine kleine nette Operette von diesem Hofamt stranguliert — sehr zur Ueber- raschung der meisten Engländer, die von dieser Institution nichts wußten. Dabei hat der Engländer eine fatale Neigung, im Ausland von sämtlichen Menschenrechten zu sprechen, von seinem law of libel aber schweigt er mit eiserner Konsequenz. B. R.
Adolf Hitler im Kreise der Führerschaft der Partei.
München, 9. Nov. (DNB.) Der Führer hatte für den Abend des 9. November die Führerschaft der NSDAP, zu einem kameradschaftlichen Beisammensein im Festsaal des alten Rathauses eingeladen. Der Führer verbrachte längere Zeit im Kreise seiner Parteigenossen, die ihm bei seinem Kommen einen begeisterten Empfang bereiteten.
Aus der Theorie zur Praxis.'
Wenn die Reichsregierung für die Lebensrechte der deutschen Minderheiten in den fremdstaatlichen Grenzgebieten eintritt und ihre Beziehungen zu anderen Regierungen von der anständigen Behandlung unserer auslandsdeutschen Volksgenossen abhängig macht, so wird ihr von fremden Kritikern, besonders aber von französischer Seite, oft vorgehalten, Deutschland benutze die Minderheitenfrage nur als Druckmittel gegen die Nachbarn, als Vorwand zur Erreichung weitergreifender außenpolitischer Ziele. Die deutschen Volksgruppen im Ausland seien nur als Vorposten einer pangermanistischen Expansion über ganz Europa gedacht. Die Leute, die solche gruseligen Geschichten erzählen und mit dem Hinweis auf den Minderheitenkampf die deutsche Außenpolitik verdächtigen möchten, sollten mit ihren Aeußerungei* etwas vorsichtiger sein. Denn die enge Verknüpfung von Minderheitenpolitik und Außenpolitik, die ja heute — wie wir gleich sehen werden — eine sich zwangsläufig ergebende Tatsache ist, wurde nicht durch den legendären Ausdehnungsdrang des Reiches geschaffen, sondern ursächlich und bewußt herbei- geführt durch die Friedensdiktate von 1919 Die jeder völkischen Selbstbestimmung hohnsprechende Grenzziehung in Osteuropa sollte eine der wichtigsten Stützen des französischen Allianzgebäudes sein und ist es bis heute geblieben. Den Pariser Unterhändlern ging es 1919 nicht um Daseinsrecht und friedliches Zusammenleben der verschachtelten Volksgruppen an der Ostgrenze des Reiches, sondern um die Schaffung eines Gürtels von neuen Staatsgebilden, die infolge ihrer inneren Schwäche und ihrer ungelösten Minderheitenprobleme auf die französische Waffenhilfe angewiesen sein sollten. Frankreich wollte nicht befreite Völker, sondern Vasallen seiner Macht!
Die Reaktion der neuen Oststaaten auf diesen ungeheuren Betrug war sehr verschiedenartig. Die freiheitsliebenden Polen haben nach dem Zwischenspiel korrumpierender Parlamentswirtschaft in ihrem Marschall Pilsudski sehr bald einen Führer gefunden, der das Entehrende und Entwürdigende des in Paris geschaffenen Bündnissystems erkannte. Der Begriff einer souveränen Nation war unvereinbar mit der politischen Hörigkeit, die bis dahin das Verhältnis Polens zu Frankreich bestimmte. Marschall Pilsudski wußte aber auch, daß er das Ziel einer unabhängigen polnischen Außenpolitik nur erreichen konnte, wenn man den Kern des Uebels beseitigte, nämlich jene antideutsche Minderheitenpolitik, welche die Pariser Vertragsväter dem jungen polnischen Staat vorsorglich mit in die Wiege gelegt hatten.
Dazu kam eine weitere Üeberlegung: Sollte — was der geniale Pilsudski voraussah — Deutschland wieder stark und mächtig werden, so würde es mit einem feindlich eingestellten Polen nicht viel Federlesens machen, um für seine Volksangehörigen in Posen und Oberschlesien bessere Lebensbedingungen durchzusetzen. Die französische Hilfe mußte in einem solchen Ernstfall sehr zweifelhafter Natur fein, so daß den Polen nichts anderes übriggeblieben wäre, als die hingestreckte Hand des Moskauer Bolschewismus zu ergreifen. Diesen Ausweg wollte der Marschall jedoch unter allen Umständen vermeiden, da er mit Naturnotwendigkeit zur Sowjetisiernng Polens führen mußte. Die einzig mögliche Lösung für Pilsudski hieß also: Ausgleich und Verständigung mit Deutschland. Hieß aber auch Sicherung der Minderheiten in Polen
Mit der Erhaltung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Daseinsform der deutschen Volksgruppen in Polen steht und fällt also die außenpolitische Selbständigkeit des Weichselstaates. Seit dem 1934 zwischen Hitler und Pilsudski abgeschlossenen Verständigungsabkommen haben die Polen nur zu oft diese Voraussetzung ihrer neugeschaffenen Großmachtstellung vergessen. Die Minderheitenerklärung vom 5. November bringt sie ihnen wieder in Erinnerung, und ein Blick nach Prag mag die Polen darüber belehren, wie es um ihr internationales Ansehen und um ihre nationale Sicherheit tehen würde, wen sie den anderen Weg, den Weg nach Moskau statt nach Berlin gegangen wären. Vom schlechten Gewissen geplagt, zwischen Furcht und Hoffnung schwebend, nicht wissend, was der nächste Tag bringen wird, hat sich die tschechische Politik dem Bolschewismus in die Arme geworfen, weil die französische Waffenhilfe heute ferner denn je ist. Das verzweifelte Schicksal, das sich die Tschechoslowakei selber gewählt hat, indem sie mit dem sudetendeutschen Volk keinen Frieden schloß, können sich die Polen dank der Verständigungstat ihres großen Marschalls ersparen. Nur dürfen die abgegebenen Versprechungen über die Behandlung der deutschen Minderheiten nicht leere Theorie bleiben, sondern müssen in der Praxis erfüllt werden. Deutschland hat gezeigt, wie' es in seinen eigenen Grenzen der Achtung 'vor fremdem Volkstum Wirkung verleiht. Warschau muß nun ebenfalls den auf polnischem Gebiet lebenden Deutschen endlich jene Lebensrechte garantieren, die ein treuer, arbeitsamer und friedliebender Staatsbürger verlangen kann. In der gerechten Lösung des Minderheitenproblems liegen die Wurzeln der polnischen Macht H. Evers.
Brasiliens Kaffeepolitik.
An den großen Weltbörsen ist der Preis für Kaffee in den letzten Tagen gesunken. An einem einzigen Tage um 20 v. H.! Grund: Brasilien hat als Haupterzeugungsland für Kaffee die bisherigen Methoden aufgegeben, mit denen der Kaffee- vreis künstlich hochgehalten wurde. Das geschah durch Vernichtung von Kaffee. Der Kaffee wurde entweder ins Meer geschüttet oder zu einer Art Piketts gepreßt und als Feuerung für Lokomotiven verwandt. Brasilien beziffert selbst die von 1931 bis zum 15. Oktober 1937 zerstörten Kaffeemengen auf 53,36 Millionen Sack, also auf mehr als zwei brasilianische Vollernten Wenn jetzt diese Methode aufgegeben wird, so deshalb, weil andere Länder ihren Kaffeeanbau unter den Schutz des von Brasilien hochgehaltenen Kaffeepreises erweiterten. Versuche, zu einem zwischenstaatlichen Abkommen der Kaffee erzeugenden Staaten zu kommen, sind bisher gescheitert, bleiben aber natürlich nach wie vor Ziel der brasilianischen Kaffeepolitik — nur soll dieses Ziel jetzt im Bösen erreicht werden, nachdem es im Guten nicht ging. Auch in den deutschen Handelsstädten Hamburg und Bremen sind die Kaffeenotierungen zurückgegangen. Wenn der jetzige Sturz des Kaffeepreises anhält, wird zweifellos das Bemühen einsetzen, neue Verbraucher durch billigere Preise für Kaffee heranzuziehen. Zur Zeit ist die nächste Sorge der hamburgischen und bremischen Einfuhrgeschäfte, daß es infolge des Preissturzes nicht zu Zusammenbrüchen kommt Tatsächlich sind solche Zusammenbrüche von erheblicherer Bedeutung kaum zu fürchten, da die deut, schen Vorräte gering sind.
England und die Achse Berlin-Rom
Der englische Premierminister Chamberlain < wünscht vertrauensvolle Verständigung durch „informative Beratungen".
London, 9. Nov. (DNB.) Nach jahrhundertealtem Brauch feierte die Londoner City am Dienstagabend mit einem Prachtbankett im uralten Fest- saal des Rathauses den Einzug des neuen Lordmayors von London. Regierung, Geistlichkeit, Rechtsstand und Verwaltung sowie das gesamte Diplomatische Korps, auch der deutsche Botschafter v. Ribbentrop nahmen an dem Bankett teil. Schatzkanzler Sir John Simon brachte in Vertretung von Außenminister Eden einen Trinkspruch auf die ausländischen Botschafter und Gesandten aus. Der neue Lordmayor leerte fein Glas auf das Wohl der Regierung.
Ministerpräsident Chamberlain
erklärte, in China müßten die Kämpfe eingestellt werden, damit eine Einigung der beiden Parteien hergestellt werden könne. Die britische Regierung sei der Ansicht, daß man dieses Ziel am leichtesten durch die Brüsseler Konferenz erreichen könne. Die allgemeine europäische Lage berge keine Schwierigkeiten oder Befürchtungen in sich. Nur wenige hätten, als die Feindseligkeiten in Spanien ausbrachen, voraussehen können, daß sie soviel Unruhe und so schwierige Probleme mit sich bringen würden Er wies dann auf die enge Zusammenarbeit Englands mit der französischen Regierung im Hinblick auf den spanischen Konflikt hin, wobei er die Bemühungen der britischen Regierung um eine wirksame Gestaltung der Nichteinmischung betonte.
Chamberlain sagte dann: „lieber unsere Beziehungen mit den beiden Großmächten, die jetzt so eng vereint sind in dem, was als Rom-Berlin-Achse bekannt ist, will ich nur dieses sagen: Es ist der aufrichtige Wunsch der britischen Regierung, diese Beziehungen fest gegründet aus einer Basis gegenseitiger Freundschaft und Berständi- g u n g zu sehen, die unserer Ansicht nach nicht durch Verschiedenheiten in den Methoden interner Verwaltung berührt werden sollte. Wir glauben jedoch, daß sylch eine Verständigung, die weitreichende Auswirkungen haben könnte, indem sie das Vertrauen und die Sicherheit für Europa wiederher st ellen, durch informative B e- ratungen hoffnungsvoller verfolgt werden
kann, als durch feierliche Erklärungen. Aus diesem Grunde werde ich mich heule abend weiterer Worte über diese Angelegenheit ent
halten."
Chamberlain erklärte weiter, augenblicklich sei die Lage des Völkerbundes sehr verschlechtert, well einige der mächtigsten Nationen der Welt nicht Mitglied seien oder ihm gegenüber keine Sympathie empfänden. Das Ziel der britischen Regierung müsse sein, die Autorität des Völkerbundes zu stärken, damit er die Ziele verwirklichen könne, für die er ursprünglich gegründet worden sei. Das Ziel eines jeden Staatsmannes müsse sein, sich für das Glück des Volkes einzusetzen, für das er verantwortlich sei. In diesem Glauben sei er sicher, daß ein Weg gefunden werde, um die Welt vom R ü - stungswettlauf und von Befürchtungen, die dieser Hervorrufe, zu befreien und um den Weg zu öffnen für eine glücklichere und bessere Zukunft der Menschheit.
Das Dorifer (?cho.
Paris, 10. Nov. (DNB Funkspruch.) Die Stelle der Rede Chamberlains, die sich mit der Achse Berlin-Rom befaßt, deutet die „E p o q u e" als „einen diskreten Appell Chamberlains zugunsten einer englisch-deutsch-italienischen Annäherung". Das rechtsstehende Frühblatt „L' O r d r e" schreibt, der Optimismus Chamberlains hält jeder Probe stand- er verzweifelt nicht an der Freundschaft Deutschlands und Italiens und an der Verständnisbereitschaft der beiden Länder.
Diplomatische Rundreise des französischen Außenministers.
Paris, 9. Nov. (DNB.) Es steht ziemlich fest daß Außenminister D e l b o s etwa Mitte Dezember eine diplomatische Rundreise durch die Hauptstädte Mittel - und Südosteuropas machen wird Man rechnet damit, daß der Minister noch vor dem 15. Dezember abreifen wird, um die Hauptstädte der befreundeten Länder in folgender Reihenfolge zu besuchen: Prag, Warschau, Bukare st u n d Sei grab. Ser „Petit Parisien" schreibt, daß Del- bos, wie es die internationale Höffigkeit erforderte nunmehr für die letzten Besuche der Außenminister in Pans seine Gegenbesuche abstatten werde.
Oer Führer im Bürgerbräu-Keller.
Unser Bild zeigt Adolf Hitler inmitten alter Kampfgefährten vom 9. November 1923. Rechts: Hermann Göring und Reichsleiter Amann. Links: Rudolf Heß und Reichsstatthalter Ritter von Epp. — (Weltbild-M.)
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dumme Menschen seien eingebildet. „Eure zukünftige Aufgabe ist so groß, daß ihr sie nur meistern könnte, wenn ihr einfach bleib t." — Lustige Lieder und Vorträge der Pimpfe verschönten die Stunden.


