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Nr.131 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 9. Zum 1937

Aus der Stadt Gießen.

Gefahren der Kirschenzeit.

LPD. Mit dem Reisen der Kirschen muß auch wieder an einige Vorsichtsmaßregeln erinnert wer­den, um sich sowohl beim Pflücken wie beim Essen der Kirschen vor Schaden zu bewahren. Zunächst sind es die Unfälle und Verletzungen, die alljährlich beim Kirschenpflücken Vorkommen und die zu eindringlicher Warnung Anlaß geben. Bei der Abnahme der Kirschen von den Bäumen prüfe man vorher das Leitermaterial, gebe der Leiter einen sicheren Stand und versteife sich nicht darauf, auch die fast unerreichbaren Früchte an den äußersten Enden der Aeste und Zweige noch zu pflücken, denn erstens kann dies den Pflückenden in große Gefahr bringen und zweitens möchten die Vögel schließlich auch ein paar Kirschen stibitzen. Sicherer läßt sich auf einer Leiter hantieren, wenn diese an mehreren Stellen angebunden ist.

Weitere Gefahren für die Fußgänger drohen durch das Wegwerfen von Kirschkernen auf Geh­bahnen, was nicht nur alten und gebrechlichen Leuten, sondern unter Umständen auch ganz Ge­sunden zum Verhängnis werden kann.

Recht leichtsinnig und unvorsichtig ist das Wasser­trinken, überhaupt das Trinken von Flüssigkeiten nach dem Kirschengenuß. Dadurch kann die Darm­tätigkeit so unnatürlich gesteigert werden, daß Darmverschlingungen oder Gefäßsprengungen ein­treten, die schon ost den Tod zur Folge hatten. Es -kann auch bei Magenüberladungen zu ernsthaften Erkrankungen kommen, besonders dann, wenn Früchte gegessen werden, die stark quellen und auf einmal einen Mageninhalt bilden, den der normale Magenraum kaum zu fassen vermag. Die Kirschen gehören nun zu den Früchten, die im Magen am stärksten aufquellen.

Man hüte sich daher gerade beim Kirschenessen vor jedem zuviel!

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Gloria-Palast, Seltersweg:Wie der Hase läuft". Johannesfaal: 20.15 Uhr Bibel- und Bekennt­nisabend. Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot: 20.30 Uhr Hotel Bayerischer Hof, Bahnhofstraße, Vortrag. Stndentenvortrag in der Universität, 20.30 Uhr, Hörsaal 13.

Manuela del Rio, die spanische Tänzerin, in Gießen.

Die Intendanz des Stadttheaters hat die fpani- sche Tänzerin Manuela del Rio zu einem ein­maligen Gastspiel am Samstag, 12. Juni, verpflich­tet. Manuela del Rio tritt augenblicklich noch mit großem Erfolg auf der Weltausstellung in Paris auf und wurde vorher in Berlin, London, Brüssel, Tokio und Schanghai gefeiert. Es kommen original­spanische Tänze und Musikstücke zum Vortrag. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr, Ende 22 Uhr.

Ortsfrauenschastsabend Gießen-Süd.

Der Ortsfrauenschaftsabend Gießen-Süd fand im blumengeschmückten Saal des Studentenheims statt. Die stellvertretende Leiterin Frau Herzog ge­dachte der Opfer derDeutschland" und ermahnte die Frauen, fest und treu zum Führer zu stehen, der auch bei diesem Zwischenfall, diesem erneuten Ver­such den Frieden Europas zu stören, die Ehre des Reiches mit starker Hand wahren wird. An 27 neue Mitarbeiterinnen wurden die Amtswalterinnen­nadeln ausgegeben. Die Gewerbelehrerin Fräulein Bechtolsheimer sprach dann in anregender Weise über volks- und hauswirtschaft­liche Fragen. Die nach guten, billigen Koch­vorschriften Hergestellen Speisen aus Mager- und Buttermilch sowie aus Quark waren auf blumen­geschmückten Tischen ausgestellt. Kostproben wurden an alle Frauen verteilt und fanden verdienten Beifall. F. K.

Gießener Giadiiheater.

Erich Ebermayer:Sonne für Renate."

Die Sommerspielzeit ist eröffnet: unter der Devise Lachen ist gesund", mit einem schlanken Lustspiel­chen, Has die Leute an einem warmen Abend in an­geregte Stimmung versetzt. Renate ist Empfangs­fräulein beim Zahnarzt, und do es mit ihr so be­stellt ist, daß die eingebildeten Kranken viel lieber um ihretwillen im Vorzimmer sitzen, als sich gut­erhaltene Zähne ziehen zu lassen für nichts und wieder nichts, kann es nicht ausbleiben, daß der um feine Praxis besorgte Zahnarzt das Fräulein an die Luft fetzt.

Das tut den eingebildeten Kranken herzlich leid, und drei junge Leute, die noch nichts Rechtes sind, aber alle drei an Renate ihr Herz verloren haben, legen ihr Bißchen zusammen, gründen aus freier Hand eine G. m. b. H.Sonne für Renate" und er­finden einen reichen Gönner, der angeblich das Geld gegeben habe. Renate macht mit dem Geld einen Kindergarten auf, aber leider kommt der fromme Schwindel eher heraus, als einer von den dreien sein Glück gemacht hat. (Der soll sie dann nämlich heiraten dürfen; so hatten die drei guten Freunde das unter sich geregelt.)

Renate ist natürlich empört, als sie merkt, was da gespielt wird, übertrumpft das Spiel und macht sich erbötig, in einer bösen Laune, einen vierten kurzerhand zu nehmen, der bestimmt nicht der Rechte wäre. Zum Glück kriegt sie ihn wieder los, ehe die G. m. b. H. vollends auffliegt. Der vorgeschobene reiche Gönner erscheint in Person und benimmt sich sehr anständig, und schließlich es ist wie im Mär­chen machen die drei alle auf einmal ihr Glück, kriegen eine Stellung, einen Posten, ein Einkom­men, einen Preis. Jeder hat was. Und nun könnte eigentlich das Spiel noch mal von vorn gespielt werden. Wie gut, daß Renate im Hausgang den Eilboten abgefangen hat, der die dickste Siegesbot­schaft in der Tasche hatte: für Rolf. Theo und Man­fred sind um eine Nasenlänge geschlagen. Doch hat auch jeder sein Pläsierchen aus der Wunde. Die G. m. b. H. kann nunmehr aufgelöst werden; der Saal ist zu räumen. *

So ungefähr geht das zu. Unter der Führung von Herrn Neuhaus wurde flott und animiert gespielt; alles klappte aufs Stichwort. Das En­semble war mit Humor und Eifer bei der Sache. Fräulein Prinz als Renate sah reizend aus und

Prof. Or.Chr. Rauch zum Vorsitzenden des Oenkmalrat-Ausschuffes bestellt.

Von der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der ordentliche Professor für mittlere und neuere Kunstgeschichte an unserer Universität, Dr. Christian Rauch, ist durch den Herrn Reichs­statthalter in Hessen zum Vorsitzenden des Denk­malrat-Ausschusses für die Baudenkmäler in Ober­hessen bestellt worden.

Aus der Arbeit der DAI.

Die Kreiswaltung Wetterau der DAF. gibt nach­stehenden Bericht über ihre Tätigkeit im Monat Mai 1937 bekannt.

Die Kreiswaltung Wetterau zählte im Berichtsmonat 40115 Mitglieder. Die Verwaltungs­stellen Gießen und Friedberg zahlten an 1124 Ka­meraden 15 483,55 Mark Arbeitslosen-, Jnoaliden- und Notunterstützungen, sowie Heiratsbeihilfen.

Die Rechtsberatungsstelle wurde von 411 Betriebsführern und Gefolgschaftsmitgliedern ratsuchend in Anspruch genommen, wobei vier Ver­

gleiche mit einer Gesamtsumme in Höhe von 575,88 Mark geschlossen werden konnten. 12 Klageerhebun­gen stehen 7 Vergleiche und 2 Klagerücknahmen gegenüber.

Die Kreiswaltung nahm 2 3 7 Betriebsbe­suche vor, besuchte 23 Ortswaltungen und hielt 3 Dertrauensratsschulungen ab, wobei der national­sozialistische Kampfgeist in die Betriebsgemeinschaf­ten hineingetragen wurde, um in Führung und Ge­folgschaft entsprechende Handlungen auszulösen.

Die Abteilung Berufserziehung und Be­triebsführung brachteRichtlinien für die gesamte Berufserziehungsarbeit" heraus, um den verantwortlichen Männern übersichtlich geordnete Ratschläge für die betriebliche und überbetriebliche Berufserziehung zu geben.

NSV., Ortsgruppe Mitte.

Befr.: Opferringsammlung.

Am Mittwoch, 9. Juni, werden die Spenden (Opferringsammlung) durch die NS.-Frauenschaft eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kennt­

lich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quit» tungseinzeichnung bereitzuhalten.

Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.

Belr.: Arbeitstagung aller Unterbann- und Gefolg- fchaftsführer sowie Stellenleiter des Bannes 116.

Am heutigen Mittwoch, 9. Juni, pünktlich 20.30 Uhr, findet auf der Dienststelle des Bannes 116 eine wichtige Arbeitstagung aller Unterbann- und Ge­folgschaftsführer sowie Stellenleiter des Bannes 116 statt. Besprochen werden Hessen-Nassau-Fahrt und Zeltlageraktion.

Betr.: HJ.-Sparen.

Es liegen bis jetzt nur die Sparkontrollbvgen der Gefolgschaften 5/116, 8/116 und 13/116 vor. Von den Sondereinheiten wurden die Sparkontrollbogen von der Fliegergefolgschaft 1/116 und der Nachrich­tenschar abgeliefert. Die restlichen Kontrollbogen müssen bis spätestens 9. Juni 1937 an mich abge­liefert werden.

Der Adjutant des Bannes 116. Dölzing, Unter­bannführer.

Erfolge der Gießener Kremdenverkehrswerbnng.

Ein Ausspracheabend. Großzügige Förderung des Fremdenverkehrs. Maßnahmen zur Verschönerung des Giadibil-es.

Der Oberbürgermeister unserer Stadt hatte für den gestrigen Abend die Vertreter aller mittelbar und unmittelbar am Wohle unserer Stadt und an der Förderung des Fremdenverkehrs interessierten Einzelpersonen, Vereine und Organisationen zu einem Ausspracheabend eingeladen. Dieser Aus­spracheabend gestaltete sich außerordentlich anre­gend. Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der staatlichen und städtischen Behörden, der Wehr­macht, des Arbeitsdienstes, der Universität, der Studentenhilfe, des Studentenbundes, des Land­schaftsbundesVolkstum und Heimat", der Heimat­vereinigungen, der Forstbehörden, der Polizei, des Museums, des Reichsbundes für Leibesübungen, zahlreiche Vertreter des Einzelhandels, des Gaft- stättengewerbes, schließlich aber auch Vertreter der Organisationen mit kulturellen Bestrebungen, hat­ten sich eingefunden und folgten den Anregungen, die der Abend brachte, mit gespannter Aufmerksam­keit. In der Versammlung kam eine Fülle der Dinge zur Sprache, die erkennen ließ, wie vielseitig im Lebensraum einer Stadt die Probleme auftre­ten und ihrer Lösung harren.

Oberbürgermeister Ritter begrüßte die zahlreichen Teilnehmer an dieser Ver­sammlung mit herzlichen Worten. Er stellte voraus, daß es gelte im Interesse der Wirtschaft unse­rer Stadt einen lebhafteren Fremdenverkehr zu ver­schaffen. In der bisherigen Werbearbeit für diese Sache seien schon bedeutende Erfolge erzielt wor­den. Es gelte, zietbewußte Werbung zu treiben. Der Erfolg werde dann nicht ausbleiben.

Bericht des GtädtischenVerkehrsamtes

Nach den einleitenden Worten des Oberbürger­meisters erstattete der Leiter des Städtischen Ver­kehrsamtes, Schuster, einen aufschlußreichen Be­richt über die Tätigkeit und die Ersolae des Städti­schen Verkehrsamtes im Jahre 1936. Aus dem um­fangreichen Bericht sei das Wesentlichste wieder- gegeben: Festzustellen sei eine steigende Zunahme der Uebernachtungsziffern in unserer Stadt. Es seien auch mehr ausländische Besucher gezählt wor­den, wie in früheren Jahren. Die Monate August und September 1936 verzeichneten während des vergangenen Jahres den stärksten Befuch aus dem In- und Ausland. Besondere Förderung habe die Werbung für die Universität erfahren. Immer wie­der sei die Universität bei Ausstellungen zu Wort gekommen, viel Werbearbeit gelte der Bemühung

um die Vergrößerung der Zahl der Studierenden. Erfreulicherweise habe sich die Zahl der in den ersten Semestern Studierenden erhöht. Eine systematische Werbung durch das gedruckte Wort sei in vielfacher Form für die Universität getätigt worden. Belebend für unsere Stadt habe sich die Vergrößerung der Garnison ausgewirkt. Das Liebigmuseum bilde für viele Fremde einen Anziehungspunkt. Starker Durchgangsverkehr habe in Gießen während der Reichsnährstandsausstellung in Frankfurt a. M. und während der Olympischen Spiele geherrscht. Oertliche Ausstellungen brachten starken Zustrom auswärtiger Gäste. Die Veranstaltungen der NS.- GemeinschaftKraft durch Freude" und die Ver­anstaltungen der Wehrmacht seien immer stark be­sucht gewesen. Bei der Weinwerbewoche wurde ein großer Umsatz erzielt. Das Verkehrsamt habe es sich angelegen sein lassen, durch Anzeige, Film und Funk zu werben. Sachkundige Führungen durch Gießen und Umgebung machten die Gäste mit den Schönheiten unserer Stadt vertraut. Die Verkehrs­werbung habe, so schloß der Leiter des Verkehrs­amtes seinen Bericht, ihre Erfolge bereits gezeitigt. Die Werbearbeit werde systematisch fortgeführt und der Erfolg für das Jahr 1937 sei nicht zweifelhaft. Gießen als Universitäts-, Garnisons-, Garten- und Sportstadt bedürfe aber einer weiteren Hebung des Fremdenverkehrs, wenn sich für die heimische Wirt­schaft weitere günstige Auswirkungen zeigen sollten. Den

Bericht

über die Tätigkeit des Verkehrsvereins

erstattete Bürgermeister Pros. Dr. Ham m. Der Referent stellte zunächst heraus, daß die Mitglieder- werbunq für den Verkehrsverein eine dringende Notwendigkeit fei. Noch stünden, so sagte er u. a., viele dem Verein ferne, die gerade ein besonderes Interesse an der Hebung des Fremdenverkehrs haben sollten. Interessant sei es, daß Klagen immer nur aus den Kreisen von Nichtmitgliedern kämen. Der Verkehrsverein habe unter großen Kosten im vergangenen Jahre zahlreiche Werbeschriften ver­sandt. Mit großem Erfolg sei das Reit- und Fahr­turnier unter der Schirmherrschaft des Gauleiters durchgeführt worden. Besonderer Dank für die tat­kräftige Mithilfe bei der Durchführung der Veranstal­tung gelte der Wehrmacht. Für den Herbst des Jah­res 1937 sei eine Veranstaltung besonderer Art vor­gesehen: die Ausfischung des Teiches an der Schlageteranlage. Diese Ausfischung solle zu

einem Volksfest gestaltet werden, für das Preis­fischen, Bootsfahrten, Feuerwerk usw. vorgesehen seien. Ferner trage man sich beim Verkehrsverein mit dem Gedanken, eine Lichtwoche zu veran­stalten. In den benachbarten Bädern soll unsere Stadt in der nächsten Zeit systematisch als Aus­flugsziel propagiert werden. Vorgesehen fei die Schaffung und Aufstellung eines großen Stadt­planes am Bahnhof, nach dem sich jeder Fremde sofort über die Lage der Stadt, über Sehenswür­digkeiten und viele Einzelheiten informieren könne. Ferner solle eine Vorrichtung geschaffen werden, in der auswechselbar die Spielpläne des Stadttheaters, der Lichtspielhäuser und die Veran­staltungen der NSG.Kraft durch Freude" be­kanntgemacht werden könnten. Der Blumen­schmuckwettbewerb solle auch in diesem Jahre wieder durchgeführt werden. Die Preisver­teilung für diesen Wettbewerb solle in Verbindung mit einer Blumenschau des Reichsnährstandes vor­genommen werden. Bürgermeister Prof. Dr. Hamm teilte dann mit, daß die Fragen der Alt­stadt-Sanierung, die Frage der Zukunft der Lie- bigshöhe und der Schaffung eines Sportbades ihrer Lösung entgegengingen. Eine Verschönerung des Stadtbildes solle erreicht werden durch die zielbe­wußte Neugestaltung von Hausfassaden in ihrer ursprünglichen Form. Den Hausbesitzern werde hier in Zukunft manche praktische Anregung von fach­männischer Seite an die Hand gegeben werden. Die Bestrebungen gingen darauf hinaus, das historische Stadtbild immer deutlicher hervortreten zu lassen. Efne große Zukunft sei unserem Oberhessischen Museum vorauszusagen, das durch die Funde an den Baustellen der'Reichsautobahn eine Fülle wertvollsten Materials für die vorgeschichtliche Ab­teilung zugewiesen erhalten habe. Diese vorge­schichtliche Abteilung werde sich bald in einem sol­chen Umfang zeigen, daß sie für viele Interessenten aus dem ganzen Reich sehenswert werde.

Oberbürgermeister Ritter dankte dem Leiter des Verkehrsamtes, wie auch Bürgermeister Prof. Dr. Hamm für ihre aufschlußreichen Belichte. An­schließend forderte er die Versammlung auf, Vor­schläge und Wünsche zu äußern, die der Werbung für unsere Stadt dienlich sein könnten. Von dieser Aufforderung wurde lebhaft Gebrauch gemacht.

Anregungen.

Dr. h. c. Meesmann wies zunächst darauf hin, daß in Gießen ein geeignetes größeres ©arten»

hielt das lockere Lotteriespiel mit weiblicher Ge­wandtheit in der Waage. Die Drei-Männer-

m. b. H. wurde in jungenhafter Verliebtheit von den Herren Lindt, Frickhoeffer und Schorn dargestellt, die eifersüchtig und verbiestert, unglücklich und bierehrlich ihren Einsatz verwalteten. Von den übrigen seien Herr Kühne, der einen eleganten und wahrhaft märchenhaften Diplomaten spielte, Herr Geißler als bekümmerter Zahnarzt und Herr Hub als ein volkstümlich-jovialer und biederer Häusermakler genannt.

Die Neuigkeit wurde mit fteundlichem Beifall entgegengenommen. Hans Thyriot.

Oer Gänger.

Sine Anekdote von Paul Alverdes.

Der Kammersänger Cornelius, ein schöner und rüstiger Mann in den besten Jahren, starb nach der Aufführung einer Oper, in welcher er die Rolle eines königlichen Liebhabers wie immer gleich hin­reißend gespielt und gesungen hatte, sehr plötzlich. Seine Familie, mit der er, auf den Umgang mit Bewunderern und Anbeterinnen nicht weiter ver­sessen, ein zurückgezogenes und, wie man sagte, höchst glückliches Leben führte, erwartete ihn nach der Vorstellung zur gewohnten Stunde zum Nacht­mahl. Er blieb aus, man suchte nach und fand ihn in seiner Garderobe tot am Schminktisch sitzen, in seiner seidenen Tracht, schönbärttg, im geringelten Haar, noch ein Fürst und Held der Sage. Im Be­griff, sich in den umgänglichen und heiteren Corne­lius zurückzuverwandeln, den zärtlichen Gatten einer anmutigen und klugen Frau, den beneideten Vater blühender Kinder, war er zur letzten Ver­wandlung aufgerufen worden. Die Aerzte erkann­ten das Zerreißen eines Blutgefäßes iyz Gehirn für die Ursache des jähen Sterbens. Das Begräbnis war prunkvoll, in feierlicher Erschütterung schritten Hunderte hinter dem Sarg einher, den bald ein Hügel von Kränzen und kostbaren Blumengebinden deckte. Nicht lange darauf zog die Witwe mit den Kindern in eine entfernte Stadt, und ein anderer trat, vom Publikum freundlich und bald begeistert willkommen geheißen, in der Oper an die Stelle des Toten. Eine kurze Weile gedachte man seiner noch in Zeitungen und andern Ortes vergleichsweise und rühmend, dann ward es still, er schien, wo er nicht mehr wirkte, vergessen, und am Ende war er es auch.

Doch hatte im Herbst nach seinem Tode in eben jener Stadt ein junger Student, der ihn übrigens nur dem Namen nach gekannt hatte, ein sonder­

bares Erlebnis. Er bewohnte eine Stube in einem alten Haus, in dessen Erdgeschoß ein Barbier sei­nen Laden hatte. Dieser war, um für ein Mittel zur Pflege der Haare, das er vertrieb, zu werben, auf den Einfall gekommen, sich Bilder des berühm­ten Toten zu verschaffen und sie in einem Schau­kasten neben seiner Türe auszuhängen. Dort war er in weltlichen und geistlichen Masken, das Schwert oder den Kelch in den Händen, zu sehen, und es stand dabei zu lesen, daß der Unvergeßliche seine äußerste Zufriedenheit mit eben jenem Mit­tel mehr als einmal ausgesprochen habe.

In einer regnerischen und kalten Nacht nun kehrte der Student, den es in seiner Stube nicht gelitten hatte, durch die einsamen Straßen nach Hause zurück. Während er, den Shlüssel in Händen, noch unter dem Tor stand, in den Regen hinaus­starrend und unschlüssig, ob er nicht aufs neue durch die Stadt schweifen sollte, um den Schlaf zu suchen, der ihn floh, vernahm er plötzlich ein Lispeln und Stammeln, eine halb jammernde, halb schmeichelnde Stimme, als rede wer einem kranken Tier ober Kind gut zu, und dann wieder klang es wie das Seufzen von Liebesworten. Vorsichtig herausspä­hend, gewahrte er im Licht der Laterne, die über der Gasse hing, vor dem Schaukasten mit den Bil­dern des Toten eine weibliche Gestalt, eine Frau in den Fünfzigern, wie es ihm schien. Ihre Klei­dung war öürftig und saß ihr schlecht, schief auf dem Kopf trug sie ein jugendliches Hütchen nach einer verschollenen Mode. Ihr Gesicht sah er nicht, es blieb im Schatten, wie sie sich nun im heftiger niederprasselnden Regen immer wieder auf die Zehen erhob, um das triefende Glas des Schau­kastens mit dem Aermel ihrer Jacke abzuwischen und die Lippen darauf zu drücken. Und nun ver­nahm er auch einiges von dem, was sie stammelte, nämlich:Auch du mein goldener Cornelius! Lieb­ster, herrlicher Mann! Hast du fortgehn müssen, hat es dir weh getan, lieber Schatz, daß du so bald hast scheiden sollen ... Bist du nun traurig? siehst mich traurig an, aber ich bin ja auch allein, sieh her, was soll ich denn da sagen? Nicht ein einziges Mal hast du mich geküßt, nicht ein einziges Mal im Leben! Aber ich habe dich tausendmal geküßt, deine goldenen Bilder, die habe ich alle geküßt ..." So trieb sie es mit schwärmenden Anreden und Seuf­zern, dazwischen sie ein paar Schritte davon ging, um sich nur mit innigeren Küssen wieder an das Glas zu heben, lange fort. Endlich aber riß sie sich los und ging den Häusern entlang davon. Der Student folgte ihr, sie redete noch mit linkischen Gebärden vor sich hin, er verstand es nicht, aber es klang gütig und fast schelmisch. Nun sah er auch

die ausgetretenen unförmigen Schuhe, in denen sie schwerfällig den Lachen der Gasse auswich, und die ganze armselige, hilflose Gestalt und er schämte sich plötzlich seiner Absicht, sie anzureden und ihr ein Schicksal abzuhorchen. Nie hat die Anmut sie gesegnet, dachte er bei sich, keinem Menschen sie lieblicher und willkommen erblühen lassen, aber sie blüht, scheint mir, sie brennt lichterloh, selig funkelt sie einen Stern zurück, der lange erlosch. Und was liegt nun noch daran, bei einer armen Jungfer in der Stube zu sitzen und den blinden Spiegel zu sehen, von papiernen Rosen und Mohn gekänzt und die abgegriffenen Bilder des Unerreichlichen davor? Er blieb stehen und blickte ihr nach, wie sie langsam in der Dunkelheit entschwand. Dann wandte er sich und ging fast fröhlich nach Hause.

Aerztliche Untersuchung der pharaonenmumien in Kairo.

In Kairo haben die ärztlichen Autoritäten, die mit einer Untersuchung der Pharaonenmumien im dortigen Museum beauftragt waren, jetzt einen Be­richt über ihren Befund veröffentlicht. Danach sind 18 von den 22 Mumien in so schlechter Verfassung, daß sie nicht ohne die Gefahr des völligen Zerfalls eine Ueberführung nach Oberägypten zu ihren ur­sprünglichen Grabstätten durchmachen könnten. Nur vier sind genügend gut erhalten, daß man einen solchen Transport wagen könnte, die Mumien des Pharao Amenophis I., Thothmes I. und Ameno­phis II., die um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. lebten, und von Ramses III., der van 1198 bis 1167 regierte. Der Bericht erwähnt dabei, daß die X-Strahlen enthüllt haben, daß der Pharao Amenophis I. ein Halsband von Gold und kostbaren Steinen trägt, was eine Versuchung für Grab- räuber werden könnte, wenn die Mumie in das Tal der Könige zurückgeführt würde.

Sochschuinachricbten.

Professor Dr. Karl Wilhelm Meißner, Ordi­narius für Physik an der Universität Frank­furt ist auf Grund von § 6 des Berufsbeamten­gesetzes (Vereinfachung der Verwaltung) in den Ruhestand versetzt worden.

Ernannt wurden: Professor Dr. El. Rode von der Universität Breslau zum Ordinarius für Geologie und Paläontologie an der Technischen Hochschule Aachen; Professor Dr. E. Back von der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim zum Ordinarius für physikalische Meteorologie an der Universität Tübingen.