noch nicht, und zwar sind es am allerwenigsten die sogenannten „Pavillons" der französischen Aussteller, einschließlich des Staats. Von den ausländischen Bauten sind bis jetzt, Ende Juni, nur wenige noch uneröffnet. Von den wichtigeren Staaten fehlt keiner. Die große Verspätung geht aber nur zum Teil auf die Konflikte mit den zwanzigtausend Arbeitern zurück, die für den Aufbau des Ganzen am Werk waren und es vielfach noch sind. Man sagt den Arbeitern nach, daß sie nicht nur besonders hohe Löhne erzwingen wollten, sondern auch das Werk absichtlich langsam voran gebracht haben, um möglichst lange den erhöhten Lohn zu genießen. Es wäre aber für die Regierung in der Tat schwer gewesen, einen schnelleren Fortschritt zu forcieren, da es im Zeichen des Volksfrontsystems dann wohl au Unruhen gekommen wäre. Mehr Schuld als die Arbeiter haben die vielen verspäteten Anmeldungen aus dem Ausland, die unausgesetzt wachsende Raumbeanspruchung und die damit verbundenen Umlegungen und Erweiterungen gegenüber dem ursprünglichen Plan. Mancher Fremde sieht diese Dinge auch mit anderen Augen an, als der Franzose, der an eine gewisse behagliche Bummelei gewöhnt ist und ganz genau weiß, daß zum Schluß doch alles höchst effektvoll dastehen wird.
Es wird gut sein, wenn wir zunächst Programm und Wirklichkeit vergleichen. Im Programm heißt es: „Die Ausstellung steht im Zeichen einer gewaltigen Bekundung der Eintracht und des Friedens. Die Wunder der Wissenschaft und die kühnsten Erfindungen der Technik werden vor Augen geführt. Zum ersten Male in der Geschichte der Ausstellungen vereini- nigen sich 42 Nationen zu einer solchen Verherr- lichung des Schaffens und des Denkens und geben in eigenen Ausstellungsräumen ein Bild der von ihnen erreichten Leistung. Die Weltausstellung von 1937 gibt einen Ueberblick über die gesamte Zivilisation der gegenwärtigen Welt. Jeder Fortschritt auf dem Gebiet des Geisteslebens und der Wissenschaft ist vertreten. Auf dem Gebiet der Kunst und der Technik wird besonders die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler und Handwerker, Ingenieur und Arbeiter zu Ehren gebracht ... Allen Neigungen und Richtungen des Geschmacks und aller Wißbegier wird Genüge getan: in höchster Steigerung des Farbenreichtums wird lebendig, was die Welt in ihren Völkern und Ländern an Interessantem bietet; Feste und Lustbarkeiten lösen sich ab. So bringt diese Ausstellung nach vielen Jahren der Leiden und Sorgen etwas, was die junge Generation nicht mehr kennt und die Völker eit langem entbehren: die große Freude des Meuchen, die Freude der Brüderlichkeit."
Man muß diese Sätze so lesen, wie man jede Probe der bekannten und glänzenden französischen Rhetorik zu lesen hat. Die Dinge sind dramatisiert, «ober die Fundamente für die Dramatisierung fftehen da, und sie sind durchaus nicht unsolide. Für den deutschen Besucher liegt natürlich die kFrage nahe, ob denn z. B. die Olympischen Spiele won 1936 in Berlin nicht gerade der jungen Gene- iration die „Freude der Brüderlichkeit" auch schon -gebracht haben? An so etwas zu denken, wäre »aber nicht französisch. Gleichviel: der Gedanke war Hn der Tat großartig, und die Ausführung, man nnag sagen, was man will, ist imposant. Wenn lman den Begriff der Zivilisation auf die beiden »Gebiete der Kunst und Technik einschränkt, so ist ges nicht einmal zu viel gesagt, wenn von einem Kleberblick Über die Welt-Zivilisation geredet wird.
Man kann die Ausstellungsbauten der einzelnen Nationen nach gewisfen Typen einteilen. Gleich beim Eintritt, wenn man zwischen den beiden mächtigen Flügeln des höchst eindruckvoll umgebauten Trocadero-Palais die Musen hinabsteigt und den mmer noch imposanten Eiffelturm vor sich hat, flehen zur Rechten und zur Linken zwei solche Ty- □en vollkommen gegensätzlicher Art: der deutsche und der russische Bau. Sie sind beide langgestreckt und verhältnismäßig schmal, was an der Eigentümlichkeit des hier in der besten Lage innerhalb der Ausstellung zur Verfügung gestellten Platzes liegt, und sie haben beide einen hohen Lurmaufbau in der Front. Aber welch ein Gegen- atz zwischen beiden! Der deutsche Turm strebt monumental und gradlinig 54 Meter in die Höhe, in strenger Gliederung durch den Wechsel von steinernen Pfeilern und stählernen Zwischenwänden, und jt gekrönt durch den Adler mit dem Hakenkreuz. Fast alle Besucher sind sich darüber einig, daß er nicht nur das am meisten in die Augenfallende, sondern auch das vornehmste Architekturwerk der zanzen Ausstellung ist. An baulicher Bedeutung möchte ich ihm die außerhalb des eigentlichen Aus- ßellungsgebiet gelegene, sehr vornehm und unfran- lösisch traditionslos gehaltenen Museen der schönen Künste an die Seite stellen. Auch der Anhalt der an den Turm anschließenden, 140 Meter langen und über 20 Meter breiten und hohen deutschen Halle ist mustergültig ausgewählt und aufge- taut. Er hält sich streng an das Programm „Kunst ii nb Technik" und verkörpert in besonders begrüßenswerter Art das Zusammenarbeiten von Künstler und Handwerker. Jeder Schein einer aufdring
lichen Propaganda ist vermieden, aber jedes einzelne Stück repräsentiert die Vereinigung von Stoff und Form in modernem Geschmack und in vollendeter Qualität. Das gilt hinab bis zu den einfachen und billigen Gegenständen des Haushalts, wie Eß- geschirr und Gläser. Die Besucherzahl ist außer- ordentlich groß, und man sieht es den Leuten an, wie sie dies Stück deutscher Arbeitsleistung bewundern. Ein originelles Wort eines französischen Besuchers sei angeführt: Im deutschen Pavillon steht nichts, wovon wir fürchteten, daß es da sein würde, und gerade das ist da, wovon wir fürchteten, es würde nicht zu sehen sein! Auf dem flachen Dach befindet sich ein sehr feines und sehr kostspieliges Restaurant. Es wird Stil in Paris, hier gespeist zu haben.
Vom R u s s e n b a u will ich, was das Innere angeht, an einer anderen Stelle sprechen. Sein Aeußeres ist vor allem darauf berechnet, wie die offizielle russische Erklärung es ausdrückt, „die dynamische Entwicklung des Sowjetlandes und seine kraftvolle Jugend" daraustellen. Zu dem Zweck sind auf einen 33 Meter hohen Turm als Unterbau zwei 24 Meter hoch aufragende Kolossalfiguren gestellt, die einen jungen Arbeiter und eine junge Bäuerin, jener den Hammer, diese die Sichel schwingend, dar- stellen — beide in stürmischem Voranschreiten, mit fliegenden Kleidern und wehendem Haar. Der Eindruck ist stark, trotz der störenden Uebertreibung und der nicht glücklich gewählten Proportion zwischen Unterbau und Figuren. Der Turm müßte höher und namentlich in der Vorderansicht mächtiger sein. Die beiden Gestalten sind übrigens das Werk einer Frau. Was die Künstlerin bei ihrem starken Temperament und bedeutendem Können sich gedacht hat, ist klar: die voran stürmende Weltrevolution! In einer Ausstellung, die einen Ueberblick über die Weltzivilisation geben soll, ist das freilich eine Disharmonie — aber es braucht ja nicht jeder auf den Gedanken zu kommen, und Rußland ist der große Verbündete!
Neben Deutschland und Rußland gehört eine der bedeutendsten Ausstellungen den Italienern. Sie ist nicht so brutal propagandistisch wie die sowjetrussische, aber doch recht stark politisch durchtränkt. Besonders kräftig ist die Tendenz, das neue I m - perium in Afrika dem Besucher vor Augen zu führen. Italien wird flankiert von Belgien und der Schweiz. Die belgischen Leistungen sind bedeutend. Das große Publikum interessiert sich, wie begreiflich, am meisten für die funkelnden Erzeugnisse der Antwerpener Diamantschleifereien, die scharf bewacht und nur zu bestimmten Stunden in ihre Vitrinen gebracht werden. Es ist unmöglich, alle einzelnen Pavillons zu schildern oder auch nur zu erwähnen. Oe st erreich glänzt durch sein Kunstgewerbe und eine großartige Photomontage: die Großglockner-Straße, die die ganze Front des Gebäudes einnimmt und lebendiger als jede Schilderung das Verlangen erweckt, dies mächtige Stück Natur in Wirklichkeit zu genießen. Ungarn ist patriotisch und farbenfreudig: N o r w e g e n hat den seltsamen Einfall gehabt, zwischen zwei senkrechten Kolossalwänden die Imitation eines Wasserfalls flüssig und schleierförmig f)erabrie|ein zu lassen, worüber schlechte Witze mit Bezug auf gewisse sanitäre Anlagen gemacht werden. Polen zeichnet sich durch gute Bilder aus, wie man sagt, die besten, die es auf der Ausstellung gibt. Sogar der Vatikan-Staat ist mit einem Rundbau vertreten, der nach seiner Vollendung im Innern kirchliche Kunst enthalten soll. Je ein Mosaikbild in der Halle ist von Deutschland und von Oesterreich gestiftet. Aegypten bietet als Paradestück elegant frisierte Archäologie; außerdem ist gerade der junge König von Aegypten in Person da — wie es heißt, mit dem schönsten Automobil von Paris. Frankreich hat in den letzten Junitagen die Bauten, die seine Kolonien repräsentieren sollen (auf der langen schmalen Schwaneninsel in der Seine) gerade so weit fertiggestellt, daß sie offiziell eröffnet werden konnten; dann wurde es gleich wieder geschlossen, um die fehlenden Objekte hineinzustellen. Geöffnet für das Publikum waren nur die Pavillons der beiden westindischen Inseln Guadeloupe und Martinique. Ein hübscher junger Mulatte war der Führer für Martinique. Ich fragte ihn, ob auch ein Bild seiner berühmten Landsmännin da sei, der Kaiserin Jo- fefine. Das Bild ist da, sagte der junge Mann, „aber Josefine war eine Kreolin", d. h. eine Weiße. Damit war die Verwandtschaft höchst sebstbewußt abgelehnt. Auch ein Zeichen für den Geist französischer Kolonialpolitik!
Die pompöseste, im wahrsten Sinne des Worts fulminante Erinnerung an die Ausstellung knüpft sich für mich an das großartige Feuerwerk, die Beleuchtung der Bauten, des Eiffelturms und der Seine durch eine geradezu wundervolle, raffinierte Technik weißer und farbiger Lichtwirkungen, verbunden mit Wasserkünsten, leuchtenden Staubschleiern und Scheinwerferwirkungen. Das Dach des Deutschen Hauses war die beste Tribüne, die man sich für diesen Genuß denken konnte, der seinen Abschluß noch durch die liebenswürdige Gesellschaft unseres Generalkommissars Ministerialdirektor R u p - p e I und seines Mitarbeiters Dr. M a i w a l d mit ihren Damen erhielt.
Durch den Streik der Angestellten im Kaffeehausgewerbe, der am Mittwoch in Paris zur Schließung sämtlicher Kaffeehäuser führte, bieten die großen Straßen und Boulevards einen eigenartigen Anblick. Die Tische und Stühle sind zusammengeruckt, und Polizei muß die leeren Lokale schützen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
3m H3-Sommmelilager am Aordseeffrand.
A
■
?
WH
/
MMWckWMM
In den Dünen von Norderney, in der Nähe des Leuchtturms, ist das HI.-Sachsenlager (Gau Sachsen) aufgeschlagen, das mit seinen etwa 500 Zelten und 20 Feldküchen eines der größten HJ.-Sornrnerzeltlager ist. Für viele, die noch nicht an der See waren, bedeutet es ein großes Erlebnis, für alle Jungen aber eine Zeit der Erholung und Ferienfreude. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Grenzland im
iederansban.
Um die Erhaltung des Deutschtums. — Auf altem germanischen Kulturboden. Schlesien meistert die Zukunst.
Von unfeiem M.-Sonderberichterstatier.
IV*.
Breslau, im Juni.
Unsere Grenzlandfahrt führte in die Kreise Beuten und Ratibor. Das sind, darüber geben wir uns keinem Zweifel hin, nur Teile Oberschlesiens als Grenzland und geringe Splitter im Grenzgebiet des Ostens. Aber hier treten die durch d i e Grenzziehung entstandenen Probleme so augenfällig in Erscheinung, wie in keinem anderen Gebiet. Versailles sollte neue Ordnung schaffen, die als Grundlage das Selbstbestim- mungsrecht der Völker hatte. In Wirklichkeit wurde dieses Recht gröblichst mißachtet. Die Festsetzung der Grenzen geschah nach politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten und immer geleitet von dem Willen, den neuen Staaten Vorteile zu verschaffen und Deutschland in jeder Richtung zu schwächen. Für diesen Willen legen die Kreise Beuthen und Ratibor anklagend Zeugnis ab; und für etwas anderes: daß der Lebenswille des deutschen Volkes nicht abgewürgt werden kann, daß fein Lebensdrang alle Schwierigkeiten überwindet, sofern ihm nur rechte Führer entstehen.
Wo könnte man bessere Beispiele dafür finden als in Oberschlesien. Als in jener unseligen Abstimmungszeit die Heimat bedroht war, folgte der Oberschlesier den beherzten Führern und verteidigte seine Heimat mit der Waffe. Seit vier Jahren steht er geschlossen hinter Adolf Hitler, um seine Heimat und damit Deutschland durch friedliche und wert- schaffende Arbeit zu stärken und zu sichern Kündet der A n n a b e r g, der in der Morgensonne wie ein Granitblock vor der Oder zwischen Cosel und Oppeln liegt, von den Blutopfern für Oberschlesien, so sprechen die rauchenden Schlote der Gruben und Werke im Kreise Beuthen und die gewaltigen Arbeiten im Kreise Ratibor von der Arbeit und dem zielbewußten Willen. Man unterschätze die schweren Aufgaben in Oberschlesien nicht; denn hier hat der deutsche Mensch nicht nur die Pflichten, die allen Deutschen im Dritten Reich gestellt sind, er steht auch im stillen Kampf um bie Erhaltung des Deutscsttums. Man muß das Geschick und die Methode des Gegners und feine Taktik kennen, um zu wissen, daß dieser Kampf den ganzen Menschen und seine restlose Hingabe an das Vaterland verlangt.
Die Grenzlandfahrt galt der Gegenwart und nicht der Vergangenheit. Und doch sah das aufnahme- bereite Auge und die suchenden Sinne eine reiche deutsche Vergangenheit. Das Land kündet uns mit feinen schönen alten Städten und sauberen Dörfern, mit den Stätten der Arbeit und dem Rhythmus seines regsamen Lebens: Hier ist ein Land alter deutscher Kultur, lebenerfüllt mit deutscher Gegenwart. Kaum ein Gau ist so reich an vorgeschichtlichen Funden wie Schlesien. Sie
* Vgl. die Artikel in Nr. 140, 146 und 152.
sagen uns, sinnfällig aufgestellt in der vorgeschichtlichen Abteilung des städtischen Museums in Ratibor, anderen Heimatmuseen und dem großen Museum der Landeshauptstadt Breslau, daß wir auf uraltem germanischen Kulturboden stehen, der einst ein tausendjähriges Germanenreich trug. Und die Dörfer und Städte sind in ihrer planvollen Anlage die heute noch lebendigen Zeugen der großen deutschen Wiederbesiedlung im Mittelalter. In Oberschlesien, wie überhaupt in Schlesien, verbindet sich selten harmonisch die unberührte Natur mit den großen Werken einer alten deutschen Baukunst und den Stätten deutscher Arbeit. Diese Zeugen hat der Oberschlesier immer vor Augen und sie unterstützen ihn in der Abwehr fremder theoretischer Klitterungen und gefühlsbetonter Argumente. Aber hier wissen die Menschen auch, daß jenseits der heutigen Grenzen Land und Dörfer, Städte und
Sttinliägcr.
Urquell
Stätten von der gleichen Vergangenheit künden. Grenzen können das Antlitz des Landes nicht wandeln, selbst dann nicht, wenn sie wie bei Oderberg und im Hultschiner Ländchen mit deutlich sichtbaren Befestigungen gespickt und die Grenzwege mit Betonklötzen blockiert sind. Als letzten Gruß sehen wir den Grenzlandturm von Ratibor, jenen überwältigenden Hochbau, der in den letzten Jahren als Künder des Geltungswillens der Deutschen im Ratiborer Kreis erstanden ist. In Cosel verlassen Schleppzüge den großen Hafen und ziehen, beloben mit Erzen und Kohlen, zu Tal; hier beginnt die Aufgabe der Oder. In den Morgenstunden überrascht das rege Leben in dem reizvollen Oppeln mit seinem alten Piastenschloß. Das verträumte und doch so lebendige B r i e g liegt an der Straße. Wälder wechseln mit weiten Feldern; die Fürsorge Friedrichs des Großen hat auch diesem Teil Schlesiens sein Antlitz geprägt. Wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt Schlesiens ist heute noch Breslau, und vielleicht wird es in nicht allzu ferner Zeit seine Bedeutung als Mittelpunkt des gesamten deutschen Ostraumes, ja eines großen Teiles des südöstlichen Europa wiedererringen.
Die neue Ordnung in Europa und vor allem die Grenzziehungen im Osten haben den Einfluß dieser in allen Zügen deutschen Stadt erheblich schmälern können, Breslau blieb in der Nachkriegszeit vom Schicksal Oberschlesiens nicht verschont, als verlorenes Land betrachtet zu werden. Ist es nicht Symptom, daß eine sture Systemzeit den schönsten gotischen Profanbau des deutschen Ostens, das Bres-
Eröffnung der Reichesegelflugschule.
Vor den Toren Hamburgs wurde am Donnerstag in der Hamburger Rhön, der Fischbecker Heide, eine neue und zugleich modernste Reichs-Segelflugschule durch den Korpsführer Generalmajor Christiansen feierlich eingeweiht, — (Scherl-Bilderdienst-M.)
jk
Ä


