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Dienstag, 10. August W3Z

187. Jahrgang

Nr. 184 Erstes Blatt

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Zusammenarbeit im Dienste der Volksgesundheit.

Der Stellvertreter des Führers

bei der Eröffnung des XII. Internationalen Homöopathischen Kongresses in Berlin.

pflegliche Solzwirischafl.

Das Holz ist eines der wichtigsten Rohstoffe, nicht nur für die Durchführung des Vierjahresplanes, sondern für die deutsche Wirtschaft überhaupt. Der deutsche Wald kann deshalb auch als eine der stärksten Säulen des Dolksreichtums angesprochen werden, so daß sich die pflegliche Behandlung des deutschen Waldes ebenso von selbst versteht, wie die überlegte und sachgemäße Ausnutzung. Gerade so wie die Forstwirtschaft als solche für die sachgemäße Aufforstung und Aufzucht sorgt, wie sie die UVn= triebszeit wahrt, so muß sie in Zukunft mehr denn je darauf achten, daß der Wald und seine Bestände nach überlegter Planung zur Verwendung kommen. Gegen die Grundsätze der Forstwirtschaft ist früher ost schwer gesündigt worden, wobei sich allerdings Zur Entlastung sagen läßt, daß das Holz an sich in seiner wirtschaftlichen Bedeutung als Rohstoff mach nicht allgemein erkannt war, im übrigen aber das Angebot sowohl vom Jnlande als auch vom Auslande fast unbegrenzt schien. Run ist Deutsch­land immer ein waldreiches Land gewesen, aber der verlorene Krieg hat im Osten und Westen Ver­luste gebracht, die sich nur durch sorgfältige Forst- unb Waldwirtschaft wieder ausgleichen lasten. Ge- ' trabe daran hat es früher oft gefehlt, es geschah we­inig um bie starke Abholzung während des Krieges durch rechtzeitige Aufforstung wieder gut zu ma­chen. Insgesamt unterliegen heute rund 13 Mil­lionen Hektar der forstwirtschaftlichen Benutzung, wobei zum Vergleich angeführt sein mag, daß die benutzte Ackerfläche also ohne Wiesen und Weiden rund 20 Millionen Hektar beträgt. Von diesen 13 Millionen Hektar entfallen neun Millianen Hektar «auf Nadelholz, der Rest auf Laubholz. An der Ge- ßamtsläche ist Preußen mit 7,5 Millionen, Bayern mit 2,50 Millionen Hektar beteiligt; dann folgt im weiten Abstand Württemberg mit 604 000 Hektar. Hessen hat 230 164 Hektar.

Die gesamte Holzgewinnung betrug im Holzwirt­schaftsjahr 1935/36 rund 64 Millionen Festmeter, t)on denen 28,5 Millionen Festmeter als.Brenn- Iholz Verwendung fanden. Diese verhältnismäßig starke Verwendung von Brennholz ist weder volks­wirtschaftlich noch technisch gerechtfertigt, ist aber vielfach leider so eingerissen, daß schon ein ^starker Eingriff notwendig ist, um dieser volkswirtschaft- lichen Verschwendung zu steuern. Wir müssen über­legen, daß der wertvolle Rohstoff Holz in seiner Verwendung als Brennholz nahezu wirkungslos verpufft, denn um Wärme zu erzeugen, sind andere unb bessere Brennmittel vorhanden. Holz als Roh­stoff läßt vielfache Verwendung zu, ist für man- rfjes wichtige Erzeugnis unserer Wirtschaft sogar i)ie Voraussetzung. Es ist schon eine Gedanken­losigkeit, daß wir überhaupt Holz als Brennholz verfeuern, wobei es nicht viel ausmacht, daß das, was früher einmal Brauch war, gegen den sich nichts einwenden ließ, zur Gewohnheit geworden ist. Auch solche Gewohnheiten erben sich manchmal wie Gesetze und Rechte wie eine üble Krankheit !ort, so daß es eine nationalwirtschaftliche Tat ist, ie auszurotten. Das geschieht auch durch die Ver- vrdnung des Beauftragten des Vierjahresplanes, Liese Verordnung verbietet nicht nur die Vernich- ttung des wertvollen Rohstoffes Holz durch Ver­wendung als Brennholz, sie räumt auch mit den Holznutzungsrechten auf, die den Staats- storst wie auch Privatforst noch immer belasten. Das ist so zu verstehen: Aus den Staats- oder Privat- storsten müssen an die sogenannten Berechtigten ge­wisse Holzerträge ohne Entgelt abgegeben werden, weil diese Erträge als Entschädigung für abgelöste Rechte gelten. Diese abgelösten Rechte haben man- «cherlei Ursprung, tragen auch mancherlei Rechts­norm, stammen aber samt und sonders aus Zeiten mnb Verhältnissen, die uns heute sowohl sozial als auch rechtlich fremd sind, die Uebernahme des Rö­mischen Rechts. Immerhin haben sich die Derhält- visse vielfach so entwickelt, daß die Nutzungsrechte vus Staats- und Privatforsten auch Volksgenossen Austehen, die von ihrer Hände Arbeit leben. Die Verordnung sieht hier eine Entschädigung vor, die sfür die Berechtigten wertvoller ist als das Nut­zungsrecht, das nicht mehr zeitgemäß und deshalb vuch schädlich ist. Es sind immerhin noch 1,2 Mil- lionen Festmeter, die Jahr für Jahr durch diese Nutzungsrechte und Grunddienstbarkeiten in An- fspruch genommen werden, eine Menge, die bet dem »Gesamtverbrauch von 65 Millionen Festmeter zwar wicht entscheidend ins Gewicht fällt, die aber, weil wir alles Holz für die deutsche Wirtschaft gebrau­chen müssen, trotzdem nicht entbehrt werden kann. Außer der eigenen Gewinnung von 64 Millionen 'Festmeter haben wir 1936 auch noch 10 Millionen Festmeter aus dem Auslande eingeführt, eine Menge also, die sich verhältnismäßig leicht emspa- rren läßt, wenn kein brauchbares Stück Holz mehr «als Brennholz verschwendet wird. Die Rechnung «geht ja klar auf: wir verpulvern 28,5 Millionen Festmeter als Brennholz, aber wir führen 10,2 Millionen Festmeter Bau- und Nutzholz ein, die irniferen Außenhandel mit rund 100 Millionen Reichsmark belasten. 1934 haben wir für die Em- sfuhr von Nutz- und Bauholz sogar 134 Millionen 'Reichsmark ausgeben müssen, die sich in der Haupt­ssache hätten einsparen lassen, wenn alles Holz, das «als Brennholz verfeuert wurde, soweit es als Nutz- Iholz brauchbar war, als solches hätte verbraucht iwerden können. Die neue Verordnung gibt die Si- «cherheit, daß der unbedingt notwendige Rohstoff Holz in ausgiebiger Menge zu jeder Zeit zur Ver- jfügung steht. / B- R-

Keine untauglichen Baupläne

Berlin, 9. Aug. (DNB.) Der Reichsarbeit^ 'iminister hat einen Runderlaß herausgegeben, durch Len der Baupolizei wichtige Aufgaben im Kampfe

Berlin, 9.Aug. (DNB.) In der Aula der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin begann in Anwesenheit des Stellvertreters des Füh­rers, Reichsminister Rudolf Heß, des Schirm­herrn des Kongresses, die 12.Tagung der inter­nationalen homöopathischen Liga. Diese alle fünf Jahre stattfindenden Kongresse sind für den Aufbau der homöopathischen Lehre und die wissenschaftliche Erforschung eines biologischen Heil­gedankens bestimmt. Gleichzeitig tagt zum 98. Male der deutsche Zentral-Verein homöopa­thischer A e r z t e. Der Eröffnungsfeier wohnten neben dem Reichsärzteführer zahlreiche Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden bei. Der Kongreßpräsident Dr. Rabe (Berlin) begrüßte die Anwesenden und machte Mitteilung von einem Telegrammwechsel mit dem Führer. Dann eröff­nete der Präsident der homöopathischen Liga, Dr. Gagliardi (Rom), die Tagung und stellte die Abordnungen der einzelnen Länder vor.

Der Stellvertreter des Führers

ergriff bann bas Wort: Das neue Deutschland be­trachtet es als eine staatspolitische Notwenbigkeit, daß alle Erscheinungen daraufhin geprüft werden, wie weit sie dem Volke Nutzen bringen. Dieser Grundsatz hat für Heilmethoden im besonderen eine Anwendung zu finden, denn die Heilmethoden haben direkten Einstuß auf die Grundlage des Le­bens des ganzen Volkes: durch Erhaltung oder Wie­derherstellung der Gesundheit des einzelnen. Es ist bekannt, daß nicht nur neue Heilmethoden, son­dern auch solche, die ihren Ursprung schon in wei­terer Vergangenheit haben, wie es z. B. die Homöo­pathie heute schon von sich sagen kann, Anfeindun­gen unterliegen und Ablehnung auch von einzelnen Aerzten erfahren, ohne daß diese die Heilmethoden einer ernsthaften Prüfung unterzogen hät­ten. Der Arzt aber ist der wesentliche Träger des Heilwesens; er ist deshalb vor allem dafür ver­antwortlich, daß pfleglich alles Heilwissen unb alle Heilkunst, bie der Gesundheit des Volkes dienlich ein können, herangezogen werden. Ich habe daher die Schirmherrschaft des 12. Internationalen Homöopathischen Kongresses in Berlin mit der Ab­sicht übernommen, das Interesse des nationalsozia­

listischen Staates a n a l l e n H e i l w e i s e n, die der Volksgesundheit dienen, zum Ausdruck zu bringen.

Zugleich möchte ich dabei die Aerzteschaft insge­samt auffordern, auch bisher abgelehnte oder gar angefeindete Heilmethoden unvoreingenom- men zu prüfen. Es ist notwendig, daß die un­voreingenommene Prüfung nicht nur in der Theorie, sondern vor allem auch an den prak­tischen Ergebnissen erfolgt, die zur Hei­lung andersgeartete Methoden anwenden als die allgemein üblichen. Oefter als einmal hat die Wis­senschaft, auf der Theorie allein fußend Urteile ge­fällt, die später durch die Praxis ad absurdum geführt wurden oft sogar erst nach langer Zeit, nachdem die Entwicklung zum Fortschritt um Jahr­zehnte beengt und hochverdienten, Wegebereltern schweres Unrecht zugefügt worden war. Einsichtige Aerzte haben offene Worte gefunden über eine Kri­sis in der Medizin, über eine Sackgasse in die sie geraten ist. Es ist naheliegend, daß der Ausweg in Richtungen geht, die der Natur sich nähern. Ist doch kaum eine andere Wissenschaft im Grunde so naturgebunden wie die Wissenschaft, die sich nut der Heilung von Lebewesen befaßt. Und immer stärker wird die Forderung erhoben, über den Teil das Ganze nicht aus dem Auge zu verlieren eine Forderung allgemeingültiger Art, deren Be­folgung bereits staatspolitisch Früchte getragen hat. Aus dem Gebiete der Medizin lautet diese Forde­rung: Zur Heilung eines kranken Organs mehr als bisher den Weg über die Einflußnahme auf den Gesamtorgonismus zu gehen. Die Homöopathie ist eine naturnahe Hielweise, die diesen Weg von jeher beschritten hat. Ich glaube getrost voraussagen zu können, daß die Zeit kommen wird, in der Ho­möopathie und Allopathie nicht als ein­ander ausschließend, sondern als sich ergän­zend angesehen werden ja die Medizin Nicht mehr denkbar ist, ohne daß sie sich beider Heil­methoden bedient. Ich möchte sogar der Meinung Ausdruck geben, daß die Heilkunst in nicht allzu ferner Zeit zu den "Erfahrungen und zu dem Wis­sen, das Allopathie und Homöopathie ihr vermit­teln weitere Erfahrungen sammeln und anwenden wird, die heute noch auf wissenschaftlich wenig er­forschtem Gebiet liegen.

Reichsärzteführer Dr. Wagner führte aus: Die

Zeiten sind vorüber, in denen neue Erkenntnisse ab- gelehnt wurden ohne sie zu prüfen. Im neuen Deutschland werde eine Heilkunde ausgebaut, die ihre Werte nicht nur aus der Schulmedizin, sondern auch aus der homöopathischen und Naturheilkunde übernehme. Diese Auffassungen würden im Aus­lande falsch dahin ausgefaßt, als ob man auf ge­wonnene Erkenntnisse verzichten wolle und jedes Dogma beiseite werfe. Das sei aber nicht richtig; alle wirklichen Erkenntnisse würden ausgebaut und auf Experimente gestützt. Reichsapothekerführer Dr. Sch mierer erklärte, die deutsche Apotheker- schäft sei durch die Einführung eines neuen homöo­pathischen Arzneibuches bestrebt, das deutsche Volk gleichmäßig mit Heilmitteln zu versorgen.

Präsident Rabe sagte: Die Homöopathie sei nicht nur auf das jeweils erkrankte Organ, sondern auf den Kranken selb st gerichtet- Aber auch das Spezialistentum habe seine Berechtigung. Allo­pathie und Homöopathie hätten viele Berührungs­punkte, die zu einem gemeinsamen Arbeits­programm führen könnten. Insofern, als die Homöopathie für eine rechtzeitige und vorbeu­gende Behandlung durch Eintreten für ein sitzfreies Leben sei, diene dies dem Volkswohl. Die größte Schwierigkeit in der Homöopathie liege in ihrer eigenen Sparte und Literatur begründet. Die Aerzte seien ständig im Flusse geblieben, und seien bereit mitzuarbeiten an der Aufgabe der Gesamt­medizin, neue Grundlagen für eine Gemeinschafts­arbeit in der Medizin zu schaffen

Der erste Abschnitt der wissenschaftlichen Referate im Haus der Deutschen Presse stand unter dem The- maDie Homöopathie als Leitmotiv ärztlichen Han­delns". Zu diesem Thema sprach Prof. Dr. Basta- nier, Dozent an der Universität Berlin, in einem VortragIst die Kalkbehandlung der Schulmedizin eine ungewollte Homöopathie". Weitere Vorträge hielten Dr. M a 11 o l i (Florenz) über dieGrund­prinzipien der Homöopathie", Dr. W a u v e r (Leip­zig) überZurück zu Hippokrates mit dem Wissen un­serer Zeit", Dr. Fortier - Bernoville (Pa­ris) überWert und Grenzen der Anwendung des Simili-Prinzips in der Biologie und Therapie" und Dr. L e o n a r d i (Rom) überDie Grundgedanken der Homöopathie".

gegen unzuverlässige und ungeeig­nete Planverfasser übertragen werden. Neben dem unmittelbaren erzieherischen Einfluß, den die Reichskammer der Bildenden K ü n st e auf Grund des ihr erteilten Auftrags auf die Planverfasser auszuüben berufen ist, ist es vor allem die prüfende und überwachende Tätigkeit der Baupolizeibehörden, die für eine verantwortungsbewußte bauliche Ge- taltung in Stadt und Land Sorge tragen muß. Im Hinblick auf das gemeinsame Ziel ist daher eine enge Zusammenarbeit beider Stellen unerläßlich. Die Baupolizeibehörden, die auch wei­terhin für die Erteilung der baupolizeilichen Ge­nehmigung ausschließlich zuständig und verant­wortlich bleiben, sind demgemäß angewiesen wor­den, die Reichskammer in der Durchführung ihrer besonderen erzieherischen Aufgaben weitgehend zu unterstützen. Ferner sollen die Baugenehmigungs­behörden nach rechtskräftigem Abschluß des bau­polizeilichen Prüfungsverfahrens die Landes- [eiter der Reichskammer verständi­gen, wenn gegen einen Planverfasser vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, daß er die für seinen Beruf erforderliche Eignung^ und Zuverlässigkeit nicht besitzt.

GwHeLuslnnnöM überLondon.

London, 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) lieber der englischen Hauptstadt und deren weiteren Um­gebung begannen am Montagabend die großen ge­meinsamen Uebungen der englischen £lWrei^ra'te>' der Abwehrformationen der Territorial-Arm^ und des Beobachterkorps. Die Uebungen, deren Haupt­zweck es ist, die Londoner Verteidigungsanlagen zu prüfen, dauerten bis in die Morgenstunden und werden in der Nacht zum Mittwoch fortgesetzt wer­den. Jngesamt beteiligten sich annähernd 400 Flugzeuge an den Schemkampsen. 176 Bom­ber hatten den Auftrag, die wichtigsten strategischen Punkte der Hauptstadt und der Umgebung zuzer­stören". Für die Verteidigung waren neben der ersten Luftabwehr-Division der T2r5t9or^^(,el! 19 Kampfgeschwader mit insgesamt 222 Maschinen eingesetzt Im Zentrum Londons selbst war von ben9 Uebungen wenig zu merken, da ^6^'- senden Flugzeuge in großer Hohe hielten. Die wichtigsten 'Angriffe richteten sich gegen die Dock- antoqcn in Tilburg, den Themse-Hasen und das Hauptguartier des Oberkommandos der Kampf ä-i-iiwader Der Verteidigung war ihre Ausgabe Zurch die günstigen Verhältnisse erleichtert da d,e angreisenden Maschinen an dem wolkenlosen Hrm- 7 häufig rechtzeitig durch Scheinwer­fer eingesangen und durch sofort gussteigenü- Iggdslugzeuge bekämpft werden konnten Jedoch wurden mehrere wichtig- Ol-i-kteerfolgreich bom­bardiert", Der Lustfahrtmimster Lord Swinton hatte sich nach dem Flugplatz oon Northolt begeben, wo er einen Teil der Luftmanooer persönlich ver- folgte.

Ernster Zwischenfall in Schanghai.

Zwei japanische Offiziere auf chinesischem Militärflugplatz erschaffen. Bemühungen zur friedlichen Bereinigung.

Schanghai, 9. Aug. (DNB.) Zu den chine­sischen Militärflugplatz Hungjao hatten zwei japanische Offiziere im Auto Zutritt verlangt. Als der chinesische Posten sie vor dem Betreten des Platzes gewarnt habe, hätten die Ja­paner, nach chinesischer Darstellung, seine Warnung mit Schüssen beantwortet, die jedoch ihr Ziel verfehlt hätten. Auf die Schüsse hin seien Mit­glieder des in der Nähe stationierten sogenannten Friedenserhaltungskorps zu Hilfe her­beigeeilt. Die Japaner hätten sie mit Schüssen empfangen, durch die ein Chinese tödlich ge­troffen und mehrere andere angeblich verwundet worden sein sollen. Daraufhin hätten die Soldten des Friedenserhaltungskorps das Feuer er­widert; bei dem Feuergefecht fei ein japani­scher Offizier erschossen worden, während der andere schwer verwundet wurde und später feinen Verletzungen erlag. In einem Communiqu4 über den Zwischenfall behaupten die Japaner, die Chinesen hätten die Verteidigungswerke rings um Schanghai mit Flatterminen ver­sehen. Auch seien mehrfach Passanten von chine­sischer Gendarmerie untersucht worden. Dies bedeute eine Verletzung d e s Schanghai-Abkom­mens und stelle eine japanfeindliche, ungesetzliche und provozierende Handlung der Chinesen dar.

Der Oberbürgermeister von Schanghai sprach sein tiefes Bedauern aus und gab der Hoffnung Aus­druck, daß auch die japanischen Behörden eine euhige Haltung beibehalten würden. Zur Feststellung der Einzelheiten des Zwischenfalles sagte er eine ein­gehende Untersuchung zu Die chinesischen und japa­nischen Behörden bemühen sich, den Zwischenfall mitdiplomatisch en Mitteln zu bereinigen. Zwischen der Stadtverwaltung von Groß-Schanghai und dem javanischen Kosulat schweben Verhand­lungen. Ein Untersuchungsausschuß hat seine Arbeit früh ausgenommen. Bei der chinesischen Zivilbe­völkerung hat der Zwischenfall erneut große U n - ruhe ausgelöst. Die am Wochenanfang abgeflaute Abwanderung aus Tschapei und Hong- k i u nahm wieder zu und griff auch auf weitere Gebiete über.

Tokio fordert gemeinsame Mersuchung.

Tokio, 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Zwi­schenfall auf dem Flugplatz Hungjao bet Schanghai hat in der japanischen Presse eine a u ß e r o r deut­liche Erregung ausgelöst. Politische Kreise sehen die Entwicklung der Lage in China außer­

ordentlich ernst an und glauben die Neigung der Marinebehörden, starke Maßnahm en an Ort und Stelle vorzubereiten, feststellen zu können. In einer Besprechung zwischen dem Marineminister und dem Admiralstab wurde beschlossen, die Einleitung von Maßnahmen von der Einstellung der chine­sischen Behörden zur Frage der grundsätz­lichen L ö s u ng des Zwischenfalls abhängig zu machen. Von chinesischer Seite wurde die Forde­rung auf gemeinsame Untersuchung unter Heranziehung der japanischen Marine und der Kon- sulatsbehörden angenommen. Der Adjutant des Marineminifters erklärte, die Folgen des neuen Zwischenfalls könnten möglicherweise unabseh­bar sein. In politischen Kreisen hofft man, daß der Zwischenfall ohne Einsatz der Marine­machtmittel bereinigt werden kann.

WnesWeTruypenkomentration

Tientsin, 10. Aug. (DNB. Funkspruch.) Das japanische Hauptquartier gab bekannt, daß neue starke chinesische Truppenbewegungen erfolgten. Da­nach haben sich im Raum KalganNankau-Paß an der Großen Mauer nordwestlich Peipings die chine­sische 84., 89. und 143. Division, durch die 4. Divi­sion der Zentral-Armee verstärkt, konzentriert. Wei­terhin sind im Anmarsch aus Südwesten in Rich­tung Kalgan die 21. und die 26. Division der Zen- ttal-Armee. Die Truppen der Zentral-Armee schie­ben sich langsam in Richtung nach Norden längs der Bahn PukauTientsin vor, von wo aus dort stehende Provinzialtruppen längs der Bahn in Rich­tung Tsingtau marschieren.

Diese durch die rege Fliegeraufklärung der Japa­ner festgestellten Truppenbewegungen sollen offen­bar die Derhandlungsbasis Nankings mit dem japanischen Botschafter stärken. Im ja­panischen Hauptquartier, wo man sich mit dem Er­reichten begnügen und einen Krieg vermeiden möchte, glaubt'man, daß ein Krieg trotzdem nicht vermieden werden kann. Die Heeresleitung ist zu Truppenlandungen großen Stils zwi­schen Tsingtau und Schanghai entschlossen.

Die Ungeklärtheit der Lage wird unterstrichen durch die Entwaffnung der jahrelang von Ja­pan für zuverlässig gehaltenen 1800 Mann Pauan- tui, einer Sicherheitspolizei, die aus Chine­sen besteht und bisher in dem Raum Tschanghai- kwan-Tientsin in dem alten von Japan abhängigen Osthopei-Gebiet den Sicherheitsdienst versah, jetzt aber nicht mehr als zuverlässig gilt, nachdem meu­ternde Pauantui in Tungtschau Japaner und Koreaner ermordet haben. Die Entwaffnung