Ausgabe 
10.2.1937
 
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Kleine politische Nachrichten.

Zur Durchführung desGesetzes über Groß- Hamburg und andere Gebietsbereinigungen" hat der Reichsminister des Inneren für die die Landes- zugehörigkeit wechselnden Gebietsteile lieber« lei tun g s k o m m i s sa r e ernannt, denen insbe­sondere oblieat, in unmittelbarer Fühlung mit den beteiligten Verwaltungen für eine reibungslose Durchführung des bereits am 1. April 1937 in Kraft tretenden Gesetzes zu sorgen. Neue Behörden werden nicht eingerichtet, vielmehr sind Ueber- leitungskommissare für die zu Hamburg tretenden Gebietsteile der Reichsstatthalter Kaufmann, für Wilhelmshaven der oldenburgische Ministerpräsident und für Birkenfeld der Regierungspräsident in Koblenz. Zum Ueberleitungskommissar für die zu Preußen tretenden Gebietsteile hat der Minister den Oberpräsidenten i. R. Staatsrat Dr. Melcher ernannt, der sich der Regierung in Schleswig be­dient.

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König Georg VI. hielt im St. James-Palast den ersten feierlichen Empfang seiner Regie­rungszeit ab. An dem Empfang nahmen u. a. teil die obersten Beamten des Hofes, die Minister der Krone, die Botschafter und Gesandten, die hohe Generalität und hervorragende Mitglieder der Par­lamente. Der deutsche Botschafter von Ribben­trop stellte, nachdem er dem britischen Monar­chen den deutschen Gruß des Dritten Reiches er­wiesen hatte, seine Mitarbeiter vor.

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Der französische Handelsminister Bastid und der Generalkommissar der Pariser Weltausstellung 1937 Labbö gaben zu Ehren des deutschen Bot­schafters in Paris Graf W e l c z e k ein Essen, an dem u. a. Botschafter de M a r g e r i e, der Prä­fekt des Seine-Departements Viley, Graf Jean de C a ft e l l a n e, der Direktor für Handelsver­träge im Ministerium Alphand und viele Persön­lichkeiten aus der Pariser Gesellschaft teilnahmen.

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Der rumänische Außenminister A n t o n e s c u ist in Belgrad eingetroffen. Er wird mit dem jugo­slawischen Ministerpräsidenten nach Athen reisen zur Konferenz der Außenminister der Balkan- Entente. Einen Besuch in Ankara hat er wegen Krankheit auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

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Der finnische Außenminister, H o l st i, wurde von dem Vorsitzenden des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion, Kalinin, empfangen. Ferner fand zwischen dem Vorsitzenden des Rates der Volkskom­missare der Sowjetunion, Molotow, und dem Minister eine Unterredung statt, bei der auch der stellvertretende Auhenkommissar, K r e st i n s k i, so­wie der Moskauer finnische Gesandte Kockinen und der Sowjetgesandte in Helsinki, Asmus, an­wesend waren. Später gab Molotow zu Ehren des finnischen Gastes ein Frühstück, an dem Kriegskom­missar Woroschilow teilnahm.

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Infolge provokatorischen Verhaltens der jüdischen Studenten und infolge ihrer Weigerung, in den Hörsälen gesonderte Plätze einzunehmen, kam es an der Wilnaer Universität wiederum zu Zusammenstößen. Die polnischen akademischen Organisationen in Wilna kündigten demonstratio einenj u de n f r e i e n Tag" an der Universität Wilna an.

Geba erstattet Bericht in Prag.

Prag, 10. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der tsche­choslowakische Gesandte in Bukarest, S e b a, dessen BuchSowjetrußland und die Kleine Entente" Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen über die Absichten der tschechoslowakischen Außen­politik gegeben hat, wird am Mittwoch im Prager Außenministerium über die Aussprache des Buka­rester Parlaments berichten. Während das demokra­tische Prager Tageblatt wissen will, daß Gesandter Seba nur einen längeren Urlaub antrete, erklärt dieBohemia":Wie in unterrichteten Kreisen ver­lautet, ist mit dem N ü ck t r i t t s g e s u ch S e b a s zu rechnen, obwohl sich der Gesandte im Prager Außenministerium nach wie vor großer Sym­pathien erfreut und man ihn nur sehr un­gern scheiden sehen wird."

Aus aller Welt.

Hunderttausende beteiligen sich an den KdF.-Wintersahrten.

B e r l i n , 9. Febr. (DNB.) Der deutsche Arbeiter hat sich erst langsam daran gewöhnt, daß er a u ch im Winter auf Urlaub fahren kann und daß der Winter ebensoviele Freuden für ihn hat, wenn gar nicht noch mehr als der Sommer. Im Laufe einer jahrelangen unermüdlichen Werbearbeit sind die Volksgenossen heute bereits so aufgeklärt, daß ihre Teilnahme an den KdF.-Winterreisen eine Zahl erreicht, die viele Hunderttausende beträgt. Schon in den ersten drei Wochen, feit KdF.-Winter- ziige fahren, konnten 111 0 0 0 Volksgenos­sen gezählt werden, die an längeren und kürzeren Reisen teilnahmen. Wenn auch die winterlichen Freuden zeitlich nicht allzu ausgedehnt waren, das plötzlich wieder einsetzende Tauwetter dürfte manchen 'Reiseplan über den Haufen geworfen ha­ben, so sind doch viele Tausende von Volksgenos­sen mit den KdF.-Zügen in die verschneite Gebirgs­welt hinausgeeilt. Abgearbeitet und müde kamen sie an, gesünder, kräftiger und leistungsfähiger eilten sic an ihre Arbeitsplätze zurück. Vielleicht kehrt aber in diesen Wochen der Winter noch einmal in die Bayerischen Alpen und andere deutschen Gebirge zurück, so daß dann auch noch die letzten Erholung­suchenden mit festen Bergstiefeln und den Skiern auf dem Rücken in Gottes schöne Natur hinausfah­ren können. Jedenfalls ist die Winter-Bilanz von KdF. recht erfreulich ausgefallen. Es zeigt sich, daß es ein guter Gedanke war, die Serienreifen auch auf die winterliche Jahreszeit auszudehnen. Der Winter ist durchaus nicht die Zeit der Erkältungen und Krankheiten. Dort, wo er mit Schnee und Frost in die Erscheinung tritt, und das sind natürlich stets die Ziele der KdF.-Reisen, stärkt er die Lebensgeister und stählt die körperlichen Kräfte.

hohe Strafen

für eine Bande jüdischer Devisenschieber.

Nach mehrwöchiger Verhandlung verkündete die IV. Große Strafkammer des Berliner Landgerichtes das Urteil gegen 13 Mitglieder einer internationa­len Devisenschieberbande, die Vermögens­werte von rund 2 5 0 0 0 0 R M. auf Schleich­wegen über die Grenze nach Holland ge­bracht hat. Sämtliche Angeklagte, bis auf den holländischen Kurier Pieter Feberwee, waren Ju­den. Acht Jahre Zuchthaus erhielten der in der Systemzeit in Berlin als Rechtsanwalt tätige Hans Abraham Kaufmann und der holländische Kurier

Fröhliche Rosenmontagszüge am Rhein.

Links sieht man eine humorvolle Zeitungswerbung aus dem Mainzer Festzug. In der Mitte Prinz Karneval auf seinem Prunkwagen un Kölner Rosenmontagszug. Rechts: Eine Figur aus dem Düsseldorfer Umzug, der in Anlehnung an die künftige große Reichsausstellung Schaffendes Volk" unter der ParoleLachendes Volk" stand. (Scherl-Bilderdienft-M.)

Hat Amerika wieder Hoffnung?

Von Or. Friedrich Sohn.

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Wohin führt der Weg Amerikas?

Feberwee. Dazu kamen noch 30 000 bzw. 40 000 RM. Geldstrafe. Ferner erhielt der Ausländer Sa­muel Goldmann vier Jahre Zuchthaus und 10 000 RM. Geldstrafe. Im Abwesenheitsverfahren wur­den verurteilt die flüchtigen Walter Stern zu fünf Jahren Zuchthaus und 50 000 RM. Geldstrafe, Wilhelm Kronheim zu 2V2 Jähren Zuchthaus und 30 000 RM. Bei den restlichen sechs Angeklagten wurde auf Gefängnisstrafen erkannt. Die Schieber- orgamfation stützte sich auf Kaufmann und seine ausländischen Gegenspieler. Jüdische Emi­granten, die ihr Geld ins Ausland bringen wollten, setzten sich mit Kaufmann in Verbindung, der im Westen Berlins ein Büro unterhielt. Er wickelte die ungesetzlichen Vermögensoerschiebungen unter verschiedenen Decknamen ab, veräußerte die Grundstücke, Hypotheken und sonstigen Werte sei­ner Glaubensgenossen und händigte nach Abzug seinerVermittlungsgebühr" von 10 v. H. den Gegenwert dem Kurier Feberwee aus. Dieser fuhr über Osnabrück nach Amsterdam und nahm das Geld in raffiniert angebrachten Verstecken in sei­nem Kraftwagen mit über die Grenze. Dieser Geld­schmuggel blieb den Zollfahndungsbeamten nicht lange verborgen, Ende Mai 1936 holten sie zum Schlage aus, nachdem sie die inländischen Ver­bindungen des Kuriers ermittelt hatten. Feberwee war gerade bei Kaufmann in Berlin gewesen. Als er sich verfolgt sah, sprang er in der Gegend des Kaiserhofs in eine Taxe und suchte dann mit Hilfe der U-Bahn zu entweichen. Er konnte bald von den Beamten festgenommen werden.

KreuzerEmden"

auf dem Wege nach Niederländisch-Jndien.

Nach siebentägigem Aufenthalt in Schanghai trat KreuzerEmden" die Weiterreise nach Niederlön- disch-Jndien an. Zum Abschied hatten sich im Hasen die deutsche Kolonie mit Generalkonsul Knebel und dem Landesleiter der NSDAP, sowie führenden Persönlichkeiten der Verwaltung und der Schang­haier Garnison eingefunden. An Bord fand ein Abschiedessen statt. Kapitän zur See Lohmann sprach seinen und der Besatzung herzlichen Dank für die außerordentlich freundliche Aufnahme aus, die ihnen in China zuteil wurde. Sie alle wüßten, daß der Besuch derEmden" dazu beigetragen habe, die freundschaftlichen deutsch-chinesischen Be­ziehungen zu vertiefen. Für die in China lebenden Deutschen fei der Besuch ein Gruß aus der Heimat gewesen. . , ,

Die Opfer des Kölner Verkehrsunglucks.

Das Auto, das in den Morgenstunden des Rosen­montags in Köln am Leystapel in den Rhein ge­stürzt ist, konnte jetzt geborgen werden. Die fünf männlichen Insassen, von denen vier gerettet wer­den konnten, stammen sämtlich aus dem Ort Selters im Unterwesterwald. Der Fahrer des Unglucks­wagens war erst 17V2 Jahre alt, während zwei seiner Freunde im Alter von 18 und die beiden anderen im Alter von 19 Jahren standen. Die drei Mädchen, die sämtlich den Tod fanden, wohnten in Köln-Höhenhaus. Zwei der Mädchen im Alter von 18 und 21 Jahren waren Schwestern: das dritte war 1920 geboren. Die Feststellungen zur Klä­rung des Unglücks sind noch nicht abgeschlossen, da der Fahrer des Wagens bisher noch nicht ver­nehmungsfähig war.

DrahiseilbahN'Brücke über der Saale eingeslürzl.

Bei Bernburg a. d. S. ist aus noch nicht ge­klärter Ursache die über die Saale führende Draht­seilbahnbrücke der Deutschen Solvay-Werke etn- g e ft ü r 31, die die Kalksteinbrüche mit den Fabrik­anlagen verbindet. Die vollbeladenen eisernen Draht­seilbahnkörbe stürzten herab. Zwei am Ufer vor Anker liegende große Kähne wurden von 'n Steinmassen überschüttet, so daß der eine größten Teil unter Wasser gedruckt wurde. Mei sind nicht zu Schaden gekommen.

Elf Tote

bei einem Flugzeugunglück in San Franzisko.

Kurz vor der Landung stürzte em Flug^ug der United Air Lines ü b e r d e m H a f e n ab. Die Ma­schine sank sofort. Alle elf Insassen ertranken. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

23 Todesopfer eines Verkehrsunglücks auf den Philippinen.

Auf der Bergstraße in der Nähe der Stadt Ba- quio (etwa 220 Kilometer nördlich von Manila, Philippinen) stürzte ein Kraftomnibus, der mit Filipinos voll besetzt war, in eine 70 Meter tiefe Schlucht. 23 Insassen wurden getötet. Die Toten konnten bisher nicht geborgen werden, da Die Schlucht schwer zugänglich ist.

Schwerer Anfall beim Aufbau der Internationalen Ausstellung in Paris.

Auf dem Bauplatz desHaufesderfranzo- si scheu Eisenbahnen auf der Internatio­nalen Ausstellung wurden 30 Arbeiter, die sich auf einem vier Meter hohen Gerüst befanden, das plötzlich zusammenbrach, in die Tiefe gerissen. 22 wurden verletzt, davon 6 so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Zustand eines der Verletzten ist be­sorgniserregend.

Mit dem nachfolgenden Aufsatz führt unser Korrespondent die ArtikelreiheHat Amerika wieder Hoffnung?", in der er seine agrar- politischen Erfahrungen einer Amerikareise niedergelegt hat, zu Ende.

Unsere Reise durch den amerikanischen Kontinent hat den Eindruck verstärkt, daß sich im Neuen Erd­teil eine Wandlung vollzieht. Die Zeit des un­bekümmerten und rücksichtslosen Daraufloswirtschaf- tens geht ihrem Ende entgegen, lieber kürzender lang wird eine planvollere Wirtschaft an die Stelle der auf Ausbeutung der natürlichen Reichtümer bedachten Wirtschaft treten. Von dieser Wandlung, in der man sich bereits mittendrin befindet, wird vor allem auch die L a n d w i r t s ch a f t betroffen, von der die schnelle Entwicklung Amerikas ihren Ausgang nahm. Mit dieser Umstellung muß not­wendigerweise auch eine Aenderung der Menschen verbunden sein. Manche Eigenschaften der Pionier­zeit, wie die Unbekümmertheit und Hilfsbereitschaft, die uns am Amerikaner sympathisch erscheinen, mö­gen sich abschwächen und vielleicht sogar verloren­gehen. Auf der anderen Seite aber wird sich durch die zunehmenden Bindungen die Rücksichtslosigkeit der Wirtschafts- und Jnteressentenkämpfe vermin­dern, die bisher die Entwicklung vorwärtsgetrieben hat. Bei der zu erwartenden Wandlung wird sich jedoch die Unausgeglichenheit der Rasse als ein Unsicherheitsfaktor erweisen. Wir können heute noch nicht sagen, was das endgültige Ergeb­nis der Verschmelzung der verschiedenen Volks­bestandteile sein wird. Der Amerikaner des 20. Jahrhunderts muß notwendigerweise von dem des 19. verschieden sein, weil sich die Wurzeln, aus denen die Mehrzahl der Menschen entstammt, et­was verändert haben. Die Unausgeglichenheit und das mitunter auch heftige Temperament der Ame­rikaner machen es überhaupt schwer, eine einiger­maßen zuverlässige Vorhersage zu machen. Aber über die Entwicklungsrichtung dürfte kein Zweifel bestehen. Die Natur erzwingt gebieterisch, wie ge­rade am Beispiel der Landwirtschaft "besonders deutlich gezeigt werden kann, eine Wandlung.

Eine sehr schnelle Veränderung scheint mir jedoch, wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle ein­treten, nicht wahrscheinlich. Man darf nicht ver­gessen, daß Amerika nur unter großen organisato­rischen Schwierigkeiten und auch nicht ohne Gefahr sich von den Traditionen der Pionierzeit loslösen kann. Die eigene Ueberlieferung des amerikanischen Vo!"cs als eine selbständige Nation erstreckt sich über den kurzen Zeitraum von nicht mehr als 150 Jahren. In dieser Zeit aber wurde die zivilisierte Welt von einer Lebensauffassung beherrscht, die in dem individualistischen Streben den Motor allen Fortschritts erblickte. Was in Nord­amerika an Großem und Gewaltigem geschaffen wurde man vergegenwärtige sich nur für einen Augenblick den mit der Erschließung eines Konti­nents verbundenen Kraftaufwand, geschah in individualistischem Geiste. Die Tradition, die eine der wichtigsten Kraftquellen der Völker ist, fällt in der neuen Welt mit dem Individualismus zusammen. Die Anknüpfungspunkte an frühere Zeiten, die auf anderen Lebens- und Weltanschau­ungen aufbauten, sind aber verhältnismäßig gering. Der Kraftaufwand bei der Bewältigung der Gegen­wartsaufgaben war in der Zeit der Erschließung zu groß, als daß man sich allzu sehr mit der frühe­ren Vergangenheit befaßt hätte. Auch wäre durch ein solches Rückbesinnen, da die Menschen aus ver­schiedenartigen Wurzeln herauswuchfen, der Ver­schmelzungsprozeß, der nach amerikanischer Auf­fassung die Voraussetzung der neuen Volkwerdung ist, erschwert worden.

Wir finden daher in Nordamerika zwei Kräfte, die in entgegengesetzter Richtung wirken. Auf der einen Seite scheint die Entwicklung in ziemlich schnellem Tempo von den bisherigen Auffassungen und Wirtschaftsmethoden wegzuführen, während gleichzeitig die konservattoen Kräfte, die ganz im Individualismus wurzeln, einer solchen Entwick­lung entgegenwirken. Es märe falsch, diese eine notwendige Entwicklung hemmenden Kräfte in Bausch und Bogen zu verurteilen, denn eine plötz­liche und völlige Loslösung von der Traditton, die auch erhebliche Werte enthielt, könnte in der Tat für einen aus so verschiedenen Elementen zusam­mengesetzten Staat eine unerträgliche Belastungs­probe bedeuten.

Wie stark die Gegenkräfte gegen eine neuartige Entwicklung sind, hat Roosevelt in der Un­gültigkeitserklärung seiner wichtigsten Gesetze

darunter auch des Agrargesetzes durch das Oberste Bundesgericht erfahren müssen. Die Ver­fassung aus dem Jahre 1787 mußte herhalten, um eine Entwicklung aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen, die im Zuge der Zeit gelegen ist. Warum hat es Roosevelt bisher unterlassen, auf eine Verfassungsreform hinzuarbeiten, um diese Widerstände, die sich immer wieder bemerk­bar machen können, endgültig aus dem Wege zu räumen? In dem neuen Bodenerhaltungs­gesetz sucht er vielmehr auf Umwegen ein ähn­liches Ziel wie vorher zu erreichen. Ein solches Verhalten, das unter den gegebenen Umständen richtig fein mag, trägt natürlich nicht zur Klar­heit bei, es erschwert vor allem auch die praktische Arbeit.

Die große Scheu vor einer Verfassungsreform und der Schaffung klarer Verhältnisse ist aber sicher­lich begründet, denn die Frage ist nicht von der Hand zu weisen, daß man durch das Anpacken dieses Problems einen Kampf heraufbeschwören könnte, der eine zu ernste Belastungsprobe für die­ses an Gegensätzlichkeiten so reiche Land bedeuten würde. Die Verfassung, so überholt sie in manchem sein mag, wirkt w i e eine Klammer, die das Ganze zusammenhält. Mit ihr verbindet sich die Er­innerung an die größte Zeit der amerikanischen Geschichte, als sich unter Washingtons Führung das neue Staatswesen aus dem britischen Reich heraus­löste und ein eigenes Leben begann. Amerika hat verhältnismäßig wenig an Traditionen. Vielleicht gerade deswegen aber wirken die konservativen Kräfte dort stärker als in vielen alten Ländern. Man muß auf Umwegen vorwärtskomMen, während wir in ähnlicher Lage wahrscheinlich den offenen Kampf vorziehen würden.

Dem Amerikaner fällt es auch persönlich schwerer als uns, sich um höherer Ziele willen Beschrän­kungen aufzuerlegen. Seine Lebensanschauungen und sein Handeln gingen bisher nach einer anderen Richtung, die Größe und der Reichtum des Landes gestatteten es auch jedem einzelnen, ohne viel Rück­sicht auf die anderen feinen Zielen nachzujagen. Nur wenn es ihm schlecht geht, ist der Amerikaner ge­neigt, sich Beschränkungen gefallen zu lassen. Geht dieKonjunktur" wieder nach oben, so bemüht er sich, die lästigen Bindungen so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Diese Beobachtung kann man noch heute machen. Im Jahre 1933, als die Wirt­schaft völlig daniederlag und das Ende heranzu- nahen schien, war man' zu allem möglichen bereit. Mit der Besserung der Wirtschaftslage und der Aussicht auf eine weiterhin ansteigende Konjunktur hat sich aber diese Bereitwilligkeit erheblich ver­mindert.

Auch der glänzende Wahlsieg Roosevelts darf nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die Re- formwilligkeit Amerikas jetzt geringer ist als vor einigen Jahren. Die breite Masse des Volkes folgt zwar den Gedanken Roosevelts, der sicherlich refor­matorische Absichten hat, aber zu irgendwelchen Augenblicksverzichten, ohne die es nun einmal nicht geht, ist man nur beschränkt bereit. Gleichzeitig aber versuchen kapitalistische Kreise, deren Einfluß man nicht unterschätzen darf, die im Zuge der Zeit lie­gende Entwicklung aufzuhalten, weil dadurch ihre Macht in Gefahr gebracht werden könnte.

Amerika ist mitten in einer Wandlung, über deren Tempo man nicht viel Bestimmtes aussagen kann und die auch jederzeit Ueberraschungen man denke nur an die unterhöhlende Tätigkeit Moskaus bringen mag. Das sind die Gedanken, die mich bewegen, als unser Schiff in mitternächt­licher Stunde an den Wolkenkratzersilhouetten Man­hattans oorübergleitet und die Lichter der Stein- und Stahlpaläste der neuen Welt langsam am Ho­rizont verschwinden. Amerika ist ein mit Reich­tümern gesegnetes Land Das bedeutet nicht, daß es keine Probleme zu lösen hat. Im Gegenteil, die Umstellung von einer nur auf den Auaenblick be­dachten Nutzung zum Wirtschaften auf lange Sicht ist eine schwere und große Aufgabe. Aber es muß ein Weg gefunden werden, die Reichtümer auch für künftige Geschlechter zu erhalten. Von der Notwen­digkeit einer solchen Wandlung hätten sich die Pio­niere keine Vorstellung machen können, als sie daran gingen, mit jünglinghaster Unbekümmertheit und unbändiger Kraft einem ganzen Kontinent ein neues Antlitz zu geben.

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