an ihm gewesen fei, weiterlebe und immer von Nutzen für unser Volk sein werde.
Für den NSDStB. und die Gießener Studenten sprach Pg. Adam, der dem Entschlafenen als Hochschullehrer Worte der Ehrfurcht widmete. Er versprach im Namen seiner Kameraden, die Fahne weiterzutragen, die der Verewigte Zeit seines Lebens in unerschütterlichem Glauben gehalten habe.
Alle, die in ernsten Worten das Andenken des Toten gewürdigt hatten, legten am Sarge als äußeres Zeichen der Wertschätzung prächtige Kränze Dann wurde der Sarg zum Grabe gebracht. Ein stattliches Trauergefolge begleitete den Vorstorbenen auf dem letzten Weg.
Gießener Marine-HI. kehrt aus Miltenberg zurück.
Sonnenverbrannt und freudestrahlend kehrte am Samstag gegen 19 Uhr die Marine-HJ.-Gefolgfchaft 116 Gießen, die sich mit 60 Mann an einem Lager oei Miltenberg beteiligt hatte, nach Gießen zurück. Zu ihrem Empfang hatte sich neben den vielen Angehörigen und den Kameraden der Marine-Vereinigung eine Ehrenabordnung des hier verbliebenen Gefolgschaftsteils unter Gefolgschaftsführer R u p - v e l am Bahnhof eingefunden. Unter Vorantritt oes Spielmannszuges marschierten die Hitlerjungen zum Oswaldsgarten, wo Gefolgschaftsführer R u p - p e l im Aufttage des Bannführers- Rohrbach eine kurze Ansprache an sie richtete, in der er seiner Freude über den ausgezeichneten Verlauf des Lagers Ausdruck gab. Es 'macht der Führung der Marine-HI. besondere Freude, daß sie die Jungens ihren Eltern nicht nur frisch und gesund wiedergeben kann, sondern es ist auch ihr Stolz, daß sie alle ohne Ausnahme geschmückt mit dem Leistungsabzeichen vor sie treten Dürfen. Der Gefolgschaftsführer ermahnte die Jungens, jetzt mit doppelter Kraft und Hingabe an die neuen Aufgaben he ran - zugehen, wie z. B. an die Vorbereitungen für das Gebietssportfest und an die vielen anderen 93er- pflichtungen, die ihnen auferlegt sind, damit nach dem Willen des Führers alles das geschieht, was notwendig ist zur größeren Ehre Deutschlands.
Kameradschastsabend im Marine-Bootshaus.
Am Samstag veranstaltete die Marine-Kameradschaft Gießen in chrem Bootshaus an der Lahn einen Kameradschaftsabend, der außerordentlich stark besucht war. Nach den Begrüßungsworten des Kameradschaftsführers L i ch und einigen musikalischen Darbietungen der Hauskapelle wurde, als Hauptpuntt des Abends, ein bei der Einweihung des Skagerrak-Platzes hergestellter Filmstreifen gezeigt, der die interessantesten Ereignisse jenes Tages im Bild festhält und dadurch lokalgeschichtlichen Wert, aber auch zeitgeschichtliche Bedeutung erhielt. Kameradschaftsführer Lich teilte mit, daß der Filmstreifen von der Gauführung des NS.-Marine- Bundes, Gau Hessen, erworben wurde. Die Vorführung der vielen interessanten Bilder fand allgemein starken Beifall. Im Auftrage des in Urlaub auswärts weilenden Oberbürgermeisters überbrachte Herr S ch u st e r vom städtischen Verkehrsamt die Grüße des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung, deren großes Interesse an den Bestrebungen der Marine-Kameradschaft er betonte. Herr Schuster gab u. a. auch die Anregung, die Marine-Kameraden möchten, ebenso wie die ehemaligen 116er und die alten Artilleristen, künftighin auch ein alljährliches Treffen der alten Marine-Kameraden in Gießen veranstalten, das von der Stadt gern unterstützt werden würde. Der weitere Verlauf des Abends brachte noch mancherlei schöne kameradschaftlich-gesellige Unterhaltung.
Trinkt Patenwein!
„Jeff der deutschen Traube und des Deines 1937“ am 25. und 26. September.
Die Pressestelle der Stadtverwaltung teilt mit: Der Reichsnährstand wird auch in diesem Jahre das „Fest der deutschen Traube und des Weines" als Ehrentag des deutschen Winzers durchführen. Wie in den beiden vorigen Jahren, soll die Gemeinschaftswerbung auch diesmal unter Beteiligung weitester Dolkskreife einheitlich im ganzen Reich gestaltet werden. Obwohl die Weinernte 1936 keine
Rekordernte war, hat der Werberat der deutschen Wirtschaft das „Fest der deutschen Traube und des Weines 1937" als Erinnerungswerbung genehmigt. Hierdurch soll erreicht werden, daß die durch die früheren Weinwerbungen angeknüpsten guten Beziehungen zwischen Erzeuger, Verteiler und Verbraucher nicht abreißen und für spätere Rekordernten erhalten bleiben.
Das Ziel bleibt: Die mühselige und schwere Arbeit von Millionen Volksgenossen in den Weinbaugebieten durch Hebung des Absatzes von deutschen Eßtrauben, Wein, Schaumwein und Traubensüßmost gerecht zu entlohnen. Auch der durch seine Güte bekannte deutsche Qualitätswein, dieses edelste Erzeugnis des deutschen Badens, soll immer mehr dem Volke zugängig gemacht werden.
Darüber hinaus soll die Gemeinschaftswerbung allen Volkskreisen zum Bewußtsein bringen, daß alle mit der Weinerzeugung, Verarbeitung und Vertrieb eng verbundenen Gewerbebetriebe Hunderttausenden von Volksgenossen Arbeit, und Brot geben.
Wie in den beiden vorhergehenden Jahren hat die Stadt Gießen wieder als Patenorte G a u • Odernheim und Oppenheim zugewiesen bekommen. In den nächsten Tagen wird der Paten- stadt-Organisationsausschuß zusammentreten und die ersten notwendigen Beschlüsse fassen.
Fortzahlung der Dienstbezüge während der Wehrmachtsübung.
NSG. Verschiedene Betriebsführer weigern sich, ihren nichtständigen Arbeitern bei Einberufung zu Uebungen der Wehrmacht die Vergünstigungen, die für die Stammarbeiter gelten, zu gewähren. Diese Maßnahme ist auf die in verschiedenen Kreisen aufgekommene Unklarheit zurückzuführen, ob eine Unterscheidung zwischen Stammarbeitern und nichtständigen Arbeitern zu treffen sei, d. h., ob die nichtständigen Arbeiter auch einen Anspruch auf Fortzahlung der Dienstbezüge haben.
Die Verordnung über die Einberufung zu Hebungen der Wehrmacht vom 25. November 1936 macht in chrem §6, Absatz 3, keinen Unterschied zwischen Stammarbeitern und anderen Arbeitern. Auch eine sonstige Anordnung des Reichs- und Preußischen Innenminister, die einen solchen Unterschied macht, ist nicht ergangen. Demzufolge haben nicht nur Stammarbeiter, sondern auch andere Arbeiter bei öffentlichen Verwaltungen und Betrieben unter den in Abs. 2 des § 6 genannten Voraussetzungen Anspruch auf Fortzahlung der Dienstbezüge bis zu einer Dauer von vier Monaten, bei der Luftwaffe bis zur Dauer von sechs Monaten. Die Dienststellen der DAF. vertreten in allen Zweifelsfällen diese Auffassung.
Wertvolle Urkunden und Leistungsabzeichen für Gießener Stenographen.
Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft hatte'wieder einmal ihre Mitglieder zu einer Veranstaltung auf die „Karlsruhe" einge- laden, um bei dieser Gelegenheit die Sieger vom Gauleistungsschreiben in Mainz zu ehren. Wie immer, war auch diesmal eine große Anzahl Mitglieder, Freunde und Gönner der Kurzschrift erschienen, um bei Tanz und Unterhaltung einige frohe Stunden zu verleben.
Nachdem Ortsgruppenführer Graf die Besucher herzlich begrüßt hatte, gab er noch einmal einen kurzen Bericht über die Tagung in Mainz. Die Ortsgruppe Gießen hat einen außerordentlich guten Erfolg im Leistungsschreiben zu verzeichnen. Im Schnellschreiben konnten 11 Arbeiten mit der Note „Hervorragend", 19 Arbeiten mit „Sehr gut" und 9 Arbeiten mit „Gut"; im Richtigschreiben 6 Arbeiten mit „Hervorragend", 22 Arbeiten mit „Sehr gut" und 9 Arbeiten mit „Gut" ausgezeichnet werden. Trotz außerordentlich starker Konkurrenz konnten drei Mitglieder mit Ehrenpreisen bedacht wurden. Ortsgruppenfülrer Graf wies darauf hin, daß diese guten Erfolge auf die straffe Arbeit in dem gemeinsamen Unterrichtswerk der Deutschen Arbeitsfront und der Deutschen Stenographenschaft, in den Häusern der Kurzschrift, zurückzuführen seien. Er gab zur Kenntnis, daß anfangs September wieder neue Lehrgänge in Kurzschrift und Maschineschreiben beginnen. Die seitherigen Lehrgänge werden im August zu Ende geführt.
Weiter konnten vier Mitglieder durch eine Urkunde mit bronzenem Leistungsabzeichen der Deutschen Stenographenschaft für bestandene Handelskammerprüfung ausgezeichnet werden: Fritz R e h in der Abteilung 180 Silben, Georg Schaaf, Gertrud Herrmann und Wilhelm Krausch in der Abteilung 150 Silben. Ortsgruppenführer Graf beglückwünschte alle Preisträger zu ihren guten Erfolgen.
Unter der bewährten Leitung der Mitglieder Aug. Haas und Fritz Ziegler verlief die Veranstaltung in bester harmonischer Stimmung. Eine Lam
pion-Polonaise, wozu der schöne Garten der ,Faris« ruhe" zur Verfügung stand, wurde veranstaltet, die Kapelle Eindrod sorgte für gute Tanz- und Unterhaltungsmusik. Erst bei lagesgrauen sah man die letzten „Unentwegten" nach Hause marschieren.
* * Unfall bei derArbeii. Der 23 Jahre alte Dachdecker Otto Gilbert aus Darmstadt stürzte hier an feiner Arbeitsstätte so unglücklich, daß er mit erheblichen Verletzungen am Hinterkopf in die Klinik gebracht werden mußte.
Aus der engeren Heimat.
Aus zehn Meter Höhe abgestürzt.
± Garbenteich (Kreis Gießen), 8. Aug. Am gestrigen Samstag stürzte bei Arbeiten an der Drücke der Reichsautobahn, welche die Bahnstrecke und die Straße bei Dorf-Gill überführt, der Monteur Gustav Müller aus Duisburg aus zehn Meter Höbe ab. Der bedauernswerte Mann stürzte auf Schwellen und Schotter des Bahnkörpers und blieb bewußtlos liegen. Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen brachte den Verunglückten nach Gießen in die Klinik, wo er mit einem schweren Schädelbruch und anderen starken Kopfverletzungen in ernstem Zustand darniederliegt. Zwei Feldscheunen mit Erntevorräien niedergebrannt.
* Kaichen (Kreis Friedberg), 9. Aug. In der verflossenen Nacht gegen 1.30 Uhr wurde in den beiden Feldscheunen der hiesigen Bauern Richard Schuch und Philipp Merz Feuer bemerkt, das sich mit rasender Schnelligkeit auf die beiden mit Getreide und Heuvorräten gut zur Hälfte gefüllten Scheunen aus- breitete, da zwischen den beiden Gebäuden nur ein Zwischenraum von mehreren Metern bestand. Obwohl die Scheunen dicht am Orte standen und Wasser in der Nähe war, mußte die Feuerwehr auf das Löschen des großen Bandherdes verzichten, da bei dem gewaltigen Flammenmeer jeder Löschversuch von vornherein aussichtslos war. Die Feuerwehrmannschaften richteten ihre ganze Tätigkeit auf den Schutz einer dritten, etwa 30 Meter entfernt stehenden Feldscheune, die zum Glück gerettet werden konnte. In den beiden völlig niebergebrannten Scheunen fiel auch ein völlig neuer Wagen den Flammen mit zum Opfer, während es der tatkräftigen Arbeit der Feuerwehr recht- zeittg möglich war, die landwirtschaftlichen Maschinen aus den brennenden Gebäuden herauszuholen. Der Schaden ist groß. Die Brandursache ist bis zur Stunde noch unbekannt. Die behördlichen Ermittlungen sind im Gange.
Autozusammenstoß bei Büdingen.
Drei Verletzte.
Lpd. Büdingen, 8. Aug. Auf der Sttaße nach Gelnhausen in der Nähe von Vonhausen stießen in einer Kurve ein Lastzug und ein mit vier Personen besetztes Auto zusammen. Während der Lenker des Lastzuges und der Fahrer des Personenautos unverletzt davonkamen, erlitten die drei übrigen Insassen des Personenautos so schwere Verletzungen, daß sie in das hiesige Krankenhaus eingeliefert werden mußten.
Oer Mann mit dem billigen »Del*.
Wetzlar, 8. Aug. (Lpd.) Als angeblicher Vertreter einer Delfirma sprach der 34 Jahre alte Alwin Adolf von Altenessen bei zahlreichen Geschäftsleuten in Dörfern bei Gießen und Wetzlar vor mit der Mitteilung, er habe einen größeren Po-' ft e n guten Salatöls billig abzugeben. Die Geschäftsleute erwarben das Del, ohne es vorher geprüft zu haben. Nachher mußten sie feststellen, daß das „Del" in Wirklichkeit gar kein Del war, sondern beispielsweise in einer 2 5 - Liter- Kanne an der Oberfläche eine dünne Schicht Del schwamm, der Rest aus Wasser bestand. In einem anderen Falle hatte der Gauner die Kanne lediglich mit Wasser gefüllt. Auf diese Art legte der |
Gauner eine Anzahl Geschäftsleute herein, bis er in Aßlar auf frischer Tat ertappt und verhaftet wurde. Der Betrüger, der erst Enoe März aus dem Gefängnis entlassen worden war, stand jetzt vor dem Schöffengericht in Wetzlar, das ihn wegen Betrugs im Rückfall zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilte.
Herbst -pferdemartt in Friedberg.
* Friedberg, 9. Aug. Am 12. Oktober findet hier der weithin bekannte alljährliche Herbst- Pferdemarkt mit Prämiierung statt. Das Interesse für diese Veranstaltung ist bei den Pferdezüchtern, wie bisher stets, wieder groß.
Fohlenversteigerung in Hungen.
* Hungen, 9. Aug. Am morgigen Dienstag findet hier eine Fohlenversteigerung statt, bei der auf Veranlassung des Landesfachwartes Fohlen des hessischen Kaltblutes und Warmblutes zur Versteigerung kommen werden.
UnfatlamschrankeniosenWegeübergang
Zwei Verletzte.
Lpd. Frankfurt a. M., 7. Aug. Am Sams- tagmorgen um 8 Uhr wurde auf dem schrankenlosen Wegübergang an Kilometer 34 der Strecke Stock« heim—Lauterbach vor dem Bahnhof Selters eine Zugmaschine mit Anhänger von einem Personenzug überfahren. Der Fahrer Karl Wilhelmi wurde leicht und der Begleiter Heinrich Wilhelmi lchwer verletzt. Beide wurden in das Krankenhaus eingeliefert.
Landkreis Gießen.
0 Oppenrod, 8. Aug. Am Samstag ereignete sich ein M o t o r r a d u n f a l l, der zu schweren Folgen hätte führen können. Der Mechaniker Otto Schober von hier wollte den Willi Haas wegen Krankheit in die Klinik nach Gießen fahren. Nahe bei der Ganseburg geriet er mit feiner Maschine in der Kurve von der Straße ab. Beim Versuch, wieder auf die Straße zu kommen, überschlug er sich mit seiner Maschine mehrmals. Während der Fayrer mit dem Schrecken davonkam, erlitt der Soziusfahrer eine große Fleischwunde am Bein.
<£ Reiskirchen, 8. Aug. Hier ereignete sich ein Verkehrsunfall. Der Sohn des Schreiners Wilhelm Petri wurde von einem Auto angefahren und mit feinem Fahrrad gegen eine Hauswand geschleudert. Mit einpr starken Kopfverletzung mußte er sich in ärztliche Behandlung begeben. Das Auto ist unerkannt entkommen.
Ein Übler Verleumder.
Lpd. Frankfurt a. M., 8. Aug. Die höchstzu- lässige Strafe, die wegen Übler Nachrede verhängt werden kann, nämlich ein Jahr Gefängnis, sprach das Schöffengericht gegen den 25jährigen Willi Hohmann aus Gießen aus, der eine Reihe von Beamten in seinen Aeußerungen zu Dritten Personen homosexueller Beziehungen zu einem mit ihm früher befreundeten Manne verdächtigt hatte. Der Angeklagte machte auch den Vorwurf der Rechtsbeugung, indem er ausstreute, daß jener Freund auf Grund seiner Beziehungen zum Gericht einen Freispruch erzielt hätte. Gegen Den u. a. wegen Zuhälterei vorbestraften Angeklagten lagen Strafanträge seitens Des Oberbürgermeisters, Des Landgerichtspräsidenten, Des Oberstaatsanwaltes, Der Geheimen Staatspolizei und des Gerichtsarztes vor.
Susannes Tochter.
3Roman von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35.
19 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Auch heute wieder hat Sabine Stunde. Aber es ist eine unglückselige und verfahrene Sache von Anfang an. Denn kaum sind sie drüben auf der Uebungswiese angelangt, zeigt sich oben am Waldrand eine Zuschauerin, bei Deren Anblick Michailow Das Blut in den Kopf steigt. Sabine begreift das zwar nicht, um so weniger, als sie in dem Zaungast die blonde junge Dame aus der Villa Caselli wiedererkennt, die neulich auf Dem Hof ein Buch für Michailow abgegeben hat und mit Der er Doch gut bekannt, sogar verwanDt ist.
Sie schlägt Michailow vor, die Stunde doch zu verlegen.
„Fällt mir nickt ein!" sagt er grob. „Nein, nein, jetzt erst recht! Also los, Fräulein Sabine, ein bißchen Trab!"
Aber Sabine sitzt steif auf Peters braunem Rücken und macht keinerlei Anstalten, in Gang zu kommen: „Sie sind heute so nervös", sagt sie mit kläglicher Stimme, „warum wollen Sie sich und mich plagen? Es geht ja doch nicht, wenn Sie so nervös sind."
„Ich bin nicht nervös!"
„Doch! Sie schielen bei jedem Wort zu Der Dame hinauf und machen ein Gesicht, als ob..."
„Weil ich es ungehörig finde, sich dahin zu stellen und zuzusehen. Jemand, der erst lernt, hat doch nie gern Zuschauer."
Da muß Sabine doch lachen. „Mich stört es absolut nicht, wenn jemand zusieht!"
Michailow beißt sich auf Die Lippen. „Das können Sie selber gar nicht so beurteilen. Sie sind ganz anders bei Der Sache, wenn keine Zuschauer Da sind. Aber meinetwegen — lassen wir also Zuschauer Zuschauer fein, und tun wir, als wären wir allein. Und nun los!"
Aber Sabine hält immer noch neben ihm, Die Trense achtlos zwischen Den Händep: „Ich fänDe es zum Beispiel viel netter, wenn Sie mal eben zu Ihrer Verwandten hinüber liefen und guten Tag sagten und sie Dann mit mir bekannt machten. Wir haben uns nun doch schon so oft von weitem gesehen, und sie sieht mich auch immer so komisch an, als warte sie darauf, daß ich sie anrede..."
„So? Mag sein. Aber ich hab' jetzt einfach keine
Lust dazu. Jetzt haben wir Unterricht — da wird gearbeitet!"
Da Sabine immer noch still hält und zu Irina Kontschakowna hinüber schielt, fällt ihn Der Zorn an, so daß er die Reitpeitsche hebt und dem Pferd einen kräftigen Schlag versetzt. Die Wirkung ist verblüffend: Das sonst so zahme, etwas phlegma- ttsche Tier bäumt sich hoch und rast Dann, noch ehe Michailow nach Der Trense greifen kann, in wildem Galopp über die Wiese.
Sabine stößt einen Schrei aus und klammert sich, da sie bei dem Aufbäumen den Halt verloren hat und mit dem rechten Fuß aus Dem Steigbügel geglitten ist, krampfhaft an Der Mähne Des Tieres fest-
„Festhalten!" schreit Michailow, „festhaltenl" und jagt hinter Dem Pferd her.
Sabine hält sich, so aut sie kann. Aber als Das Tier am Ende Der Wiese vor Dem Zaun scheut und sich wieder aufbäumt, um Dann kehrtzumachen und wieder im Galopp daoonzustürmen, ist sie mit ihrer Kraft fast am Ende. Schon spürt sie, wie ihre ginger nachlassen, wie ihr Körper schwerer und schwerer wird und immer mehr seitlich rutscht — n a plötzlich eine merkbare Unsicherheit und Unfchlufsigkeit in das Tier, langsam vermindert es fein Tempo. Jemand ruft mit einer dunklen, locken- Den Stimme, dann greifen kräftige Hände ins Zaumzeug, Das Pferd steht, und Sabine fühlt sich mjt moMtuenber Sanftheit in jemandes Arme gleiten. Michailow? Nein, Renz!
Er ist todblaß und preßt eine Sekunde lang Sabine fast heftig an sich. Dann läßt er sie langsam los und steht ihr ängstlich ins Gesicht: „Weh getan?"
Sabine schüttelt Den Kopf. Sie zittert ebenso wie das Tier, das Renz immer noch hält, und es ist ihr mdjt möglich, auch nur ein einziges Wort heraus« zubringen.
Inzwischen ist Michailow herbeigekommen. Auch er ist sehr blaß, ein nervöses Lächeln spielt um die Sippen. Er nimmt Sabines Hand und hält sie zwischen seinen beiden: „Wie hab' ich mich er- schrockenl Haben Sie sich weh getan, Fräulein Sabine? Ich bin unglücklich, daß so etwas vor meinen Augen passieren mußte."
Ohne Renz auch nur einen Blick zu schenken oder gar für sein Einspringen zu danken, legt er den Arm in einer demütig schützenden Gebärde um Sabines Schulter, um sie wegzuführen.
Da sagt Renz grob: „Wenn Sie Ihre Peitsche nicht gebraucht hätten, wäre Dies Pferd nicht Durchgegangen! Ich wundere mich, daß Ihnen noch nicht ausgefallen ist, wie empfindlich gerade Der Peter auf Die Peitsche reagiert/7
„Was fällt Ihnen ein? Ohne Peitsche wird man bei Peter überhaupt nicht fertig! Ich glaube, Das kann ich besser beurteilen als Sie."
Renz legt seine Hand auf Den glänzenden Hals Des Tieres: „Das hat Der Erfolg gezeigt, Herr Michailow."
Michailow bleibt einen Augenblick stumm, so stark ist Die Wut in ihm. Er bewegt nur Den Mund, als ob er sprechen wolle, aber er bringt keine Silbe hervor. Renz betrachtet ihn mit kaftem Interesse und mit offenem Hohn in den Augen.
Aber plötzlich bricht Michailow Dann doch los: „Ich habe Sie nicht nach Ihrer Meinung gefragt, Renz, und ich verbitte mir Einmischung m Dinge, Die Sie nichts angehen. Was haben Sie überhaupt hier auf Der Wiese zu suchen? Machen Sie gefälligst, Daß Sie an Ihre Arbeit kommen, und unterlassen Sie Das alberne Lächeln! Ich rede hier Dienstlich mit Ihnen, jawohl — dienstlich. Sie wissen wohl nicht, daß Sie Ihre Anstellung hier mir zu verdanken haben, wie?"
Da legt Sabine ihm die Hand auf Den Arm und sagt leise: ,Lch glaube, Das verDankt Herr Renz mir — wenn Da von Verdanken überhaupt Die Rede sein kann."
Eine tiefe und betroffene Stille entsteht. Durch Renz' Körper geht ein Zittern, als friere er plötz- lich. Er wendet sich ab, lehnt sich eine Sekunde gegen Den Pferdehals, Dann nickt er Sabine mit einem unendlich zerquälten Blick zu und geht, das Pferd hinter sich herziehend, wortlos Davon.
Michailow hat erst Sabine und Dann Renz angestarrt, als seien beide nicht recht bei Sinnen. Nun greift er nach Sabines Hand, Die noch immer auf feinem Arm liegt, und schiebt sie von sich: „Ihnen verdankt Der da seine (Anstellung? Wieso?"
„Well ich für ihn gebeten hab'. Was ist Denn habet?"
Da lacht Michailow schallend auf: „Nein, da ist freilick gar nichts Dabei. Aber haß Sie es sagen, vor ihm..."
„Das war ihm wahrscheinlich angenehmer, als penfen zu müssen, daß er sein Brot Ihnen verdankt."
„Und warum, wenn ich frägen Darf?"
Sabine streicht sich über die wirren Haare: „Das sagt mir mein Gefühl."
noch lauter auf: „Sagt Ihnen ^r Gefühl dann vielleicht auch, daß es unver- nUZi 8 and gefährlich war, diesem Menschen zuzu- gestehe^ daß Sie für ihn bei Herrn Lyk eingetreten Md? Wo er sowieso wie ein Narr hinter Ihnen
herstarrt und in Aufregung gerät, wenn er Sie nur sieht!"
„Das ist nicht wahr!"
Michailow hat feine Beherrschung jetzt wieder. „Doch, es ist wahr", sagt er freundlich und mit einem süßlichen Lächeln um Den schönen Mund: „Ich kann Ihnen mein Ehrenwort Darauf geben. Neulich, als Sie rm Weiher schwammen, habe ich ihn beobachtet. Da stand' er zwischen den Bäumen und sah Ihnen zu und hatte ein Gesicht — na! Und als Sie gestern Herrn Lyk aufdem Balkon etwas vorlasen, stand Renz unten norm Haus und lauschte ganz verzückt auf Ihre Stimme. Und vorgestern, als Sie im Hof mit dem Hund spielten, hat er sich krampfhaft vor dem Stall zu schaffen gemacht und immer zu Ihnen hingesehen und sonderbar dazu gelächelt. Ich schäme mich, vor einer jungen Dame so etwas sagen zu müssen, aber ick möchte Sie warnen — lüstern hat er gelächelt! Verzeihen Sie bitte..."
Sabine stampft mit Dem Fuß auf: „Warum erzählen Sie mir das alles? Was geht mich Das an? Außerdem glaube ich es nicht, ich will es auch nicht glauben! Ich ..."
Sabine hat die Hände ineinander verflochten, eine stelle Falte steht zwischen den geraden Brauen.
Michailow stellt zufrieden fest, daß Irina in- Zwischen ihren Zuschauerposten am Waldrand ver- lassen hat. Dann ergreift er zärtlich Sabines Hand, führt sie an die Lippen und sagt bewegt: „Wenn meine Gedanken sich nicht von früh bis spät mit phnen beschäftigten, Fräulein Sabine, dann hätte ich Ihnen dies alles bestimmt nicht gesagt. Aber Sie sind so jung und so weltfremd. Sie richten Da in einem einfachen und vielleicht brutalen Menschen mit Ihrer süßen, kleinen — und entschuldigen Sie — ein bißchen unachtsamen Person womöglich ein großes Unheil an und müssen eines Tages selber bitter Dafür büßen. Davor möchte ich Sie bewahren. Solche triebhafte, primittve Menschen wie dieser Renz sind sehr gefährlich, Fräulein Sabine. Zu- mindest können sie es werden! Und Darum warne ich Sie. Und ich will auch Herrn Lyk warnen..."
„Nein! Auf keinen Fall! Herrn Lyk geht Das gar nichts an!"
„Sooo?"
Sabine hat jetzt beinah Tränen in Den Augen: „Herr Michailow, bitte, versprechen Sie mir, daß Sie Herrn Lyk nichts sagen. Herr Lok ist, glaube ich, sowieso nicht sehr gut auf diesen Renz zu sprechen. Er würde ihn womöglich entlassen!"
„Das wäre auch Das einzig Richtige!"
Fortjetzung folgt


