Einzelbild herunterladen

lokal fehle, und fragte an, ob es nicht möglich fei, den Garten an der Bürgermeisterei (Bergstraße) roieder einem solchen Zweck nutzbar zu machen. Für verschiedene am Stadtrand gelegene Gaststätten die der Aufhebung verfielen (Philosophenwald, WMes- lust, Flughafen-Caf6, Liebigshöhe) habe sich leider bisher kein Ersatz schassen lassen. Leider mangele es in der Umgebung der Stadt an Spazierwegen, die auch nach schlechterem Wetter begehbar seien. Der Leiter des Verkehrsamtes, Schuster, regte nach­drücklich an, daß das Gaststättengewerbe bei den Erhebungen von Uebernachtungszahlen recht sorg­fältig verfahren solle, ferner erbat er dringend, die Terminangabe von beabsichtigten Veranstaltungen beim Verkehrsamt, damit zeitliche Ueberschneidun- gen größerer Feste vermieden werden. Er sicherte außerdem die Mithilfe des Verkehrsamtes für Ver­anstaltungen jeder Art zu. Er bat ferner die Do­zentenschaft der Universität darum, bei ihrer Teil­nahme bei wissenschaftlichen Kongressen in anderen Städten, die Abhaltung von Kongressen jeweils auch in Gießen vorzuschlagen. Frau Faurer (Cafe chettler) regte die Schaffung weiterer Parkplätze an. Herr Horn (Kreuzplatz) erinnerte an das Ver­kehrsproblem nach Klein-Linden und regte die Schaffung eines Omnibus-Pendelverkehrs an, der sich bis in das Ostviertel unserer Stadt erstrecken sollte. Der Vertreter der NSG.Kraft durch Freude", Müller, schnitt das Problem der Volks­halle-Beheizung an. Ferner gab er bekannt, daß es sich die NSG.Kraft durch Freude" sehr angelegen sein lassen werde, regelmäßige Omnibusfahrten aus dem Gebiet des Kreises Gießen zu den Vorstellun­gen des Gießener Stadttheaters zu veranstalten. Major Lange, als Vertreter der Wehrmacht, bat im Auftrage'von Generalleutnant Oßw ald dar­um, daß die Einladungen an die Wehrmacht zu irgendwelchen Veranstaltungen vor allem recht­zeitig und zentral an die richtige Stelle ge­leitet werden möchten. Direktor W r e d e (Deutsch- Oesterreichischer Alpenverein) regte die Herausgabe eines Führers durch die Umgebung von Gießen an. Aus der Versammlung heraus wurde darum gebe­ten, den Gerüchten um einen Abbau des Lehrbetrie­bes an unserer Universität energisch entgegenzutre­ten. Angeregt wurde ferner, sich darum zu bemü­hen, daß die wissenschaftlichen Institute unserer Uni­versität in zeitlichen Abständen in kurzen Hörberich­ten des Rundfunks zu Worte kommen sollten. Der Führer der Arbeitsgemeinschaft der Soldatenkame­radschaften, Müller, bat darum, bei Soldaten­treffen den in Gießen Einkehr haltenden zahlreichen alten Kameraden alle Aufmerksamkeit, insbesondere durch den Schmuck der Straßen zu erweisen. Er dankte der Stadtverwaltung für das Entgegenkom­men in den Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft der Soldatenkameradschaften um die Schaffung eines Ehrenmales auf dem Neuen Friedhof. Im weiteren Verlauf der Aussprache wurde noch die Schaffung von Radfahrwegen, die Schaffung von Wasserkünsten in Anlagen oder den geeigneten Plät­zen angeregt, Fragen der Straßenreinigung erörtert und verschiedenes andere mehr. Wertvolle Anregun­gen wurden auch dem Gaststättengewerbe gegeben und viele Möglichkeiten aufgezeigt, wie man im Dienst am Kunden" dem Gast in Hotels und Gast­stätten den Aufenthalt in unserer Stadt liebenswert machen kann.

Oberbürgermeister Ritter

sagte für die zahlreichen Anregungen für die Hebung des Fremdenverkehrs, für nie Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in unserer Stadt und die Ver­schönerung des Stadtbildes herzlichen Dank. Er nahm jeweils sofort zu den einzelnen Anregungen Stellung und wies dabei gleichzeitig auf die vor­handenen Möglichkeiten der Verwirklichung hin. In der Erwiderung auf den Wunsch nach einem großen Gartenrestaurant erinnerte er an die Gedanken um die Schaffung eines Rathauses, durch dessen Er­richtung zu einer späteren Zeit vielleicht die Wieder- erst^hung des ehemaligenSteinschen Gartens" möglich werden könnte. Im Hinblick auf die Mög­lichkeit der Beheizung der Volkshalle wies der Oberbürgermeister zwar auf die bestehenden finan­ziellen Schwierigkeiten hin, betonte aber, daß auch diesem Problem in absehbarer Zeit nähergetreten werden müsse. Des weiteren werde er sich über den Fremdenoerkehrsverband darum bemühen, daß Gießen auch hin und wieder das Ziel einerKdF."- Fahrt werde. Im Hinblick auf die Werbetätigkeit für die Universität wies der Redner auf feine Rück­sprachen beim Reichskultusministerium hin und be­tonte, daß alles aufgeboten werde, die Universität au fördern und dafür zu sorgen, daß sie im vollen Umfange erhalten bleibe. Das um so mehr, als der

studentischen Jugend die Ausbildung an einer land- oerbundenen Universität zweifellos dienlicher sei, als die Erziehung in einer Großstadt. Oberbürger­meister Ritter sagte schließlich eine tatkräftige För­derung der Feste der alten Soldaten zu.

Bürgermeister Prof. Dr. Hamm nahm ebenfalls zu einigen der im Laufe der Ver­sammlung angeschnittenen Fragen Stellung. Er machte, vor allem darauf aufmerksam, daß es not­wendig sei, das Straßenbild in unserer Stadt pein­lich sauber zu halten. Hier gelte es noch energische Erziehungsarbeit zu leisten. Es gehe nicht mehr an, daß jedermann Papierreste auf Straßen, Wegen und in Anlagen werfe, wie es ihm gerade beliebe. Wenn keine andere Möglichkeit bestehe, werde man schließlich dazu übergehen müssen, jeden durch eine Geldbuße zur Rechenschaft zu ziehen, der glaube, leichtfertig das Straßenbild verunstalten zu können. Nachdrücklich machte er ferner darauf aufmerksam, daß der wilde Plakatanschlag unter allen Um­ständen aufhören müsse. Dem Plakatanschlag zu dienen seien ausschließlich die Litfaßsäulen da. Was die Schaffung von Brunnen oder Wasser­künsten anlange, so habe sich der Verkehrsverein bereiterklärt, für diesen Zweck den Betrag von 1000 Mark zur Verfügung zu stellen. Er gab in diesem Zusammenhang davon Kenntnis, daß die Firma H. W. Rinn sich bereiterklärt habe, an der Ecke Georg-Philipp-Gail-Straße und Curtmannstraße eine Brunnen- und Schmuckanlaae aus einen en Mitteln zu erstellen und empfahl, dieses Vorhaben als nachahmenswertes Beispiel anzusehen. Im weiteren Verlauf der Versammlung beschäftigte sich

Baurat Gravert

kurz mit den Bemühungen der Stadtverwaltung um die schönere Gestaltung des Stadtbildes, die ja be­reits an verschiedenen Stellen des Stadtgebietes in Angriff genommen worden feien. Anschließend be­richtete er, in Erwiderung auf den Wunsch zur

Am Sonntag: VM

Der BD M.-Unter gau 116 Gießen teilt mit:

Wieder tritt am 13. Juni der BDM.-Unteraau 116 an die Öffentlichkeit, um allen Volksgenossen zu sagen: Hier stehen wir augenblicklich in der körperlichen Ertüchtigung unserer Mädel durch den Sport. Wir haben alljährlich ein ähnliches Pro­gramm an unserem Sporttag. Dadurch ist es leicht für alle Außenstehenden, einen Fortschritt oder Stillstand oder gar Rückschritt festzustellen. Die Mädel von 14 bis 21 Jahren zeigen wieder eine Körperschule nach Musik. Wir benutzen nicht den Takt einer beliebigen Musik, um irgendwelche schönen Bewegungen danach auszuführen. Unsere Musik zur Körperschule ist von unserem Iung- aenossen Oberbannführer Georg Blumensaat komponiert. Die Uebungen sind von unserer Reichs­sportreferentin Elfriede Blumen saat so aus­gewählt, daß sie in ungefähr 15 Minuten den ge­samten Körper durcharbeiten. Spannung und Locke­rung wechseln in guter Folge ab, so daß die Körper­schule nicht ermüdet, sondern bereit macht zu größe­ren Leistungen. Dabei bildet sie mit der Musik ein geschlossenes Ganzes. Die Uebungen der ersten Gruppe spannen und lockern Rumpf und Glieder der einzelnen Mädel, die Zwischenübung schließt alle zusammen und fordert Ausrichtung und damit feinste Einstellung der einzelnen auf die Gesamt­heit. Der Klatschkanon erfordert feines Taktgefühl und Bewegungsgefühl zugleich. Hiernach ist der Körper schon so weit gelockert, daß Schwünge in ihrer schönen weichen und doch straffen Form äus- aeführt werden können. Den Schluß bildet ein fröhlicher Dreher, bei dem die Zusammengehörig­keit von Musik und Bewegung besonders deutlich zum Ausdruck kommt.

Die Vorbereitung zur Vorführung der Körper­schule war kein mechanisches Drillen, sondern die Ausführung jeder einzelnen Bewegung mußte ver­standesmäßig erfaßt werden, um nun gefühlsmäßig richtig ausgeführt zu werden.

In einem Schulungskursus wurden im Frühjahr die Gruppenfportwartinnen des Obergaues 13 für die Sportarbeit dieses Sommers geschult und geben das dort Gelernte nun weiter an die Gruppenein­heit von rund 200 Mädeln.

In diesem Jahr wurden, wie an dieser Stelle schon berichtet, Gruppensportfeste durchgeführt. Zum . Untergausportfest werden jetzt die besten Gruppen

Schaffung von Radfahrwegen, von den statistischen Erhebungen über den Radfahrerverkehr im Gebiet der Innenstadt und den äußeren Stadtteilen. Die bisherigen Erhebungen hätten die erstaunliche Tat­sache gezeigt, daß 90 v. H. des gesamten Radfahrer- verkehrs als Werkverkehr (Fahrten von und zur Arbeitsstätte) und nur 10 v. H. als Ausflugs­verkehr anzusehen seien. Er wies darauf hin, daß für die Schaffung von Radfahrwegen Vorschläge bereits vorlägen, desgleichen für die Schaffung von Reit- und von Spazierwegen. Dann beschäftigte sich der Referent mit der Frage der Schaffung van Parkplätzen und betonte, daß dieses Problem inner­halb unserer Stadt zur völligen Zufriedenheit zu lösen fast unmöglich sei und größte Opfer in finan­zieller Hinsicht erfordere. An die Stadt sei aber aerobe in den vergangenen zwei Jahren eine solche Fülle außerordentlicher Anforderungen gestellt wor­den, daß dem Parkplatzproblem noch nicht habe entscheidend nahegetreten werden können. Zum Schluß seiner Darlegungen wies Baurat Gravert noch auf die bevorstehende Umgestaltung der Ecke Kaiserallee-Licher Straße hin und schloß mit der Forderung der Geduld, denn eine 1 Verschönerung unseres gesamten Stadtbildes sei nur über den Zeit­raum mehrerer Jahre möglich.

Oberbürgermeister Ritter schloß die außer­ordentlich anregende Versammlung mit herzlichen Worten des Dankes für die eifrige Mitarbeit, wies auf die erfolgversprechende Einheitlichkeit und Lau­terkeit der Werbung hin, forderte au enger Zusam­menarbeit und außerdem dazu auf, gute Gedanken im Interesse der Fremdenverkehrswerbung und der Verschönerung der Stadt nichts für sich zu behalten, sondern sie der Gemeinschaft nutzbar au machen. Alle Bestrebungen sollten daraus hinauslaufen, dem Fremden unsere Stadt, wenn er sie einmal gesehen habe, liebenswert zu machen und ihn zum Wieder­kommen anzuregen.

Mit dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler klang die Versammlung aus.

-Mergau-Sportfest.

zusammengezogen. Außerdem wird im BDM.- Mannschaftsmehrkampf: Weitsprung, Schlagball­weitwurf und 10 mal 50 - Meter - Staffellauf, der Untergauentscheid fallen.

ZM. Unfergau 116, Gießen.

Alle Jungmädel des Standortes Gießen treten am Mittwoch, 9. Juni, nachmittags pünktlich 15.30 Uhr, am Unioerfitätssportplatz an.

Untergau 116. gez.: Liesel Waldi.

Oie S. Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung.

Mit dem 1. Juni begann wiederum laut An­ordnung des Reichsschatzmeisters der NSDAP. die Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung. Wieder ziehen braune Glücksmänner durch die Straßen und Lokale unserer Stadt und bieten ihre Losbriefe zum Verkaufe an. Möge ein jeder Volksgenosse sich be­wußt sein, daß er mit jedem Los, das er ersteht, einen Baustein bei getragen hat zu dem großen Auf­bauwerke unseres Führers.

Noch immer ist die Zahl unferer Erwerbslosen nicht ganz verschwunden, noch immer müssen für diese minderbemittelten Volksgenossen Mittel und Wege gefunden werden, ihnen einen Arbeitsplatz und damit Brot zu sichern.

Darum, Volksgenosse, gehe nicht achtlos an dem braunen Glücksmann vorbei, sondern zeige deine Liebe zu deinem Volke, indem du dir Losbriefe kaufst der 9. Reichslotterie, die auch dir Glück bringen kann! Das Glück steht unserer Stadt nicht fern, denn diese Woche wurde bereits in der Wirt­schaft Boller ein 5l>Mark-Gewinn gezogen.

Gründungsfeier

der RS.-Studentenkampfhilfe.

Am heutigen Mittwochabend feiert die NS.-Stu­dentenkampfhilfeAltherrenbund der Deutschen Studenten", Ortsoerband Gießen, im Studenten­haus am Leihgefterner Weg eine Kundgebung und Gründungsfeier. Für den Abend ist fol­gendes Programm vorgesehen: Fahneneinmarsch, Begrüßung durch den Studentenführer, und eine Ansprache des Gauverbandsleiters Pg. Heyse; ferner wird Kreisleiter Dr. Hildebrand in sei­ner Eigenschaft als Ortsverbandsleiter eine An­

sprache halten. Nach einem Gelöbnis der ©tu* dentenschaft wird die- Veranstaltung mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied ihren Abschluß finden.

Feuer

in der Gießener Güter-llmladehalle.

Gestern mittag ereignete sich in der Umladehalls der hiesigen Güterabfertigung ein Brandunfall. Ein Wagen, der mit Zündlichtern (für einen Gruben­betrieb) beladen war, geriet, anscheinend durch Selbstentzündung, in Brand. Die sofort herbei- gerufene Städtische Feuerwehr erschien innerhalb von 4 Minuten an der Brandstelle und bekämpfte in kurzer Zeit das Feuer mit Erfolg. Da sich auch die Beamten des Güterbahnhofs tatkräftig einsetzten, gelang es, den größten Teil der Ladung zu bergen, so daß nur ein Teil des Ladegutes dem Feuer zum Opfer fiel. Der entstandene Schaden ist glücklicher­weise nicht sehr groß.

Reue Kehrgebührordnung der Schornsteinfeger in Hessen.

Mit Wirkung vom 1. Juli 1937 tritt eine nach Anhörung eines Sachverständigenausschusses festge­legte neue Kehrgebührordnung für Schornstein­feger in Kraft, wobei in die Gebühren die Umsatz­steuer eingerechnet ist. Gleichzeitig treten die bis­herigen entsprechenden Vorschriften, insbesondere die Gebührenbekanntmachung vom 6. Februar 1932»

RUHL Sellersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170 I

eparaturen i397d |

außer Kraft. Die neue Gebührenordnung bestimmt u. a. folgende Gebühren:

a) Für die Reinigung von steigbaren sogenannten deutschen Schornsteinen, die ein Stockwerk durch-, laufen, 30 Pfennig, für jedes weitere Stockwerk bis zu fünf durchlaufend je 4 Pfennig mehr, jedes weitere Stockwerk 5 Pfennig mehr (z. B. fiebert durchlaufende Stockwerke 56 Pfennig).

b) Für die Reinigung von engen, sogenannten! russischen Schornsteinen ein Stockwerk durchlaufend 22 Pfennig, bis fünf Stockwerke durchlaufend je Stockwerk weitere 4 Pfennig, vom sechsten Stock* werk an je weitere 5 Pfennig.

c) Für das Reinigen eines Schornsteinaufsatzes bis zu 2 Meter Höhe 12 Pfennig, über 2 Meter Höhe 17 Pfennig.

Weitere Sondersätze betreffen Zentralheizungs* schornsteine gewerblicher und nichtgewerblicher Art, freistehende Schornsteine für Dampfkesselfeuerungen ober Ziegeleien, gewerbliche Räucherkammern, das Ausbrennen von Schornsteinen, Prüfung und lieber» wachung, Sonderfegungen und die Berechnuna ge­eigneten Materials für das Ausbrennen der Schorn­steine.

*

** Eine Sieben undfiebzigjährigs» Frau Katharine Fink, Doeringstraße 8, wird mor­gen 77 Jahre alt. Frau Fink ist körperlich und geistig noch sehr rüstig.

Amtsgericht Gießen.

Wegen Uebertretung des Maß- und Gewichts­gesetzes wurde der Ehr. E. G. aus Gröningen zu Geldstrafen von 20 RM. verurteilt. Im Falle der Uneinbringlichkeit sind je 5 RM. der erkannten Strafen durch einen Tag Haft zu verbüßen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last. Der Angeklagte hatte im März 1937 in Grü- ningen zwei unbespannte landwirtschaftliche Fahr­zeuge auf der linken Fahrbahnseite aufgestellt, ob­wohl besondere Umstände auf der rechten Straßen­seite nicht entgegenstanden. Außerdem legte ihm die Anklage zur Last, zur selben Zeit eine alte Ketten­waage zum Messen und Wägen im öffentlichen Ver­kehr bereitgehalten zu haben, die keinerlei Jahres­stempel über die erfolgte Nacheichung trug. Durch Strafbefehle des Amtsgerichts Gießen hatte der An­geklagte bereits dieselben Geldstrafen erhalten. In der auf seinen Einspruch hin stattgefundenen Haupt­verhandlung verblieb es bei den gleichen Strafen.

Der Jude Ludwig Simon, 40 Jahre alt, aus Hamm (Sieg), war durch Strafbefehl des Amts­gerichts Gießen wegen Uebertretung der Verord­nung über die Einrichtung und den Betrieb des Nutzviehmarktes in Gießen zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 RM., hilfsweise zehn Tage Haft ver­urteilt worden. In der auf seinen Einspruch hin

WooitioMW

Roman von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin

16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nun?" rief Fogg.

Meinen Glückwunsch! Alles in Ordnung. Ganz hochprozentiger Graphit, 70 vom Hundert Kohlen­stoffgehalt, großflinsig und teilweise direkt verwen­dungsfähig, wenig verunreinigt, vor allem nicht durch Schwefelk^s. Gutes Material mit einem Wort. Bleibt noch die Ergiebigkeit. Ist das Gestein verschiedenen Stellen entnommen?"

Jawohl. Wir haben die Versuchslöcher an ver­schiedenen Stellen angelegt." Ihm war schwach in den Knien, vom Warten,' von der Aufregung und von der Antwort Dolschis.

Tief?"

Oh, gar nicht. Der Gneis liegt so dicht an der Oberfläche, daß nicht einmal richtiges Gras drauf wächst. Und das Merkwürdige ist, daß dieser Ge­steinszug nur an der bewußten Stelle an die Ober­fläche kommt; die Angrenzer nebenan haben ver­hältnismäßig ordentlichen Humus."

Passen Sie auf, Doktor Fogg. Es ist allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit cmzunehrnen, daß Ihr Lager abbauwürdig ist, ja, daß es sogar ein recht ertragreiches Lager ist. Aber mit Sicherheit kann ich das erst an Ort und Stelle sagen. Erschrecken Sie nicht! Wir benötigen hierzu keine kostspieligen Dersuchsgrabungen, sondern ich mache das mit meinem Apparat, der sich auf die schlichte Tatsache gründet, daß graphithaltige Erde ein besseres elek­trisches Leitvermögen hat als gewöhnliche. Eine kleine Erfindung von mir, aber sehr nützlich. Also ich komme in allernächster Zeit nach Schellenberg, und dann wird sich ja das Weitere finden."

Fogg konnte sich später nicht mehr erinnern, wie diese Unterredung endete. Er schob sich betrunken zur Tür hinaus, stieg im Traum die Treppe hinab und wanderte ziellos, aber sehr glücklich durch eine Reihe von unbekannten Straßen. Er kaufte sich irgendwo ein Glas Bier, und erst bei diesem fiel ihm ein, daß sein Wagen noch in der (Babelsberger»

straße stünde. Er ging eilig zurück, tankte und fuhr bei einbrechender Dämmerung nach Schellenberg zurück, wo er gegen Mitternacht ankam und Anna durch Hupengebrüll erschreckte. Er schob den kleinen Zweisitzer, den er unterwegs in einem Anfall von Kindischsein auf den NamenSchorschi" getauft hatte, in den Schuppen und begab sich dann tod­müde in sein Schlafzimmer.

Am nächsten Tag schloß er mit Tutschek ab, und der Kauf wurde in Gegenwart des Urfahmer No­tars gleich festgemacht. Fogg besaß nun hinreichend Bargeld für die nächste Zeit und war Eigentümer der Kuhleiten. Sein schöner Wald allerdings war flötengegangen. Als der Gsodmair davon horte, zuckte er die Achsel.

Die Kiste mit den Instrumenten waren gekom­men. Hohe Zeit. Ein Arzt ohne Instrumente ist so viel wie ein Maurer ohne Kelle. Fogg werkte im Wohnzimmer mit Hammer und Beißzange. Das Mädchen Anna bestaunte die seltsamen und gruse­ligen Dinge, die aus Holzwolle und Seidenpapier zum Vorschein kamen.

Das sind Reagenzgläschen, Anna. Nicht zer­brechen."

Nein, Josi. Aber laß mich doch auspacken. Du hast es so schwer gehabt die letzten Tage, und mich kommt das Bücken leichter an. Sie war voll Be­sorgnis und Anteilnahme an seinem Wohlergehen. Sie legte ihm mittags die besten Bissen auf den Teller, sie machte sein Bett so weich wie möglich, und sie nahm ihm vielen Kleinkram ab sie war eben verliebt, und da ist man so. Und dieser Josi, und das war ihr Kummer, merkte so rein gar nichts. Er schien keine Ahnung zu haben, was für Dinge in einem Mädchen vorgehen, das zum ersten Male Feuer gefangen hat. Daß es nachts zuweilen nicht schlafen kann von süßem Herzeleid und daß es tagsüber herumläuft voller Bedrängt- heit und Jnsichhineinspüren und Harren auf etwas, das niemals kommen will. Josi ist zu Anna nicht heiß und nicht falt, sondern von jener temperierten Freundlichkeit, die er für seine Patienten hat. Anna besitzt ein Stübchen im Obergeschoß mit einem Nußbaum vor dem Fenster, dessen dunkle Aeste sie nachts manchmal erschrecken.

Na, schon", sagte Fogg,mach du weiter. Ich will bann diese Besuche erledigen. Er warf sich

in seinen besten Anzug und ging auf die An­standstour.

Pfarrer und Lehrer hatte er bald hinter sich gebracht. Blieben noch das Schloß und ein ge­wisser Professor Engasser. Er war kein Freund solch feierlicher Geschichten, aber es gehörte sich eben. Zuerst stieg er den Schloßberg hinan. Die Fürstin war gestern angekommen, wie es hieß sie pflegte jedes Frühjahr und jeden Herbst auf Weißensee zu verleben, und nun konnte er ihr gleich seine Aufwartung machen. Sie sollte noch ziemlich jung aussehen und recht lebenslustig fein.

lieber dem Schloßportal prangte ein verwasche­nes Sandsteinwappen, rechts und links von alle­gorischen Figuren flankiert, die mit bacchantischer Gebärde ein Füllhorn schwangen. Ein Teil der hohen Fenster war durch weiße Läden verschlossen. Fogg trug sein Vorhaben einem Lakaien vor. Der Mann ging und erschien nach wenigen Minuten wieder: Durchlaucht ließen bedauern. Durchlaucht seien noch zu angegriffen von der langen Reise und konnten nicht empfangen.

Dann eben nicht! dachte Fogg gleichmütig und schritt durch den Schloßhof wieder zurück. Vor einer Stallung stand ein brauner Hengst, gesattelt und von einem Reitknecht gehalten. Der Verwalter Tutschek bemühte sich gerade, aufzusteigen. Sooft er den Fuß in den Bügel setzte, wich das Pferd zur Seite und ging in die Hohe.

Warum geht's denn nicht?" fragte Fogg, der für Pferde »von jeher etwas übrig hatte.

Der Teufel ist zu lange gestanden. Diese Horn­ochsen bewegen die Gäule ja nicht richtig. Und die Fürstin will nachmittags ausreiten!"

Ihr füttert ein wenig zuviel Hafer", meinte Fogg.Lassen Sie mich mal versuchen." Er schob Tutschek einfach beiseite und war mit einem Schwung im Sattel, ohne den Bügel zu benutzen. Nach ein paar Runden sprang er federnd ab und lachte Tutschek an:Sehen Sie, so wird's gemacht. Herrschaften, ihr habt ja keine Ahnung, was Rei­ten heißt. Nichts für ungut, Herr Verwalter!"

Er säuberte sich die Beinkleider von Haaren und ging grüßend davon. Diese leise Blamage vor dem Knecht gönnte er dem aufgeblasenen Herrn. Er hatte ihm den Wald noch nicht verziehet!.

Tutschek erwiderte nichts und blickte ihm dose nach.

*

Kann ich die gnädige Frau oder den Herrn Professor sprechen? Mein Name ist Fogg, ich bin der neue Arzt."

Die Köchin Emerenz führte Fogg durch einen netten Vorgarten in die Villa. Es sah nach Wohl­stand aus und nach französischem Geschmack. Die Diele war das reinste Schmuckkästchen. Frau En­gasser erhob sich bei Foggs Eintritt und legte eine Stickerei beiseite.

Fogg spürte ganz deutlich, wie sich sein Herz überschlug. Diese Frau Engasser war niemand anders als das Fräulein von der Wiese, mit dem er sich seit Tagen über Gebühr beschäftigte, sogar in seinen Träumen. Diese Neuigkeit gab ihm einen ordentlichen Stoß. Was da herausgerissen werden muhte, saß ziemlich tief. Er zwang sich zur Un­befangenheit und sagte unsicher:

Wir kennen uns ja bereits. Sind Sie damals gut heimgekommen? Ich vergaß letzthin ganz, mich vorzustellen."

Meine Schuhe haben sich fein wieder erholt, daß Sie es nur wissen!" lachte sie fröhlich und zeigte viele blitzende Zähne. Ein dünnes Haus­kleid brachte ihre schlanke Figur vorteilhaft zur Geltung. Dann wurde sie plötzlich ernst:Es ist recht nötig, daß wir wieder einen Arzt hier haben. Ich komme viel herum im Dorfe und sehe so manches."

Habe es schon gehört. Sie haben sich in der Zwischenzeit der Leute ein wenig angenommen; man ist voll des Lobes über Sie."

Gott, was kann unsereins schon viel tun? Nachsehen und die allergröbsten Fehler abstellen oder mit Geld und Essen nachhelfen. Uebrigens war es früher ja mein Beruf. Ich bin ausgebildete Krankenpflegerin. Ich will mich hier nicht besser machen als ich bin. Es ist auch Langeweile dabei. Oh, Sie wissen es ja nicht, wie schauderhaft es hier sein kann."

Hält Sie denn etwas in Schellenberg?"

,Za, mein Mann. Er schreibt da so ein Buch über die Pflanzen in der Gegend. Manchmal ver­wünsche ich es/'

Fortsetzung folgt.