ist reibungslos verlaufen. Japanische Der- stärkungen und viele Materialzüge rollen täglich in Richtung Peiping. In Tientsin selbst wurde mit der Anlage von Verteidigungsbefesti- g u n g e n begonnen.
Moskau bestellt drei Riesen Schlachtschiffe inLlGA
R e u y o r k, 9. Aug. (DNB.) In politischen Krei» sen wird erklärt, daß die sowjetrussische Abordnung, die im Frühjahr wegen des Baues zweier Schlachtschiffe in Amerika Verhandlungen führte, die jedoch infolge amtlicher Einwände fehlschlugen, jetzt mit amerikanischen Stahlwerken und Privatwerften neue Verhandlungen ausnahm. Es handelt sich um den Bau von drei 35 OOO-Tonnen-Schlacht- schiften, mit je neun 40,5-Zentimeter-Kanonen.
Die New York Times berichtet, daß eine amerikanische Gesellschaft, die „Earp Export Company" gegründet wurde. Ihr Leiter ist der amerikanische Staatsbürger Samuel Earp, ein Schwager des Vorsitzenden des Moskauer Vollzugsausschusses M o I o t o f f. Die Gesellschaft ist gegründet worden, weil der Umfang der Sowjetaufträge, die sich auf 100—200 Millionen Dollar belaufen, die Aufmerksamkeit einer besonderen Organisation erfordern.
Bei den Frühjahrsverhandlungen, in denen die Sowjets zum ersten Male den Versuch machten, ihre Schlachtschiffbestellung in^ Amerika unterzubringen, hatte Moskau gewünscht, daß die Schiffe nach ihrer Fertigstellung von der USA. = 2Jtarine amtlich besichtigt und gutgeheißen würden. Diese Forderung hatte die Regierung in Washington abgelehnt, worauf die Verhandlungen im Sande verliefen. Nun ist Moskau bereit, auf diele Bedingung zu verzichten. Auch der Einwand, den Amerika gegen die Lieferung von 40,5 Zentimeter-Kanonen erhoben hatte, ist nach der Ansicht Moskau hinfällig geworden, weil Amerika s e l b st die Bestückung seiner neuen Schiffe mit Geschützen so großen Kalibers plant.
Der Lleberfall auf die „Mongwia".
Dreimotoriger Fokker mit Abzeichen der spanischen Bolschewisten klar erkannt.
M a i l an d, 9. Aug. (DNB.) Wie der „Corriere della Sera" meldet, ist nach Mitteilung der Besatzung des italienischen Dampfers „Mongioia" die Bombardierung des Schiffes durch ein dreimotoriges Fokker-Flugzeug ausgeführt worden, das sichtbar die Abzeichen der spanischen Bolschewisten getragen habe. Das Flugzeug sei von dem Schiff in Richtung auf den roten Hafen Almeria davongeflogen. Es wird dazu festgestellt, daß von der nationalspanischen Luftwaffe keine Fokkerflug- zeuge verwendet werden. Bei dem dreimotorigen Fokker dürfte es sich um dasselbe Flugzeug handeln, das ganz kurz vorher den britischen Dampfer „British Corpora!" und das französische Schiff „D j e b e l A m o u r" bombardiert hatte.
Der Bericht des holländischen Beobachters, so schreibt „Tevere", beweise, daß es sich um einen kaltblütig vorbedachten Piratenüberfall handelte. Aus der Logik der Dinge ergebe sich ohne weiteres, daß die Schandtat nur von sowjetspanischen Flugzeugen ausgeführt worden sein kann. Das Dementi der nationalspanischen Regierung sei übrigens überflüssig, da noch vor wenigen Tagen der Bolschewistenhäuptling Negrin mit zynischer Gewissenlosigkeit erklärte, daß die Bolschewisten im Augenblick der Verzweiflung entschlossen seien, einen europäischen Krieg zu provozieren. Man brauche sich ja nur zu fragen, wen anders als Sowjetspanien und Sowjetrußland derartige Ablenkungsmanöver von Nutzen sein könnten. Das vergossene italienische Blut werde auch dieses Mal gesühnt werden, wann und wo und wie es der Duce für am besten erachte.
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Zur Teilnahme an den großen italienischen Sommermanövern, die vom 12. bis 19. August in Sizilien abgehalten werden, hat sich Mussolini in Gaeta auf seiner Jacht „Aurora" nach Messina eingeschifst, um Richtlinien für die weitere landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung Siziliens zu geben.
Fränkische Schlösser.
Don Fritz Neck-Malleczewen.
Landschaft muß man bewohnen, oder man muß sie sich erwandern, wenn man sie kennen will. Und zwar nicht im Auto, sondern in beschaulicherer Wanderarbeit. Die fränkische Landschaft, durchschnitten von den großen nach Süden ziehenden O-Zug- strecken, ist eine der unbekanntesten von Deutschland. Jeder beeilt sich, München, Nürnberg, Stuttgart zu erreichen — wer aber nimmt sich Zeit und Mühe, in Eichstätt, in Pappenheim oder gar in Gößweinstein, in Hilpoltstein, in Roth, in Ochsenfurt und Karlstadt und Kitzingen Halt zu machen? Wer kennt gar die seltsame, im Osten schon ins Slawische, im Westen ins Romanische hinüberspielende Landschaft, die dazwischen liegt?
Wer Oberbayern, das burgenarme, bäurische, das beinahe nach Schweizer Muster bauernbeherrschte Oberbayern kennt, ist in Franken beinahe betroffen von der Fülle der Schlösser, der festen Häuser, der E d e l s i tz e. In Oberbayern sind diese festen Häuser, als namengebende Sitze längst vermoderter Geschlechter (Leoprechting, Schonstett, Truchtlaching) entweder vom Erdboden verschwunden oder zerbrochen und führen in ein paar kümmerlichen, auf rauhen Bergrücken gerade noch kenntlichen Mauerresten ein kümmerliches Leben, in Franken stehn sie bewohnt und gepflegt als lebendige Ge- g e n w a r t da.
Es ist überall so, wo, wie in Franken, eine zentrale Herzogsgewalt im ausgehenden Mittelalter fehlte und die vielen Grafschaften, die reichsfreiberr- lichen Miniaturstaaten den Adel länger bei Macht und Vermögen erhielten. Oberbayern, das bäurische, hat gerade noch sieben eingeborene Adelsgeschlechter, Franken, das feudalere, hat von ihnen ein Vielfaches, und der Bestand an Schlössern entspricht dieser sozialen Entwicklungsgeschichte. Ich weiß einen fränkischen Standesherrn, dessen gewaltiger Besitz über einen großen Teil des weltlichen Frankens sich erstreckt und teilweise seine Grenzen überflutet. Erinnere ich mich recht, so sind's gegen zwanzig feste Häuser, darunter ein paar, die nicht mehr Schlösser, sondern eben Residenzen von architektonischem Weltruf sind — Horte von Kostbarkeiten, Horte von Bibliotheken mit unentdeckten Schät- zen, der Souveränität beraubte Kleinstaaten mit gewaltigen Forsten, Saugebegen und einem kompletten Ministerium von Beamten, die dies alles
Aus aller Welt.
3« sechs Stunden Luftpost
den
Organ „Das
Oesundbeitsmaßnahinen der Reichsjuaendführung.
Berlin, 7. Aug. (DNB.) Das amtliche des Jugendführers des Deutschen Reiches,
Berlin-London.
Englische Beteiligung an der Nachtflugpoststrecke.
Berlin. 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) 3n
frühen Morgenstunden traf erstmalig auf der planmäßigen Nachtflugpoststrecke Berlin—London ein Ju 52 der englischen Luftverkehrsgesellschaft Airways auf dem Flughafen in Tempelhof ein. Damit beteiligen sich nun auch die Engländer an dieser Nachtflugpostverbindung, die seit 1933 regelmäßig allnächtlich im Sommer und Winter durchgeführt wird. Die Maschinen dieser Strecke verlassen gegen 23.30 Uhr mit der am Tage aufgegebenen Post die Reichshauptstadt und sind nach Zwischenlandungen in Hannover und Köln bereits 5.40 Uhr englischer Zeit in London, wo die Post mit dem ersten Bestellgang ausgetragen werden kann. Ungefähr kommt auch die in London aufgegebene Post zur ersten Bestellung in Berlin zurecht. Seit einiger Zeit nahmen auch englische Flugzeugführer an diesen Flügen teil, um die Schwierigkeiten des Rächt, und Blindfluges kennen zu lernen. Wenn nun die Brilifh-Airway sich an der Durchführung dieser Strecke beteiligt und dabei die dreimotorlsche J u 5 2 - Maschine zum Einsatz bringt, so zeigt das am besten die von der deutschen Fliegerei und der deutschen Duftfahrt- industrie auch auf diesem Gebiet geleistete Pionierarbeit.
junge Deutschland", gibt eine Verfügung des Gesundheitsamtes der HI. bekannt, wonach mit Wirkung vom 1. Juli 1937 in den HJ.-Gebieten pn Etat geschaffen wird, der den HI.-Aerzten und BDM.-Aerztinnen die gesundheitliche Ueberwachung des Dienstes, der Lager, Fahrten und Sonderveranstaltungen erleichtert. Dieser Etat sieht die Einsetzung von Mitar
beitern und Mitarbeiterinnen vor, die ihre ganze Kraft ausschließlich der Gesund» heitsfuhrung der HI. widmen und dadurch die ehrenamtlichen Dienststellenleiter in ihrer Arbeit etwas entlasten können. Eine weitere Erleichterung der Arbeit der mit der Gesundheitsführung Beauftragten sollen die zur Verfügung gestellten Kraft« fahrzeuge bieten.
Großer Erfolg der Iiundfunlaussteliunq.
Am Sonntagabend hat die 14. Große Deutsche Rundfunkausstellung Berlin 1937 ihre Pforten geschlossen. Mährend der zehntägigen Dauer haben 3 0 7 0 0 0 Besucher d i e Ausstellung besucht, 82 000 Personen mehr als im Vorjahr. Nach den bisher bekanntgewordenen Kaufabschlüssen hat die diesjährige Rundfunkausstellung im Vergleich zu den Vorjahren auch in dieser Hinsicht den weitaus größten Erfolg aufzuweisen. Dieser günstige Abschluß ist nicht zuletzt der ausgezeichneten Arbeit der R e i ch s s e n d e r zu verdanken. Jeder Sender hat mitten in den Messehallen ein vollständiges Tagesprogramm durchgeführt. Diese zu Sendern her- gerichteten Hallen standen im Mittelpunkt des Interesses der Besucher, die zum Teil in 111 Sonderzügen und 400 Omnibussen aus allen Gauen des Reiches nach Berlin gekommen sind. Der Reichsintendant des Deutschen Rundfunks, Dr. Glas- meier, hatte den Intendanten diesmal die Aufgabe gestellt, in den Berliner Messehallen mit den neuesten künstlerischen Kräften ihres Sendebereiches aufzumarschieren. Das Beste sollte für die Be» sucher gerade gut genug sein. Die Arbeit aller Sender insgesamt sollte ein überzeugendes Bild geben von der Pielheit deutschen kulturschöpferischen Willens und Könnens. Das Lied der Landschaften und Gaue sollte hier zusammenklingen zu der großen Symphonie deutschen Kulturreichtums. Die Arbeit war von vollem Erfolg gekrönt. Außerordentlich zugkräftig waren auch die Fernsehsendungen und der -Empfang. Die Besucher haben zum erstenmal richtig erkennen können, wie reichhaltig und lebendig das Programm des Fernsehsenders Nipkow ausgestattet und wie vorzüglich bereits der Empfang ist. Eine besondere Anerkennung verdienen auch die Funkingenieure des Berliner Funkhauses. Die Arbeit der Reichssender ist von ihnen hervorragend betreut und den Hörern vermittelt worden.
pariser Hundstage
13on unserem pp.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Paris, August 1937.
Nach zweijähriger Unterbrechung wirkt sich im täglichen Pariser Leben das Gesetz der Ferien wieder aus. Nach althergebrachter Sitte sind die ersten anläßlich des Nationalfeiertags auf Urlaub gefahren, der größte Teil der Bevölkerung Anfang dieses Monats und die letzten werden am 15. August folgen. Die Pariser Wohnviertel gleichen toten Prvoinz- ftäbten. Vorn Autoverkehr kann kaum noch die Red^ sein. Die meisten Läden sind geschlossen, denn die Kunden sind ja auf Urlaub, so daß der Ladeninhaber beruhigt aufs Land fahren kann, um seinen Verwandten bei der Ernte zu helfen oder um zu fischen. Zahlreiche Fabriken stehen ebenfalls still, denn seit vorigem Jahr haben die Arbeiter 14 Tage Urlaub. Vor allem wurden auch Kammer und Senat auf Ferien geschickt, so daß die Parlamentarier nicht viel Unheil anrichten können. Nach zwei Jahren schwerster wirtschafts-, innen- und außenpolitischer Auseinandersetzungen herrscht mal wieder tiefster Frieden über Paris.
Eine der wenigen Ausnahmen sind die Debatten über die Zukunft und das Programm der Volksfront. Durch das Ende der ersten Volksfrontregierung ist dieser Parteiblock in eine schwere Krise gekommen. Er ist vor allem eine Schöpfung des französischen Kommunismus. Aus dem Scheitern des Kommunismus in anderen Ländern hatte der französische den Schluß gezogen, daß die Fernziele vorläufig zurückgestellt werden müssen und daß eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien anzustreben sei, um die Basis der kommunistischen Bewegung solider zu gestalten. Als am 6. Februar 1934 Rechtsoerbände gegen die Kammer marschierten, es hierbei zu Zusammenstößen mit der Polizei, zum Generalstreik und zu Gegendemonstrationen der Linksparteien kam, hielt die kommunistische Partei die Gelegenheit zu diesem Kurswechsel für gekommen. Sie malte die Gefahr des Faschismus an die Wand und forderte im Juni 1934 zur Bildung einer antifaschistischen Front auf. Im Juli 1934 kam es zum Vorabkommen zwischen Sozialisten und Sozialdemokraten, im Oktober 1934 zur Zusammenarbeit bei den kantonalen Wahlen. Am 14. Juli 1935 erreichten die Kommunisten schließlich ihr Ziel. Sie bildeten mit den Sozialdemokraten und der wichtigsten bürgerlichen Partei, den Radikalsozialen, die Volksfront. Mit dem Ergebnis dieser Bemühungen konnten die Kommnisten zufrieden fein, denn bei den Wahlen am 26. April und am 2. Mai wurden 72 Kommunisten gewählt und einen Monat später wurde die Volksfrontregierung Blum gebildet.
Diese Daten zeigen wie Schritt für Schritt die kommunistische Partei sich festsetzt und ihren Einfluß erhöht, dabei systematisch die Bildung einer rein kommuni st ischen Regierung vorbereitet. Die nächste wichtige Etappe dieser Bemühungen ist gemäß dem von Dimitroff im April 1935 verkündeten Programm die Zusammenschließung der Kommunisten und der Sozialdemokratie zu einer Einheitspartei. Wie stets erscheinen dabei die Kommunisten als die selbstlose Partei, die alles zurückstellt, und sich gern den Wünschen der Sozialdemokratie fügt. So taten es die Kommunisten auch, als auf Grund ihrer Initiative im Februar 1936 die Einheitsgewerkschaften gebildet wurden. Doch aus dieser gewerkschaftlichen Entwicklung haben die Sozialdemokraten wohl nicht mit Unrecht den Schluß gezogen, daß Bildung einer Einheitspartei gleichbedeutend wäre mit dem Ende der Sozialdemokratie. Die Sozial- demokratte ist vorläufig nicht geneigt, diesen Schritt mitzumachen, wenn es auch in ihren Reihen viele Anhänger der Idee der Einheitspartei gibt, insbesondere bei den unteren Parleikörpern.
Die stärksten Gegner sind maßgebliche sozialdemokratische Führer, die die wahren Absichten der Kommunisten durchschaut haben und befürchten, daß nach der Schaffung der Einheitspartei der kommunistische Einfluß innerhalb dieser Partei immer stärker würde und dann ausschließlich Moskaus Gesichtspunkte zur Geltung kämen. Diese Kräfte der Sozialdemokratie sind sich offensichtlich dessen bewußt, daß ihr erster Regierungsver-
sehene ausgedaut und z. B. die vierz'igstündige Ar- beitswoche eingeführt wurde und als von den Kommunisten immer wieder die außen- und wehrpoli- tischen Wünsche Moskaus in den Vordergrund gestellt wurden. Das Ende der Regierung Blum war die Folge. Jetzt ist ein neues Programm a u f 3 u ft e 11 e n , aber schon bei den ersten 23er» Handlungen zeigt sich, daß die Gegensätze erheblicher sind als das Gemeinsame.
Während so über ein mögliches neues Programm diskutiert wird, handelt die Regierung Chautemps-Bonnet. Ihre Politik hat nichts mehr mit dem Programm der Volksfront zu tun, ist sogar das Gegenteil dessen, was die Dolks- frontparteien ihren Wählern versprochen hatten. Das Programm der Regierung Chautemps-Bonnet bedeutet das Ende der Sozialreform, Abbau einiger sozialpolitischer Maßnahmen, Erhöhung der Steuern, Gebüyren und Tarife, wie z. B. der Fahrpreise, der Gas- und Elektrizitäts» abgaben u. ä. Es bedeutet ferner eine Entwertung der Währung, eine Entrechtung der Sparer und eine Senkung der Kaufkraft der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Dies Programm ist die notwendige Konsequenz des Versagens der Volksfrontregierung. Einige Führer der Volksfront sehen die Notwendigkeit dieses Kurswechsels ein. Was aber werden die breiten Schichten der Bevölkerung sagen, wenn die Ferienstimmung vorüber ist, und die Frauen feststellen müssen, daß in wenigen Wochen alle Waren, nachdem sie schon innerhalb eines Jahres um 40 v. H. gestiegen waren, um weitere 20 bis 30 v. H. teurer wurden? Um den Zorn der Massen zu beschwichttgen, soll ihnen ein neues Programm unterbreitet werden. Aber vorläufig ist es noch nicht ausgearbeitet.
such, die Regierung Blum, kläglich gescheitert ist, weil sie wesensfremde Doktrinen anwandte und sich immer mehr von den nationalen Notwendigkeiten entfernte.
So bietet sich heute dem Beschauer ein starkes Durcheinander innerhalb der Volksfront. Die Kommunisten find vor allem an der Schaffung einer proletarischen Einheitsfront interessiert, um möglichst bald unter diesem Deckmantel den entscheidenden Einfluß auf Frankreichs Politik zu erlangen. Alle anderen Fragen laßen sie vorläufig zurücktreten. Innerhalb der Sozialdemokratie gibt es, wie es der Parteitag deutlich zeigte, verschiedene Richtungen. Die einen wollen mit den Kommunisten zusammenarbeiten, andere betrachten ein neues sehr radikales Programm zugunsten einer Verstaatlichung der wichtigsten Wirtschaftszweige als wichtiger, andere wiederum wollen eine Abkehr vom Marxismus und eine engere Verbindung mit der kleinbürgerlichen radikalsozialen Partei, um mit dieser ein typisch französisches Programm auszuarbeiten.
Dies starke Durcheinander ist eine Bestätigung, daß das vor zwei Jahren gemäß kommunistischen Vorschlägen geschaffene Bündnis der Volksfront eines der unnatürlichsten ist, das je Parteien gebildet haben. Es war für etwa ein Jahr haltbar, als einige Sozialformen durchgeführt werden sollten. Es führte aber zu einem kläglichen Fiasko, als die Sozialreform über das ursprünglich Dorge-
verwalten und einem Besitzer, der, Träger eines großen geschichtlichen Namens, in beinahe huma- nisttscher Abgeschlossenheit, durchgeistigt und im Stil eines letzten Renaissancemenschen dies alles, eine oft nicht eben leichte Bürde an Besitz und überlieferten Pflichten, hütet. Es ist anders, ganz anders, wie in den kolonialen Bezirken des Reiches östlich der Elbe, wo, den unsicheren Verhältnissen entsprechend, das Haus den Besitzer oft wechselte. Diese Häuser wechselten ihn so gut wie nie. Und die Bindung an die heute dort sitzenden Geschlechter verschwindet vielfach im Dunkel der Geschichte.
Hier aber soll nicht so sehr von den großen repräsentativen Residenzen die Rede sein, deren Namen weltbekannt sind — wir wollen uns der schier unzählbaren festen Häuser erinnern, die wir, einsam oder als Mittelpunkt von Dörfern, über das ganze, oft so pressend einsame Land verstreut finden. Anders die Bauten östlich der großen Berliner Bahnstrecke ... ganz anders wie alles, was in den gesegneten Gauen der Mainschlingen und der Spessarthänge liegt. Diese Mainlandschaft überträgt ihre trächtige Fülle auf ihre festen Häuser — dort aber, im Osten, wo das Land karger und rauher ist und mit seinen Strohdächern schon ein wenig an das benachbarte Böhmen gemahnt, dort hat auch das Schloß ein anderes Gesicht. Es ist entweder im Verfall, es ist aufaegangen und zerschnitten in mehrere Bauernhöfe, und es zeugen nur noch in den Stallungen die Gewölbe, die Spuren von Freskobildern, die vermauerten Bogen und im Gesamtbilde auch noch die Umrisse des Ganzen von der Vergangenheit ...
Oder: sie haben als Edelsitze die mittelalterlichen Zeiten überdauert und dann stehn sie meist, auf steiler Klippe sich aus kleinen gänsedurchschnatterten Bauerngehötten erbebend, auch noch da, wie sie einst entstanden sind, und die Umbaulust der Renaissance, die ja so gern alles bequemer und lebensfreubiaer machte, ist an ihnen gnädig Dorübergegangen. So sind es heute noch gothilche Burgen, beillose Dachsbauten von verzwickten Gängen und Wendeltreppen. Sie haben unausdenklich schöne Fernsichten und schier unerforschte Bodenräume, sie sind nicht immer ganz leicht zu berechnen und setzen mit ihren dicken Mauern, mit all ihren Verwicklungen und Ver- frängunaen oft den segensreichen Einrichtungen unserer Tage — Zentralheizung und Wasserleitung — einen geradezu höhnischen Widerstand entgegen.
Uebernachtet man in ihren Fremdenzimmern, so ist s vom Scblasra'im bis zu ienen, vom alt"n Fon- tane in fremden Häusern immer vorsorglich zuerst
visitierten Räumlichkeiten über Treppen und Gänge ein kleiner Uebungsmarfd), man findet nachts nicht immer die Schalter und findet nicht den Weg zurück und tastet im heillosen Dunkel sich durch Irrwege zurück und landet wenn man die Nacht nicht bitterlich weinend und frierend auf einer Treppenstufe hocken will, statt in der eigenen Kemenate in fremden Revieren, in denen plötzlich asthmatische Großväter zu husten beginnen ober wo man dort, wo man endlich sein eigenes Bett erreicht zu haben glaubt, in der ägyptischen Finsternis plötzlich eine fremde Hand ertastet und man vor verzweifelten Möglichkeiten steht, die nur noch durch gellendes Hilfegeschrei ober bas Ziehen an einer imaginären Notbremse abzuwenben wären.
Nein, sie finb nicht immer leicht zu bewohnen. Im Winter, allen Zentralheizungskünsten zum Trotz sinb sie ein rauhes Riesenreich, in bem bie entlege« neren Provinzen total vereisen unb nur bas Zentrum, erreichbar über zugige Gänge, eine stets vom Frost belagerte Zitabelle ber Wärme unb Behaglichkeit bildet. Sie verlangen eben einen gewissen Jbealismus von ihren Besitzern, und sie lohnen burch bie luftige Einsamkeit hoch über den Wegen unb Plätzen ber Menschen. Durch eine gerabezu vermessene Zeitlosigkeit unb burch alle bie Neuent- bedungen, bie man machen kann, wenn man sie lange bewohnt. Auf bem einen von ihnen, von dessen viereckigen Türmen man bis tief in die £ab schlünde der Oberpfalz und bis zu den blauen böhmischen Bergen sehen konnte, fand ich dicht unter dem Dach eine etwas wurmstichige, aber noch gut erhaltene mittelalterliche Wurfmaschine. Unb ich hatte boch nach solcher Rarität zuvor sämtliche beut- schen Museen, einschließlich des Germanischen in Nürnberg, vergeblich burchsucht. In ber Kirche eines allerbings schon auf oberpfälzer Boben ftehenben Schlosses zeigt ber Kastellan in einer — ich muß schon sagen „vergrößerten Zigarrenkiste" einen vertrockneten winzigen Kinberleib: ein früh verstorbenes Kinb Ludwig des Bayern, das hier begraben lieat ...
So verhält es sich mit diesen Buraen des östlichen Franken. Im ÜB e ft e n, reo das Barock der Pfaf- fengasse unb ber Mainstäbte breitere Bresche legte in ber Gotik, bort schaut's anbers aus. Es fitzt nicht auf steilen Klippen, es wächst aus blühenben Gärten. es empfänat heiterer unb bequemer unb in heller Behaalichkeit ben Gast. Oft — bas gilt be- fonbnrs non ben um 1550 erroorben-'n Landsitzen des S'"dlnatriziates — find es kleine Barockschlösser, bie sich aus ben Umrissen der Dörfer kaum
erheben, man findet oft in einer und ber gleichen Siebelung zwei ober gar brei bem gleichen Geschlecht gehörige Häuser, von benen freilich heute nur mehr als bas eine ben Anspruch auf ben Namen „Schloß" erheben kann, währenb bie anderen, für die jüngeren <5öbne gebauten meist in Bauern» Höfen aufgegangen sind. In Bauernhöfen, wo sich dann plötzlich in einem unbewohnten und mit allerlei Gerümpel angefüllten Raum, eine Stuckdecke von unbeschreiblicher Anmut vorfindet.
Aber bie Stammhäuser stehn noch unb bergen oft noch heute ben ganzen Kulturbesitz eines solchen Stabtgeschlechtes, bas um 1550 seine kaufmännische Überlieferung über Borb warf und dem Kaiser Diplomaten und Feldhauptleute zu stellen begann unb gleichwohl auch heute noch anbers ist unb in anberen Häusern wohnt, als bie Nachfahren ber alten fränkischen Reichsritterschaft ... Denen verblieben manchmal Häuser, bie nicht mehr Schlösser, sondern Schloßkomplere vom Ausmaße von Schleißheim unb Nymphenburg barstellen, unb als Wilhelmine von Bayreuth, Friebrichs bes Großen Schwester, erstmalig nach Unterfranken kam. ba ftanb sie vor ber ihr unfaßlichen Tatsache, baß ber bamals in Würzburg als Bifchof sitzenbe Graf von Schönborn sie in solcher Kostbarkeit wie bem Schlosse Pommersfelben empfing unb baß in diesem Schlosse bie Lebenshaltung ben Veroleich mit ber des damaligen Berliner Hofes immerhin aushalten konnte ...
Dort aber, in ben gesegneten Gauen ber Psaffen- gaffe, bort liegen, gebettet in ben blauen unb grünen Geschmeiden ihrer Wasser und Waldungen bie kostbarsten Juwelen bes beutschen Schloßbeftandes. Fußenb oft auf Funbamenten, hie bis zur Römer- zeit zuriickreichen, unb bis zum Klafsnismus hat jebe Zeit rociterqebaut unb hinzugefetzt. Unb wenn man sieht, wie sie gelagert sind in bie buccolische Fülle Frankens, in eine Landschaft, die bort im lieber- fluße foenbet unb ihre Bewohner nicht immer euf das Behelfsmäßige verweilt: wenn man das fleht, fo dankt man roohl bem Schöpfer, ber diese Landschaft samt ihrem Schmuck werden ließ. Denn bas Herrliche, bas Unvergleichliche an dem den Deutschen zugewiesenen Lebensraum, bas ist seine Vielfarbigkeit unb bie Fülle feiner Formen. Er hat aanz gewiß bie notroenbigen, die surrenden Werkstätten unb bie tönenben Schmieden. Aber wäre es nicht unsäglich traurig, wenn er nicht ba» neben bie festlichen Säle, bie Gelasse ruhiger Heiterkeit hätte?


