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nun, daß es hier auch durchaus natürlich und ungezwungen zugeht. Die Führerin wohnt in der „Sendeleitung". Und so hat jeder Raum seinen Namen bis hin zur — Waldkapelle (WC.).
Helles Lachen, fröhliches Singen tönt durch das ganze Haus. Nur im „Schweigezimmer" herrscht unerbittliche Stille. Hier wird gelesen, geschrieben und nach Hause berichtet; hier kann und darf sich auch das einzelne Ich ein wenig auf sich selbst besinnen und seinen Gedanken nachhängen.
Die weißlackierten und weißüberzogenen Betten stehen — das ist schon wahr — aus Raumersparnis zu je zwei übereinander. Da heißt es also turnen. Aber wer kann es nicht, wo Frühsport und Spielturnen die oft noch steifen Glieder der Städterinnen geschmeidig machen? Wannenbäder, Brausebäder, Waschräume — selbstverständlich ist das alles vorhanden. Einträchtig stehen vierzig Waschschüsseln, vierzig Seifennäpfchen, vierzig Mundgläser, vierzig Zahnbürsten nebeneinander ...
Einträchtig und kameradschaftlich fügen sich auch die vierzig Arbeitsmaiden in die freiwillige, must e r h a f t gehaltene Disziplin des L a - gers, obwohl doch hier Mädel aus allen Schichten unseres Volkes Zusammentreffen. Mädel, die bisher nichts voneinander gewußt haben: Abiturienten und Studentinnen, Büroangestellte und Verkäuferinnen, und Haustöchter, noch ohne einen erwählten Beruf. Sie alle wohnen, essen, arbeiten, schlafen, feiern gemeinsam und helfen einander. Sie teilen sich in den Hausdienst, in die Küchen- und Gartenarbeiten, werken und schaffen, als sei es immer so gewesen. Trennende Schranken der Bildung und der Gesellschaftsschichten fallen, Vorurteile werden abgelegt, und bald ist aus dem Du schon das Wir geworden, dessen tiefer Sinn in der täglichen Arbeit immer stärker verstanden und empfunden wird.
Aber nicht alle vierzig Arbeitsmaiden können im Lager tätig fein. Und das Lager ist ja auch nicht
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den der weibliche Arbeitsdienst ganz zweifellos aus dem deutschen Boden „herausholt", so wird aus der sozialen Arbeit in der NSV. zum Schluß das, was der weibliche Arbeitsdienst, was der deutsche Arbeitsdienst überhaupt erwecken, pflegen und steigern will: Liebe zum deutschen Boden, Hiebe zum deutschen Blut! Dr.F.B.
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längst schon Fäden gesponnen, die auch dann nicht abreißen, wenn die Arbeitsmaid wieder hinter dem Ladentisch steht, oder an ihrer Schreibmaschine oder im Hörsaal sitzt. Dann muß statt der „Maid" eben Vater oder Mutter mal hinaus aufs Land, um sich gesund zu atmen und — versteht sich! — gesund zu essen.
Auch die Arbeitsmaiden lassen nicht voneinander. Sie treffen sich, nachdem sie das Lager verlassen haben, immer wieder bei ihren regelmäßigen Zusammenkünften in der Stadt. Und nun lernt auch die Stadt die Tänze und die Lieder der Arbeitsmaiden, lernt auch sie Feierabendstimmung und deutsches Brauchtum kennen. Und so wird aus der „Leutenot auf dem Land", aus dem wirtschaftlichen Beistand und aus dem wirtschaftlichen Nutzen,
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Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueber- landaebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu Zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Stromgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe Gießen, Garten- straße 3, oder auf Postscheckkonto Nr. 27707 Frankfurt a. M. oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei lieber« schreiten der Zahlungstermine müssen die Beitreibungskosten berechnet werden. 5233A
23om 20. August 1937 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für Monat Juni 1937 ein- schließlich kosten noch nicht entrichtet haben.
Gießen, den 9. August 1937.
Direktion der Städtischen Betriebe.
Ein weitläufiger, sehr gepflegter Garten, in dem hochstämmige Rosen und dichte Jasminbüsche verschwenderisch blühen und duften, umgibt das steinerne, zweigeschossige Landhaus, das wir betreten, um dem hier untergebrachten Lager des weiblichen Arbeitsdienstes einen Besuch abzustatten.
Im Hausflur, in dem am „schwarzen Brett" der Dienstplan des Tages angeheftet ist, tritt uns die jugendliche Führerin des Lagers entgegen, heißt uns willkommen und führt uns in den Hellen, lichten Tagesraum, in dem die Arbeitsmaiden — zur Zeit sind es vierzig an der Zahl — ihre gemeinsamen Mahlzeiten einnehmen, in dem sie geschult werden und nach des Tages Arbeit ihre fröhlichen Feierabendstunden verbringen. Tische, Stühle, Hocker, Schränke, Borte, Decken- und Wandbeleuchtung, — alles ist sauberste Handwerksarbeit, von den Arbeitsmaiden selbst gefertigt. So stört fein Kitsch den anheimelnden, schmucken Raum.
Wo die Arbeitsmaiden diese Handwerkskunst gelernt haben? Sehr einfach: die eine lernt's von der andern! Geht's heute noch recht ungeschickt, so geht's morgen schon geschickter, und übermorgen ist die „Kunstgewerblerin" fertig. Ueberhaupt: hier wird gar nicht lange überlegt, sondern das, was notwendig ist, einfach, gemacht, gebastelt, hergestellt, erledigt!
Auch die Türschilder an den einzelnen Zimmern sind selbst geschnitzt und geleimt und mit bunten Figürchen oder Landschaften geschmückt, mit lustigen Namen versehen. Da heißt das eine Zimmer „Blaue Sinfonie", was auf verträumte Romantik schließen lassen könnte; aber schon liest man nebenan: „Krach im Hinterhaus" oder „Knallbonbon", und man weiß
1 Selbstzweck, sondern: die deutschen Arbeitsmaiden ■ wollen ihrem Volk dienen und kräftig mit = Hand anlegen. Das geschieht, indem die Arbeits- , maiden zum deutschen Bauern, in die deutschen Landarbeiterfamilien ober/in die zahlreichen Arbeitsstätten der NSV. gehen, um dort in den Müttererholungsheimen, in den Jugendheimen, Kindergärten und Säuglingsheimen tätig zu sein.
In dieser Arbeit erst erfüllt sich der Sinn des weiblichen Arbeitsdienstes. Was aber sagen die Bauern und die Bäuerinnen dazu? Niemand verargte es ihnen, als sie anfangs den deutschen Arbeitsmaiden mit mißtrauischen Gefühlen entgegenkamen. Aber die jugendliche Führerin des Lagers berichtet uns, daß dieses Mißtrauen sehr bald schwand, als Bauer und Bäuerin sahen, daß die „Städterinnen" zupacken wollten und nach einem herzlichen kräftigen Anlauf auch wirklich zupackten. So treiben die Arbeitsmaiden wertvolle praktische Landwirtschaft; sie melken die Kühe, sie füttern das Vieh, sie buttern, sie sind auf dem Felde, hacken Früchte, binden die Garben und helfen obendrein der Bäuerin, der kinderreichen Landarbeiterfrau im Haushalt.
Keine leichte, keine bequeme Arbeit! Da gibt es rauhe Hände und heiße Gesichter. Dafür leuchten aber von Tag zu Tag die Augen heller und blanker und Gesundheit strömt in den Körper und in die Seele. Denn auch das erzählt die Führerin, daß alles von den Arbeitsmaiden abfällt, was an städtischer „Zivilisation" schlecht und unecht ist. Hier setzt auch die Schulung ein. Aber keine „Kollegs" werden „gelesen". Alles wird auf einen einzigen Nenner gebracht, auf den Nenner des unverbildeten, gefunden Menschenverstandes und des Gefühls für Heimat und Volk. Was dann auf solche Weise „erlernt", d. h. eingegangen ist in das aufgeschlossene Herz der Arbeitsmaiden, das tragen sie "nun, meist ganz unbewußt, hinaus zum Bauern, zum Landarbeiter, in die Heime der NSV.
Zögernd begreift dies alles auch die Bauernjugend. Die jungen Bauernsöhne und Landarbeiter aber wagen es noch nicht, die Arbeitsmaiden zum Tanz ZU holen, wenn die Dorfmusik ungelenk Tango spielt. Aber dann kommen die Arbeitsmaiden mit ihren eigenen Lauten und Zupfgeigen und „Schifferklavieren" und spielen selbst zum Tanz auf. Aber sie spielen keinen Tango — sondern jene Tänze, bei deren Klängen die alten Bauern und Bäuerinnen aufhorchen und sich verwundert fragen: „Gibt's denn das noch?" Und — hoppla, eins zwei, drei — stampfen auch die Jungen und schon dreht sich ein Bauernreigen, so zünftig und echt wie einst und „dunnemals".
Erst auch fingen die Arbeitsmaiden Volkslieder, die alle kennen und mitfingen. Dann fingen sie ihre neuen Lieder. Und nun kommen die jungen Burschen und Bauernmädel zu den Arbeitsmaiden und sagen: „Wir wollen eure Lieder auch fingen!" So erwächst unversehens aus der Gemeinschaft der Arbeit und aus der Karner adfcha ft des Feierabends heraus altes und neues Brauchtum, von dem nur noch ein kleiner Schritt zum deutschen Volkstum ist.
Dann aber kommt doch einmal der Tag des Abschieds. Sei es, daß der Arbeitsplatz beim Bauern — meist nach sechs Wochen — gewechselt wird, sei es, daß das Halbjahr des Arbeitsdienstes „herum" ' ist. Da gibt es manch wehmütige Stunde, die über- : wunden wird mit dem geschäftigen Kuchenbacken der Bäuerinnen für die Arbeitsmaiden und deren : Familie daheim! Denn auch zwischen den Familien auf dem Lande und den Familien in der Stadt sind
Heute früh 4 Uhr entschlief nach langem schweren Leiden mein Heber Mann, unser lieber Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
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im Alter von 77 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Elisabethe Schlund, geb. Reitschmidt
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Hausen, Garbenteich, Annerod, den 9. August 1937.
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Der Internationale Kongreß für Philosophie in Paris.
Der 9. Internationale Kongreß für Philosophie in Paris, der sogenannte Descartes-Kongreß, wurde beendet. Unter Führung von Professor Dr. Heyse (Göttingen) hatte auch eine deutsche Abordnung teilgenommen. Professor Dr. Heyse warf die Frage auf, ob die Philosophie und die Wissenschaft in ihrem aufgelösten heutigen Zustand einer endlosen Reihe von Teil- und Spezialdisziplinen noch ein bildendes und formendes Prinzip des Lebens und der Geschichte bedeuten können oder ob sie vielmehr deren Auflösung bewirken. Weil die methodische europäische Geschichte und jene europäische Metaphysik die ewigen Gesetze des Seins und des Lebens mißachteten, stünden beide in der Krisis, deren Höhepunkt unsere Epoche darstelle. Das tiefste Anliegen der gegenwärtigen deutschen Philosophie bestehe darin, d i e echten Ideen und Werte zu erringen, in denen sich nicht ein Phantom des Lebens und der Geschichte, sondern das Leben und die Geschichte in ihrer Wahrheit kundtun. Darum sei hiese Philosophie m i t d e m neuen Deutschland auf das tiefste verbunden, und deshalb auch sei sie von ihrer mitwirkenden Arbeit am heutigen Europa überzeugt. Ferner sprachen Professor Geh.! e n über Descartes im Urteil Schellings, Professor Scholz über die Sonderstellung der Logik-Kalküle im Bereiche der elementaren logischen Kalkülforschung, Professor Hermes über ein Axiomsystem für die Syntaxe des klassischen Logikkalküls, Professor Gentzen über den Unendlichkeitsbegriff und die Widerspruchsfreiheit in der Mathematik. Professor Bur - kamp behandelte das Thema „Wirklichkeit und Sinn." Professor Thurnwald schilderte die Entwicklung und den Fortschritt im Lichte der Völkerforschung, während Professor Ebinghaus einen Dortrag über den Gebrauch des Prinzips cogito ergo sum (ich denke, also existiere ich) in der Descartesschen Philosophie hielt. Die. Professoren Bäurnler , Hartmann und Heims 0 eth griffen in Diskussionen zu philosophischen Problemen ein. Zu Mitgliedern des Internationalen Philosophen-Komitees, dem bisher nur zwei Deutsche angehört hatten, wurden diesmal sechs deutsche Professoren ernannt, die Philosophen Heyse, Bäumler, Hartmann, Heimsoeth, Bauch und Gehlen. — Der nächste Kongreß für Philosophie wird 1941 in der holländischen Universitätsstadt Groningen stattsindm.
Wetterbericht
des Refchsivetterdienskes. Ausgabeort Frankfurt.
Während die nördlichen Teile des Reiches am Montag schon im Bereiche kühlerer Meeresluft lagen, wurden im südlichen Deutschland bei meist heiterem Himmel vielerorts noch Temperaturen über 30 Grad erreicht. Unter heftigen nördlichen Winden und örtlichen Gewittern eindringende kühlere Meeresluft brachte jedoch auch in der vergangenen Nacht merkliche Abkühlung. Da wir auch für die Folge im Zufuhrbereich feuchter Meeresluft verbleiben, wird die Witterung im südlichen Teile unseres Bezirks im wesentlichen noch freundlich sein, nach Norden hin aber leichtere Unbeständigkeit zeigen.
Vorhersage für Mittwoch: Vielfach dunstig und wolkig, aber nicht durchweg unfreundliches Wetter, besonders nach Norden und an Gebirgsrändern gelegentlich auch etwas Niederschlag, mäßig warm, überwiegend westliche Winde.
Vorhersage für Donnerstag: Vielfach aufheiternd, doch leicht unbeständig.
Lufttemperaturen am 9. August: mittags 27,7 Grad Celsius, abends 20,8 Grad; am 10. August: morgens 15,6 Grad. Maximum 29,2 Grad, Minimum heute nacht 15,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. August: abends 25 Grad; am 10. August: morgens 19,8 Grad. — Niederschläge 1,2 mm. — Sonnenscheindauer 7 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (beurlaubt), i. D.: Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck (beurlaubt). Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VII. 37: 9076. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckeret R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der
Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
Minister für Dolkskultur, Alsieri, hatte ein Be- arüßungstelegramm gesandt. In Zukunft gelangt der Dichterpreis alle zwei Jahre als Nationalpreis zur Verteilung.
400 ibero-amerikanische Aerzle in Berlin.
In dem Jbero-Amerikanischen Institut zu Berlin fand die Eröffnung der 2. Vorlesungsreihe der Jbero-Amerikanischen Aerzteakade- m i e statt. Der Einladung zu diesem bedeutsamen Aerztetreffen, dem größten nach dem Kriege in der Reichshauptstadt, waren aus den 22 Ländern des ibero-amerikanischen Kreises fast 400 Aerzte gefolgt, um an den von der Akademie veranstalteten Kursen in spanischer und portugiesischer Sprache teilzunehmen. General Reinecke, der Präsident des Jbero-Amerikanischen Instituts, und Staatsrat Prof. Dr. Sauerbruch als Präsident der Jbero-Amerikanischen Aerzteakademie begrüßten in spanischer Sprache die Erschienenen. Am 13. August
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