Einzelbild herunterladen

Nr. 184 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, 0. August I93Z

Aus der Stadt Giehen.

Oer Monat der Sternschnuppen.

Wir kommen jetzt in die Zeit, in der es sich be­sonders lohnt, in klaren Nächten dem gestirnten Firmament Aufmerksamkeit zu schenken. Wer seine Freude darin findet, bei dem Aufbitzen einer Stern­schnuppe einen frommen Wunsch zu hegen, der ja nach altem Glauben in Erfüllung gehen soll, wird in den kommenden Nächten häufiger als sonst Ge­legenheit dazu haben. Immer wieder wird eins der glanzenden Lichter aufstrahlen, die von kleinen Körpern ausgehend von außen in die Atmosphäre unserer Erde eindringen und dabei erglühen; im Bruchteil einer Sekunde legen sie einen großen Bo­gen am Himmel zurück und hinterlassen oft noch sekundenlang eine Lichtspur. Man kann solche Stern­schnuppen während des ganzen Jahres bei gün­stiger Witterung wahrnehmen, aber es gibt drei Zeiten im Jahre, in denen die leuchtenden, manch­mal auch buntfarbigen Himmelsraketen in bedeutend größerer Menge erscheinen als gewöhnlich; das sind die Monate April. August und November. Man hat langjährige genaue Zählungen angestellt, die er­geben haben, daß die Sternschnuppen während der zweiten Jahreshälfte etwa doppelt so häufig sind als während der ersten, und daß der Monat August überhaupt die sternschnuppenreichste Periode des Jahres darstellt. Während im sternschnuppenärmsten Monat, dem Mai, stündlich nur sechs gezählt wur­den, sind es im August fast 24.

Die große Häufigkeit der Sternschnuppen im Au­gust hat ihre Ursache darin, daß die Erde um diese Zeit einen ausgedehnten Meteorschwarm durch­schreitet, der über eine elliptische Bahn verteilt ist und sich in derselben Weise wie die Kometen um die Sonne bewegt. Dieser Meteorring hat eine bedeu­tende Breite, so daß es mehrere Wochen dauert, bis sie ihn ganz durchquert hat; in den Tagen vom 10. bis 13. August aber gelangt sie an die dich­teste Stelle des Schwarmes, und so werden jetzt auch die meisten Sternschnuppen sichtbar. Vorläufer des Schwarmes zeigen sich immer schon im Juli, Nach­zügler kommen bis gegen Ende August. Die Stern­schnuppen sind dabei nicht gleichmäßig über die ein­zelnen Stunden verteilt; ihre Zahl nimmt vom Abend bis zum frühen Morgen zu und ist von drei bis fünf Uhr am größten, etwa dreimal so groß als am Abend.

Auch die räumliche Verteilung der Sternschnuppen am Himmel ist verschieden, sie ist dichter am öst- licheu Himmel, als am westlichen. Das gilt beson­ders von den Auguststernschnuppen. Verlängert man die Bahnen der Sternschnuppen nach rückwärts, so treffen sich diese Verlängerungen in einem Punkt, aus dem sie alle herzukommen scheinen. Dieser Aus­strahlungspunkt liegt bei den jetzt auftretenden Sternschnuppen im Sternbilde des Perseus; be­sonders von einem Punkte nördlich vom Sterne dritter Größe Gamma des Perseus scheinen die meisten Sternschnuppen auszustrahlen Man hat dem ganzen Schwarm daher den NamenPerseiden" gegeben. Auf Grund der Berechnung der Bahnen der Perseiden machte Schiaparelli im Jahre 1866 die wichtige Entdeckung, daß diese Körperchen einst dem Kometen 1862 III angehört haben, in dessen Bahn sie laufen. Sie müssen sich daher von diesem Schweifstern abgetrennt haben Da auch für die anderen Sternschnuppenschwärme solche Mutter­kometen nachgewiesen werden konnten dieLeo- niden" im November laufen in der Bahn des periodischen Kometen 1866 I, so war damit der enge Zusammenhang beider Arten von Himmels­körpern nachgewiesen. Die Perseiden sind schon seit langer Zeit bekannt. Bei den Chronisten finden sich Berichte darüber, die bis zum Jahre 830 v. Ehr. zu­rückreichen. Aber sie sind sicher schon vorher lange bekannt gewesen, wie ihr volkstümlicher Name Laurentiustränen" zeigt, der von dem Märtyrer Laurentius abgeleitet ist, der bei den Christenver­folgungen unter Kaiser Valerianus im Jahre 238 auf einem Rost lebendig verbrannt wurde. Seinen Namen trägt auch der 10. August.

Es sind heute über hundert Sternschnuppensterne bekannt, und man hat beobachtet, daß die Körper­chen, winzige Gesteinstrümmer, mit einer relativen

Geschwindigkeit von 60 Kilometern in der Sekunde dahinrasen, daß sie in einer mittleren Höhe von 113 Kilometer aufleuchten und von 89 Kilometer verlöschen, in derselben Höhe, in der auch die Nord­lichter ihre größte Intensität in der Atmosphäre ent­halten. B.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast (Seltersweg): Weltstadt-Variete mit den4 Philipps". Deutsche Werkstoff-Ausstellung im Saale der Liebigshöhe von 10 bis 20 Uhr.

Zwei Stunden große Variete-Kunst.

OieVier Philipps" im Gloria-Palast.

-

-

M . s :>x

Die Leitung des Gloria- Palastes im Seltersweg hat es sich angelegen sein lassen, über die Filmpro- gramme hinaus wieder einmal etwas Besonderes zu bieten. Für drei Tage ist der Film abgesetzt und die Bühne zum Schau­platz für Variete - Kunst geworden.

Die4 Philipps" füllen gegenwärtig in Gemein­schaft mit ihrem Ansager und dessen Partnerin zwei Stunden auf das Angenehmste. Schon der Auftakt ist lustig genug. Der Ansager, Theo A. Körner, stellt sich vor und weiß im Nu die Sympathien derZuschauer auf sich und auf die Künstler, die ihm folgen, zu lenken. Er selbst führt ganz allein und später auch mit seiner Partnerin kleine Theaterstückchen auf, die in ihrer Kürze die Würze haben; er stellt Horoskope, dichtet, singt, spielt virtuos Klavier und weiß neben seinen eigenen Vorzügen auch die seiner Kameraden von der Artistik in das rechte Licht zu rücken. Mit Spannung sieht man deshalb den fol­genden Darbietungen entgegen, und man wird nicht enttäuscht. Fräulein Edith führt zunächst ihren glänzend dressierten, wenn auch etwas merkwürdigen

Bild oben: Spagat auf dem Drahtseil. Unten: Der Balanceakt der vier Philipp. (Aufn.: Neuner, G. 21.)

Esel vor, der durch seine Künste Lachsalven auslöst. Anschließend zeigt, reizend kostümiert und für die Balance nur mit einem Sonnenschirm bewaffnet, Fräulein Kita die hohe Schule der Drahtseilkunst; sie tanzt und vermag sogar auf dem Seil die schwie­rige gymnastische Hebung, das Spagat, auszuführen. Der großen Leistung bleibt der entsprechend große Beifall nicht versagt.

Zwischen den weiteren Darbietungen wissen sich immer Thea A. Körner, der Ansager, und die kapriziöse Erscheinung seiner Partnerin, Juliane Collin, die ihn mit Gesang und Tanz nach be­sten Kräften unterstützt, interessant zu machen. Dann treten dievier Toledos" (alias Phi­lipps) auf und zeigen ihr erstaunliches Können auf dem Gebiete der Jongleurkunst. Keulen und Ringe wirbeln durch die Luft, und kaum vermag man die Systematik zu erfassen, nach der geworfen und gefangen wird, kaum vermag man mit den Augen zu folgen. Es wird dem Zuschauer wohl nicht mög­lich sein, zu ermessen, welche Arbeit, welche Diszi­plin und stete Aufmerksamkeit notwendig sind, um diese Gemeinschafts- und diese Einzelleistungen, die die Künstler in dieser Nummer ihres Programms zeigen, erreichen zu können.

Nachhaltig wirkt dann Charlie, der Strolch, auf die Lachmuskeln, der mit einem gestohlenen Fahrrad in einem heftigen Kampf liegt und zähe mit der Tücke des Objektes streitet. Daß er in der Auseinandersetzung mit dem fragwürdigen Fahr­rad kein Wort spricht, erhöht die Wirkung um em Beträchtliches. . .

Schließlich bildet ein Balanceakt der vier Phi­lipps, ein Kabinettstück der Kraft, der Ruhe und der Eleganz, den Abschluß des Programms, das in seinen Einzelheiten erkennen läßt, wie sehr der Artist in seiner Liebe zu seiner Kunst zu Leistun­gen vorstoßen muß, die weit über dem liegen, was gemeinhin von einem Menschen gefordert werden darf. Den Künstlern wird die wohlverdiente Aner­kennung nicht vorenthalten. H. L. Neuner.

fehlen, da der letzte Besichtigungstag unwiderruflich Mittwoch, 11. August, ist. Die Wanderschau ist von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt frei für jedermann.

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.

Betr.: Führerlagung aller Unlerbannsührer, (Befolg- schafisführer, Gefolgschafts-Geldverwaller, SfeUen- leiler des Bannes und der Führerschaft des Stand­ortes Giehen.

Am kommenden Donnerstag, 12. August, findet im Heim der Gefolgschaft 2/116 (Gießen-Nord), Walltorstraße 38, eine Führertagung statt. Es haben hieran teilzunehmen: Alle Unterbannführer, alle Gefolgschaftsführer, Gefolgschafts - Geldverwalter, Stellenleiter des Bannes 116, sowie die gesamte Führerschaft des Standortes Gießen. Besprochen wird das Gebietssportfest.

Spielschar-HJ.-Bann 116.

Betr.:Bardowie k".

Alle Jgg., die bei der Uraufführung vonBar- dowiek" anläßlich des Gebietssportfestes mitwirken, treten am Mittwochabend um 20 Uhr pünktlich in Zivil am Stadttheater zur Probe an.

4800 Betriebe unseres Gaues im Leistungskampf.

NSG. Nach den bis jetzt vorliegenden Anmel­dungen haben sich aus dem Gau Hessen-Nassau etwa 1800 Betriebe zum Leistungskampf angemeldet. Freudig haben sich die Betriebsgemeinschaften in den Dienst dieses sozialen Wettkampfes gestellt und damit bewiesen, daß sie bestrebt sind, den Gedanken der nationalsozialistischen Betriebsgemeinschaft im Sinne des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit und im Geiste der Deutschen Arbeitsfront zu verwirklichen. Die Beteiligung erreicht 60 v. H. der Anzahl der vertrauensratspflichtigen Betriebe. Gebt Urlaub für den Reicksparieitag!

NSG. Die Tage des Reichsparteitages stehen vor der Tür. Wiederum kommen die politischen Soldaten des Führers aus allen deutschen Gauen in Nürnberg zusammen, um an dem großen Appell der Partei und ihrer Gliederungen teilzunehmen. Erfreulicher­weise konnte man in den letzten Jahren die Fest­stellung machen, daß den am Reichsparteitag teil­nehmenden schaffenden Volksgenossen in fast allen Fällen der hierfür erforderliche Urlaub bei Fortzah­lung des Lohnes bzw. Gehaltes ohne Anrechnung auf den Tarifurlaub gewährt wurde und sie darüber hinaus noch ein Taschengeld ausgehändigt erhielten. Sehr viele Gefolgschaftsführer haben diesem Sinn entsprechend Bestimmungen in die für ihren Betrieb geltende Betriebsordnung ausgenommen Don den Betrieben, die eine Urlaubsregelung für Teilnehmer am Reichsparteitag noch nicht getroffen haben, wird erwartet, daß sie diese nunmehr vornehmen. Die Regelung soll auf alle Gefolgschaftsmitglieder qnge- wandt werden, die laut Bescheinigung der zustän­digen Parteistelle für die Teilnahme am Reichs- Parteitag in Nürnberg ausersehen sind.

Ehrenabend der Freitorpskämpfer.

Die KameradschaftFreikorps Hessen" im Kyff- häuserbund veranstaltete am Samstag einen Kame­radschaftsabend, in dessen Mittelpunkt die Ueber- reichung der Ehrenurkunden an die ehemaligen Baltikum- und FreikorpskämpferEinsatz für

Deutsche Werkstoffe im Handwerk."

Von der Kreishandwerkerschaft Gießen wird uns geschrieben:

Die Ausstellung des Reichsstandes des deutschen HandwerksDeutsche Werkstoffe im Handwerk" im Saal der Liebigshöhe zu Gießen geht ihrem Ende entgegen. Das Interesse aus allen Teilen der Be­völkerung war trotz der Ferien und der Ernte­arbeiten außerordentlich groß. Ein Beweis, daß der Reichsstand mit dieser Wanderschau zur Aufklärung und Propaganda für die deutschen Werkstoffe auf dem richtigen Weg ist. Die Besichtigung der Wan­derschau ist allen Interessenten dringend zu emp-

Deutschland" stand.

Kameradschaftsführer Beute eröffnete den Abend mit einem Appell. Er gab zunächst einen Rückblick auf die Jahre nach dem Zusammenbruch, während der einsatzbereite deutsche Männer und Jünglinge, trotzdem sie aus den Materialschlachlen des Weltkrieges kamen, noch einmal die Waffe in die Hand genommen hatten und an die Grenzen des Vaterlandes eilten. Sie sprangen als Frei­korpskämpfer in die Bresche und taten es um Deutschlands Ehre willen. Die Anerkennung des Führers sei ihnen dafür zuteil geworden, denn der Führer sagte, daß sie dieletzten Soldaten des gro­ßen Weltkrieges und die ersten Kämpfer für das

Leipziger Löwen.

Zoodirektor Schneider erzählt von seiner weltberühmten Zucht.

Bis heute sind in Leipzig bereits über tausend Löwen gezüchtet worden, und die Leipziger Löwen­zucht, die erst im Jahre 1880 ihren Anfang genom­men hat, ist weltberühmt geworden; jährlich kommen fünfzig bis siebzig Löwenjunge zur Welt, die überall guten Absatz finden. Wie die Löwenzüchtung vor sich geht, erzählt der Direktor des Leipziger Zoos, Dr. Karl Max Schneider, sehr unterhaltend in der LeipzigerJllustrirten Zeitung".

In bester Erinnerung ist Den Leitern des Zoos die Löwin Bussi geblieben, die zugleich eine der ersten und eine der fruchtbarsten war. Sie begann mit drei Jahren zu werfen, brachte alle zehn Monate drei oder vier mollige Kinderchen an und zog sie alle, insgesamt 46, selbst auf, ohne daß ein einziges ihr 'zugrunde ging. Als sie einmal aus Platzmangel bei 18 Grad Kälte ins Freie gelassen wurde, an einer Lungenentzündung erkrankte und einging, sind dem Begründer des Gartens, Ernst P i n k e r t, die Augen feucht geworden.

Mit gefunden, starken, instinktsicheren Eltern muß die Zucht anfangen, wenn sie Erfolg haben soll. Das beste Alter liegt zwischen dem fünften und zwölften Jahr. Löwinnen, die ihre erste Mutterschaft erleben, haben zuweilen nicht genug Milch oder ihr Pflege­trieb ist noch nicht stark genug durchgebrochen; so kam es erst kürzlich vor, daß eine fünfjährige Löwin von drei Jungen zwei auffraß, so daß ihr das über­lebende fortgenommen und künstlich aufgezogen wer­den mußte. Die notwendige Pflege beginnt schon gegen Ende der Tragzeit, die 108 Tage dauert, mit der Heraufsetzung der Kost und der Beigaben vita­minhaltiger Mittel. Dabei haben die Löwinnen auch ihre Eigenheiten; die eine nimmt kein Rindfleisch und fastet lieber, die andere liebt Leipziger Speckkuchen und sogar Würstchen. Man muß mit den Tieren ruhig umgehen, damit sie nicht verwerfen, und sie rechtzeitig an das Alleinleben in der strohbelegten Wochenstube gewöhnen.

Entscheidend sind bei der Aufzucht die ersten Le- lbenstage. Die Frage ist, ob die Jungen lebenskräf­tig genug sind, um selbst an der Alten zu saugen. tf)*aben sie kräftige Stimmen und warme Mäulchen, sso werden sie von der Mutter geduldet und be­treut, und der Züchter soll die neue Familie nicht »stören, die ein rührendes Bild bietet, wenn die

Alte im Strohlager ruht und die schwarzfleckigen Kinder vor sich zwischen den mächtigen Pranken hat. Ab und zu heben die jungen die taumelnden Köpfchen mit den meist noch verklebten Augenlidern und suchen tastend, während die Mutter ihr mächti­ges Haupt auf die mollige Schar senkt und die rauhe Zunge über sie hingleiten läßt. Wird ein junger Löwe nicht ernährt, ist er am dritten Tage ver­hungert. In der fünften Woche etwa gehen die täppischen Kätzchen mit ans Fleisch, das heißt, vor­läufig lecken sie nur daran, aber das dauert nicht lange, bald will jedes die 15 Pfund allein in eine Ecke schleppen.

Wenn die Dinge bei Mutter und Kind nicht so günstig liegen, muß der Tiergärtner selbst Hand anlegen, mit Hausmitteln das flackernde Lebens- flämmchen wieder anfachen, Wärmfteine unter das weiche Lager legen, Tee kochen und die Verdauung anregen. Die Tiere brauchen Schlaf, Ruhe und Dunkelheit. Wenn irgend möglich, wird das Löwen­baby einer Amme zugefellt, einer anderen Löwin, wenn sie es übernimmt ober, was leichter ist, einer Hundeamme, in Leipzig sind es meistens Dackel­mütter, die so tierlieb sind, daß sie die Jungen wär­men und belecken, selbst wenn sie nicht zu säugen vermögen. Später kann auch eine Ziege aushelfen. Ein neu geborenes Raubtier gleich mit der Milch­flasche aufzuziehen, erfordert die ganze Hingabe und Erfahrung des Pflegers; es gibt böse Stunden, wenn die Sorgenkinder zur Zeit des Zahndurch­bruchs vom Krampf geschüttelt werden. Man darf auch nicht, wie man ursprünglich glaubte, junge Löwen in die Sonne legen; sie gehen ein, wenn man sie ein paar Stunden der schattenlosen, som­merlichen Mittagsglut aussetzt.

Die Frage, ob die Züchtung die Löwen verändert habe, beantwortet Direktor Schneider damit daß in Leipzig nur eine Zucht nach dem Urbild des ftarfbemäbnten Löwen betrieben worden ist. So gab es einen Löwenjüngling Leipziger Abkunft, des­sen schwarze Bauchmähne von 30 bis 40 Zentimeter ßänge fast den Boden erreichte und damit alles bisher Bekannte übertraf.

Leipziger Löwen kommen weit durch die Welt. Man findet sie in den Zoologischen Gärten, der Zirkus sucht ganze Gruppen in dressurfähigem Alter, Schausteller treten als Käufer auf, aber auch tier­freundliche Privatleute, die dasentzückendste Raub­tierkind", das ein Löwenjunges nach Direktor Schneiders Ansicht ist, bis zum Alter von einem Jahr einmal selbst aufziehen wollen. C. K.

Ein Wunderschütze.

Der kürzlich erfolgte Tod eines Meisterschützen im Alter von 63 Jahren, der den Ehrenname ' .Aimrod" hatte, lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf dieses an Erfolgen reiche Leben. Als Buffalo Dills Wildweftschau im Jahre 1886 England einen Besuch abstattete, erregte ein zwölfjähriger Junge im ©amt» anzug mit steifen Etvnkragen, das größte Aufsehen, denn er zeigte sich als Schütze nicht nur allen Cow­boys weit überlegen, sondern überbot sogar in Treffsicherheit Annie Oakley, die bis dahin als der beste Schütze der Welt gegolten hatte. Das Wunder­kind hieß Charles Brown, Sohn eines Hotelbesitzers in Aunhead, und sein Ruhm sollte bald die Svort- toelt mit Staunen erfüllen- Den Berichterstattern gegenüber äußerte sich seine Witwe:Ich glaube, Charlies Talent war ein Erbteil seines Großvaters und seines Dakers, die beide berühmte Schützen waren. Sie hatten eigene Jagdreviere in Aunhead, wohin 1886 Mitglieder der Wildwestschau zu einem Taubenschiehen kamen. In jener Zeit waren die Schiehpreise hoch und die Runde kostete daher 20 Pfund. Jemand machte zum Spaß den Vorschlag, daß der kleine Charlie sich beteiligen sollte. Er willigte ein, und in fünf Minuten hatte er alle Preise gewonnen! Dann nahm er seine kleine Büchse und traf nacheinander 12 Penny-Stücke, die in die Luf' geworfen wurden. Mrs. Drown besitzt noch einige dieser Stücke, die alle ausnahmslos in der Mitte ihr kleines Einschuhloch auftoiefen und durch die Gewalt der Kugel kegelförmig gestaltet waren. Buffalo Dill verspottete diesen Sieg, bis er erleben muhte, dah Charlie in einem großartigen Kampf um die Meisterschaft Annie Oakley schlug.Aim- rods" erstes öffentliches Auftreten geschah mit acht Jahren," erzählte Mrs. Drown weiter, und zwar im alten Agu rium Westminster, wo er vor dem Damaligen Prinzen von Wales, Dem späteren König EDuarD VII. und einer Menge von 3OOOO Men­schen nacheinander 41 gläserne Reifen traf." Der letzte große Wettbewerb, Den er gewann, war 1913 im alten Schiehklub in WormwooD Scrubs. Der Preis bestanD Damals in einem echt silbernen schweren Kaffee» und Teeservice. In Den letzten zwanzig Jahren warAimrod" auf Der Versuchs­station für Schußwaffen im Königlichen Arsenal Woolwich tätig. Roch bis vor Kurzem war er eifrig tätig unD plante Die Teilnahme an einem Wett­

schießen gegen Die besten Schützen Der Welt. Doch Dann kam Die Krankheit unD er muhte alle Zusagen rückgängig machen.

------ J

Goldrausch in Alaska.

Ein neuer Wettlauf nach Dem Golde, Der an Die letzten Jahre Des vorigen JahrhunDerts erinnert, wenn auch nicht ganz in Demselben Umfang, findet gegenwärtig in Alaska, in Der UmgegenD Der Vai von Kuskokwim statt Als sich Das Gerücht von neuen grohen GolD- unD Platinlagern in Diesem Gebiet verbreitet hatte, strömten HunDerte von GolDiuchern Dorthin, in Der Hoffnung, schnell ihr Glück zu machen. DreihunDert GolDsucher tarnen in Bethel mit Dem ersten Dampfer Dieses Jahres an, weitere 400 Personen folgten mit zwei kleineren fpäteren Dampfern. Aach Der Ankunft mieteten Die kühnsten unter Diesen GolDsuchern verschiedene Flug­zeuge und begannen eine genaue Durchsuchung des ganzen Gebietes. Eine Gruppe von Goldsuchern hat ihre Aachforschungen auf einem schmalen san­digen Uferstreifen in Der Umgebung von GooDnews konzentriert, wo ein vielversprechenDes Platinlager festgestellt tourDe. Andere Gruppen sinD längs Der Ufer Des Eek-Fluffes unD in Die Dai von Togiak vorgeDrungen, wo kleinere Mengen GolDes gefunden wurden. Wieder andere haben sich in Die fanDiaen Gebiete an Der Bai von Kuskokwim begeben.

In wenigen Wochen sinD ganze Dörfer bei Diesen Fundstätten aus Dem BoDen geschaffen, Deren Entstehen so schnell vor sich ging, Dah es Den amerikanischen BehörDen nicht möglich war, auch nur im bescheidensten Umfange Den notwenDigen Polizei- und GefunDsheitsdienst zu organisieren unD für Aahrungsmittel zu forgen. Die Preise für alle Lebensmittel sinD Daher zu schwinDelhafter Höhe angestiegen; aber Die Go Dfucher, Die von ihren künftigen Reichtümern träumen, achten nicht im geringsten Darauf unD zahlen ohne weiteres einen Dollar für Das Stück Brot unD noch mehr für lebensnotwenDige Dinge. Aatürlich ist auch wie immer bei solchen Gelegenheiten eine Schar von Abenteurern unD Provitjägern mit Den GolDsuchern gekommen, Die Spielhäuser unD andereVeignügungs- ftätten geschaffen haben. Die Chronik von GooDnews hat auch bereits Das erste Verbrechen zu verzeichnen; währenD eines Streites an einem Der Spieltische tourDe ein GolDsucher schwer verletzt unD muhte in beDenklichem Zustande in Das Krankenhaus von Bethel geschafft toerDen.