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Ur. 185 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Montag, 9. August 1957

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Eichener Anzeiger

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Mitteleuropa als Ziel.

-von Or Max Dachauer

Daß das erste Jahresjubiläum des deutschöster­reichischen Juliabkommens von weitgehenden gegen­seitigen Presseabmachungen begleitet wurde, kann wohl als beweiskräftiges Zeugnis dafür gelten, daß beide Vertragspartner sich nicht mit einem rein platonischen Dasein des Abkommens begnügen wol­len, sondern daß Schritt für Schritt an der Ver­tiefung der im gemeinsamen Staatsvertrage gege­benen Grundsätze gearbeitet werden soll. Man weiß dabei zur Genüge, daß vorerst nur einzelne Bausteine herangetragen werden können. Aus fast allen Pressekommentaren sprach das Bewußtsein, noch vor keiner letzten Lösung zu stehen, dessen un­geachtet aber um vorläufiger Mängel und offensicht­licher Zwiespältigkeiten willen vom einmal beschrit­tenen Wege nicht abgehen zu wollen. Ein großes Ziel verlangt seine bestimmte Reifezeit, und dieses Ziel, au dem das Juliabkommen selbst wieder nur ein Teilstück darstellt, wird eine mit­teleuropäische Ordnung sein.

Nun läßt allein schon die Größe dieses Zieles einsehen, daß seine Erreichung nicht bloß durch diplomatische Verhandlungen, taktische Manöver ober rein organisatorische Maßnahmen gewährleistet fein dürfte, daß vielmehr diesem praktischen Bereich ein g e i ft i ge r gegenübersteht, in dem vor allem die Begriffe zu klären sein werden.

Nun wäre es wohl ein durch nichts begründeter Optimismus, wenn man etwa annehmen wollte, daß über eine zukünftige m i t t e l e u ro p ä i- f ch e Ordnung in den Gemütern aller Mittel­europäer nur eitel Einklang herrsche. Gerade in diesem geistigen Bereich gehen die Ideen und Grundbegriffe noch weit auseinander. Ja, der Be­griff Mitteleuropa selbst ist nicht in jener klaren Abgrenzung vorhanden, die für eine zukünftige Harmonisierung aller in diesem Raume wirkenden Kräfte notwendig wäre. Hier werden die entschei­denden Auseinandersetzungen ausgetragen werden müssen. Wen je wo anders, so ist hier dem ge­sprochenen und geschriebenen Wort noch eine Auf­gabe gestellt. Hier gilt es, das ideologische Gelände au säubern, allen begrifflichen Vernebelungsver- suchen reinigend entgegenzutreten, die vergiftete Atmospäre mit dem frischen Sauerstoff unbeirrba­rer Sachlichkeit zu erfüllen, die frei von egoistischen Antrieben sich den Dingen in ihrem naturgegebenen Gefüge nähert, die Wirklichkeit so darstellt, wie sie ist, nicht wie man sie von dem oder jenem Stand­punkt aus sehen ober nicht sehen möchte.

Diesem naturgegebenen Gefüge entspricht es zwangsläufig, baß eine fommenbe mitteleuropäische Drbnung eine übernationale fein wirb. Ge- rabe biefes Wort bebarf einer grunblegenben Klä­rung, bevor es überhaupt mit Erfolg zu verwen­den sein wird. Wurde es doch in den letzten Jahren nur zu oft in einem Sinne gebraucht, der es als Gegensatz zunational" begriffen wissen wollte. Man erging sich in Erinnerungen bis zum Reich Karl des Großen und gab sich den Anschein, als ob sich die ganze europäische Entwicklung seit Renaissance und Humanismus verleugnen ließe, um auf diesem Umwege wieder beim Lebensgefühl des Hochmittel- ülters landen zu können. Gewiß war der christliche Universalismus einmal ein europäisches Ordnungs­prinzip von stärkster Kraft. Zahlreiche Erweiterun­gen des deutschen Volksbodens waren im kaiser­lichen Missionsauftrag begründet. Wer jedoch heute noch das mittelalterliche Imperium sacrum als Orientierungsmittel für eine künftige europäische Ordnung verwenden möchte, stellt sich von selbst das Zeugnis eines weit- und wirklichkeitsfremden Träu­mers aus, sofern ihm diese Zielsetzung nicht zur Tarnung andersgearteter, oft sehr realpolitischer Bestrebungen dient.

Die allmähliche Entwicklung eines ausgeprägten nationalen Selbstbewußtseins bei allen großen und kleinen Völkern Europas ist aber nun einmal das nicht mehr rückgängig zu machende Er­gebnis einer jahrhundertewährenden Entwicklung. An dieser unverrückbaren Tatsache wird sich jeder Lösungsversuch der europäischen und damit auch der mitteleuropäischen Probleme auszurichten haben.

Damit bekommt aber das Wortü b e r n a 11 o = n a I" auch feinen eigentlichen Wortsinn wieder zurück. Wurde es in dem hier kurz gekennzeichneten Sinne so gebraucht, daß ein außerhalb dem natio­nalen Bereich liegendes Ordnungsprinzip über die nationale Ordnung gestellt wurde, fo sehen wir heute in einer nationalen Ordnung eine notwendige Voraussetzung, über die sich erst eine übernationale ausbreiten kann. Wo immer künftig dieses Wort verwendet werden wird, kann dies nicht anders ge­schehen als im Sinne einer unbeschränkten Aner­kennung der vorhandenen völkischen Kräfte.

Diese Erkenntnis schließt aber eine weitere in sich. Die Anerkennung des völkischen Eigenwertes, der nationalen Individualität muüßte jedem staat­lichen Imperialismus widersprechen, der rein macht- politische Ziele ohne Rücksicht auf völkische Grund­lagen verwirklichen möchte. Je selbstbewußter ein Volk um seine Selbstgestaltung ringt, je mehr es um die Anerkennung seiner Individualität zu kämp­fen hat, desto mehr wird ihxn die Achtung vor dem fremden Volkstum zur unstreitbaren Selbstverständ­lichkeit werden. Es kann nicht mehr das Bestreben haben, fremdvölkisches Blut in sich einzuschmelzen und dadurch das fremde Volkstum zu bedrohen, es wird vielmehr im Innersten überzeugt fein, daß ein solches Bestreben sich letzten Endes gegen den eige­nen Bestand kehren könnte, daß es nur schädliche Wirkungen im eigenen Volkskörver hervorbringen könnte, ja daß um es drastisch zu sagen ' jedes ausgebildete Volkstum schlechthin unverdau­lich ist.

Das Reichsireffen der Deutschen Volksgesundheiisbewegung.

Düsseldorf, 7. Aug. (DNB.) Aus Anlaß der ReichsausstellungSchaffendes Volk" hält die Deutsche D o l k s g e s u n d h e i t s b e w e g u n g ihr erstes großes Treffen in Düsseldorf ab. Die Deutsche Volksgesungheitsbewegung umfaßt bereits sechs Millionen Mitglieder, die in der Reichsarbeits­gemeinschaft der Verbände für naturge­mäße Lebens- und Heilweise zusammen­geschlossen sind. An dem Treffen nehmen etwa 8000 Mitglieder der RAG. aus allen deutschen Gauen sowie auch viele ausländische Vertreter teil. Als Auftakt wurde am Samstag nachmittag durch den Leiter der RAG. Wegener im Beisein des Reichsärzteführers Wagner die mit dem Treffen verbundene AusstellungDie Auferste­hung des Paracelsus" eröffnet. In ihr wird der große deutsche Arzt Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus, dem Volke nahe gebracht.

Im Mittelpunkt der anschließenden Arbeitsta­gung stand ein Vortrag von Prof. Dr. med. Franz Wirz, Mitglied des Sachoerständigenbeirates für Volksgesundheit, über das ThemaDurch ge­sündere Ernährung zur Nahrungs­freiheit". Beides hätten wir einmal besessen. Mit der zunehmenden Verstaedterrung des deutschen Volkes sei gleichzeitig eine Verschiebung der Ernäh­rung eingetreten, in der eine der Hauptursachen für die Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu erblicken fei. Diese Ernährungsoerschiebung komme

insbesondere zum Ausdruck in einem unverhältnis­mäßig hohen Verbrauch von Fleisch an Stelle von Brotgetreide, Gemüse, Ob st usw. Auf diese Ernährungsoerschiebung sei auch die Zunahme zahlreicher Krankheiten, wie Zahnfäule, oervöse Störungen usw. zurückzuführen. Die For­schungen der letzten Jahre ließen vermuten, daß wahrscheinlich auch die Zunahme der Herz- und Ge­fäßkrankheiten damit in Verbindung zu bringen sei. Die Wiederherstellung einer vernünftigen Ernäh­rungsweise bedeute gleichzeitig eine Stärkung der deutschen Nahrungsfreiheit. Frau Elisabeth Bosch- Stuttgart betonte, daß wir uns weit mehr als bisher um die Frage einer gesunden Lebensfüh­rung, einer vernünftigen Ernährungsart, die über­ragende Bedeutung von Licht, Luft, Wasser und Sonne und um den überreichen Schatz un­serer einheimische^ Heilkräuter kümmern und zu einer einfacheren und damit gesünderen Kost zurückfinden müßten. Reichsamtsleiter im Haupt­amt für Volksgesundheit Dr. Bernhardt Hör - mann zeichnete ein Bild der Persönlichkeit von Pracelsus seiner Lehre und seines dramatischen Lebensweges. Das größte an ihm feien nicht allein fein umfassendes Wissen oder seine großen Erfah­rungen und Erfolge als Arzt gewesen, sondern daß er stets ein unbeugsamer und unerschrockener Kämpfer für deutsches Wesen -war, ein unermüglicher Streiter für die körperliche und see­lische Gesundung der deutschen Nation.

Ausgaben der Gesundhellssiihrung.

Neichsärzteführer Dr. Wagner sprach in Düffeldorf.

Das Reichstreffen erreichte am Sonntag mit einer Kundgebung feinen Höhepunkt, in deren Mittelpunkt eine grundlegende Rede des Reichsärzteführers Dr. Wagner stand. Er betonte, daß mit den Wand­lungen auf allen Gebieten des Lebens feit dem Um­bruch auch eine solche in der Auffassung der Heilungsmethoden eingetreten sei, die auch nicht vor den geheiligten Toren der Universitäten Halt gemacht habe. Der Kampf der Medizin sei wohl weniger ein Kampf der Systeme als des Charak­ters. Früher fei das Arztsein ein lukrativer Beruf gewesen, heute sei es Dienst am Volk. Ebenso wichtig wie die Heilung sei die Vorbeugung durch Gesundheitsführung. Das Ideal des heutigen Arztes fei nicht der Titel Geheimrat, sondern der Hausarzt im besten Sinne, der Arzt und Berater sei. Heute müsse der Arzt aber auch Führer sein in der nationalsozialistifchen Welt­anschauung. Immer größere Teile der deutschen Aerzteschast hätten sich zu diesen neuen Aufgaben und zu dieser neuen Auffassung bekannt.

Der Reichsärzteführer sprach dann von den R e - formplänen in der Sozialversiche­

rung, die durchgesetzt werden sollten. Die freie Arztwahl müsse unbedingt aufrechterhalten wer­den. Aber gerade deshalb solle jedermann dem Arzt mindestens auf ein Jahr treu bleiben. Das sei wichtig für vieles, z. B. für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, die Aufgabe des Haus­arztes und der Hebamme bleiben müsse. Der Ge­sundheitszustand der arbeitenden Bevölke­rung müsse erheblich gebessert werden. Die Unter­suchungen in den Betrieben hätten ergeben, daß unter den fest gestellten Erkrankungen 50 v. H. Früh­schäden gewesen seien, die den Betreffenden nicht einmal zum Bewußtsein gekommen seien. Bemer­kenswert sei, daß zur Feststellung dieser Schäden, unbedingt eine medizinische Diagnostik notwendig sei; denn ohne die Diagnose seien diese Fehler nicht feststellbar. Deshalb sei die so oft geschmähte Diagno­stik einfach unentbehrlich. Es werde alles getan, um diese Frühschäden rechtzeitig zu beheben, so daß alle sozialen Dersicherungsträger Zusammenarbeiten. Um hier erfolgreich vorgehen zu können, hielt der Reichsärzteführer für Städte die Einführung eines sogenanntenStammbuches" für Volks­

gesundheit für notwendig. Es werde dann schon der Säugling pfleglich betreut, dann das kleine Kind und der weitere Mensch über die Schule, der HI., dem Betrieb und die Wehrmacht.

Bei allen den hohen Aufgaben, die sich von die­sem Gesichtspunkt aus ergäben, ergäben sich auch größere Ausgaben der deutschen Volks- gesundheitsbewegung; deshalb denke auch kein Mensch daran, die in ihr zusammengeschlosse­nen Verbände zu zerschlagen. Im Gegenteil, es sei beabsichtigt, im kommenden Winter eine große Propaganda durchzuführen, die allerdings mit der Frage Arzt Heilpraktiker gar nichts zu tun haben werde. Es sollten alle Kräfte z u- sammengefaßt werden zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs und auch des Niko­tinmißbrauchs der deutschen Jugend, auch der deutschen Frauen in der Zeit ihres gebärfäyigen Alters. Zur Frage der Anerkennung der. Heilpraktiker seien Gesetzesvorbereitungen notwendig. Die Anerkennung der Heilpraktiker würde andererseits gleichbedeutend sein mit der Aufhebung der Kurierfreiheit. Man müßte die bereits tätigen Heilpraktiker, die welt­anschaulich und medizinisch in Ordnung seien, an­erkennen. Die Lösung sei so gedacht, daß jeder Heil- prakttker vor Einrichtung einer Praxis in einer therapeutischen Leistungsprüfung fein Können beweisen müsse. Darüber werde dann eine paritätische Kommission entscheiden. Bei diesen Heil- vraktikern habe man auch nichts dagegen, daß ihnen die Kassenpraxis erschlossen werde. Die Kur­pfuscher würden damit von vornherein ausgeschieden. Die Naturheilkunde müsse mehr und mehr in die medizinische Heilkunde eingebaut werden. Der Arzt, der die Schulmedizin kennen müsse, müsse auch die Naturheilkunde kennen. In der Naturheil­bewegung seien mindestens ebenso viele Aerzte wie Naturheilkundige vertreten. Man werde sich bereits um den Studenten kümmern, der den Arztberuf ergreifen wolle, damit er auf der Hochschule nicht lebensfern erzogen werde. Deshalb habe man neben die Erziehung der Hochschule auch bereits die Fortbildung an der Aerzteführer- schule gesetzt, yn der HI. habe man sich jetzt der Ausbildung der Feldscherer zugewandt.

Gauleiter Streicher betonte, daß er die Aus­führungen des Reichsärzteführers voll und ganz unterstreiche, der Reichsärzteführer sei der Mann, der eine gerechte Lösung der Fragen durchsetzen werde. Der Leiter der Deutschen Dolksgesundheits- beroegung Wegener betonte, daß in den drei Jahren seiner Zusammenarbeit mit Dr. Wagner nicht der leiseste Versuch unternommen worden sei, die Deutsche Volksgesundheitsbewegung für die Aerzteschast einzufpannen und die Heilpraktiker bei ihr auszuschalten. Wer ims behaupte, der kenne die wirklichen Aufgaben der Dolksgesundheitsbewegung nicht. Sie habe weder diesen noch jenen zu dienen, sondern sie habe eine erzieherisch-kulturelle Mission im Dienste am Volk.

Es liegt offen zu Tage, wo sich diese Erkenntnisse am ersten durchzusetzen haben werden. Ohne befrie­digende Regelung sämtlicher Minderheiten­fragen wird es fein übernational geordnetes Mit­teleuropa geben. Denn Mitteleuropa ist nur ein Raumbegriff, der feine Sinnerfüllung nur von den Völkern erfahren kann, die er umspannt. Mögen diese Völker ihrem Umfang und inneren Gewicht nach auch noch so verschieden sein, daß sie in einen gemeinsamen Raum vom Schicksal hineingestellt sind und daß dies ein Schicksal ist, 'dem sie nicht entrinnen können, mit dem sie untereinander fertig werden müssen, dies alles mit allen Konsequenzen zu erkennen, wird das Gebot der Stunde werden. Je eher hier Mitteleuropa dazu gelangen wird, klar und unvoreingenommen zu sehen, desto eher wird es zu feiner übernationalen Ord­nung kommen, eine Ordnung, in die die völkischen Eigenwesen als unumstößliche Größen eingesetzt sind, in der sie sich über die Verschiedenheit des Blutes hinweg zur Empfindung eines gemein­samen Schicksals durchringen werden können.

Der Weg zu diesem Ziele ist voll von Hinder­nissen. Er wird jedoch beschritten werden müssen. Die Ausrüstung für diesen Marsch in die Zukunft wird Geduld, Sachlichkeit und Zielbewußtsein sein.

Frankreichs Wirischastslage.

Ernste Mahnung Finanzminister Bonnets.

Paris, 7.Aug. (DNB.) In seinem Wahlkreis hielt Finanzminister Bonnet eine durch den Rundfunk in ganz Frankreich verbreitete Rede. Er sagte der wahre Grund der wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten liege darin, daß Frankreich in den letzten Jahren zu viel ausgegeben habe und um einen Ausgleich zu schaffen, allzu sehr zu dem Mit­tel der Anleihen gegriffen habe. Aber auch dieses Mittel erschöpfe sich einmal, und eines Tages beginne es sich dann am Gelde zu zeigen. Es müsse dem ein Ende gesetzt werden. Die Schwie­rigkeiten seien in keiner Weise überwunden, man stehe erst am Beginn einer langwierigen Aufgabe. Die wirtschaftliche Lage sei beunruhigend. Die P ro­tz u k t i o n s 3 i f f e r der französischen Industrie habe immer noch nicht angenommen. Das Verkaufsvolumen der großen Geschäfte habe im Laufe der letzten drei Monate gegenüber dem Vor­jahr sogar einige Rückgänge aufzuweisen. Der

Produkttonsumfang der französischen Industrie müsse daher erheblich vergrößert werden. Es sei traurig, daß man in gewissen Zweigen der fran­zösischen Industrie den Bedürfnissen des Jnlands- marktes nicht gerecht werden könne. Bonnet schloß seine Ausführungen mit einem Appellan alle Freunde" und bat sie um Mithilfe bei seiner

England weist drei dei

Oie deutsche Negier«

Berlin, 7. Aug. (DNB.) Eine Reihe von eng- tischen Zeitungen meldet heute früh die Aus­weisung der drei deutschen Journa­listen Erome, Wrede und von Langen. Wie wir erfahren, ist seitens der deutschen Regie­rung kein Hehl daraus gemacht worden, daß sie von den englischen Maßnahmen auf das pein­lich st e berührt ist. Da die englische Regierung den Standpunkt zum Ausdruck gebracht hat, daß der Aufenthalt der fraglichen Persönlichkeiten im Interesse der deutsch-englischen Beziehungen un­erwünscht fei, wird begreiflicherweise auch auf deutscher Seite diesem Gesichtspunkt entsprechend verfahren werden.

*

Unter der ÜberschriftEine englische Pro­vokation" schreibt der Zeitungsdienst Graf Reifchach: Die englische Regierung hat sich veran­laßt gesehen, dem Leiter unseres Londoner Büros, Pg. Dr. vonLangen.die Erteilung einer weite­ren Aufenthaltsgenehmigung zu verweigern. Gründe für diese Maßnahme, die politisch und tatsächlich einer brüsken Ausweisung gleichkommt, werden nicht angegeben, sondern es verlautet, daß d i e bisherige politische Tätigkeit Dr. von Langens im Auslande Anlaß zu dieser Handlung gewesen sei. Gleichzeitig wurde der Mitarbeiterin Dr. von Langens, Frau Z i n p o w, die weitere Aufenthaltsgenehmigung verweigert.

Dieses Verhalten der englischen Regierung einem angesehenen Journalisten, dem Vertreter der großen nationalsozialistischen Gaublätter gegenüber, kann nur als eine bewußte und beab sich t igte

schweren Aufgabe. Falls man sich wiederum Illu­sionen hingeben wolle, falls man sich unfähig zei­gen sollte, sein eigenes Haus in Ordnung zu brin­gen, und die Autorität zu wahren, so riskiere man damit zugleich auch, der Freiheit verlustig zu gehen.

itroe Journalisten aus.

ng peinlichst berührt.

Unfreundlichkeit gegenüber der deutscken Presse aufgefaßt werden. Die Person und die Ar­beit Dr. von Langens, der nunmehr gerade vier Wochen als Leiter unseres Londoner Büros tätig war, geben nicht den geringsten Anlaß für die brüske Art, mit der der weiteren Arbeit Dr. von Langens in England ein Ende gesetzt wurde. Welches Vertrauen in die Person Dr. von Langens gefetzt wird und welch großen Ansehens er sich erfreute, geht allein scbon daraus hervor, daß die NSDAP, ihn während feiner Tätigkeit in Ita­lien 3um Ortsgruppenleiter in Rom er­nannte.

Pg. Dr. von Langen hat während feiner mehr­jährigen Tätigkeit als unser Korrespondent in Rom stets seine Aufgabe darin gesehen, mit der für einen deutschen Journalisten selbstverständlichen Loyalität seinem Gastlande gegenüber die politischen Pro­bleme 3U behandeln und 3U beurteilen. Wenn von englischer Seite die bisherige Auslands­arbeit Dr. von Langens alsBegründung" her» ange3ogen wird, so ergibt sich der gerade im Augen­blick der englischen Bemühungen um einen Aus­gleich mit Italien besonders kuriose Zustand, daß diese Italien gegenüber loyale Arbeit jetzt den eng­lischen Stellen unerwünscht war.

Die Methoden, die man von englischer Seite unserem Vertreter gegenüber anzuwenden beliebte die Verweigerung der Gründe für die Ausweisung sind als besonders ungewöhnlich zu bezeichnen, lassen den Schluß zu, daß man sich in amtlichen englischen Kreisen doch wohl scheut, zuzugeben, daß ein gewisser seinerzeit von der be­rüchtigten Madame T o b o u i s verfaßter und sich durch die imOeuvre" selbstverständliche bewußte Verdrehung und Entstellung der wirklichen Ver­hältnisse auszeichnender Artikel, der von 23er*